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Full text of "Handbuch einer Geschichte des Kriegswesens von der Urzeit bis zur Renaissance. Technischer Theil: Bewaffnung, Kampfweise, Befestigung, Belagerung, Seewesen. Nebst einem Atlas von 100 Tafeln"

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HANDBUCH EINER 
GESCHICHTE DES 
KRIEGSWESENS 
VON DER URZEIT 
BIS ZUR... 

Max Jähns 



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LIBRARY 

University of California. 

Class 



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Geschichte des Kriegswesens 

von der Urzeit bis zur Renaissance. 



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Handbuch 



einer 



Geschichte des Kriegswesens 

von der Urzeit bis zur Renaissance. 

Technischer Theil: 

Bewaffnung, Kampfweise, Befestigung, Belagerung, Seewesen. 

Nebst einem Atlas von 100 Tafeln. 

Von - 



Max Jahns, 

Major vom Xebrnetat dei Orotsen 

I -ehrer an der Koni«) Krirtpakademir. 



Leipzig, 

Verlag von Fr. W i I h. Urano 
1880. 



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Das Kocht der Ueliersetzung Meibt vorbehalten! 




U. |-«t«*b. BucMr. (O«to Iii .S»Bml*r t a 9. 



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SEINER EXCELLENZ 
DEM 

HERRN CHEF DES GENERALSTABES DER ARMEE 

GENERAL-FELDMARSCHALL 

GRAFEN VON MOLTKE 



IN EHRFURCHT UND BEWUNDERUNG 
OK WIDMET. 



224707 



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Vorwort 

Eine Geschichte des Kriegswesens, welche auf den Forschungs- 
ergebnissen der letzten Jahrzehnte beruht und also dem Stande 
des heutigen Wissens entspricht, wurde schon seit längerer Zeit 
von den Fachmännern gewünscht, und auch ich gewann, bald nach 
meiner vor nunmehr acht Jahren erfolgten Berufung auf den Lehr- 
stuhl der Geschichte der Kriegskunst an der Kgl. Kriegsakademie, 
die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer solchen Arbeit. Ich 
unterzog mich derselben zunächst in der Absicht, meinen eigenen, 
zeitlich sehr knapp bemessenen Vortrag von dem rein Technischen 
zu entlasten, um mich desto freier auf dem ethnisch-ethischen Ge- 
biete, d. h. in der Darstellung des Heerwesens, bewegen zu können. 
So entstanden zuerst der Atlas und dann dies Handbuch einer Ge- 
schichte der älteren militärischen Technik als ein Versuch, die 
Fülle der in Monographien oder in allgemein-historischen Werken 
zerstreuten kriegskünstlerischen Thatsachen zu sammeln, kritisch 
zu sichten und zu einem organischen Ganzen zu verbinden, in ähn- 
licher Weise, wie das etwa Schnaase für die Geschichte der 
bildenden Künste in freilich schwer erreichbarer Vortrefflichkeit 
gethan hat. 

Ein Blick in die Inhaltsübersicht und in das Inhaltsverzeichnis 
lässt die Stoffverteilung sofort deutlich werden. Dabei ergibt sich 
denn, dass der Urzeit und dem Alterthume gegen 400 Seiten, der 
Zeit der Völkerwanderungen und dem Mittelalter (einschl. der Re- 
naissanceperiode) dagegen Uber 900 Seiten gewidmet sind. Der 
Schwerpunkt der Arbeit liegt also in der Behandlung des Mittel- 
alters, und dies mit gutem Grunde! Denn während die kriegs- 



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VIII 



künstlerischen Zustände der klassischen Völker von jeher eingehend 
durchforscht und in nicht allzulangen Fristen auch die Resultate 
der Einzeluntersuchungen von kundiger Hand immer aufs Neue 
zusammengefasst wurden, ist dies flir das Mittelalter noch nicht 
geschehen. Für Griechenland und Rom geben im Grossen und 
Ganzen die trefflichen Werke von Köchly-Rüstow und Marquardt- 
Mommsen den Stand des heutigen Wissens; die Aufnahme zu- 
sammenhangender Darstellungen von Römerschlachten in mein 
Buch, zu der ich, wegen der Fragwllrdigkeit unserer Kenntnisse, 
von vornherein wenig Neigung hatte, wurde überflüssig durch die 
mit meinem Atlas zugleich erscheinende gründliche und leicht zu- 
gängliche Arbeit Albert's v. Kampen*): Werke ähnlicher Art für 
das Mittelalter fehlen durchaus. Hier musste also die Darstellung 
auch viel reicher mit erläuternden und begründenden Beispielen 
ausgestattet werden, und dies erforderte mehr Raum und Zeit, als 
ich selbst ursprünglich vorausgesetzt hatte. — Einigen Raum hätte 
ich allerdings ersparen können, wenn ich auf die sprachliche Er- 
läuterung der Kunstausdrücke Verzicht leistete. Ich bin indes 
durchdrungen von der alten Wahrheit „Nomina oniina!". Denn 
wer die Herkunft der technischen Bezeichnungen kennt, wer da 
weisz, was sie ursprünglich bedeuteten und welche Wandlungen 
des Sinnes sie bald hier bald dort erlitten haben, der kennt damit 
zugleich meist auch die Geschichte des Gegenstandes selbst. — 
Viel Raum nehmen die grossen Literaturnachweise fort, welche 
an die Spitze der einzelnen Abschnitte gestellt sind, sowie die 
eingehenden Quellenangaben unter dem Texte: beides aber schien 
mir für ein Handbuch unerlässlich ; denn ein solches will doch 
auch Anregungen und Hilfsmittel zur Weiterforschung geben. 



*) Descriptiones nubÜisaimorum apud clast-icos locoruui. Gotha neit 1878. 



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IX 



Seine Excellenz der Herr Generalfcldmarschall Graf 
VON MOLTKE, welcher der vorliegenden Arbeit während ihres 
Entstehens seine fördernde Theilnahme zuwendete und sie der 
Armee empfahl, hat seiner hohen Geneigtheit zuletzt noch einen 
mich besonders beglückenden Ausdruck gegeben, indem Er ge- 
stattete, Ihm dies Werk zu widmen, es unter die Aegide seines 
glorreichen Namens zu stellen. Nicht, dass ich hinter einem sol- 
chen Schilde Schutz suchen möchte gegen die Kritik; aber der 
Name des Feldmarschalls Grafen MOLTKE an der Spitze dieses 
Buches wird allen Denjenigen zu denken geben, welche in ein- 
seitigem Eifer flir das „Praktische" militärhistorische Studien, ins- 
besondere solche des Alterthums oder des Mittelalters, als werthlos 
für den modernen Offizier bezeichnen. Der Name Seiner Excellenz 
wird diese Herren daran erinnern, dass die grossen Feldherrn 
aller Zeiten durchaus nicht Routiniers gewesen sind, sondern 
Männer, deren geistiges Leben ganz vorzugsweise durch geschicht- 
liche Studien befruchtet war. — Ist es doch mit der Nahrung des 
Geistes ähnlich wie mit der des Körpers. Unser Leib setzt sich 
nur aus sehr wenigen Elementarstoffen zusammen; wer jedoch 
unmittelbar mit diesen genährt würde, dürfte schwerlich gedeihen: 
der Körper bedarf einer schon früher in organischer Gestalt le- 
bendig gewesenen Nahrung; er bedarf der Früchte und des 
Fleisches. So genügt es zur Bildung des Intellectes keinesweges, 
dass ihm eine Reihe apodiktischer Maximen vermittelt werde; 
vielmehr bleibt seine beste Nahrung stets die Wahrheit in 
der Geschichte. 

Indem ich nunmehr die langjährige Arbeit abschliesze, spreche 
ich zuletzt noch all' Denjenigen meinen Dank aus, welche schon 
an dem werdenden Werke ihr Interesse bethätigt haben. Möge 
das vollendete Ganze den freundlichen Erwartungen entsprechen. 



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X — 



mit denen sie die ersten Lieferungen begrtlssten, mögen sie sich 
durch das Gebotene entschädigt finden für die Geduld, mit welcher 
sie die Verdoppelung der Erscheinungsfrist wie des Umfangs des 
Handbuches gütig hingenommen haben. Die Dimensionen einer 
auf so breitem Materiale beruhenden Arbeit sind von vornherein 
kaum richtig abzuschätzen; ist aber erst einmal die Niederschrift 
im Gange und — wie hier der Fall — zugleich im Drucke, so ent- 
wickelt der Stoff vermöge seiner inneren Logik eine selbständige 
Kraft, gegen welche auch energische Beschränkungsversuche nicht 
aufkommen. Das mephistophelische Goethe-Wort hat schon recht: 
„Am Ende hangen wir doch ab von Creaturen, die wir machten." — 
Und diese Abhängigkeit dauert auch jetzt noch an; denn meine 
Arbeit deutet, so wie sie vorliegt, vorwärts und seitwärts: vor- 
wärts auf eine Vollendung bis zur Gegenwart, seitwärts auf eine 
ihr analoge Behandlung des ethnisch-ethischen Theiles der Ge- 
schichte des Kriegswesens. — Wird die Aufnahme des nun voll- 
endeten ersten technischen Theiles durch das Publikum, werdeu 
meine Kraft und meine Zeit es möglich machen, das Unternehmen 
in jenem Sinne zu vollenden!? 

Berlin, 14. Juli 1880. 

Max Jahns. 



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Allgemeine Inhaltsübersicht. 



Das Alterthum. 



Urzeit und XatnrvMker 1 -48. 

Waffen der Urzeit 1. 
Befestigungen der Urzeit 22. 
Die Naturvölker 32. 
Kriegsbauten der Naturvölker 42. 

Despotien AH -Amerikas, Afrikas 
iimi kilena 48-88 
Altnuicrikaiiisilii' Kultu rvö lker 4 tt . 

Aegypten 56. 
Assyrien 60. 

Medien, Persien und Klein» Asien 65. 
Altorientalisclu- Krirgshauten 74, 

Hellas Hft— Iflfi. 



Tiitprafair 89 

Waffen der Hellenen 90. 
Griechisches GeachÜtzwesen 108. 
Griechische F,l< Mnontartaktik 117- 

gchlachtentaktik der Hellepen und 

Alexandriner IQfi. 



Befestigungs- und Belagerungswesen 

der Grieche n 14 2. 
Seewesen und Kriegstelegraphie der 
Griechen IfiS. 

Rom 187-383. 
Literatur 187. 

Bewaffnung und Ausrüstung HU. 
Formation und Taktik 212—268. 
Heer der Königa/.eit 212. 
Heer der Republik 217. 
Hi-rr Cäsur'« 237. 
Hrer ik-a Kiiis'.-irei'.l)':" 217, 
Ltgcrordnung 259. 
Bejiwügunggwegen . Belagerungs- 
krieg und Heerstraszen der Römer 
BfiH-37fi. 

Stjdtgi Cnstra stntiva und Bggggg 2<i*. 
J}i'layi'nuiyskrif^ ff't. 
Heerslras/cn und QQkfijgg 
Grenzeinriclitungcu 32*2. 
Seewesen 37fi. 



Zeitalter der Völkerwanderungen. 

Literatur und Einleitendes 378 



Kelten 386 - 40 2. 

Literatur 38fi. 

Bewaffnung und Kampfweise 387. 
Befestigung und Belagerung 398. 
Seewesen 402. 



Ge rmanen 402— 4?n. 
Literatur 402. 
Ausrüstung 405. 
Kampfweise 438, 
Kriegsbauten 451. 



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Byzantiner 470-^82. 
Literatur 470. 

Bewaffnung und Kamp ( weise 470. 
Befestigungswesen 479. 

I'artlier und \en -Perser 482—489. 
Parthar 482. 
Nftn-PorBPr 48fi. 

Kriegsbauten der Parther und 
Perser 487. 



Moslemin 4S9— Vis. 
Literatur 489. 

Bewaffnung und Kampfweise 489. 
Befestigung und Belagerung 503. 

Orientalische tt. Griec hische Kriegs- 
fener 508—523. 
Explodirende Gemenge des Alter - 

thnm« nOO. 
Stellung der Araber zur Feuer - 
werkern 517. 



Das frühere Mittelalter 

bis zum Ausgange der Kreuzztlge. 

Die Abendländer 524—684. i Karlinger bis zu dem der Höhen- 



Literatur 524. 



staut en >4 4. 



Ausrüstung und Kainpfweise in den j Befestigung und Belagerungskrieg 



Zeiten der Merwinger und der des früheren Mittelalters 593. 
Karlinger 525. 

Bewaffnung und Kampfweise der Die Turkvtflker 684—723. 

Sachsen und Normanneu 535. Literatur 684. 

Ausrüstung und Kampfweise der Hunnen, Avaren und Ungarn 685. 

Abendländer vom Ausgange der Mongolen, Tataren und Türken 689. 



Das spätere Mittelalter 

vom Ausgange der Kreiizzilgc bis zur Renaissance. 



Die Bewaffnung 724—815. 
Literatur 724. 

Rüstungen und blanke Waffen 725. 
Kernwaffen 75K. 

Kriegführung und Taktik 815- U07. 

Literatur 815. 
Italien 815. 
Frankreich 893 
England 843. 

Die Hauptsehlachten des lOOjähr. 

Krieges 849. 
Ost-Europa 862. 
Deutsehland 898-987 

Reiterei »OS. 

PiimvoIIc WS 

Wagenburg 943. 



Artill.Tii- M5. 

Technische Truppen 973. 
Hrcreszusanimensctsung. Zugordnung u. 
Strategie 979. 

Die Hauptschlachten d. Burgunder - 
kriege 967. 

Skandinavien 1020. 

Die Pyrenäenhalbinsel 1027—1060. 
Di e ICmran LQ8Z. 
Spanier und Portugiesen 1033. 

Die europäische Taktik zu Anfang 
■les 16. Jahrhunderts 1050—1079. 

Infanterie 10S3. 
Huiterwi IOH7 
ArtilWi« IQftfl. 

Die verbundenen Waffen 1074. 
Drei Schlaehten der italienischen 
Kriege 1079. 



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XIII 



Befestigung und Belagerungskricy i Grenzbefestigungen 1109. 

11Ü7— 1202. j Ortsbefestigung und Belagorungs- 

Litoratiir 1107. ^ r \ eg lllr> 



Vorblick. 



Einleitung 1203. 
Kusxvulk l2n:i 121:;. 
Keiterei 1214 1 21h. 



Artillerie 1218—1222 
Schlachtordnungen 1222—1224. 
Befestigungswesen 1 224— 1 22h. 



Seewesen des Mittelalters. 
I. Die Mittelmeergruppe. 

Byzantiner 1230—1233. I Venedig 1235. 

Araber 1233—1234. Amalfi. Pisa. Genua 1239, 

Italiener 1234 — 1242. 



Catalancn 1241. 



II. Die Ozean-Völker. 

Südgermanen bis auf Karl d. Gr 

1243-1246. 
Skandinaven 1247— 12fi2. 
Deutsche 12S2— 12fifi. 

Vorhansisohc Zeit 1253 



Hansiaclie Zeit 12fi9 

Engländer 1270 1278. 
Portugiesen und Spanier 1278—1288. 

Pig ^uniilMTwiiullirh.- Fl :•<!>•'• \2üA. 



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— XIV 



Berichtigungen. 

Aendere auf Seite 63« die Tafelzahl 63 in 59 



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Genaues Inhaltsverzeichnis. 



( Wnn«.kl»mm«rt« ScitoiMhlcn blichen sich »of P»»Ue1itellpn.) 



Urzeit und Naturvölker. 



L Waffen der Urzeit. 



Literatur 1. — Perioden in der Geschichte der Waffentechnik 2 — Fundstätten von 
Waffen der Urzeit 2. — Koule 3. 

Steinzeit 3. — Waffen der älteren und der jüngeren Steinzeit 4. Streitäxte 5 (vgl. S. 36 
u. 409), Messer, Lanzen- u. Pfeilspitzen von Stein 5. — Fabrikat ioiiNstäUen von Steingc- 
räthen 5. Alifertigungsweise von Steinwaffen 6. Befestigung von Steinklingen 7. Lanzen- 
schaft 7. — Verbreitung der Steingeräthe 7. 

Erkenntnis des Nutzens der Metalle 7. — Gold und Kupfer 8. Erz (Bronze) 9. — 
Das Bronze-Zeitalter 9. Formen der Erzgcräthe 9. Bronzemischungen 10. — Berührung 
u. Durchdringung von Stein- u. Erz-Kultur 10. — Streitäxte: Celt, Palstab und Beil von 
Erz (406 — 409), Streitkolben und Stachelknopf 11. — Spicsz- u. Lanzenspitzen von Bronze. 
Erzmesscr. Erzschwert 12. Bronzedolch 13. — Früheste Verwendung de» Eisens zu 
Waffen 13. Stahl 13. Stählerne Schwerter 14. — Berührung u. Durchdringung der Erz- 
u. Eisen-Kulturen 14. 

Einflass der Ortsbeschaffenheit u. der Lebensweise auf die Bewaffnung 15. — 

Schleuder 15. Wurfleine (Bolas). Bogen u. Pfeil 16. Hölzerne u. hörnerne Bogen. 
Pfeilspitzen 17. Name von Bogen u. Pfeil 18. — Vergiftete Geschosse. Blasrohr 18. — 
Schwert ab Kriegswaffo seh Ii cht hin u. als Hauptwaffe sesshafter Stämme 19. - Krieg- 
führung der Nomaden u. der Ackerbauer 19. — Erste Schutzwaffen 20. Fellkoppe 21 (94). 
Schild 21. Aelteste Kunstform der Schutzwaffen in Amerika 22. 



Literatur 22. - Pfahlbauten 23. Rost n. Grundriss. Hütten 23. Entfernung vom 
l'fer. Gründe zur Anlage 24. — Verbreitung der Pfahlbauten 24 (42 , 43 , 50). 
Schweiz u. Deutschland '24. Frankreich u. Italien (Terramare). Ostaaien 25. Nachrichten 
der Alten über Pfahlbauten 25. — Steinberge u. Pack werke im Wasser 26. — Kultur- 
reste in Pfahlbauten 26. — Crannoges (Holzinseln) 27. 

Landberestigungen 28. — Verhau, Hag u. Grünhag 28 (43, 463, 692, 1112). Verpfäh- 
lung 28 (363, 400). — Heidenschanzen u. Hüncnburgen 28 (454). Erdringwiille 29 (399, 454, 
(457 , 466). Pfahlfestung am u. im Persanzig-Sec 29. - Langwälle u. Landwehren 30 
362 ff. u. 460). — Baumschanzen u. Gebücke 30 (28 , 462 463). Steinwälle 30 (143 , 454). 
Kyklopisehc Mauern 30 (142, 400). Glasburgen 31 (456). 



IL Befestigungen der Urzeit. 




XVI — 



m. Die Naturvölker. 

Literatur 31. — Betriff' der Naturvölker 32. 

Australische Stämme 32. — Alfuru 32. Mankaverfahren 33. Wurfkeulen: Wad- 
dies und Boumerang 33. Wurfspeer. Wurfstab. Wurfbrett 34. — Papüa 35. Kriegsruder. 
Wurfschlinge. Bogen. Gesichtsmasken 36 (82) — Malayen 35. Tatuirung 35. Stein- 
äxte 36 (5) Langkeulen. Patu-Patu. Wurfgaheln. 1 Sehutzwaffen 36. 

Afrika n. seine Stamme 37. Kenntnis des Eisens. Hirten u. Jäger 37. — Hotten- 
totten 38. Reitochsen. Wurfkeulen (Kiri). Parirstücke 38. — K a f f c r n 38. Hassagaien. 
Schildbngen 38. — Neger 38. Pferde. Eisen. Stehende Heere. Amazonen. Manka u. 
Tatuirung. Trumbaach u. Kulbeda 39. — Acthiopier 39. 

Amerikanische Naturvölker 40. — Kriegführung der nordamerikanischen In- 
dianer 40. Tomahawk 40. Skalpiren. Schilde 41. — Südamerikanische Indi- 
aner 41. Bogen u. Pfeil 41. Estolica. Blasrohr. Giftbolzen 42. 

IV. Kriegsbauten der Naturvölker. 

Befestigungen. Pfahlbautender Papüaner 42. Befestigungen der Fiji u. Ma- 
layen 43. Heckcnwälle der Hochplateau-Neger. Pfahlbauten der Bassa. Wälle 
u. Gräben der Dahome u. Aschanti 43. Lehmfestungen der Sudan- Volk er 44. — 
Befestigungen der alt amerikanischen Naturvölker: Kounds u. Enclosures 44. 

Ursprung der Schifffahrt 45. — Einbäume 45. Schwimmkörbe. Flösse. Segel. 
Pirogen. Ausleger (Nebenkiel) 46. Doppelpirogen. Malavische Pros 47. 



Despotien Alt -Amerikas, Afrikas und Asiens. 

I. Alt-Amerikanische Kulturvölker. 

• Literatur 48. — Die Bronzezeit Amerikas. — Kariben. Maya 49. — Anahuac 
(Mexiko) 50. Pfahl- u. Stein-Bauten. Steinwaffen 50. Itzli. Keulen. Schwerter (Ma<|ua- 
huitl) 51. Rüstung u. Kleidung 52. Befestigung. Taktik 53. 

Tahuantinsuyu (Peru) 58. Inka-Adel 53. Waffen. Festungen. Heerstraszen 54. 
Kriegführung. Taktik. Schifffahrt 56. 

LT. Aegypten. 

Literatur 56. — Aegyptischc Steinzeit 56. — Schutzrüstung u. Tniformirung. Kaln- 
sirier u. Hermotybier. Kopfbedeckung. Schild 67. — Trutzwaffen: Speer. Stabkeule. 
Axt. Tem. Schwert. Khops. Bogen u. Pfeil 58. Reiterei 58. — Kriegswagen u. Wagen- 
kämpfer 69. — Feldzeichen 60. 

HI. Assyrien. 

Literatur 60. Könige u. Führer 60. Feldzeichen. Material der Waffen 61. — 
Schwergerüstetes Fuszvolk 61. Schilde. Liunenpanzcr (67). Stäblerne Panzer- 
hemden 61. Panzerjacken. Panzerhosen. Beinschienen u. Stiefel 62. Schwert. Dolch. 
Stabkeule. Streitaxt 62. — Leichtbewaffnetes Fuszvolk 62. Bngcuschuty.cn mit 
Schildträgern. Bogen u. Pfeil 62. — Rosse. Reiter u. Streitwagon 63. — Fluss- 
übergänge. Kelleks 64. 



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IV. Medien, Persien und Klein-Asien. 

Literatur 65. — Altpcrsischc Waffen 65. — Streit- u. Sichel wagen 66 — 
Persisches Fuszvolk 67. Doryphoren. Plattenharnisch. Schuppen- n. Linnenpanzer 67. 
Kopfbedeckungen. Schilde 68. Speer. Axt. Schwert. Khopis. Bogen u. Pfeil 68. Kar- 
batsche. Wurfspiesz (Palton) 69. — Feldzeichen u. Musikinstrumente 69. 

Bewaffnung der unterworfenen Völker 69. Mcder u. Sakon 69. Andere 
Hilfsvölker 70. 

Die persische Kcitcrei 70. Pferdezucht (Hufeisen) 71. — Reiterei der Hilfs- 
völker 72. 

Geschützwesen u. Belagerungswerkzeug 72. 

Die Kleinasiaten u. ihre Bewaffnung 73. Streitwagen u. Reiter 74. 

V. Altorientalische Kriegsbauten. 

Literatur 74. — Befestigungen. Aegyptische Befestigungen 75. Städte u. 
Burgen 75. Grosse Landesverteidigung. Städtekrieg 76. 

MesopotaniischeBefestigungon77. Assyrische Bauten 77. Babylonische Bauten 78. 
Babylon u. Ninive 79. Khorsabäd 81. 

Persische Befestigungen 82. Pasargadac u. Persepolis 82. Burgen 83. 

Phoinikischc Befestigungen 83. Arados, Arvad, M > rathos, Tyros 83. Insel - 
vesten 84. — Karthago u. Thapsus 84. 

Poliorketik 85. Belagerungsmaschinen. Belagerungen. Artillerie 85. 

Seewesen. Schiff f s b a u 86. Die Marine der P h o i n i k e r : Oaulos, Fünfzigruderer 86. 
Tarsisschi ff e, Rammsporn 87. Assyrische u. babylonische Schiffe 87. — Aegyp- 
tische Marine 88. 



Hellas. 

Literatur: Allg. Geschichte der Griechen. Gesch. einzelner Stämme oder Zeit- 
abschnitte. — Kulturgeschichte u. Alterthümer 89. — Gesch. des Kriegswesens 89 90. 

L Waffen der Hellenen. 

Literatur 90. Erhaltene Waffen, Skulpturen u. Vascnbilder 91. — Waffenwesen der 
vorhomerischen Zeit. Die mykenaischen Funde 91. — Metallkenntnis 93. — Bekleidung 93. 

Helm 94. Brustpanzer 95. Lederne und linnene Koller. Ijeibgurt 96. Beinschienen 97. 
Schild 98. — Keule, Speer, Riemenspeer 99. Peltasten u. Hypaspisten 10». Der Lang- 
spiesz (Sarisa) 100. Schwert, Streitaxt, Bogen 101. Schleuder 102. 

Reitkunst 103. — Fahrkunst: Streitwagen 104. Bespannung 105. Rosse, Wagen- 
kämpfer 106. Taktik des Wagenkampfes 107. — Ritterdienst: Hippeis. Makedonische 
Ritter 107. Sarisophoren 108. 

II. Griechisches Geschützwesen. 

Literatur 108. — Punischer Ursprung. (Quellen unserer Kenntnis vom antiken Ge- 
sehützwesen 109. Kintheilung der griechischen Geschütze. 

Horizontalgoschütze (Kuthytona, Katapelten) 110: Spannkasten, Pfeilbahn 111. 
Gestell, Pfeillänge, Gewicht, Bedienung, Wirksamkeit 112. Schussweite. Anfangsgeschwin- 
digkeit 113. 

Wurfgeschütze (Winkelspanner, Palintona) 113: Einrichtung. Halbspanne. Bogen- 
arme. Sehne 113. Gestell, Läuferbahn. Bedienung. Wurfweite, Gewicht 114. 

II 



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XVIII 



Gaatraphetai (Bauchspanncr, Armbruste) 115. 

Heron's und Philon's Schriften 116. — Geschützgebrauch. Zahl der Geschütze 117. 

III. Griechische Elomentartaktik. 

Literatur: Antike Originalwerke 117. Neuere Literatur 118. 

Taktik der älteren Zeit. Dorisches Fuszvolk 118. Spartanische Fechtart. Pha- 
lanx 119. — Klcmentartaktik der Zeit nach den Perserkriegen 119: Auf- 
stellungen, Bewegungen auf der Stelle, Verdoppelung u. Eindoppelung 120. Schwenkungen, 
Contremärsche, Reihenkolonne (Paragogc) u. Seetionskolonnc (Kpagogc) 121. Bewegungen 
mit der Epagoge. Syntagma u. Pentekostya 122. — Weitere Entwickelung seit 
Xenophon'8 Anabasis: Orthios lochos 123. Schlachtreserve. Neuer Gebrauch des 
leichten Fuszvolks. Marschformen 124. — Das Söldnerthum u. die Reformen des 
Iphik rate» 124. Die Peltasten 125. 

IV. Schlachtentaktik der Hellenen und Alexandriner. 

Literatur 125. — Zeit vor den Perserkriegcn 126: HalbrcchUvormarseh 127. 
Verfolgung u. Tropaion 128. Plataiai 128. — Taktik des Kpameinondas: Offensiv- 
u. Defensiv-Flügel. Epagoge des Angriffsflügels 129. Leuktra 129. Die schiefe Schlacht- 
ordnung 130. Mantineia 131. Das System des Epamcinoudas 132. Vorblick 133. — Heer 
u. Taktik Alexander's d. Gr. 133: Defensive Hoplitenphalanx Alexanders 134. 
(Qualitative u. organische Unterscheidung des Angriffsflügels vom übrigen Heere 135. Gra- 
nikos 136. Issos 137. Gaugamela 137 bis 139.— Taktik der Diadochen 139: Einfüh- 
rung der Elefanten. Innere u. äussere Flanke 140. Taktische Spielereien. Asklepiodotos 141. 

V. Befestigungs- und Belagerungswesen der Griechen. 

Literatur 142. — Befestigungen. Heroenzeit: Pclasgische Akropolen u. Ky- 
klopenmauern 142. Mykenai 142. Tiryns 143. Das homerische Burghaus 144. — Zeit 
der Perserkriege u. des peloponncs ischen K rieges 144: Neubefestigung Athens 
115. Athens Akropolis 146. Andere Städtebefestigungen 146. Grenzbefestigungen 147. — 
Einzelheiten der hellenischen Befestigungsweise: Hauptmauer 147. Thürme 
148. Zinnen u. Scharten 149. Thore, Gräben, Vorwerke 150. — Gründungen neuer 
Städte: Rhodt«. Megalopolis, Mcssene, Alexandrcia 151. 

Unterschied der hellenischen von der modernen Befestigungsweise 152. 

Garnisondienst: Quartiereintheilung 152. Wachtdienst 153. 

Reine Militärbefestigungen: Signal- u. Wachtthürme. Thurmhöfe 154. 

BclagcrnngHkricg. — Ueberfall u. Einverständnis 154. — Blokade: Bcrennung, 
Circumvallation, Ausfälle, Gegenwälle 155. Kampf um Syrakus 155. — Förmliche Be- 
lagerung: Brechwerkzeuge (Widder u. Mauerbohrer 156. Schildkröten u. Laufliallen 
157). Angriffshochbauten. Erddämme (Plataiai) 157. Wandelthürme 168. Fallbrücke n. 
Belagerungskran 159.) Untergrabung 159. Sturm 159. — V ertheid igung: Armirung. 
Mittel gegen Widder, Mauerbohrcr, Dämme, Thürme u. Minen KiO. Abschnitte 160. 

Die alexandrinixchen Poliorketiker: Belagerungen von HalikarnasBos 161, von Gaza 
162. Wissenschaftliche Behandlung der Belagerungskunst 162. Demetrios Foliorketes u. 
seine Helepolen 163. Archimedes u. seine Vertheidigungsmittel 164. 

VI. Seewesen und Kriegstelegraphie der Griechen. 

Literatur 165. — Seewetten. Aelteste Zeit: Einbäume, Lederschiffe, Drache u. 
Pegasos 157. Danaos, Minos u. die Argonauten 157. Seeraub. Griechenflotte vor Troja. 
Arten der Schiffe 168. Schiffbau der heroischen Zeit 169. Fortschritt der Nautik 170. 
Erstes Seegefecht der Hellenen 171. — Zeit der Perserkriege u. des pelnponne- 



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— XIX — 



si sehen Krieges: Attische Flotte der marathonischen Zeit. Fünfzigruderer. Mehr- 
ruderreihenschiffe (sro2»x?or«) 171. Artomision u. SalamiB 172. Die frieren 172. 

Schiffseinrichtung: Kiel, Kolschwimm, Rippen 172. Deck, Kajüte, Raum; 
Vorder- u. Achterschiff*; Schnürtau, Schanzbekleidung; Gänsehals 173. Steuer, Ramm- 
schnabel, Ohransätze, Augen 174. Bemalung der Schiffe. Flaggen u. Abzeichen 174. 
Masten, Segel. Stangen, Taue 175. — Ruder u. Ruderer 175. Rudergerüst. Wirkung der 
Ruder im Wasser 176. Schnelligkeit der Fahrt, Doppelte Steuerruder. Rudermeister u. 
Ruderergesang 177. — Seesoldatcn ,u. Matrosen 178. 

Flotte nwesen: Arten der Kriegsschiffe (Schnellrudercr , Transport fahrzeuge 179. 
Avisoe 180). Dimensionen der Orlogsschiffe. Schiflsartülerie ; Gallericn, Thürme 180. 
Oerath 181. - Kriegshäfen u. Leuchtthürmc 181. — Einexerziren der Ruderer 182. — 
Flottenstärke 182. — Auslaufen 182. Fahrordnung. Klarmachen zum Gefecht 188. — 
Taktik 183: Das Rammen u. die Zwischendurchfahrt 183. Schlachtordnungen. Kampf 
von Bord zu Bord. Rückzug u. Tropaion 184. 

Telejrraphie. Hochwachten 185. Feuerzeichensprache des Aineas Taktiko« (mit 
Wasseruhr) 185. Optischer Telegraph des Polybios 186. 



Rom. 

* 

Literatur: Antike Geschichtswerko 187. Moderne Gcschichtsworke 188. Alterthümer 
u. Kulturgeschichte 189. — Eigentliche Militärliteratur: antike 18», moderne 190. 

I. Bewaffnung und Ausrüstung. 

Quellen der Kenntnis 191. — Bekleidung: Toga, Tunika, Sagum 192. Fasciae, 
Caligae 193. — Schutzrüstung: Lorica ferrea u. L. segmentata 193. Lorica squamata. 
Chalkochiton 194. — Helme. (Altitalische Sturmhaube 194. Galea u. Cassis 195.) Schilde 
(Clupeus, Scutum, Parma) 196. Cingulum militiae 197. 

Trutzwaffen: Schwerter (Ensis 197, Gladius, Spatha 198). Klinge, Griff, Schneide 
198. Wehrgehäng 199. — Stangenwaffen (Haata, Lancea, Contus, Gaesum, Jaculum 199). — 
Das Pilum 199 bis 202. — Bogen u. Pfeil; Schleuder (Funda u. Fustibuli) u. Schleuder- 
st*ine (Glandes) 202. 

Reiterausrüstung: Cetra, Ephippia, Trabea, ("ontus 203. — Zäumung. Hufschutz 
203. -- Sporen 204. — Cataphracti 204. 

Musikinstrumente: Tuba, Bucina, Lituus 204. — Signa 204. 

Dienstabzeichen u. Ehrenzeichen: Cingulum, Cinctorium 204. — Lictoren 204. 
Clavia. Ortlo equestcr 204. Hasta pura, Torques, Catellae, Phalerae, (Joronae 206. 

Gepäck u. Tross 205; Bestandtheile , Gewicht u. Tragweise des Gepäcks. Mulus 
Marianus 206. - Jumenta; Ponticuli; Impedimenta 207. 

Rftmiftches BMtUkwtNI : Tormenta 207. Arcabulistae, Catapultac, Ballistae 208. — 
Dimensionen 208. — Geschütze der Zeit nach Konstantin 209. Verschiedene An- 
sichten Köehly-Rüstow's u. Marquardts über die Ballista der Spätzeit 210. Onager 211. — 
Projeetile 211. — Carroballistae 211. 

II. Formation und Taktik. 

Die genokratische Legion. Ihre Zusammensetzung 212. Fechtart dieser ritter- 
lichen Oeschlechterlegion 213. Die Plebs 213. — Cen tu riat Verfassung. Ihre Ent- 

II* 



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XX 



stehung 213. Grundsätze der servianischen Kriegsverfassung 214. Die pha lan g i t i geh e 
Legion: Principe», Triarii. Hastati. Equites 215. — Die Tribus u. die Ccnturiatcomiticn. 
Taktik der phalangitisehen Klassenlegion 216. 

2. Das Heer der Republik. 

Das alte Volkstaeer: Consuln u. Diktatoren 217. Einführung des Soldes. Conscrip- 
tionssystem. Reform des Camillus 218. Aufstellung. Bewaffnung, Marseh- u. Lagerdienst 
219. — Die Samniterkriege u. die ältere M au i pu lar 1 eg i on (des Livius) 220. <^uin- 
cunx-Ordnung 221. Bewaffnung der Triarier mit dem Pilum 221. Verschiebung der 
Truppenbezeichnungen 222. Die Leichtbewaffneten (Veliten) des 1. Treffens 222. - Ein- 
Huss des Pyrrhischen Krieges 222. Allgemeinere Einführung des Pilums. Anordnung der 
Manipularlegion des Regulus (oder de» Polybios) 222. Abstände u. Zwischen- 
räume 224. Bewaffnung innerhalb der Legion 224. Cohorten 224. Befehlsführung: Tri- 
bunen 224, Centurionen 225. — Feldzeichen 225. Veliten 986. 

Gang des Gefechtes: Einleitung durch die Veliten 225. Weiterführung durch die 
Hastaten. Ablösung der Treffen. Eingreifen der Triarier 226. Verfolgung 227. Die 
Serra 227. Rückzug. Märsche 227. Legionsreiterei 227. Deren Leistungen u. Fechtart 
228. Leichte Reiterei 228. 

Die Socii: Stärke eines bundesgenössischen Heeres. Extraordinarii u. Flügeltruppen 
(Alae). Präfecten. Cohorten 228. — Bundesgenössige Reiterei: Equites alares. 
Alae extraordinariac 229. 

Cohors praetoria oder „delecta manus imperatoris" 229. 

Die Legion in den punischen Kriegen u. in den Kriegen gegen die Dia- 
dochen 229: Vergleich des Polybios zw. Legion u. Phalanx 250. Cato's 7 Schlacht- 
ordnungen 230. 

Umwandlung des Volksheeres in ein Söldnerheer : Die Prätorianer u. die Veten« 
nen-Cohorten. Die Zustände des spanischen Heeres 231. Die Zerrüttung der socialen 
Zustände Italiens 232. Marius u. sein System der Werbung u. des Nivellirens 233. Die 
uniforme Legion des Marius. Verschwinden der Veliten u. der Kitterschaft. Ersatz durch 
Auxilia 234. -- Einfluss der Kimbern u. Teutonen auf die römische Taktik: 
Die Cohorten-Legion des Marius 235. Ihre Feldzeichen 236. Die Soldaten* 
schule 237. 

3. Das Heer Cäsar'». 

Literatur 237. — Stärke der Legionen während der Bürgerkriege 237. — Die Ante- 
signani u. die Reiterei Cäsar's 238. Heeresleitung: Legaten u. (Quüstoren. — Voluntarii 
0, Evocati 239. — Die Cohortc Cäsar's 239. Aufstellung der Legion: Acies triplex 
u. Acies duplex 240. — Angriff der Legion 24<>. Einfluss des „superioris loci". Staffel- 
weiser Anlauf 241. — Verteidigung der Legion 241: Acies simplex u. Orbis 242. — 
Marschordnung: Reihen- u. Sectionskolonne 242. Marschtiefen. Marsch in Kolonne 
(agmen pilatum); Marsch in Schlachtordnung (acie instrueta); Marsch im Viereck (agmen 
quadratum). — Die Reiterei: Türmen 243, Alen 244. — Verbindung der Waffen 241. 

Die Offensivschlacht: Acies triplex 244. Acies duplex. Ac. quadruplex. (Quali- 
tative Verschiedenheit der Treffen. Aufgaben der Reiterei 245. Das leichte Fuszvolk 
246. Gliederung der Schlachtordnung: Flügel. Selbständige Divisionen 216. — Gang 
der Schlacht: Cohortatio 240. — Defensivschlacht 240. 

4. Das Heer des Kaiserreiches. 

Literatur 247. — Bestand der Armee 247. Veränderungen der Legion durch A ugus t us. 
Auxilia. Praetoria cohors 248. Cohortes urbanae. Ci.lmrtes vigiluni. Gennaiii u. s. w. 249 
Eintheilung und Besetzung der Provinzen 249. Communal- u. Provinziul-Milizcn. Fabri 
u. Classici 250. Einführung der Cohors milliaria 250. — Die Prätorianer u. ihr BinflnM 
250. — Acndcrung der Bewaffnung in der Legion. Die phnlangitisrhe Anordnung 251. — 



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- XXI — 



Trajan u. Hadrian 252. Quadratum agmcn 263. — Die Einrichtung de« Scptimius 
Severus 253. Caracalla, Alexander Severus u. die phalangi tische Legion 
254. Numeri und Vexillutinncs 254. Julius Ai'rieanus u. seine Rcformvorschläge 255. — 
Reorganisation durch die illyrischen Kaiser 255. Die militärische Despotie seit Dio - 
cletianus 255. — Die „antiqua ordinatio legionis" 256. — Consta ntin: Limitanei und 
RiparienscM; Palatini, Comitatenses u. Pseudcicomitatcnses 257. Zahl u. Stärke der Le- 
gionen 257. Notitia dignitatum 258. Darstellung des Vegetius. Vorherrschen der Reiterei 
2.58. Die Artillerielegion des Vegetius 259. 

5. Die Lagerordnung. 

Literatur 259. -■ Winterlager u. Sommerlager 260. — Die LagerbcBchrcibung des 
Polybios 260: Absteckung des Lagers. Lagerstraszen. Vordcrlager 261. Hinterlager. 
Prätorium u. Tribunal 262. Forum u. <iuästorium 2(13. Wall u. Thore 263. — Die Lager- 
besebreibung des Hyginus u. die Reste röm. Lager 264. — Das Lager der Zeit Cäsar's 
264. — Hygin's Angaben 265. 

Absteckung, Einrichtung u. Befestigung eines Lagere 266. — Lagerdienst 266: Muni- 
tiecs u. Immunes, die Vigilien 257. Aufhebung eines Lagere 268. 

III. Befestigungen, Belagerungskrieg u. Heerstraszen der Römer. 

f. Städte, Castra stallva und Burgen. 

Literatur 268. — Urbefestigungen Italiens 268. — Erläuterung der Wörter „oppi- 
duin, urbs, Castrum, castellura, burgus, arx." 269. 

a. Stadtbefestigung 269 bis 282. 
Stadtgründung. Wahl der örtlichkeit. Uferstadt 269. Plateaustadt. Hügelstadt: 
das alte Rom 270—272. — Ausführung italischer Mauern; kyklopische Mauern (Signin), 
Wallverstärkungen (aggeres) 273. Mauerwerk aus Bruchsteinen u. Mörtel 274. Gussmauern, 
Ziegelmauern 274. Verschiedene Structurcn (Opus incertum. Isodomum, PBeudoisodomum, 
Opus quadratum, Dp. reticulatum, Op. *picatum, Op. mixtum) 274 5. — Beispiele (Um- 
fassungen von Pompeji, Aosta, Carcassonne, Aurelianische Mauer Roms) 275 6. — Die 
Thore 276. Anwendung der Wölbung. Einbogige und zweibogige Thore 277. Anord- 
nung der Thore bezgl. des „latus apertum" (Signia) 277. Die Thorthürme 278. Ver- 
schiedene Anordnung derselben. Das Propugnaculum (Aosta, Porta nigra zu Trier, Autun, 
Verona) 279 80. — Die Mauert hürme. Bedeutung für die Flankirung. Konstruktion. 
Thürrae als Abschnitte des Wallgangs 281. — Der Zwinger 282. — Vorgeschobene 
Forts 282. 

b. Castra, Castelle und Burgen 282 bis 294. 
Rückblick auf die Feldbefestigung der Griechen. Meisterschaft der Römer 282. — 
Wall und Graben 283. Der Wall soll nicht sowol decken, als überhöhen. Holzthürmc der 
Lagerwälle. Titula. Grundrisse u. Ausstattung der Castra. ('ebergang zu permanenten 
Bauten ((ranizigrad) 284. — Die Cas teile. Crsprüngl. Einrichtung. Umwandlung zu 
permanenten Bauten. Art ihrer Benutzung 285. Darstellungen und Reste von Castcllcn 
286. Die Saalburg 286 90. Innere Verteidigung 290. — Die Burgi 290. Wartthünno 
u. cigcntl. Burgen. Schwierigkeit des Nachweises röm. Ursprungs 291. Alt-Eberstein u. 
Steinsberg 292. Monopyrgien 293. Battericthürme 294. 

2. Belagerungskricg. 

Art*'!! de* Angriffs 294. — Blokadc. (Obsidio) (Alesia) 294 5. — Gewaltsamer An- 
griff, (Oppugnatio repentina), u. seine Mittel: Musculus 295. — Förmlicher Angriff, 
(Oppugnatio): Wahl der Angrifl'sfrout. Park. Der Belagerungsdamm (agger). Schutt- 
hütten (testudines), Laufgange (vineae) u. Frontschirnie (plutei) 296. Wandelthürme ^turres 
ambulatoriae) 25*7. — Konstruktion des Aggers 297 8. Konstruktion eines gemauerten Be- 
lagerungsthurms vor Massilia 298. Vorgehen der Thürme auf dem Damme 299. Bedingungen 



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XXII 



für den Gang eines förmlichen Angriffs 299. — Maschinen zweiten Ranges: Falccs 
murales, terebrac, sambucac 299. — Maueruntergrabung: Cuniculus u. musculu«. Bei- 
spiele 800. 

Vertheidigongsmittel: Inundation 300. Furcao, forciecs, malleoli, phalaricae. cricii 
u. 8. w. 801. 

Technische Truppen: Fabri lignarii 301. Praefcctus fabrorum 302. 

3. Hecrstraszen und Colonien. 

Literatur. Antike u. moderne 302. 

Die Rftmerstraszen. — Bedeutung der Römer für den europ. Straszenbau. Rom als 
Central puukt. Die Bedingungen militär. Zweckmäszigkcit 3<>3. — Rechtliche Unterschiede 
der Straszen 303 4. - Sprachliche Bedeutungen 304. - Bauliehe Einrichtung der 
RömorBtraszen: Damm u. Besteinung 304. Oberbau. Pflasterstraszeu. Chausseen 305. 
Knüppeldämme (pontes longi) 306 6. Sommerwege. Straazenführung. Tunnelbauten (Grotte 
des Posilipo) 306. Dammbauten (Via Appia). — Brücken (Strasze v. Rom nach Gabii) 
307. Bedeutung des Brückenbaues (pontifex maximus) 307. Feldbrückenbau 307. Die 
erste Rheinbrückc Cäsar's 308 9. — Verschiedene gemischte Brückenkonstruktionen (Trajan's 
Donaubrücke). Steinbogenbau (Br. zu Aleantara) 309. — Straszenführung und Einrichtung 
im Hochgebirge 810. — Meilensteine. Poststationen 310. - - Das Postwesen (cursus publicus) 
311 12. — Die Mansiones als Etappenpunkte 312. — Graphische Darstellungen des Straszcn- 
netzes (Peutinger'sche Tafel) 312 13. Kursbücher (itineraria scripta) 314. — Befestigte 
Straszen (munitae viae) 314. 

Das Colonialwesen und sein militärischer Zweck 314. — Römische Bürger-Colonien, 
Latinischc Colonien, Militär-Colonien 315. Die Lagerstädte (canabae) 316. 

Zusammenwirken des Systems der Heerstrassen mit dem der Colonien 316. — 
Historische Entwickelung der italischen Straszenanlagen 317. Anlage von Hecrstraszen 
in den Provinzen 319. Das gallische Straszennetz 318 bis 320. — Die Alpenstraszen 320321. - 
Andere Straszen des Römerreiches 321 322. — Straszenbau als „munus" der Truppen 322. — 
Einfluss der Heerstraszen auf die Politik 322. 

4. Grenzeinrichtungen. 

Die Grenzen des Römerreiches 322323. Donau u. Rhein. Hauptphasen des Grenz- 
krieges. 

Die Donaufrren/.e : Mösien (Trajanswall , Gamzigrad) 825. — Pannonien (Sirmium 
Oerdög arok, Carnuntum 325. Vindobona 326). — Noricum (Pedrilpass, Juvavum 326). 

Rät in. — Donaugebiet: Möns Bremms, Sebatum 327; Via Claudia, Obcrdonau- 
Str. 329. Augusta Vindelicorum 328, Regina Castra 329. Befestigungen in Ober- u. Niedcr- 
Bayern 830. — Rheingebiet: Verbindung Italiens mit dem Bodensce (Septimer, 
Splügcn 380) Curia, Brigantium, Constantia 331. Vindelicien 332. Civitas Helvctiorum 
(Aventicum, Vindonissa 332. Augusta Rauracorum 333). 

Germania. — Einrichtung der Provinz 333 bis 335. Agri decumates 335. Einrichtungen 
des 3. u. 4. JhrdU. 336. 

I. Waflenplätze beider Germanien 336 bis 355. 

A. Germania superior 336 bis 341. — n. Linke Rheinseite: Elsass (Straszburg) 
337. Pfalz 338. — ß, Rechte Rheinseite: Agri decumates. Rheingebiet 339 (Baden- 
Baden 340). Neckargebiet 341. Nordgau 3-11. 

B. Rheingau u. Maingebiet 341 bis 344. — Charakteristik des Gebiets 341. Der 
Main und Mainz 342. Wiesbaden 343. 

C. Nahe- u. Moselgebiet 344 bis 347. — Bingium 344. Kreuznach 345. Trier 
845346. Castra Sarrae. Luxemburg. Coblenz 346. 

D. Germania inferior 347 bis 355. — Das Wied'er Becken. (Niederbiber) 347. 
Siebengebirge, Bonn 348. Cöln 349. Der Niederrhein bis zur Ruhr 350. Castra Vetera 
351. Colonia Trajana u. Montcrberg 352. Die Lippe u. der Hcllweg 352. Aliso 352 353. 



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XXIII 



Insula Batavorum, Kchenkenschan/.c, 3loutfcrland. Fossa Drusiana. Wyk by Duurstedc. 
Utrecht 354. Leyden. Caligulac Pharus 355. 

II. Heerstraszen beider Germanien 355 bis 362. 

A. Linkes Rheinufer 355 bis 358. — Die Straszcn des linken Ufers bilden einen 
Theil des gallischen Systems. Hauptzug von Lyon zur Rhcinmündung. Verbindungen 
zwischen dem östl. u. dem nordwestl. Netze 356. Trier als Centralplatz 356. Verbindungen, 
welche Trier nicht berühren 356. Die eigentliche Rhcinstrasze u. ihre Bauart 357. Mili- 
tärische Anlagen zum Schutze der Straszen 358. 

B. Hechtes Rheinufer 358 bis 362. Die Straszen des Zehnt land es 35835}». Dire 
Einrichtung 360. — Das rechtsrheinische Straszennetz nördl. des Mains: Dem Rheine 
parallele Straszen 360. Straszen , die den Niederrhein kreuzen. Dir Convergiren nach 
dem inneren Deutschland. Lage u. Hinrichtung dieser Straszcn 361 2. 

III. Grenzwehren beider Germanien 362 bis 375. 

Die Limites überhaupt 362. - A. Hechtsrheinische Grenzwehren 362 bis 372. 
«. Südl. des 31 a in s. Allmähliges Vorschieben des Limes 363. Der Pfahlgraben (Ihnes 
transrhenanus) ii63. Seine Einrichtung u. sein Zweck 36b Militärisch- Ansiedlungen am 
Pfahlgraben 365. — Die Teufclsinauer (limcs raeticus). Ihr Lauf 365. Structur u. Be- 
deutung 366. — ß. Nördl. des Mains. Abschlie«sung des Taunus u. des Nidda-Gebiets 
367. Das Gebiet nördl. der Wied 368. Die Landwehren der untergermanischen Provinz 369. 

Allgemeines über die rechtsrheinischen G renzwehren 370. — Uebcr ihre Vertheidigung 
370. — Allmähliges Zurückgehen der römischen Grenze. Letztes Behaupten des Strom- 
winkels am südl. Schwarzwaldo 371. 

B. Linksrheinische Grenzwehren 372. — Die Zufluchtsorte auf dem Wasgau- 
gebirge 372. Art und Einrichtung der vogesischen Castelle. Der Odilienberg mit der 
Hohenburg u. der fleidenmauer 373. Die Langmauer nördl. von Trier 374. — Allgemeines 
über den Limes cisrhenanus 374. 

Die Befestigungen im inneren Gallien 374. — Die Befestigungen Britanniens. 
(Murus Hadriani u. Fiktenwall) 375. 

IV. Seewesen der Römer. 

Literatur 376. — Verhältnis zu den Griechen u. den Etruskern. Strandbefestigungen. 
Erste Flotte 376. Die Flotte des 1. punischen Krieges. Die Taktik. Die Enterbrücken 377. 
Einrichtung der Enterbrücken 378. Erlahmen der maritimen Kraft Roms 378. Das 
Piratenunweseu 379. - Die stehende kaiserliche Flotte 379. Die zehn Seeflotten 3m0. Die 
neun Stromflotten 380 381. — Einrichtung der Schiffe. Liburnae naves 381. Geschwindig- 
keit, Namen u. Abzeichen der Schiffe 382. Bemannung der Flotte 382 383. 



Zeitalter der Völkerwanderungen. 

Literatur: Gleichzeitige Schriftsteller. Ethnographisches. Eigentliche Geschichte 384. 
— Begriff der Völkerwanderung. — Controverse über die Kelten u. Germanen 385. 

L Kelten. 

Literatur: Allgemeines. Continentale Kelten Westeuropas 386. Britische Kelten 387. 

1. Bewaffnung und Kampfweisc. 

Vdlkanamc u. Volksart 387. Die Kelten der Allia-Schlacht (390 v. Chr.) 388. 
Ausrüstung: Claideb (Haudegen) 388. Der Gladius hispanus 389. Die Waffen der 
Donaukelten. (Haiistatter Fund) 38y. — Trutzwaffen: Das Langschwert 390. Der 



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XXIV - 

Speer: Gaisa, saunium, lankie 890. Mataris. Tragula 391. Wurfbeile n> Streitkeil (( Vits). 
Cateja; Schleuder, Bogen u. Pfeil 391. — Schußwaffen: Helme u. llelinziertlen 391. 
Erhaltene Helme 392. Leibrüstungen 393. „Panzer, Harnisch u. Brünne u , keltische Wörter 
393. Schilde u. Schildschmuck 393. Darstellungen u. Reste keltischer Schilde H94. - 
Strcitwageu. Die Esseda der Briten 391. Schilderung bei Ossian 395. Funde von 
Resten keltischer "Wagen auf dem Festlande 395. Konstruktion u. Bespannung der Streit- 
wagen 396. 

HeereMjnsammeiweteung u. Taktik. Fuszvolk 396. Reiterei. „Trimarkisia" 397. 
Die Wagenkämpfer 397. Schlachtsitten 397. Die Wagenburg 39«. 

2. Befestigung und Belagerung. 

Literatur 398. — Vici und Oppida 398. Bedeutung derselben in den Römer- 
kriegen 399. Die Befestigung der Oppida 399. Ihre innere Einrichtung. Beispiele: 
Calcdu, Serviere, la Gree de Cojon 400. Verpfählungen und Verhaue 400. - Bauten unter 
klassischem Einflüsse: Aduatuca 400. Avaricum 401. Keltische Befestigungen im jetzigen 
Deutschland 401. — Vertheidigung der kelt, Festungen 401. Gewaltsamer An- 
griff der Kelton 402. 

Konstruktion der gallischen Fahrzeuge. Ihre Unbchilflichkcit 402. 

n. Germanen. 

Literatur. Antike Historiker 402. Sagen 402 3. — GeschichUwerkc des 18. und 
19. .Jhrdts. 403. Alterthümer und Kriegswesen der Deutschen 403 4. — Skandinavische 
Sagen und Alterthümer 404. 

1. Ausrüstung. 

Funde der Grabstätten. Die Metallbearbeitung 405. — Triitzwaffrn: Die Frame* 
(Celt) 406. Franeisca. Pnalstah 407. Funde von Franienklingen 407 8. Waffenwirkung 
der Frame 408. Streitaxt: Parta, Barte, Axt, Beil, Franeisca, Streithammer 409. Thors- 
hammer, Hubhammer, Harhammer. Tcutoua (Cateja), Clava 410 11. — Ango (piluro), 
Schilderung des Agathios 411. Funde von Angonen 412. — Wurfspiesze: Ger 412, 
Spcr. Gebrauch dieser Waffen 413. — Langspicsz. Angaben der Alten. Ausstattung 
des Spieszes 414 15. Symbol. Bedeutting des Speeres 415. — Schwert und Dolch. 
Sehwertvölker (Suardonen, Sachsen, Cherusker). Gennanenhclden führen 2 Sehwerter 
415. — Das zweischneidige Schwert, Swcrt. Bronzeschwerter des Elbthalfundes 
416 17, der Schweriner Sammlung 417. Mängel der Bmnzekliugcn 417. Eisenschwerter 
(Fund von Sinsheim) 417. — Das einschneidige Schwert, Sah». Erwähnungen 
dieser Waffe. Funde 418. — Die einzelnen Theile des Schwertes: Klinge. Griff, 
Scheide 419. — Messer und Messerwerfen 420. Dolch 420 21. — Schwertstäbe 
(Prachtäxte) 421. - Schwertsymbolik 421 22. — Schleuder. Stabschlinge 423. — 
rfeilschützcn: Franken, Gothen, Langobarden, Angelsachsen 423. Pfeilspitzen. Bogen. 
Symbolik 424. 

SchutzangrnstnnK. - Kleidung (Fund von Rcndswiihreu 424). Brüche und Repten 
425. — S c h u t z w a f f e n. — Schilde. Wandschilde (Funde von Wadlhausen und Dottern- 
hausen). Gebrauch derselben im Heere des Ariovist 426. Schwierige Handhabung dieser 
Wandschilde. Bemalung der Schilde (Schilderei, Schilderung) 426. Eiserne Schildbuckel 
427. — Bronzene Rundschilde 427. Schildrand und Schildbuckel 427 28. Schildknappen. 
Schildsymbolik 428. - Helme. Ackere Kopfbedeckungen 428. Eberhelmc (Funde von 
Bcnty-Grange und Lekhamptonhill) 429. Bronzene Helme, runde und hohe, 430. — Hand- 
bergen und Rüstärmel 430. — Die Brünne (die Ringe) 430. Sar 431. Hornbrünnen. 
Kettengeflechte. Ihre Einrichtung 432. Aufgenietete Platten. Alamannenkürass 433. — 
Symbolik der Schut/.waffen. Xothhemden 433. — Rolle, welche die Waffen im heroischen 
Zeitalter der Deutschen spielten 433 34. Die Waffenschmiede und ihre Bedeutung 434. 



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— XXV 

Feldzeichen 434. Fahnen und ihre Symbolik 435. Trommeln, Horner und Trompeten. 
Rossausrüstung. - Mähne und Schweif. Hufeisen. Zaumzeug 136. Sättel (Hast) 457. 
Steigbügel 438. - Saumthierc und Karren 438. 

2. Kampfweise. 

FuMzvolk. — Keil -Schlachtordnung. Nachricht des Saxo 438. Herkunft und 
Bedeutung des „Schweinskopfs- 4 . Die Geschlecht sgenossenschaft < Schlachte) als Grundlage der 
taktischen Anordnung 439. "Wagenburg. Barditus beim Kampfbeginn. Gang des Gefechtes 
440 41. Vorzüge und Nachtheile des „Eberkopfes- 441 42. Die Schildburg +12 43. Ihre 
Verwendung als Angrinskolonne im Festungskriege 443. — Vorzügl. Leistungen der Ger- 
manen im zerstreuten Gefechte 443 44. 

Keiterei. — Stammcsvcrschicdcnhcitcn hinsichtl. der Anwendung der Reiterei 444. 
Tüchtigkeit der german. Reiterei 446. Verbindung der Reiter mit leichtem Fuszvolke 415. 
Kampfweise der Reiter; ihre Fähigkeit, auch z. F. zu fechten 446. Reitervölker: 
Gothen 446. Turnierartiger Lanzenkampf der Gothen. Schlacht am Vesuv 447. Vandalen 
und Alanen 447. 

Marwchlager und Wagenburgen. Hinrichtung der Läger. Manöver mit den Wagen 
448. Sicherheitsdienst 448. 

Allgemeines. Gesammtheit der Sehlachteutaktik 448. Heerführung. Feldzugsplan. 
Einwirkung der Verpflegungsverhältnisse 449. Einwirkung des Feldhcrrn 449 50. All- 
mähliger Fortschritt der Kriegskunst 450 51. 

3. Kriegsbauten. 

Literatur 451 52. — Allgemeine Betrachtung und Eintheilung der Befestigungen 452. 
Die Verteidigungsstellung der Germanen bezweckt weniger Deckung als l'eberhöhung 453. 
Einrichtung der Wälle. Anlagen mit mehren Wällen und Zwingern 454. 

Geschlossene Einzelwerke. — Steinringe, Wallburgen, Hünenringe 454. Bei- 
spiele: Westrheinische Anlagen 454. Mittelmain, Odenwald und Taunus (Altkönig), Wester- 
wald, Hessen. Waldeck, Sauerland, Westfaleti iTeutoburg), Thüringen 455. Lausitz und 
Böhmen (Schlackcnwälle) 456. Preuszen 457. — Erdschanzen. Lage des Grabens zu- 
weilen hinter dem Walle. Rasenwiille ohne Graben 457. — Einrichtung der Ringwällc. 
Ovale Schanzen (Heidenschauze bei Niethen), Kreisschanzen 458. Active Verteidigung. 
Vorwällc 459. Gruppirung selbständiger Erdschanzen zur Landesverteidigung zwischen 
Elbe und Weichsel 459. 

Befestigte Abschnitte. — Lage in bergiger Gegend 459. Die „Balga"; Schanze 
von Doberschau; Limburg a. d. Saar 460; die „Weite Bleiche" bei Bautzen 461. — Wasser, 
und Sumpfburgen 461. Douke 461 (Sumpfburgen von Laudert und Duderoth. Erd- 
burg bei Bensberg 461.) Einfluss des Klimas auf die Einrichtung von Wasserburgen 461. 

Einfiuss politischer Momente auf Aidage und Art der Befestigungen. Straszenschutz 
462. Spitzwälle. — „Ha gas" 462, das Wort „Hng" und das Wesen des Hages 463. — 

Landwehren: Gebücke 463. Indigiu. Schlesische Prcseku. Der preuszische „Gertin". 
Palissaden- und Hürden- Abschlüsse. Knicke 464. — Laug wälle. Art ihrer Ver- 
teidigung (Schlacht am Steinbilder Meere) 465. Verbreitung der Landwehren: in der Eifel, 
auf dem Hunsrückcn, im Siegischen (Grengel), in Westfalen, in Schleswig (Dannewirke. 
Cograbcn) 466. — Landgräben 467. (Vgl. auch S. 1109 bis 1115.) 

Allgemeines über die Erdwerke und ihre Verbreitung in Europa 467. Gegen wen 
haben die Germanen ihre grossartigen Sehan/ensysteme insbesondere zwischen Weichsel 
und Saale erbaut? Hypothese Schusters 469. 

m. Byzantiner. 

Literatur. Allg. historische. Militärische 470. 

1. Bewaffnung und Kampfwelse. 

Das Heer der Romäer 470. Die Waflentracht. Oriental. Einflüsse. Schutz- und 
Trutzwaffen 471. Byzantin. Artillerie. Belagerungsgeräth u. Wagenburg 472. — Kriegs- 



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— XXVI 



weise. Das Schützengefecht. Diu Nichtigkeit des Fuszvolks 471} (Schlacht Belisar's vor 
Rom 474). Bclisar's Taktik. Prokopios' Preis der Bognerwaffe 475. Spätere Kriegskunst. 
Arabische Nachrichten. Die „Taktika" Kaiser Leo's VI. 476,77. Die Reglement« Kon- 
stantin's und Nikephoros' 478. Das Sölduergemisch der Spätaeit 478. Das „griechische 
Feuer«. (508 ff.) 

2. Beteitlgungsweien. 

„De aedifieiis Justiniaui' 479. Maucrerhöhungcn (Martyropolis). Steigerung der passiven 
Defensivkraft (Dara) 480. Der Zwinger (Konstantinopcl). Sehloss von Kpiskopia 481. 
Bauten in Afrika (Tebcssa) 481 (Calama) 482. Die massenhaften Befestigungen sind ein 
Zcichcu der Schwäche 483. 

IV. Parther und Neu-Perser. 

Literatur 482. — Kriegswesen der Partiler 4*3. Reiterei; berittene Bogncr 4811. 
Ritterschaft (Kataphrakten) 484. Zusammenwirken beider Kavallcricgattungen (Schlacht bei 
Carrha«) 485. - Fuszvolk 486. 

Kriegswegen der Ncu-Perser 486. Schutz und Trutzwaffen 486. — Kriegsweise. 
Bogner, Streitwagen. Elefanten (Schlacht v. Kädisijjah) 487. 

Kriegsbauwesen der Parther und Perser 487. Alt-cränische Traditionen 487. — 
Parthische Bauten: Dara, Ktesiphon 488. — Sasanidische Bauten: Djond-Nischapur, 
Arpan 488. Mauer von Derbend 489. 

V. Mo8lemin. 

Literatur, <iuellensammlungcn. Neuere hisU>r. und milit. Literatur 489. 

1. Bewaffnung und Kamplwcise. 

Die Anfange. — Bewaffnung der Altaraber 489. Bewaffnung der Zeit Mohammed's 490. 
Mohammed's System der Kriegführung. Das fünfgliederige Heer (chamys) 492. 

WafTentechnik des Orients. — Trutzwaffen. — Der Bogen und seine Arten. Der 
Pfeil. Redensarten und Sprichwörter von Pfeil und Bogen 491. Symbolik 492. Art des 
Bogengebrauches und der Schiessübungen 492. Die Stoszlanze 493. Das Schwert. Die 
Damascirung 493. Einrichtung der Schwerter. Werth und Ruhm edler Klingen. Art 
ihrer Führung 494. Die Schwerter Mohammed's 495. Messer und Dolche: üschenbie, 
Yatagan, Flissa, Koukri, Kampak, Khuttar, Wag-nuk 495. Streitäxte und Streitkolben 
495. — Schutzwaffen. — Schild, Helm, Leibriistung 496. — Waffenthum der 
Inder: Die „Hunguls" ; IiuloskythiBche Bogner. — Der Bogen (dhanus). Wurfkeulen. 
Wurfscheiben. — Agni-astra (Feuerpfeilc) und £ata-ghna (Hunderttötcr). Streitwagen 497. 

Arabische Reiterei. — Seltenheit des Pferdes im älteren Arabien 497 8. -— Das 
Kamel. Gangarten, Ausstattung und Gebrauch in der Schlacht 498 9. Das Kamel als 
Transportmittel 499. — Die Reiterei Muhamcd's 499. Religiöse Begünstigung der Pferde- 
zucht 499 500. — Rossausrüstung 500. ■ Elefanten 500. 

Geschütze and Belagerangsmaschinen. Arradah und Manganyk. Ihre Wirkung 
vor Salerno (i. J. 877), vor Kl-Mehdiya (i. J. 1204) 501., vor Kabsch und Dabbäbah 501. 

Kriegführung der Araber. — Die Raubzüge der alten Zeit 501. Gefecht mittels 
Ansturms und Zurückweichen. Gefecht mittels Linienvormarsches 502. Die Kardus 
(Cohortcn^ 502. Schilderung des arab. Kriegswesens durch Leo d. Weisen 502. Das Heer 
der Abbasiden 503. Die Schlachtordnungen der Inder 503. 

2. Befestigungen und Belagerungen. 

Feldbefestigungen. — Der „Krieg der Gräben". Marschlagcr 503. 

Permanente Befestigungen. — Bauten in Yemen 503 4. (Mareb-Saba 504.) Bauten 
im Hidschüz und in Nedjd (Mekka und Medina) 504. — Leistungen in der Poliorkctik 
504. — Die Almisran (Kufa, Bassora, 'Askar Mokram, Shyraz, Mansura, Marw) 506. — 



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XXVI! — 



Bauten der Abbasi den (Bagdad) 5056. -- Bauten in Afrika (Alexandrien, Foatät, 
Barka, KairawiinV Mauern von „tabbya" 506. — El-Mehdiya 506. Jlasr cl Kahira (Kair») 
607. Die Fortifikation als "Wissenschaft 507. — Bauten in Indien 507. (Bharal pura. 
Deeg. Allyghur). Sinnvolles Trace 508. 



Literatur 508 9. — Explodirende Gemenge de» Alterthums. Der Salpeter und sein 
Vorkommen 509. Naphta und Multha 510. Die Feuerwerkerei als Tempelgeheimnis 510. 
Die Pyrotechnik im Dienste der Kriegspolitik 611. Brandkugeln in Pfahlbauten 511. 
Brandsatz des Aineas 512. Das griechische Feuer. Schreiben des Kaisers Konstantin 
Porphyrogenetos (a. d. J. 949) über die Erfindung des griechischen Feuers im 4. Jhrdt. 512. 
Kallinikos und die Beziehungen /.u den Arabern (i. J. 668). Anwendung explodirendcr 
Gemenge durch Konstantin IV. 512 ■13. Misehungsvorschriften aus dem 9. oder 10. Jhrdt. 
(M. Graecus) 513. Anwendung des griechischen Feuers in Leo's r Taktika". Siphoucs 514. 
Satzröhren 514. Feuerlanzen und FeuennäUM. Der „Schwärmer" (serpenteau) 515. Seine 
taumathurgischc Vcrwcrthung 515. Raketen (ignis volans) 616. Der Raketensatz des 
M. Graecus ist Schiesspulver 516. Cartouchen, die abwechselnd mit Ausstoszladungen von 
Pulver und mit griechischem Feuer gefüllt sind 517. 

Die Stellang der Araber zur Fenerwerkerei 517. Aeltere arab. Literatur. Der 
Salpeter (bärud) wird von ihr erst im 13. Jhrdt. erwähnt. Nedjm- Edd in- Hassan - 
Alrammah's Tractat (v. J. 1290) 518. Explosible Bälle (Khesmanat). Feuerlanzen 
und Feuerkolben 519. Gestielte Handmörser (madfaa) 619. Feuer-Ei 520. — Schema - 
Eddin-Mohammed's Manuscript. Das eigentliche Feuerrohr 520. Methode, ganze 
Reiter in Feuer zu hüllen 520 21. — Die Naftatyn (Feuerwerker) der Abbasiden 521. 

Historische Daten über den Gebrauch von Feuerwaffen vom 10. Jhrdt. bis gegen 
Ende der Kreuzzüge 521 22. — Chemische Vorstellungen der gelehrten Araber. Das Raffiniren 
des Salpeters (Roger Bacon) 522. Rakete und Kanone 523. 



Literatur: Quellensammlungcn. Heeresgeschichten. Waffen und Trachten 524-525. 

1. Ausrüstung und Kampfweise in den Zeiten der Merwinger und der Karlinger. 

Literatur: Zeitgenössische Originalwerke. Neuere Geschichtswerke 525. Staatsrecht 
und Lehenswesen 525—626. 

Bewaffnung und Auarüstung der Franken. Preise der Waffen. Zurücktreten der 
altgermanischen Waffenformeii 526. Schwert C'hildcrich's. Ausrüstung KarKs d. Gr. und 
seines Heeres. Karling. Fuszkiimpfer und Reiter nach den Schachfiguren von St. Denis 
527. Hausgarden Karl s des Kahlen. Schwert Karl s d. Gr. Schlachtgeissel 528. Ring- 
brünnc 528 9. Schuppenlorica. Beinbergae. Gegitterte Panzerhemden. Kleidung 529. -- 
Kossausstattung 529 30. — Hecrgoräth: Werkzeuge. Lagerzeug. Kriegsbrücken. 
Maschinen 530. 

Kampfwefee der Franken. — Heeresgliederung. Strategie Karls d. Gr. — 
Kriegerische Bedeutung der Reiterei 531. Hirc Zunahme unter Karl d. Gr. 532. 
Unter Karl den Kahlen ist das Ross Bedingung des Kriegsdienstes für die Freien. Die 
„Frankenschaar". Lähmender Einfluss der Reitermassen auf die Kriegführung 633. Schlacht 
bei Andernach 533 3-1. Schlacht an der Dylc. Ritterapiele bei Straszburg 534. 



VL Orientalische und griechischo Kriegsfeuer. 



Das frühere Mittelalter 

bis zum Ausgange der KrcuzzUge. 



I. Die Abendländer. 




XXV1I1 



2. Bewaffnung und Kampf weise der Sachsen und Normannen. 

Literatur: Sachsen. Normannen 535. 

Die Sachsen. Ihre alterthümliehe Haltung. Kleidung und Bewaffnung 535. Dar- 
stellungen angelsächsischer Krieger 538. 

Die Normannen und ihr« Bedeutung 536. Berserker 536 7. - Die Wikinger- 
fahrten 537. Ausdehnung derselben. Ansiedlung in Nordfrankreich 538. Züge nach 
Süden. Ritterstaat in Apulien und Sizilien 539. Eroberung von Britannien 531» 40. — 
Ausrüstung der Normannen nach der Tapete von Bayeux. Waffenrock, Kutte und 
Halsberge 540 41. Slitze und Gere an der Kleidung. Helm. Schild. Sattel. Stoszlanzc. 
Bogen 542. 

Kampfweise der Angelsachsen und Normannen. Sehlacht bei Hastings. Vcr- 
sehnielzuug der beiden Völker und ihrer Kriegsarten 543. - - Verbin dung von Reiterei 
und Fuszvolk als organisch es Prinzip der normannischen Taktik. Schlacht von 
Bremule. Strategie der Normannen 544. 

3. Ausrüstung und Kampfweise der Abendländer vom Ausgange der Karlinger bis zu dem der 

Hohenstaufen. 

Literatur. Originalquellen 544. Werke über Geschichte und Kriegswesen der 
Deutschen und Franzosen 545, der Engländer 546. Werke über die Kreuzzüge 546. 

Der schwere Reiterdienst steht ganz im Vordergrunde 546. Die Annati und ihre 
Rüstung. Die verschiedenen Panzerarten 547 48. Form der Maschenrüstung 
und Ausdehnung derselben über die Extremitäten 548. — Schilde. Hochschild, Rund- 
schild, Uvalschild, Dreispitz (petit ccu) 549. Rheinische und englische Schilde 549 550. 
Konstruktion und Gebrauch des Schildes 550. Bedeutung des Schildes. Wappenwesen. 
Schildsymbole. Mouve. — Helme. Kegelhelme und Glockenhelme 551. Hirnhaube. 
Helmdecke 552. 

Trutzwaffen. — Schwert, Klinge 552 3. Schwert des 12. Jhrdts. 553. Werth, 
den man auf gute Sehwerter legt. Die Sachsen führen mehre Schwerter 554. Hand- 
habung des Schwertes. Rechtlich-religiöse Bedeutung desselben 555. Lanze. Schaft. 
Spitze. Brechscheibe 555. Lanzengebrauch 555 6. Lanzensymbolik 556. Bogen und 
Pfeil haben geringe milit. Bedeutung in Deutschland 556. Wurfspiesz 556. 

Verstärkung der Rüstung. - Schulterflügel. Topfhelm 557. Kleine Kesselhaubc 
558, Waffenrock 558 59. Das „Benageln" de» Maschenpanzers mit Platten und Schienen 
.559. Die beständige Verstärkung der Rüstung spiegelt sich in den milit. Kunstausdrücken 
559 60. Entwickelung der Benagelung in Deutschland und Frankreich 560. — Handschuhe 
560. — Sporen 560 61. 

Einfttiss der Riistungsverstärkung auf die Trutzwaffen. - Kolben (masses). — 
Schwerter. Ihre Male. Schwert, des Schenk v. Winterstetten 561. Zeichen und 
Namen der Waffenschmiede auf den Schwertern 561 2. Klingenschmieden in Passau und 
Solingen. Diejenigen Spaniens 562. Sehwert griff und Schwert scheide 562 3. Sehwert- 
tracht 563. 

Rossausstattiing. — Sattelung. Rossrüstung, parse. kuvertiure) 563. Reitzeug 564. 
Das Nebenpferd (palefridus) 564 5. Der Dextrarius 565. — Der Sarbalc 565. 

Kinfluss der überseeischen Unternehmungen auf Erleichterung der Ritterschaft 565 6. 

lk»r Tross. — Gepäck 566. Futter 56*5 7. Truppenvcrpflegung 567 8. Transportmittel 
568 9. Trossknechte und Knappen. Handwerker und Marketender 569. 

Heeresznsamniensetzung. Lehnswesen in Deutschland. Rciehsheerfahrt 
570. Stärke deutscher (Jontingente und Heere 571. Befehlsführung 572. — Lehns- 
kriegswesen Frankreichs 5723. Das „Bauner". Befehlsrührung 573. Connetablc. 
Marechaux. Orirlainine. Schlachtruf 574. Die CommuuHltruppeu 574 5. Sergcut« de 
pied 575. Sergents d armes 576. Soudoyers (Cent honunes d*armes . Ribauds, Piquiquini) 
576. Arinbruster 577. — Die «ommunen Italiens. (tonfalionerc. Carrocio 577 8. 
Miethstruppen 578. 

Kriegskunst. Strategie. Kriegslisten 579. — Die Taktik. War eine solche 



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XXIX 



eigentlich im früheren Mittelalter vorhanden? 579. Gründe der Bejahung dieser Frage 
579 80. Treffenweise Anordnung 580 81. Stärke der Treffen 581. „Batailles" der Fran- 
zosen. Wirksamkeit der hinteren Treffen. Abweichungen von der Treffenstellung 582. 
Rccognoszirungen 582 3. Gang der Schlacht 583. Eigenthümlichkeiten der Völker 583. 
— Fechtweise der M iiitos. Kampf zu Fus/e 584. Kampf zu Pferde 585. Arider 
Aufstellung 585 6. — Das Fuszvolk 586. 

Kreuzzüge. — Heereszusammensetzung der Christen 586. Die Sarazenen und ihre 
Fechtart 587. Kampfweise der Kreuzheere 587 8. Turkopolen. Marschsicherung. Ver- 
pHegung 588. — Gesammtwirkung der Kreuzzüge auf das Kriegswesen 589. 

Da« Lag;erwe»en. — Verlauf einer „Kriegsreise" 589. Wichtigkeit des Lager- 
dienstes. Platz, Form und Einrichtung der Lager 590. Die Zelte; ihre Arten und ihre 
Ausstattung 591 2. Hütten 592. Die „Signa". Aufgaben des Marschalls 592. 

4. Befestigung und Belagerungskrieg des früheren Mittelalters. 

Literatur 593. 

I. BefestigungsweHen vor den Kreuzziigen 593 bis 627. 

Kriegsbauten der Ostgothen 593 4 und der Langobarden 594. — Anfänge selbständiger 
Entwicklung bei den Franken 594 5. Bauten des 5. und 6 Jahrhunderts (Brunhilde) 595. 
Villen (odels) 595. Ferrnen 596. Paläste in den Städten 596. Karl Martell's Bauten. (Egis- 
heim. Die Salzburg) 596. Andere Bauten merwingischer Zeit auf deutschem Boden 597. 
Bauweise de« einzelnen Fronhofs 597 8. — Leistungen unter Karl d. Gr.: Grenzein- 
richtungen 59H. Limes Saxoniae 599. Wachtthürme 599. Kleinburgen (des Allinges) 
Neubauten unter Ludwig d. Fr. 600. 

Frankreich und England. — Zunahme der Privatburgen 600. Die Chateaux I 
motte (Burghalden) 601. Entwinkelung der Urform zu reicherem Grundriss ila motte de 
Cesny). Breteschen (Holzthürme) 602. — Aehnliche Burghalden in Bretagne 602, Schottland 
und Belgien 603. — Einfluss der Normuneneinfälle auf Zunahme des Steinbaus ti03. - Die 
fortifikatorischen Bedürfnisse der sesshaften Normannen 603. Der Donjon. Verbesser- 
ungen , welche die Normannen mit dem chateau ä motte vornehmen 604. Chat, du Pin 
604 5. Donjon zu Beaugency. Donj. zu Loches 605. Thürme zum Strättlingen und Thun 
605. Donjons auf britischem Boden. (Earls-Burton 605. Warmouth. Newcastle 
im Tyne 606.) Bauten Wilhelm'« d. Eroberers und König Stephan's 606. (Donjon von 
Rochester 607.) Mehrthürmige Normannenburgen (Courcy) 607. 

Deutschland. — Karlingische Burgen 607. Herrenburgen 607/8. Kintluss der 
l'ngarncinfälle auf die Vermehrung der festen Plätze. Maszregeln Heinriclrs I. 64)8. Ent- 
wickelung unter den Ottonen 609. Fortifikatorische Sicherung der Alpenstraszen 609. Die 
Bezeichnung „Burg" 809 10. Entwicklung der Burganlagen 610 11. Rechtliche Ver- 
hältnisse. Zunahme der Königsburgen 611. Besatzungen 61 1 Bnrgmannen. Bürger, Burg- 
graf 612. Einrichtungen in den 3Iarkländern 612. - Die Mili tärarchit ektur in der 
Zeit der sächsischen Kaiser. Verschiedene Arten der Anlagen 612. Befestigung 
der Städte v. 8. bis 11. Jahrhundert 613. Bauliche Reste (Frankfurt) 613. Besatzungs- 
verhältnisse. Dus .Burgwerk" 614. Burgen. Höhenburgen 614 15. Wasserburgen 615. 
Burgnamen 615. Hauptbestandteile jeder Burg 615 16. Sächsische Castra 616 17. Nieder- 
ländische Castra (leiden. Gent.) Sächsische Markburgen 617. Oberdeutsche Burgen 
(Frauonfeld) 617 (Hohenräthien 618). — M i 1 i tär ar c h i t e k t u r in der Zeit der frän- 
kischen Kaiser: Aufblühen der Städt e 618. Ihre Macht und Befestigung (Fulda) 619. 
Die Burgen. Grenzfesten 619 (Grauhünden und Rheinpfalz 620). — Aufschwung der 
Baukunst. Städtische Bauten (Saalhof zu Frankfurt a. M.) 620 (Vorhof zu Komburg 
621). Burgenbau : innere Abschnitte und Burgengruppen 621. (Habsburg. Kyburg. Hohen 
Egisheim 622) (Trifels 623 bis 625) (Niederburg zu Rüdesheim 625. Wartburg 625 bis 627) 
Burgställe. In den Fels gehauene Burgen 627. — Rückblick auf die Entwicklung vor 
den Kreuzzügen 627. 

II. Belagerungxkrieg 627 bis 656. 

Abhängigkeit von den röm. Traditionen 627 8. (Belagerungen von Laon 628. Be- 



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— XXX — 



lagerung von Verdun 628 9. Abschwächung der antiken Ueberlieferung 629. Blokadc 
u. Gegenburgen. Die Verteidigung ist dem Angriffe überlegen. Neuauftreten der An- 
griffsmaschinen während der Kreuzzüge (Belagerung von Nicäa) 630 (Belagerung von 
Antiochia 630,1, von Jerusalem u. Dyrrhachium 631). Minenkrieg 631 (Belagerungen von 
Crema u. Hailand, von Akkon). Circumvallation u. Contravallation. Griech. Feuer (Be- 
lagerung von Damiettc 632). — Gang einer regelrechten Belagerung: — Ueber- 
rumpelung u. Leitcrerateigung 632. Die Steigzeuge 633. Ausfüllen der Gräben. Katzen. 
Angriff mit Maschinen 632,3. 

Ant werke (machinae, ingenia), Bedeutung ^ dieser Wörter 634. Entwickelung u. 
Verbot der Kriegsmaschinen 634. Drei Arten des Antwerks: Stoszzeug, Schuss- u. Wurfzeug, 
Deckzeug 635. — Stoszzcug: Sturmbock (Widder, belier). Mauerbohrer (Tarant, Vulpes, 
Krebs) 635. — Schuss- u. Wurfzeug: Stand- u. Wagarmbrust (ballista) 636. Ihre 
Munition 637. — Die Kutten (Katapulte) 637. Ihre Munition 637 8. — Verschiedene Arten 
der Gc werfe 638/8. Zwei Hauptarten: hoho Maschinen mit festem u. niedere Maschinen 
mit beweglichem Gegengewichte 639. — Hohe Maschinen 639 40: Die Bleide (trebuchet) 
640/41. Der Tribock. Die Petraria (pierrier) 641. — Niedere Maschinen 6412: Mange 
und Marga 643. Matafunda 644. — Munition der Gewerfe: Steine 644. Hagel. Schelme. 
Lebende Menschen. Brandgeschosse, Tummeier 645. — Beispiele zur Erläuterung des 
Wesens dieser Artillerie 645 6. Art ihrer Anwendung 646 7. — In welchem Verhältnisse 
standen die mittelalterlichen Schuss- u. Wurfzeuge zu den entsprechenden Maschinen der 
Alten? 647 - 649. - Deckzeug: Fahrbare Mäntel, bedeckte Hallen 648. Katzen 650- 
Bergfriede u. Ebenhöhe 660 1. 

Angriff durch Talparii (Minirer). Widerstandskraft der Festungen. Circumvallation 
und Contravallation 652. Gegenburgen und Bastillen 653. 

Die Vertheidigung. Acusserster Umzug, Letze (lice) 653. Hamite (Auszcn- 
werke zu offensiver Defensive). Vorbereitung zur Vertheidigung 654. Maszrcgeln gegen 
den gewaltsamen Angriff 654 5. Maszregeln gegen den förmlichen Angriff. Contremincn. 
Kampf um das Reduit. Unterirdische Gänge. Zerstörung der Vcste 656. 

III. ßefestignng.Hrve»<'n nach den Kreuzxügen 656 bis 684. 

Profil und Ausstattung des Mauergürtels 656 7: Mauerhöhe, Maucratärke. Ver- 
breiterung des Wallgangs zur Aufstellung von Antwerk (Sinzig, Cöln, Trier) 657. Die 
Zinnen 6578. BalliBtrarien. Erker. Gusslöcher (Machicouli) 658. Wehrgänge oder 
Hürden 658- 660. — Grundriss: Wachsende Bedeutung der Seitenbestreichung 660. 
Schnabelthünnc 661. Thorburgen: Die Barbigän (barbacane) 661—663. Zugbrücke 663 4. 
Fallgatter 064 5. Zwinger (parkan) 665 6. Mäntel 666. Der Hauptthurm (Bergfried. Donjon) 
666. Die Thürme der städt. Patrizierhäuser 666 7. 

Verbreitung der neuen fortificat. Elemente in den verschiedenen Ländern 667 8. 

Frankreich: Neubefestigung der Städte 668. Schlossbau in den französ.-englischen 
Grenzlanden 668 9. Bautechnik 669. Der „gothiachc" Styl. I "ebergang der viereckigen 
Thurmform zur cylindrischen. Thürme mit Vorsprung (epi, bec). Hohlräume in Thürmen 
(Carca8sonne) 670. Wölbung der Thürme. Vorzüge der Rundthürme 671. — Allgemeine 
Disposition der französischen Schlösser des 13. Jhrdts. 671. Einfluss der Kreuz- 
züge gegen die Albigenser auf die Poliorketik 671 2. Städtebefestigung 672. — Beispiele: 
Chäteau de Gisors 672. Burg von Arqucs 672 3. Donjon von Provius 673. Chäteau- 
Gaillard aux Andclys 673 bis 676. Coucy 675. Greyerz 675 6. — Die Manoirs 676. — 
Befestigte Städte: Carcassonne. Die Belagerung i. .1. 1240. Die Erneuerung durch 
Louis d. Hlg. 677 8. Paris (Louvre). Aigues-Mortcs 678. 

Deutschland: Unterschied zwischen den Bauten der Fürsten u. derer des niederen 
Adels 678 9. Bur genbau und Terrainbenutzung. Burgen des nordrheinischen Gebietes 
(Nideggen, Wernerseck, Olbrück, Hohe Acht, Nürburg, Burgen des Siebengebirges, Godes- 
berg, Liebenstein und Sterrenberg, Sooneck, Bischofsstein, Cobern, Manderscheid) 679. 
Straszen- und Flusssperren (Ehrcnfels, Rheinstein, Reichenberg, Lahneck). Grossartige 
Thunnbauten (Schönburg, Gutenfels) 690. -- Die Städte. Die Bildung der Innungen 



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— XXXI — 

und ihr Einfluss auf das Befestigungswesen 680. Die Thorburgen (propugnacula) 681. 
Befestigung von Aachen (Cölnthor) 681. Die Burghut der Städte 682. 

Das lateinische Reich im Oriente: Allgemeine Bedingungen. Das System der 
Gegenburgen aus dem Gebiete des Belagerungskrieges in das der permanenten Fortification 
übertragen 682. Grenzplätze 683. — Bauten der Ritterorden. Schule der Hospitaliter 
und Schule der Tempelherrn. (Krak des Chevaliers.) Die Deutschen des 4. KreuzzugeB. 
Bauten Louis d. Hlg. 683. Relais- und Signalthürme 683 4. — Mauergürtel grosser Städte. 
Verbindung von Burg und Stadt 684. 

II. Die Turkvölker. 

Literatur 684. — Begriff der Turkvölker 684 5. 

f. Hunnen, Avaren und Ungarn. 

Literatur: allgemeine; solche über Attila und über die Ungarn 685. 

I. Die Hunnen: 685 bis 690. 

Ihr Auftreten in der Geschichte 685. Schilderung des Ammianus Marcellinus 686 
Das Heer Attila 's und sein Feldzug gegen das weströmische Reich 687 8. Die Be- 
lagerung von Orleans und die Schlacht auf den catalaunisc-hen Feldern 689. Befcstigungs- 
wesen der Hunnen 690. 

II. Die Avaren: 690 bis 693. 

Pannoniens Ebenen und der „reitende Krieg" 690. Die Avaren Schilderung des 
Kaisers Mauritius 691. Leistungen im Belagerungskriege (Angriff Konstantinopels i. .1. 626) 
691 2. — Landcsvertheidigungswesen : Die Avaren -Ringe 692 3. 

III. Die Ungarn 693 bis 698. 

Das Volk 693 4. Bewaffnung 694 5. Belagerungskunst 695. Kriegsweise 695. Schlacht 
bei Riade. Das Volk wird sesshaft. Eintiuss dieses Umstandes auf die Heeresgestaltung. 
696. Kampfweise und Schlachtordnung 697. Spätere Ausrüstung 698. 

2. Mongolen, Tataren und Türken. 

I. Mongolen und Tataren 698 bis 714. 

Literatur 6989. 

Der Volksstamm und sein Leben 699. Bedeutung des Pferdes und des Kamels für die 
Mongolen 700. Ursprüngliche Bewaffnung 700 l. Eigenschaften des Kriegers 701. Marsch 
und Gefecht 702. Lager und Belagerung 702 3. — Temudschin (Dsehingis-Chan). Die 
.lasa 703. Heereseinrichtung Dschingis-Chans 703,4. Zug gegen China (die grosse Mauer) 
704. Zug gegen Europa 704 5. Schlacht auf der AVahlstatt (Feuerwaffen der Mongolen) 
705 6. Die Tataren 706. Theilung des Reiches 707. — Dio Mongolen in Persien und ihr 
Kriegswesen 707. — Timur 707,8. Seine militärischen Institutionen 708. „Vorschrift 
über das Verhalten im Kriege und in Gefechten für Angriff wie für Verteidigung" 
709 bis 711. Musterungen. Entwickelung der Bewaffnung 712. Das Wurfzeug 712 13. — 
Die Goldene Horde 713, Herberstain's Schilderung ihres Kriegswesens 714. 

II. OamanÜH'he Türken 714 bis 723. 
Literatur 714. 

Kriegerische Stammsage der Türken. Emporkommen der Osmanen. Dio Timarioten 
715. — Bewaffnung 715. Bogen, Pfeil und Köcher 716. Schwerter: Mcgg 716; 
Pallasch; Gadar'a, Chimchir, Vatagan; Wechabitenschwerter 717. Dolch und Handschar. 
Streitkolben 717. Streitaxt. Lanze 718. Schutzwaffen: Zischäggen, Schilde 718. Arm- 
schienen. Panzerhemden 719. 

Truppen: Die Reiterei: Reitzeug; Reitart; Reiterspiele (Dscherit) 719. Die 
Akindschi 719. — Fuszvolk: Piadc (Jaga) ,1 anitscharen. Ihre Stiftung 720. Ihre Symbole 
(Kochkessel und Esslöffel) 720 21. - Sol dr ei terci (Sipahi) und Lehnsreiter (Mosseliman) 
Akkidschi und Asab 721. 



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XXXII 



Taktik: — Eintheilung des türkischen Heeres in 7 Treffen 722. Der Glaubenskrieg 
als gottgefälliges Werk 722. Kriegsweise 722. 

Die Fortification der östlichen Turkvölker 723. 



Das spätere Mittelalter 

vom Ausgange der Krenzzüge bis zur Renaissance. 
I. Die Bewaffnung. 

Literatur 724 5. 

1. Rüstungen und blank« Waffen. 

Literatur 725. 

I. Die Rüstung. 725 bis 748. 

Die ritterlirheKleidung: Wams igambison). Ringbrünne u. Eisenhosen von Drath 
725. Die Benagclung. Tendenz, die Kapseln, Schienen und Platten untereinander zu ver- 
binden 720. Schienenschuhc 726 7. Schnabelschuhe 727. Wappenhemd und Wappenrock, 
„Manches". r Mainelieres u 727. Der Schwertgurt (Rittergürtel) 727 8. Panzerjacken 
(Brigantinen) 728. Brustplattcn (Kttrasa) 7289. Bauclipanzer und Hängeplatten 729. 

Kopfwehren: Maschenkapuzze (Hai »berge und Halsveste). — Vier Hauptformei» 
der eigentlichen Kopfbedeckungen 729: Die Beggelhaube 729. Der Topfhclm 730. 
Kleinode und Helindecken 730 31. Gesamterschcinung der Ritter 732. Erhaltene Topf- 
helme. Fortgehritte der Plattnerkunst 732. Weiterentwickelung des Topfhehl)» 7323. 
Stcchhelm. Spangenhelm 733. — Die grosse Kessel h au bc mit beweglichem Gesiehts- 
schutze 733 4. — Der Kisenhut 734. 

Die Kunst des Eisentreibens und die Entstehung der Plattcnharnische: 
Die Plattner 735. Die Gothik. Taktische Gründe für die Annahme der Plattcnharnische 
73«. Der Harnisch von lichtem Eisen 736 7. Beispiele 737. — Neue Kopfwehren: Die 
Schale (salade) 737 8. Das Helmlin (arinet) 738 9. — Die Eisenhandschuhe 739. 
Ihre Symbolik 740. — Die Sporen 740/1. Ihre Symbolik 741. — Schild und Tartschc 
741. Ihre Symbolik 742 (551). - Pavesen , Setztarbichen und Sturmwände 742. Das 
„Custodicr" 743. 

Ausrüstung des Kriegs pferd es. — Reitzeug: Sattel. Turniersattcl 743. Riem- 
zeug 744. Steigbügel und Art zu Pferde zu steigen 744 5. Kopfzeug 745 6. Kopfschmuck 
746. Rossrüstung: Wappendecke 746. Rüststücke 746 7. - Der Sitz des 
Reiters 7478. 

II. Blanke Waffen. 748 bis 756. 

Das Schwert. Ritterschwert 748. Fuszmannsschwert 748 9. Flanibergc. Biden- 
hander. Korbgriffschwerter 749. — S frei tko Iben 74^: Reiterseliliigel. Morgensterne. 
Kriegsflegel 750.— Hümmer: Reiterhammer. Fuszvolkhammer. — Acxtc: Barte, Streit- 
beil 751. Hellebarte 751/2. (iliife. Kriegshippe. KriegsHcnse. Schlachtsichel 752. — 
Korseke und Partisane 753. — Lanze (Gläf'e) 7534: Brechscheibe, Lanzeneisen, Schaft 
754. Lanzenkampf 754 5. Raisspiesz, Kur/.lanzc 755. Wurfspeer (Atzger, Scheffelin) 755 6. 
Fuazvolksspies* (Pike, Ahle) 756. 

2. Fernwaffen. 

Literatur 756. 

I. Bogen, ArmhruHt nnd Antwerk. 756 bis 768. 

Literatur 756 7. Der Bogen und seine Konstruktion. Die Pfeile 757. Der Köcher 
758. Bogengebrauch 758: in Deutschland und Niderland. Bognergilden 758: in 
England und Frankreich 758 8. Vorzüge des Bogens vor andern Fernwaffen 759. 



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— XXXIII 



Die Armbrust (Armut) und ihre Konstruktion 759 60. Geschichte der Annbrust 760. 
Schützengesellschaften 761. Arten der Armbrust: Geissfuazarmst 761. Wippenarmst. 
Windennrmst. Zahnradarmst. Flaschenzugarmst (arbahte a tour) 762. Stein- oder Kugcl- 
armst. Rinnenarmst 763. — Die Geschosse: Bolzen. Drehpfeil. Bolzcnspitzen 763. Feuer- 
pfeile 763 4. - Preise der Armbrust. Die Armbruster 764.— Das Vorkommen vergifteter 
Geschosse 764. Die Armbrustschützen und ihre Wirksamkeit 764,5. Vorzüge und Nach- 
theile der Armbrust 765. 

Das Antwerk. (Vgl. 634 bis 6.'>0.) Gebrauch desselben in Preuszcn 765 6, im inneren 
Deutschland 766 7. In Frankreich 767 8. 

II. Feuerwaffen. 768 bis 814. 

Literatur 768 bis 770. — Fortschritt von dem Feuer ftls Waffe zu den 
Feuerwaffen. „Ignis volans". Albertus Magnus und Roger Bacon 770. „Pulvis" und 
„Kraut" 770 L Die Bedeutung Flanderns für die Pyrotechnik. Feucrlanzen und Raketen. 
Biringuccio's Schilderung. Schwärmer 771. Der Raketenstab. Die Seele 772. Raketen- 
arten: „Canone, Bombarde, Sclopetto" 772. Uebergang zur eigentl. Feuerwaffe 773. 
Berthold Schwarz 773 75. Anspruch der Deutschen auf die Erfindung, nicht 
des Pulvers, Bondern der Feuerwaffen 774. Chronikal. Nachrichten über den Gebrauch 
der Feuerwaffen in der L Hälfte des 14. Jhrdts. 775 6. Der Ausdruck „Artillerie" 
775 7. — Ungünstige Aufnahme der Feuerwaffen 777,8. Abgesonderte Stellung der Artille- 
risten im Kriegs volke 778. 

Frühest« Feuerwaffen: Holzkanonen. Handmörser 779. Entwickelung des Rohrs 
779 80. Die erste „Arkebuse" (Raketenbolzenarmbrust;i 780. Die ,.Knallbüchse" (gestielte 
Handkanonen) 78081. „Schiessprügel" 781. 

Handfeuerwaffen. Bcwcgl. Ladekammer 781. Erste Schaffung der Handkanonen 
781 2. Gabel und Haken. Die Ausdrücke „Arkebuse" und „Hakenbüchse" werden iden- 
tisch 782. Zündloch und Pfanne 782 3. Lunte und Schwammengcläss 783. Das Lunten- 
sch loss 783 4. — Arten der Handfeuerwaffen: Haken, halbe Haken, Doppelhaken 784. — 
Die Visirung. Vervollkommnete Schäftung. Ladestock. Das „Loth" 785. 

Schweres Geschütz: Wurfkesscl. Verlängerung desselben, „Bumhard" 786. Stab- 
eisenbiiehsen: Steycrer Büchse. Dulle Griete 787, Möns Meg 788. Hinterlader mit 
Ladebüchsen und solche mit Keilverschluss 788. — Bronzcguss. Seine Schwierigkeit. 
Legirung. Gussweise. Bohrmaschinen 789. Stückgiesser. Verhältnis von Kugelgewicht 
zu Geschützgewiclit. Ausstattung und Einrichtung der Bronzegeschütze 790.— Monster- 
geschiitze: Faule Mette 790; Bombarde Mohameds II vor Konstantinopel 791. — Traube, 
Henkel, Schildzapfen 792. — Laffcten-Konstruktionen: Sattel und Ansatz. Bock. 
Räderaxe. Lade und Schirm. Bank 793. — Richtvorrichtungen: Richthörner. 
Schwierigkeit des Problems, Sicherheit der Lage und leichte Beweglichkeit behufs Richtung 
zu vereinen 794. Laffcten der Burgunder 795. Schildzapfen und Richtschraube 795. 

Namen und Arten der Feuerschlünde: Büchsen 795. Mctzen. Elbogen- 
Geschütze 796. Mörser (Tümmler, Böller) 797. Hauptbüchsen (Scharfmetzen , Mauer- 
brecher) Kammerbüchsen (Vogler, Veuglaires), Haufnitzcn (Haubitzen, obus) 798. Kar- 
thaunen (tjuartanen, Vicrtelsbüchsen). Schlangen (Rerpentincs, couleuvrines). Falken 799. 
nagelbüchsen (Schrcigeschütze, Totenorgeln). Rcpetirgeschütze 800. — Unterschiede 
zwischen der Feld- und der Positionsartillerie800. Tarrasbüchsen. Protzwagen 801. 

Die Munition. Pulver: Der Salpeter. Vorkommen, Bezug, Produktion und Läute- 
rung 801 2. Kohle 202 3. — Pulvermischungen 803,4. Pulverformen (Knollenpulvcr. 
Körnen). Pulversorten 804. — Verfertigung des Pulvers. Mühlen. — Verbrennungs- 
theorien 805. 

Der Kammerpropf (Klotz). Seine Wichtigkeit in der alten Artillerie 805 6. 

Geschosse: LanggCRchossc (Pfeile, Glefen, Stangen) 806 7. Kugeln: Steinerne 
Vollkugeln 807. Ziegclkugeln (gebackene Kugeln) 807 8. Bleierne Vollkugcln (Klötze, 
Loth, Eicheln). Bronzene Vollkugeln 808. Eiserne Vollkugeln 808 9. Glühende Voll- 
kugeln 809. Feuerkugeln 809 10. Brandgeschosse 810. Sprenggeschosso 810 11. Leucht- 
kugeln. Hagel- oder Igelschüsse 811. 



III 




XXXIV 



Lade weise und Geschützbedienung. Schwerfälligkeit des Ladeprozesse« 811. 
Vorschriften 812. Quadranten 812. 

Feuerwerkskörper. Raketen und griechisches Feuer 812. Recepte und Nachrichten 
über Anwendung derselben 813. 

Gedicht vom Büchsen wer ko 813 14. 

Anhang: Die Schutzheiligen der verschiedenen Waffengattungen: Hlg .Georg, 
hlg. Sebastian, hlge. Barbara, St. Bonaventura, Job. v. Nepomuk 814, — Die Passauer 
Kunst 815. 

II. Kriegführung und Taktik. 

Literatur: Origiual-Literatur von 1300 bis 1521. — Ausgaben antiker Kriegsschrift- 
steller von 1473 bis 1489 : 815. 

1. Italien. 

Literatur: Sammelwerke 815. Politische, Cultur- u. Rechtsgeschichto. Militiir- 
geschichte 816. 

Die Renaissance. - Söldnerthum u. Bandenwesen: Almovaren 816. Die -eapitani 
di Ventura" u. die Condott ieren 817. - - Wissenschaftliche Behandlung des Kriegswesens. 
Manövrirkurst 818. Militärisches Virtuoscnthum : „Schlachten" von Anghiary und Monte- 
chiaro 818— 82u. Seravalle 820. Reiterei und Fus/volk 680, Die Artillerie. Verachtung 
u. Hass gegen die Feuerwaffen 820 1.— Taktische u. strategische Spekulation. Militärische 
Kennerschaft. Die „Schulen" der Feldherrnkunst 821. 

Das Wesen der Renaissance in der Kriegskunst 822 3. 

2. Frankreich. 

Literatur: Sammelwerke. Politische, Kultur- u. Rechtsgeschäfte 823. Militär- 
geschichte 823 4. 

Das Heer Philippe 's II. Auguste. Sieg bei Bouvines (1214 ) 824. Hecresorgani- 
sation der nächsten Folgezeit 824. - Das Ritterheer Philippe'« IV. 824 5. Niederlage 
von Courtray (1302 > 825 6. 

Der hundertjährige Krieg mit den Engländern: Sluys. Crccy 827, Maupertuis. Die 
.laccpjcric 827. Die Capitaine. Du Guesclin. Charles der Weise 828. Die Compagnien 
828 9. Artillerie 829. Schlacht bei Roesbeke (1382) 829. Neubeginn des englischen Krieges 
829. Azincourt. Orleans (1428) Joanne d'Arc. Neue Taktik 830. Communaltruppen 
830 1. Vervollkommnung der Feuerwaffen. Die Brüder Bureau. Erlöschen des englischen 
Krieges 831. 

Die Cameraderien der Ecorcheurs u. Retondeurs 831. Neugestaltung des Heer- 
wesens. .Iac«|ues Coeur u. Charles VII. Zug in s Elsass 832. St, Jakob an der Birs (1444) 
832 3. Die ,.Armcgecken u 833. Revue U.Reform von Chälons 833 4. — Die Ordonnanz- 
Compagnien der r cavalerie rcglee": Zusammensetzung 834. Ausstattung und Fechtweise 
835. — Die Infanterie der Francs-archers 835 0. Dir geringer Werth und ihre Gegner H36. 

Louis XI. — Ligtie du bien public S36. Reorganisation der Francsarchers u. Ein- 
theilung des Reichs in 4 Regionen. Das Institut der Communaltruppen 837. Die Lehns- 
mannschaft 838. Das moderne stehende Heer, l'ebungslager von Pont de TArche. 
Schweizer und Bandes de Picardic 838. Die Artillerie. Schwierigkeiten ihres Auf- 
kommens 838 9. Art ihrer Benutzung und Einwirkung derselben auf die Taktik. Bande 
d hommes de metiers 839. Die Geschütze u. ihr Kaliber 840. Laffetirung 840 1. 

Rückblik 841. Das Eroherungshecr Charles" VIII. 841 bis 843. 

3. England. 

Literatur: Sammelwerke. Allg. u. Kulturgeschichte. Militärgeschichte 843. 
Das Feudalsystem in England 843 4. Bedeutung der Fus/.mannschaft 844. Heran- 
ziehung des Mittelstandes zum Kriegsdienste 844 5. Die Waffengattungen: Men-at- 



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XXXV 



arms (knights) 845, Archers 845«, Fnot-mcn 846. - Sold i er» 846. Soldheträge 8467.— 
Einführung der Feuerwaffen 847. Die Flotte 847. 

Der hundertjährige Krieg. Edward III. 817. The Black Prince. Henry V. 
Henry VI. 848. - KYieg der beiden Rosen 8489. 

4. Die Hauptschlachten des hundertjährigen Krieges. 

Literatur 849. 

Die Bedeutung des englischen Fuszvolkes in diesem Kriege 849. Seine Er- 
ziehung in den Kämpfen mit Schottland 849 5«. Die abgesessenen Men-at-arms 850. 
Wagenburg und Verpfählung 851. Die Stellung der Schützen „cn herse". Die Kavallerie- 
Reserve 851. 

L Die Schlacht von Crecy i. J. 1346. — 851 bis 854. 

IL Die Schlacht von Maupertni» oder Poitiers i. J. 1356. — 854 bis 857. Die 
französische Gendarmerie nimmt die Sitte an, zu Fusz zu kämpfen 8 r >78. 
III. Die Schlacht bei Azinconrt i. J. 1415. _ 858 bis 861. 



I. Die Rnssen 862 bin 874. 

Literatur. Allg. Geschichte. Kultur, Trachten u. Waffen. Militiirgescbichte 862. 

Byzantinischer u. normannischer Einftuss 862 3. Die Warjager 863. — Das Kriegs- 
wesen der vormongolischen Zeit: Druschilten (Dvornm) 863. Ausrüstung, Be- 
waffnung. Feldzeichen u. Feldmusik 863. Waffengattungen u. Kriegsmaschinen 864. 
Märsehe. Aufstellung. Kampfart. Kriegführung 864 5. — Mongolencinbruch und 
Mongolenherrschaft 865. — Kntwickelung unter der Mongolen berrschaft: 
Dworjanen, Deti bojarskie, Grenzwachen, Volksaufgebot 865. Bewaffnung unter asiatischem 
Einflüsse 865 6. Artillerie unter deutschem Einflüsse 8645. Tatarische Organisation u. 
Kampfurt 866 7. - Das GroBzfürstenthum Moskau 867. — Russische Kriegsmacht 
in der Zeit der Wiedergeburt: Nationale Truppen (Gossudarew Dwor, Ryndy, 
Apritschniki; Gorodowy, Deti Bojarskie 867 ; Stadtkasaken und Strelzen 867 8. Datotschnye 
ljudi. üssada 869.) Ausländische Söldner 868 9. Ililfstruppen unterworfener Völker 
(Kasaken) 868. — Ausrüstung: Bekleidung 869. Schutzwuffen 869 70. Trutzwaflen 
870 1. Artillerie 871 2. Organisation der Truppen 862. Reiterei. Wagenburg (guljai- 
gorod) 873. . 

II. Die Finnen s73 bis 874. 

Literatur 873 4. — Das Volk und seine Waffen 874. 

III. Die Aesticr (Prcuszen. Litauer. Letten) 875 bis 877. 

Literatur 875. - Die Ostleute 875. Kriegswesen der alten Preuszen 875. Watten. 
Kriegsart. Befestigungen 876. — Kriegswesen der L i t a u e r. Waffen 876. Truppen. Ein- 
führung der Feuerwaffen 877. 

IV. Die Polen 877 bis 886. 

Literatur 8778. — Das Volk: Szlachta, Kmiecie, Poddani. Bewaffnung der alten 
Zeit 878. Boleslaw Chrobry u. die Grod- Verfassung 8789. Emporkommen der 
Adelsmacht 879. Wladyslaw Lokietek 879. — Kasimir d. Gr. u. die Statute von Piotr- 
kow und Wislica. Die Bruderschaften des Adels 880. Ausrüstung u. Bewaffnung des 
Adelsheeres 881. Das Fnszvolk 882. Die Verbindung mit Litauen. Wladislaw Ja- 
giello u. das Söidnerthum. — Die Schlacht bei Tanne nberg i. J. 1410. 883 bis 886. 

V. Muhmen und Mährer 887 bis 89a 

Literatur 887. — Einheit von Volk u. Heer (pluku) 8>7 8 Zupenverfassung , Be- 
waffnung u. Kampfart der alten Westslaven 888. — Castellaneiverfassung. Grenzsassen 
888. Feudalkriegswesen 8889. Altczcchische Reaction. Kriegsartikel u. Kriegswesen 
Wcnceslaus IV. (Hayck v. Hodetin) Watten, Truppengattungen, Kriegswagen 88». — 
Die Hussitenkriege: Zlizka's Kriegsordnung 890. Die Taboriten 890 1. Ihro Marsch- 
ordnung u. Fechtart 891. Der Kriegswagenkampf 891 2. Schilderung des Eneas Silvio 



5. Ost-Europa. 



III* 




XXXVI 



892 3. Offensives Manövrircn mit der Wagenburg. Verwendung der Wagenburg auf dem 
Marsche u. im Lager 893. Verwendung der Artillerie 893 4. Vervollkommnung de* 
Artilleriematerials. Waffenübungcn 894. Die Theilung der Böhmen 894. — Ver- 
breitung der böhmischen Kriegs weise über die Nachbarländer: Söldner 
und Bruderrotten 895 6. • Kriegsordnung Wenzel Wlceks von ("enow: Anord- 
nung der Reiterei 896, des Fuszvolks 897. Zusammenwirken von Reiterei u. Fuszvolk 897. 
Wagenburgordnung 8978. Angewandte Taktik 898. 



Literatur: Quellennachweis. Allg. Geschichte 898. Verfassung*- und Kultur- 
geschichte 898 9. Kriegswesen 899. Gesch. süddeutscher Lande 899. Gesch. norddeutscher 
Lande 89» 900. Gesch. des Städtewesens 900. Kriegswesen Süddeutschland* 000/1. Kriegs- 
wesen Norddeutsehlands 901. 

Allgemeiner Zustand des deutschen Kriegswesens 901 2. 

I. Die Reiterei. 9«t2 bis 989. 

Literatur 902. — Die Ritterschaft 902. — Das Turnierwesen 903: Torneamenta 
(Manöver). Buhort 904. Tjost 9045. Vor- (Kolben-YTurnier 905. Nach- (Sehwerter-) 
Turnier 905 6. Werth und Ausartung der Turniere 906. Die Ritterschaft als Truppe 
90« 7: Taktische Einheit (Helm, Gleve). Reisige Knechte (Solidarii, Sarjanten) 907. Die 
„Sammung". Banner. Zugordnung 908. Das Rcitergefecht 908 9. — Reiterwesen der 
Städte: Die Geschlechter. Stras/.enkämpfe z. Pfd. 910. — Die leichte Reiterei und ihre 
„heidnische" Kampfart 911. Turkopolen 911. Staehelschützen 911 12. 

Zunahme des Söldnerwesens 912. - Die Ordonnanz-Kompagnien der Burgunder: 
Reiterei und Fuszvolk in ein und derselben „Lanze" verbunden 912. Bewaffnung und 
Fechtart des Gendarmes, des Coustiliers, der Büchsen-, Armbrust- und Bogenschützen, der 
Pikeniere 913. Die Kompagnien und ihre „Chambres" 913. Leibwache 913 14. Hofstat. 
Hofkriegsrath 914. Militärreglement. Märsche 914. Waffeniibungen 914 15. - Taktik 
der Reiterei (der „Spitz- oder „Keil") 915. Schlachtordnung 915 16. Artillerie 916. 
Tross 916 17. 

Die regclmäszigcn ReiterfUhnlein Maximilian'» I: Die Kyrisser und ihre Begleiter 
Die „KinroRaer". — Hussaren 917. Stratioten 918. 

Fuszgcfecht der Reiterei: Kampf im Keil 918. „Novum bellandi genus" Albrecht 's I 
919. Gefecht von Sehwadernau (1376; 919. Schlacht ob Sempach (1386) 919 bis 921. 

Das Zurücktreten der Reiterei aus der Stellung als Hauptwaffe 921 2. 

II. I>as Fuszvolk. 922 bis 943. 

Literatur 922. — Die Wehrkraft der Gemeinen 922 3.— Fuszvolk der StÄdte923 4. 
Gespannglevencr (Wagenreiter) 924. Söldner z. F. Schützen 924. Schützenmulden und 
Schützcnordnungen 924 5. Die Fechtschulen (Marxbrüder, Freifechter und Luxbrüder) 
926. Gründe, welche kraftvoller Belebung der Fuszvolkstaktik durch die städtischen 
Aufgebote im Wege standen 9267. — Bedingungen für das Emporkommen des 
Fuszvolk« 927. Schlacht, am Morgarten (1315) 927 8. Die Ditmarschen und die 
Schlacht von Oldenwörden {»29. 

Die Ent Wickelung des schweizerischen Fuszvolks 929 30. Verbindung des 
Bürgerthums mit der bäuerlichen Naturkraft 930. - Das Kriegswesen der Schweizer 
Eidgenossenschaft : Allgemeines 930 1. Verhältnis der Waffen innerhalb des Fuszvolks 931. 
Reiterei 931. Artillerie 931 2. Taktische Anordnungen. (Zileten, Rangordnung, Spielleute. 
Feldzeichen) 932. Befehlshaber ( Hauptmann. Pannerherren. Venner) 932. Infanterietaktik 

932 3. Marsch- u. Schlachtordnung 933. Die staffeiförmige Anordnung u. ihre Vorzüge 

933 4. Der ..gevierte Haufe". Die Kxerzirkunst 834. — Bedeutung des schweizerischen 
Kriegswesens 934. 

Einwirkungen der Grenzländer auf das innere Deutschland 934. I überhand- 
nehmen des Söldnerwesens. Grosse Garde 935. „Böcke" 935 6. „Trabanten" 936. - Trennung 
der Schützen von den mit blanker Waffe Fechtenden 936. I'nterschicd zwischen Söldnern 
u. Aufgebotsleuten 93h 7. Ausrüstung der Schützen 937. Verhältnis der Wnfl'eii{rattungen 



6. Deutschland. 




X X X V 1 1 



des Fuszvolks untereinander 937 8. Taktische Anordnungen: Zchtischaft u. Hun- 
schaft. Gcwalthaufen u. Schützen 938. Gefecht des Fuszvolks gegen Fuszvolk 938 9, gegen 
Keitcrei 939. 

Die Landsknecht?. Ihre Schöpfung 939 40. (Namen 940 Note). Der „Orden 11 der 
Landsknechte wird schnell zur „Zunft" 940. Die beiden r Blätter" (prima plana). Das 
Fähnlein u. »eine Vorgesetzten 941. Das Regiment u. sein Stab 941 2. Bewaffnung der 
Landsknechte 942. Der „Haufe" (verlorener EL , heller H.) 942. Kampf der Lands- 
knechte 943. 

III. Wagenburg. 943 his 965. 

Literatur 943. ■ — Rest nomadischer Lebens- u. Kriegsweise 943. Die Wagenburg im 
frühen Mittelalter. Aufschwung durch die Hussitenkriege 944. Wagcnburgordnung 
von 1430: 944 5. Hebungen mit Wagenburgen 945. Das Treffen bei Hembach (1450) 

945 6. Ausstattung u. Dienstbetrieb der Wagenburgen. Ordnung Albrecht 's Achilles (1462) 

946 8. Einrichtung der Wagenburg im Falle eines Angriffs (1475) 948. Wagenburg- 
ordnung für Johann v. Brandenburg (1477) 949. Marsch der Wagenburg 94!» M). Lagemde 
Wagenburg 950 1. — Spätere Daten über Marschordnung u. Artillerieausstattung 951. 
Streit- u. Sichelwagen der Renaissancezeit 951 2. Wagengeschütze zur Deckung der Schlacht- 
flügel 952. Taktische Benutzung der Trosswagen im 16. u. 17. Jhrdt. 952 4. — Be- 
schaffung des Materials u. der Bespannung für die Wagenburgen des 15. Jhrdts. 955. 

IV. Artillerie. 955 bis 973. 

Wachsender Gebrauch des Geschützes in Deutschland von der Mitte des 14. 
bis zur Mitte des 15. Jhrdts: 1350- 1359; 1360 1369 : 956; 1370-1379 : 9567; 1380-1389: 
9578; 1390—1399 : 958 9; 1400— 1409 : 959; 1410—1419 : 960 1; 1420-1429 : 861 2; 1430— 
1439 : 962 3; 1440-1450 : 963 4. Resume 964 5. 

Die ersten Artilleristen Deutschlands: Meturningen, Roggenburger, Wider- 
stein 965 Merz 965 6. Bildeten die Artilleristen eine Zunft? 966. Stellung und Thätigkeit 
der Büchsenmeister 967 8. Büchsenschmiede 968. Privilegien Kaiser Friedrich's III. 968. 
Anderweitiges Artillcriopersonal 969. 

Artillerie-Ausrüstung einer befestigten Stadt (Nürnberg 1462) 96970; eines 
Bclagerungszuges 1 1458 ) 970; der Feldheere 970. „Notaverzeichnis, was an einem kleinen 
Feldzug an Geschütz gehört (1504) 971. — Maximilian'« I. Zeugbuch 971 2. — Neu- 
gliederung des Artiii e riebe stand es durch Freienslebcn 972. Mannigfaltigkeit der 
Formen 972 3. 

V. Technische Truppen. 973 bis 978. 

Schanzbauern, Freiheiter, Zimmerleute, Bergknappen und Steinmetze 973. — Feld- 
zeugrneister, Schanzmeister 974. Sehanzbauernhauptmann und Schanzbauern 974 5. Brücken- 
tneister und Zimmerleute. Erzknappen oder Berghaucr 975. 

Miniren 975. — Absteckung und Hinrichtung der Feldlager 975. Schanzenbau 977, 
Herstellung der Wege und Feldbrückenbau 977 8. 

VI. Heeregzu»ammen*etzung, Zugordnung und Strategie. 979 bis 9>7. 
Heeresbestandtheile 979. — Preparation zum Feldzuge t'hur fürst Alberti 

wider Herzog Hansen von Sagau (1477): Vorbemerkung 979 80. „Anschlag des 
Heerzugs. Ordnung der Trabanten. Zugehorung der Wagenn" 980. „Bestallung der 
costenn vnd zeugs u 980 1. Kriegsrath 981. „Ratslag wie man die' weil den teglichen 
Krieg fürnemen vnd halten soll" 981 2. „Ein beilauffig ansehlag der Speisung" 982. — 
„Ordenung vnd anschlagk Eines Herzoges vnd feit schlau" 98*2 5. 

Abzeichen der Truppen: Fahnen, Kopfschmuck 985. Klciderabzeieb.cn. Uni- 
formen 986. 

Kriegführung. Fehde und Kriegszug 986. Es handelt sich mit wenigen Aus- 
nahmen immer nur um den kleinen Krieg 987. 



7 Die Hauptschlachten der Burgun 

Literatur 987 8. Einleitung 988. 

L Da» Treffen von Montl'hery (1465) 989 bis 992. 




|l 




XXXVIII 



IL Der ..Streit von Grannon" (147«) M»2 bis 1000. 

III. Der „MurfenntreiP- (147«) 1001 bis 1008. 

IV. Die Schlacht vor Nancy (1477) 1009 bis 101«. 

V. Die Schlacht auf Guinegatte (1479) 1016 bis 1020. - Schluss 1020. 

8. Skandinavien. 

Einleitung 1020,21. 
I. Dänemark. 

Literatur 1021. — Knud's Ilauskarlc 1021. Ausrüstung zu Knuds Zeit. Niels, Erich 
Edmund. Waldemar I. und II. (Danebrog) Christoph II. und die Entwickclung des Kitter- 
standes. Seeraub des Adels 1022. Hans' Feldzug gegen die Ditntorschen 1022 3. 

IL Norwegen. 

Literatur 1023. — Kriegsverfnssung Hakon's des Guten. Zug llakon's de« Alten in das 
tehwed. Wcrmland. Erhebung der Lehnsherrn unter Magnus 1023. Heeresausriistung 1024. 

III. Schweden. 

Literatur 1024. — Swea-här 1024. Die Hofniänner und die Entwickclung des Kitter- 
standes. Gegensatz zum ßnuernheere. Das Heer Karl's VIII. Knudson (1452). Die Ar- 
tillerie 1025. Das Vorwalten der Bauernheere 1025 «. Schlacht am Brunkebcrge (1471) 102«. 
Gustav Wasn und die Dalckarlicr 102«». 

Sehlussbetrachtung über das skandinavische Kriegswesen 102« 7. 

9. Die Pyrenäenhalbinsel. 

I. Die Mauren. 1027 bis 1033. 

Literatur 1027.- Entstehung des Chalifats der Ommajjaden 1027. Allg. Kriegs- 
einrichtung. Alnahib und Almukaden. Taktische Gliederung 1028. — Kriegführung: 
Algacia und Algara 1028. Grenzdienst der Marabuten. Die Habiten. Leibgarden. — 
Der Krieg als Kunst aufgefasst 1029. Almansor und sein Heer 1030. 

Militärische Staatseinrichtung der Almoraviden 1030 31. 

Die Almahadcn: Das Fuszvolk und seine Taktik. Die Reiterei 1031. Marschordnung. 
Schlacht und Schlachtordnung 1032. Zeughäuser. Waftenfabriken. Kriegsschulen 1033. 

II. Spanier und Portugiesen. 1033 bis 1050. 

Literatur 1033. — Entstehung der spanischen Nationalität 1034. Einwirkung 
der Miiurenkämpfe auf das spanische Leben 1031. Ginctes und Peones. Die Mesnadas. 
Die ritterlich-militärische Staatacinrichtung. Der r Cid u 1035. — Ausrüstung: Waffen 
der Ritterschaft 1035 6. Ritterorden 1036. Almogävarcs 1037. 

Grenzkriege: Die Atalayas. Appelidas a terrc. Azarias und Fossados 1037. 

Organisation des castilianischen Heerwesens seit der Schlacht bei Titlosa (1212) : 
Die Führer (Adelantados mayores. Adalid mayor. Capdiello mayor). 1037. Hcercsauf- 
bringung (Statut von Cäceresj 1037. Erste Nachrichten vom Gebrauche der Feuerwaffen 
(maquiuas de truenos) in Spanien 1038. — Die spanischen Königreiche und ihr Cha- 
rakter 1038. Organisatorische Entwicklung unter Don Juan I. und II. (Condestable. 
Mariseal) 1038. Taktische Formen: Fuszvolk und Reiterei 1039. Bewaffnung nach 
dem Vermögen. — Art der Aushebung seit d. .1. 1407: Reiterei. (Ritterorden. Kicos- 
hoinhrea de pendou y Caldern. Hidalgos) 1039. Artillerie. Infanterie ( Espingaderox, Balle- 
steros. Lanceros). 

Verbindung Aragons mit Castilicn. Die heil. Hermaudad 1010. Die Schweizer 
als „cuerpo modelo" für die Infanterie 104<> I. Weitereutwickehutg der Hermaudad. Die 
Tropas de los aeostamientos 1041. 

Kriege zur Vertreibung aller Mauren. Cavalgadaa 1042. Maurische Fe- 
stungen 1041 2. Spanische Artillerie 1042. Das Heer der Spanier 1041. Der Mauren- 
krieg als Soldatenschule. — Hebung der Reiterei 1043. Infantcria de la Ordenanza (Pi- 
tjueros. Alabarderos, Ballesteros. Espiugaderos , Escusados) 1043 4. Gonsalvea de 
Cördova 1044. Die Taktik des Fuszvolks. (Colunelas) 10-115. Die Cuadrillos. Reiterei 
und Artillerie 1045. Erfolge in Italien: Kämpfe von Barletta und Cerignola 1045«. 



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XXXIX 



Thätigkeit in Spanien selbst. Canlitial Ximenes K>46 7. — Carlos l. Infanterie: 
Einführung «1er Tcreios (1534). Ihre Formation 1047. Reiterei (Bandas de ordeuauza nn<l 
Caballos ligcr'os) 1047. Artillerie Kaiser Karl s V.: die spanische nach Diego Ufano 1048 9. 
die deutsche nach Prenss 104« 50. Artillerieschulen 1050. 



Militärliteratur Ins zur Mitte de» 17. Jhrdts. 1050-1052. — Einleitung 1052 3. 

I. Infanterie. 1053 bis 1067. 

Literatur. — Macchiavelli's Urtheil über die Bewaffnung des Fus/.volks 1053. 
Vorherrschaft des Spieszes 1053 4. Abschaffung der Hellebarteu 1054. Handhabung 
des Spieszes 1054 5. — Verdrängung der Sehnensch usswaffen durch die Feuerrohre 1055 6. 
Die Muskete (eerbatana, moschetto) 1056. Ausrüstung des Musketiers 1056 6. Der Degen. — 
Die Schutzwaffen, fieduzirung derselben in der 2. Hälfte des 15. Jhrdts. 1057. Ihre 
Wiederaufnahme 1067 8. 

Formation des Fuszvolks 1058: Der Haufe. Dai pmportionirte Viereck (Parallelo- 
gramm). Das (juadrat ( Mannsviereck, Itaumviereck) 1059. Rottenintervalle u. Glieder- 
abstände 1059 60. Marschfonnen. Kürze der Gefechtsfront 1060. Die Haufen werden aus 
Fähnlein zusammengestoszen 1060. Deren Stärke. Vertheilung der Fahnen im Haufen 
1061. Verhältnis der Waffen innerh. des Fuszvolks. Fechtweise u. Marschordnung der 
Schützen 1062. Sicherung der Schützen durch Fronthindcrnissc: Pfahle 1062. 
Wagenverschanzungen u. Streitkai 'reu 1062 3. „Lager von Holzwerk" 1 . Erdschanzen 1063. 

Der Gedanke der Defensive als leitendes Prinzip der Infanterietaktik. Not- 
wendigkeit, dem Fuszvolke günstige Bedingungen für den Angriff zu siehem 1064. 
Macchiavelli's ungenügende Vorschläge im Sinne der Legionartaktik 1064 5. Die stete An- 
wendung von Defensivstellungen erweist sich als undurchführbar 10656. Streben nach 
L'eberraschung. Versuche, blanke Waffen u. Feuergewehre für den Offensivzweck 
organisch zu verbinden: Heerflügel (mauica. manche! 1066, Schützen in den Ecken 
eines Spieszerkreuzes. Schützen im 2. Gliede der Pikenierbataillone 1067. — Selbständige 
Schützengefechtc 1067. 

II. Reiterei. 1067 bis 1069. 

Literatur 1067 8. — Die Ritterschaft. • Reiter mit Feuerwaffen (Argoulets), Mischung 
der Reiterei mit ArkebiiNicren z. F. 106H. Sonderung der leichten Reiter von den 
schweren. Macchiavelli's Gedanken über den zweckmäszigen Gebrauch der Kavallerie 1069. 

III. Artillerie. 1069 bis 1074. 

Literatur 106970. — Die französische Artillerie Charles' VIII. Schlacht bei 
Fornuovo 1495) 1070 1. Transport des schweren Geschützes. Artilleriepark nach Philip]» 
v. Cleve 1071. Die Zustände unter Louis XII. Entwicklung unter Francois L idie 8 
Kaliber 1072. Francois' Artillerie i. J. 1515. 

Die deutsche Artillerie. Rhcinhard's Grafen zu Solms Geschützeintheilung 1073. 
Seine Ausstattung eines Heeres mit Artillerie und deren Anordnung 1074. 

IV. Die verbundenen Waffen. 1074 bis 1079. 

Organisation der Heere. (Vgl. über die eines fr.mzös. Heeres S. 842. über die 
eines deutschen 979. einer spanischen 1042.) Zusammensetzung einer italienischen Armee 
i. J. 1477: 1074. — Stärke- Verhältnis der Waffengattungen zueinander 1074 5. — Schlacht- 
ordnungen. Staffeiförmige Stellung in 3 Treffen 1076. Aufstellung in Einem Treffen 
1076 7. — Marschordnung Rhcinhard's zu Solm 1077. D e fe n si v formen : Kreuz u. 
Dreieck 1077. Der Angriff 1077 8 (Mariguano) Schlussbetrachtung 1078 9. 

11. Drei Schlachten aus den italienischen Kriegen im 1. Viertel des 16. Jahrhunderts. 

Literatur 1079. — l'ebersicht der 10 italienischen Kriege 1079 80. 
I. Die Sehlacht vor Ravenna am IL April 1512. 1080 bis 1088. 
IL Die Schlacht hei La Bieocca am 27. April 1522. 1088 bis 1091. 
III. Die Schlacht vor Pavia am 24. Februar 1525. 1091 bis 1107. 



10. Die europäische Taktik zu Anfang des 16. Jahrhunderts. 




— XI, 



III. Befestigung und Belagerungskrieg. 



Literatur: Fortitikatorische Literatur von 1519 bis 1*550: 1107 8. Moderne Werke 
ülter die ältere Kodifikation u. Poliorketik. Werke über Geschichte der Baukunst 1108. 



Einleitung. Frankreich. Pyrenücnhalbinsel (Atalaya's. Talayofs) 1190. - Deutschland: 
Landwehren, Zargen. Letzen 1109 10. Die Letzen der Schweiz u. ihre Holle im Gebirgs- 
kriego 1110 11. Schwaben, Bayern. Oesterreich IUI. Franken 1111 12. Rheinlande (Ge- 
biii- ke . Haingerichte) 11123. Westfalen 1113 4. Nicdersaehsen (Brandenburg) 1111. — 
Hochwaohten u. Eilen 1114 5. Schlusgbetrachtung (die „Linien") 1115. 



Die Dorfbefestigung. (Oppida. Haingraben) 1115 6. Die Kirchburg u. der befestigte 
Kirchhof 1116. 

Die Stiidte: Börners! ädtc u. Dorfstädte 1117. Die Dorfstädte u. ihre Ent Wickelung 
1117. Befestigung aus Holz u. Erde 11178. Vorstädte u. Pfahlbürger 1118. Stadt- 
erweiterungeu 1118. — Elemente der Stadt befestigungen: Mauern 1118 9. Thiirnie, 
Thore. Gräben 1119. Brücken 111920. - Verbindung von Burg u. Stadt: Spanien 
(Al-Kasr), Frankreich 1120. Preuszische Städte u. Ordensburgen 1120. Inneres Dcutsch- 



Die Burgen. Entwiekelung des Burgenbaues durch die Feudalherrn U. durch die 
Ritterorden 1122. Die Anlagen des deutschen Ordens 11223. Kokenhuscn 1123. 
Die Mariciiburg, zugleich als Beispiel einer Wasserburg 1123 4. — Andere deutsche 
Burgen: Hohen/.ollern , Beispiel einer Bergfeste 1124 5. HheiugrafenpfaL , Beispiel einer 
Inselburg 1125. — Französische Burgen: Vincennes, Pierrefonds 1126. — Besatzung 
u. Ausrüstung der Burgen 1126 7. Gunerbschaften 1127. 

Belagerangkrieg. — Die Mittel der Poliorketik im 14. Jhrdt.: Belagerung 
von ('astonceau 1124; von La Roehe-Millon 1127 8. Fahrbare Schinne u. ßelagerungs- 
thürme (beuffroys) 1128. Beginn der Anwendung der Feuerwaffen im Belage- 
rungskriege 1129. l'ngemigende Leistungen derselben beim Brechelegen 1129 30. Ge- 
ringe Entfernung des Ausgangspunktes der Belagerung von der Festung 1130. Ein- 
richtung der Batterien 1130. Belagerung des Schlosses Tannenberg (1399) 1131. — 
Starker Holzverbrauch bei den Belagerungsarbeiten. Nothwendige Arbeiterzahl 
1132. — Uebcrlegenheit der Vertheidigung über den Augriff 11323. Schwierig- 
keit der Aufbringung der Artillerie. Geringe Wirksamkeit derselben 1133. Gleichzeitiger 
Gebrauch der alten BelHgcruiigsmasehinen neben der Feuer- Artillerie 1133 4. „Zieh- 
Thürme u („Grosz arabisch Gerüst" in Gestalt eine« Basilisken), l'n tergeordnete Streit- 
mittel: Laterna magica 1134. Brandlegung durch Vögel und Katzen 1134 5. — Be- 
lagerung von Passau (1388) 1135, von Karlstein (1422) 1135 6. Belagerung von Orleans 
(1128) 1137 bis 1140. — Der Minen krieg im 14. u. in der ersten Hälfte des 15. Jhrdts. 
1140 1. Eroberung von Konstantinopel (1453) 1141 biB 1144. Andere Belagerungen 
der Osmanen 1144. 

Fortschritte der Belageruugstechnik in Frankreich: Gegossene Kugeln. 
Systematisches Schiessen behufs Breehelegung 1144. Laufgräben u. Schanzkörbe. (Belage- 
rungen von Montereau-Fault-Vonne u. Caen 1 Eroberung der Xormandie 1145. - In Deutsch- 
land bleibt die Vertheidigung überlegen: Die Soest er Fehde 1145 bis 1147. 

Die Fort ifikation gegenüber der Fe u c r ar t i 1 le rie: Verstärkung des Mauer- 
baues. Erdanschüttungen 1147. Der Niederwall 1147 8. „Douve" oder „Braie-. Bol- 
werke 114«. 

Vertheidigung der Stadt Neuss Regen Karl d. Kühnen (1474) 1148 bis 1152. — 
Bestellung des Sturmes auf Garz (1478) 1152 3. - Der Minenkrieg (St. Georg auf 
Kephalnnia 1000) 1153. Eroberung von Neapel (1503). Baldige Bevorzugung des Ge- 
schützes zum Brechelegen 1154. 



1. Grenzbefestigungen. 



2. Ortsbefestigung und Belagerungskrieg. 



land 1121. 




XI. I — 



Die Entstehung der modernen HpfeHtigungskunst. Das Streben, die vor- 
handenen Befest igungen zu verbessern (remparor): Die Schütte (rempnrt) 1155. 
Der freistehende Hinterwall. (Vorschläge Heve's u. Maechiavelli's) 1155«. Der „Lauf" 
1156. Der Niederwall 11567. Braie u. Fausse-braie 1157. — Neue Thorbc f es t ig u n g 
durch Bolwerke. Selbständige Bolwerke als vorgeschobene Forts 1157. — Katzen 
(Cavalicre) 1158. — Die neue Bedeutung de« Grabens. Niedere B r aben ve rthei - 
digung 1158. Maisonnctte's, Dürer'« austretende Streichwehren, Maechiavelli's Casamatta 
1 159. Moineuus u. Caponnieren 1 16«. — Ahschnittsbauten 1160. 

Fundamentale Neubauten 1160 1: Konstruktionelle Verstärkungen des 
Mauerbaues (Entlastungsbogen , Strebepfeiler, grosze Stärken, Obcrfläehengestaltung) 
1161. — Aulagen von Hohlräumen. Gewölbebau 1161. (Basteien von Langres 11612. 
Pulverthurm zu Jena. Marienthor zu Naumburg 1162). — Anlage der Scharten 1162. 
(Dürer's Geachützschirme 11623.) - Erwägungen über das Unzulängliche der neu 
eingeführten fortinkatorischen Elemente 1163. — Geblendete Batterien auf den 
Thurmplattformen 1163/4. Die Batteriethürme zu Nürnberg u. die Gesammtbefestigung 
dieser Stadt 11645. - Niedere Basteien: Befestigung von Augsburg 11656. - Niedere 
Graben vertheidigung. (Die gepanzerten Caponnieren von Plessis-les-Tours) 1166. 

Deckung der Flankengesch ütze: Bastei am Untermaintbore zu Frankfurt 1167. 

Anlage u. Einrichtung d er Basteien 1167/8: Basteien mit einer laugen Front. 
Basteien mit schmaler Stielkehlc. Lindenblattförmige Basteien. Orillons 1168. Unge- 
nügende Leistungen dieser Formen. Ringen nach symmetrischen Anordnungen (Begriff 
der „Front") 1169. Dio Festung Salsas 116970. 

Ursprünglich lokaler Charakter der Befestigungskunst. Stellung der Baumeister 1170. 
Das Wanderschaftswesen, die Renaissance u. der kosmopolitische Zug der Kunst 1170 1. 

Entwickelnng der italienischen Befestigungskunst: Rocche. Castelle 
Neapels 1171. Ferrara 11712. Pavia, Bellinzona, Mailand 1172. Maechiavelli's Urtheil 
über die ital. Fortifikation 1172. ■ Die ersten wissenschaftlichen Vertreter der- 
selben 1173: Lionardo da Vinci 1173 4. Lazzari Bramante 1174. Giorgio-Martini 
u. die Erfindung der eckigen Bastione 1174 bis 1176. San Gallo (Puntoni von Pisa), 
Macchiavelli u. Navarro 1176 7. Giulio DT 1177. Gianbattista della Valle 1177 8. 
AKonso von Ferrara 1178. - Befestigung von Padua 1178 9. — Brauch, die Thore durch 
vorgelegte Bastione zu befestigen 1179. Oedanke gegenseitiger Vertheidigung der Bastione 
1179 80. Befestigung u. Vertheidigung von Florenz (Michelangelo) 1180. Bastione 
(torrioni) von Urbino 1181. San Micheli's Befestigung von Verona 11812. — Typus 
der altitalicnisehen Befestigungsweise 1182. San Gallo, seine Bauten und 
seine Schule 1182 3. Sein Streit mit Michelangelo 1183. 

Alb recht Dürer. Seine Anschauungen 1183 4. Seine Entwiekclung. Der allg. 
Inhalt seines Werkes 1184. Dürer's „Pasteyen" 1185. Seine Polygonalbefestigung mit 
Caponnieren 1185 6. Circularbefestigung (Clause), Vorschläge zur Verstärkung älterer Be- 
festigungen 1186. Kritik Dürer'« 11867. — Der „Munot" zu Schaffhausen 1187 bis 1189. 

Verbreitung der altitalienisch cn (spanischen) Manier. Barcelona. Turin. 
(Tartaglia) 1189. — Antwerpen u. der Meister Frans 1189 90. - Cüstrin u. Spandau 
1190/1. Meister .lohann (.Jülich, Düsseldorf) - Neubauten in Frankreich (Roeroy) 
1191. Europa hat wieder ein einheitliches System der Fortifikation. 

Herausbildung des modernen Angriffs 1192. - Belagerung eines festen Platzes: 
Anlage des Lagers 1192. Die „Hcrcnnung". Kriegsrath 1193. — Drei Arten des An- 
griffs 1193: BeschleunigterArtillerieangriff. Beschreibung Olivier's de la Marche. 
Anwendung unter Charles VIII. u. Louis XII. 1194. Schilderung Philipps v. Cleve von 
diesem „französischen Angriff" 11945. — Verbindung des regelrechten Sappen- 
angriffs mit der Beschiessung. Die Demontirbatterie (Generalbatterie) 1195. Ihre 
Tbätigkeit 1196. Enfilirbatterien. Mörserbatterien 1196. Bedienung der Batterien 11967. 
Ausnahmsweise Entscheidung durch Vertikalfeuer (bei Ivoy) 1197 8. Die Laufgräben (Zu- 
achanzungen), Sehanzkorbapprochen. „Katzen von Sehanzkörb" (Waffenplatz). Das Schar- 



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XLII 

muziren vor dem Platze 1198. Das Brechelegen (Beispiele 11 98 bis 1200. Der Minen- 
angriff. Lionardo da Vinci. Pedro Navarro 1200, Deila Valle 1200 1. Philip}, v. Cleve 1201). 
Der Grabenübergang 1201. Lciterersteigung. Brechschraube und Petarde. I'eber- 
gewicht der Verteidigung im letzten Augenblicke 1202. 



Yorblick 

auf die militärische Technik in der 2. Hälfte des 10. Jhrdts. 

I. Fuszvolk. 

Fortschritt der Feuerwaffentechnik: Radschloss 120.'} 4. Schnnpphahnschloss 
1204. Gezogene Läufe. (Drall. Büchse, Oarabine). Stechersehloss 1205. Sehäftung 1205 6. 
Kaliherraaszstab. Patronen 1206. — Das Luntengewehr bleibt herrschend u. zw. in den 
Formen der Hakenbüchse u. der Muskete 1206. Verhältnis dieser beiden Waffen zu ein- 
ander 1206,7. 

Die „Waffenhandlung" (Exerzirregleinent der Infanterie 1207): Handhabung des 
Spieszes 1207. Handhabung u. Bedienung der Muskete 1207 8. Kxerziren im Trupp 1208 9. 

Verhältnis der Waffen innerhalb des Fuszvolkes 1209. Verhindungsformen 
für beide Waflengattungen 1210. Die spanisch-ungarische Ordonnanz: Schützenuni- 
kleidung 1211, Schützenrtügel 1211 2. Charakter dieser Ordonnanz. Niederländische 
Ordonnanz 12123. 

n. Reiterei. 

Die volle Rüstung wird Ceremonialtrach«. TYhergang zu leichteren Rüstungsformen. — 
Verbreitung der Feuerwaffen unter der Reiterei 1214. 

DieReiterBtandarteu aus Karl's V. Zeit : Spieszcr (Lanzicrc), Kürassiere (Oorazzen). 
HarkebuBiere (Carabiniers) 1215. — Die „Deutschen Reiter" (Ringerpferde) 12156. 
„Naterweistumlen" (Caracol) 1216. Die Dragoner 1216 17. 

Taktik der Reiterei: Der gevierte Haufe 1217. Das Natterweistummeln u. die ein- 
seitige Ausbildung des Schiessgelcehtcs 1218. 

III. Artillerie. 

Einthcilung des Materials 1218. Verbesserungen des Materials u. Bereicherung der 
Munition 1219. I»affeten. Pro» zen und Sattelwagen 1220. 

Deutsche Artillerie 1220. Franzosische Artillerie («ix calibrea de France) 1220 21. 
Spanische und niederländische Artillerie 1221. Nachlassen des Interesses für die Fehl- 
artillerie 1221. Controversen darüber 1222. 

IV. Schlachtordnungen. 

Spanische und niederländische Ordonnanz 1222. Schlacht vor Nieuport 1223 4. 

V. Befestigungswesen. 

Die verbesserte italienische Manier 1221. Speckies Werk „Von Arcbitectura der 
Festungen 1 ' 1225. Grundgedanken, welche die Folgezeit diesem Werke entnahm 1226. 

Die Periode des niederländischen F e s t u n gsk r i eges : Ihr Charakter 12267. 
Die Blokadcn 1227. Die Belagerung von Antwerpen 12278. 



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— XLIII 

Seewesen des Mittelalters. 

Literatur. Original werke bis z. Anfg. des 17. Jhrdts. 1229 30. 
Einleitung 1230. 

L Die Mittelmeergruppe. 

1. Die Byzantiner. 

Verhältnisse seit Konstantin d. Gr. 1230 1. Seetaktik des 6. Jhrdts. 1231. Kriegs- 
schiffe des 9. Jhrdts: Dromonen 1231, Galeren 1232; Chelanden, Pamphilen 1232. 
Niedergang der byzant. Flotte. Die russische Flotte 1232. Die maritimen Bestrebungen 
Michael's und Andronikos' III. 1232 3. 

2. Die Araber. 

Entstehen der arab. Seemacht unter den Ommajjadcn. Schlacht bei den Masten. Die 
Kurabaria. Die Kriegsmarine der westlichen Muslimen ist bedeutender als die des Ostens 
1233. Die maurischen Flotten Spaniens. Arab. Seemannswörter in europäischen Sprachen. 
Die nordafrikanischen Piraten 1234. 

4 nio ii,i;.. np 

j uie nanener. 

I. Venedig. 

Entstehung und Befestigung Venedigs 1235. Entwickelung der Flotte 1235. Venedigs 
Seemacht zu Ende des 12. Jhrdts. 1235. — Die Oa leren 1236 - 1238. -- Das Seerecht 1238.— 
Enrico Dandolo u. der Höhepunkt venetianischer Grösse 1238. Der ( -hioggiakrieg 1239. 
Venedig im 15. Jhrdt. 1239. 

II. Aiualfi, Pinn und Genua. 

Amalfi. Erfindung des Compas. Tabula Amalphitana 1239. 
Pisa. Entwickelung und Untergang seiner Seemacht 1240. 

Genua. Ckarakter dieses Staates. Zweirudcrrcihenschiffe 1240 1. Aufschwung und 
Fall der genuesischen Macht 1241. 

4. Die Catalanen. 

Bedeutung Cataloniens für die Entwickelung der spanischen Seemacht 1241 2. Barce- 
lonas Leistungsfähigkeit zu Kode des 13. Jhrdts. „Libro del Consulado". Se K uros mari- 
tfaaoa. Der Fall Barcelonas seit dem Ende des 15. Jhrdts. 1242. 

n. Ozean- Völker. 

t. Die Südgermanen bis auf Karl d. Gr. 

Die ersten Nachrichten beziehen sich auf Binnenschifffahrt (Rhein, Bodensee, 
Maas) 1243. — Die Gothen im Schwarzen Mecro 1243. Raubzüge der Sachsen ti. 
Franken 12434. 

Kriegefahrzeuge: Myoparen 1244. Kiele 12445. 

Seewesen der Vandalen 1245. der Ost- und Westgothen 1245, der Sachsen 
(Beowulflied) 18456. Eroberung Albions 1246. — Seewesen der Franken. Karl's d. Gr. 
Maszregeln 1246. 

Die Suionen, Normannen. Dänen u. ihre Wikingerfahrten 1247. — Die Drachschiffe 
1247 8. Fund von Sandehcrred 1248. Die „Schnecken" u. a. kleinere Falirzeuge 1248. 
Bauart und Ausstattung der normannischen Schiffe 1249 50. Nautik 1250. Schlacht- 
ordnung u. Kampfweise der Normannen 1250,1. 

Seewesen der Dänen 1251, der Norweger 1251 2, der Schweden 1252. 

3. Die Deutschen. 

Ungünstige Lage Deutschlands für maritime Bethätigung 12523. 



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X1.IV 



I. Die vorhansfoiche Zeit. 1253 bis 1262. 

Wehrlosigkeit Deutschlands zur See 1253. Maritime Anfänge in Nordwest-Deutach- 
land 1253 4. Die Wenden und die Seemacht der Ostsee 1254. Ihre Vernichtung durch 
Waldemar d. Gr. u. Heinrieh d. Löwen 1254 5. Die maritime Thciluahnic der Deutschen 
an den Kreuzzügen 1255. Da« Emporkommen Lübecks im 13. Jhrdt. 1255. 

Die Fah rzeuge: Kiel 125«. Kogge (nef, ship) 1256 bis 1258(1276). Schnecke 1258. Schute 
(sagitta, saitie) 1258 9. Galere. Bording. Andere niederdeutsche Bezeichnungen 1259. 
Fssiere. Treimundc (Dromoncn) 1260. Barke 1260 1. Batcle. Kreyer. Nahe 1261. (Vgl. 
auch 1276 Anmerkung 4.) - Schiffsthcilc 1261 2. Schiffsmannschaft 1262. 

II. Die hansixche Zeit. 

Der rheinische Bund und die Stromstreitmacht 12623. 

Die Hansa H>re Entwickelung 1263. Die Waldemarkriege: Aufbringung, Aus- 
rüstung und Verpflegung der Mannschaft 1263 4. Der erste Krieg 1264. Der Hansetag 
zu Cüln und die Vertheilung der militärischen Leistungen. Der zweite Krieg 1264 5. (An- 
wendung der Feuerwaffen zur See 1265.) Höhepunkt hansischer Macht 1265. Gründe 
ihrer Abnahme 1265 6. 

4. Die Franzosen. 

Die Vereinigung der Normandic mit der Krone ist der Ausgangspunkt der franzö?. 
Seemacht. Die französ. Marine im 13. Jhrdt, 1266. Seewesen Philipp s des Schönen 1266 7. 
Die Schlacht bei Zieriksee und ihre maritimen Folgen. (Einführung der nordischen Hoch- 
bordschiffe bei den Mittelmeervölkern.) 1267. 

Die französische Flotte zu Beginn des hundertjährigen Krieges 12689. 
— Die Folgen der Schlacht bei Sluys. Charles' VI. Plan einer Landung in England 1269. 
Niedergang der französischen Marine 1270. 

5. Die Engländer. 

König Alfred und die Begründung des engl. Seewesens 1270. Dänenherrschaft 1270 1. 
Edward d. Bekenner und die „Fünf Häfen". — Die engl. Seemacht unter Wilhelm dem 
Eroberer und Henry II. 1271. Richard Löwenherz und sein Kreuzzug 12712. König 
.lohn beansprucht die Seeherrschaft und vernichtet die französische Flotte im Swyn 1272 
(1266). Seesieg Hubert's de Bourgh. — Die Schlacht bei Sluys 1273 4 (1269). — Die 
engl. Flotte wird eine reine Scgelflotte 1274. Art ihrer Aufbringung 1274 5. Rüstungen 
gegen die Bedrohung durch Charles VI. 1275 (1269). — Die StaatsHottc unter Henry V. 
u. VI. Aufschwung durch die Kaufmannschaft Ausrüstung der Breitseiten mit Geschütz. 
Schlacht bei Brest 1275. 

Herstellung sehr grosser Fahrzeuge. The Great Harry 1276. (In der Anmerkung 
Angaben über ähnliche Schiffe der Hansa.) — Das Seewesen unter Henry VIII. 1276 7. 
Vergebliche Unternehmung Francois' I. gegen England 1277. Die Seemacht der Elisa- 
beth 1277 8. 

6. Die Portugiesen und Spanier. 

Entwickelung der portugiesischen Seemacht vom 13. bis zum 15. Jhrdt, — 
Henri<iue cl Navegador 1278. Die Entdeckungen unter Joäo II. 1278 9. Die Caravclen 
1279. Steigerung der Seemacht und Ausbreitung der colonialen Entwickelung bis zur 
Vereinigung mit Spanien 1279,80. Gründe dieser Kraftentfaltung 1280. 

V i s c a y a und Andalusien 1280. Die Entdeckungen der Spanier. Ihre Seemacht um 
die Wende des 15. u. 16. Jhrdts. 1281. Die Schlacht von Lcpanto 1281 bis 1283. Albas 
Entwurf für die Bildung einer Armada zur Landung in England 1283 bis 1285. 
Die Armada des Herzogs von Medina-Sidonia 1285 6. Der Untergang der „unüberwind- 
lichen Flotte" 1286 7. 

Abschluss 1288. 



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Urzeit und Naturvölker. 




iDie eingeklammerten Ziffer- Hinweise beziehen sieh auf ilie Figuren der Tufel 1, wenn 
nicht ausdrücklich eine andere fettgedruckte Tafelzahl hinzugefügt ist.) 



Worsaao: Leitfaden der nordischen Alterthumskundc. Kopenhagen 1837. 
Klemm: Allgemeine Culturwissenschaft. II. „Werkzeuge und Waffen". Lpzg. 1854. 
Linde lisch in it: Die Alterthuinskunde unserer heidnischen Vorzeit. Mainz 1858 ff. 
Lyell: Antiquity of Man. 3. ed. 1863. Deutsch von Büchner. 2. Aufl. Leipzig 1874. 
Frhr. von Sacken: Leitfaden zur Kunde des heidnischen Alterthums. Wien 1865. 
N i 1 s s o n : Skandinaviska nordens urinvanare. Christianstad. 2. Aufl. 1866. Dtsch. Hmhg. 1868. 
Tylor: Researches into the Early History of Mankind. Deutsch Leipzig 1866. 
Lane Fox: Lcctures on Primitive Warfarc. (Jouru. Unit. Serv. Instit. 1867 69.) 
Transactions of Congress of Prehistoric Archeology. Norwieh 1868. 
De mm in: Die Kriegswaffen in ihrer histor. Entwicklung. Leipzig 1869. 
Sir John Luhhock: Prehistoric Times. 2. nd. od. 1870. Dtsch. Jena IH74. 
Stevens: „Flint Chips et«-.". London 1870. 

General-Lieutenant von Specht: Geschichte der Wallen. I. Cassel 1H70. 
Müllonhof: Deutsche Alterthumskunde. I. Berlin 1870. 

Evans: The ancient stone implenients, woapons and Ornaments of Great Britain. 

London 1872. Französ. Paris 1878. 
Tylor: Primitive Culture. Deutsch Leipzig 1873. 

Baer und von Hellwald: Der vorgeschichtliche Jlenseh. Leipzig 1874. 

Boyd Dawkins: Cave hunting. Rescarches on the Evidences of Caves respecting the 

early inhahitants of Furopa. London 1874. 
Lenormant: Les premit'res civilisations. Paris 1874. Deutsch. .Jena 1875. 
Hehn: Kulturpflanzen und Hausthirre in ihrem Uehergange aus Asien nach Europa. 

Berlin 1874. 

Mestorf: Die vaterländischen Alterthümer Schleswig-Holsteins. Hamburg 1877. 
Sophus Müller: Die nordische Bronzezeit. .Jena 1878. 

Fr i edel: Die Stein-. Bronze- und Eisenzeit in der Mark Brandenburg. Berlin 1878. 



Die Geschichte des Waffenwesens ist einer der wichtigsten und interes- 
santesten Theile der Kulturgeschichte wie der Geschichte der Kriegskunst. — 
Wenn man sich ein Bild von dem allmähligen Fortschritte macheu will. 



Literatur. 



i 





2 — 



den die Anfertigung der Waffen bei den verschiedenen Völkern erfuhr, 
sowie von den Uebergüngen und Verwandtschaften, die in den Stoffen und 
Formen der Waffen hervortreten, so muss man vier grosse Hauptabteilungen 
unterscheiden : nämlich Waffen der vorhistorischen Zeit aus Holz und Horn 
sowie aus rohem, oder in BruchHächen gehauenem oder endlich polirtem 
Steine; dann Waffen der sogenannten Bronzeperiode. in welche Gruppe 
die frühesten Erzeugnisse der antiken Kulturvölker fallen und zwar sowohl derer 
der alten Welt als derer Amerikas : ferner Waffen der sogenannten Eisen- 
zeit, zu welchen die des späteren klassischen Alterthums sowie die des Mittel- 
alters gehören, und endlich die modernen Typen von der Renaissance bis 
zur Gegenwart, die unter dem vorherrschenden Einflüsse der Feuerwaffen- 
techuik stehen. — Den Beginn dieser Reihenfolge hatten schon die Alten 
erkannt. Lucretius sagt ein halbes Jahrhundert vor Christo*): 

Anna antiqua manus unpues dentesque fuerunt 
Et lapideg et item silvarum frapinina nuni... 
Posterius fern vis est aerisque reperta. 
Kt prior aeris erat quam ferri copnitus usus. 

Selbstverständlich gehen die Perioden, in welchen die Waffen der einen oder 
der anderen Abtheilung vorherrschen, nur ganz allmählig und je nach 
Oertlichkeit und Volksanlage zu sehr verschiedenen Zeiten in einander über. 

Fundstätten von Waffen der Urzeit sind erstens einige von den 
Ablagerungen des Diluviums erfüllte Thäler und Höhleu, ferner gewisse 
Moore und endlich eigentliche Kulturstätten der Vorzeit: Gräber. Kjökken- 
möddings und Seebauten. — Unter den der I) i 1 u v i a 1 p er i o d e ange- 
hörenden Fundstätten sind am berühmtesten das Sommethal bei 
Abbeville sowie die Höhlen von Moustier (Depart. Dordogne) und L'Herm (Ar- 
riege). - Von den Mooren erweisen sich besonders reich an Fundstücken 
die sogenannten Skovmose, d. h. die mit Baumtrümmern und Tort' erfüllten 
Thalmulden Dänemarks. Die unterste Schicht derselben, eine Fichtenvege- 
tation, enthält nur Steinwaffen; die darüber liegende Eichenschicht birgt 
Bronzewaffen; erst an der Oberfläche unter Birken und Erlen erscheint 
das Eisen. Auch die Torfmoore Südschwedens und Nordfrankreichs sind 
ergibig an AVaffen der Urzeit. — Die vorgeschichtlichen Gräber 
findet man vorzüglich in West- und Kord-Europa; im Süden und Südosten 
hat der Pflug uralter Kultur schon zu lange aufgeräumt; doch trifft man 
dafür dort AVaffen der Urzeit häufig in der Ackerkrume. In Deutschland 
nennt man jene alten Grabstätten Hünengräber, in Dänemark Steondysser, 
in Nordfrankreich Dolmen, in Britanieu Cromlech. Als die ältesten er- 
scheinen die auf dem gewachsenen Boden aus grossen Steinblöcken erbauten 

*) I)e Rcr. Nat v. 1281. 

„WafTeu der ältesten Zeit Rind Faust und Näpel und Zähne, 
Steine, Aeste sodann vom Baume des Waldes ^eWoehen. 
Später darauf erfand man des Eisens Kraft und des Kr/es; 
Aber das Erz war zuerst und dann erst das Eisen verbreitet." 



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— 3 



Grabkammern (Steinkisten), in denen die Leiche sitzt; diese enthalten 
nur 'Steinwaffen. Jünger sind die aus Erde aufgeschütteten Hügel- oder 
Kegelgräber; in ihnen kommen meist Bronzewaffen vor. — Die sogenannten 
K j ö k k e n m ö d d i n g s , d.h. Küchenmoder, sind terrassenartige Bänke an der 
Meeresküste von 30 bis 500 m Länge, 6 m Breite und 1 bis 3 m Höhe. 
Sie bestehen unter einer Decke von Rasen und Rollstein aus Muschelschalen, 
Gräten, Knochen, Asche, Kohlen und Geräthen von Kieselstein, Horn 
und Knochen. Solch Tafelabhub der Urzeit findet sich am dänischen Nord- 
strande, an der Rhonemüudung. am Golf von Genua, an den Küsten Süd- 
amerikas u. a. O. und ist eine wichtige Fundgrube für den Alterthumsforscher. 
Uebrigens häufen noch jetzt abseits wohnende Wilde ganz ebensolche Muschel- 
dämme auf. — Auf die Seebauten wird bei Besprechung der Befestigungen 
der Urzeit näher eingegangen werden. 

Die Reihe der Werkzeuge, mit denen der Mensch seine Beute erlegt 
und sich seiner Haut wehrt, eröffnet die Keule. In allen Ländern, wo 
Bäume und Sträucher wachsen oder wo auch nur die See feste Hölzer 
an'8 Land spült, bietet sich der starke Ast, der junge Baum oder der vom 
Sturme aus dem Boden gerissene Wurzelknorren dem Wilden als natürliche 
Waffe dar. Die Keule, sie mag nun walzenförmig oder an dem einen Ende 
stärker sein , findet sich unter den Denkmalen aller Zeiträume und in allen 
Gegendon der Erde [81, 39]. 

An diese älteste hölzerne Waffe reihen sich unmittelbar die Werkzeuge 
von Knochen, Horn und Stein. Die letzteren herrschen vor, und in vollem Masze 
gilt von ihnen das Schriftwort: ,.Wenn die Menschen schweigen, werden 
die Steine reden V* Sie geben daher dieser ganzen frühesten Entwicklungs- 
stufe mit Recht den Namen der ^Steinzeit'*. 

Die St ein waffen der alten Welt bestehen ganz vorzugsweise aus 
Flint (Feuerstein), dessen Härte und Spaltbarkeit ihn besonders empfahlen. 
Zumal der frisch aus dem Steinbruche geholte, den Einflüssen der Luft noch 
nicht ausgesetzt gewesene Feuerstein lässt sich leicht in Stücke mit langen 
Bruchflächen theilen. Diese Eigenschaften machten den Flint zu dem bei 
weitem wichtigsten Rohstoff der urzeitlichen Waffentechuik , in welcher 
er eine ähnliche Rolle spielt, wie heute der Stahl. Neben ihm kommen 
Serpentin und Serpentin-Granit, Hornblende, Thonschiefer, Basalt, Chalce- 
don, Jaspis und Anderes wenngleich nur in geringerer Menge vor. In 
schweizerischen Pfahlbauten hat man sogar Aexte von Nephryt (Beilstein), 
einer aussereuropäischen Steiuart, entdeckt, die entweder durch asiatische 
Einwanderer oder auf dem Handelswege dorthin gelangt sein müssen.*) — 
Die Steinwaffen der neuen Welt sind häufig aus Obsidian gebildet, einem 
natürlichen Glasfluss vulkanischen Ursprungs, der in Schneiden und Blättern 
von ausserordentlicher Schärfe zur Verwendung kam. 

Man unterscheidet in der ,,Steinzeit u den paläolithischen und den neo- 

•) Fischer: Nephryt und Jadeit nach ihren mineralogischen Eigenschaften sowie nach 
ihrer vorgeschichtlichen und ethnographischen Bedeutung. Stuttgart 1875. 

I* 



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- 4 - 



lithischen Zeitraum. Jener, auch ., Driftperiode 14 genannt gehört noch dem geo- 
logischen Entwickelungsstadium der grossen Anschwemmungen (Diluvium) 
an und umfasst die „Epoche der ausgestorbenen Thiere", die ,,Eiszeit u und 
endlich die sogenannte „Renthierzeit" J während die Menschen des neo- 
lithischen Zeitraumes, wenigstens in Europa, bereits unter ähnlichen klima- 
tischen Bedingungen lebten, wie wir selbst. 

Die ältesten der aufgefundenen Waffen, die der Diluvialzeit, 
haben Menschen angehört, die vor vielleicht mehr als 100,000 Jahren den Mam- 
mut, das wollhaarige Nashorn, den Höhlenbären gejagt.*) Es sind roh zu- 
geschlagene Feuersteine, ohne jeden Versuch des Schliffs, oder ebenso roh 
bearbeitete Horn- und Knochenstücke. Doch erkennt man bereits Stein- 
äxte [1], Steinmesser [2], steinerne Lanzenspitzen [16, 17, 18] und — was 
besonders bemerkenswerth — Pfeilspitzen [3, 4, 5, 15], ein Beweis dafür, 
wie alt der Gebrauch des Bogens ist. — Die Streitäxte, von den 
Arbeitern im Sommethal „Katzenzungen" genannt, sind von sehr ver- 
schiedenen Abmessungen, immer aber ei- oder mandelförmig, genau dieselbe 
Gestalt, der man noch heut bei den Streitäxten australischer Eingeborener 
begegnet. Die Lanzen spitzen und Messer der Urzeit sind dünne zu- 
geschärfte Steinsplitter, gewöhnlich mit einer Längsrippe auf jeder Seite. 
Auch solche Werkzeuge trifft man noch jetzt in den Händen der Australier, 
nur mit dem Unterschiede, dass die australische Waffe geschliffen, d. h. 
an einer Seite durch Reiben geschärft ist. während die Schneide der urwelt- 
lichen Waffe das Ergebniss zahlreicher Schläge auf den ganzen Rand des 
Steines ist. — Aus gleich ferner Vorzeit wie jene Steinwaffen stammt unter 
Anderen der Fund von L'Henn: Zwanzig halbe Kinnladen des Höhleubären, 
an denen sämmtlich der aufsteigende Ast weggeschlagen und der Unter- 
kieler so weit zugeschnitzt war, dass er eine bequeme Handhabe bot. Auf 
diese Weise bildete der stark vorstehende Eckzahn einen Zacken, der eben- 
sowohl als Waffe wie als Hacke dienen konnte. Im Haushalte der vor- 
sintHuthlichen Höhlenmenschen an der Maas, in der Rauhen Alb und 
im Harze hat sich ganz dasselbe Werkzeug vorgefunden. Diese Urwaffe er- 
innert an den Eselskinnbacken, mit dem Simson die Philister schlug. 

Die in den Mooren, Gräbern, Kjökkenmöddings und Seebauten aufge- 
fundenen Waffen gehören der jüngeren Steinzeit an, die durch eine 
Kluft von Jahrtausenden von der der Höhlenbewohner getrennt ist. — Aelteste 
Stücke dieser Gruppe sind wol diejenigen, welche man in den Steinkammer- 
gräbern und unter dem dänischen Küchenabfalle gefunden hat. Sie ähneln den 
paläolithischen Waffen, sind aber zierlicher zugeschlagen (gedengelt); ja 
diejenigen aus den Steingräbern sind meist schon geschliffen |9, 10. Vi, 13,14, 
19, 20, 22, 28, 24, 26, 27, 28]. Neben den Waffen von Stein begegnet 

*) Verjfl. übrigens: „Zweifel an dem künstlichen Ursprünge unpolirter Steingeräthe". 
(Ausland 18*i9 N<> 9) und Sandhcrger: Kine Mahnung *ur Vojuicht. (Corresp.-Ul. der 
diach. rjesellschft. für Anthropologie u. s. w. 1M73 Xo. 2). — Für den künstlichen Ur- 
sprung jener (Jeriithe treten in »ehr überzeugender Weise ein: Hamy in seinem „Precis 
de palwintolngic htiinaine" (Revue brittanique 1873, mar*) und Lenorniant a. a. O. 




— 5 — 



man auch beinernen , die dann meist aus Renthierhorn bestehen. Unter 
(Uesen treten Hacken und Harpunen auf. welche theils auf einer, theils auf* 
beiden Seiten mit Widerhaken versehen sind [11, 6, 7]; sogar Blutrinnen 
und Verzierungen kommen schon an beinerneu Waffen vor [21]. 

Eins der Hauptwerkzeuge des Menschen, das er für Krieg und Jagd, 
für Bauen und Schlachten gebraucht und auf das Mannigfaltigste gestaltet 
und benennt, ist die Axt. — Den Aegypten! war die Axt so wichtig, dass 
sie dieselbe unter die Hieroglyphen aufnahmen und in der demotischen 
Schrift den Bachstaben K (Kelebia) nach ihrer Form bildeten. Sehr 
reich an Bezeichnungen für diese Waffe ist unsere eigene Sprache. Tn 
den Monseeschen Glossen heisst securis „Ahs", dolabrum „Barte" und 
bipennis „Dversahs". Im Niedersächsischen gelten die Wörter „Bare" und 
„Exe u für Axt, „Dessel" für Queraxt. Das „Beil" unterscheidet sich von 
der eigentlichen Axt durch die Form der Schneide: die Axt hat mehr die 
Keilform und dient vornehmlich zum Spalten; das Beil dagegen ist an der 
Schneide minder breit, auch nur an einer Seite derselben schräg ange- 
schliffen ; denn es dient zum Behauen. Die Prototype beider Formen treten 
bereits in der Urzeit auf. — Die Grösse der Steinäxte wechselt von 1" bis 1' ; 
ihr Gewicht kommt bis auf 4 Pfund. Die Steinäxte ohne Schaftloch [{>, 12, 13, 
14, 28] haben die Gestalt des Meisseis oder Keils und waren in Holz ge- 
fasst. Das Volk bezeichnet Werkzeuge dieser Art bisweilen als „Donner- 
keile* 1 (pierre de foudre); die Alterthumsforscher nennen sie f Jelte (von dem 
lateinischen celtis = Meissel.)*) Bei den Streitäxten mit Schaftloch befindet sich 
dies entweder nahe dem Bahnende der Klinge oder in deren Mitte. Ist das 
erstere der Fall, so hat die Axt stets die Keilform der Urzeit; andernfalls 
kommen auch Hammerformen und doppelschnoidige Klingen vor. Auf Streit- 
äxte und Streit hämmer von Knochen oder Horn trifft man 
seltener. Fast immer erweisen sie sich als geschliffen, nicht selten sogar als 
polirt, und ihre Form nähert sich bald der einer Handkeule |S], bald der 
einer Hacke [25]. 

Die Dolche und Messer der Urzeit bestehen gewöhnlich aus Feuer- 
stein oder Knochen, doch giebt es auch hörnerne, ja selbst hölzerne und 
solche aus Muschelschalen oder gespaltenem Rohr. — Steinerne Messer 
vermag man von Lanzenklingen [17, 18] oft kaum zu unterscheiden. Ein 
Lanzen schaft, der sich in einem schweizerischen Pfahlbau erhalten, 
lässt eine Gesammtlänge der Stosswaffe von 11 bis 12' erkennen. — Die 
Form der Pfeilspitzen aus der Steinzeit [3, 4, 5, 15, 16] wechselt 
mannigfach. Sie begegnen uns lanzettenartig schmal, dreieckig, herzförmig, 
mit Widerhaken und zuweilen auch mit einer Angel zur Befestigung an 
den Schaft. Meist bestehen sie aus Flint; doch kommen auch Pfeilspitzen 
von anderem Gestein (Bergkristall) und solche von Knochen vor. 

Die grossartigsten Fabrikationsstätten von Steiugeräthon finden 

*) Die sogenannten Celle oder Streitmeisscl. (Augsbg. Allgem. Ztg. Beilage 
Jio. 359-3H6. 187B.) 



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— 6 



sich da, wo der Feuerstein am häufigsten vorkommt, also in zu Tage 
tretender Kreideformation. Seeland und Rügen zeichnen sich in dieser 
Hinsicht besonders aus ; sie sind für unsren Norden die Brennpunkte der Stein 
kultur, und die eigentümlichen Formen zumal der rügenschen Beile, Meissel. 
Lanzenspitzen u. s. w. finden sich über die ganze jütische Halbinsel, die 
südlichen Küstenländer der Ostsee wie über die Mark Brandenburg ver- 
breitet. Weiter nach Süden nehmen diese Typen ab; südöstlich, wo der 
Flint seltener wird, fehlen sie fast ganz und sind durch Waffen aus anderem 
Gestein ersetzt. 

Deutlich lässt sich die Kunstfertigkeit des Stcinzeitalters als in ge- 
schichtlicher Entwickelung begriffen erkennen. Die Anfertigung der 
Stein waffen aber blieb lange ein Räthsel. Es schien unmöglich, so 
schöne Stücke, wie namentlich diejenigen der späteren Steinzeit, ohne Stahl- 
werkzeuge herzustellen. Endlich kam man dem Verfahren in doppelter 
Weise auf die Spur : einmal dadurch , dass einige Gelehrte . wie der Däne 
Nilsson, der Engländer Evans, der Amerikaner Ran, ohne Hilfe von Metall 
(durch Schläge mit Kieseln, Drücken mit Hirschgeweih . Sägen mit Feucr- 
steinplatten und Schleifen auf Steinflächen) thatsächlich vortreffliche Werk- 
zeuge aus Feuerstein anfertigten, und dann dadurch, dass man das Verfahren 
solcher wilden Völkerschaften beobachtete, welche noch jetzt in der Steinzeit 
stehen. In, dieser Hinsicht haben besonders die Mittheilungen Paul Schu- 
macher's von San Francisco Interesse, der die Erzeugung von Steinwaffen 
bei den Klamath-Indianern beobachtete. Ihm zufolge wird der zu bear- 
beitende Stein zunächst längere Zeit im Feuer durchglüht, dann rasch ab- 
gekühlt und durch Schläge auf die Seite der Spaltung in blattartige Scheiben 
gebrochen, welche man je nach Grösse und Form sortirt und zu Bohrern, 
Spaten, Pfeilspitzen, Speerklingen u. s. w. bestimmt. Die Bearbeitung der 
Scheibe geschieht dann durch einen langen Schaft mit kurzer Beinspitze, 
welche meist aus Seelöwenzahn gebildet und derart geschweift und ausge- 
sattelt ist, dass der mit ihr ausgeführte Stoss gedämpft und räumlich be- 
schränkt wird [35, 36]. Die Steinscheibe ruht, von einem Ledeilappen um- 
hüllt, in der linken Hand, während die Rechte das Brechwerkzeug führt 
[87]. Man beginnt stets mit dem zerbrechlichsten Theile und arbeitet dem 
stärkeren Ende zu, indem man, je nach Bedarf, die Stärke und Richtung 
der Stossbewegungen ändert [38 a, b, <♦]. — Für das Durchbohren der 
Steine ohne Beihilfe von Metallen hat Karl Rau einen Apparat construirt. 
mit dem es in der That bei grosser Ausdauer gelingt, Aexte von Diorit 
zu durchbohren [39]. Allerdings brauchte Rau dazu bei zehnstündiger 
Tagesarbeit fast vier Monat. Zum Schleifen wurden gewöhnlich Quarzsand- 
steine benutzt.*) — Das Studium der Fundstücke hat hinsichtlich der Bear- 
beitung derselben übrigens deutlich das Gepräge verschiedener Zeiten, 
verschiedener Länder erkennen lassen, und man bemerkt, dass gewisse 

*) Vielfach hat man angebohrte Aexte sowie die in die Bohrlöcher passenden, hinaus- 
gestossenen Zapfen vorgefunden. 



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Gegenden ausgezeichnete Arbeiten hervorbrachten, während andere nur über 
mittelinässige Kräfte geboten. Von allen Stoinwaffcn der Urzeit erscheint 
ein Theil der dänischen als der vollendetste. — Die Befestigung der 
8 t ein klingen an Griffe geschah theils durch Festbinden mit Sehnen 
(»der Bast [27]. theils durch Einkleben mit Erdpech und ähnlichen Stoffen, 
theils durch Einklemmen [9, 12, 1:1, 14, 24, 28]. Und in Bezug auf Letz- 
teres wurde gewiss auch in der Urzeit ein Verfahren angewendet, welches 
noch jetzt bei wilden Völkern zu beobachten ist. AVenn man nämlich eine 
Steinklinge ohne Weiteres in die Spalte eines Holzgriffes einklemmt, so erzielt 
man nur sehr geringe Festigkeit. Aber wenn die Klinge in den Spalt eines 
lebendigen, am Baume grünenden Astes gepresst und Jahr und Tag darin 
gelassen wird, während der Baum weiter wächst, dann verbindet sich der 
Stein mit dem Aste so fest, dass er beinahe wie ein Theil von ihm er- 
scheint, und man gewinnt eine ganz zuverlässige Waffe.*) — Auch die 
nicht aus Stein angefertigten Waffen der Urzeit lassen den Fortschritt von 
den rohesten Anfängen bis zu künstlerisch durchgebildeten Formen verfolgen. 
So namentlich Keule und Lanze. Um die letztere herzustellen, wendete 
man ganz vorzugsweise das Holz der Esche an. Das griechische Wort für 
Esche fitUfj bedeutet bei Homer . das germanische ,,ask" in . vielen alten 
Literatur-Denkmalen geradezu „Lanze"*.**) 

Bis in die neuere Zeit hatte mau den Gebrauch der Steinwerkzeugo 
als eine wesentlich skandinavische oder nordgermanische Angelegenheit be- 
handelt. Jetzt weiss man. dass wie Indien, China***) und Japan f), Brasilien 
und Syrien, so auch jedes Land Europas seine Steinzeit hatte. Die Museen 
zu Berlin und London enthalten mehre Steinwaffen assyrischen und 
aegyptischen Ursprungs von sehr hohem Alter. -J-j-) Die auffallende Aehulichkeit 
der steinernen Waffen in weit von einander entfernten Gegenden und Zeiten 
ist unzweifelhaft der Aehnlichkeit der natürlichen Vorbilder, namentlich 
derer im Sinne der Organprojection , sowie auch der Verwandtschaft des 
Materials und der Anforderungen zuzuschreiben, f ff) Völlig im Dunkeln aber 
ist mau darüber, welchen Kassen die Völkerstämme angehörten, die diese 
Steinwerkzeuge, gebrauchten, und ebenso ist es durchaus unbekannt , wann 
und wo der Mensch zuerst den Nutzen der Metalle erkannte. Nur so viel 
lässt sich vermuthen . dass diese Erkenntnis Folge einer näheren Prüfung 
des Bodens und einer schon die Zukunft berücksichtigenden Geistesrichtung 
gewesen sei — beides Voraussetzungen, welche der Ackerbau herbeiführt. 



*) Lacombe: Lea armes et les annures. Paris 1868. 

**i Au» diesem ask entstanden die spierbedeutendcii Wörter: span. .,azeona" (entstellt 
faseonn), proveueal. Mcona, catalon. escona. Uebcrtragen bedeutet ascona im Portugiesischen 
„Komet", gerade wie das lateinische „hasta". 

***) Chcvreuil et Julieu: Note htttoriqae sur Tage de pierre ä la Chine. (Coniptes 
rendus. 13. Aug. 1866. Vol. 63. No. 7.) 

f) Mohnike: Die Japauer. Münster 1872. 
ff) Vcrgl. über die Steinzeit Aegyptens den Text zu Tafel 6. 
fff) Kapp: Philosophie der Technik. Braunschweig 1*77. 



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Auch der Jäger betrachtet allerdings den Boden, wenn er die Spur 
des Wildes verfolgt, nicht aher wegen dessen, was er etwa birgt, sondern 
wegen dessen , was darüber hingestrichen ist, Wol Jahrtausende lang haben 
schweifende Jägerstämme in Californien und Australien gehaust, ohue den 
Goldreichthum zu ahnen, den der dortige Boden bietet. Und wie den Jäger, 
so nöthigt auch den nomadischen Hirten seine Lebensweise keineswegs, 
den Boden mit Sorgfalt zu untersuchen. Aber der Ackerbau thut dies. Er 
zwingt den Menschen, innerhalb eines begrenzten, nicht allzu ausgedehnten 
Geländes zu verweilen; er fordert ihn auf. Bodenvergleichungen anzu- 
stellen , um die Ursachen reichen und spärlichen Ertrages festzustellen. 
Während der Hirt seine Heerden zum Wasser treibt, muss der Landmann es 
seinen Früchten zuführen, und indem er nun den ersten Graben zieht oder 
auf steinigem Grunde mühsam mit der hölzernen Pflugschar tiefer in den 
Boden schneidet, bietet ihm zuerst die geöffnete Erde die stillen Schätze 
der Metalle dar. 

Unzweifelhaft erregten vor Allem die gediegen vorkommenden Metalle 
die Aufmerksamkeit des Menschen. Gehämmerte Blättchen Goldes finden 
sich in uralten Ansiedelungen der Steinzeit vor, und in welchem Umfange 
dies edle Metall im hohen Alterthume verwendet wurde , das hat noch 
neuerdings der Fund gezeigt, den Schliemann in den Gräbern Mykenais 
gemacht: bloss die Goldsachen dieser Grabschätze wiegen ungefähr 5000 
englische Sovereigns. *) -- Dann aber lernte man das ebenfalls gediegen 
vorkommende Kupfer kennen, welches sich durch Schlagen mit Steinen in 
jede gewünschte Form bringen lioss und sich wegen seines häufigeren Vor- 
kommens und seiner grösseren Härte besser zur Herstellung von Waffen 
eignete als das kostbare weiche Gold. — Die Anwendung des Kupfers zur 
Kriegsausrüstung blieb indessen immerhin beschränkt : Die in Europa 
einwandernden Stämme kannten das Kupfer, wie die Gleichung sanskrit. „ayas", 
latein. ,.aes'\ goth. „aiz" beweist; aber sie bedienten sich steinerner Waffen, 
was sowol die Funde als die Etymologie lehren: denn Wörter wie „hamar" 
und „sahs" (lat. saxumj bedeuten ursprünglich geradezu „Stein".**) In Asien 
und in Griechenland hat man dagegen vielfach kupferne Waffen gefunden, 
und es scheint, als ob in den uralten Kulturlanden am Ostbecken des Mittel- 
meers, in Mesopotamien und am Nile die Entwickelung der Metolltechnik 
einen ähnlichen Gang genommen hätte wie in Alt-Amerika, wo zur Zeit 
des Coluiubus einige Stämme der Bothhäute eben vom Gebrauche der Stein- 
waffen zu dem der Kupferwaffen übergingen, während sich gleichzeitig die 
Kulturvölker auf den Hochebenen der Cordilleren bereits der Bronze be- 
dienten.***) — Ein Theil der amerikanischen Kupfergeriithe besteht aus 
gediegenem gehämmerten Metall; ein anderer ist gegossen. 

Während also das Kupfer zu einer Zeit in den Bereich menschlicher 

•) Kchlicmann: Mykenac. Bericht über meine Forschungen und Entdeckungen iu 
Mykenac und Tyrins. Mit Vorrede von Gladstone. Leipzig 1878. 

**) Grimm: Deutsche Mythologie. Göttingen 1835 (4. Aufl. Berlin 1875.! 
Uebcr die Bronzezeit in Amerika. (Ausland 1867. No. 24.) 



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Technik gezogen sein kann, da man das Feuer noch nicht beherrschte, 
so muss dagegen die Bronze, „das Erz", unbedingt durch Schmelzung 
gewonnen werden. Keine Sage deutet darauf hin , wie die Menschen auf 
diese Legirung gekommen sind, welche den Zweck hat, ein hartes Metall 
(90 Theile Kupfer) durch einen Zusatz weichen Metalls (10 Thcile Zinn) 
noch mehr zu härten und es widerstandsfähiger zu machen gegen die Ein- 
flüsse der Feuchtigkeit. In der Natur kommt diese Mischung nicht vor; 
denn so oft auch Kupfererze unmittelbar neben Zinn- und Zinkerzen ge- 
funden werden, so hat sich doch nirgend eine natürliche Bronze entdecken 
lassen. *) 

Die Bronze, deren Eigentümlichkeiten in hohem Grade einer künst- 
lerischen Kehandlungsweise entgegenkamen, ist ein wichtiges Bildungs- 
material für die Menscheit geworden. Das eigentliche Bronzezeitalter, 
d. h. diejenige Periode, in welcher die Bewohner weiter Gegenden Europas 
ausser den zur „Erz"misehung erforderlichen Metallen und ausser Gold 
kein anderes Metall, inshesondere weder Silber noch Eisen kannten, hat 
jedenfalls in verschiedenen Gegenden sehr verschiedene Dauer gehabt. Für 
Nord-Europa, speziell für Skandinavien, schwankt man zwischen 1000 und 
2000 Jahren.**) — Ob die Kenntnis der Bronze durch eingewanderte er- 
obernde Stämme oder durch Handelsverbindungen nach Europa gebracht 
wurde, ist noch immer Gegenstand des Streites unter den Forschern, 
während es doch durchaus wahrscheinlich ist, dass beide Verbreitungsarten 
neben einander statt hatten. Jene indogermanischen Wanderstämme, welche 
die lappische Urbevölkerung Skandinaviens unterwarfen, führten Bronzewaffen 
und verachteten die höhlenbewohnenden. Steinwaffen führenden Gegner als 
Zwerge, Wichte und Erdteufel.***) In einen grossen Theil Europas ist 
aber die Bronze gewiss durch phönikisehe Händler gebracht: dafür spricht 
zunächst die merkwürdige Gleichheit der Formen und namentlich der 
orientalischen Verzierungen aller Bronzegerüthe : Spiralen, Zickzacklinien, 
Kreise, Räder. Streifen und Rauten ; dafür spricht die eigentümliche Kürze 
der Schwertgriffe, die auf sehr kleine Hände und zarte Körperformen 
hindeutet, wie sie im Gegensatze zu den Nordlandsvölkern den semitischen 
Phönikern eignen mochten-}-), während daneben auch Schwerter mit langen 
Griffen vorkommen, an denen jene Verzierungen fehlen, Schwerter, die offen- 

*) Neuerdings wird namentlich vnn Li-normnnt a.a.O. die Ansicht verfochten, da*s 
ural-altaischc Völker die ersten Metallarbeiter gewesen seien. — Vergl. Knger: LVbcr 
den Ursprung der Kenntnis und Bcarlieiturg des Erzes in Europa. (Mitthlg. «ut* d. Güttin«. 
Anthropo). Vereine. 1.) — „Ueber ult sibirische Bronzen". (Vtrhandl. der Berlin. GeselUch. 
f. Anthropologie u. s. \v. 1873. S. 94.) 

**) M ad sen: Antiquites prehistoriques du Danemark. L'Age du Bronze. Copenhague 
1873. — Monte Ii üb sagt: „L'ägc du bronze ernnmenca en Skandinavie peut-etre millc ans 
avant lere ehret ienne ; ... il a probablenicnt fini en Suedc peu de temps apres le com- 
mencetnent de l'ere ehretienne. (Antiquites Suedoiaca. Stockholm 1873 ) 
***) NilsBon: Das Stein/eitaltcr. Hamburg 1868. 
f) de Rougemont: Lage de bronzc nu lea Semiter en Occidont. Barls 18««. Deutsch 
von Kcerl. Gütersluh 18HM. 



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10 



bar in Europa selbst gegossen wurden. Denn dass auch hier in der 
Bronzezeit Erzwerkzeuge hergestellt wurden , wenn auch nur in beschränk- 
ter Zahl und nach orientalischen Vorbildern, das beweisen die vielfältig in 
Dänemark, Mecklenburg, Oesterreich. Bayern und Helvetieu vorgefundenen 
Gussformen. — Am reichsten trat die Bronzeindustrie im Norden auf: ge- 
wisse Geräthe, die den dänischen und mecklenburgischen Gräbern charakte- 
ristisch sind, wie die schönen Schilde, die ornirten Beile, die Kriegstrompeten, 
kommen in den Pfahlhauten nicht vor. Gewiss gehören sie einer jüngeren 
Zeit an, und hat also das Bronzealter im Norden länger gewährt und grössere 
künstlerische Selbständigkeit erreicht als im Süden. — In der Mark Branden- 
burg ist die Bronzezeit von ihrem Anfang bis zu ihrem Erlöschen vollständig 
germanisch. Sie endet hier mit der Verschiehung und Verdrängung der 
deutschen Völkerschaften, so dass, etwa vom 3. Jhrdt. n. Chr. ab, das Ein- 
dringen des Eisens gleichzeitig mit dem der Slaven zunimmt. 

Hauptfundort des Zinnes auf europäischem Boden sind die Kasscteriden 
der Alten, die Scilly-Inseln und die benachbart« Küste von Cornwall, die 
auch sehr reich an Kupfer ist. gerade wie sich in dem durch seine 
Bronzeindustrie ganz besonders glänzenden Etrurien Kupfer und Zinn nah 
bei einander finden.*) Graf Wurmbrand hat neuerdings im Vereine mit 
dem General Uchatius eine Bronze hergestellt, welche der der Alten ganz 
ähnlich ist, und hat mit ihr nach alten Mustern Schwerter und Lanzen- 
spitzen gegossen. Dahei blieb an den Gussniihten die Verzierung aus, und 
daraus schloss man, dass diese da, wo sie sich bei den alten Waffen findet, 
mit eisernen Werkzeugen naehgravirt sein muss. 

Die Alten verstanden es, ihrer Bronze durch eine heut unbekannte Be- 
handlung einen Grad von Elastizität zu geben, den wir jetzt nur dem Stahl 
verleihen können. Das ZurUckgehn der Bronzetechnik ist überhaupt uu- 
leugbar und lässt sich schon an manchen Gräberfunden der Vorzeit nach- 
weisen: die Arbeit erscheint minder sorgfältig: der Zinnbeisatz wird ge- 
ringer oder gar durch einen solchen von Zink ersetzt: aus der Bronze wird 
Messing. Dieser Verfall ist das Ergehnis zunehmender Gleichgiltigkeit 
gegen das alte Material in Folge der allgemeinen Verbreitung des Eisens. 

Wann das Steinalter endete uud das Bronzealter begann, vermag man, 
selbst für ein und dieselbe Gegend, nicht zu bestimmen: denn überall dauert 
der Gebrauch von Steinwaffen während der ganzen Bronzezeit fort und ragt 
sogar noch tief in die Eisenzeit herein. In vielen der berühmten Gräber 
von Hallstadt bei Ischl fanden sich steinerne, bronzene und eiserne Waffen 
gemischt; und es war wol nicht nur die Kostbarkeit der Metalle, welche 
so lange festhalten hiess an Stein- und Beingeriith ; auch Gewohnheit, ererbte 
Fertigkeit , das Beispiel der Vorfahren , Mythus und Aberglaube wirkten 
in diesem Sinne. Besonders lange verwendete man daher steinerne Werk- 

*) Verjjl. v. Bat« r: Von wo du» Zinn zu den ganz. alteu Bronzen gekommen sein 
mag? (Archiv für Anthropologie IX. 187«. S. 263 ff.i Wiberj.': Ueher den Einfluss der 
EtniKker und Griechen auf die Bronzekultur. i Ebenda. IV. S. 11 IT.) 



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zeuge bei Kulthandlungen ; doch auch im Kampfe wurden die Waffen 
der Ur/.eit, zumal die steinernen Aexte, von den unteren Massen der Krieger 
fortgebraucht. Noch im 11. .Jahrhundert fochten bei Hastings Dänen wie 
Sachsen ausser mit eisernen Waffen mit solchen von Stein; ja noch gegen 
die deutschen Ordensrittor kämpften die heidnischen Preussen mit steinernen 
Wehren. — Deutlich lässt sich übrigens an den steinernen Werkzeugen das 
Vordringen der Kenntnis metallener Geräthe erkennen: sie werden in der 
Form feiner, kunstvoller, eleganter, bis zur unmittelbaren Nachahmung 
bronzener Vorbilder und bis zu einer Verarbeitung des Steins, die, nach dem 
Urtheil erfahrener Kenner, mit Metallwerkzeugen bewirkt sein soll. 

Die von Erz gegossene Streitaxt kommt in drei Hauptformen vor: 
als Celt, als Paalstab und als eigentliche Axt. — Die Celte dienten 
sowol zum Nahkampf als zum Wurf. Sie haben die Form eines Keils, 
sind aber am Bahnende, d. h. nach dem Rücken hin, gerundet und zur Auf- 
nahme eines Schaftes ausgehöhlt. Die etwas breiter werdende Schneide ist 
scharf zugeschliffen. Viele sind mit einer Oese versehen, durch die man 
einen Riemen knüpfte; mit diesem verband man die Klinge dem Stiele auf 
das Sicherste, und an seiner Verlängerung zog man auch wol nach dem 
Wurfe die Axt zurück [46 a, 1», c; 47; 29, 3, 4]. — Die Klingen der 
Pa alstübe zeigen die Gestalt des Meisseis, der nach der Schneide zu breiter 
wird. Rückwärts befinden sich zwei Schaftlappen zur Befestigung an den 
Holzstab , mit dem sie durch eine Schnürung verbunden sind [4S. — 27. 
15. 16, 17. — 28. 10, 11, 12. — «9, 1 und 8]. — Unter dem Namen der 
..Frainea" war dieser Streitkeil die älteste Nationalwaffe der Germanen, 
welche sie ebenso regelmässig bei sich führten wie wir jetzt den Degen. 
Die für die Frame vorkommende Bezeichnung ..Schildspalter" zeigt, dass es 
sich bei ihr um einen ganz ähnlichen Zweck handelte, wie der des römischen 
Pilums war. Die Waffe diente eben dazu, durch Nahwurf den Einbruch in die 
feindlichen Reihen unmittelbar vorzubereiten. Framenwurf und Mannes- 
sprung folgten sich wie Blitz und Schlag. — Die eigentlichen Streitäxte 
zerfallen in solche mit einfachem Schaftloch [50. — 28. IS], in solche, 
welche mit Schaftröhren versehen sind [27, IS; 28. 14. 15], und in Doppel- 
äxte, die sich auf nordischem Boden nicht selten der Gestalt des Doppel- 
hammers nähern [27, 19J. Die berühmteste Form der einfachen Axt ist 
die der .»Franziska", dieser gefürchteten Waffe der Franken: zweischneidig 
und kurzstielig, eignete sie sich ebenso wol zum Gebrauche in der Faust, 
als zum Wurfe [29, 5; 28, 1»J. 

Nicht selten kommen Streitkolben und Stachelknöp f e von Bronze 
vor, welche bei mannigfachen Verschiedenheiten doch alle darin überein- 
stimmen, dass auf einer gegossenen Hohlwalze, die dazu bestimmt ist, 
über einen Holzschaft geschoben zu werden, mehre Reihen von Stacheln 
angebracht sind [45J. Die verbreitetste. germanische Waffe dieser Art ist 
eine Wurfkeule, die „Teutona". *) 

*) General v. Feucker: Das Kriegswesen der deutschen Urzeiten. Herlin 1863. 



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- 12 - 



Urwaffe wie die Keule ist der Spiess, das Werkzeug des Jägers und 
Fischers, sowie des Kriegers, der einen Feind nicht an sich herankommen 
lassen will. Es ist der bewehrte Stock, der von 5 bis 20 Fuss Länge 
vorkommt, je nachdem er zum Werfen oder nur zum Stoss gebraucht wird. 
Der Spiess (Speer, Lanze. Gläve, Ger) begleitet den Menschen von den 
niedrigsten Kulturstufen zu den höchsten. Er besteht aus Schaft und Spitze. 
Die letztere war in frühester Zeit wol ein Theil des Holzschaftes selbst 
und nur im Feuer gehärtet; dann kamen Spitzen von Stein und endlich 
solche von Erz in Gebrauch. Die Lanzenspitzen der Bronzezeit haben ge- 
wöhnlich die Form eines Weidenblattes mit starkem Mittelrücken [42] und 
sind zur Befestigung entweder mit Schaftröhre 7] oder mit Angeln 

versehen [JM>, 6 b]. Nur ausnahmsweise dienten Ringe zum Festhalten der 
Spitze. *) 

Bronzene Pfeilspitzen (43, 44) hat man nur wenige gefunden. Das 
Er/ war kostspielig, und man versah die Pfeile daher meist noch mit steinernen 
Spitzen. So fand Schliemann in dem an kostbaren Gold- und Bronzewaffen 
sonst so überreichen Mykenai 35 Pfeilspitzen von Obsidian. **) 

Die gefundenen Erz m csser sind im Gegensatze zu den steinernen 
Messern einschneidig (49). Die Griffe bestehen entweder aus Ringen oder 
aus Knochen. 

Als eine ganz neue Waffe erscheint im Bronzealter das Schwert. 
Steinklingen von einer Länge, wie sie für Schwerter nothwendig ist, hatte 
mau nicht herzustellen vermocht. Die ursprüngliche Form des ErzSchwertes 
ist wahrscheinlich die einschneidige, die aus der des Messers hervorging. 
So hat man zu Mykenai zehn einschneidige, 2 bis 2,, 5 Fuss lange Schwerter 
gefunden, die aus einem einzigen Stücke solider Bronze bestehen und deren 
Griffe zu dick sind, um noch mit Holz oder Horn umgeben gewesen zu sein. 
Schliemann meint, dass diese Waffe das ursprüngliche Substrat des home- 
rischen Wortes (fdakarnv darstelle.***) Es ist offenbar dieselbe Wehr, welche 
bei den Gennaneu als .,scramasax'* erscheint f), d. h. als einschneidiges 
messerartiges Schwert , wie es sich mehrfach in deu Hallstädter Gräbern, 
bei Chalons und in Dänemark gefunden hat H, 17; JW, III. — Dann 

aber entwickelt sich die schlanke zweischneidige Form des eigentlichen 
Schwertes. Die in Mykenai entdeckten Waffen dieser Art sind ausser- 

*) Fund Soli Ii«? mann 's zu Mykenai. 
**) Es fi«n<len sich übrigen auch eherne Pfeilspitzen von pyramidaler Form um! ohne 
Widerhaken. Die Ibas scheint nur solche zu kennen (XIII. 1550 H2). — Köcher und 
Pfeile fehlten in den mykenaischen Gräbern; sie bettenden unzweifelhaft aus Hobe und 
waren daher verfault. 

**♦) fnviavov steht für ofUmtw von der Wurzel 07«/, wovon das Zeitwort yaayart» 
„mit dem Schwerte tödten". (Hesych. Lexikon.) Von derselben Wurzel stammt <'T<iy; 
und offnen „schlachten", und so mag die Waffe ursprünglich zum Schlachten der Thiere» 
dann zum Handgemenge benutzt worden sciu. (Schliemann.) 

■f) Vcrgl.: „cum cultris validis <|uos vulgus scramosaxos vocant". (Greg. Tur. 4, 
51.) — „Seutis. spatis, scramis, laneeis sagittis." (Lex Wisig. 9. 2, 1.) Altspanisch escramo 

Wurfspiess. Scrama ist eines Stammes mit „Schramme", Fleischwumle. 



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ordentlich lang (3' und mehr) und dabei sehr schmal; zuweilen ist die 
Klinge in ihrer ganzen Länge mit gleichlaufenden Linien von Intaglio-Arbeit 
geschmückt; der Griff zeigt sich nicht selten mit Goldblech überzogen, 
der Knauf aus goldbedecktem Holz oder Alabaster hergestellt, die hölzerne 
nägelbeschlagene Scheide mit Leinewand gefüttert. — Auch die in West- 
europa gefundenen gegossenen Erschwerter treten gleich iu so schöner Form- 
vollendung auf, dass sie sich schon dadurch als aus dem kunstgeübten Orient 
eingeführt erweisen. (40,27, 1—5, 7; 28, 1—6; 29, 7—8.) Meist sind die 
Klingen kurz: 16, höchstens 26" lang: sie haben die Gestalt eines Schilf- 
blattes, nehmen also nach der Mitte an Breite zu, und laufen spitz aus. 
Ihr Griff ist niemals länger als 2, 5 Zoll und in der Regel mit Spiral- und 
Zikzak- Verzierungen geschmückt. — Nach der Einrichtung der Angeln an 
den Klingen und nach der der Griffe werden zwei Arten von Bronze- 
schwertern unterschieden: solche mit ganzem Bronzegriff und angelloser 
Klinge, und solche mit langen Zuugen zur Befestigung des Handgriffs. — 
Den westlichen Völkern, Kelten und Germanen, nach ihnen den Römern 
wurde das Schwert zur Hauptwaffe. Die Sachsen führten sogar danach den 
Namen. „Sahs" oder „Sax" (s. oben S. 8) bedeutet Messer und Schwert ; die 
noch heut gehörte Betheuerung „Meiner Six!" heisst „bei meinem Schwerte!'' 
und berühmt ist der Befehlsruf Hengists : „Nimith euere saxes !" welcher den 
Sieg über die britischen Kelten und damit die Germanisirung Englands 
entschied. 

Kaum sicher zu trennen vom Schwerte ist der zweischneidige Dolch 
[41; - 27, 12, 13, 14; 28, 1SJ. 

Hinsichtlich der frühesten Verwendung des Eis ens zu Waffen hat man 
ebenso wenig Anhaltepunkte wie für diejenige des Kupfers oder der Bronze. 
Gewiss ist das Eisen in der gediegenen Form siderischer Meteorsteine schon 
überaus früh in Anspruch genommen worden ; darauf deuten mannigfache 
linguistische und mythische Spuren hin. Plutarch erwähnt, dass bei den 
Aegypten! das Eisen „Knochen des Typhon" heisse; denn man habe sich 
ursprünglich vorgestellt, es stürze als Göttergebein in Folge eines himm- 
lischen Kampfes zwischen Horos und Typhon, bei dem der letztere Gott 
verstümmelt werde, unter Blitz und Knall zur Erde. Noch jetzt heisst das 
Eisen im Koptischen „benipi", d. i. Himmelsstein. — Auch Hephaistos 
empfing der Sage nach das Material zu seinen Waffenschmiedearbeiten „vom 
Himmel". — Die grössten Meteoreisenstücke fand man an der Baffinsbay; 
dort stellten aus hämmerbaren Theilen derselben noch zu Anfang un- 
seres Jahrhunderts die Eskimos Waffen und Werkzeuge her, von denen 
Kapitaiii Ross einige nach England mitbrachte. Das eigentliche Eisenalter 
buh jedoch erst an, als der Mensch das Eisen aus den Erzen schmelzen lernte, 
was jedenfalls da zuerst geschah , wo die schweren braunen Eiseuerznieren 
offen zu Tage liegen. Die kleinen Schmiedelehmöfeu der heutigen Sudän- 
völker geben wol noch einen Begriff der urzeitlichen Eisenindustrie. — Wie 
zum Kupfer die Bronze, so verhält sich zum Eisen der Stahl. — Schon 
die alten Aegypter scheinen die Kunst gelernt zu haben, aus dem Meteor- 



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— 14 — 



eisen Stahl zu bereiten, indem sie heim Ausschmelzen Kameeldünger als 
Brennmaterial verwandten, dessen Kohlenstickstoffverbindungen die Stählung 
bewirkten. Dies Verfahren mahnt au einen bekannten Zug der deutschen Sage 
vom Schmiede Wieland, Der mischte nämlich Eisenfeilspähne mit dem Mehl- 
brei, den er seinen Gänsen zu fressen gab, glühte dann den sorgsam gesam- 
melten Gänsekoth aus uud schmiedete von dem zurückbleibenden Eisenstaube 
jenes wundervolle Schwert, das eine WollHocke, die den Rheinstrom herab- 
trieb, im Wasser glatt durchschnitt und einen Mann bis an den Gürtel 
spaltete, ohne dass der Durchhauene es merkte. Ganz dieselbe Sage wird 
übrigens auch von den Schwertfegern zu Bagdad erzählt; sie ist eine Er- 
innerung an die frühe Erfahrung, dass in den thierischon Excrementen ein 
das Eisen härtender Stoff enthalten sei. 

Mit der Erfindung des Stahles kommt nun vollends das Schwert zu 
seinen höchsten Ehren |JW, 6,8, 9, 10, 11; 28, 1«]- Dem römischen 
Kriegsgotte Mars war die hasta, der Speer, heilig gewesen, und ebenso 
scheint der Speer ursprünglich dem germanischen Kriegsgotte, dem Tyr 
(ags. Tiu, ahd. Ziu), geweiht gewesen zu sein; denn die Rune, welche dieses 
Gottes Namen trägt, zeigt die Gestalt des Speers: f. Als aber die Germanen 
mit Hilfe des eisernen Schwertes ihre glorreichen Erfolge errangen, als 
Glanz und Ruhm vom Schwert ausgingen, da wurde auch Tyr nicht mehr 
als Speergott, sondern unter dem Symhole des Schwertes verehrt. Er wird 
geradezu Heru. d. i. Schwert, oder Saxnot, d. i. Schwertgenoss, genannt. Ihm 
zu Ehren wird der Schwerttanz aufgeführt, in welchem nackte Jünglinge die 
Schlacht nachahmten — wie Tacitus bezeugt: das einzige bei allen Ver- 
sammlungen der Deutschen wiederkehrende Schauspiel. Aus dem Dienste 
des Schwertgottes stammt der Brauch der deutschen Könige, sich vom 
Herzoge der ,, Sachsen* 4 das Schwert vortragen zu lassen. — Und nun stellt 
sich auch der Begriff des Eisens eng zu dem des Kriegsgottes. Das Pla- 
netenzeichen des Mars g, welches unter den Metallen das Eisen bedeutet, 
ist mit Tyr's Rune geschmückt. Am Dienstage, der dem Mars wie dem Ziu 
heilig ist . muss das ., Eisenkraut" gebrochen werden, mit dem sich, Plinius 
zufolge, Kriegsansagende krönten. Da nun auch die auf heru (Schwert) 
weisende angelsächsische Rune Eor Y aus j** nBr Tyr-Rune abgeleitet ist 
und eine der Tyr-Rune gleiche hochdeutsche Rune bald Zio, bald Eor, 
bald Aer heisst, Hi : ru und Eor aher mit Ares uud äoQ, Schwert, verwandt 
scheinen , so denkt Jakoh Grimm sogar an einen Zusammenhang von "J^ 
mit „aes" und Eisen.*) 

Bronze und Eisen sind lange Zeit neben einander im Waffeugebrauche 
hergegangen. Eiseubarren in Keil- oder Haken-Form sowie einige andere 
schmiedeeiserne Gegenstände der assyrischen Abtheilung des Louvre be- 
weisen, dass die Asiaten ein Jahrtausend vor Chr. das Eisen bearbeiteten. 



•) Bimrock: Handbuch der deutschen Mythologie. Honn 1864. — Der in nie<1er- 
snchftiftehcn Gebieten (Pommern, Mecklenburg, l'kertnurk) noch jetzt gehörte Kuf „Dunner 
Suxcu!" verbindet di<- Namen des Donner- und de« Schwert-Gottes. 



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15 - 



Dreissig Stellen der homerischen Epen bezeugen, dass das Gleiche bei den 
damaligen Griechen geschah. Doch heisst hier das Eisen noch ausdrücklich 
„das schwer zu behandelnde Metall" und mit Recht; denn es bedarf, um 
Hüssig zu werden , eines Hitzegrades , der den Schmelzpunkt des Kupfers 
um mehr als die Hälfte übertrifft. Nur langsam drang der Gebrauch des 
Eisens nach Westen vor. Zu Anfang des 2. Jahrhdts. v. Chr. führte in- 
dessen der römische Krieger keine bronzenen Angriffswaffen mehr, während 
Gallier und Germanen durchaus mit Bronzewaffen ausgerüstet waren. Als 
Germanicus i. J. 15. n. Chr. gegen den Arminius zog, wies er seine Truppen 
ausdrücklich auf diesen Mangel hin*), uud noch zur Zeit des Tacitus 
war den Germanen die Bereituug des Rohnietalles im Allgemeinen fremd.**) 
In Gallien hörte der Gebrauch der Bronze auch nach der Eroberung des 
Landes durch Cäsar keinesweges auf, und anscheinend hat hier das Ueber- 
gewicht der eisernen Waffen an den Erfolgen der Pranken noch ebenso 
viel Antheil gehabt als früher an denen der Römer. Ganz entgegen- 
gesetzt verhielten sich die Alpen-Kelten. Gerade diese Bergstämme waren 
jene „schmiedenden Zwerge", welche den germanischen Norden mit eisernen 
Waffen, zumal mit Schwertern, versorgten. Vor Allem wurde das norische 
Eisen berühmt, und deutsche Wörter wie Beil (altirisch biail) Brünne 
(altir. bruinne = Brust, Bauch) und Panzer (keltisch pantex = Wanst) scheinen 
der keltischen Sprache entlehnt zu sein. — „Nichts wandert so leicht als 
Waffen und Waffennamen!" 



Wie die vergleichende Anatomie den alten Sinnspruch „Ex ungue 
leonem!" zur wissenschaftlichen Wahrheit erhoben hat, so vermag die 
Völkerkunde mit grosser Sicherheit aus den Waffen eines Volkes auf dessen 
Bildungsstufe und Lebensweise zu schliessen , und ein näheres Eingehen 
hierauf lehrt, dass alle diese Momente grossentheils wieder örtlichen Be- 
dingungen entstammen und entsprechen. ***) Gliche z. B. die Erdoberfläche 
überall oder auch nur in ihrer weitesten Ausdehnung den Ebenen des Ama- 
zonenstromes , wo die Modererde klaftertief über feinzermalmtem Lehme 
lagert, so hätte die Menschheit sich nie zum Steinzeitalter erheben können, 
sondern bei Holz und Horn verharren müssen. Auch die Schleuder kann 
gewiss nur da erfunden sein , wo es lose Steine gibt. In Waldgebieten ist 
sie jedoch nicht anwendbar; desto besser in offenen Weidgeländen, und in 
der That trifft man sie überall als Waffe der Hirtenvölker. Hirten sind 
stets im Werfen geübt, sei es zur Verteidigung ihrer Thiere, sei es zur 

*) Annal. II, 14. 

**) Cap. XLI1I und VI. — Damit stimmt das Ergebnis der Ausgrabungen überein. 
Es findft sich in den altgernianischen Kulturstätten nur wenig Eisen und die» selten zu 
ansehnlichen Stücken verarbeitet. 

***) Vergl. die Auseinandersetzungen in Peachel's „Völkerkunde" sowie seine Ab- 
handlung „Ueber den Einnuss der Ortsbeschaffenheit auf einige Arten der Bewaffnung" 
(Das Ausland 1870, N<>.. 19.) 



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— 16 — 

Bestrafung der Hunde oder zerstreuter Heerdenstücke. Die arabischen 
Beduinen üben Steinewerfen noch heut mit gleichem Ernste wie das Scheiben- 
schiessen. — Die Schleuder [33] besteht aus zwei Riemen, die ein Stück 
Leder fassen, in welches der abzuwerfende, meist aus einem eiförmigen 
Geschiebe bestehende Stein gelegt wird. Der Werfende schwingt die 
Schleuder einigemale um den Kopf und setzt dann durch plötzlichen Kuck 
den Stein in Bewegung. Ein englischer Dichter des 15. Jahrhunderts*) setzt 
die Vortheile der Schleuderkunst anschaulich auseinander: 

„TJse eek the cast of stone with Blynge or honde: 
It falleth ofte, yf other shot there none is, 
«. Men harneysed in ateel may not withstonde 

The multitude and mighty cast of stonys; 
And stonys in eflfeete are every wherc, 
And slynges are not noyons for to beare." 

Berühmt unter den Völkern des Alterthums waren als Schleuderer die 
Hebräer, zumal der Stamm Benjamin. Die steinigen Weidetriften Palästinas 
forderten eben ganz besonders dazu heraus : man erinnere sich der Geschichte 
von David und Goliath. Aehnlich war es bei den alten Völkern Südwest- 
amerikas im Reiche der Tnka ; und hohe Vollkommenheit hat das Schleudern 
in Patagonien erreicht, wo an die Stelle der gewöhnlichen Schleuder die 
Wurf leine mit den Kugeln oder Bolas trat, ein Werkzeug, das übrigens 
auch schon altägyptische Denkmäler zeigen [841. Diese Waffe besteht in 
drei steinernen faustgrossen Kugeln, die mit Leder überzogen sind und an 
drei mit einander verbundenen Riemen hangen. Die kleinste Kugel fasst 
der Schütze mit der Hand, schwingt das Ganze einigemale kräftig um's Haupt 
und lässt es dann fahren. Auf hundert Schritt sollen die Patagonier ein 
Thier an jedes beliebige Horn treffen und es nach der Seite wenden können, 
wohin sie wollen. Diese steinerne Wurfkugel wird noch jetzt in den Gras- 
ebenen Südamerikas gehraucht. Antike Vasenbihler stellen die metallene 
Wurfkugel als Reiterwaffe dar. Hier aber wird sie nicht aus der Hand 
gelassen und dient dazu, die Schilde der Gegner zu zertrümmern. — So 
wirkungsvoll und so unentbehrlich für bestimmte Zwecke die Wurfkugel aber 
auch ist, so bleibt sie doch an Tragweite und Sicherheit weit zurück gegen 
Bogen und Pfeil. Die Herstellung eines solchen Schiessgewehrs, seihst in 
seiner einfachsten Form, bediugt ein Mass von Vorkenntnissen, dessen Er- 
langung wol Jahrtausende erfordert haben mag. und die Erfindung dieser 
Schusswaffe, welche uralte Sagen mit dem Namen des Nimrod, jenes grossen 
.lägers vor dem Herren, in Verbindung bringen, erscheint als eine Cardinal- 

*) Strutt: Sport* and Pastimes, book II, ehap. 2. 

„Gebrauche auch den Steinwurf mit Schleuder oder Hand; 

Er trifft oft, wenn ein andrer Sehlis« unmöglich ist. 
Männer in Stahl gewappnet widersteht! doch nicht 

Der Menge und dem mächtigen Wurf der Steine. 
I'nd Steine giebt's ja wirklich überall. 

Und Schleudern sind zu tragen lästig nicht", (l'ehersetz. Spengels.) 



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_ 17 - 



Entwickelung in der Geschichte des Waffenwesens überhaupt*); — unsere 
gewaltigsten Feuerschlünde wie unsere feinsten Repetirgewehre sind nur 
verschiedenartige Ausgestaltungen jenes ersten grundsätzlichen Fortschritts; 
denn sie beruhen wie Bogen und Pfeil auf der Verwerthung der Elastizität. 
Der Gebrauch einer biegsamen Ruthe, um kleine Wurfgeschosse damit zu 
schnellen , und die merkwürdigen elastischen Wurfwaffen der Pelm-Inseln, 
welche gebogen werden und dann durch ihre eigene Sprungkraft fortfliegen, 
deuten Erfindungen an. welche zu der des Bogen geführt haben mögen, 
während der Pfeil die Miniaturform des Wurfspiesses ist. 

Wenn die Schleuder als Hirtenwaffo auftritt, so ist der Bogen wesent- 
lich Jägergewehr. **) In geübter Hand erscheint er sogar zweckmässiger 
auf der Jagd als das Feuerrohr, weil er geräuschlos tödtet. Ucberall, wo 
gute Jagdgründe waren, findet man daher Bogen und Pfeil ganz allgemein 
im Gebrauche. — Als Material für den Bogen verwendeten die Urvölker 
vorzugsweise das Holz der dämonischen, den Todesgöttern heiligen Eibe. Das 
altnordische „ir, yr" (Eibe) bedeutet geradezu „areus" ; die y-Rune hat die Form 
des Bogens. So steht auch das griechische Wort für Bogen rö^ov mit dem 
lateinischen „taxus" und dem slavischen „tisu" (Eibe) in naher Verwandtschaft, 
und das irische „jubar" bedeutet sowol „taxus" wie „areus". Ausser der Eibe 
werden aher auch Ulmen- und Eschenholz für den Bogen verwendet, der des- 
halb in der isländischen Skaldensprache kurzweg „älmr", im Altschwedischen 
und Angelsächsischen „askr" genannt wird. Ucbrigens lehren Zeugnisse des 
frühesten Alterthums und des fernen Ostens, dass zu allen Zeiten neben dem 
hölzernen auch der hörnerne Bogen im Gebrauche war. Der heimgekehrte 
Odysseus (19, 572) wendet seinen Bogen hin und her, um zu sehen, ob auch 
die Würmer während seiner langen Abwesenheit nicht das Holz durchbohrt ; 
in der Ilias (4, 105) dagegen besitzt der Troer Pandaros einen Bogen, 
der aus den Hörnern eines wilden Steinbocks verfertigt ist. Nicht ohne 
Bedeutung heisst im Nibelungenliede einer von Etzels Mannen „Hornboge" ; 
denn auch von den Chronisten werden die Ungarn bei ihrem Erscheinen im 
Abendlande als mit Hornbogen bewaffnet geschildert, von denen sie, auf 
ihre Renner gekauert, die sicheren, oft vergifteten Pfeile schössen. Meist 
ist das Holz, aus dem der Bogen besteht härter, als das des Pfeiles und dieser 
solbst kürzer als der Bogen. Der Pfeil besteht aus dem Schafte***), der 
Spitze und der Befiederung, die ihn auf seinem Wege in der gewünschten 
Richtung erhalten soll. 

Zu Pfeilspitz en verwendete man Fischgräten, Muscheln, Knochen 
und endlich, wie schon erwähnt, scharfe Steine, zumal den leicht spaltbaren 
Feuerstein. In allen Welttheilen begegnet man diesen Zeugen des Bogen- 
gebrauchs, und lange Zeit hat man geglaubt, dass Bogen und Pfeil Urwaffen 

*) Carion-Nisas: Essai sur l'hifdoire generale de l'art militairo. Paria 1024. 
**) Wohl aus diesem Grunde erklärt Goguet (De l'originc des lois, des arts etc. Dtseh. 
Lernen 17ÖO) die Schleuder für jünger als den Bogen. 

***) Schumacher: Das Gerademachen der Pfeilschäfte. (Archiv f. Anthropologie. 
1877. H. Bd. 4. Hft) 



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seien, die thatsüchlich von allen Völkern in» Kriege angewendet worden 
wären.*) Aber auch dieser Satz hat seine Ausnahmen. Die polynesischen 
Stämme der Südsee /.. B., welche auf Koralleninseln ohne Landsäugethiere 
leben, kennen den Bogen /war uls Kinderspielzeug, aber sie bedienen sich 
seiner niemals als Waffe. Der Gl rund dafür ist in der geologischen Natur 
ihres Wohnsitzes zu suchen, welche eine lohnende Jagd ausschliesst. Ohne 
Jagd aber keine Uebung und ohne anhaltende Uebung im Gebrauche dieser 
schwierigen Waffe natürlich keine kriegstüchtigen Schützen. 

Es muss auffallen, dass Cäsar und Tacitus der Bogen und Pfeile nicht 
ausdrücklich als Waffen der Gallier und Germanen gedenken, Tacitus sie 
vielmehr nur bei dem rohen Jägervolke der Finnen erwähnt, deren Pfeil- 
spitzen aus Knochen bestanden. Indess unzählige Pfeilspitzen aus Stein, 
Knochen und Eisen, die man in altgermanischen Gräbern gefunden, stellen 
den Gebrauch dieser Waffe bei unsern Vorfahren doch völlig ausser Zweifel, 
und seit dem 4. Jahrhdt. fehlt es auch nicht an literarischen Zeugnissen 
für das Bogenschiessen der Germanen. — Der Name der Waffe stammt 
von ihrer Form. Er lautet altgothisch und altsächsisch „bogo", althoch- 
deutsch „poko", altnordisch „bogi", dänisch „bue u . Der Pfeil heisst ahd. 
„sträla", der Pfeilschaft „zein" ; „phtl" bedeutet im engeren Sinne die eigent- 
liche Spitze. Dies Wort lautet angclsächs. „pil", nord. „pila" und ist 
offenbar eines Stammes mit dem lateinischen ,,pilum". Bei den nordischen 
Völkern war es (in Schweden noch im 8. Jahrhdt.) Sitte, durch Zusendung 
eines zerschnittenen Pfeiles (Herör, Orf, Kasti, Heerpfeil) den Krieg zu 
erklären und die streitbare Mannschaft zu berufen. (Pfeilesthing, Owarbod). 
Solch ein Brauch deutet unzweifelhaft auf häufige Anwendung dieser Waffe 
hin. Niemals hat indessen der Bogen im Abendlande dieselbe Bedeutung 
gewonnen wie im Orient, wo er seit uralter Zeit als „Waffe der Könige." 
galt. — In den Pfahlbauten haben sich zwei Bogen erhalten [39, 80]. Sie 
sind aus Eibenholz geschnitten, der eine 3, der andere 5 Fuss lang. 

Weitverbreitet war wol in der Vorzeit wie noch jetzt bei rückstän- 
digen wilden Völkern das Vergiften der Geschosse. Da, wo diese 
letzteren lediglich Träger des Giftes waren, nicht seihst tödten sollten, da 
schoss man die Bolzen auch wol mit dem Blasrohr ab, wie es die Ma- 
layen, Papuas und Amazonas-Indianer thun, die übrigens mit dem Blasrohr 
bis auf 200 Fuss Entfernung ihres Ziels sicher sein sollen. In Afrika ist 
die Vergiftung der Geschosse noch jetzt weit verbreitet. Chinesische Schrift- 
steller gedenken ihrer bei tungusischen und mongolischen Völkern des 3. 
und 5. Jahrhunderts; ja man begegnet so unedlem Mordgeräth selbst auf 
dem Boden des klassischen Alterthunis. Horaz spricht davon in einer Ode 
(Lib. 1, 22) und Ovid beschuldigt in den Tristien (Lib. III, 10) pontische 
Völkerschaften in der Nähe seines Verbannungsortes des gleichen Frevels. 

*) So meiut Brillat-Savarin, dass die gleichmäßige Anwendung des Bogens unter allen 
Breiten „doit provenir d'une cause qui s'est eachee derriere h> rideau des äges". (Phy- 
siologie du goüt. M«ditati01I XXVII.) — Auch Nilssoii wiihnt, dass Bogen und Pfeil durch 
eine Art natürlicher Notwendigkeit instinetiv ersonnen und allen Völkern gemein seien. 



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Bei Franken und Bayern kommen ebenfalls Giftpfeile vor. Gregor von 
Tours (590 n. Chr.) erwähnt deren, die, wenn sie auch nur die Haut ritzten, 
den Tod zur Folge hatten (LT, p. 64). Auch die Hebräer führten ver- 
giftete Rohrpfeile. Dass die Menschen aber schon früh anfingen, sich solcher 
Waffen zu schämen, lehrt eine Stelle beim Homer: Odysseus will von 
Hos ein tödtliches Pfeilgift einhandeln; der aber verweigert es ihm „aus 
Scheu vor den ewigen Göttern" (Odyssee I, 259 f.). Das salische Gesetz 
(460 n. Chr.) vorbietet vergiftete Pfeile bei der für damalige Zeit ausser- 
ordentlich hohen Strafsumme von 62 V» Schilling, und auch die Lex Baiu- 
wariomm hat gesetzliche Bestimmungen „de sagitta toxicata". — Heutzutage 
findet sich die Anwendung vergifteter Waffen fast nur noch bei den rohesten 
Menschenstämmen unter den Tropen.*) 

Wenn ursprünglich Schleuder und Lasso dem Hirten beim Weiden 
seiner Heerden, Bogen und Wurfspiess dem Jäger zum Erlegen des Wildes 
dienten und erst in zweiter Reihe Kriegswaffen wurden, so gilt das Letztere 
in noch höherem Grade von Messer und Axt, diesen ältesten Werk- 
zeugen menschlicher Industrie. Als die erste Kriegswaffo par cx- 
cellence , die nicht für Jagd und Handwerk gebraucht werden konnte, 
sondern wirklich nur dem Gefechte diente, erscheint das Schwert. Das 
Auftreten dieser Waffe bezeichnet daher einen grossen Kulturfortschritt: 
es ist ein Abzeichen sesshafter Völker, die aus dem Nomadenthum heraus- 
getreten sind.**) 

Für umherstreifende Jägerstämme und für wandernde Hirtenvölker 
bringt der Krieg keine wesentliche Veränderung des gewohnten Lebens 
mit sich. Der Jäger wechselt nur den Gegenstand der Jagd und der Beute ; 
das Erkämpfen neuer Weideplätze liegt unmittelbar in der Lebensweise des 
Hirten begründet; beiden Daseinsformen legt der Krieg keine wirthschaft- 
lichen Opfer auf. Der ganze Stamm, an ein stetiges Wandern gewöhnt, 
zieht in den Kampf: in den Schlachten der Tataren hat man nicht selten 
Weiber an der Seito ihrer Männer fechten sehen; und die Sagen von den 
Walkyren wie die von den Amazonen sind wol auch Nachklänge solcher 
urthümlichen Zustände kriegführender Nomadenvölker. — Anders sobald 
die Menschen Ackerbauer werden! Für den Laudmanu ist der Krieg ein 
grosses wirthschaftliches Opfer, das er, wenn er keinen Stellvertreter hat, 
eigentlich nur zwischen Saat und Ernte bringen kann, ohne ökonomisch zu 
Grunde zu gehen. 

In Folge dessen empfängt die Kriegführung des Ackerbauers einen 
ganz andern Charakter als die der Jäger und der Hirten. Dass er ihm 
aber diesen veränderten Charakter zu verleihen vermag, ist das Resultat 
der neuen , höheren wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen der Acker- 
bauer lebt. Der Landbau zuerst ermöglicht nämlich eine starke räumliche 
Verdichtung der Bevölkerung. Während z. B. im Jahre 1825 die damals 



•) Ploss: Heber Pfeil K ifte. (Aus allen Welttheilen. 1877. No. ».) 
**) Pe««-hel: Völkerkunde. Leipzig 1874. 

2* 



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20 - 



noch vorhandenen Rothhüute der Vereinigten Staaten für jeden Kopf 
1 s / 4 englische Quadratmeilen als Jagdgründe noth wendig hatten , lebten in 
Belgien auf derselhcn Fläche 560 Menschen. Die grössere Meuschenzabl 
auf kleinem Räume ist dann wieder weitere Vorbedingung höherer ge- 
sellschaftlicher Zustände, weil nur sie eine Th eilung der Arbeit ver- 
stattet. Diese Theilung wird aber zugleich für den Landmann eine Not- 
wendigkeit, wenn er nicht die Früchte seiner Anstrengungen verlieren soll. 
In Folge dessen sondert sich bei ackerbauenden Völkern zuerst ein eigent- 
licher Kriegerstand ab, der die Traditionen des militärischen Lebens pHegt, 
während die Masse des Volkes nur bei ausserordentlichen Gelegenheiten 
als „Landwehr" unter die Waffen tritt. Und auch auf die Bewaffnung übt 
die voränderte Lebensweise einen mächtigen Einfluss aus. Während den 
.Jäger seine regelmässige Tagesbeschäftigung im Waffengebrauche tüchtig 
erhält, ist das beim Ackerbauer nicht der Fall; er kann daher keine 
Waffen führen, welche unausgesetzte Uebung und seltene Fertigkeit bean- 
spruchen. Dadurch entfremdet er sich von Bogen und Pfeil, und er wendet 
sich zur Nahwaffe auch deshalb, weil sie entscheidender ist und weil 
dem Ackerbauer daran liegen muss, kurze Kriege zu führen. So wird 
mit der wachsenden Kultur die Nahwaffe zur Hauptwaffe, die FernwaflV 
tritt zurück. — Und nun that der Ackerbauer einen weiteren Schritt Er, 
der den entscheidenden Nahkampf aufsucht, ersinnt wol zuerst den Ge- 
brauch der Schutz waffen, um sich gegen die Geschosse der Hirten und 
Jäger zu sichern und im Gefechte Mann gegen Mann sein Uebergewicbt zu 
verstärken. Er birgt die Brust in breiter Baumrinde; er bildet Schilde aus 
Flechtwerk und Holz; in Amerika, dem Lande der Baumwolle, trägt er 
Panzer aus Watte. Den patriarchalischen Heerdenbesitzern liefert das 
Schaf seinFliess zur Kleidung und zum Schutze. Dann beginnt man dem le- 
benden Thiere die Wolle (nicht zu scheeren, was erst eine spätere Erfindung 
ist) auszurupfen und stampft sie zu Filzdecken und Filztüchern zusammen, 
die man besonders zum Schutze des Kopfes verwendet*), und endlich werden, 
allerdings nicht mehr in der Urzeit, Steppwämser von Leinen als Schutz- 
waffe erwähnt. „Leinwandbepanzert" heissen in einem berühmten Orakel 
die Argiver. **) 

Vorzugsweise aber wählt man die Jagdtrophäe zur kriegerischen Rü- 
stung; d. b. das abgezogene Fell eines wilden Thieres wird zur Bekleidung 
und zum Schutze des Oberkörpers verwandt. Wie noch gegenwärtig einige 
Indianerstämme des nördlichen Amerika das Haupt mit der Kopfhaut des 
Bären oder des Büffels schmücken, so geschah es auch im Altertbum. 
Herakles, der zum Gotte verklärte Vertilger alles den Menschen schädlichen 
Gethiers, wird mit dem Felle des nemäischen Löwen als Schutzwaffe und 
stetem Attribute dargestellt; auch andere griechische Helden erscheinen 



*) Gr. .t«©,-, lat. pileus, =^ der Hut; gernian. und slav. mit erweiterU-m Stammt» 
„Filz", plusti. 

•*) Anth. Pnl. 14, 73. — Auch Alkäos (600 v. Chr.) erwähnt des ,'fo'n><is aus iiiw. 




- 21 



in ähnlicher Rüstung; bei den germanischen Völkerschaften war diese Tracht 
allgemein , und römische Signaträger und Hornbläser findet man auf den 
Monumenten fast immer mit solcher Wildschur bekleidet. — Als Ueber- 
gang zum kunstgebildeten Helme darf dann wol die aus der ungegerbten 
Haut eines Thieres verfertigte Fellkappe betrachtet werden.*) Darstellungen 
auf den von Schliemann zu Mykenai gefundenen Vasen zeigen zum Theile 
Krieger, deren Haupt Lederkappen mit aussenstehenden Borsten bedecken. 
Dem entsprechend rüsten sich die homerischen Helden zu nächtlichen Unter- 
nehmungen, bei denen alles Cilänzendc vermieden werden muss, gern mit 
einer derartigen Fellkappe, welche gelegentlich, wie z. B. die des Odysseus 
mit ihren Eberzähnen, sogar noch Ueberbleibsel des thiereutnommenen Ur- 
helms zeigt. — Die Schilde stellte man meist aus weichem Lindenholze her 
und überzog sie mit Leder. „Linde" wird geradezu für „Schild" gebraucht, 
so z. B. in dem altniederdeutschen Hildebrandsliede . das mit so kräftigen 
und klaren Zügen den Kampf der germanischen Frühzeit schildert: 

„Do laettun se oerist 
rh kirn scritan, 
scarpeu scürim, 
dat in dorn sciltin »tönt. 

Do stöptun to samanc; 

stairnbort chludun ; 

hewun harmlicco 

hwittc seilte, 

unti im iro lintün 

luttilö wurtun 

giwigon miti wäbnum".**) 

Wie unter den Trutzwaffen, so treten auch unter den Schutzwaffen siegver- 
leihende Göttergaben auf. Thor legt den Gürtel Megingiard an, wenn er 
auszieht, die Riesen zu bekämpfen; und der aus dem Nibelungenliede be- 
kannte Gürtel der Brünhild, welcher ihr so gewaltige Kraft verleiht, hat 
sein Seitenstück in dem Sieggurt, den der alte Hildebrand an Dietrich von 
Bern giebt. Im Gürtel aber ist hier symbolisch die ganze Rüstung zusammen- 
gefasst, wie er selbst ja sie umschloss und zusammenhielt. 

Die ältesten Kunst formen der Schutzwaffen finden sich anscheinend 
auf amerikanischem Boden. Ein Basrelief in Palanka, das wol über 3500 

• *) Daa griechische helmbedeutende Wort xryeij heisst eigentlich Hundefell. 
**) Da Hessen sie erst 

mit Eschen schreiten (die Speere fliegen) 

mit scharfen Schauern; 

dass (es) in den Schilden stand. 

Dann stampften sie zusammen; 

Steinäxte klangen; 

isie) hieben vertierblich 

weisse Schilde, 

bis ihre Linden (Schilde) 

klein wurden 

gemacht mit Wallen. 



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22 — 



.fahre hinaufreicht, zeigt vielleicht die früheste Spur eines in seiner Form 
vollendeten Helms. Ueherhaupt hat die militärische Kultur der 
sesshaften Alt-Amerikaner, namentlich die der mexikanischen 
Tolteken, dieser Römer der neuen Welt, üheraus früh eine reiche Ent- 
wickelung erfahren, die noch ein besonderes Interesse dadurch gewinnt, dass 
jene Völker das Eisen erst durch die Europäer kennen lernten. Als die 
Spanier den Boden Amerikas betraten, befanden sich die Mexikaner, deren 
Kultur so alt war wie diejenige der Inder, erst im Uebergange zum Bronze- 
zeitalter; sie bestrebten sich soeben, dem Kupfer durch Zusatz von Zinn 
und etwas Kiesel die für Waffen uöthige Härte zu geben; in der Haupt- 
sache aber standen sie noch im Steinzeitalter, dessen höchste Entwickelung 
also bei ihnen zu studiren ist. Dennoch bewiesen sich die alten Mexikaner 
und Yukateken auch dadurch als ächte Kulturvölker, dass sie im Gegen- 
satze zu all' den umwohnenden Halbwilden, welche Bogenschützen waren, 
mit Vorliebe das Schwert und zwar das ihnen eigentümliche Steinscherben- 
Schwert führten. 



II. Befestigungen der Urzeit. 

Tafel 2 

mit Hinblicken auf Tafel 30. 



Literatur. 

Ki'ller: Die keltischen Pfahlbauten in den Schweizer Seen. Zürich ls.">4 — 66. 

.Inhn und Uhlniann: Die l'fahlbaualterthümer von Moosseedorf. Hern 1857. 

Troyon: Sur Im hahitations . untres des temps aneiens et modernes. Lausanne 1860. 

Staub: Die Pfahlhauten in deu Schweizer Seen. Fhintem 1864. 

v. Sacken: Der Pfahlhau im ßardasee. "Wien 186.">. 

Hasslcr: Die Pfahlbaufunde des l'eberlinger Soes. Ylm 186«. 

Desor: Die Pfahlhauten iles Neuenburger Sees. Frankfurt a. II. 18<i«. 

Pallmann: Die Pfahlbauten und ihre Bewohner. (Ireifswald IStfti. 

Lisch: Die Pfahlbauten in Mecklenburg-Schwerin 18oT.— «7. 2 Ufte. 

Wagner: Das Vorkommen von Pfahlbauten in Bayern. Hünchen 1867. 

Schaab: Die Pfahlbauten im Würmsee. München 1867. 

Kückert: Die Pfahlbauten uud die Völkerschichten Osteuropas, bes. der Donaufürstcnth. 
Würzb. 1869. 

Angelucci: Le palafitte del Lage» di Varese. Torino 1871. 

Steudcl: Ucber die Pfahlbauten insbes. des Bodensees. Lindau 1872. 

Bahnt: Histoire des hahitatiuus lacustres de la Savoie. Chambery 1861 u, 1873. 

(iross: Lea habitatious lacustres du lac de Bienue. Delemont 1873. 

Mcasikommer: Nachgrabung auf den Pfahlbauten von Bobenhausen und Nicdcrwyl. 
(Anzgr. für Schweizer Alterthumsknndc. 1874.) 

Desor et Favre: Le bei age du bronee lacustre en Suisse. N'euchätel 1874. 

(iraf Wurmbrand: Ergebnisse der Pfahlbau-rntersuchungen. Wien 1875. 

Die Entstehung der Terramaren. (Correspondenzbl. der deutsch. Oescllschft. f. Anthro- 
pologie. 1875 No. 1 und „Ausland" 1875 No. 36.) 



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- 23 - 



v. Cohauscn: Ueber Ringwälle. Braunschweig 1861. 

PreTOtt: Memoire sur kt ancicnncs eonstructions militaircs eonuues sous lc nom de 
Fort« vitrities. Saumur 1863. 

Schatte r: Die alten Heidenschanzen Deutschlands mit spez. Beschreibung des Ober- 
lausitzer Schanzensygtems. Dresden 1869. 

Andrcc: Heidenschamen und Steinwälle der Lausitz. (Globus XX. Bd.) 

Virchow: Ueber Hünengräber und Pfahlbauten. Berlin 1866. — Der*. Die Pfahlbauten 
des nördl. Deutschlands. (Ztschrft. f. Ethnologie. Bd. I. S. 401 ; IV. '226 ; V. ( 1875) 127.) 

Mehlis: Im Nibelungenlande. Stuttgart 1877. 

Hölzer mann: Lokaluntersuchungeu, die Kriege der Römer und Franken sowie die Be- 
festigungsmaniercu der Germanen, Sachsen und des späteren Mittelalters betreffend. 
Münster 187a 

Die Befestigungen der Urzeit erscheinen bereits wie die aller 
Folgezeit in doppeltem Sinne geplant: entweder individuell, d. h. als Be- 
schirmung der einzelnen Ansiedlung, oder national, d. h. zur Sicherung eines 
ganzen Landgebietes. Der Anlage nach sind es theils Wasserbauten, theils 
Landbefestigungen. 

Unter den Wasserfestungen, welcbe stets den individuellen Charakter 
tragen, sind am berühmtesten die Pfahlbauten. (Franz. „Cites lacustres", 
ital. ..Palafitte".) — Die ersten europäischen Pfahlbauten wurden i. J. 1864 
von Keller bei Meilen im Zürichsee entdeckt. Es sind künstliche, auf einem 
Roste ruhende Inseln. Der Rost, das Pfahlwerk [1] bestand aus gespaltenen 
Baumstämmen (Eichen, Buchen, Birken, Tannen) von ungefähr 12 cm 
Dicke, und, je nach Umständen, 2 bis 6 m Länge. Die Enden der Pfähle 
waren entweder durch Anbrennen zugespitzt oder mit Steinbeilen roh zuge- 
hauen. Auf den Raum einer Quadratruthe kommen mindestens 12, oft 20 
Pfähle. Das Pfahldorf bei Wangen am Konstanzer See bildet ein Viereck 
von 700' Länge und 120' Breite und enthält gegen 40,000 Pfähle. Andere 
Ansiedluugen sind weit grösser: die von Chambray am Neuenburger See 
z. B. bedeckt 50,000 qm, die von Morges am Genfer See 60,000 qni, und 
diese letzteren Bauten wie die von Hauterive, Onnens und Robenhausen 
zählen jede mehr als 100.000 Pfähle. 

Von der Grundriss-An Ordnung der Pfähle gebeu die Fig. 7 und 
9a eine Vorstellung, von der Profil-Anordnung die Durchschnitte Fig. 2, 
3, 8 und 10. Die Eckpfähle, welche die ,,Unterzüge" zu tragen hatten, 
sind eingeschnitten oder eingezapft. Zuweilen ist die äussere Reihe der 
Pfähle durch enges festes Flechtwerk unter einander verbunden und durch 
einzelne hohe vorstehende Balken palissadenartig verstärkt. Die Art, wie 
die Dielung stattfand, kennzeichnen die Fig. 6, 9b und C. 

Die Hütten, welche auf den Pfahlrosten standen, sind nirgends erhalten ; 
ihre Grundrissformen jedoch lassen sich vielfach erkennen: denn für jede Hütte 
ragten 4 bis 6 Pfähle über den Rost hinaus, um den Dachstuhl zu tragen. 
Die Hütten bildeten Rechtecke von durchschnittlich 9 m Länge bei 5 m 
Breite. Die Wände bestanden aus Fachwerk und Hürden. Die wahrschein- 
lichste Rekonstruktion dürfte die vonMessikommer sein [11]. Einige der schwei- 
zer Ansiedlungen haben wol 300 Hütten umfasst, somit etwa 1000 Bewohner. 



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24 - 



Die Entfernungen der Bauten vom Ufer sind verschieden. Oft 
liegen sie demselben ganz nahe; oft sind sie mehr als 1000* in's- Wasser 
gerückt. Im Murtensee liegt ein Pfahlbau 4000' vom Ufer entfernt. — Die 
Tiefe des Sees unter den Hütten wechselte von 2 bis 7 m. — Verbindung mit 
dem Lande unterhielten je nach Umständen Stege, Knüppeldämme oder Kähne. 

Vornehmster Grund zur Anlage der Pfahlbauten war unzweifelhaft der. 
Schutz zu finden, weniger wol vor reisseuden Thiereu (denn diese greifen 
den Menschen nur selten in seinen Wohnungen an), als vielmehr vor den 
Nachbarn. Fällt doch die Errichtung jener Bauten 4000 bis 6000 Jahre 
zurück, also in eine Zeit, da die europäische Kultur derjenigen der Australier 
unserer Tage glich und der Krieg Aller gegen Alle herrschte. 

Fragt man sich, wcshalh die Alpenbewohner der Urzeit derartige Wasser- 
ansiedlungen den Befestigungsanlagen zu Lande vorzogen, so ergiebt sich 
die Antwort aus den damaligen Lebensbedingungen. Europa war in 
jener Zeit fast nur ein grosser Wald; Flüsse und Seen gaben die natür- 
lichen Wege und Haltpunkte ab; das Ziegelbrennen wie den Bau mit Stein 
und Mörtel haben erst die Börner den nördlichen Völkern gelehrt; vordem 
kannte man nur Erd- und Holzbauten. Die letzteren aber gingen in den 
wilden Kämpfen der Urzeit gar leicht und oft in Flammen auf. Legte man 
nun die Wohnstätten im Wasser an. so verwandelte man sie in schwer zu- 
gängliche Festungen, die weit leichter zu vertheidigen waren, als die Erd- 
wälle und Steinringe, von denen sogleich die Rede sein wird. Pfahlwerke 
konnten die Annäherung der Kähne des Feindes verhindern, und falls im 
Winter der See gefroren war, vermochte man doch wol immer, einen ge- 
nügend breiten Graben offen zu halten. So gewährten die Pfahlbauten den 
damaligen Menschen dieselbe Sicherheit wie den heutigen etwa die Festungen 
Mantua oder Comorn. *) Möglich ist es übrigens, dass einige dieser Bauten 
nicht als dauernde Wohnorte, sondern nur als Zufluchtsorte und Magazine 
gedient haben. Auf Letzteres deutet namentlich der ausserordentlich grosse 
Reichthum an Geräthen hin. den manche Pfahlbauten enthalten. 

Jetzt kennt man allein in 21 Schweizerseen über 200 Pfahlbauten und 
hat deren seitdem fast in allen Erdgegenden aufgefunden. 

Der Entdeckung der Schweizer Pfahlbauten folgte diejenige gleich- 
artiger Befestigungsanlagen an den Südabhängen der Alpen **) ; dann stellte 
es sich heraus, dass dergleichen auch in den Seen des Salzkammergutes und 
Bayerns nicht fehlten ***) ; man fand sie in den Mooren Schwabens. Kärntens f ) 
und Mährens, in der Mark Brandenburg. Mecklenburg ff), Pommernfff) 

*) Hehn a. a. 0. 

**) Duaor's Funde in den Torfmooren der Lombardei und im Lngo majfgiore; 
v. Sacken'» Funde im Ghwdasee und bei Mercurapo unweit Arona; Kunde in den aa- 
voyisehen Seen von Varosc, Briunza und ßourge» sowie l>oi Pesehiera und Finione in Venctien. 

**♦) (irf. Wurmbrand'» Fund bei Soewalchorn am Attersee; Bauten im Würmsce 
und bei Wür/luirj». 

f) Der Ii manu 's Funde im Laibaeher Moor. 
•}-}•) Lisch'» Funde bei (räpelow und bei Wismnr. 
•J-ff) Krasiski's und Virehow's Funde bei Persanziff. 



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— 25 — 



und Preusscn, in Dauphine*) und bis an die Pyrenäen, in deren Thiilern sie 
sich vom Mittelmeere bis zum atlantischen Ocean ausdehnen. **) — Auch die 
,.Terramare" Italiens, verlassene Wohnplätze vorhistorischer Zeit, sind, 
neueren Forschungen zufolge, ursprünglich Pfahlbauten gewesen, die theils 
in sumpfigen Niederungen, theils in künstlichen Wasserbecken, theils aber 
auch auf trockenem Boden, ja auf Hügeln errichtet wurden. Wenn also 
der Pfahlbau auch nicht immer als Wasserfeste auftritt, so ist dies doch 
durchaus der vorherrschende Charakter. — Anfangs überraschte die Ent- 
deckung menschlicher Ansiedlungcn im Wasser ausserordentlich; indessen 
kam man von solchem Erstaunen zurück, seit man die gewaltige Ausdehnung 
der modernen Pfahlbauten in Ostasien kennon lernte. Ueberall in Birma, 
Siam und Cambodscha sind die Bambushütten auf Pfahlrosten erbaut und 
dadurch mehre Fuss über den Boden gehoben, während auf den grossen 
Strömen, besonders am Menam, schwimmende Städte liegen. Bangkok, die 
Hauptstadt Siams, ist vielleicht das grossartigste Muster einer solchen 
schwimmenden Stadt, Battambang dagegen eine eigentliche Pfahlbau- 
stadt. Auch die Papfyi Neuguineas leben in Pfahlwohnungen |4; •i] und 
solche finden sich in Afrika sowol bei don Mangandschas als bei den Bassa- 
negern auf der Insel Loko in Benue***) |4; 4]. 

Auch den klassischen Völkern waren übrigens derartige Wasserfestungen 
auf Pfählen bekannt. Herodot (440 v. Chr.) berichtet von den Pfahlbauten 
der Päonier in Makedonien, die dem Angriffe persischer Heere widerstanden ; 
Hippokrates (350 v. Chr.) schildert Pfahlbauten an der Ostküste des 
schwarzen Meeres; der arabische Geograph Albufeda (1328 n. Chr.) weiss 
von gleichartigen Anlagen in Syrien. 

Besonders anschaulich und geeignet, auch auf die westindischen Pfahl- 
bauten Licht zu werfen, ist die Schilderung des Herodot. Er sagt (5, 16): 

„Die aber um den Her« Pangaeos und die Doberer und die Agriancr und die Odo- 
manter, und die am See Prasias, die wurden von dem Megabazos gar nicht bezwungen 
Er versuch« c /war, aucli die zu unterwerfen, die in dem See selber wohnen, auf folgende 
Art: Mitteu im See .stehen zusammengefügte Gerüste auf hohen Pfählen und dahin führt 
vom Lande nur eine einzige Brücke. Und die Pfähle, auf denen die Gerüste ruhen, rich- 
teten in alten Zeiten die Bürger insgemein auf; nachher aber machten sie ein Gesetz und 
nun raachen sie es also : Für jede Frau, die Einer heirathet, holt er drei Pfähle aus dem 
Gebirg, das da ürbelos heisst, und stellt sie unter; es nimmt sich aber ein Jeder viele 
Weiber. Sie wohnen daselbst auf folgende Art: Es hat ein Jeder auf dem Gerüst eine 
Hütte, darin er lebt, und eine Fallthür durch das Gerüst, die da hinunter geht, in den 
See. Den kleinen Kindern binden sie einen Fuss mit einem Seile an, aus Furcht, das» 
9ie hinunterrollen. Ihren Pferden und ihrem Lastvieh reichen sie Fische zum Futter. 
Derer ist eine so grosse Menge, dass wenn Einer die Fallthür aufmacht und einen leeren 
Korb hinunterlässt in den See und zieht Um nach kurzer Zeit wieder herauf, so ist er 
ganz voll Fische." 

Hippokrates berichtet von den Kolchiernf), dass sie ihre Wohnungen 
*) See von I'aloudra bei Grenoble (lsere). 

**) Funde Garigou's, welche durch ihre bedeutende Ausdehnung merkwürdig sind. 
***) v. Hellwald: Kultursrosehii'hte in ihrer natürlichen Entwickelung. Augsbg. 1877. 
7^ De ai'-re, locis etc. 22 j>. '2f»8 der Ausgabe Ermerin's. 



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— 26 — 



von Holz und Kohr mitten in den Wassorn errichteten. Diese Kolchier 
sind das von Andern Moaiyoixot genannte Volk, das ehen nach seinen höl- 
zernen Thürmen (ftoowot, ftöoi'veg) so geheissen war.*) 

Am liohsten haute man in Seehuchtcn , die Sand- oder Lehmgrund 
hatten, der Mittagssonne entgegen lagen und auf den anderen Seiten von 
Anhöhen und Waldung geschützt waren. In sehr tiefen Seeeu errichtete 
man künstliche Hügel, „Steinberge", um nicht übermässig lange Pfähle an- 
wenden zu müssen, und auch da. wo felsiger Gruud das Einrammen der 
Pfähle verhinderte, suchte man ihnen die gehörige Festigkeit dadurch zu 
geben, dass man Steine um sie herum aufschüttete [4]. Bei der Peters- 
insel im Bielersee liegt noch heut ein zu solchem Zwecke mit Kieseln ge- 
füllter Kahn, der mit seiner Ladung untergegangen ist. Es ist ein sog. 
„Einbaum" 1 [4; 7] von 17m Länge und Im Breite, aus einem einzigen 
mächtigen Stamme hergestellt. Auch an anderen Orten des Bielersees, so 
zu Sutz und zu Moringen, noch häufiger aber im Neueuburgersee finden sich 
solche Steinberge als Grundlage von Wasserbauten. — In einigen seltenen 
Fällen ersetzte man auch den Pfahlrost durch Unterbauten von Faschinen 
oder Knitteln, welche schichtenweise mit Lehm und Kies abwechseln und 
ein sog. „Packwerk" bilden, wie sich dergl. zu Niederwyl und Wauwyl 
(Luzern) findet. Ein solches vereinfachtes Verfahren war allerdings nur in 
kleinen stillen Seen anwendbar. Niederwyl bei Frauenfeld dürfte sogar in 
einem versumpften Riedsee gelegen haben. Es ist ganz im Thalkessel ver- 
steckt und von Anhöhen umgeben, die in der Urzeit bewaldet waren. 

Nur die erste Epoche der Pfahlbaugeschichte gehört noch der vor- 
metallischen Aera an. Form und Behnndlungsweise der aus geschliffenen 
Steinen oder Knochen bestehenden Werkzeuge dieser Epoche stehen den- 
jenigen aus den Torfmooren und Dolmen Skandinaviens, Britaniens. Belgiens 
und Frankreichs sehr nahe. Indessen ist die Mannigfaltigkeit der Gegen- 
stände schon grösser und lässt erkennen, dass die Pfahlbauern neben der 
Viehzucht auch schon Ackerbau trieben, welcher den Höhlenmenschen der 
Renthierzeit noch völlig fremd war. Auch die Anfänge der Schifffahrt fallen 
in diese jüngere Steinzeit, (Vergl. den Text zu Tafel 4.) 

Die Ueberreste in den Pfahlbauten der deutschen Ostschweiz sind von 
denen der welschen Westschweiz übrigens verschieden, so dass schon für die 
vorgeschichtliche Zeit ein ethnographischer Gegensatz dieser Gebiete er- 
kennbar ist. In den Pfahlbauten des Boden- und des Zellersces findet sich 
nur Stein- und Knochengeräth, keine Bronze, kein Eisen ; statt der Feuerstein- 
beile des Nordens kommen hier solche von Serpentin, von Diorit uud Granit vor, 
und das Vorhandensein der aus don Bohrlöchern der durchbohrten Beile heraus- 
gedrehten Zapfen beweist, dass die Werkzeuge an Ort und Stelle angefertigt 
wurden. — Abgesehen von diesen primitiven östlichen Fundorten findet aber 
jedes der drei grossen Zeitalter: das der geschliffenen Steingeräthe. das der 
Bronze und endlich auch das des Eisens, seine Vertreter in der Schweiz, und 

♦) Hehii a. a. O. 



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— 27 — 



in manchen Pfahlbauten wurden Gerüthe von Stein, Bronze und Eisen gleich- 
zeitig gebraucht [5a].*) Von einigen Ansiedlungen, deren Umgebung vertorft 
ist, lüsst sich nachweisen, dass sie mehre Jahrhunderte hinter einander be- 
wohnt gewesen sein müssen. Nicht wenige weisen Reste aus römischer Zeit 
auf ; in Südfrankreich reicht ein Pfahlbau sogar bis in die karolingische Zeit 
hinauf. •*) 

Diejenigen helvetischen Seebauten, welche den Uebergang von der vor- 
metallischcn in die Metallzeit überdauerten, offenbaren einen raschen Auf- 
schwung der Kultur. Die gefundenen Geräthe zeigen dabei mehr Sinn für 
Putz und Schmuck als für kriegerische Rüstung. — Im Allgemeinen cha- 
rakterisiren also die Seedörfer Westeuropas das Ende des neolithischen Zeit- 
alters und den Uebergang zur Metallzeit, Die Völker, welche sie bewohnten, 
sind jedoch fast ganz verschwunden: nur in den Basken, Berbern und Ka- 
bylen scheinen spärliche Reste derselben überblieben zu sein.***) 

Auch vou den Pfahlbauten Oesterreichs und Mecklenburgs gehören mehre 
der Steinzeit an, während diejenigen Hinterpommerns und Brandenburgs der 
Eisenzeit, diejenigen Ostpreussens insbesondere der slavolettischen Periode 
zugehören. — Die italischen Terramaren, besonders die in Parma, Mo- 
dena und Reggio, entstammen ebenfalls nicht selten der Metallzeit. Sie 
weisen nur wenige Waffen auf; Gussformen und Schlacken aber deuten an, 
dass die Terramarenbewohner ihre Bronzegeräthe selbst zu giessen verstanden. 
Zur Zeit der Römer waren die Terramaren schon längst aufgegeben ; wahr- 
scheinlich hatten ihre Bewohner bereits den Etruskern weichen müssen; 
aber die Erinnerung an die Pfahlbauweise pflanzte sich fort. Die sehr alten 
Städte Spina und Atria im Mündungslande des Po, sowie die Wohnungen 
der Veneter, die sich mitten in Sümpfen und Wassern erhoben, waren auf 
Pfählen erbaut, f) Ein ähnliches Bild aus ganz heller historischer Zeit 
bietet Ravenna , diese alte wasserdurchströmte Holzstadt, deren Verkehr 
Gondeln und Brücken vermittelten und deren Gebäude durchweg auf Erlen- 
hölzern ruhten. -J"j-) Wie Ravenna war auch Altinum nichts als ein veredeltes 
Pfahldorf, und gleiche Kunstübung, gleiches Schutzbedürfnis rief dann später 
in den Lagunen der Brentamündung jene kleiuen befestigten Ansiedlungen 
hervor, aus denen endlich das prächtige Venedig ward, f ff ) 

Eigengeartet sind die Seebauten Irlands, welche, etwa 50 an der Zahl, 
schon früher bekannt waren als die Pfahlbauten. Es sind das die sog. 
Crannoges oder Holzinseln, Packwerkbauten von Eichenstämmen, Stein- 
aufschüttungen und eingerammten Pfählen, die entweder auf einem natür- 

*) Dbb Kärtchen de« Neuenburgersees ist Copie eines Entwurfes von Oberst Schwab 
zu Kiel, eines der ersten Pfnlilbau-Entilecker und Sammler. Im Neucnburgcrscc sind 
allein 46 Ansiedlungen entdeckt, Von den Bezeichnungen der Stationen bedeutet S- Stein- 
werkzeuge, B=-- Bronze, E=< Eisen, K^* Komische Reste. 
•*) v. Hcllwald a. a. (). 
•**) Boyd Dawkins: Cave-hunting. 

f) Strabo 5, 1, 6. 
ff) Vitruv. 2, 9, IL 
fff) Hehn a. a. 0. 



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liehen Inselboden oder zuweilen auch auf eiuein noch älteren eigentlichen 
Pfahlbau (Rost) ruhen [&].*) Die oberste Bodenschicht der Crannoges be- 
stellt meist aus losen Steinen, welche von einer theilweise auf Pfäblen 
ruhenden Mauer umgeben sind. — Auch in den schottischen Lochs kommen 
BOlche Bauten vor. Es sind uralte, aber doch schon der Mctallzeit ent- 
stammende Zufluchtsorte, welche meist auch noch in geschichtlichen Zeiten 
bewohnt wurden und in den Annalen von 848 bis 1610 wie Festungen er- 
wähnt werden. 



Weniger eigentümlich und interessant als die Wasserbauten sind die 
Landbefestigungen der Urzeit. Zu den urtümlichsten Formen ge- 
hört die der Wagenburg, eigentlich das Kriterium nomadischer Stämme: 
für sesshafte Stämme aber eröffnen vielleicht den Reigen Verhau und 
H a g. Der Verhau besteht aus Bäumen, welche derart niedergelegt werden, 
dass die Kronen nach der feindlichen Seite gerichtet sind und diejenigen 
der hinteren Reihen die Stämme der vorderen bedecken. Am Saume eines 
dichten Waldes kann man solchem Verhau besondere Festigkeit geben, indem 
man die nahe der Wurzel angehauenen und gefällten Bäume nicht ganz 
durchschlägt, sondern sie mit einem Theile des Holzes an ihren Stamm- 
enden hangen lässt. Es ist dies der sog. „natürliche Verhau". Muss man 
die Bäume dagegen von ihrem ursprünglichen Standorte fortschaffen, so er- 
hält man einen „geschleppten Verhau". — Diese noch heute üblichen Be- 
festigungsmittel werden an Widerstandsfähigkeit jedoch bedeutend übertroffen 
durch den lebendigen G r ü n h a g. Dieser besteht aus dichtverwachsenen 
Bäumen, die durch Niederbiegen und Verschränken der Aeste auf das 
Innigste miteinander verbunden sind. Auf solche Weise fand Alexander d. Gr. 
das Land der Hyrkanier verschlossen ; Cäsar berichtet von gleichen Anlagen 
im Lande der Nervier. Strabo von den Dornwällen der Meuapier. „Das 
Land der Hunnen," berichtet Theophilus von St. Gallen, „war mit neun 
Zäunen umgürtet, d. h. mit neun Hecken von Eichen-, Buchen- und Fichten- 
stämmen, je zwanzig Fuss breit." Von den reinfränkischen Anlagen dieser 
Art, den „Gebücken" [30, VI. 13] wird später noch naher die Rede sein, 
und dass auch die Sarazenen sieb solcher Hage bedienten, scheint die für 
ihre Ansiedlungen nicht selten vorkommende Bezeichnung „fraxinetum" 
zu bestätigen. (Von „frangere" = knicken.) — In weiterer Entwickeluug 
wird der Verhau zur Verpfählun g. 

Zu diesen dem vegetabilischen Materiale entnommenen Befestigungs- 
mitteln stellen sich dann die aus dem gewachsenen Boden oder dein Gestein 
gebildeten : jene höchst ursprünglichen Werke, welche in Deutschland „Hei- 
denschanzen" oder „Hünenburgen" genannt werden und auf welche in der 
Folge noch näher einzugehen sein wird jSOj. de nach der Bodenbeschaffen- 
heit bestehen die Befestigungen der Urzeit aus Erde oder aus losen über- 



*) Die oherste Linie in der Zeichnung giebt den höchsten Wasserstand an, die mittlere 
den des Winters, die untere den des Sommers. 



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einander gehäuften Steinen. Wenn es geschlossene Werke sind, haben sie 
meist runde Form; wenn sie hestimmt sind, grössere Strecken des Geländes 
zu decken , laufen sie in geraden oder gehrochenen Linien fort. — Schon 
auf ziemlich tiefer Stufe der Gesittung lassen sich drei Arten der Landbe- 
festigungen unterscheiden: ausgedehnte Ringwälle in bebautem Lande — 
die Ahnen der Städte: kleinere Ringe in Wald. Sumpf und Gebirg — die 
Vorläufer der Burgen, und endlich Grenzwälle als Anfang der späteren 
Landesmauern. 

Die Erd-Ringwälle sind entweder kreisrund oder halbmondförmig 
und von verschiedener Höhe. Der Durchmesser wechselt von 20 bis 100 
Schritten, so dass die Schanze oft kaum für 100 Mann Platz hat, bisweilen 
aber mehr als 1000 fassen kann. Die halbmondförmigen Werke sind häu- 
figer als die geschlossenen : sie liegen meist am Wasser oder an Steilhängen 
und schliessen das Mündungsdreieck zweier Gewässer oder einen Bergvor- 
sprung gegen das umgebende Land ab [80; 8, 4, 11]. - Die schwedischen 
Ringwälle, welche Hildebrand in eine Karte gebracht hat, liegen am Einlauf 
oder an den Ufern der Gewässer, an der Greuze zwischen Hoch- und Tief- 
land , folgen auch wol den alten Hardesgreuzen und zwar bisweilen in 
doppelter Reihe. — Aehnliche Bauten in Schleswig-Holstein hat Handelmann 
untersucht. Er nennt sie „Bauernburgeu" und weist nach, dass sie der 
läudlichen Bevölkerung bei feindlichen Ueberfällen als Zufluchtsort gedient. 
Diese Anlagen waren bis in die christliche Zeit im Gebrauch, und einige 
der ältesten und festesten Schlösser Schleswig-Holsteins sind auf solchen 
Burgwällen erbaut worden. — Die mecklenburgischen und preussischen 
Burgwälle erheben sich hügelartig in der Ebene uud haben bald einen läng- 
lichen, bald einen runden Umriss. Virchow hat ihren Zusammenhang mit 
älteren Pfahlbauten nachgewiesen, als deren Brückenköpfe sie vielfach ge- 
dient zu haben scheinen; ja zuweilen findet man im Grunde eines Burg- 
walles wirkliche Pfahlbauten. Namentlich bei den Wenden stehen Burgwall 
und Pfahlbau in innigster Wechselbeziehung. Aus den ersteren entwickelten 
sich dann gewöhnlich in der Folge deutsche Städte, während auf dem Pfahlbau 
vor dem Thore, in dem sog. „Kieze- die alte wendische Fischerbevölkerung, 
von den Deutschen geschieden und verachtet, sich in einer gewissen Selbstän- 
digkeit erhielt. — Eine besonders interessante Einrichtung zeigt die Pfahl- 
festung im Persanzig-See (Kreis Köslin). Auf einer Landzunge, die 
sich „in Gestalt eines Löffels" in den See hineinstreckt, ist quer über den 
Ansatz des Löffelstiels ein Graben gezogen; hinter diesem erhebt sich ein 
Ringwall, und weiter nach innen ist eine zweite Schanze aufgeworfen. Zu 
beiden Seiten der Landzunge standen im See selbst, wie die noch vorhan- 
denen Plälde deutlich zeigen, viereckige Blockhäuser ', die wieder durch 
Palisreadcn geschützt waren, welche sich in einem Kreisbogen von 200' um 
die Insel ziehen. Die ganze Befestigung war mit dem Lande durch eine 
Brücke über den Graben verbunden. Nahte der Feind auf Flössen, so hin- 
derten ihn die Palissaden, sich den Blockhäusern zu nähern, hinter denen 



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die Tnsel geschützt lag. Die Anlage nimmt eine Flüche von mehr als 
6400 qm ein. 

Die ,,Langwül le" oder ., Landwehren", (in Westdeutschland auch 
kurzweg „Gräben" genannt, weil sie meist mit einem Graben ausgestattet 
sind) finden sich besonders in Niederungen. Oftmals sind die Wälle, vor- 
nehmlich da, wo sie einen Wald durchschneiden, mit einem Grünhag, d. Ii. 
einem lebendigen Verhau, gekrönt und stellen sich dann als die schon er- 
wähnten „Baumschanzen" oder „Gebücke" dar [30; 12, IS]. 

. Das Material, welches zu den Erdwällen benutzt wurde, zeigt sich meist 
schichtenförmig über einander gehäuft. In den inneren Kesseln trifft man 
nicht selten auf Uagerspuren : Feuerstellen. Lehensmittelreste, Waffen- 
triimmer aus der Stein- und Bronzezeit; nur nahe der Ohortläche kommen 
hie und da auch eiserne Geräthe vor. Zuweilen stöst man auch auf alte 
( Msternen oder Brunnen. 

Ausser Erdschanzen sind nun vielfach St ein wälle vorhanden, von 
denen Fig. 19 eine Vorstellung giebt. [Vergl. auch 30; 5— 10J. Ihr Grund- 
riss richtet sich lediglich nach dem Terrain. Sic erheben sich gemeinhin 
auf schwer zugänglichen Punkten und oft ist ihnen ein breiter Graben vor- 
gelegt. Die Steinblöcke liegen einfach einer auf dem andern; Mörtel war 
unbekannt. Solche Steinringe sind Anlagen, welche fast allen urzeitlichen 
Völkern gemeinsam scheinen. So deuten sich auf griechischem Boden die 
„Kyklopen" als älteste bauverständigo Einwanderer an, deren Name auf 
xüx/os (Kreis) zurückführt und ..Kreisbauer 1 ' bedeutet. Die in den Mittel- 
meorländern allenthalben zur Hand liegenden Findlingssteine kamen dieser 
Bauweise entgegen, und dabei wurden stellenweis Blöcke von solcher Grösse 
bewegt, ilass die Kyklopen den Urbewohnem und den Nachkommen 
als übermächtige Riesen erschienen und als solche in der Sage fortlebten. 
Unter , Zyklopischen Mauern" verstand mau dann in der Folge den Ueber- 
gang zu höher gearteten Bauten: sie sind schon fester gefugt als die ur- 
zeitlichen Steinringe, ohne dass doch die Blöcke regelrecht behauen oder 
durch Mörtel verbunden worden wären [U], 

Auch die Bibel erwähnt der Steinringe, und Ueberbleibsel in Nord- 
afrika, auf den Inseln des Mittelmeers, in ganz Asien wie in Mittel- und 
West-Europa beweisen die weite Ausbreitung dieser Bauart. Reich an 
Steinringenbauten sind Westfalen und Rheinland; auch im Thüringerwalde, 
im Harz, in Bayern und Böhmen kommen sie vor. Besonders grossartige 
Bauten solcher Art hat aber Belgien aufzuweisen; die Steinwälle sind hier 
nicht selten 3 m hoch und ebenso breit, und meist liegen sie au so wolge- 
wählten Orten, dass sie auch noch in der geschichtlichen Zeit benutzt 
wurden: so z. B. Prilvache. Hier hatten später die Römer ein Castrum 
und hier führte das Mittelalter eine feste Burg auf. die erst im 15. Jhrdt. 
zerstört wurde. Auch auf dem Kamme des Wasgenwaldes, dieser uralten 
Völkerscheide, findet sich eine solche ., Heidenmauer", die besonders auf dem 
Odilienberge deutlieh hervortritt. — Tn Westeuropa hat der Steinringbau 



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- 31 - 



sich bis zum 10. .Tltrdt. n. Ohr. erhalten. Damals nannten die Briten solche 
Blockkreise „galgal" (ebräisch seltsamerweise „gilgal" = Kreis). 

Eine ganz eigenartige Befestigung endlich sind die sog. G lashur gen 
oder Schlackenwälle, in Schottland „vitrified forts" genanut. Sie kommen in 
der Lausitz, in Böhmen. Belgien, Bretagne, Normandie, Maine und Schott- 
land vor. Bei diesen Bauten wurde, wie man gewöhnlich die Sache erklärt, 
eine Menge von Holz, das zwischen den Stein blocken ciugeklemmt worden, 
in Brand gesteckt; durch die Hitze soll das Gestein zum Theil geschmolzen 
sein und den Bau zu einer glasigen festen Masse verbunden haben. Neuerdings 
ist allerdings dieser Autfassung entschieden widersprochen worden.*) Der 
bedeutendste „Brandwall" ist der bei Dingwall in Rossshire, welcher eine 
Höhe von 7, eine Breite von 26 und eine Länge von 88 m hat. Die Ver- 
glasung erscheint am vollkommensten zu Knock-Farril iu derselben Graf- 
schaft. — Die meisten solcher Glasburgen haben elliptische Gestalt und sind 
als Doppelwälle angelegt, so der grösste Schlackenwall in Böhmen, der vou 
Kattowitz auf der Fürsten höhe [13]. Er stellt sich als ein durch- 
schnittl. 4m hoher, an der Grundfläche 7. 5 m breiter Wall dar, der den 
Gipfel des Berges umgiebt. Sein Umfang beträgt 1160 m; ein zweiter 
höherer, gewundener Wall trennt das Innere in 3 Theile, in deren einem 
ein Rcduit liegt, welches als ein regelmässiges Viereck von 58m Breite und 
120 m Umfang erscheint. Einige Glasburgen, wie der Wall von Hastedon bei 
Namur, liegen an Punkten von grosser strategischer Wichtigkeit, andere 
auf Bergkuppen, deren Bedeutung heut nicht mehr einleuchtet und in denen 
daher Manche nur Kultusstätten sehen. 

Die Betrachtung der keltischen und altgermanischen Befestigungen wird 
noch einmal auf die Bauten dieser fernen Vorzeit zurückführen HO 



III. Die Naturvölker. 

Tafel 



Literatur. 

v. Roon: Grundzüge der Eni-, Völker- und Staatonkunde. Lpzg. 1847- -55. 

Waitz: Anthropologie der Naturvölker. Lpzg. 1858— 78. 

Schmidt: Die Anthropologie. Dryaden lKBtj. 

Wood: The natural histnry of man. London ItifiS — 7t). 

Müller: Allgemeine Ethnographie. Wien 1H73. 

Bastian: Ethnologische Forschungen. Jena 1871 — 73. 

*) Demmin sagt in dieser Hinsicht: „Wie ich schon in meiner r Encyclopedie ceramnpje" 
IxMnerkte, können nur Lava, Basalt und wenige andere Steinarten, etwa Thonschiefer u. s. w., 
durch offenes Feuer zum Schmelzen gebracht werden; doch auch diese ohne sich zu 
verbinden. (Hndb. der bildenden und gewerbl. Künste I.) 



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— 32 — 



Bastian: Geographische und ethnologische Bilder. Leipzig 1873. 
Peseln 1 Völkerkunde. Leipzig 1874. 

v. Specht: Geschichte der Waffen. Nachgewiesen und erläutert durch die Kulturent- 
wickelung der Völker und Beschreibung der Waffen aus allen Zeiten. 
II. Band. Australien und Amerika. Lpzg. 1872. 
III. Band. Afrika. Berlin u. Lpzg. 1877. 
Auf die Eiixzel-Literatur, welche mit der der Entdeckungsreisen zusammenfällt, kann 
an dieser Stelle nicht eingegangen werden, und verweise ich dafür auf die reichen Lite- 
rat urnaehweiRC des v. Specht'schon Werkes. 



Die bisherigen Betrachtungen entsprangen dem Rückblick auf die histo- 
rische Entwickelung der Kulturvölker; ganz ähnliche Erscheinungen zeigen 
sich, wenn man das Auge auf jene rückständigen Hassen richtet, welche 
noch heut als Zeugen der Vergangenheit unter uns leben, d. h. wenn man 
das Kriegswesen der Naturvölker prüft. 

Als Naturvölker werden nach dem Vorgange von Theodor Waitz 
solche Nationen bezeichnet, welche der höheren Kultur bisher fern geblieben 
oder doch nur wenig mit ihr in Berührung getreten sind und in einem selb- 
ständig entwickelten rohen Naturzustände leben, der im eigentlichsten Wort- 
sinne der Kindheit des Menschengeschlechtes entspricht. Es gehören dazu 
die Australier und Polynesier, sowie die wilden Stämme Afrikas und 
Amerikas. 

Nicht dahin kann meine Absicht gehen, hier eine vollständige Darlegung 
der Kriegstechnik dieser Völker zu geben*), sondern es kommt mir nur 
darauf an, klar zu legen, in wie hohem Masze die kriegerischen Einrich- 
tungen der Naturvölker, insbesondere ihre Waffen, denen der Völker der 
Urzeit entsprechen, anzudeuten, wie die einen zur Erläuterung der andern 
dienen, und zugleich auf die wenigen Abweichungen und Besonderheiten 
aufmerksam zu machen, welche bei einigen der Naturvölker hervortreten. 

Am längsten dem Verkehre mit andern Menschen entzogen blieben die 
Stämme Australiens und Polynesiens, und sie dürften deshalb dem 
Urmenschen noch am nächsten stehen. Dieser Niedrigkeit des Kultur- 
grades entspricht auch der Umstand, dass hier jede Spur von Erblichkeit 
der Häuptlingswürde fehlt.**) — Zur Zeit der Entdeckung befanden sich 
die Australier im Zeitalter der undurchbohrten Steingeräthe. Sie führten 
vorzugsweise Wurfwaffen. Allen gemeinsam war der Holzspeer, dessen 
Spitze zur Jagd am Feuer gehärtet, zum Fischfänge mit eingekerbten Wider- 
haken versehen und zum Gefechte mit scharfen Kieseln und Muscheln be- 
wehrt wurde. — In der Gesammtheit der Australvölker sind drei grosse 
Gruppen zu unterscheiden: die Alfuru, die Papua und die Malayen. 

Die Alfuru oder Negritos, welche auf dem australischen Festlande 
leben, stehen am niedrigsten. Nackt, höchstens mit einem Gürtel und bei 

*) Für eine solche verweise ich auf das groisartig angelegte, in alle Einzelheiten ein- 
gehende oben eitirte Werk des (tenerallietiteiiants v. Specht 
•*) Krd. Müller: Allg. Kthnographie. 



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- 33 

Kälte mit einem über die Schultern geworfenen Felle bekleidet, erscheinen 
sie auf den ersten Anblick fast thierisch. Es sind Menschenfresser, die oft 
ihre nächsten Angehörigen verzehren. Und dennoch ist ihr Bildungszustand 
gewiss das Resultat einer mehrtausendjährigen, allerdings sehr langsamen 
Kulturarbeit. Höchst merkwürdig ist ihr Manka- Verfahren, d. h. 
das Einschneiden von Abzeichen in die Haut : diese uralterthümlichste Form 
des Uniforms- und des Ordens- Wesens. Sie machen mit scharfen Muscheln 
oder Kieseln in die Haut tiefe Bisse, welche sie einige Zeit offen halten, 
so dass fingerdicke schwielenartige Narben entstehen. Solche Manka trägt 
der Australier auf der Brust, dem Oberarm, dem Rücken und den Lenden 
[1]. Jeder Stamm hat dabei seine besonderen Figuren, und die Anzahl der 
Zeichen ist ein Gegenstand des Stolzes.*) 

Als Waffen führen die Alfuru (mit Ausnahme von Bogen und Pfeil) 
, alle diejenigen, welche wir bereits bei den urzeitlichen Völkern kennen 
lernten. Höchst charakteristisch erscheinen ihre Wurfkeulen: zuerst der 
,,Waddies a , eine kurzgestielte Keule mit pilzartig verbreitertem Schlag- 
theile, die über dem Kreuze im (jürtel getragen wird [la], dann aber jene 
vielgenannte Wurfsichel, der Boumerang, welcher eine dem australischen 
Festlande ausschliesslich eigenthümliche Waffe ist [2, 3]. Der Boumerang 
wird aus Buchsbaum- oder Eisenriudenholz derart geschnitten, dass der aus- 
wärts gebogene Rand scharf und die eine Seite flach, die andere gewölbt ist. 
Die Ausbiegung der Waffe soll eigentlich noch nicht ganz ein Drittel ihrer 
Länge betragen; indessen findet man vielfach Abweichungen von dieser 
Grundform. Der Boumerang wird nun so geworfen, dass er in der Ebene 
seiner Fläche, wie auf der Luft aufliegend, um sich selbst wirbelt, wobei der 
Schwerpunkt möglichst weit ausserhalb der Axe der Drehung liegen muss. 
Man wirft und trifft damit auf 100' und weiter. Wird der Boumerang unter 
einem Erhöhungswinkel von 30 bis 45° geworfen und zwar so, dass die An- 
fangsgeschwindigkeit nach vorwärts geringer ist als die ihm ertheilte Wirbel- 
bewegung um die Flächenaxe. so kommt ein Augenblick, da die Vorwärts- 
geschwindigkeit in Folge des Luftwiderstandes aufhört, während die Wirbel- 
bewegung noch fortdauert. Dann folgt der Boumerang der Drehungsbewe- 
gung; er wendet sich, indem er zugleich langsam fällt, in einer Curve all- 
mählig rückwärts und gleitet, von der Luft getragen, annäherungsweise in 
die alte Bahn zu dem Abwerfer zurück. Es ist das natürlich nur dann 
möglich, wenn die Waffe nicht getroffen hat. — Diese Wurfsichel, deren 
Anwendung ausserordentliche Uebung voraussetzt, wird von einigen Gelehrten 
als Rest einer hypothetischen hohen Vorkultur angesprochen — gewiss mit 
Unrecht, da die Uebergangsformm, welche sie mit der Keule verbinden, in 
ihrer Heimath zu finden sind, während keine civilisirte Rasse den Boume- 
rang besitzt. Allenfalls erinnert er an den Diskos der Griechen und die 
Cateja der Gallier.**) 



♦) Wuttkc: Die Entstehung der Schrift. Lp/.*. 1877. 
**) Poggendorf'l Annahm der Physik u. Chemie. 121. Bd.. 474. 



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- .14 — 



Hauptwaffe der Alfuru ist übrigens nicht die Wurfsichel, sondern der 
Wurfspeer. Diesen entsenden sie in der Nähe aus freier Hand, auf 
grössere Entfernungen und zwar bis auf 60 Fuss entweder mit dem Wurf- 
stabe «der dem Wurfbrett 

Der Wurfstab kommt in zwei Formen vor: die erste zeigt das eine 
Ende des Stabes mit einem kleinen Haken, das andere mit einer scharfen 
Spitze von Muschel oder Stein versehen; die zweite Art weist statt dessen 
einerseits einen Knopf, andererseits ein drei bis vier Zoll langes Querholz 
auf. Bei der ersteren Art [4] wird der Wurfstock in der Weise gebraucht, 
dass der Schütz den Stock bei dem Muschel- oder Stein-Ende in die rechte 
Hand nimmt, den Speer mit der linken Hand über die rechte Schulter hebt 
und mit dem Haken des Stockes in eine Kerbe des Schaftes eingreift. 
Dann wird der Speer wie ein Stein aus der Schleuder mit dem Wurfstock 
tortgeschnellt.*) — Bei der zweiten Art legt man den Speer über der 
rechten Schulter der Länge nach so auf den Wurfstab, dass letzterer mit 
seinem Knopfe in eine Rinne des Schaftes eingreift und diesen beim ge- 
ringsten Stoss leicht herausfahren lässt. Ist nun dem Speere die ent- 
sprechende Richtung gegeben, so schnellt man ihu aus allen Kräften vor- 
wärts; dabei fährt der Wurfstock mit seinem Querholz gegen die Schulter, 
während der Speer mit grosser Geschwindigkeit fortfliegt. Bei der ersteren 
Art schiesst man weiter, bei der zweiten sicherer. — Das Wurfbrett 
[5c j**) hat ungefähr 2 Zoll Breite bei 1 Fuss Länge. In der Mitte breiter 
als nach den Enden zu geschnitten, ist es mit einem Querholze zum Ein- 
legen des Speers versehen und wird auf der Innenfläche der rechten Hand 
befestigt oder mit den drei letzten Fingern festgehalten. Man denke sich, 
dass einer unserer Finger an Länge dem Wurfbrette gleichkäme und dass, 
während wir mit Daumen und Mittelfinger den Speer hielten, jener lange 
Finger sich mit dem äussersten Gliede um das Ende des Speeres krümmte, 
so wird man begreifen, um wie viel das Wurfbrett durch die Verlängerung 
des Hebelarmes die Anfangsgeschwindigkeit des Speeres steigern kann. — Es 
lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden, ob die Australier diese Erfin- 
dung selbst gemacht oder entlehnt haben. Sie überragt an Scharfsinn die 
des Boumerang, der, obgleich er durch die Seltsamkeit seiner Flugbahn 
überrascht, doch immer ein unsicheres Geschoss bleibt, dessen Bekanntschaft 
wahrscheinlich dem Zufall zu verdanken ist. — Das Wurfbrett findet sich 
noch bei den Brasilianern, den Aleuten und den diesen benachbarten Eskimos. 
Für die Vergangenheit lässt sich sein Vorkommen bei den Altmexikanern 
durch Darstellungen auf mythologischen Reliefs und durch ein schönes 
künstlich gearbeitetes Exemplar im Christy-Museum erkennen. Die Waffe 
hiess bei den Azteken „atlatl", scheint aber zur Zeit der Kämpfe mit den 
Spaniern bereits veraltet gewesen zu sein ; denn sie wird in den Berichten 
der Conquistadoren nicht erwähnt. In der That tritt die Geschichte dieses 



•) White: Heise nach SÜ.MVrüs. 
Globus I. S. 2«9. 



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- 35 



Instrumentes in entschiedenen Widerspruch mit der von manchen Gelehrten 
aufgestellten Theorie von der Entartung der Menschheit, indem sie uns eine 
Erfindung zeigt, die lediglich dem wilden Lohen angehört und sich nirgends 
üher dasselhe hinaus erhalten hat.*) 

Die Einwohner der Inseln im Norden und Osten des australischen Fest- 
landes, die Papua, stehen bereits höher als die Negritos. Sie lehen sess- 
haft unter Häuptlingen und zeigen dadurch die Anfänge der Staatenbil- 
dung. — Bei ihnen zuerst tritt eine den polynesischen Inselvölkem eigen- 
tümliche Waffe auf, nämlich das Kriegsruder [6], ein Instrument, 
welches ebenso wol als Ruder wie als scharfe Keule dient und in den See- 
gefechten von Bord zu Bord gebraucht wird. Das Wurfbrett findet sich bei 
den Papua nicht, wol aber die W u r f s c h 1 i n g c, mit der der Speer in ähnlicher 
Weise geschleudert wurde, wie wahrscheinlich hei den klassischen Völkern 
durch das amentum**), den Wickelriemen. — Merkwürdig ist es. dass bei 
den Papüa der sonst den australischen Inselvölkern fehlende Bogen vor- 
kommt, wenigstens bei den Eingeborenen der Neu-Hebriden. Aber er scheint 
ihnen nicht ursprünglich, sondern von den Malayen überkommen zu sein; 
denn seine Bezeichnungen „fana. pena, afanga" sind offenbar dem malay- 
ischen Idiom entnommen.***) 

Unter den Schutzwaffen der Papua sind die Gesichtsmasken von 
Kokosnuss [7] merkwürdig, welche wol vorzugsweise den Zweck haben, sich 
bei Feindseligkeiten unkenntlich zu machen. Darauf, dass man dergleichen 
auch im klassischen Alterthume gebraucht habe, scheint der von Schliemann 
in Mykenai gemachte Fund mehrer Goldmasken hinzudeuten. (Vergl. den 
Text zu den Tafeln 10 und 11.) 

Sehr verschieden von den wilden und rohen Stämmen der Alfuru und 
Papüa erscheinen die Malayen, eine Völkergruppe, welche die östlichen 
äusseren Inselreihen des eigentlichen Polynesiens bewohnt. Die Malayen 
sind sanfter und zugänglicher, stehen auf einer weit höheren Bildungsstufe 
und haben bereits geregelte Staaten entwickelt. Trotz jener verhältnis- 
mässigen Sanftheit gilt auch ihnen der Krieg für die edelste Thätigkeit, zu 
der sie sich am reichsten schmücken. Statt der Manka der festländischen 
Australier bedienen sie sich der Tatuirung, des Punktirens der Haut, um 
die Vorstellungen von Stammesangehörigkeit, Auszeichnung, Würde und 
Rang ihrer Krieger zur Anschauung zu bringen. Tatuirung wird durch 
tapfere Thaten erworben und gewährt, wie gewisse Orden, berühmten Kriegern 
Vorrechte. Häuptlinge machen das Andenken an einen von ihnen siegreich 
geführten Feldzug auf ihrer eigenen Haut für die Folgezeit sichtbar. Bei 
den nukahivischen Typies, unter denen Melville lebte, war, seiner Aussage 
nach, ein grosser Held „der am schönsten tatuirte und am mühsamsten 

*) Tylor: Primitive Culture. 

**) Dem „amentum" ähnelt wnl auch jene» peitschenartijre Instrument, welches in Neu- 
seeland zum Speerwerfen benutzt wirtl, sowie die von Cook „hecket" genannte Wurfsclinur 
der Neu-Hebriden. (Versrl den Text zu den Tafeln 10 und II.) 
***) Tylor a. a. U. 

3* 



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entstellte Mensch im ganzen Thale". {14. Zeichnung G. H. v. Langsdorffs in 
seinen Bemerkungen auf einer Reise um die Welt. 1803 — 1807. | Die Neu- 
seeländer bedienen sich zum Tatuiren besondere gearteter Meisel von Gräten 
oder hartem Holze; Andere haben kammartige Instrumenta; das bei jedem 
Schlage oder Einstiche vorquellende Blut wird sorgfältig abgewischt und 
dann das flüssige Färbemittel eingerieben.*) 

Den Uebergang von den Papüa zu den Malayen bilden die Fiji-In- 
sulaner, welche vorzüglich Pfeilschützen sind [9|. Sie tragen als Kopf- 
schutz die Sala. zu der fast jedes einzelne Haar künstlich gekräuselt und 
die ganze Masse zu einem dichten abstehenden Wulst geformt wird, der dann, 
mit einem feinen Tapatuche turbanartig über Stirn und Hinterkopf ge- 
wunden, dem Kopf selbst gegen Keulenschläge nicht unerheblichen Schutz 
gewähren soll. — Für den Krieg bemalen sie den Körper roth und schwarz, 
und bei all' ihren Festen werden Waffenspiele aufgeführt, besonders der 
Keulentanz, wobei sie mit den schönsten Waffen prangen. Viele Malayen, 
insbesondere auch die Bewohner des Karolinenarchipels, führen 
Streitäxte von Stein, welche durchaus denen der prähistorischen Völker 
Europas entsprechen [8]. — Als ächten Kernschlag der Malayen kann man 
die Bewohner des Nukahiwa- Archipels betrachten. Ihre Haupt- 
waffe war die Langkeule, die etwa 10 Pfund schwer und 5 bis 6 Fuss lang 
ist [13]. — An sonstigen Trutz-Waffen der Malayen sind erwähnenswerth : 
die mit Haifischzähnen oder Muschelschalen geschärften Holzschwerter [15]. 
die Handkolbeu, gewöhnlich „Patu-Patu" genannt, welche in den mannig- 
fachsten Formen aus hartem Kusuarinholz, Horn oder Fischbein hergestellt 
werden [11, 16], sowie endlich Wurfspeere mit mehren widerhakigen Spitzen 
f 14-"). Speerklingen bestehen aus Holz, Muscheln, Steinen, Horn, Gräten 
oder den Schwänzen der Stachelrochen. — Bei den Malayen zuerst treten 
Formen der Schutzwaffen auf, die sich denen der Europäer nähern: so 
Helme, welche, aus einer am Kopfende aufgeschlitzten Igelfischhaut gebildet 
sind [12], und Brustharnische, die aus Baststrängen zu festen, steifen 
Kürassen geflochten werden [10], In Herstellung dieser Schutzwaffen zeichnen 
sich besondere die Bewohner des Tarawa- Archipels aus, welche überdies 
Panzerjacken und Panzerhosen aus Kokosnussfaserschnüren knüpfen. 



Der Grundzug des afrikanischen Welttheils ist Unwegsamkeit. 
Es fehlt an Halbinseln, an aus- und einspringenden Winkeln und an auf- 
schliessenden Strömen. Selbst den Nil nicht ausgenommen, nehmen alle 
grossen Flüsse Afrikas als Verkehrestrassen einen niedrigen Rang ein. Ob- 
gleich der Niger dichtbewohnte Gebiete durchströmt, belebt ihn dennoch 
kt ine nennenswerthe Schifffahrt. Zu dieser nautischen Verschlossenheit 
Afrikas gesellt sich die Unwegsamkeit grosser Binnenräume. Der Wüsten- 
gürtel, welcher sich <|uer durch den Norden des Festlandes von Meer zu 

*) Wuftke a. a. t>. 



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Meer verbreitet, scheidet den Welttheil für die Gesittungsgeschichte in zwei 
streng gesonderte Gebiete , von denen das nördliche au dem Bildungsgänge 
der mittelländischen Völker theilnahm, während das südliche den Natur- 
völkern gehört. Immerhin hat aber ganz Afrika durch die Landvcrbindung 
mit Arabien und Kleinasien Kulturbeziehungen genossen, wie sie Australien 
und namentlich Alt-Amerika völlig versagt blieben, und als die vornehmste 
Wirkung dieses Umstandes ist es anzusehn, dass die Kenntnis vom Aus- 
schmelzeu der Eisenerze und ihrer Verarbeitung sich durch den ganzen 
Welttheil verbreitet hat. Wo auch immer Reisende in's Innere gedrungeu 
sind, da haben sie die Eingeborenen bereits im Eisenalter gefunden. Jene 
Verbindung mit Asien hat ferner die Folge, dass in Centraiafrika höhere 
Kulturzustände herrschen, als au der atlantischen Küste. Die Portugiesen 
fanden in Guinea nur rohe Horden , während binnenwärts am Niger schon 
grosse Reiche zertrümmert worden und neue verjüngte entstanden waren.*) 

Die Naturvölker Afrikas zerfallen ethnographisch iu die Hotten- 
totten mit den Kaffem, die Neger und die Aethiopier. der Kultur nach in 
Jäger, Hirten und Ackerbauer. Damit hangt dann unmittelbar auch ihre 
Bewaffnung zusammen. 

Den Uebergang vom umherstreifenden Jagdleben zur Zähmung und 
Weide der Thiere und den weiteren Fortschritt von der nomadischen Frei- 
heit zur Ansässigkeit kann man sich gar nicht langsam und schwierig genug 
denken. Der Jäger durchstreifte die Wälder mit Bogen und Pfeil oder 
dem steingeschärften Spiess für Stoss und Wurf; die Anfertigung dieser 
Waffen war seine einzige Sorge. Glückte es ihm, einen wilden Stier zu 
erlegen, dann genoss er tagelang ein schwelgerisches Freudenfest. Diesen 
selben Stier oder die Wildkuh einzufangen, aufzusparen, an Nachfolge zu 
gewöhnen, das Kalb aufzuziehen, die Heerde auf der Weide zu bewachen, 
die Kuh zu vermögen, sich ruhig melken zu lassen — welch' eine Reihe 
umständlicher, einengender, regelmässiger Verrichtungen! Um sich dazu 
herbeizulassen, musste die Jagd ganz unergibig geworden und eine Aus- 
wanderung unmöglich sein. Sobald sich die Gelegenheit bot, war der Rück- 
fall in das freie Jägerleben unausbleiblich. — Wie gross aber musste erst 
die Noth sein, bevor der Hirt sich entschloss, den Weidegrund aufzugraben, 
ihn zu besäen und so sein Leben an eine bestimmte Stelle der Welt zu 
fesseln, wie ein Gefangener! Fiel der Drang der Umstände weg. so wandte 
er sich gewiss wieder freudig dem freien Wanderleben des nomadischen 
Hirten zu. Nur dann, wenn die neue Lebensart durch Zwang lange auf- 
recht erhalten wurde, gewöhnten die Menschen sich generationsweise hinein**), 
und mit ihr gewöhnten sie sich an neue Waffen. Hottentotten und Busch- 
männer gehören zu ein und derselben scharf gesonderten Familie: aber die 
Hottentotten sind Hirten, die Buschmänner Jäger; jene bedienen sich daher 
mit spärlichen Ausnahmen nicht mehr des Bogens, der bei den Busch- 



*) Pesch el: Völkerkunde. 
**) Hehn a. a. O. 



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iniinneru die einzige Waffe ist. Bei den Viehzucht treihenden Negern am 
Weissen »Nil, wie bei den Schilluk und den Nuer, sind Keule, Lanze und 
Schild im Gebrauch ; bei den schwarzen Jügervölkern, wie bei den Kitsch-. 
Dschur- und Moro-Negern, herrschen Bogen und Pfeil. Ausnahmsweise traf 
Schweinfurth bei den merkwürdigen Munbuttu am Uellc Schild und Speer 
neben Bogen und Pfeil; aber er hebt ausdrücklich hervor, dass eine solche 
Vereinigung von Waffen in den Negerlanden äusserst selten sei.*) 

Die Hottentotten, welche den Süden Afrikas erfüllen, sind eine 
sehr niedrige Menschenart. Waitz bezeichnet sie als ..übertriebene Neger" 
[17]. Am tiefsten steht der Zweig der Buschmänner, Horden, die fast aus- 
schliesslich Bogeu und Giftpfeil als Waflfe führen und ohne jede staatliche 
Vereinigung dem Raube und der Jagd leben. Die eigentlichen Hotten- 
totten waren zur Zeit der Entdeckung Rinderhirten und von altersher im 
Abrichten der Reitochsen geübt. Wie alle Afrikaner verstanden sie, Eisen- 
erze auszuschmelzen und zu verarbeiten. Sie führen Messer, Wurfspeer, 
Bogen und Wurfkeule (Kiri) [18]. Als Schutzwaflfe kommen bei ihnen 
Parirstöcke vor, die etwa 3 Fuss lang sind und mit denen sie nicht nur Wurf- 
speere, sondern sogar Pfeile und Schleudersteine abzuwenden verstehen. 

Nördlich und nordöstlich von den Hottentotten wohnen bis zum Aequator 
hin die Kaffern, deren Stämme unter erwählten oder erblichen Ober- 
häuptern stehen. Zu ihnen zählen auch die Bctschuanen |19|. Als ihre 
vorzüglichsten Waffen erscheinen Wurfkeulen, Spiesse und Schilde. Erstere, 
die Kiri, sind 1,5 bis 2,5' lang und gehen in einen Kolben aus |19a); die kost- 
barsten werden von Rinozeroshorn gemacht. Den Schaft des 4 bis 6' laugen 
Speers 1 19c* ] bilden die Kaffern aus dem schlanken Stamme des Hassagaicn- 
holzes, und wird danach die Waffe auch kurzweg „Hassagaie" genannt. Die 
zweischneidige Speerklinge ist von Eisen geschmiedet. Die Schilde schneidet 
man gewöhnlich aus dem Rückenstück einer ungegerbten , doch gehärteten 
Büffelhaut oder aus Elefantenhaut |19d|. Die Betschuanen pflegen ihre 
breiten dünnen Messer in geschmückten Scheiden sowie den dazu gehörigen 
Schleifstein an einem Riemen um den Hals zu tragen |19b|. — Diejenigen 
Betschuanen, welche einen Feind erschlagen haben, lassen sich zum Andenken 
beim Siegesfeste vom Priester einen langen Schnitt in den Oberschenkel machen. 
Lichtenstein sah Männer mit 5, G, einen sogar mit 1 1 solcher Einschnitte. — Der 
Stamm der Maravi am unteren Nyassasee führt einen Bogen, der sich vom 
Pfeillagor aus nach beiden Seiten flügelartig Ins auf 18" verbreitert [20J, um, 
wenn der schussfertige Mann ihn senkrecht vor sich hinhält, zugleich den 
Nutzen eines Schildes zu gewähren. Doch will Livingstone. der die Waffe 
beschreibt, niemals „Schildbogcn" geschu haben, welche die Spur eines 
feindlichen Pfeiles getragen hätten. 

Nord- und nordwestwärts der Kaffervölker breitet sich bis zum Südrandc 
der Sahara die Neger weit aus, bei deren mannigfaltigen Stämmen die Ein- 
wirkung der nördlichen Kulturvölker gerade in Bezug auf Bewaffnung und 



*) Pesch cl: Völkerkunde. 



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- 3ü 



Kriegführung vielfach schlagend hervortritt. AVird doch /.. B. hei den Ne- 
gern von Aschanti, Dahome. Senegainbien und besonders im Sudan das 
Pferd zum Kriege gebraucht, wovon bei den bisher besprochenen Natur- 
völkern keine Rede war. Eisen trafen die Portugiesen sogar schon bei 
den Küsten-Negern des AVcstens an. und alle Pfeilspitzen, Speerklingen. 
Messer, Schwerter und Aexte werden aus diesem Metalle hergestollt. Die 
Kriegsmacht Aschantis und noch mehr diejenige Dahomes gewähren von 
allen Naturvölkern allein die Erscheinung stehender Heere, welche einen 
mächtigen Fortschritt in der staatlichen Entwickelung dieser Länder er- 
kennen lässt. Daneben aber bietet Dahome noch das ganz eigenthümliche 
Bild einer 6000 Köpfe starken A m a z o n e n t r u p p e , deren weiblicher Ober- 
befehlshaber in hohem Ansehn steht und die sich wiederholt brav geschlagen 
hat. Für dies merkwürdige Corps, welches den Namen ..AVeiber des Königs'* 
führt, werden im ganzen Lande dio kräftigsten und hübschesten jungen 
Mädchen ausgehoben. — Auch Neger haben den Brauch, das Stamm- 
zeichen ihrem Körper einzuverleiben, und zwar geschieht dies bei einigen 
Völkern durch Einschnitte (Manka), bei andern durch Punktirung (Tatu- 
irung). In einem Theile von Guinea hat jede Gegend, ja jeder einiger- 
massen bedeutende Ort sein besonderes Abzeichen, das alle Eingeborenen 
an sich tragen. Um diese Wappen recht auffällig hervortreten zu lassen, 
bringen die Neger (wahrscheinlich durch Einreiben vou Sand in die Wunde) 
künstliche AVarzen hervor. 

AVahrend Reisende in anderen AVelttheilen viel von fremdartigen AVerk- 
zeugen und Waffen zu berichten wissen, bleiben sie über Afrika sehr 
schweigsam. Die Neger namentlich besitzen in hohem Grade Gabe und 
Neigung, sich fremde Gesittungsschätze anzueignen; dagegen sind sie an 
eigenen Erfindungen äusserst arm. Alle Gerätho und Waffen der Neger 
kommen auch anderwärts vor. Allenfalls wäre als eigenthümlich eine AVurf- 
sichel zu erwähnen, welche sowol die Stämme des Nilgebiets als die Hoch- 
plateau-Neger führen und welche von den Niam-Niam „Trumbusch 4 ' oder 
..Kulbeda" genannt wird \'2'2\. Es sind gekrümmte zweischneidige Eisen- 
klingen mit schmalem Stiel. Da wo der letztere ansetzt, ragt eine zweite 
zackige kleinere Klinge hervor, und zuweilen ist dicht über dem Handgriff 
noch eine dritte gespaltene Klinge angebracht. Diese AVaffen werden sowol 
zum Wurfe wie im Handgemenge gebraucht, und ihre Zacken dienen theils 
zum Pariren der feindlichen Hiebe, theils, heim Schlagen und AVerfen, zum 
>2inkeilen in den Körper des Gegners. Der Trumbaseh wird horizontal ge- 
worfen . so dass er im Fluge beständig um sich selbst wirbelt ; er ist eine 
gefürchtete AVaffe, und gehört zu seiner richtigen A'erwerthung wie zu der 
des australischen Boumerang viel Uebung. Als Repräsentanten der edelsten 
Negervölker darf man die Hochplateau-Neger vom Stamme der Niam-Niam 
betrachten |21|. 

Die Aethiopier. welche als Nubier, Abyssinier und Galla das weite 
Gebiet des oberen Nil und einen grossen Theil der Küstengebiete des in- 
dischen Ozeans bewohnen, bilden deu Uebergang zu den mittelländischen 



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Kulturvölkern. Ihre Lieblingswaffen sind der Stossspeer und der reich 
verzierte metallbeschlagene Schild. Die von ihnen geführten Streitkolbcn 
entsprechen genau altägyptischen Formen [24]. 



Die Eingeborenen Amerikas zerfallen in die Jägerstiimme und 
die Kulturvölker. Hier kann nur von den ersteren die Rede sein. 

Die .Jagd bedingt eine weite Zerstreuung in kleine Horden, und auf 
den Grasebenen im Süden wie im Norden Amerikas sucht man vergeblich 
nach den gesellschaftlichen Erscheinungen, die in der alten Welt auf ent- 
sprechenden Länderräumen überall hervortreten. Eigentliche Viehzucht kam 
in Amerika ebenso wenig zur Geltung wie der Ackerbau. Das reine Jäger- 
leben aber ist unfähig zum Aufschwünge in höhere Kultur; seine unaus- 
bleibliche Folge sind niemals endende Fehden um die Jagdgründe. Dennoch 
lassen sich auch hier Verschiedenheiten erkennen. Die rohesten Stämme 
der HudsonsbaUBezirke stehen immer noch höher als etwa die Botokuden 
Brasiliens. Bei den Jägerstämmen Südamerikas hat man keine Spur von 
Bergbau angetroffen, während die ersten Entdecker bei den Eingeborenen 
der jetzigen Vereinigten Staaten eine Menge kupferner Geräthe fanden. Die 
wichtigsten Gruben, denen sie dies Metall entnahmen, lagen am Erie-See. 
Hier löste man das gediegene Kupfer mit Steinwerkzeugen und formte es 
durch Hammerschläge. Im Norden vereinigtön sich auch die einzelnen 
Stämme bereits zu Bundesgenossenschaften und beobachteten gewisse völker- 
rechtliche Satzungen, wie z. B. die, dass ewiger Friede auf dem geheiligten 
Gebiete der Brüche des rothen Pfeifeusteiues herrschen solle. Dergleichen 
war östlich der Cordilleren Südamerikas unerhört. Am weitesten vorge- 
schritten erwiesen sich diejenigen Stämme des Nordens, die zunächst dem 
westindischen Meere wohnten. Hier hat es sogar volkreiche stadtartige 
Ortschaften gegeben. 

Die Kriegführung der Indianer suchte weniger durch offene 
Feldschlachten zu wirken, als durch listige Ueberfälle. wie sie mit Kriegs- 
haufen von einigen hundert Köpfen ausgeführt werden können. Doch gab 
es auch regelrechte Volkskriege, bei denen durch ein völkerrechtliches 
Symbol, z. B. eine roth bemalte Streitaxt, die förmliche Kriegserklärung 
erfolgte. Beim Friedensschlüsse wurde der Tomahawk begraben und die 
Friedenspfeife geraucht. Wie andere Naturvölker so tatuirten auch die 
amerikanischen Indianer ihr Stammwappen (Totem) in die Haut. 

Die Waffen der Rothhäutc waren Keulen und Streitkolben, Toma- 
hawks, Holzhämmer. Skalpirmesser. Lanzen und Wurfspiesse. Bogen und 
Pfeile mit Köchern, sowie endlich Blasrohre. Als charakteristische Waffe 
aller nordamerikanischen Krieger ist der Tomahawk anzusprechen [27|; 
denn bei keinem andern Volke der Welt hat die Streitaxt eine solche Be- 
deutung nicht nur im Kampfe, sondern auch im öffentlichen Leben gehabt, 
wie bei den Rothhäuten. Sie wird in besonders schönen Exemplaren als 
auszeichnender Schmuck grosser Häuptlinge betrachtet, ähnlich etwa unsern 



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Ehrendegen; sie wird mit den Skalpen als Siegestrophäen behangen [28J 
und folgt dem Krieger in's Grab, um seinen Ruhm auch im Jenseits zu 
bezeugen. Es giebt nur ein Instrument, das dem rothen Manne ebenso un- 
entbehrlich und ebenso ehrwürdig ist wie die Streitaxt, nämlich die Tabacks- 
pfeife, und daher wurden beide Gegenstände auch gelegentlich zu Einem 
Stücke vereint, wobei der Axtstiel als Pfeifenrohr diente [29]. Die steinernen 
Tomahawks der alten Zeit [26 J entsprechen genau den in europäischen 
Gräbern und Pfahlbauten gefundenen Steinäxten. — Wie der Tomahawk 
so fehlt dem Indianer auch selten das Messer, um dem erlegten Feinde 
die Kopfhaut zu nehmen [30, a und b]. Die Sitte des Skalpirens ist 
mit ganz geringen Ausnahmen allen amerikanischen Stämmen gemein und 
so tief eingewurzelt, dass sich die Krieger eine besondere Skalplocke wachsen 
lassen, um ihrem Ueberwinder das Geschäft zu erleichtern. Der Krieger 
trägt das Skalpirmesser in einer Scheide um den Hals. Er tritt mit einem 
Fusse auf den Nacken des Gefallenen, ergreift dessen Kopfhaar, wickelt 
es fest um die linke Hand, zieht mit der Rechten das Messer, macht einen 
etwa handgrossen Kreisschnitt um die Hirnschale und streift die Haut ab, 
wobei er den gellenden Todesschrei „sasa-kuon M ausstösst. Für jeden ge- 
nommenen Skalp darf der Krieger eine Adlerfeder im Haare tragen. — 
Die in den Gräbern der Vorzeit gefundenen Messer bestehen aus Feuer- 
stein. Quarz oder Obsidiau. Dasselbe gilt von deu Lanzen klingen und 
Pfeilspitzen. Der Bogen ist selten aus Horn, meist aus einem im 
Feuer gehärteten Holze gebildet [83]. 

Unter den Schutzwaffen der nordischen Rothhäute ist die vornehmste 
der Schild, der aus Flechtwerk oder Rinde hergestellt, bunt bemalt und 
mit Fellen und Federn verziert wird [81]. 

Zur Veranschaulichung besonders charakteristischer Stämme stellt Fig. 25 
einen Irokesen, Fig. 33 einen Otton-Krieger dar. 

Vor der Einführung durch die Europäer gab es bekanntlich in Amerika 
keine Pferde. Um so merkwürdiger ist es, dass in der Folgezeit viele 
Indianerstämme geradezu Reitervölker geworden sind und fast ausschliesslich 
im Sattel leben. Eine indianische Reiterausrüstung stellt Fig. 32 dar. 

Nur wenig Bemerkenswerthes bleibt von den südamerikanischen 
Naturvölkern zu berichten. Sie leben meist vom Ertrage der Jagd, 
und ihre Hauptwaffen sind Bogen, Wurfspiess und Blasrohr. — Die meist 
aus Palmenholz hergestellten Bögen zeichnen sich durch ihre ganz un- 
gewöhnliche Grösse aus, die bis zu 10' steigt. Sie sind nur leicht ge- 
krümmt, aber derart geschnitten , dass wenn die Schnur zum Schuss an- 
gezogen wird, die Waffe sich zum Halbkreis biegt. Mit diesen starken 
Bogen treffen die Indianer auf 80' sehr sicher. Die Pfeile haben einen 
Rohrschaft und Spitzen von gehärtetem Holze, Knochen oder Fischgräten. 
Nicht selten kommen auch Harpunenpfeile mit Widerhaken vor, und viele 
Stämme vergiften die Spitze. Die Kriegspfeile werden auf beiden Seiten 
etwa 1' lang gefiedert, und zwar muss die Befiederung derart angebracht 
sein, dass sie mit der Breite der Spitze iu einer Ebene liegt [34 a und b|. 



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Wurfpfeile oder Wurfspiesse schleudern mehre südamerikanische Stämme, 
gleich den australischen Alfuru, mittelst des Wurfbrettes, welches sie 
^Estolica" nennen [35J. Dies aus leichtem Holze bestehende Instrument ist 
etwa 2' lang und am einen Ende mit einem Knochenhaken, am andern mit 
einem Griffe, auf der Fläche aber mit einer Kinne zur Aufnahme des Ge- 
schosses versehen. Der Werfende fasst den Speer mit der ausgestreckten 
linken Hand möglichst nahe der Spitze, hält mit der andern Hand die 
Estolica über der rechten Schulter, Rinne und Haken nach oben gekehrt, 
bringt den Speer in die Rinne, den Speerfuss an den Haken, zielt und 
schleudert dann mit der Rechten ab. — Sehr viele Horden gebrauchen das 
Blasrohr mit vergifteten Bolzen. Das Rohr selbst [9$], „Sarabatana 4 * 
odor „Esgravatana", ist 10 bis 12' lang, wird aus Schilfrohr hergestellt und 
mit einem genau passenden Futteral von Palmholz umgeben; die Enden 
schützen überdies noch besondere Einfassungen. Die Bolzen fertigt man 
aus Palmholz oder den Mittelrippen der Palmblätter, spitzt sie mit Fisch- 
gräten zu und tränkt sie gewöhnlich mit dem furchtbaren Urarigifte, das, 
wenn es in's Blut kommt, binnen wenigen Minuten tödtet. Dies Gift, 
welches die Indianer aus der Rinde der Strychnos taxifera bereiten , wirkt 
dadurch, dass es die Thätigkeit der Bewegungsnerven aufhebt. Vor andern 
Waffen besitzt das Blasrohr denselben Vorzug wie die Hinterlader, d. h. 
man kann, mit geübter Hand, in einer Minute eine ziemliche Anzahl von 
Geschossen versenden ; da aber deren Tragkraft nur von den Muskeln des 
Brustkorbes herstammt, so ist ihre Perkussionskraft natürlich sehr 
schwach, und daher bedarf es des Giftes, wenn der Bolzen wirken soll; 
dieser also ist nur der Träger, das Gift die eigentliche Waffe. 

Die Indianerstämme Süd- und Nord-Amerikas hatten keine Geschichte 
wie die gar nicht so fern von ihnen blühenden Staaten in Peru, Mexiko, 
Guatemala und Yukatan, und die spanischen Entdecker genossen das selt- 
same Schauspiel, die Kultur der geschichtslosen und vorgeschichtlichen Zeit 
der einen Völker in das historische Zeitalter der anderen hineinragen zu 
sehn und beide mit dem Geschichtsleben der Europäer in eine plötzliche 
Verbindung zu bringen. 



IV. Kriegsbauten der Naturvölker. 

Tafel 4. 

Literatur wie hei Tafel 3. 

Die Kriegsbauten der Naturvölker, Befestigungen wie Schiffe, stellen 
sich unmittelbar zu denen der Völker der Urzeit. 

Die P a p ü a erregen ein besonderes Interesse durch ihre. P f a h 1 b a u t e u , 
welche in vieler Hinsicht denen der schweizerischen Seen entsprechen. 
Dumont d'Urville hat in dein seiner Reisebeschreibung beigelegten Atlas 



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(1854) einen Prachtbau dieser Art dargestellt [$], — Besondere Aufmerksam- 
keit wendeten die Fiji dem Befestigungswesen zu. Sie zogen Kanäle und 
Gräben zum Schutze ihrer Ortschaften, in denen sie Mundvorräthe für lange 
Zeit (angebl. für 4 Jahre) aufspeicherten ; sie legten auf schwer zugänglichen 
Orten Zufluchtsplätze an, die sie mit Wall, Palissadirung und Graben um- 
gaben und so tapfer vertheidigten , dass der Feind, wenn ihm ein erster 
überraschender Anfall mislungen war, selten den Sturm versuchte. Auf 
demselben Standpunkte befinden sich die eigentlichen Malayen. Mit Vor- 
liebe wenden sie Verhaue an und streuen vor den Gräben Fussangeln aus, 
die aus Knochen bestehen, deren scharfe Spitzen vergiftet sind. — Die be- 
festigten Dörfer (Heppa), welche Cook 1767 in Neu-Seeland antraf, lagen 
entweder mitten im Wasser oder auf Vorgebirgen und steilen Felsen. Ihre 
Umfassungen bestanden aus Baumstämmen von etwa 3m Höhe, die durch 
starke Weidenruthen verflochten waren. Davor lag ein Graben, so dass nicht 
selten Eskarpen von 7 m Höhe entstanden. Hinter der Verpfählung waren 
Gerüste aufgebaut, von denen herab Steine und Geschosse geschleudert 
wurden. Zuweilen lagen auf den Höhen mehre solcher Vertheidigungsbauten 
hinter- und übereinander. 

In Afrika erscheinen bedeutende Befestigungen bei den Hochpla- 
teau-Negern. Während im Süden und nach den Küsten zu die Dörfer 
in dichten Wäldern mit versteckten Zugängen liegen oder auf Anhöhen, die 
mit Dornhecken, Palissaden und Verhauen umgeben sind, kommen in Fun- 
bina (jetzt Andamana) schon grosse Städte mit Umwallungen vor, deren 
z. B. eine, Rei, wie Barth berichtet, einmal drei Monate lang kräftigen 
Widerstand zu leisten vermochte, was auf wolgeordnetc Vertheidigung 
schliessen lässt. Auch die Guinea -Neger umgeben ihre Städte mit 
Gräben und Palissaden oder Erdmauern : dabei halten sie die Thore so 
schmal und niedrig, dass sie nur Mann für Mann und nur dem gebückten 
Reiter Durchlas» gewähren. — Die Bassaneger auf der Insel Loko im 
Benue beziehen zur Zeit der hohen Wasser Pfahlbauten [4], die des Ver- 
gleiches wegen interessant sind, denen jedoch ein fortificatoriseher Charakter 
nicht zukommen dürfte. Auch im Tschad-See und vorzugsweise im Gebiete 
des oberen Nil finden sich dergleichen Bauten. — Der von niedrigen Wald- 
bergen umgebene Mohrya-See enthält drei Pfahldörfer und einige zerstreute 
Pfahlhütten. Diese stehen auf einer Plattform, welche 6' über dem Wasser- 
spiegel liegt und von starken in den Grund gerammten Pfählen getragen 
wird. An demselben See fand Cameron Dörfer, welche ganz im Dickicht 
versteckt lagen , so dass nur ein äusserst enger gewundener Pfad durch die 
heckenartig verwachseno Pfianzenmasse führte; dann kam ein Tunnel von 
schräg gegen einander gestellten Balken, durch den man fast auf allen 
Vieren durchkriechen musste und der bei feindlichen Angriffen durch eiuo 
Art Fallgatter geschlossen werden konnte. — Die Dahomßs und Aschantis 
richten ihre Lager mit Wall und Graben zur Vertheidigung ein und be- 
festigen mit gleichen Mitteln auch die Städte. Namentlich Abome, die 
Hauptstadt Dahomes, umgiebt ein breiter tiefer Graben und eine 20' hohe 



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Matter von gestampftem Lehme. Vier Thore, die mit Plankenflügeln und 
eisernen Riegeln verschlossen werden, gestatten den Eintritt nur über Brücken. 
Andere Städte und Dörfer (Krums) sind auch wol mit dichten Dornhecken 
eingcfasst, zu deren Uebersteigung daher die Amazonen Dahomes besondere 
eingeübt werden. — Bei den Festungen der Sudän-Völker kommen 
Lehmmauern bis zu 50' Höhe vor, zu deren Brüstung Stufen emporführen. 
Es erscheinen Zinnen und zuweilen sogar an den vorspringenden Ecken 
Thürme. Die Thore sind nicht selten dreifach augelegt (sog. „Sanko-n- 
Birni) und so eng, dass ein beladenes Kamel kaum passiren kann. Gleich- 
artige Anlagen finden sich bei den Beduinen; denn hier im Norden Afrikas 
ragen offenbar schon seit uralter Zeit mittelländische, insbesondere ägyp- 
tische Einflüsse in das Leben der Wüstenvölker herein. 

In Südamerika mangeln Baureste östlich der Anden durchaus. Von 
ganz eigentümlichem Interesse sind aber die Befestigungsanlagen der 
alt amerikanischen Naturvölker des Nordens, jene räthselhaften 
Erdwerke . welche im Mississippigebiete den Rückblick auf ein namenloses 
verschollenes Volk erschlossen haben. Spärlich in den Neu-Englandstaaten 
und selten im Westen des Mississippi, finden sie sich am dichtesten am Ohio 
und erstrecken sich vom Oberlaufe des Missouri und den grossen Seen nach 
Süden auf beiden Abhängen der Alleghanies bis nach Florida. Mau un- 
terscheidet „Mounds" (Hügel) und „Enclosures" (Einfriedigungen). Die 
Mouuds sind entweder in Pyramidenform erbaut, oder ihr Grundriss bildet 
die Contouren einer Thiergestalt nach: eines Adlers, eines Bären, einer 
Schlange [1]. Thrc Höhe wechselt von 2 bis 30 m. — Die Enclosures zeigen, 
im Gegensätze zu den theilweis phantastischen Formen der Mounds, streng 
mathematische Grundrisse : Vierecke in Kreisen oder in Oblongen, kleinere 
Quadrate in grösseren — Alles sehr symmetrisch [2J. Die Durchmesser 
dieser Anlagen wechseln von 10 bis 100 m. die Erdaufwürfe sind selten höher 
wie 1 bis 3m; Gräben fehlen ganz oder, wo sie vorkommen, liegen sie inner- 
halb der Wälle, eine Erscheinung, die sich auch bei neueren Indianerver- 
schanzungen wiederholt. Es macht den Eindruck, als wenn diese Einfrie- 
digungen Wohnorte umschlossen hätten . während die Mounds eigentliche 
Festungen, einige von ihnen auch wol Tempelstätten waren. Zuweilen 
kommen auch gedeckte Wege bei solchen Anlagen vor, und nicht wenige haben 
erstaunliche Ausdehnung. So nimmt eine einzige die Fläche von 4 engl. 
Quadratmcilen ein. — Die Enclosures liegen allemal auf flachen, sorgfältig 
ausgewählten Flussterrasson , die unregelmässigen Mounds, denen man auf 
den ersten Blick ansieht, dass sie zur Verteidigung gedient, sind dem 
Grund und Boden angepasst und laufen die Hügclabhänge entlang, oder sie 
sichern Punkte des Geländes, deren Besitz für tüe Beherrschung desselben 
von Wichtigkeit ist. Die grössten und eigenthümlichsten Werke findet man 
an der Vereinigung der Flüsse, z. B. an der Mündung des Muskiegum in 
den Ohio, am Grave Oreek, an der Mündung des Scioto bei Portsmouth. 
Hin und wieder liegen Vertheidigungswerke auch auf den Gipfeln der Hügel, 
und da, wo sie terrassenförmig angelegt sind, leiten Strassen und Stufcn- 



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wege von einem Theile der Anlage zum andern oder zum Ufer des Flusses 
hinab. *) — Ob die Urheber dieser Anlagen , welche man kurzweg ..Mound- 
builders" (Schanzbauer) zu nennen pflegt, Vorfahren der jetzt in jenen Ge- 
genden lebenden indianischen .Tägerstämme sind, steht dahin. Dass die 
Moundbuilders Ackerbauer waren, ist bewiesen, und ein so grosser Kultur- 
verfall, wie er sich in dem völligen Aufgeben so ausgesprochener Sesshaftig- 
keit darthun würde, gehört zu den ethnographischen Unwahrscheinlichkeiten. 



Sanchuniathon , ein phönikischer Geschichtsschreiber aus der Zeit des 
trojanischen Krieges**), bemerkt, indem er vom Ursprung der Schiff- 
fahrt redet: „Orkane hatten den Hochwald von Tyrus verwüstet; die ge- 
stürzten Stämme fingen Feuer und die Flamme frass den Wald. Da ent- 
ästete Osous einen Stamm und floh auf ihm, der Erste, der es wagte, aufs 
Meer hinaus." In dieser Mythe liegen Andeutungen, die mit den modernsten 
Forschungsergehnisson stimmen. In der That scheint das Ostbecken des 
Mittelländischen Meeres neben dem persischen Golfe und dem rothen Meere 
eine der Wiegen der Schifffahrt zu sein, und der „Einbaum". ftovogvlog, 
(monoxylusj ist unzweifelhaft das älteste Fahrzeug gewesen. Einbäume 
fanden sich in den schweizerischen Pfaldbauten, in den Crannoges wie in 
den Terramaren und den Mooren Dänemarks. Bei Robenhausen im Pfäffikon- 
see (Cant. Zürich) fand man einen Einbaum aus der späten Steinzeit. Es 
ist ein der Länge nach gespaltener Stamm . an beiden Enden gerade ab- 
geschnitten, wie ein Trog ausgehöhlt und fast 7 m lang, 0,75 m breit [DJ. 
Ganz ähnlicher Art ist der älteste der im Kopenhagener Museum auf- 
bewahrten Kähne ; nur beträgt seine Länge nicht ganz 2 m, die Breite nur 
ü,4ö m. Stützpunkte für die Ruder weisen beide Fahrzeuge nicht auf. — 
Ein anderer Einbaum, ebenfalls der neolithischen oder schon der Bronze- 
zeit angehörig, fand sich in dem Torfmoore von St.-Jean des Bois bei Tvrea 
(Piemont). Hier ist der Schnabel bereit« zugespitzt, der Steven abge- 
rundet [10]. Dieser Form entspricht im Kopenhagens Museum ein 3 in 
langes Fahrzeug, dessen Aushöhlung zwei Abtheilungen bildet, in deren einer 
ein Theil des Inneren stehen geblieben ist und den Sitz darstellt. — Im 



*) Caleb Atwater: Descriptiona of the antiquities, discovered in the state of Ohio 
and other Westen» states. (Archaeologia Americana. Vol. I. Worchester 1820.) — Martins. 
Vergangenheit und Zukunft der amerikan. Menschheit. (Deutsehe Vierteljahrsschrift 1H39.) — 
Squier and Da via: Monum. of Mississipi Valley. (Smithsonian Contrib. Vol. I. 1K48.) - 
Schoolcraft: Information respecting the history. eondition and proapects of the Indian 
trihes of the United State». Philadelphia 1851—1865. — Foiiter: Prehistoric races of the 
United States. New-York 187a. — Becker: Staat«- und Gesellschaftsleben der alten 
Vidker Amerikas. (Voss.-Ztg. 1877. Sonntags-Beilagen No. 43- 46.) — Vergl. Lubhoek, 
Waitz, Tylor und P esc hei a. a. O. sowie Jiartram: Creek and Cherokee Ind. (Tr. 
Americ. Ethnol. Soc. Vol. IIL part. I.) 

**) Möglicherweise bezeichnet übrigens der Name Sanchuniathon nicht eine Persön- 
lichkeit^ Mindern das altphönikischc Werk selbst, von dem noch ein kleiner Theil in griech. 
Uebersetzung erhalten ist. l Ausg. v. Orelli. Lpzg. 1826.) 



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Bieler See fand sich ein an beiden Seiten abgerundeter Einbaum aus der 
späteren Steinzeit [11], der gleichfalls sein Gegenstück zu Kopenhagen findet. 
Dies hat an dem einen Ende einen kleinen dreieckigen Sitz und am Boden 
zwei Vorsprünge, welche offenbar den Ruderern als Stützpunkte dienten.*) 

Die Anfertigung eines solchen Kahnes war keine leichte Arbeit, so lange 
eben nur Stein und Knochen als Werkzeuge zu Gebote standen. Zur Er- 
leichterung des mühsamen Werkes Hess man dem Baumstamme aussen die 
natürliche Form und nahm auch das Feuer zu Hilfe; dennoch brauchte 
man wol Jahre, um ein so einfaches Fahrzeug zu Stande zu bringen.**) — 
Der Einbaum hat eine lange Geschichte, die bis zur Gegenwart reicht. Als 
Hannibal die Rhone überschritt, kaufte er zu diesem Zwecke alle Monoxylen 
der Uferbewohner auf ; ein Beschluss des pariser Parlamentes beweist . dass 
i. J. 1262 die Oise mit Einbäumen befahren wurde, und noch jetzt werden 
diese ..Seelenverkäufer" auf den Seen Oberbayerns gebraucht. 

Neben dem Einbaume mochten (aber wol nur zur Flussschifffahrt) aus 
Weidenruthen geflochtene, mit Fellen überzogene und mit Sehnen zusammen- 
genähte Schiffsgefässe dienen. „Nähe dir Häute zusammen mit Stierdraht" 
räth Hesiod (O. et d. 544). — Für alle grösseren Verhältnisse ging man 
jedoch vom Einbaume vermuthlich zuerst zum Floss über, d. h. zur Ver- 
bindung mehrer Stämme, die man mit einer Knüttellage überdeckte [12]. 
Eine Verbesserung war dann das Floss aus zwei Stammlagen und einem 
Bretterboden |lü|. Mit ihm begann die Küstenschifffahrt. Die ersten Ver- 
suche, das Ufer zu verlassen, wurden unzweifelhaft da gemacht, wo nahe 
überseeische Ziele deutlich erkennbar waren. Leicht erreichbar winkte den 
Phönikern die Kupferinsel Kypros, den Arabern das nahe gelegene Afrika. 
Von Cypern führte den Punier der Weg nach Kreta. Karthago. Spanien 
bis zum Senegal.***) 

Die Naturvölker sind über diese Urformen eigentlich nicht hinaus- 
gekommen, haben sie aber doch in der mannigfaltigsten Weise bereichert, 
vor Allem durch die Einführung des Segels. — Die Schifffahrt der afrika- 
nischen und amerikanischen Naturvölker blieb freilich auf der tiefsten Stufe 
stehn; desto lebendiger aber war die Entwickelung bei den polynesischen 
Stämmen. Man bezeichnet ihre Fahrzeuge mit einem, eigentlich kara'ibischen 
Worte als „Piro gen". Es sind das Einbäume, und demgemäss sind sie 
sämmtlich sehr viel länger als breit , sonst aber von verschiedener Grösse 
und Gestalt. Falls sie unter Segel gehen, bedürfen sie, ihrer geringen Sta- 
bilität wegen, stets eines Nebenkiels (Auslegers), der das Fahrzeug im Gleich- 
gewicht hält und sogar auch bei blosser Ruderbedienung angewendet wird 
[5|. Die Schnelligkeit dieser Fahrzeuge ist oft sehr gross. — Besonders die 

*) de Mortillct: Origine de la navigation et de la peche. (Revue archeologiquo. 
10. Ort. 18««.) Dem min: Handl». der bildenden and gewerblichen Künste. Lp*g. 1877. 
— Lcroy: Lea navirea de§ anciens. — Wenig ausgibig sind: Bergbaus' und Bene- 
dikt« Geschichten der Schifffahrt des Altertbnms. (1792 II. 180«.) 
*♦) Baer und v. Hellwald a. a. ü. 
•♦♦) Peschel ». a. 0. 



— 47 



Fiji-Insulaner zeichnen sich als kühne Seefahrer aus. Ihre Einbäum« 
können je nach der Grösse 8 his 30 Männer aufnehmen und gehen unter 
dreieckigen Segeln [6]. Häufig werden zwei solcher Fahrzeuge durch die 
Nehenkiele zu einer Doppelpiroge vereinigt; dann nehmen die mit Brettern 
überdeckten Ausleger die fechtende Mannschaft auf, während in den Pi- 
rogen selbst nur das Fahrpersonal verbleibt. Solche Doppelpirogen, oft über 
100' lang, haben sehr grosse Segel und sind nach dem Ausspruche d'Urville's 
die besten Schiffe im Stillen Ocean. Die Fiji vereinigten ihre Doppelpirogen 
zu namhaften Flotten, mit denen sie Scetreffen lieferten. 

Gleich den Fiji-Insulanern sind auch die eigentlichen Malay en treffliche 
Seemänner, zumal die Bewohner des Karolinen-Archipels, deren „Pros" 
genannte Pirogen ähnliche Einrichtungen zeigen wie die Fahrzeuge der Fiji 
|5j. Diese Pros, welche die Malayen durch rothe Bemalung und Muschel- 
schmuck zieren, versammeln sie zu Flotten von mehren Hunderten, um Lan- 
dungen auf den feindlichen Küsten zu unternehmen oder Seetreffen zu liefern. — 
Dasselbe gilt von den Einwohnern der Tahiti-Inseln, welche ihre Flotten 
bereits in Geschwader eintheilten, die durch verschiedene Wimpel gekenn- 
zeichnet waren und welche während des Friedens die grösseren Kriegspirogen 
ganz ordnungsmässig dockten. — Etwas anders war das Seewesen bei den 
Maori, der Urbevölkerung Neuseelands, gestaltet. Eire Kriegspirogen 
[7| scheinen nur zum Transporte der Mannschaft gedient zu haben. Es 
sind Fahrzeuge von 50 bis 100' Länge, 5' Breite und 3 bis 4' Tiefe. Auch 
sie wurden aus einem einzigen ausgehöhlten Baumstamme hergestellt, dessen 
Bord man jedoch durch Bretter erhöhte. Der Spiegel des Hintertheils be- 
stand aus einem besonders angesetzten, aufrecht stehenden Stücke von 14' 
Höhe, das reich mit Schnitzwerk versehen war; das Vordertheil wurdo 
niedriger gehalten, doch ähnlich ausgestattet. Wenn man bedenkt, dass 
die Maori diese Bote herstellten, ohne auch nur das kleinste Stück Metall 
zu besitzen, so muss man ihrer Ausdauer und Kunstfertigkeit volle Auer- 
kennung zollen. In der Regel waren solche Fahrzeuge, die übrigens auch 
zu Doppelpirogen vereinigt wurden, Eigenthum des ganzen Stammes. 



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Despotien Alt -Amerikas, Afrikas 

und Asiens. 



I. Alt-Amerikanische Kulturvölker 

Tafel 5. 
Literatur. 

Ii i 11/ an a: Historia de la provincia de Yucatan. Valladolid 1633. 
Cogolludo: Histoire de 1' Yucatan. Madrid 1688. 

Allgemeine Historie der Reisen zu Wasser und zu Lande. Lpzg. 1747. II Bde. 
.1. F. S.: Allgemeine tieschichte der Länder u. Völker Amerikas. Halle 1752—53. 
K ingsborough: Antiquities nf Mexico. London 1829 -1848. 9 Bde. 
Wal deck: Vnyage pitorcsque et archeologique en Yucatan. Paris 1834. 
Nebel: Voyage pitorcsque et archeologique en Mexique. Paris 183H. 
Stephens: Incidcnts of travel in Yucatan. London 1843. Dtsch. Lpzg. 1853. 
Prescott: Histor)' of the conquest of Mexico. Boston 1843. 2 Bde. Neue Ausgabe 1875. 

Dtsch. Lpzg. 1845. 
Norman: Rambles in Yucatan. 7. Aufl. Philadelphia 1849. 

Schoolcraft: Information respecting the history, condition and prospects of the Indian 

Tribes of the l'nited States. Philadelphia 1851 1855. 
Stephens: lncidenta of travel in Central America. London 1864. Dtach. Lpzg. 1854. 
Brasseur de Bourbourg: Histoire des natimis civilisees du Mexique et de l'Amerique 

centrale. Paris 1857—59. 4 Bde. 
Charnay: ('ites et ruines americaines. Paris 1863. 

Brasse urdeBourbourg: Relation des choses de Y ucatan de 1 )iego de Landa. Paris 1864. 
Brasseur de Bourbourg: Monuments anciens du Mexique, recherches sur les ruines 

de Palenque et sur les origines de la civilisation du Mexique. Paris 18tt6. 
Baneroft: Native Racea of the Pacific States. New- York 1877. 

Brühl: Die Culturvölker Alt-Amerikas. 1 4. Abth. New- York 1877. — 1. Das alte 
< 'ulturvolk des MiBsissippithales. — 2- 4. Baudenkmäler und Alterthümer von Mexiko, 
von Chiapas und Yucatan, von Centralamerika. 

Becker: Das Kriegswesen der alten Völker Mexikos. (Voss.-Ztg. 1877. Sonntagsbeilage 

zu No. 33 3K.) 



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- 49 — 



de Zarate: Historia dcl dcacubrimiento y conquista del PeriL Sevilla 1577. 
Velasco: Histoire du royaumo de (^uito. Paria 1841. 

Pres cot tiHiatoryoftheconquestof Peru. Noue Aub^. London 1875. Deutseh hpxg. 1848. 
T s c h u d i y Rivero: Antigucdades Peruanas. Wien 1851. 
Desjardins: Lc Perou avant la conquete espa#nole. Paris 1858. 
Angrand: Lettrea sur les antiquitca de Tiahuanaco. Paris 1867. 
Wiener: Lea institutions de rempirc des Incas. Paris 1874. 

v. Specht: Geschichte der Waffen. II. Lpzg. 1872. 



Wenn ich die Betrachtung des Kriegswesens der Kulturvölker mit 
demjenigen der Alt-Amerikaner beginne, so geschieht das, weil diese Völker 
um deutlichsten den Uebergang vom Naturzustande zu dem der Kultur ver- 
anschaulichen. Die Stämme der westindischen Küsten wie die der Hoch- 
ebenen von Anahuak und Peru haben sich durchaus selbständig entwickelt 
und befanden sich, als sie von den Europäern entdeckt wurden, in dem 
ersten Jünglingsalter der Menschheit, in der Bronzezeit. Das Menschen- 
geschlecht hat sich in Amerika viel langsamer entwickelt als in der alten 
Welt. Wenn man die technischen Leistungen der grossen amerikanischen 
Kulturvölker, der Mexikaner und Inka-Peruaner, zusammenfasst , so würde 
selbst ihre Summe noch nicht das Bild einer Civilisation gewähren, wie sie 
in Aegyten zur Zeit der 4. Dynastie bestand, der ältesten, von der wir 
Denkmäler besitzen.*) Die amerikanische Menschheit hatte also selbst zu 
Ende des 15. Jhrdts. nach Christus noch nicht diejenige Reife erreicht, 
wie die örtlich höchste Menschengesittung der alten Welt drei Jahrtausende 
vor Christus. Eben deshalb muss man die Betrachtung der Kulturvölker 
mit der der Alt- Amerikaner beginnen. 

Als Col6n, der Entdecker, am 12. Oct. 1492 an der Insel Guanahain 
landete, fand er deren Bewohner lediglich mit Speeren bewaffnet, die ihnen 
sowohl zum Stosse wie zum Wurfe dienten. Auf Kuba traten zu dieser 
Ausrüstung flache Streitkolben hinzu, auf Portorico auch noch Keulen und 
Bogen. Je weiter der Entdecker nach Süden kam, um so kriegerischer er- 
schienen die Eingeborenen, und während die Muskogings auf den Bahama- 
Tnseln und die Mayas auf den grossen Antillen vorzugsweise von Früchten 
lebten und sich sanft und gutmüthig erwiesen, zeigten sich die Bewohner der 
Südküste von Haiti und die der kleinen Antillen entschlosseneu Geistes, 
kräftigen Körpers Und der Antropophagie ergeben. Diese Stämme, von den 
andern Indianern „Kannibalen", d. h. Eingeborne, genannt, bezeichneten sich 
selbst als ,, Kariben'', d. h. tapfere Männer, und führten durchweg Bogen mit 
vergifteten Pfeilen, Speere, Keulen und Schilde. — Eine grossartige, mäch- 
tige Kultur trat den Spaniern aber erst entgegen, als sie das mittelameri- 
kanische Festland betraten, und zwar Yukatan, das Land der Quische- 
und May a- Völker. Die kupfernen Aexte dieser Stämme [*2S] waren das 
erste An/eichen, dass man im- neuen Welttheile die Bearbeitung der Me- 



Peschel a. a. O. 



4 



60 — 

talle verstehe; zugleich aher lehrten steinerne Pfeilspitzen [27 8 — e]. dass 
man noch keinesweges ganz herausgetreten sei aus dem Steinalter. Bogen 
[2.">] und Köcher [20] zeigten keine namhaften Abweichungen von gleichen 
Waffenstücken der alten Welt; den Pfeilen gleich waren auch die Streitäxte 
meist noch mit Steinsplittern zugeschärft [29]. Die Streitkolben der Maya [30] 
erinnern sehr an die der Freundschafts-Inseln. — Höchst eigenartig war 
die Gesammterscheinung der Krieger dieser Länder, von welcher uns alter- 
thümliche Reliefs Bilder Uberliefert haben, die freilich mannigfach in 
das Araboskenhafte verzerrt sind [23, 24]. — Am imposantesten stellte 
sich die mittelamerikanische Kultur in ihren Befestigungen dar. Mäch- 
tige Mauern und Thürme von behau enen Steinen oder starke Wälle nebst 
davorliegenden tiefen Gräben und Palissaden zeigten sich im Inneren mit 
Kernwerken und gemauerten Brunnen ausgestattet Dem entsprechend ent- 
wickelten die Maya eine geregelte Taktik und lieferten Gefechte in geglie- 
derten Schlachthaufen unter besonderen Führern und Feldzeichen, wählten 
ihre Stellungen mit Einsicht, hielten Reserven bereit, griffen geschlossen an 
und wichen geordnet zurück, um den Angriff wieder zu erneuern. Ja als die 
Spanier in Quisehe eindrangen, bezog der dortige König ein grosses ver- 
schanztes Lager, welches durch vergiftete Fussangeln geschützt wurde. 

Aber noch grossartiger sollten sich die Verhältnisse der Kultur und 
des Kriegswesens bei dem weiteren Vorschreiten nach Nordwesten zeigen. 

Als die Conquistadoren nach Nord-Amerika kamen, herrschte in Ana- 
huak. dem jetzigen Mexiko, das Volk der Azteken, welches zu Anfang des 
13. Jhrdts. von Norden her in das Land eingedrungen war und die früheren 
Bewohner, die Tolteken, nach Centrai-Amerika oder den Inseln verdrängt und 
ein Reich begründet hatte, das gegen die Vor/eit einen halbbarbarischen Cha- 
rakter trug und sich zu dem der Tolteken ähnlich verhielt wie das Reich KaiTs 
d. Gr. zu dem der Römer. — Ein Jahrhundert nach der Eroberung war in- 
mitten von Seen auf grossen Pfahlrosten die Hauptstadt Tenochtitlan ge- 
gründet worden, welche nach dem aztekischen Kriegsgotte Mexitli auch Mexiko 
genannt wurde. *) — Der Staat von Anahuak erscheint als ein Wahlkönig- 
reich von entschieden kriegerischem Charakter, das seine Macht durch 
Waffengewalt allmählig vom Atlantischen zum Grossen Ozean auszudehnen 
vorstand. Das zahlreiche Volk wohnte in Städten und Dörfern und hatte 
einen hohen Grad von Kultur angenommen. Noch jetzt erregen die ,,casas 
piedras", die Reste ihrer grossen Städte, das Staunen der Forscher; Stern- 
kunde, Götterlehre und Geschichte bildeten die Hauptunterrichtsgegenstände 
der höheren Kreise, wobei eine Art Bilderschrift diente, die sogar zur Her- 
stellung sehr brauchbarer Landkarten verwendet wurde. 

Die Azteken waren zu Ende des 15. Jhrdts. aus dem Steinzeitalter be- 
reits herausgetreten, hämmerten und trieben das Kupfer und verstanden die 
Zubereitung wie den Gebrauch der Bronze. Neben den Erzwaffen spielen 
jedoch die Steinwaffen auch in den Händen der vornehmsten Krieger 



*) ,.k.v ist Orts-uiHix. 



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51 - 



Anahuaks eine so grosse Rolle, dass dieselben wichtiger erscheinen als die 
bronzenen Stücke. Es hat das seinen Grund in dpr für den Waffengebrauch 
ganz vorzüglichen Beschaffenheit des Itzli, d. h. des Obsidian-Porphyrs, 
welchen die Azteken für ihre schneidenden Waffen verwendeten und auf 
dessen Verwerthung wol ganz vorzugsweise ihre höhere Kultur und ihr 
Uebergewicht über die umwohnenden, auf Feuerstein und Serpentin ange- 
wiesenen Urvölker beruht haben dürfte. 

Die Trutzwaffen des Volkes von Anahuak waren Keulen. Schwerter. 
Messer. Speere, Aexte, Bogen und Schleudern. — Die Keulen, deren sich 
die Gemeinen vorwiegend bedienten, bestanden entweder aus Holz oder Stein ; 
letzteren Falls sind es Kolben (2], die den „Patu-Patu' 1 der Neuseeländer 
ähneln.- — Als hochinteressante Waffe erscheint das aztekische Schwert, 
der ..Maquahuitl" oder „Makana", der gewöhnlich so schwer war, dass er 
mit beiden Händen geführt wurde. Es sind das Holzkliugen, die mit Itzli 
geschärft sind, entweder so, dass die beiden Schneiden mit glatten Stücken 
des schwarzen Obsidians mehr oder minder zusammenhangend besetzt wurden 
[8, 4], oder so. dass auf jeder Seite nur eine geringere Anzahl grosser Itzli- 
stücke angebracht ist, zwischen denen bedeutende Zwischenräume liegen 
f'» und $]. Die erstere Art nennt Prescott den glatten, die andere den 
sägenartigen Maquahuitl. Beide Arten von Schwertern kommen mit oder 
ohne Spitze vor, und bei beiden sind die Steinsplitter mit Darmsaiten fest- 
geschnürt und eingeleimt. — Diese Waffen waren überaus scharf; die Spa- 
nier erlebten es, dass einem Pferde mit einem einzigen Schlage des Maqua- 
huitls der Kopf abgehauen wurde, und sie rasirten sich selbst lieber mit 
Obsidianklingen als mit ihren aus Europa mitgebrachten Scheermessern. 
Trotzdem ist das Itzli dem Eisen weit unterlegen: denn es wird ausser- 
ordentlich schnell stumpf und splittert sehr leicht, so dass nur die ersten 
Hiebe mit dem Maquahuitl gefährlich sind. — Auch die Messer wurden 
aus Itzli hergestellt. — Bei den Speeren und Wurfpfeilen koneurriren 
Stein, Kupfer und Bronze bei Anfertigung der Klingen [7 — 10J. Zuweilen 
kommen an ein und derselben Waffe Stein und Kupfer zur Verwendung 
[8]. — Aehnlich ist es mit den Streitäxten, die sowol mit Itxli-Sägeklingen 
[11 und 12] als von Bronze vorkommen. — Die Bogen bestanden aus 
zähem Holze und Darmsehnen, die Pfeile aus leichtem Schilfrohr mit Eichen- 
holzspitzen, die im Feuer gehärtet waren. Die Azteken vergifteten ihre 
Pfeile nicht, wie es die Kariben thaten: denn sie strebten eifrig danach, 
jeden Verwundeten zu fangen , um ihn den Göttern schlachten zu können. 
Uebrigens waren die Azteken vorzügliche Schützen. Spanische Chronisten 
berichten, dass die mexikanischen Bogner es vermocht hätten, ein in die 
Höhe geworfenes Geldstück geraume Zeit durch immer neue Schüsse schwe- 
bend zu erhalten. — Da die Azteken vergiftete Pfeile verschmähten, so wen- 
deten sie das Blasrohr wol nur zur Vogeljagd an. Aber sie kannten es; 
Monteczuma sandte 12 mit sechs Zoll langen goldenen Mundstücken ver- 
sehene Blasrohre den Spaniern als Geschenk. 

Die Masse der Krieger war nur mit dem Lendenturhc bekleidet. 

r 



- 52 



einem etwa 9 Zoll breiten, aber 24 Fuss hingen Stücke Z**ue. das um die Hüften 
gehcblungen »an! und dessen beide Enden zmUcben den Beinen herab- 
hingen; d»-r Köq>er war in den Farben der Häuptlinge bemalt. Die Mit- 
glieder der Krieg^rden trugen einen Waffenrock v..n Baumwolle und Federn, 
der» Farben ibren Stamm bezeichneten [1]. Die vornehmsten Krieger 
trugen über dem Federwaffenrock aucb wol nocb einen Goldnetzpanier oder 
unter ibm. über gesteppten, enganliegenden Baumwollenwämsern dünne 
Plattenpanzer von Gold . Silber oder Perlmutter [17]. Diese Steppwämser 
»ollen pfeilfest gewe^n und von den Spaniern, denen ihre Metallrüstung in 
dem heisseu Klima lästig und einem Feinde ohne Ei>enwaffen gegenüber 
unnütz ward, mit Vorliebe angenommen worden sein. — Goldne. silberne 
und kupferne Knie- und Armplatten waren viel im Gebrauche. Die Füsse 
m blitzten lederne, goldverzierte Halbstiefel [IS]. 

Eigentümlich sind die Kopfbedekungen. Die Mannschaft war 
gewöhnlich uur mit einem Federaufsatz versehen, dessen Farbe zugleich 
den Schlachthaufen kenntlich machte, zu dem der Einzelne gehörte. Die 
Ordensangehörigen trugen für gewöhnlieh auch nur metallene federge- 
sehmückte Stirnbänder, deren Verzierungen in genau abgestufter Art 
die Rangunterschiede ausdrückten. Im Kampfe aber bedienten sie sich der 
Sturmhauben und Helme, welche in sehr verschiedenen Formen vorkommen. 
Es waren oft fratzenhaft verzierte Gesichtsmasken, Nachbildungen von 
Thierköpfeu [13, 14]. wie sie bei manchen Indianerstämmeu nordwärts der 
Vancouvorsinsel noch jetzt in Gebrauch sind. Sie bestanden aus Leder f 
Holz, Silber oder Gold und wurden mit prachtvollen Federn geziert [13, 14, 
15, l(»j. Fast .Tedermann war mit einem Schilde gerüstet, der ent- 
weder von Kohr geflochten und mit Baumwolle gepolstert war oder aus 
ledcrüberzogenem Holze bestand. Es gab auch lederne Setz-Tartschen. die 
den ganzen Körper schützten und so eingerichtet waren, dass sie gerollt 
und beim Marsche über der Schulter getragen werden konnten. Andere 
Schilde vermochte man fächerartig zusammenzulegen. Auch die Schalen 
der un den Küsten Mexikos häufig vorkommenden grossen Seeschildkröte 
wurden als Wehrschilde gebraucht. Die Führer und Kaziken Hessen ihre 
Schilde mit Metall beschlagen und verlängerten sie häufig durch einen 
Federhehang [!!), 20]. Die Schilde der Edlen waren meist mit Wappen- 
bildern geschmückt, die aus dem kunstvollsten Federmosaik gebildet wurden. 
Das Wappen der Azteken Mexikos war ein Adler, der eine Schlange im 
Schnabel hält. 

Die Anfertigung der Waffen war nicht nur der Privatindustrie 
überlassen , sondern es bestanden Staatswerkstätten, in denen fabrikmässig 
bestimmte Waffen oder Waffentheile hergestellt wurden. Die fertigen Stücke 
wurden in die Zeughäuser abgeliefert, um von hier aus das Heer und die 
Greuzplätze zu versorgen. Besonders Pfeile und Schleudersteine wurden in 
groHsen Massen flir kommende Kriegszüge aufgespeichert Haufenweise lagen 
auf den Festungswerken Schleudersteine im Gewichte von etwa 4 Pfund 
aufgeschichtet. Oh Maschinen zum Schiessen vi m Speeren und Pfeilen oder 



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53 — 



zum Werfen von Steinen vorhanden gewesen , ist mit Sicherheit nicht fest- 
gestellt. Als Zeughäuser dienten den Azteken auch ihre grossen Tempel- 
höfe, die Teokalis, welche sogar mit Truppen belegt wurden. Der Haupt- 
tempel von Mexiko selbst nahm z. B. nicht nur ein grosses Arsenal, sondern 
noch eine Kaserne für 10,000 M. auf. Hatten diese mächtigen Terrassen- 
bauten mit ihren weiten Plattformen doch zugleich die Bestimmung, als 
Kernwerke der Stadtbefestigungen zu dienen. Diese letzteren be- 
standen aus Mauern und nassen Gräben. Die Mauern baute man von Steinen 
mit festem Mörtelverbande. Vielfach wurden auch selbstständige Befesti- 
gungen angelegt, namentlich als Thalsperren, und sogar der Gebrauch von 
Feldbefestigungen kommt in den Berichten von Anahuak vor. 

Die Kriegsheere der Azteken waren aus grossen Schlachthaufen 
von 8 bis 10 Tausend Mann zusammengesetzt und diese wieder in Unterab- 
theilungen von 3 bis 4 Hundert Mann gegliedert, deren jede ihren eigenen 
Befehlshaber hatte und die auf Grund der Gaugenossenschaften gebildet 
waren. Sie führten Fahnen und Feldzeichen, meist Thierbilder [21, 22], 
unter denen sie auf das Signal ihrer Pauken und Krummhörner mit Ordnung 
angriffen. Sie sandten Bogner und Schleuderer als leichtes Fussvolk voraus, 
um den Kampf einzuleiten; sie stellten Reserven auf, legten Hinterhalte, 
liebten den Ueberfall und wussten ihre Schlachtfelder mit Umsicht zu 
wählen ; Treffenablösung und Flankenangriffe waren ihnen jedoch fremd. 



Der aztekischen Kultur im Norden ähnelt in vieler Hinsicht die der 
Inkas in Südamerika. Ihr „Reich der vier Provinzen'' Tahuantinsuyu, 
das jetzige Peru, war vor der Entdeckung durch die Spanier das grösste 
und am meisten eivilisirte Land des ganzen Welttheils. Die Inkas gewannen 
t die Herrschaft nordwärts über ganz Quito , südwärts über einen Theil von 
Chile und sicherten ihre Erwerbungen durch Festungen mit starken Be- 
satzungen. 

Die Kraft der peruanischen Heere lag ganz vornehmlich in dem zahl- 
reichen Inka-Adel, welcher, der Herrscherfamilie blutsverwandt, ein und 
dasselbe Interesse hatte mit dem Könige. Dieser Adel blieb vom Volke 
streng gesondert. Bis zum 16. Jahre erzog man seine Söhne in den Kriegs- 
schulen, wo sie nicht nur in der Führung der Waffen, sondern auch in deren 
Anfertigung geübt wurden. Dann prüfte man sie vor den Augen des Inka, 
und er selbst machte sie wehrhaft. Dies geschah in der Weise, dass der 
König dem Junker das Ohrläppchen durchstach und ihm das Zeichen seiner 
neuen Würde , den Ohr-Ring, einhing [33]. w Nun wurde der Neuling mit 
Gürtel, Wurfspiess und Streitaxt bewehrt und trat in die Reihen der füh- 
renden Krieger ein. Tapferkeit war die Grundlage der Achtung und der 
Ehre dieses Adels ; nur der Ruhm der Helden fand Widerhall im Liede ; 
und selbst der Inka wurde, wenn er sich feig benommen, nach dem Tode 
nicht besungen, sondern sein Name musste der Vergessenheit verfallen. 
Wie sich die Führerschaft aus der gesamten adligen .lugend ergänzte. 



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54 — 

so die Mannschaft aus dem ganzen Volke; denn jeder Waffenfähige war 
zu mehrjährigem Kriegsdienste verpflichtet und wurde monatlich zwei his 
drei mal in den Waffen geübt. Das Heer ward in Folge dessen zahlreich: 
his zu 200,000 Mann, und da grundsätzlich Jedermann verheiratet sein sollte 
und Weih und Kind mit in's Feld nahm, so wuchs der Tross ausserordentlich 
au. Gekleidet, bewaffnet und beköstigt wurde das Heer aus den Reichs- 
magazinen , und sogar die sonst unantastbaren Nutzthiere, wie die Lamas, 
welche Tempeleigenthum waren, oder die Alpacas, die ausschliesslich den 
Inkas gehörten, wurden zur Erhaltung der Heere gelegentlich rücksichtslos 
geschlachtet. 

Die Waffen der Peruaner waren Keulen |3">], steinerne und kupferne 
Streitäxte |36, 37], Wurfspiesse, Piken, Bogen und Schleudern. Die Beklei- 
dung bestand aus Baumwollestoffen und Federn, die Kopfbedeckung aus 
einer Fellmütze oder einem turbanartigem Bund oder endlich aus einem Helme 
von Holz und Leder [28, 33, 34]. Der Schild vollendete die Ausrüstung. 

Das Land war reich an Festungen. Diese hatten meist mehre hinter 
einander liegende Mauern mit Thürmen , welche als Vorrathshäuser und 
Dofeusiv-Casernen dienten. Vor den Mauern, die aus grossen Quadersteinen, 
ja aus Blöcken bis zu 100 Kubikmeter Umfang erbaut waren, lagen Gräben 
und gedeckte Wege, und im Inneren der Festung gab es Kernwerke und 
Burgen, welche durch unterirdische Gänge mit einander in Verbindung 
standen. In diese Plätze war die Heeresmacht vertheilt, in Cuzko z. B., 
der Hauptstadt, lagen allein 30,000 Mann. Grossartige Befestigungsreste trägt 
der Hügel Sacsahuaman.*) Zwischen den befestigten Städten aber ver- 
mittelten prachtvolle Kunststrassen den Verkehr. Gleich den Römer- 
strassen waren sie so viel als immer möglich geradlinig angelegt, wurden 
durch Felsen gesprengt, zogen auf mächtigen Erddämmen über die Ab- 
gründe und überschritten Ströme auf hölzernen Sprengwerkbrücken oder . 
auf hangenden Seilbrücken, die mit Brettern belegt waren. Die Strassen 
selbst, breit genug zur raschen Bewegung von Fussvolk, waren aus Quadern 
und Asphalt erbaut, an den Seiten mit Einfassungsmauern versehen und 
von Baumreihen begleitet. Am berühmtesten ist die Strasse von Quito nach 
Cuzko (d. h. Nabel der Erde) und von hier weiter nach Chile - mehr als 
250 geogr. Meilen. In bestimmten Entfernungen lagen an den Strassen 
Brunnen und Herbergen für die Inkas, sowie Wächterhäuser, in welchen 
zur Beförderung wichtiger Nachrichten Läufer bereit standen, die es er- 
möglichten, in einem Tage einen Befehl 30 Meilen weit vorauszusenden — 
eine Einrichtung, die übrigens auch in Mexiko bestand. — Für Trup]H.*n- 
märsche endlich waren an de%Strassen befestigte Lager und Magazine vor- 
hereitet, — Das Heer lagerte in weissen baumwollenen Zelten, die in ge- 
ordneten Reihen standen und vor denen die Spiessc aufgepflanzt wurden. 

So ausgedehnten und vollkommenen Kriegsvorbereitungen entsprach 

»> Verjrl. die BcsclirnilHiiiff von Sq liier: Remarques sur In peograpliie'et les ntoiiu- 
menta de l'erou. (Bull. <!<• 1h N..r. Ü> göiigr. Paris l«C,8. Vol. L) 



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— 55 - 



auch die Kriegführung. Stets wurde ihr ein wolüherlegter Plan zu 
Grunde gelegt, der meist darauf abzielte, den Gegner mit bedeutender Streit- 
macht überraschend anzugreifen, bevor es ihm gelungen, seine Kräfte zu 
sammeln; d. h. also, man ging darauf aus, die Mobilmachung des Feindes 
zu stören und die aufgebotenen Haufen einzeln zu schlagen. Solcher Kriegs- 
weise leistete das Strassen- und Festungssystem aufs Glücklichste Vorschub. 

Kam es zur Schlacht, so bildeten die Bogner und Schleuderer das 
Vordertreffen. Im Haupttreffen, als eigentlicher Schlachtkörper, standen 
die Keulen- und Axtträger, denen die Wurfspiesser als zweites Treffen 
folgten. Die Reserve wurde aus den Pikenträgeru formirt. Es ist das eine 
vernunftgemässe Anordnung, welche die der meisten europäischen Heere 
des Mittelalters an Zweckmässigkeit übertrifft und deutlich erkennen lässt, 
wie das peruanische Kriegswesen mit der allgemeinen Landeskultur völlig 
gleichen Schritt gehalten hatte. 

Nur auf sehr begränzten und besonders günstigen Küstenstrecken zeigen 
sich bei den altamerikanischen Kulturvölkern die Anfänge der Schiff- 
fahrt. In den Berichten der Entdecker sind die Kalle äusserst selten, wo 
Europäer Eingeborenen auf der See selbst begegnen, sogar in nächster Nähe 
der Küste. Als Pizarro 1526 von Panama her die Bucht San Matteo er- 
reicht hatte, fielen ihm inkaperuanische Kauffahrer in die Hände, welche, 
uicht auf einem Schiffe, sondern auf einem Flosse eine Küstenfahrt von 90 
deutschen Meilen zurückgelegt hatten. Es war keinesweges Mangel an Er- 
findungsgabe, sondern Mangel an Bauholz, welcher zum Gebrauche so roher 
Verkehrswerkzeuge zwang: das Floss wurde durch ein Segel bewegt und 
durch ein Steuerruder gelenkt. — Die tüchtigsten Seeleute Altamerikas 
brachte die vielgespaltene Inselwelt Westindiens hervor. Die Kriegsschiffe 
der seeräuberischen Kariben, deren Namen „Pirogen" auf alle Einbaum- 
Fahrzeuge der Naturvölker übertragen worden ist, waren sehr brauchbar. 
Vierzig Fuss lang, konnten sie bis zu 50 Männer aufnehmen und wurden 
entweder durch Bauinwollsegel oder durch Ruderer nach dem Takte des 
Vorsingers bewegt. Noch höher als die Kariben standen die Yukateten. 
Colon begegnete auf seiner vierten Reise einem ihrer' Schiffe, das ..so gross 
wie eine Galeere" war.*) Eine Friesmalerei zu Chichen-Itza auf Yukatau 
hat das Bild eines solchen Schiffes erhalten [81J. Ob die Maya- Völker auch 
die Segelkraft benutzten, ist ungewiss und geht auch aus dieser Darstellung 
nicht hervor. Immerhin aber lässt sich hier der Beginn des regelmässigen 
Schiffbaues nicht verkennen. 

So zeigt sich denn auf altamerikanischem Boden eine grossartige Ent- 
wickelung des kriegerischen Lebens, die schon einen namhaften Theil all' 
der Elemente umfasst, welche überhaupt in der Geschichte der Kriegskunst 
auttreten. Unter denen, die noch fehlen, ist wol das wichtigste das Pferd. 
Wir begegnen demselben sofort, sobald wir den Boden der neuen Welt ver- 
lassen und die alten Kulturgebiete der östlichen Halbkugel betreten. 

*) Peschel a. a. o. 



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— 56 - 

II. Aegypten 

Tafel 6. 



Literatur 

Description de l'Epgyte, ou recueil des Observation« et des recherches pendant I'expedition 
de l'armec francaise. 2. öd. Paris 1820—1830. 26 Bd. Text; 12 Bd. Kupfer. 

Gau: Antiquites de la Nubie. Paris 1824. Deutsch Stuttg. 1821—28. Text v. Niebuhr. 

W i 1 k i n s o n : Manners and Cnstums of the anciente Egyptians. London 1837. 

Kosellini: I monumenti dell' Egitto e della Nubia. Pisa 1832-41. 

v. Minutoli: Der Wchrstand in dem alten Aegypten. Berlin 1838. 

Harris: Hieroglyphical Standards representing places in Egypt. London 1852. 

Lepsius: Denkmäler aus Aegypten und Aethiopicn. Berlin 1849 — 59. 50 Lfrg. 

Düinichen: Resultate der auf Befebl König Wilhelms von Preussen nach Aegypten 
entsendeten archäolog.-photograph. Expedition. Leipzig 1869 ff. 

Brugsch-Bey: Geschichte Aegyptens unter den Pharaonen. Lpzg. 1877. 

Haspero's Geschichte der morgenländischen Völker. Uebcrs. v. Pietschmann. Lpzg. 1877. 

Duncker: Geschichte des Alterthums. L B. 5. Auflg. Leipzig 1878. 

Dum ich en: Geschichte des alten Aegypten». Berlin 1879. 

DasB auch Aegypten seine Steinzeit gehabt, ist wol unzweifelhaft. 
Zwar wurde die von Hamy und Lenormunt i. J. 1869 behauptete Entdeckung 
einer Fabrik vorgeschichtlicher Steinwerkzeuge auf dem rechten Nilufer bei 
Korosko von Lepsius und Ebers bestritten*); aber die Funde, welche der 
Abbe Richard im alten Theben, auf Elefantiue und am Fusse des Sinai ge- 
macht, bestätigen Lenormants Entdeckungen, und auch in der altägyptischen 
Sprache hat sich ein Nachklang der Steinzeit erhalten. Die Wurzel ,.ba" 
bedeutet nämlich ..Stein", und eben dies „ba" dient auch noch in später 
Zeit sehr oft in zusammengesetzten Wörtern zur Bezeichnung von Werk- 
zeugen, die allerdings längst nicht mehr aus Stein hergestellt wurden, ge- 
wiss aber ursprünglich aus diesem Stoffe bestanden hatten.**) Die Ucber- 
gänge sind wol in Aegypten ebenso allmählig, ja vielleicht noch langsamer 
geweseu, wie in allen anderen Ländern, wo man sie deutlich verfolgen kann ; 
denn obgleich schon unter den ersten Dynastien die Bronze bekannt und sehr 
verbreitet war***), so scheint sich das Volk doch noch unter der dritten 
(manethonischen) Dynastie steinerner Waffen bedient zu haben, f) 

*) Ebers ist nämlich der Ansicht, die Aegypter seien als ein verhältnismässig vor- 
geschrittenes Volk, vertraut mit der Bearbeitung der Metalle, an den Nil gekommen. — 
Vergl. über «lie Frage: Lauth im Correspondenzblatt der deutsch. (ieBellschfi. für Anthro- 
pologie 1873 Xo. 5 und in seinen „Acgyptischcn Reisebriefen" (Big. z. A. A. Z. 1873 
No. 64) sowie ..Ausland" 1873 No. 30; und Hasseucamp: l'eber die Spuren der Stein- 
zeit bei den Aegypten), Semiten und Indogcrmanen. (Ausland 1872 No, 16.) 

**) l T uter den Hieroglyphen findet sich allerdings nichts, was auf eine Steinzeit hin- 
weist. Alle Klingen sind entweder roth (Kupfer), grün (Bronze) oder selten blau (Eisen) 
dargestellt — Lauth deutet die Wurzel „ba" auf Meteoreisen. (Vergl. oben S. 13.) 
***) Areelin: L'äge de pierre en Egypto. (Bei Mortillet „Materiaux" vol. 5.) 
f) Hassencamp a. a. O. 



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- 57 



Die Pharaonen des alten Reiches haben in ihren Denkmalen den Dar- 
stellungen des Kriegswesens kaum Statt gegeben. Erst die Gräber von ßcni- 
hassan zeigen Krieger, Schlachten und Belagerungen. Nach der Vertreibung 
der II' aber beginnen die Berichte von den grossen Kriegsthaten der 
Könige, von der Unterwerfung der schwarzen und der rothen Völker, der 
Völker des Südens und Nordens, und neben die althergebrachte symbolische 
Darstellung des Herrschers als Ueberwinder eines oder mehrer Vertreter 
der besiegten Stämme tritt eine Fülle realistischer Schlachtgemälde. 

Während der Frühzeit des Reiches beschränkte sich die Bekleidung 
des Mannes fast nur auf den Schurz, und die Schutzwaffen bestanden le- 
diglich aus der Kopfbedeckung und dem Schilde [1, 2]. Durch alle Epochen 
des Reiches blieben Arme und Beine bloss, und sogar die Sandale wurde 
von gewöhnlichen Kriegern nur ausnahmsweise getragen. — Die Truppen 
des neuen Reiches waren, den Abbildungen zufolge, sorgfältig uniformirt. 
Darauf deuten auch die Namen der Hauptabtheilungen der Kriegerkaste : 
Kalasirier und Hermotybier hin. Denn Kalasiris nannten die Aegypter 
einen leinenen, unten mit Franzen besetzten Rock (Herod. 2,81); den Namen 
Hermotybier aber will man von rjfuwßiov = eine Art Schurz, herleiten. — 
Die Mass»- des Fussvolkes war anit einer bandelierartigen, aus übereinander- 
genagelten Lederstreifen zusammengesetzten Brustbeschirmung geschützt 
[32, 34, 35]. Nur auserlesen schwere Infanterie trug Panzerhemden, welche 
entweder aus Krokodilhaut bestanden . oder aus dachziegelartig auf Leder 
gehefteten buntbemalten ßronzeschuppen [6] oder endlich aus erzenen Maschen. 
Daneben kommen auch Fusskämpfer in langen faltigen Gewändern vor: 
namentlich schreitet die königliche Leibwache in schönen Waffenröcken 
einher [34]. 

Die gebräuchlichste Kopfbedeckung ist eine ganz einfache Kappe 
von Glockenform, die entweder streifig bemalt oder mit Metallplättchen be- 
nietet ist. Das Material dieser Kappe war vennuthlich Filz oder Leder 
[4, 30, 32]. Die Führer erscheinen häufig durch eine Feder ausgezeichnet 
[4]. Ganz metallene Helme zählten bis in die spätesten Zeiten zu 
den Seltenheiten. Nur die Könige bedeckten fast immer das Haupt mit 
einem stählernen goldverzierten Helme von ganz eigentümlicher Form [5, 
31, 33]. — Sehr seltsame Kopfbedeckungen kommen bei den asiatischen 
Soldtruppen vor [34, 35]. Es sind theils hohe nach hinten überfallende 
Aufsätze, theils Federbarets, theils Helmkappen, über denen die Symbole 
von Sonne und Mond angebracht sind. 

In mannigfaltigen Gestalten erscheint der Schild. Unter den Schilden 
aus der Zeit des alten Reiches bemerkt man eingezackte Rechtecke (1|. 
durchnittene Ovale [32] und Ogivale [2], welche der im Mittelalter geführten 
und noch jetzt als Wappenschild beliebten Form gleichen. Von den Aegyptern 
wurde jedoch der spitze Theil nach oben getragen. Den Rundschild über- 
liess man den asiatischen Hilfsvölkem [34, 35]. Die grossen Schilde 
der Aegypter shid meist mit einem Augenloche versehen, um den Feind be- 
obachten zu können, ohne sich selbst blosszustellen. 



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— 6t) 



Als T r u 1 z w ;i 1'1'e n führte das schwere F u s s v o 1 k den kur/eu S p e u r 
[7, 8. tf, 10, 32], die Stabkeule [IS, lHa|, welche noch heut in ganz der- 
selben Forin von den Gallas gebraucht wird [S, 24], dann die Streitaxt 
|I9]. das Keoleumesser oder „Tom'* [20, 21]. beliebteste Waffe vornehmer, 
Krieger, das dolchartige Schwert [22, 28, 24] und einen kurzen Krumin- 
säbel „Khops" (oder Shops), der gewöhnlich als „Schlachtsichel" bezeichnet 
wird. Mit Unrecht; denn nicht die innere concave Seite des Khops ist die 
Schneide, sondern die convexe Aussenseite [23, 20]. 

Das schwere Fussvolk bewegte sich nach dem Klange von Trommeln 
und Trompeten in geordneten Reihen, anscheinend sogar im Gleichschritte. 
Die Aufstellung war tief; auf den thebanischen Bildern zählen die Rotten 
10 Mann. 

Die leichte Infanterie führte vorzugsweise den Bogen. Ein er- 
haltenes Exemplar ist 5' lang und ganz so einlach wie die Bogen der jetzigen 
Neger [12]. Auf den Denkmälern sind jedoch auch sehr reich verzierte 
Bogen dargestellt, offenbar von Horn mit eingelegter Arbeit |ltf]. Die 
starke Sehne des erhaltenen Bogens besteht aus Pflanzenstoff. Der Schaft 
der Pfeile 1 14] war aus Rohr gebildet; die Spitze bestand aus hartem 
Holze, Knochen oder Stein [14], selten aus Metall [15]; denn bei der 
Schnelligkeit, mit welcher der Bogen bedient wurde, war der Verbrauch 
der Pfeile sehr gross, und daher hätten bronzene Spitzen eine für die ganze 
Masse der Krieger allzutheuere Munition orgeben. Bemalte Köcher [17] 
nahmen die Pfeile auf. Gegen den Sehnenschlag trugen die Schützen Arm- 
ringe. — Sehr oft sind auf den Monumenten die Uebungen des leichten 
Fussvolks: Scheibenschiesseu und Ringen dargestellt. 

Ueber die Reiterei sind wir gar nicht unterrichtet. Auf den Denk- 
malen aus der Zeit vor der 18. Dynastie findet sich überhaupt kein ein- 
ziges Pferd abgebildet, und auf den späteren kommen zwar Rosse aber keine 
Reiter vor. Erst etwa 1800 Jahre v. Chr. erscheinen die Bilder von Zwei- 
gespannen und zwar vor jenen Kampfwagen, welche dem kananitischen Volke 
der Kheta eigentümlich waren, d. h. dem herrschenden Stamm der in 
Aegypten eingebrochenen Hirtenvölker. Wahrscheinlich haben diese das 
ihnen selbst von den Erünern vermittelte Pferd zuerst in Aegypten einge- 
führt. Ist doch das aegyptische Wort „htar" — Boss nur eine Umwandlung 
des assyrischen gleichbedeutenden Wortes „satra.''*) Dem entspricht es, 
dass es in Aegypten nicht das Reitergefecht, sondern auschliesslich der 
Wageukampf ist, von dem die Monumente zeugen.**) Dennoch ist es fast 
undenkbar, dass die Reiterei ganz gefehlt haben sollte; auch berichtet die 
Bibel bei ihrer Erzählung der israelitischen Auswanderung ausdrücklich von 
den „Reitern des Pharao", und dem Sesostris schreiben die Historiker 24000 
(Diodor) ja Ü0000 (Josephus) Reiter zu. Gewöhnlich wird das Fehlen der 
Reiter auf den Denkmalen damit erklärt, dass Aegypten zwar in sehr früher 

*) Kin/.i: Kieerelie pur In studio «k-l aiitiehita assira. Torino IH72. 
') KImts: Aegypten und die Bücher Moni». Lp/.«. 1H8M. 



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59 



Zeit Kavallerie gehalten, sie jedoch abgeschafft habe, nachdem da» Land 
durch die zahlreichen Kanäle wieder zugänglich gewurden sei. Diese au 
sich schon äusserst unwahrscheinliche Annahme erscheint noch ungereimter, 
wenn man sich erinnert, dass bei allen mittelländischen Kulturvölkern 
der Wagenkampf dem Reitergefechte v orau gegangen ist, und wenn man er- 
wägt, dass Aegypten allezeit die Streitwagen beibehielt, denen jene Hinder- 
nisse doch mindestens ebenso schwierig zu überwinden sein mussteu wie den 
Reitern. Wahrscheinlich bestand die Kavallerie nicht aus Eingeborenen 
sondern aus asiatischen Hilfsvölkern. 

Die Nachrichten der Geschichtsschreiber über die K r i e g s w a g e n werden 
durch die Denkmale und einige erhaltene Exemplare bestätigt.*) Die Bau- 
art der Wägen war überaus einfach: der nur für 2 Personen eingerichtete 
Wagenkorb war mit der Axe fest verbunden und eine Deichsel hinzugefügt. 
An den Seiten kreuzten sich Bogenfutteral und Pfeilköcher. Grösstmögliche 
Leichtigkeit war ein Haupterfordernis, und demgemäss bildete man das 
Gestell theils aus festem Holze, theils aus Metall und belegte es mit Leder 
oder feinem Blech. Die Räder hatten 4 bis 6 Speichen und waren mittels 
eines Nagels an der Axe befestigt. Das Gespann, meist auf 2 Pferde be- 
schränkt, stand mit der Deichsel nur durch ein Schulterjoch in Verbindung, 
welches in einem gebauschten weichen Polster auf dem Rücken der Rosse 
ruhte. Diese Polster erscheinen wie kleine Sättel, die über den Widerrist gelegt, 
durch Kammern gegen den Druck sicherten und wahrscheinlich noch mit Filz- 
decken oder anderen Unterlagen versehen waren. Die ganze Vorrichtung 
wurde durch einen breiten, vorn um die Brust der Pferde geführten Riemen 
(welchen wieder ein anderer hinter den Vorderfüssen weggeführter Bauch- 
gurt am Heraufgleiten hinderte), fest gehalten ; oben endete sie in einen senk- 
recht stehenden, festen Ring, und durch diesen lief die an der Deichsel recht- 
winklig befestigte Querstange des Joches, welche, um nicht aus den Ringen 
herausgleiten zu können, an beiden Enden mit Kugeln versehen war. Ausser- 
dem befand sich an jedem Sättelchen ein Haken, zum Aufsetzen der Trense 
und Ringe zum Durchziehen der Leinen. Der Handzaum, auf dessen ge- 
schickte Führung, namentlich bei dieser leichten und freien Art des Anschirrens. 
alles ankam, wurde, der Sicherheit wegen, durch Oesen und Ringe am 
Brustriemzeuge der Pferde geleitet. Er war lang genug, um während des 
Gefechtes vom Wagenkämpfer um den Leib geschlungen werden zu können. 
Königliche Kriegswagen entwickelten natürlich den grössten Reichthum : gol- 
dener Grund mit buntfarbiger symbolischer Bemalung zeichneten sieaus[:W|. 

Alle Wagen kämpfer bedienten sich des Bogens, und diese Lieblings- 
waffe der Orientalen ist auch die Waffe der Könige. Dem Schützen ist ein 
Wagenlenker beigegeben, der zugleich Schildträger ist und dem eine Peitsche 
oder eine zierlich bemalte Keule über dem rechten Handgelenke zu hangen 

*) Weiss a. a.<). — Vergl. geblieben: Die Pferde des Altcrthums. Neuwied 18K7. — 
Einen ziemlich vollständigen aus Aegypten stammenden Kriegswagen bewahrt das Museum 
zu Florenz; aber da er aus Birkenholz gefertigt ist. so vermuthet man. dass er vielleicht 
ein Beutestück aus den Kriegen mit Xordasiatcn war. (Klemm.) 



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60 — 



pHegt. Nur die Könige werden meist als auf ihren Wagen allein stehend 
dargestellt ; offenbar nur, um ihre Erscheinung zu erhöhen und zu isoliren. 
Die ägyptischen Berichte (z. B. das Gedicht des Pentaur) theileu ihnen 
stets einen Wagenlenker zu. — Die Rosse erscheinen von sehr edlem Schlage. 

Bis in die fernsten Sagen hinein (Diodor 1. 86) lässt sich der Gebrauch 
von Feldzeichen hei den Aegypten» erkennen. Die Krieger eines jeden 
Nomos hatten ihr Zeichen, und auch die Unterahtheilungeu führten deren. 
Es waren Sinnbilder von durchaus hieroglyphischem Charakter [27, 2H, 29], 
der sich wappenartig auf den Standort der Truppe bezog. Diese Sinnbilder 
standen auf Stangen. 



III. Assyrien. 

Tafel 7. 
Literatur. 

Botta et Fla ml in: Monument« de Ninivc. Paris 1847 — 50. 
Layard: The monument* of Ninivch. London 1819 AT. 

Niniveh and it* remain. New- York 1849. DUcb. Lpzg. 1850. 

„ A populär aecount nl discoverie» at Niniveh. London 1851. Dtach. Lpzg. 18.Y2. 
Layard: Fresh discoverie« in the ruius of Niniveh and Babylon. Lond. 1853. Dtsch. 

Lpzg. 1856. 

Vaux: Niniveh and Persopolis. An historical sketseh. Lond. 1851. Dtsch. Lpzg. 1852. 
Bonorni: Niniveh and its pake«*». London 1853. 

Gosse: Assyria; her manners and costums, arts and anns. London 1852. 
Weiss: Koslümkunde. L Stuttgart 1860. 

Oppert: Expedition scientifique en Mesopotamie. Paris 1857 «4. 

,, Histoire des empires de Chaldee et d'Assyrie. Faris 186«. 
Seh Ii eben: Die Pferde des AHerthums. Neuwied 1867. 
Lenormant: Les antiquitvs de Babylon et de l'Assyric. Paris 1868. 

Lettres assyriologiques. Paris 1871 --73. 
Finzi: Ricerehe per lo studio dcl antichitä assira. Torino 1872. 

Knwlison: Tlie five great monarchies of the aucient CÄStcni World. 2. Autl. London 187 1. 
Smith: Assyrian dwooveriex. 3. Aufl. London 1875. 
31 r mint: Babylono et Chaldec. Paris 1875. 

Duncker: Geschichte des AHerthums. I und IL 5. Aufl. Lpzg. 1878. 



Seit die Ruinen Ninives mit ihrer Fülle von Denkmalen und Inschriften 
aufgefunden worden sind, lässt sich die äussere Erscheinung des assyrischen 
Kriegswesens ziemlich gut erkennen. Dieselbe scheint sich durch ein halbes 
.Jahrtausend sehr gleich geblieben zu sein, und eine Urkunde des Königs 
Sanherib (712 — 707) beweist, dass auch der chaldäische Soldat ebenso wie 
der assyrische gerüstet war. — Die Könige kämpften mit Pfeil und Bogen 
von Streitwagen herab, wie das bei allen Völkern des Orients ausnahmslos 
Gebrauch war [36]. Dasselbe gilt von den Befehlshabern, und auf deren 



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— 61 - 



Wagen befanden sich auch die Feldzeichen ihrer Abtheilungen : Bilder 
von Doppelstieren, Rossen oder pfeilversendenden Göttern, die auf Stieren 
stehn [17, 18J. — Der ungeheueren Masse der Truppen entsprach die grosse 
Anzahl der Befehlshaber. Diese aber gehörten säinintlich zugleich zum 
Hofstate des Monarchen; sie liebten es, ihre Waffen vom kostbarsten Stoffe 
herstellen und mit Edelsteinen verzieren zu lassen, und das hatte allmälilig 
eine prunkvolle Schaustellung des Reichthums in der kriegerischen Erschei- 
nung des gesammten Heeres zur Folge. 

AlsMaterialderWaffen dienten vorzüglich Bronze und Eisen ; doch 
ist es höchst wahrscheinlich, dass die Assyrer auch schon früh mit der Her- 
stellung des Stahls und der sogenannten Damascenerarbeit vertraut waren. 

Wenn der Prophet Jeremias dem Heere Nebukadnezars zuruft : „Rüstet 
euch mit Stand- und Handschilden und machet euch zum Kriege bereit! 
Schirret die Rosse an und sitzet auf, ihr Reiter! Ergreifet die Helme und 
schärfet die Spiesse und wafFnet euch mit dem Harnisch! 1 **) so gibt er 
ein ganz anschauliches Bild von der Bewaffnung der assyrischen 
Krieger. Nach Herodots Schilderung trugen diese eherne, auf eine be- 
sondere Art gearbeitete Helme, Pauzer von Linnen, Lanzen, Schilde und 
Schwerter, die denen der Aegypter ähnelten, und überdies Streitkolben mit 
eisernen Spitzen [11].**) 

Das Fu ssv olk erscheint auf den Denkmalen in Schaaren, welche sich 
nach Kleidung und Ausrüstung unterscheiden. — Fassen wir nierat die 
Schwerbewaffneten ins Auge! Ihre Schilde [14, 22, 28, 28] wurden 
vermuthlich, ähnlich den noch gegenwärtig von den kurdischen Völkorn ge- 
führten Waffen, aus starkem Leder hohl gearbeitet und durch Metallbe- 
schläge verstärkt und geschmückt. Kleinere Rundschilde versah man nicht 
selten mit kegelförmigen Spitzen [14] , um so im Handgemenge auch als 
Stosswaffe dienen zu können. (Hiob 15, 26.) — Der Helm hat sich aus der. 
ursprünglich allen orientalischen Völkern eigenen Kappe zunächst zu einem 
kegelförmigen Lederaufsatze mit Ohrenklappen entwickelt [15], der durch 
metallene Reifen verstärkt ward. Allmählig gestaltete sich dann ein ganz 
aus Bronze oder Eisen gebildeter Kegelhelm, welchen vornehmlich die Mo- 
numente von Khorsabäd darstellen und welchen auch Ausgrabungen wirk- 
lich zu Tage fördern. Er gehört in der Folge zur regelmässigen Ausrüstung 
der assyrischen Truppen (Herodot 7, 23) [20, 21, 28]. Gleichzeitig kamen 
runde Helmkappen mit hohem Kamm und Backenstücken auf [16, 19). — 
Brust und RUcken schützten entweder derbstoffige kartonnirte Linnen- 
panzer in Form enganliegender ärmelloser Jacken***) oder breite verzierte 
Binden, mit denen man den Oberkörper umwickelte [22, 251)]. Ganz Schwer- 
bewaffnete tragen auch wol ein bis zu den Knöcheln reichendes stählernes 
Panzerhemd, von denen eines, allerdings nur in Brucbstücken , bis auf 

*i Jerem. 48, 3, 4. 
•») Herodot 7, «3. 

•♦*» l'cW .Ii»- Linnen|»Hiiz<-r vfrgl S.-it.- 2u nnwie ilfii 'IVxt zu il.-n TaMn s. 10 and II. 



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62 - 

die Gegenwart gekommen ist und im britischen Museum aufbewahrt wird 
[20]. An Stelle dieser ältesten schwerfälligen Bewaffnung traten in der Folge 
lederne oder doch starkstoffige Panzerjacken mit aufgenähten Blechen 
[21, 25t, e], die meist von Eisen getrieben und zierlich mit Kupfer aus- 
gelegt waren. Zum Zusammenfassen wählte man breite, mit Metall besetzte 
Gürtel, welche ebenso wie zuweilen das Kreuzk oppel des Schwertes [19] 
zugleich als Verstärkung der Rüstung dienten. — In späterer Zeit kam noch 
ein weiterer Schutz durch Panzerhosen oder Beinschienen und Stiefel 
hinzu [22, 25]. Den Unterleib umschloss eine Tunika wahreche'nlich von 
Büffelledcr; die Arme aber blieben durch alle Epochen des assyrischen 
Kriegswesens bloss. 

Schwert und Dolch waren stete Begleiter des vornehmeren Assyrers. 
gewohnheitsrechtliches Abzeichen seiner edlen Geburt und daher kostbar 
ausgestattet. Griffe und Scheiden wurden in Elfenbein, Ebenholz, Silber 
und Gold ornamentirt, theils mit Arabesken, theils mit symbolisirenden 
Thierfiguren [1, 2. 9, 10]. Metallbeschläge gliederten die vermuthlich le- 
dernen Scheiden, deren Mund und Ort ganz besonders stattlich verziert zu 
werden pflegten, sogar durch rund gearbeitete Figuren. Handelsverbin- 
dungen mit dem Osten führten den Assyrern gewiss schon frühe auch in- 
dische Schwerter zu.*) — Zu den im gewöhnlichen Leben seltener getra- 
genen, vielmehr zur eigentlichen Kriegsrüstung bestimmten Waffen gehörten 
die wuchtigen Stabkeulen [8] und die Streitäxte [12]. Erstere, deren 
besonders Herodot als allgemein gebräuchlicher Waffe erwähnt,**) scheinen 
auch von Würdenträgern wie Kommandostäbe geführt worden zu sein. 
Beile und Aexte blieben als Waffen niederer Krieger völlig schmucklos. 
Sie kommen häufig mit Doppelklinge vor. 

Die leichten Truppen, Bogen- und Speerschützen und Schleuderer. 
sowie die Milizen trugen ein hemdförmiges Gewand, bedeckten das Haupt 
gewöhnlich mit einer metallbesetzten Stirnbinde und führten meist nur eine 
leichte Handwehre von länglicher Gestalt, die aus starkem Ruthengeflechte 
bestand [13]. Doch kamen auch Leichtbewaffnete mit Helm und Rund- 
schild vor [19, 24]. Die Bogenschützen wurden zuweilen von S c h i 1 d- 
trägern begleitet, welche mannshohe Tartschen führten und vor den 
Schützen aufpflanzten [21]. Diese Standschildc scheinen aus lederüberzo- 
genem Holze bestanden zu haben. — Der assyrische Bogen war 3 bis 4' 
hoch und derart an den Enden ausgeschnitzt, dass diese zur Befestigung 
der Sehne tauglich wurden. Allgemein war bei den Assyrern die Anwendung 
eines besonderen Bogenfutterals [7J. Reiche ornamentale Ausstattung er- 
hielten die Pfeilköcher [H], Die assyrischen Bogner waren berühmt. r Ein 
offenes Grab" nennt Jesaias ihren Köcher. — Nicht minder geschickt scheinen 
die leichten Truppen den Wurfspiess geführt zu haben [4, 5], Um ihn 
während der Ruhe in den Boden stossen zu können, gab man ihm an beiden 

*) Lassen: Indische Alterthumakumle. II. Bonn 1874. 
I II mhW.1 7. 83. 



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63 - 



Enden eine Spitze [5]; wollte man die Waffe aber gleichzeitig auch zum 
Stosse geschickt machen, so versah man sie unten mit kolbenartiger Ver- 
stärkung [6]. — Die Schleuder nahm nur eine untergeordnete Stellung ein. 

Die Pferde [24, 25, 26, 27] Assyriens erscheinen wohlgebildet. Der 
Prophet Habakuk rühmt sie als „schneller denn die Leoparden und kühner 
als die Abendwölfe.** Den .luden wurden sie vom Feldherrn des assyrischen 
Königs als annehmbares Geschenk geboten *), und in der statistischen Tafel 
von Karnak sind sie unter den Tributgegenständen aufgeführt, welche Me- 
sopotamien und die benachbarten Länder den Aegypten! zu leisten hatten. 
Die auf den ältesten assyrischen Sculpturen dargestellten Pferde hält Layard 
znm Theil für Portraits nach den schönsten Modellen. Sie zeichnen sich 
in der That sämmtlich durch kleinen, wohlgeformten Kopf, grosse Nüstern, 
gewölbten Nacken, langen Leib und dünne, nervige Beine aus. Sie gleichen 
auffallend den heutigen arabischen Pferden. 

Schon auf den ältesten Skulpturen von Nimrud und den Reliefs von 
Kujjund8chik sind vollständig diseiplinirte Reitersc haaren dargestellt, 
und zwar sind auf den älteren dieser Bilder die Rosse, abgesehen von den 
hinter dem Wagen des Königs geführten, weder mit Satteldecke noch Sattel 
ausgestattet. In späterer Zeit scheint eine Art von Kissen eingeführt 
worden zu sein, ja auf einer Skulptur von Kujjundschik ist sogar ein hoher 
Sattel abgebildet, der dem noch jetzt im Oriente gebräuchlichen ähnelt. 
Die Reiter, welche auf blossen Pferden ritten, zogen die Knie bis in die 
Höhe des Pferderückens, die späteren, welche auf Kissen ritten, sassen 
gestreckter [25dJ ; Sporen und Steigbügel hatten sie nicht. Sobald ein Bo- 
genschütz zu Pferde im Gefecht war . wurde sein Ross von einem zweiten, 
neben ihm reitenden Manne gelenkt, so dass immer zwei und zwei zusammen 
kämpften: Lanzenreiter lenkten ihre Pferde selbst und führten nur selten 
Schilde. 

Die vornehmste Waffe der Assyrer ist die der Streitwagen. — Auf 
dem Streitwagen waren wol zuerst die Könige von Elam und Ur, von Erech 
und Babel ins Feld gezogen, nach ihnen die Könige von Damascus und 
Hamath so wie die Fürsten der Philistäer und Hebräer, und von den Se- 
miten hatte sich dann diese Fechtart westwärts nach Aegypten, Kleinasien 
und Hellas, ostwärts bis zu den Indern am Ganges verbreitet. — Die 
Masse der Streitwagen [26] bildete einen besonderen Theil des Heeres 
und zwar den vornehmsten. Mehrfach hebt die Bibel hervor, dass die Stärke 
der assyrischen Streitmacht aus Reitern und Wagenkämpfern bestanden 
habe.**) — Die Wagen wurden vermuthlich aus Holz gefertigt; doch erwähnt 
die Bibel auch eiserner Wagen der Kananiter. ***) Hinten waren sie offen, 
an den Seiten jedoch (was bei den ägyptischen nicht der Fall war), durch 
eine Tafelwand vollkommen geschlossen. An dieser hingen zwei Köcher mit 



*) 2. Könige 18. 28. 

~) Jesaias 22, «: 2. Samuel. 10. 18; 1. Samuol. 13. ;.. 
***) Riehtn 1. 19 u. I. 3. 



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Pfeilen, ein krummer Bogen, ein Wurfspiess und eine starke Streitaxt. Die 
Deichsel wurde von einer gabelförmigen Stange gehalten, welche am Wagen- 
vordertheile befestigt war und mit dem Ende der Deichsel in Verbindung 
stand. In späterer Zeit wurde diese Vorrichtung durch ein einfaches Seil 
oder eine Stange ersetzt. 

Obgleich das Joch für zwei Pferde eingerichtet war, schirrte man doch 
in älterer Zeit gewöhnlich drei an den Wagen: indes findet sich keine Spur, 
aus der man abnehmen könnte, wie das dritte Pferd vorgelegt ward. Man 
darf vermuthen, dass es nicht mitzog, sondern nur angekoppelt war, wie 
bei den Fuhrwerken der homerischen Griechen. Die späteren assyrischen 
Wagen wurden aber, gleich den ägyptischen und persischen , nur von zwei 
Pferden gezogen. Während der ältere Wagen niedrig war, erreichten die 
Räder des späteren Manneshöhe; bei jeuem hatte das Rad sechs Speichen 
und vier Felgen, bei diesem acht Speichen; die frühere Schwerfälligkeit 
machte grosser Zierlichkeit Platz ; Gold, Silber und Elfenbein, Schnitzereien 
und Malereien wurden üppig angewendet 

Geschirr und Schmuck der Pferde [24] waren ausserordentlich 
reich und elegant. Federstutze wehten von den Köpfen, und phantastische 
Kämme stiegen über die Ohren nach der Nase herab. Bänder und kleine 
Wimpel flatterten im Winde ; grosse Troddeln von Wolle oder Seide zierten 
Stirn und Geschirr. Die Gebisse bestanden zuweilen aus Gold oder Silher 
und endeten in breiten Knebeln, an welchen die gespaltenen Backenstücke 
befestigt waren, während die Zügel in der Mitte der Knebel, erst später an 
dem einen Ende derselben angebracht waren. Jedes Pferd wurde durch 
zwei Zügel regiert, so dass der "Wagenlenkcr, wenn er mit drei Pferden fuhr, 
in jeder Faust drei Zügel führte. 

Aulass zur Erfindung der Streitwagen mag der Wunsch gegeben haben, 
in der Schlacht so schnell als möglich vorzustürzen, um deu Gegner zu 
überraschen, ihn unvorbereitet mit Pfeil oder Speer zu durchbohren, sich 
dann aber wieder durch eiligen Rückzug dem Geschosse des Gegners zu 
entziehn. Oft jedoch gereichten diese Kriegswerkzeuge, die gewissermassen 
zwischen Schutz- und Trutzwaffeu die Mitte hulten, den eigenen Kriegern 
durch das Ungestüm der Rosse oder das Ungeschick der Wagenlenker zum 
Verderben. 

Endlich ist erwähnenswerth, dass bei der mehrfach vorkommenden Dar- 
stellung von Flussübergängen [27] das Fussvolk mit Hilfe von aufge- 
blasenen Schläuchen, den sogenannten „Kelleks" schwimmt, wie es noch 
heut in Mesopotamien üblich ist. Eins der ninivitschen Monumente stellt 
Truppen des Sanherib dar, die einen Fluss auf dem Kellek überschreiten. 
Manche sitzen in voller Waffenrüstung, den Schild auf dem Rücken, ritt- 
lings auf grossen Schläuchen [28] ; andere haben die Waffen abgelegt und 
ruhen mit der Brust auf kleineren Schläuchen, während sie in den Kellek 
hineinblasen um ihn geschwollen zu erhalten [20J. Am Ufer sind Mann- 
schaften beschäftigt. Schläuche zuzurichten, indem sie Häute über ein Holz- 



- 65 - 



gestell spannen. Am jenseitigen Ufer wird der Kellek wieder aus einander 
und die Haut auf die Schulter genommen oder den Tragthieren aufgeladen. 

Von den Augriffs maschinell der Assyrer |30, -11] wird hei Be- 
trachtung der idtorientalischen Kriegsbauten die Rede sein. 



IV. Medien, Persien und Kleinasien. 

Tafel 8. 
Literatur. 

Heeren: Ideen über Politik, Handel und Verkehr der vornehmsten Völker der alten 

Welt. Güttingen 1824 - 26. 
Weiss: Kostümkunde. T. Stuttgart 1800. 

Hptm. Sehliehen: Die Pferde de« Alterthums. Neuwied 1887. 
Duncker: Geschichte des Alterthums. o. Aull. III. Lpzg. 187». 

Lonormant: Sur la mimarchie des Medes. Paris 1871. 

Mongez: Memoire sur les costumes des Perses. (Mcm. de la classe de lit. et heaux arts. 

Paris, an VII.) 
Malcolm: History of Persia. Deutsch, Leipzig 1830. 
F.raser: Historical and descriptive aoeount of Persia. New-Vork 183«. 
Civilisation of the ancient Persians. (National Quart. Review. New-Vork. Sept. 1865.1 
Spiegel: Erenische Altert humskunde. Leipzig 1871—1878. 
•lusti: Eine Heerschau des Xerxes. (Histor. Taschenl). 1874.) 
Justi: Geschichte des alten Persiens. Berlin 187». 

Hamilton: Researches in Asia minor. Deutsch., Lp/g. 1843. 

Fei lows: A Journal written during a oxcursion in Asia minor. London 183». 

Fellows: An aecount of discoveries in Lycia. London 1841. 

(Beide Schriften Sir Charles Fellows' deutsch, Leipzig 1853.) 
Hopo: Costnme of the Ancients. I. London 1841. 
Texier: Dcacription de I'Asie inineur. Pari» IH4» 1852. 
Friedreich: Die Realien in der Iliade unft Odyssee. Erlangen 1851. 



In den heiligen Schriften der Parsen (Vendidad. Fargard XTV. *) werden 
als die einem Krieger nothwendigen Rüststücke hervorgehoben: Panzer und 
Schild, Helm. Gürtel und Beinschienen. Bogen mit 30 Pfeilen, Schleuder, 
Messer, Keule und Lanze ; indes die Altperser hatten während der Zeit des 
numadisirenden Hirtenlebens kaum andere Wallen als Messer, Schleuder 
und Fangseil, wie sie bei den, von fremden Einflüssen wenig berührten Sa- 
gartiern auch noch in später Zeit fast ausschliesslich geführt wurden.**) 

*) Der Vendidad ist ein Theil des Zend-Avesta, dieses ehrwürdigen Restes einer der 
wichtigsten Rcligionsurkunden der Menschheit, des umfangreichen Kanons der uralten 
heiligen Schriften der Brünier (ca. 1000 v. Chr.). Kr zerlallt in 22 „Fargards", Fragmente 
«ehr verschiedenen Inhaltes. 
**) Herodot, 7. 80. 

5 



— 66 - 



Dann gesellten sich Bogen und Pfeil, so wie der Speer zu jener urtliümlichen 
Ausrüstung; aber erst im 6. Jhdt., seit Kurusch (Cyrus) erscheinen Schwert 
und Schutzwuffen, für welche die kostbare Ausrüstung der unterworfenen 
Nachbarvölker, der Meder und Assyrer. glänzende Vorbilder gaben. *) 

Die vornehmste Waffe des persischen Heeres war. wie bei den Assy- 
rern. die der W a ge n k ä mp f er. Das Haupteontingent zu derselben stallten 
jedoch nicht die Perser selbst, sondern die Libyer, Lyder und Inder. Die 
Lyder fuhren mit 4—6 Rossen und galten als die furchtbarsten und ge- 
wandtesten 5 von den Indern wird berichtet, dass sie häufig wilde Esel ein- 
spannten. Die Wagen, deren Bauart unter Kurusch verbessert worden, 
gingen auf 2 starken Rädern . deren Axe unter dem hinteren Theile des 
Wagenkastens lag [14], Bei horizontaler Stellung des letzteren stand die 
Deichsel in die Höhe, weil sie durch ein Doppeljoch auf dem Rücken der 
Rosse befestigt wurde. An der Seite des vorn abgerundeten, hintan offenen 
Wagenkastens hingen Pfeilköcher. — Da die Wagenkämpfer aus den edelsten 
und wolhabendsten Kriegern bestanden, so liebten sie es . ihr Gefährt mit 
grosser Pracht auszustatten. Dabei gingen natürlich die Könige voran. 
Der Wagen, von welchem Darius in der Schlacht bei Issus kämpfte, war 
reich mit erhaben gearbeiteten Verzierungen aus Gold und Silber bedeckt 
und dem entsprechend das Riemzeug der Pferde auf s Kostbarste geschmückt.**) 
Dass man später die Wagen bunt zu bemalen pflegte, zeigt das berühmte 
Mosaikbild der „Alexanderschlacht" zu Pompeji. 

Nicht selten gestaltete man den Streitwagen zum Sic hei wagen.' in- 
dem man an den Radnaben, sowie an der Axe erdwärts gewendete eiserne 
Sichelmesser anbrachte und zuweilen auch die Deichsel in eine Lanzen- 
spitze auslaufen Hess. ***) Es werden auch Sichelwagen erwähnt, welche mit 
mehren Deichseln versehen waren. Der des Adrabates z. B. hatte 4 Deichseln 
und wurde von 8 gepanzerten und bestachelten Rossen gezogen. Die schwer- 
gerüsteten Wagenlenker pHeut^a starke Knuten zu führen. — Geschichts- 
schreiber berichten, dass di^cjj#jene Sicheln Glieder durehstürmter Mann- 
schaften oft glatt abgeschnitten worden seien und dahinrollende Köpfe noch 
einige Zeit den Ausdruck des Lebens bewahrt hätten. Nach Plutarch Hess 
Artaxerxes Mnemon ein griechisches Corps unvermuthet von solchen Sichel- 
wagen angreifen und vollständig niederfahren. In der Schlacht bei Arbela 
erscheinen 200 Sichelwagen f ) ; Xenophon rechnet deren 300 für eine per- 
sische Armee. •{"}-) Der grosso Klinisch soll thurmartige Streitwagen für 20 
Krieger erbaut haben. "{"{"{") Dadurch dürfte das an sich schon nicht leicht 
zu handhabende Gefährt noch schwieriger geworden sein. — Die Feldherren 

*) Herod. 7, 61, 62; Xenophon: Kyrop. 2, l; 7, l. 
**) Curtius 8, 3. 

***) Beschreibungen der Sichelwngen bei ('urtiua 4. 9, 4; 9. 8, 1 : Dtftdor 17, 68; 
Liviua 37, 41, 6: Appian Syr. 32; Phi! ostrat.. Sen. inm*. U W. 
f) Arrian.: Anab. 3, II, 2 fi>.: Cur«. 4. 12, 10. 
tt) Xenoph.: Kyrop. 6, 1, 28. 
tfi) Kyrop. «. 1; 17. 



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« 



- 67 - 



der Griechen und Römer fanden bald Mittel, sich der entsetzlichen Wirkung 
dieser Waffe zu entziehen.*) Q. Curtius berichtet, dass Alexander der 
Grosse seinen Soldaten befohlen babe, den heranstürmenden Wagen gegen- 
über einfach die Glieder zu offnen, so dass sie unschädlich durch die 
Schlachtlinie hindurch brausten ; so lange aber die Pferde noch nicht zum 
Galop angetrieben seien, sollte man sie durch Lärm erschrecken und durch 
Geschosse zu treffen suchen. E i n glücklicher Schuss konnte das ganze Ge- 
spann in's Verderben stürzen. Auch Fussangeln. Gräben und Pfähle wurden 
gegen die Sichelwageu angewendet, für die ebener Boden unerlässüche Be- 
dingung war. Ihre Zahl nahm mit der Ausbildung der Reiterei mehr und 
mehr ab. namentlich seit Darjäwusch (Darius). so dass der Streitwagen zuletzt 
mehr Würdezeichen als Waffe war. **) — Die Hauptwirkung der donnernden 
Fahrzeuge ist wol moralischer Natur gewesen. 

Den Wagenkämpfern folgte im Heereszuge der Perser das Fussvolk. 
Dies ward nach den verschiedenen Nationen und Stämmen geordnet. Den 
Reigen eröffneten die eigentlichen Perser, an ihrer Spitze die 10,000 Un- 
sterblichen. Es waren dies „Doryphoren ", Speerträger [12, 13]. Eine 
Tausendschaft derselben, die Elite der Schaar, zeichnete sich durch goldene 
Halsketten aus, und die Granatäpfel, welche als Gegengewicht der Klingen 
den Fuss ihrer Speere schmückten, waren vergoldet, während die der 
übrigen 9000 nur versilbert waren. (Nach dieser Granatverzierung könnte 
man die Unsterblichen als eine „Grenadier''- Division bezeichnen.) 

Die Unterkleidung des Fussvolks, auch die Hose, bestand aus 
Leder, darüber trugen die ausgesuchten Schaaren Platten hämische, 
die übrigen erzene Schuppen panzer. Auch die bei den Aegypteru und 
Assyrern schon seit alter Zeit üblichen Linneupanzor wurden von den 
Persern nachgeahmt. ***) Xenophon schildert den Fürsten von Susa damit 
angethan und fügt hinzu, dass diese Waffentracht zur dortigen Landessittc 
gehört habe (hvovv ihijQuxa, og imxniftiog i?»- avToi^f) Ebenso trugen die 
kriegerischen Chalyber 1 e i n e ne H a r n i 8 c h e bis aufden Unterlei h.y-f) 
— Ein Grieche des Mittelalters, der Byzantiner Nicetas Choniatas, dem man 
eine Kaiser-Geschichte von 1118 — 1205 verdankt, beschreibt die Art der 
Verfertigung jener Harnische folgendormassen : f^j") „So nun stritt jener 
zwar ohne Schild; aber er war mit einem aus Leinewand gewebten Ge- 
wände nach Art eines Harnisches angethan, welches mit starkem Weine, 

*) Frontin: Straten. 2,3; Xenoph.: Anab. 1, 7, 10; Appian: Syr. 32; Arrian.: 
Tuet. 2, 6: Hirtius: Bell. Alex. 75; Valcr. Flace. 6. 105; Asclepiodot. Taet. 8. 
Veget.: De re milit. 3,24: Arrian.: Ana»». 3, 13, 13,5 -6. I'eber die furchtbare Wirkung: 
Mütze l'g Noten zu Curtius pg. 268. 

**) Kruger {Geschichte der Assyrer und Ininier) bringt diese Abnahme mit dem 
Aussterben der alten Adelsgeschlechter in Verbindung. Doch trat wol nur eben die eine 
Waffe an die Stelle der andern. 

•*•) Herodo t. 1, 135. Vergl. oben Seite Hl. 

f) Kyrop. 6; 4, 2. 
ff) Xenoph.: Anab. 4; 7, 15. 
fff » Annal. edit. Wolf. p. 191. 

5* 



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- 68 — 



der mit Salz vermischt, getränket und vielmals herumgewunden worden. 
Dieses Gewand, durch Salz, und Wein dicht an einander liegend, war so 
abwehrend gegen Hieb und Stich, dass es sich stark erwies gegen jede An- 
griffswaffe. Der Umwindungen des leinenen Gewandes wurden achtzehn und 
mehr gezählt.'' — Den gauzen Anzug der Perser verhüllte ein langer Kaftan 
(Sarafane). — Die Kopfbedeckung kommt in drei Hauptformen vor : 
erstlich als Tiara [4], ein Glockenhelm mit vornüberhangendem Kamm, 
dann als medischer Hut, der einer Federkrone gleicht |T>, 1*2], und endlich 
als persische Ledermütze (Bundhut), welche am Hinterkopf zusammengeschnürt 
wurde, eine Nationaltracht, aus der man im Alterthume den ungewöhnlich 
geringen Schädelumfang der Perser erklären wollte *) [IS]. — In stetem Ge- 
brauch waren mannshohe aus Zweigen geflochtene Setztartsc hen assy- 
rischer Art. Ausserdem kommen auf späteren Denkmalen runde**) und 
rautenförmige ***) Schilde vor [8]. 

Als Trutzwaffen dienten Speer, Axt und Schwert. — Der 6 bis 7' 
lange Speer hatte einen Schaft, der aus einer Art Hartriegel (cornus mas- 
cula) bestand, und eine gefüllte Spitze von Lanzettform aus Erz oder 
Eisen -j-) [12, 18]. — Die Streitäxte erscheinen meist in Gestalt des 
assyrischen Doppelbeils [9], zuweilen aber auch in Hackenform [H]. — Das 
Schwert führte die gewöhnliche Mannschaft in Dolchgestalt, nur etwa T 
lang. Es wurde im Gehänge an der rechten Seite getragen, und das untere 
Ende der Scheide ward durch eine Fessel an das rechte Knie geknüpft.-{"{') 
Reiter und Befehlshaber führten grössere Schwerter, und auch ein krummer 
medischer Säbel (Kopis) findet sich mehrfach erwähnt. Die Griechen 
staunten über die Pracht und Kostbarkeit der „goldenen Medersübel 4 ' und 
betrachteten sie als eine vorzüglichste Kriegsbeute. Neben diesen Waffen 
wird fast stets noch der Bogen geführt, Lieblingswehr auch dieses orienta- 
lischen Volkes. Als solche war der Bogen steter Begleiter des freien 
Persers; der König sogar führte ihn auf dem Streitwagen [15], und Kurusch 
hielt streng darauf, dass die Mannschaft stets geübt blieb im Bogen- 
gebrauche.*-}-) Aischylos rühmt die Bogengewaltigen , die Blüthe des per- 
sischen Landes", und Atossa, die Königin, fragt ihren Gemahl, ob denn 
auch den Hellenen „der bogengetriebene Pfeil die Hand ziere".*-j--{-) Noch ein 
so später Schriftsteller, wie der auf der Schwelle des Mittelalters stehende 
Prokopius von Caesarea (6. Jhrdt. n.Chr.), rühmt die Perser als beste Schützen 



*) Herodot 3, 12. 

**) Mit runden Schilden, welche noch heut die vornehmste Schul zvaflV der persischen 
Stumme sind, erscheinen die Krieger uuf dem die „Alcxander-schlacht" darstellenden pmn- 
pejaiiisehen Mosaik. 
•**) Strabo 15, 8. 

f) Xenoph.: Kyrop. 1. 2. 
ff) Herodot 7, 61. 
fft) Herodot 9, 80; Xenoph.: Kyrop. 5, 2: Strahn 15. 3. 

*f) Xenoph.: Kyrop. 1, 2, 4; 3, .'t. 
*ft) fers. v. -.'II -JH; 23»; »Üt». 



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- 69 

der Welt.*) — Der gewöhnliche persische Bogen wurde aus hartem Holze 
geschnitzt oder aus Thiersehnen zusammengeflochten. Herodot sagt einmal, 
die Perser führten kurze Bogen ; • an einer andern Stelle dagegen nennt ei 
ihre Bogen gross. Dieser Widerspruch löst sich bei Betrachtung der 
Reliefs von Persepolis dahin, dass die Perser allerdings gewöhnlich mit 
kurzen Bogen erscheinen, die dann der Pfeilköcher mit aufnimmt [13], 
während die medisch gekleideten Nationalperser der Leibwache bedeutend 
längere Bogen und zwar über der Schulter tragen flSJ. Die leicht befiederten 
Pfeile bestanden wie die der Inder aus befiedertem Rohr**) und hatten 
Spitzen von Erz oder Eisen. An den Köcher pHegte man eine dreistrehnige 
Kar bat sehe***) zu hängen [12]. Endlich kommt auch noch ein kleiner 
Handspiess. das Pal ton, gleich geschickt zum Stoss wie zum Wurf, 
als Waffe persischen Fussvolkcs war. 

Da« Reich Spanier der Nationalperser war ein klafternder Adler von 
Gold; denn das Bild des altheiligen Vogels j) war zugleich das Stammes- 
Feldzeichen der Aehämenidenff). Ucbrigens spricht das Avesta auch schon 
eigentlichen Fahnen. — Hörner und Trompeten wurden für die 
Signale verwendet, ff f ) 

An militärischer Tüchtigkeit achteten die Perser am meisten nach sich 
selbst die nahe verwandten Meder. mit denen sie fast eine Nation bildeten. 
Es scheint ein entschieden soldatisches Element in den Medern gelebt zu 
haben. Herodot berichtet, dass ihr König Kyaxares der Erste gewesen sei, 
der die Waffengattungen, welche sonst (wie es die Anordnung nach Stämmen 
und Sippen mit sich brachte), wirr durcheinander gefochten hätten , durch 
das ganze Heer vereinigt und methodisch aufgestellt habe. Die Rüstung 
dieses Volkes ward von weissgestreiften Purpursarapen überwallt; seine 
rothen Schilde waren elliptisch mit kleinen halbrunden Einbiegungen an den 
Langseiten.*-{-) Diese geigenfönnige Schutzwaffe bestand aus lederüber- 
zogenem Holze mit einer Metallscheibe an der Nabelstelle. Sie erinnert an 
den Schild der griechischen Boiotier. 

Die medischen Bogen waren wie die der persischen Leibwache lang 
und wurden nicht in Futteralen, sondern über der Schulter getragen. 

Nächst den Medern galten die skythischen Saken als zuverlässigste 
Truppen. Mit dem Namen „Saken" bezeichneten die Perser im Allgemeinen 
skythische Nomadenvölker . und wahrscheinlich stammt das Wort von 
„saighead" (sagitta) = Pfeil. *ff) — Das Epos der Perser pries die Dienste, 
welche die Saken dem Kurusch geleistet ; aber nach seinem Tode waren sie 
aufgestanden, und dem Darjawusch hatte es grosse Mühe gekostet, sie 

*) Bellum, Pen. I, 18. 
♦*) Berod. 7, 61. 
***) Berod. 7, 223; Xonoph.: Kyrop. 8, 3. 

fr) Vendidad. Frap. II. 139. 
y-J-) Xenoph.: Kyrop. 7, 1,2; Aitali. 1, 10; AisohyL Pen.: .V. 905 ff. ; Jeaai»s46, IL 
■J^-f) Xenoph. : Kyrop. 5, 3; Beliod. : Aeth. 8. 17. 

•fr) Proph. Nahum 2, 4. 
•frfr) ObermSller: Deut*.di-K<;Ui«die 8 Wörterbuch. II. Herlin 1872. 



— 7(1 — 



4 

wieder zu unterwerfen.*) Sie trugen hohe, spitze Filzliütc. unter «lenon 
ihr langes Haar über den Rücken fiel, und führten neben Bogen und Dolch 
die ..Sagaris'*, d. h. die zweischneidige Streitaxt der Amazonen [23]. — 
Hei Marathon standen die Saken im persischen Centrum; und nach dem 
Xerxes-Zu^'o behielt Mardonius sie als eine Elite mit den Baktrern und 
Indern in Griechenland zurück. **) Noch in der Arbela-Schlacht fochten die 
Saken von allen Truppen des Grosskönigs am tapfersten.***) 

Doch auch die andern Völker verschmähte man nicht. in"s Feld zu 
schicken: die Assyrer, die Susi an er in ihren Linnenpanzern, die den 
Persern gleich gerüsteten tapferen H y r k a n c r , die B a k t r e r , die I n d e r, 
ja jene östlichen Aethiopen. „die äussersten der Menschen", ein schwarzes 
Volk dekanischen Ursprungs, mit Schilden von Kranichhaut und fremd- 
artigen, aus langbemähnteu Rosshäuptern gebildeten Kopfbedeckungen. 
Menschen, denen noch geschärfte Gazellenhörner als Speerspitzen dienten. 
Dann folgten die Parther und Kaspier. die Araber, Nubier, Ly- 
bier und Aegyptcr. Es war eben eine Völkerwanderung; Herodot 
führt . r >*> verschiedene Nationen im Heer des Xerxes auf: die Stämme der 
skythischen Steppen wie die Krieger Kleinasiens und Phönikiens, die des 
Nilthals wie die von den Tnseln des persischen Golfes. 

Auch in der Reiterei behaupteten die Nationalperser den ersten Rang, 
was sehr merkwürdig erscheint, weil die Bewohner der Landschaft Persis. 
deren gebirgiger Boden dem Gebrauche des Rosses ungünstig ist, ursprüng- 
lich durchaus keine Reiter gewesen waren. Kurusch aber, welcher ja diesem 
bogen- und lassoführenden Jäger- und Hirtenvolke zuerst die Anwendung 
der Nah- und Schutzwaffen gelehrt, der erkannte auch die Notwendigkeit 
der Reiterei für das Gefecht auf der Ebene und drang daher mit aller 
Energie auf Einführung der Reitkunst. +) Diese wurde ein wesentlicher 
Bestandtheil der persischen Jugenderziehung. Bald galt es für einen vor- 
nehmen Perser als unanständig, auch nur den kleinsten Weg zu Fusse zu- 
rückzulegen, und die Wortenduug „aspes 4 *, welche ..Boss" bedeutet, wurde 
als Adelszeichen vielen Namen angehängt; ähnlich wie bei den Griechen die 
Endung „hippos" einen vornehmen Klang hatte, ff) 

Die Masse der persischen Reiter focht stets mit dem Bogen. Aischylos 
nennt die Perser „bogengewaltige Rossbesteiger . schreckhaft zu schauen 
und furchtbar im vielwagenden Mutb ihrer Seele. *'fff) Diese beritteneu 
Bogner trugen den Linnenpanzer oder über dem Acrmelhemde einen leichten 
Schuppenpanzer und an Trutzwaffen ausser Bogen und Wurfspiess den 
krummen, nicht sehr langen Säbel an der rechten Hüfte. — Neben den 

*) Polyän: St rat. 7, 11; Hem.l. 1, 134. 
Herodot 8, 113; 9. 31. 
'♦*! A rrian.: Anah. 3, 13. 
f) Xcnnphon: Kyrop. — Diese Antillen siinl um so wahrmheinlicbcr, nl* unter <Uu 
videu Skulpturen von Per8e)Mili* noch keine einzige Ueitcrfifjur vorkommt, 
ff) Aristophancs: Wolken. 
fit> rw v. 235. 



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— 71 - 



Schützen bestanden starke Abtheiluugcn schwer gewaffneter Reiter, die so- 
genannten Klibanarier, welche lange Schwerter und Stosslanzeu führten 
und in der blanken Waffe ihre Hauptstärke suchten.*) Diese Ritterschaft 
trug statt der leichten Tiara Helme von gehämmertem Eisen oder Erz und 
eherne Panzer unter dem purpurnen Kaftan. Ihre Helme sind zuweilen 
von einer höchst auffallenden Form, welche bereits die Idee des Schienen- 
helms erkennen lässt, wie er im 16. Jahrhundert in Europa getragen wurde 
[<]. Der dem Visir entsprechende Theil desselben heisst im Avesta ,,paiti- 
dana", ein Ausdruck, den man sonst für das Tuch gebrauchte, mit dem der 
Beter den Mund verhüllte, um das heilige Feuer nicht durch seinen Athem 
zu verunreinigen. **) Helm und Panzer der Klibanarier sind durch eine 
Halsberge verbunden, welche in Avesta merkwürdigerweise als „kuiris" 
bezeichnet wird. Auch die Beine bedecken Erz schienen. Die runden 
Schilde sind klein und mit Erz beschlagen. — Die Rosse der Klibana- 
rier tragen Stirnplatteu und Panzer an Bug und Rücken; ihre Stirnhaare 
sind mit einem Ringe zusammengefasst und stehen garbenförmig in die 
Höhe ; das Riemenwerk ist mit Rosetten oder Schellen besetzt. ***) 

An Pferden war Ueberfluss im Reich. Zu Babylonieu unterhielt 
allein der Satrap ein Gestüt von 800 Springhengsten und 1600 Stuten. •{■) 
Aehnlich blühte die Perdezucht auch in andern Ländern der persischen 
Krone. So lieferte Kappadokien neben 2000 Mauleseln jährlich 1500 Pferde, ff) 
Armenien 2000 Fohlen als Tribut an den Grossherrn.f f f ) Dieser selbst un- 
terhielt im Hippobotes stets 150.000 Stuten der berühmten nisäischen Rasse, 
von denen Alexander der Grosse, trotz des Krieges, noch 50.000 vorfand.*f) 
Ja sogar weit später, als die Bestände schon sehr zusammen geschmolzen 
waren, konnte der Satrap Athrauasthes dem Antonius doch noch, ausser 
vielen anderen Pferden, sofort 6000 Panzerreiter stellen. — Die den 
Griechen unbekannten Hufeisen scheinen die Perser früh gebraucht zu 
haben: schon im Avesta soll von ihnen die Rede sein. 

*) Xenophon: Cyri inst. 8, 1, 14; 4. 29. 
-) Vendidad. Farg. XIV, 39. 

*•*) Herodot 7, 85; 8. 113. Xenophon: Anab. 1, 87; Cyri inst. H, 99; Arrian.: 
Anab. 3, 13. 

f) Eft waren die» vermuthlich solche Pferde, welche von den verschiedenen Völkern 
als Tribut geliefert und von den Satrapen, wie auch grosse Meuten, nur verpflogt wurden. 
— (Herodot 1, 192. Brisson 1 cp. 189.) — Man hat zuweilen den Namen „Susa" 
von dem hebräischen „sus", chaldiiiseh und syrisch „susa". Pferd, hergeleitet, so dann 
Susa ein Land bedeuten würde, welches sich zur Pferdezucht eignet . wie in Uinlicker 
Weise Epiru* von „abirim" abgeleitet worden ist, also terra e<juorum bedeuten würde. ( Hochart 
Hieroz. I, 9tf u. 9H.) Doch dürfte namentlich letztere Etymologie sehr zweifelhaft sein. 
•]-{•) Strabo Ii, 13, 8; vergl. Isidor.: Orig. 14, 3, 37. 
ttf) Strabo U, 14. 9. 
*f) Herodot leitet, den Namen der „nisäischen Zucht" von dem modischen Nisiia ab, 
dessen Gegend mit den Ebenen des heutigen Chawa und Abisehtur identisch ist, wo noch 
jetzt die Pferdeheerdon des Schahs weiden. Indes« giebt es mehre Nisäa genannte Olle, and 
man ist geneigt, den besten Rossen der Moder und Perser parthischen Ursprung zuzuerkennen- 
•ff) Aclian h. a., 17, 17. 



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- 72 



Das Heer des Xerxes enthielt eine Auswahl der vorzüglichsten Rei- 
terei jener Zeit. Obgleich viele Länder, welche Kavallerie hatten, nur 
Fussvolk stellten, so zählt« das Heer doch 80,000 Reiter ausser den Wagen 
und Kamelen, Dazu hatten besonders die Baktrier, Parther, Oaspier. Meder, 
Kissier, Parikaner und Sagarter beigetragen. Die Letzteren, welche in den 
Ebenen von Ohorassan umherzogen, sind das bereits erwähnte lassofüh- 
rende Volk. Meder und Parther hielten von Alters her eine ausge- 
zeichnete Reiterei. Die Parther. welche unter persischer Oberhoheit standen, 
der Abstammung nach jedoch vermuthlich zu den Skythen gehörten, waren 
ein achtes Reitervolk. So heftig ihr Angriff, so wurden sie doch erst wahr- 
haft furchtbar, wenn sie zu Hieben schienen, da ihre schnellen Pferde den 
Verfolgern stets entkamen, sie selbst aber im vollsten Jagen sich im Sattel wen- 
deten und mit sicher treffenden Pfeilen die eilig folgenden Gegner nieder- 
streckten. ,,Timet miles sagittas et celerem fugam Parthi."*) — Nicht 
minder waren als Reiter die Paphlagonier berühmt, und besondere Ab- 
theilungen bildeten die Araber auf ihren Dromedaren. Die plötzliche Er- 
scheinung von «00 Dromedaren mit je 2 Bewaffneten hei Thymbra im Rücken 
der Reiterei des Kroisos hatte dem Kurusch einst den Sieg verschafft ; denn 
die Rosse der Feinde, durch Anblick und Geruch der Kamele erschreckt, 
warfen sich mit den Reitern zur Seite und brachten eine solche Verwirrung 
hervor, dass die Perser den betroffenen Flügel leicht und schnell schlugen. **) 

In derselben Schlacht wurden, dem Xenophon zufolge, auch Feldge- 
schütze zur Anwendung gebracht, d. h. fahrbare Wurfmaschienen. Jedoch 
ist über deren Einrichtung und Anwendung Näheres nicht bekannt. Be- 
lagerungswerkzeugc führten die persischen Heere allerdings stets auf 
schweren Wagen mit sich und Hessen sie von Soldaten begleiten, welche 
es verstanden, Laufgräben zu ziehen und Festungsmauern zu untergraben. 
Zu einem solchen Belagerungsparke gehörten: Sturmleitern, Sturmdächer. 
Wurfscheiben von Stahl (im Avesta „tschaku" genannt), Sturmböcke oder 
Widder, sowie Gelasse mit dem in Persien häufigen Erdöl, sowol solchem 
in flüssigem Zustande (Nafta) als zähem Bitumen. Diese Gefässe wurden 
gleich den Petarden der späteren Zeit verwendet, d. h. man warf sie gegen die 
Thore und Palissaden der feindlichen Festungen und schoss daun die mit 
dem Oele getränkten Holztheile durch Feuerpfeile in Brand. — Auch einen 
Brückentrain mit besonders ausgebildeten Pontonieren besassen die 
Perser, deren Geschicklichkeit im Brückenbau um so grösser war, als ihre 
Religion denselben ausdrücklich für ein Gott wolgefälliges Werk erklärte. 
Kurusch schlug eine Schiffbrücke über den Araxes, als er die Königin der 
Massageten hekriegte ; Darjawusch überbrückte den Bosporus und die Donau. — 
Die Brücken bestanden aus geankorten Boten, welche durch Taue von 
weissem Flachs und Papyrusbast verbunden waren. Die Bahn bildete eine 

*) Horaz: Od. 2, 13*17. Forner: Fidenteinc|iie faga Parthum versis<|»ic safjfitti« (Virg.J 
(toorg. 3. 31). Vernis animnanm equis Parthum (Horaz od. 1, 19. 10.) 
**) Herodot 5, 80. 



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— 73 — 



mit Erde beschüttete Buhlenlage; eine Brustwehr schloss die Brücke nach 
beiden Seiten ab. 

Von den Völkern, welche unter dem goldenen Adler der Achänicniden 
Heeresfolge leisteten, hat die bunte Familie der Kleinasiaten "besonderes 
Interesse, weil sie den Uebergang bildet von der orientalischen Kulturwelt 
zu der der Hellenen. 

Die Schilderungen, welche Homer von den Trojanern entwirft , geben 
ein deutliches Bild der Kleinasiaten. Von jeher scheinen sie ein besonderes 
Gefallen an möglichst kostbarer und geschmückter Ausrüstung gefunden zu 
liabeu. *) Im Wesen stimmen die Waffen übrigens mit denen dor Griechen 
überein : und da diese ausführlicher Besprechung unterzogen werden [10]i 
sollen hier nur einige bemerkeuswerthe Einzelheiten hervorgehoben werden. 

Neben den bei allen Kriegern dieses Völkerkreises üblichen Rund- 
schilden [28] kommen kleinere Handschilde mit tiefen Einbuchtungen 
vor [25], welche wagerecht getragen wurden und allerdings nur den Ober- 
körper schützten. Es ist das die in späterer Zeit als „Ainazonenschild" 
angesprochene Waffe, ein Name, der auf die nordöstliche Abstammung hin- 
weist. — Der Helm [19, 20, 21] erinnert an assyrische Vorbilder. Er be- 
stand entweder aus Leder mit Metallbeschlag oder ganz aus Erz und war 
mit Deckplatten für Genick, Ohren und Wangen versehen. 

Die Grundform nähert sich vielfach der vornüberfallenden sog. „phry- 
gischen" Mütze [21]. Den vorzüglichsten Schmuck bildet gewöhnlich 
ein langwallender Busch , dessen Einführung den Karern zugeschrieben 
wurde.**) Nicht selten war dieser Busch auf einem hohen Bügel [27] an- 
gebracht. 

Der Oberkörper empfing seinen Schutz durch Brust und Bücken- 
harnisch, die unter den Armen von Haken, unter den Rippen mit einem 
Gürtel zusammen gehalten wurden [27]. Der Harnisch bestand entweder 
aus getriebenen Erzplatten [27] oder aus beschlagenen Lederstreifen, oder 
endlich aus einem enganliegenden, dicht mit Schuppen besetzten Wamse [2tt]. 
Zum Schutze des Bauches war der Harnisch mit sog. „Flügeln'' versehen 
[27]. Unter dem Hämische wurde ein Gewand von Leder oder Filz ge- 
tragen und unter diesem zuweilen noch ein mit Wolle überzogenes Blech 
auf dem Unterleibe.***) 

Die Beine waren gewöhnlich mit Doppelschienen bedeckt, welche 
nicht nur das Schienbein, sondern auch die Wade schützteu. Sie wurden 
aus Erz oder Zinn gebildet und mit Silber verziert. 

Die Trutz waffen unterschieden sich wenig von denen der Assyrer. 
Nur die Bögen, welche aus Horn bestanden, glichen mehr denen der 

*) Man vergl. besonders die Schilderung des Paria: Iliaa 3, 326 ff. 
♦*) Herodot 1. 17t 

***) Iliad. 4, 134, 18«, 215. Heber die mutmassliche Beschaffenheit dieser Binde 
vergl. Bröndstcd: Die Bronzen von Siris. Kopenhagen 1837. Siehe auch den Text 
zu den Tafeln 10 uud 11. 



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— 74 — 



Skythen [26]. Das Schwert wurde an der linken Seite getragen. Eine 
gefürchtete Waffe war die Doppel axt (Labrys), die wie einst bei den 
alten Karem so auch bei den Lydcrn als Abzeichen der Könige galt [23 1. 
Doch auch einfache Aextc kommen vor [22]. 

Schon früh waren bei den Kleinasiaten trikot artige Beklei- 
duugcn des Ober- und Unterkörpers üblich, die mit oft überreichem me- 
tallischen Schmucke ausgestattet und auch unter der Rüstung getragen 
wurden, wobei dann die Beinschienen fortgelassen wurden [2?]. Ja nicht 
wenige der vornehmen Streiter zogen es in der Folge vor, nur in solchen 
enganliegenden Gewiindern zu Feld zu ziehen und den Schutz ausser in 
dem Schilde lediglich in den sachgemäss angeordneten Metallvcrzierungen 
des Gewandes selbst zu suchen [28]. 

Die Masse der Truppen war natürlich viel einfacher gerüstet. 

Wie bei den andern morgenländischen Völkern, so spielt auch bei den 
Kleinasiaten der Streitwagen ursprünglich die vornehmste Holle im 
Kampfe. In geschichtlicher Zeit dürfte er jedoch zurückgestellt worden 
sein : Herodot schildert als vorzüglichste Waffengattung der Lyder eine mit 
langen Lanzen bewaffnete Reiterei, und auch in dem von Xcnophon ge- 
schilderten Heere des Kroisos werden nur die Araber und Assyrer als mit 
Streitwagen wolversehen erwähnt. 



V. Altorientalische Kriegsbauten. 

Tafel 9 

mit Rückblicken auf die Tafeln 6 and 7. 

Literatur. 

BleHson: Grosse Bcfcstigungokunst für alle Waffen. Jk-rlin 1RH0. 

Reber: Geschichte der Baukunst im Alterthume. Nach den Ergebnissen der neueren 

Wissenschaft). Expeditionen bearbeitet. Lpzg. 1866. 
Schnaase: Geschichte der bildenden Künste bei den Alten. 2. Aufl. 1. Düsseldorf 1866. 
de Villenoisy: Essay historique sur la fortification. Paris 1869. 
Lübke: Geschichte der Architeetur. 4. Aufl. I. Leipzig 1870. 
Mothes: lllustrirtcs Baulexikon. Leipzig und Berlin 1874. 
Dclair: Essai sur les fortifications aneienncs. Paris 1*75. 

Desmin: Handbuch der bildenden und gewerblichen Künste. I. Leipzig 1876. 

Hinsichtlich der aegyp tischen Kriegsbauten vergl. den Literaturnachweis Seite 56. 

Buckingham: Travels in Mesopotamia. London 1827. 

Ai ns worth: Rescarches in Assyria, Babylonia etc. London 1838. 

Bich: Memoire» on the ruins of Babylon. London 1839. 

Loftus: Travels and researches in Chaldaea and Susiana. London 1857. 

Mcnant: Babylone et Chaldec. Paris 1875. 

Hinsicht!, assyrischer Kriegsbauten vergl. auch den Literaturnachweis Seite 60. 

Kcr Porter: Travels in Georgia, Persia etc. London 1817—20. 

Hinsichtl. persischer Kriegsbauten vergl. auch den Literaturnachweis Seite «5. 



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I 



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Movers: Die Phönizier. Berlin 1810 W. 

Beule: Fouilloa a Cartlmge. Paris 1(W0. Deutsch Lpzg. 18H3. 
Davis: Karthago und seine Ueherrcstc. A. d. Engl. Lpzg. 188H. 
Levy: Phönicische Studien. Berlin 185fi— 70. 

Prutz: Aus Fhönikion. Geogr. Skizzen und histor. Studien. Lpzg. 1875. 
Jal: Archeologie navalc. L Paris 1840. 



Vor Jahrtausenden, zu einer Zeit, da die Befestigungen des Abend- 
landes noch in den urthümlichsten Anfangszuständen befangen waren, er- 
hoben sich unter dem Einflüsse der potamischen Kultur am Nile und in 
dem Zwischenstromlande Mesopotamien bereits Kriegsbauten, die in ihrer 
Mächtigkeit und Ausdehnung bis zur Gegenwart fast ohne Gleichen sind. 

Von den aegyptischen Befestigungen ist allerdings nicht viel 
übrig geblieben. — Die eigentümliche Abgeschlossenheit des Nilthaies, die 
Fels- und Wüstenbegrenzung in Ost und West hat dort den Festungsbau 
offenbar länger entbehrlich scheinen lassen als in Vorderasien und ihn in 
der Frühzeit auf wenige Grenzplätze eingeschränkt. Die Folge davon war 
jedoch die Invasion der Hyksos, nach deren endlicher Vertreibung die 
Aegypter denn auch nicht versäumten, ihre Städte mit Befestigungen zu 
versehen , die an Bedeutung und Grösse denen der Asiaten wol kaum nach- 
standen. — Die viereckige Umwallung von Memphis hatte 27 km Um- 
fang; ein sehr breiter Wassergraben bildete den Hauptschutz. — Für die 
bauliche Einrichtung der eigentlichen Militärfestungen (im Gegensatze zu 
befestigten Städten) wurden wahrscheinlich vorderasiatische Anlagen vor- 
bildlich. Da indessen den Aegyptern nicht, wie ihren nordöstlichen Nach- 
barn, nur Thon und Lehmziegel, sondern Bruchstein zu Gebote stand, so 
konuten sie ihre Bauten massiver und fester herausbilden als jene. Daher 
zeigen denn auch die sparsamen Ueberreste altägyptischer Kastelle höchst 
solide Bauart. In dieser Beziehung sind namentlich die Grenzfestungen 
von Syene hervorzuheben, welche die Gipfel der sich dort einander nähern- 
den Gebirgszüge krönen. Ihre Unterbauten bestehen aus Granit, die Mauern 
aus Sandsteinquadern und sind, wie die Mauern aller ägyptischen Stein- 
bauten, nach Aussen abgeschrägt. — Einen durchaus burgartigen Charakter 
hat das merkwürdige Gebäude zu Medin et -Habu*) in Theben, welchem 
die französischen Gelelirtcn den Namen „pavillon" gegeben haben. Es ist 
ein Bau Ramses' UI. Meiamuns und besteht aus drei breiten pyramidal- 
geneigten Qnaderthttnnen . welche einen kleinen Hof einschlicssen. Die 
Burg ist zweistöckig, und ihre Zimmer empfingen das Licht durch Balkon- 
öffnungen und Fenster , was sonst bei ägyptischen Bauwerken sehr selten 
der Fall ist. Zwei Thürme begrenzen die Front; durch den hinteren dritten 
führt das Portal. — Aehnliche thurmartige Bauten, felsenfest aus Granit 
oder Sandstein gefügt, schirmten Ober-Aegypten gegen die südlichen 

*) Der Name stammt von einer nun auch schon längst zerfallenen koptischen Stadt- 
(Vergl. Braun: Geschieht« der Kunst. 2. Ausg. L Wiesbaden 1873.) 



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Reichsfeinde. Wie aus der Gestalt der den Begriff „Burg, Festung. Wall" 
bezeichnenden Hieroglyphe [7] hervorgeht, war der Grundriss eines derar- 
tigen Baus rechteckig. An den Ecken sprangen Thürmc vor, und auf 
den Mauern zogen sich Zinnen hin, von deren Form wol die Bekrönung 
des Palastes Ramses' III. zu Medinet Habu den besten Begriff gibt |SJ. *) — 
Auch Reliefs auf den Pylonen und andern Bauten stellen ägyptische Fe- 
stungen dar. Sie erscheinen hier als ein Ensemble von breiten viereckigen 
Thürmen, welche hohe Mauern begrenzen. - Jede ägyptische Feste enthielt 
einen kleinen Tempel. — Auch die Um Wallungen der Städte, wie sie 
z. B. bei dem alten Eileithia in doppelten Linien erhalten sind, dürften 
mit Thürmen ähnlich denen von Medinet-Habu ausgestattet gewesen sein. 
Stets fiihren die Reste auf eine streng mathematische, meist viereckige 
Anlage zurück. 

Hinsichtlich der grossen Landes vertheidigung ist besonders 
der Befestigung zu gedenken, mit welcher schon Thutmcs III., der Bezwinger 
der Hyksos, den einzigen Landpass zu schliessen strebte, der Aegypten 
mit Asien verbindet. Diese Anlage erweiterte Ramses T\„ dem Diodor zu- 
folge, durch eine zusammenhangende Mauer von 1500 Stadien (ca. 30 geogr. 
Meilen) Länge, welche von Pelusion bis Heliopolis geführt haben soll.**) 
Wirklich findet sich hier unter der Regierung des Nachfolgers jenes Ramses- 
Sesostris eine Reihe allerdings nicht in sich zusammenhangender Befesti- 
gungen.***) Es sind vermuthlich Stationen zum Schutze des Verkehrs auf 
dem von Ramses unternommenen , wenn auch nicht vollendeten Kanäle, 
der den Nilstrom mit dem rothen Meere verbinden sollte, f) Eine Stadt, 
welche Ramses an diesem Kanäle erbaute und mit seinem eigenen Namen 
benannte, bildete wol ein Glied jener Befestigung, die in sich einer Gesammt- 
ausdehnung von 1200 Stadien (ca. 24 Meilen) jenseits dos schützenden Nil- 
arms von Bubastis quer durch die Wüste vom Meere bis Heliopolis zog. 77) 

Den Ueberrest einer ausgedehnten Umwallung auf der östlichen Nil- 
seite unweit des alten Theben hat man für Spuren eines altägyptischen 
Standlagers gehalten. Die Anordnung eines solchen Heerlagers ent- 
sprach durchaus dem genauen, symmetrisch ordnenden Sinne der Aegypter. 
Es wurde quadratisch abgesteckt und mit Pfahlwerk umzogen. R : iume für 
Kultushandlungen und kriegerische Uehungen fehlten nie. 

Der Städtekrieg bei den Aegyptern scheint nur gering entwickelt 
gewesen zu sein. Noch Psammetich lag 29 Jahre lang vor der kleinen 
Stadt Azoth - wol die läugste Belagerung, deren die Geschichte gedenkt. 
Alle Darstellungen, welche poliorketische Ereignisse zum (Jegenstand haben 
[6, 36] , zeigen Leiterersteigungen und die Anwendung eigenthümlicher 

*) Weis«: Kostümkunde. 
**) Diodor 1, 53-88. 
***) Brugach: Geschichte Aepfjpteti». 
f) Eher« (Aejrypten und die Bücher JWii, L|>ztf. IWiH) erklärt auf Grund des Ber- 
liner Papyrus I die Befestigung für viel älter und läs*» nie Iiis Suez reichen. 
-}-{•) Dunckcr: Geschieht« de* Altcrthuin*. 



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— 77 — 



grosser Schutzdächer mit hohen staffeleiartigen Stützen für den einzelnen 
Mann. Auch die „Schildkröte", welche durch das Zusammenschiehen der 
Schilde der Stürmenden gebildet wird, kommt bereits vor. — Neben dein 
gewaltsamen Angriffe, den mau. wenn er das erstemal gescheitert war, von 
Zeit zu Zeit immer wieder zu versuchen pflegte, ging der förmliche An- 
griff her, dessen Hauptmittel die Untergrabung der Mauern war. 

Die Völker M e s o p o t a m i e n s wurden frühzeitig durch die Beschaffen- 
heit des Landes zur Anlage grosser Bauten geführt. Das weite alluviale 
Kecken des Zwischenstromlandes ist jährlichen Ueberschwemmungen ausge- 
setzt, sobald der auf Armeniens Gebirgen geschmolzene Schnee die Wasser 
des Euphrat über die niedrigen Ufer austreten lässt. Um diesen Ucbel- 
stand in einen Vortheil zu verwandeln, baute das Volk ungeheuere Deiche, 
Kanäle und Bassins, die den Ueberfluss des Wassers befruchtend über das 
Land vertheilten. Der Tigris dagegen , dessen reissende Strömung in der 
trockenen Jahreszeit Wassermangel verursachte, wurde durch Steindämme, 
deren mächtige Ueberreste noch jetzt Aufmerksamkeit erregen, in seinein 
Laufe gehemmt. 

Weisen diese Unternehmungen schon auf grosse Rührigkeit hin, so sind 
die Nachrichten der alten Schriftsteller von der Grösse der babylonisch- 
assyrischen Stadt- und Festungsbauten noch staunenswerther. Dabei 
ist es aber sehr bemerkenswerth , daas diese Bauten sich nicht als unge- 
heuere Grenzwälle darstellen wie etwa die 300 Meilen lange chinesische 
Mauer, sondern dass von jedem Herrschervolke alle Mittel immer zu Gunsten 
einer Stadt oder doch nur weniger Centraiplätze zusammengehalten wurden. 
Es beruht das vorzugsweise auf dem Umstände, dass alle die weiten Lande 
vom Schwarzen- und vom Mittel-Meere bis zum Persischen Golfe eigentlich 
niemals in den Organismus der Monarchie übergingen, vielmehr immer nur 
Aggregate blieben, die der eiserne Skepter der Grosskönige zu gelegent- 
licher Huldigung zwang. Gleich den Wassern einer Ueberschwemmung 
flössen die Massen der Eroberer jedesmal bald wieder in ihr altes Bett 
zurück. Medien, Syrien, Palästina, Kleinasien erstanden nach feindlichen 
Ueberflutungen immer aufs Neue zu mehr oder minder entschiedener Selb- 
ständigkeit. Wo es aber keine festen Grenzen giebt, vermag man auch 
keine Grenzbefestigungen anzulegen. Einmal allerdings beabsichtigte Nabu- 
chodonosor (Nebukadnezar), als er das Reich vorübergehend vom Kaukasus 
bis zur libyschen Wüste ausdehnte, einen breiten liandstrich zu veröden, um 
sich eine dauernde Grenze zu schaffen. Aber es kam nicht dazu , und im 
Grunde blieb das assyrisch-babylonische Reich, trotz aller Eroberungen, 
doch beschränkt auf die Ebenen Mesopotamiens und die fruchtbaren Gefilde, 
welche Tigris und Euphrat angeschwemmt haben. Für die Befestigung der 
Brennpunkte dieses eigentlichen Reichssitzes verwendeten Babylonier und 
Assyrer daher mit Recht ihre volle Kraft. Was Aristoteles von Babylon 
sagt, dass es nicht den Umfang einer Stadt, sondern den eines Volkes ge- 



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habt habe*), gilt auch von dem assyrischen Ninive. Die eigentümliche 
Art der Kriegführung mit grossen Massen und auch die Regierungsweise 
des Orients: Herrschaft des Despoten über eine geknechtete Masse, nö- 
thigte die Könige, ganz besonders für die Sicherung der Hauptstadt zu 
sorgen. 

Die Befestigung desjenigen Babylons, von dem uns die Berichte der 
Alten erzählen und dessen spärliche Reste bei Hillah überblieben sind, 
knüpft sich vorzugsweise an den Namen Nabuchodonosor's (600 v. Chr.). 
Ihm waren die zahlreichen Invasionen . welche Babylon von Assyrien aus 
erlitten , in lebhafter Erinnerung ; jetzt konnten gleiche Gefahren nur von 
Medien drohen und zwar aus derselben Richtung wie einst die Angriffe der 
Assyrer: von Norden. Nebukadnezar beschloss, sein Stammland unangreif- 
bar zu machen. Das eigentliche Babylonien sollte gewissennassen eine 
grosse Centralfeste des ganzen Reiches sein, und in dieser wieder die mäch- 
tige Hauptstadt selbst ein ungeheures Reduit. An Euphrat und Tigris 
hatte Babylonien gute Schutzwehren in Ost und West, und eine ähnliche 
Wehr bildete im Norden die Linie der Kanäle, besonders der neue breite 
Kanal Nahr-Malka. Dieser Nordschutz genügte aber dem Könige noch 
nicht. Um ihn zu verstärken und namentlich auch, um das Bassiu von 
Sippara , von welchem die Stauung der oberen Kanäle sowie die Speisung 
des Unterlaufes beider Ströme abhing, vollkommen zu decken und dadurch 
zugleich das Festland um Babylon sicher zu stellen, zog Nabuchodonosor ober- 
halb der Kanäle und des befestigten Sippara eine starke Mauer vom Euphrat 
zum Tigris hinüber, die er selbst die „Mauer der aufgehenden 
Sonn e u nennt, „welche kein König vor ihm gebaut*'. Er habe sie errichtet, 
„um die Erzeugnisse der Ebene Babels zu schützen und dem Lande der 
Sumir und Akkad eine Zuflucht zu schaffen".**) Es ist das die von den 
Griechen als „Medische Mauer" gepriesene Befestigung. Dieselbe verliess, 
wie es scheint, den Euphrat unterhalb des heutigen Feludscha und erreichte 
in nordöstlicher Richtung den Tigris weit oberhalb Bagdads. Die Mauer 
war also 12 bis 15 Meilen lang. Sie bestand aus gebrannten Ziegeln, die 
mit Asphaltrnörtel verbunden waren, und ihre Stärke betrug nach dem 
Zeugnisse des Xenophon, welcher Theile derselben noch aufrecht sah. 20, 
ihre Höhe 100 Fuss.***) 

Das Kernwerk dieser mächtigen Anlage war nun aber Babylon 
selbst, die uralte Königsstadt auf dem Westufer des Euphrat, welcher 
Nabuchodonosor eine Neustadt auf dem Ostufer hinzufügte, um sie auf diese 
Weise zu verstärken Denn die Stadt war stärker, sobald sie auf beiden 
Ufern lag; ein Einschliessungsheer hatte sich nun zu trennen und ein unge- 
heures Areal zu umspannen. — Die Angaben der Alten über den Umfang 
der Gesamt-Stadt und die Art ihrer Schutzbauten gehen ziemlich weit 

♦) Pol. 8 r 1, 12. 

**) i'ylinder Philipp«. Menant: Babylone a. a. O. 

••*) Nähere», namentlich den Vergleich mit den Ansahen des Erat out henes (hei 
Strahl.) sieh.- hei Dmieker: Uesch. des Alterihums 1K78, II. S. iVtti. 



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auseinander. *) Eine kritische Würdigung derselben **) lässt als wahrschein- 
lich erkennen, dass der Umfang der Mauern etwa 8 Meilen betrug, ab- 
gesehen von den Stromnbschlussmauern am Euphrat , welche allein 160 
Stadien Länge hatten. Die Mauer dürfte 200' hoch gewesen und die 250 
Thürme, welche über sie emporragten, scheinen sogar bis KU 300' empor- 
gestiegen zu sein. Die Mauerhöhe von 200' setzt eine Stärke von gegen 
40' ? also einen Wallgang von einer Breite voraus, die es gestattete, mit 
einem Viergespanne umzuwenden. Hundert Thore mit ehernen Flügeln 
durchbrachen die Mauer. Die innere Stadt war dann von einer zweiten, 
noch mächtigeren Mauer Uberragt, und eine letzte höchste Befestigung umgab 
endlich jeden der beiden königlichen Paläste und den Tempelhof des Bai. 

Von diesen Werken ist nichts erhalten als eine Reihe riesiger Schutt- 
berge und wirrer Trümmerhaufen. Als Babylon durch Kurusch (539 v. Chr.) 
erobert worden war, sank der frühere Glanz der Stadt. Khsayärsä (Xerxes) 
zerstörte den Tempel des Bai. Alexander d. Gr. beabsichtigte, ihn wieder 
.aufzubauen ; aber sein Plan scheiterte ; so mächtig waren die Massen, dass 
zwei Monate lang zehntausend Mann vergeblich sich mühten, die Trümmer 
bei Seite zu schaffen. Die Mauern der Stadt nahm dann, wie Herodot be- 
richtet. Darjawusch hinweg. ***) Dies scheint sich jedoch nur auf die zweite, 
die iunere Mauer zu beziehen ; denn Herodot spricht von der Hauptmauer 
durchaus in dem Ton, als habe er sie persönlich gesehen. In der Folge dürfte 
wol die Aussenmauer von den Städtern selbst als Steinbruch benutzt worden 
sein; was endlich Alexander niederriss, um die Terrasse für den Scheiter- 
haufen des Hephästion zu gewinnen, war gewiss nur ein stehengebliebenes 
Mauerstück. Fest blieben dann immer noch die Burgen, deren Zerstörung 
erst nachmals durch Demetrios Poliorketes bewirkt ward. Von nun an ging 
die Stadt schnell völliger Verödung entgegen. Gegenwärtig erheben sich als 
Reste nur noch ungeheuere Schutthügel, die man auf den ersten Anblick für 
Werke der Natur halten möchte, so umfangreich und formlos sind 'sie. 
Diese totale Zerstörung ist durch die Beschaffenheit des verwendeten Ma- 
teriales bedingt. Denn da der alluviale Schlammboden des Landes keiner- 
lei Gestein bietet, so waren die Bnbylonier gezwungen, ihre Bauteu mit 
Ziegeln aufzuführen, die entweder an der Sonne gedörrt, oder im Ofen ge- 
brannt wurden. Diese Ziegel sind nun verwittert oder durch Brand zer- 
stört und verglast; furchtbare Regengüsse, welche die Winterzeit begleiten, 
wuschen tiefe Kinnen und Schluchten in die zerstörte Oberfläche ; die Winde 
überwehten sie mit dem Sande der Wüste, und endlich holten Araber die 
letzten Steine zur Erbauung ihrer Wohnungen. 

Mehr noch als Babylon bedurfte Ninive eines künstlichen Schut7.es. 
weil es am Fusse des eränischen Hochlandes lag und in Folge dessen einem 

•) Berosua: Fragm. 14; ed. Müller. — Her od. I, 175— 179; 188. — Xenoph. : Anal). 
2.2. 6. — Instit. Cyr. 7, 5, 7, 21. — Diodor 2, 7. Cfr. Arrian: Anab. 7, 17, fi. — Pseudo- 
KalliHthencH I. 31. — Jorcm. 61, !>3, 58. 

*•) Dnneker a. n. O. — Braun: Oesch, d<>r Kunst der feiten Welt. 
**♦) Herod. 8. 159. 



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raschen Anfalle der wolberittenen Meder in hohem Grade ausgesetzt war. — 
Dem Ktesias zufolge bildete die Stadt ein längliches Viereck, dessen Lang- 
seiteu je 150, dessen Kurzseiten je 00 Stadien maszen, so dass der Umfang 
ungefähr 10 Meilen betragen hätte. Und auf dieser ganzen Strecke sei die 
Stadt mit einer hundert Fuss hohen , fünfzig Fuss breiten Mauer umgeben 
gewesen, welche 1500 doppelt so hohe Thürme flankirten. Diese Angaben 
erscheinen wie die über Babylon auf den ersten Blick fast unglaublich; 
aber sie werden durch den Vergleich mit altamerikanischen Bauten und durch 
die Schriften der Hebräer unterstützt ; ja die Dimensionen, welche Xenophon 
den Theilen der Mauern gibt, die er seihst gesehen, Übertreffen noch die- 
jenigen des Ktesias, und Layard's Entdeckungen ergeben gar einen Umfang 
von 19 Meilen, einen Flächeninhalt von 17 DMeilen. Es handelt sich also 
offenbar um ein grossartiges Vertheidigungssystem, welches nicht nur Ninive 
selbst, sondern auch uoch mehro andere südlich belegene Städte umschloss. 
Die Einwolmerschaft Ninives scheint trotzdem nur etwa 600,000 Menschen 
gezählt zu haben, und dae Areal war gewiss deshalb so gross bemessen, 
um von seinen Weiden und Aeckeru die Bewohner im Fall der Belagerung 
nothdürftig ernähren zu können. Die Mauern aber mussten so stark als 
möglich sein, um dem Stosse der Sturmböcke zu widerstehen; sie mussten 
so hoch sein, dass nicht der Pfeil des feindlichen Bogners, nicht die 
Sturmleiter bis zu den Zinnen reichte. Gelang es, solche Bauten herzu- 
stellen, so war weder der systematische Angriff noch der Sturm zu fürchten : 
der Feind blieb auf die schwierige Blokade eines ungeheuren Mauergürtels 
angewiesen, während der die Westseite der Stadt bespülende mächtige 
Tigris ihr die Verbindungen offen hielt und eine vollständige EinKchlicssung 
last unmöglich machte. 

Die Ruinen Ninives befinden sich in einem ähnlichen Zustande der 
Zerstörung wie diejenigen Babylons. Auf dem östlichen Ufer des Tigris, 
gegenüber dem heutigen Mosul, lagern sie in Ausdehnung von etwa zehn 
geographischen Meilen als mächtige Hügel in der Nähe des Stromes. Diese 
Trümmerberge , welche eine uralte Tradition als Ueberreste Ninives he- 
zeichnete, waren langezeit nur Gegenstand ehrfürchtigen Staunens; erst das 
jüngste Jahrzehnt hat ihren Inhalt an's Licht gezogen. Zuerst nahm der 
französische Consul Botta den Ruinenhügel in Angriff, welcher nach dem 
Dorfe Khorsabäd genannt wird. Bedeutendere Ausbeute gewährten dann 
die Nachgrabungen Layard's in den Hügeln von Nimrud, dem südlichsten 
Punkte dieser Denkmälerkette. Hier hatten mehre Königspaläste dicht neben 
einander gestanden, die Layard ihrer Lage nach als Nordwest-. Südwest- 
und Ceutralpalast bezeichnet. Alle früheren Ausgrabungen wurden endlich 
an Ausbeute weit übertroffen durch die jüngsten Entdeckungen, welche der 
Engländer George Smith und der französische Consul Place zu Hisir-Sargon 
(KhoFsabäd) gemacht. 

Die Anlage aller dieser Bauten is von besonderer Art. Für jedes 
Gebäude wurde zunächst , wie es scheint, eine Plattform gewonnen, in- 
dem man eine compacte Masse von Ziegeln, die an der Sonne getrocknet 



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waren, 30 bis 40 Fuss über das Niveau der Ebene legte. Als Bindemittel 
pflegte man Erdpech (Bitumen) zu verwenden. Diese Terrassen hatten den 
Zweck, das völlig ebene Gelände zu dominiren. und waren, um Sturmfrei- 
heit zu erzielen, mit Brüstungsmauern von Hausteinen eingefasst. Die 
Mauern des eigentlichen Baues, welche sich auf jener Unterlage erhoben, be- 
standen ebenfalls aus Ziegeln, die jedoch an vielen Stelleu durch grosse 
steinerne Platten mit Reliefs von etwa einem Fuss Dicke verkleidet waren. 
Diese Darstellungen beziehen sich meistens auf geschichtliche Ereignisse; 
ja im Palaste zu Kujjuudsehik , der unmittelbar Mosul gegenüber in dem 
grössten aller Trümmerhügel begraben liegt, scheint jedes Gemach die 
sculpirte Chronik einer besonderen historischen Begebenheit zu enthalten. 
Da sind kriegerisch Unternehmungen , Angriffe auf Festungen , Flussüber- 
gänge, Schlachten und Unterjochungen verschiedenartiger Völker, Jagden 
u. dgl., nicht ohne Naturtreue, aber auch mit einer gewissen Nüchternheit 
geschildert. 

Zur vollständigen Kenutnis von der Anlage eines befestigten Palastes 
der Assyrcr ist man endlich durch die Bemühungen Place's in Khorsabäd 
gelangt. Hier erhebt sich der Hauptbau auf einer künstlichen 14 m hohen 
Terrasse von sonuegetrockneten Ziegeln, die bei 314 m Breite 344 m 
Länge misst. Dieser Unterbau bildet also eine Fläche von 96,466 qin und 
der Inhalt beläuft sich auf 1,350,524 ehm. Eine 3 m starke Mauer, mit 
Kalkstcintiuadern von 2 bis 3 in Länge bekleidet, durch Pilaster verstärkt 
und mit Türmen besetzt, umgibt das Ganze und setzt sich als Umfassung 
der gleichzeitig erbauten Stadt fort, welche mit dem Palast in unmittel- 
barer Verbindung stand. Die Orientirung der enormen Bauanlage, die an 
Grossartigkeit keinem der berühmten ägyptischen Werke nachsteht, ist so 
angeordnet, dass die Ecken nach den Haupthimnielsgegenden gerichtet 
sind. Das Ganze umfasst ca. 210 Räume: Säle, Zimmer und Gemächer, die 
sich um dreissig Höfe gruppiren. 

Zu diesem gewaltigen Bauwerke kam nun aber noch die erwähnte 
Stadt, die ebenfalls von Sargon errichtet und sammt dein Palast in der 
kurzen Frist v. .1. 711 bis zu seinem Todesjahre 702 v. Ohr. vollendet 
worden ist. Die grossentheils noch wolerhaltenen Stadt-Mauern bilden ein 
Rechteck von 1760 zu 1685 m, ergeben also einen Umfang von 1, 5 Meilen. 
Sie sind in Dicke von 24 in ganz aus getrockneten Ziegeln errichtet und 
an der Bitsis bis zu 1 in Höhe mit Kalkstein bekleidet. Ihre ungeheuere 
Breite liisst Alles wahr erscheinen. was die Alten von den Mauern Babylons 
erzählen und was man lange Zeit als orientalisches Märchen verwarf, [n 
regelmässigen Abständen von 27 m sind 64 Thürme von 13 in Breite mit 
4 in Vorsprang auf den Umfang vertheilt, und in unsymmetrischer Anordnung 
sind 7 Thore angebracht, welche noch fast unverletzt erhalten sind. Sämmt- 
lich weisen sie einen rundbogigen Thorweg von 6, 4<i m Höhe hei 4 m Weite, 
auf, desse» wolerhaltenes Gewölbe aus getrockneten Ziegeln mit Hilfe 
thonartigen Mörtels aufgeführt ist. — Diesen Resten entsprechen voll- 
kommen die architektonischen Darstellungen auf den assyrischen Reliefs 

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[1,8, 3, 4]. Die ausgezackten sägeförmigen Zinnen, welche die meisten 
dieser Abbildungen wie die erhaltenen Mauern von Kborsabäd aufweisen, 
haben sieh im Orient auch auf die Folgezeit übertragen und sind durch die 
Mauren nach Spanien gebracht worden. 

Heber Alter, Namen und Ursprung der ninivitischen Rauten haben 
die durch Major Rawlinson, Oppert. Hincks u. A. entzifferten Keilinschriften 
bereits einigen Aufsehluss gebracht. Zugleich treffen äussere Umstände 
für eine wenigstens ungefähre Datirung zusammen. Wahrscheinlich sind 
die ältesten Tbeile zum Mindesten in das neunte Jahrhundert vor unserer 
Zeitrechnung zu verweisen. Dahin gehört vor Allem der Nordwest- 
palast zu Nimrud, als dessen Erbauer die Inschriften den Assurnasir- 
pal ergeben , einen von 923 — 899 v. Chr. lebenden kriegerisch-kräftigen 
Fürsten. — Die Geschicbtc Assyriens bezeugt, welche Stütze dasselbe in 
seiner starken Hauptstadt hatte, und die Grossartigkeit ihrer Anlage er- 
klärt die unerhörte Dauer der assyrischen Macht durch ein halbes Jahr- 
tausend. Die Festigkeit Ninives rettete Assyrien im Jahre 633 vor den 
Medern ; sie Hess das Reich den Sturm der Skythen überdauern ; sie setzte 
den letzten Herrseber desselben in den Stand, den vereinigten Kräften der 
Meder und Babylonier drei Jahre hindurch zu widerstehen. Und nicht 
dem Feinde, sondern den Flutben des Tigris sind die Mauern Ninives 
erlegen. 

Ganz ausschliesslich nahmen übrigens diese gewaltigen Stadtbefesti- 
gnngen die fertificatorische Tliätigkeit der Babylonier und Assyrer doch 
nicht in Anspruch. Schon im 2. Jahrtausend v. dir. lernten die Aegypter 
wolaufgemauerte , stark befestigte Burgen in Westasien kennen, die den 
Pharaonen nicht selten sehr ernstlichen Widerstand leisteten |6, 36 1. und 
König Sanberib von Assyrien rühmt sich, 89 feste Plätze in Babylonien 
eingenommen zu haben. — - Von den befestigten Lagern der Assyrer 
gibt ein Basrelief aus Kborsabäd einen allerdings sehr oberflächlichen 'Be- 
griff Danach war die Befestigung oval und der Ringwall mit 20 Thür- 
inen besetzt, welche, gleich den Mittelwällen, ausgezackte Zinnen bekrönten. 
In dem einen Theilc des Lagers thront der Herrscher auf dem Hochsitze 
und opfern Priester den Göttern, in dem andern werden allerhand wirth- 
sehaftliche Beschäftigungen vorgenommen. 

Die Hauten von Babylon und Ninive wurden zu Vorbildern derer von 
Pasargada e und Persepolis. Hier wie dort zeigt sich eine innige 
Vereinigung von Palast- und Burg-Bau; hier wie dort waren die Städte von 
gewaltigen betbürniteii Mauern eingeschlossen. Vielleicht entfalteten die 
Perser sogar eine noch regere fortificatorische Tliätigkeit als ihre Vorgänger 
im Reiche. Alle grösseren Städte, wo die persischen Grosskönige keine 
genügenden Festungswerke vorfanden, deren Lage jedoch solche wüuschens- 
werth erscheinen Hess, wurden theils als Sitze der Satrapen, theils zum 
Schutze der Besatzung mit mehr oder minder umfangreichen Kastellen 
versehen. So empfing »las ursprünglich ;tls Stadt nicht besonders ausge- 



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zeichnete Sardeis eine Burg, die, auf hohem steilen Felsen gelegen, vou 
dreifacher Mauer umgehen war.*) Celan ä erhielt durch KhsayArsä einen 
befestigten Palast von so gewaltiger Ausdehnung, dass in seinem Burg- 
frieden mehr als 12000 Mann lagern und gemustert werden konnten. **) Für 
solche Bauten scheinen medische Anlagen als Vorhilder gedient zu hahen ; 
denn auch diese, wie z. B. das alte Schloss von Rhaga an der parthischen 
Grenze, bildeten einen von mehren huthürmten Ringmauern umschlossenen 
Complex von Festungswerken. ***) Die persischen Burgen dürften somit 
einzelnen, auf assyrischen Monumenten, allerdings in conventioneller Weise 
dargestellten nie htassyrischen Kastellen geglichen haben |U]. Ganz ähn- 
liche Anlagen zeigen Burgen, welche man jetzt in Persien aufrecht antrifft, 
z. B. Arderbendf) [13}. 

Zu den vielleicht ältesten und zugleich bedeutsamsten Ueberresten 
persischer Burgen gehören die Trümmer von Istakhr. Sie krönen den 
Gipfel eines mehr wie 1000' emporsteigenden Felskegels am Eingange in die 
Ebene von Merdescht, etwa 5 Meilen von Pcrscpolis. Pass-Sicherung ist 
überhaupt ein von den Persern mit grosser Sorgfalt im Auge behaltener 
Zweck, dem ein namhafter Theil ihrer fortificatorischen Anlagen diente, ff) 

Nicht sowol an Grösse als an Zweckmässigkeit und Stärke überboten 
wol alle bisher dagewesene Fortiticationen die Befestigungsbauten der 
Phoiniker, dieses merkwürdigen Zwischeuvolkcs, das von Aegyptern und 
ßabyloniern gleichzeitig lernte. Leider ist von der ganzen Herrlichkeit 
seiner Städte so gut wie nichts übrig geblieben. Trümmer von Mauern, 
welche den Felsen umgeben, auf dem die Stadt Arados stand, zeigen 
Blöcke grössten Umfangs, wenig behauen an einander gepasst und die Lücken 
durch kleinere Steine verstopft. Andere Werke lassen bereits eine mehr 
durchgebildete Technik erkennen. So legen gewaltige, aus Riesenquadern 
aufgeführte Damm- und Uferbauten auf der Insel Arvad, sowie nördlich 
von dort zu Marathus (Amrit) Zeugnis ab von dein grossartigen, prak- 
tischen Sinne des Volkes und der Gediegenheit seiner Technik. Die Qua- 
dern sind hier scharf gefugt, an den Rändern glatt gearbeitet; der übrige 
Theil der Flächen aber ist rauh stehen gelassen, so dass der Eindruck derber 
Festigkeit noch verstärkt wird. Ks sind wol die frühesten Werke der so- 
genannten „Rustiea". 

Das älteste Sor (Tyros) lag auf dem Festlande und war wenig be- 
deutend, bis im lo. Jhrdt. v. Chr. König Hiram, der Freund David s und 
Salomo's, zwei Hache Felsiuseln an der Küste durch Aufschüttung vereinigte 
und dort eine Hafenstadt schuf, welche rasch sogar das mächtige Siclon 
überflügelte. Die Festungswerke Von lnsel-Tvrus entstanden seit dem 

*) Hprodol i», 101 ; Arrian: Anal». I, 17. 

**) Xenopli.: Anali. I, 2; Arrian: Annl». I. 2W. 
**♦) Vendidad I, NO. 

f) „In Fersien und Turk.xtan (Globos. 1*2 Bd. 16(7.) 
ff) Xcimph. : Anul>. 2. 4; Arrian: Anah. 4, 2. 

6* 



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8. Jhrdt. als Schutzwehren gegen die Maclit der Assyrer. Mächtige, an der 
Ostseite 150' liolie Ringmauern, aus kolossalen mit Gipsmörtel verbundenen 
Blöcken errichtet und durch Thürnie flankirt, umgaben die Felsenstadt. 
Eine den Phoinikera zugeschriebene Münze giebt ein Bild davon [»]. Die 
Mauerstrecken zwischen den Thürmen erscheinen hier ausserordentlich kurz; 
die Zinnen sind viereckig. — Andere mit riesenhaften Dammbauten in Ver- 
bindung stehende Werke begrenzten die Häfen und Neorien der Stadt, wo, 
durch Thürme und Sperrketten geschützt, die Arsenale und Zeughäuser lagen. 

Höchst bedeutend stellten sich auch diejenigen Befestigungen dar, welche 
die Phoiniker im Inneren ihres Gebietes, sowie zum Schutze ihrer Handels- 
strassen und ihrer vielen Kolonien errichteten. Es waren das theils lang- 
gedehnte Grenzmauern, theils hochgelegene Thürme, die als Lugins- 
land und als Signale dienten. Die sorgfältigste Fortification wurde jedoch 
stets den dem Lande zunächst gelegenen Inseln zu Theil. Ihre Anlage, 
z. B. die von Arvad, erinnert an die assyrischen und persischen Terrassen- 
bauten [11 J. Eine vom Propheten Ezechiel*) gerade in Bezug auf Arvad 
hervorgehobene Sitte der phönikischen Krieger, ihre Rundschilde an die 
Zinnen der Thürme zu hängen, findet auf assyrischen Skulpturen deutliche 
Darstellung [10]. 

Zu den spätesten Werke phönikischer Kunst gehören die in Karthago 
(Karth-chadaschath, abgekürzt Karthada=Neustadt (1858— 1859 aufgegrabenen 
Ueberrcste : nämlich die der römischen Zerstörung entgangenen Befestigungs- 
mauern der Byrsa, d. h. der ältesten Burg, welche aus Tuffcpiadern in einer 
Dicke von 33' ausgeführt sind. Sie enthielten in drei Stockwerken halb- 
runde Kammern, die als Magazine, als Stallungen für Pferde und Ele- 
phanten, sowie als Wohnräume für die Besatzung dienten und durch innere 
Gänge unter einander zusammenhingen. Von diesen Anlagen sind neuer- 
dings durch Beule ansehnliche KeBte zu Tage gefördert worden. Aehnliche 
halbrunde Gemächer, die auf einen gemeinsamen Gang sich öffnen, zeigen 
auch die alten Cisteruen von Karthago, und in verwandter Weise war der 
Hafen des Kothon daselbst mit halbrunden Schiffsbehältern umgeben. 

Einen Begriff von dem dreifachen Befestigungsgürtel Karthagos giebt wol 
Fig. 12, welche den Durchschnitt der Enceiute von Thapsus darstellt.**) 
Thapsus lag an der Nordküste Afrikas, nördl. der kleinen Syrte. Seine 
Befestigung wurde grösstenteils im 9. .Ihrdt. v. Chr.. also wol gleichseitig mit 
der Karthagos, erbaut. Die drei Verteidigungslinien der Umfassung über- 
höhen sich kavalierartig ; vor den Mauern liegen Spitzgräben ; die Brust- 
wehren sind mit viereckigen Zinnen gekrönt; in dem gewaltigen Malierkörper 
finden sich llnterkuuftsräume jeder Art, namentlich auch Ställe , und es 
fehlt weder an Cisternen noch sogar an einer unterirdischen Wasserleitung. 



♦) K/.eeh. 'J7, 11; .ln/u Mowers IT, S. M. 

**) Die Fijfur ist Keproiluktinn eines Profils, welche« Hr. Daux nach den KrirehmWn 
von Aiis#i*at>un».'eii entworfen hat. 



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- 85 



Einen entschiedenen Fortschritt gegen die der Aegypter weist die Po- 
lin r k *• t i k der Westasiateii auf. Auf assyrischen Denknuileti zuerst 
erseheinen die Abhildungen von Belagerungsmasch ie n c n , namentlich 
die von Mauerbrechern [7. 30, 31 1. Es gab zwei Arten davon: die eine |30| 
glich einer gewaltigen Keule und scheint durch Schlag und Fall gewirkt 
zu haben; die andere [31] ist ein eigentlicher Sturmbock, welcher durch 
den Stoss wirken sollte. Beide Arten hingen in Wa ud el thür m e n [SO], 
welche, je nach der Oertlichkeit, auf besonders für sie geebneten Wegen 
(•der gar auf gemauerten, nieist schräg aufwärts steigenden Dämmen au das 
zu zerstörende Mauerwerk herangerollt wurden. Ihre Höhe richtete sich 
nach der der bekämpften Werke; denn die Thürme hatten nicht nur den 
Zweck, in ihren Untergeschossen die Sturmwidder zu bergen, sondern auch 
den. von ihren Obergeschossen die Mauergänge einzusehn , unter Schuss zu 
nehmen und im rechten Augenblicke zu betreten. 

Nicht selten sind auf assyrischen Bildwerken Belagerungen darge- 
stellt. Es handelt sich dabei um wolhefestigte Plätze, welche durch Gräben. 
Thürme und Mauergürtel, deren oft mehre hinter einander liegen, ge- 
schützt sind. Die Assyrer lagern davor hinter Einsehliessungswällen , zum 
Theil auch in Blockhäusern und versuchen zuweilen, die Mauern zu 
untergraben oder durch unterirdische Gänge einzudringen. Die gewöhnliche 
Angriffsart bestand jedoch darin, dass man den Graben ausfüllte und dann 
durch Sturmhöcke Bresche legte. Bei Darstellung von Leiterersteigungen 
kann man erkennen, dass die Schützen der Belagerer die Zinnen unter einem 
dichten Pfeilhagel halten, um den Stürmenden ihr Werk zu erleichtern. 
Die Belagerten wehren sich mit Feuerbränden und Steinen, schleudern 
schwere Balken auf die Böcke nieder und versuchen, dieselben mit Kutten 
und Zangen zu fassen und aus ihren Angeln zu heben. 

Für dio Perser knüpft sich auch die Entwickelung der l'oliorketik, 
wie die aller andern Zweige des Kriegswesens an den Manien des Kurusch. 
Dein Xenophon zufolge*) gab der grosse Eroberer dem Untergeschosse 
seiner auf Rädern rollenden Wandelthüriuc 3 Ellen Höhe; die darüber sich 
erhebenden Stockwerke versah er mit schützenden Brustwehren und liess 
sie so gross herstellen, dass jedes etwa ÜU Mann aufzunehmen im Stande 
war. Den Transport eines solchen Thurines bewerkstelligten 8 Paar Zug- 
stiere, welche zwischen vier Deichseln zogen. 

Bei den phönikisch-ebräischen Westasiaten finden sich endlich die 
ersten Anfänge der Artillerie: stehende Schleuder- und Sohuss- 
inaschinen. Denn es heisst vom Könige Usia**t: „Und machte zu Jeru- 
salem künstliche Wehren, die auf den Thürmcn und Ecken sein sollten, zu 
schiessen, mit Pfeilen und grossen Steinen/' 



*) Kyn.p. «, 1; 7. 4. 
**) 2. Chron. 26, 15. 



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- 86 - 



Nirgends hat sich diu Technik des Alterthums früher und bedeutungs- 
voller entwickelt ails bei den Phoinikcr n. Sie sind Meister des Berg- 
baus. Zuerst am Libanos, dann auf Kypros. das nach dem rothglänzenden 
Metalle den Namen trägt, haben sie Kupfer gegraben, und sie verstanden 
die Erze vorzüglich zu bearbeiten. Wenn man nach den Tributen sthliessen 
darf, welche der dritte Thutmosis den Sy rem auferlegte, müssen sie Waffen 
in ausserordentlich grosser Zahl geschmiedet haben ; der Preis aber wird 
den Phoinikcm im Schiffsbau zuerkannt. Der Sage nach sind sie ja die 
Erlinder des Segels, des Seekriegs, ja der Seefahrt überhaupt.*) Treffliches 
Hauholz, das auch im Salzwasser unverwüstlich, gaben ihnen jene Urwähler 
von Cypresscn und Gedern, welche unmittelbar von ilirer Küste empor- 
stiegen und, trotz stärkster Ausbeutung, noch im 3. Jhrdt. v. Chr. ein Ma- 
terial darboten, dessen Massenhaftigkcit und Schönheit die Griechen nicht 
genug bewundern konnten.**) Die Matrosen Phoinikions waren von unver- 
gleichlicher Kühnheit und Geschicklichkeit, zumal die von Sidon und Arados: 
und während die Griechen nach dem in die Augen fallenden, aber unsicher 
führenden Grossen Hären steuerten, hatten die Phoinikcr frühzeitig den un- 
scheinbaren Polarstern als zuverlässigen Führer entdeckt.***) 

Das älteste Schiff der Phoinikcr, das als Handelsfahrzeug stets bei ihnen 
im Gebrauche blieb, war der „Gaulos", ein Schiff mit hohem Hug uud 
Spiegel . die beide gleichförmig abgerundet waren. Zwanzig bis dreissig 
Ruderer und ein grosses Segel bewegten es. Dazu kamen lange uud schmale 
Fünfzigruderer, welche sowol für den Handel und die Kaperei wie als eigent- 
liche Kriegsschiffe dienten. Im Verhältnisse zu der der benachbarten See- 
mächte war die Zahl der phoinikisehen Fahrzeuge stets ausserordentlich 
gross. Noch im persischen Zeitalter, nachdem Phoinikicn bereits mannig- 
fach geschwächt war, vermochten die drei Stadtstaaten Sidon, Tyros uud 
Arados allein 3<nt verschieden grosse Schiffe zur persischen Flotte zu stellen, j*) 
Diese Fahrzeuge sind auf assyrischen Reliefs in freilich ziemlich oberfläch- 
licher Weise zur Anschauung gebracht |t}0|. Es waren sehr starke, auf 
scharfem Kiele gebaute Fahrzeuge, deren Unterraum die in 2 oder 3 Stock- 
werken über einander sitzenden Ruderknechte einnahm und deren Deck, 
gleichfalls in mehren Geschossen, feslungsartig aufgethürmt, die Kriegsmann- 
schaft aufnahm und schützte. Die Söldner hingen ihre Sehilde am Horde 
auf, und dieser Brauch (die „pavesade") hat sich auf den Flotten der Kul- 
turvölker bis in das späte Mittelalter erhalten |20p|. Als best»' Schiffs- 
bauer galten die Byblier. Mäste und Kiele bestanden aus Oederustämmen. die 
Ruder aus Eichenholz, welches die Hochwälder von Hasan lieferten. Das 
Steuerruder ist meist doppelt uud wird frei geführt |20, -\\. Das Takcl- 
werk ist sehr vollständig; jedes Schiff führt einen oder mehre Anker. 
Vorder- und Hintertheil wurden häufig mit symbolischem Schnitzwerk ver- 

*) IM in.: II. n. 5. 13. Verj?l. oben 8. 45 u. 4«. 
Diodor 1t), 58. 

***> Daher nennen die QrfoehM ilcn Polarster» ,.]ihoiniki8cher 8teru". 
f) Hcnul. 7, SM); JCono ].!».: Hellen. 3, 41. 



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87 - 

ziert [W].*) Von »1er Pracht mancher solcher Fahrzeuge gehen die Schil- 
derungen des Ezechiel eine Vorstellung. „Du Tyrus!" ruft er aus. ..Im 
Herzen der Meere sind deine Grenzen; deine Bauleute haben deine Schön- 
heit vollendet. Alles Getäfel hauten sie dir aus Hermons Tannen: die Co- 
dem des Libanon lallten sie, um dir Masten zu fertigen. Deine Ruder 
machten sie von Basal) s Eichen, von Elfenhein auf Lärchenholz deine Ru- 
derhäuke. Deine Segel von ägyptischer Leinwand waren gestickt und dienten 
dir als Flaggen ; himmelhlau und purpurn waren deine Decken. Sidons und 
Arvads Söhne waren deine Rudererund deine Geschicktesten, o Tvros, waren 
deine Steuermänner." **) — Diese Schilderung bezieht sich vorzüglich auf 
die ..TarsisschiftV 4 , welche zur Zeit Hirain's die Fahrten nach dem Lande 
..Ophir - (an der Indusmiindung) machten und welche auch .lesaias zu den 
köstlichsten Gebilden der Menschen zählt.***) Griechische Schriftsteller 
rühmen die strenge Ordnung au Bord der phoinikischen Fahrzeuge, die 
glückliche Benutzung auch des kleinsten Raumes, die Genauigkeit in der 
Vertheilung der Last und die Erfahrung und Sicherheit des nautischen 
Personals. •{-) Durchschnittlich legten tyrische Schiffe, welche in der Regel 
nicht vor Ende. Februar ausliefen und Ende October zurückkehrten, in 
21 Stunden ebenso viele Meilen, besonders gut gebaute und getakelte auch 
wol gegen 30 Meilen zurück. Dies ist sehr viel. Venedig» Galeeren ver- 
mochten im 16. Jhrdt. nur 10 bis 20 Meilen in 24 Stunden auf dem Mittel- 
meere zu durchlaufen. -J-J-) Bemerkenswerth ist es, dass bei phoinikischen 
Kriegsschiffen bereits die Einrichtung des Spornes zum Rammen er- 
scheint |30a|. Es ist der scharfe Kiel selbst, der zum Sporn zugeschnitten 
ist. und bei der Mächtigkeit und Schwere des Unterhaus dieser Schiffe 
inussle die Gewalt des Stusses bedeutend und für das rammende Fahrzeug 
selbst nicht allzu gefährlich sein. 

Die Leistungen der Assyrer und Babylonier in Schiffbau und 
Schifffahrt waren weit geringer als die der syrischen Küsfenvölker und 
scheinen sich wesentlich auf die Herstellung von Flusskähnen beschränkt 
zu haben, wie sie für den Luftverkehr auf Euphrat und Tigris genügten. 
Herodot beschreibt die Fahrzeuge, welche stromab nach Babylon fuhren, 
als -völlig rund, schild- oder muldeuähnlich. Sie bestanden aus starkem, 
dicht mit Fell überzogenem Ruthengeflecht (vcrgl. S. 46) und wurden von 
nur zwei Männern durch Ruder gelenkt. Die grösseren Bote dieser Art 
waren, trotz ihrer leichten Bauart, doch geeignet, eine Last von seihst 
12000 Talenten (ca. 315,000 kg) zu tragen", fff ) Monumentale Darstel böigen 

*) Her od. 3, 37. 

**) Ezechiel 97, 4 ff. 
•*♦) JcBaias 2, ltt. 

f) Oecon. H, 12. 
ff) Movers: Phon. 4, IfiS IV. 191 IV. 
ffl» I^ 8 „Talent" entspricht ziemlich „,.„»h ticin hundertsten Thcile einer hansischen 

,4^8t"-2eoo k«. 



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— bH — 

bestätigen diese Angaben des Vaters der Geschichte 16], und die Ein- 

richtung solcher Lastschiffe, welche durchaus von der Gewalt der Strömung 
abhangen, hat sich sogar bis zur Gegenwart nahezu unverändert erhalten. 

Neben den Kähnen waren seit ältester Zeit grosse Flüsse mit unter- 
gebundenen Luftschläuchen in Gebrauch (vergl. S. 64). 

Frühzeitig hatte der Schiffsbau bei den Aegypten! eine gewisse Aus- 
bildung erlangt, zu deren Beförderung die Ueberschwennnungen beitrugen, 
denen das Land regelmässig ausgesetzt ist. Auf den Wandgemälden der 
ältesten mc]diitischen Grabstätten findet sich die Anfertigung der im Altcr- 
thume so berühmten „Papyrus- Hot e" dargestellt; die späteren Monu- 
mente verbildlichen aber schon zweckmässig eingerichtete F 1 u s s t r a n s p o r t- 
kähne verschiedenen ümfangs. Sie weisen meist eine sehr vollständige 
Takelung und oft auch KajUteuräutue auf [1H|. Die Kriegsmarine 
hatte bereits im 17. Jhrdt. v. Chr. unter Thutmosis 1. eine solche Bedeu- 
tung, dass ihr Befehlshaber zu den höchstgestellten Männern des Reiches 
gehörte. Die Kriegsflotte Ramses' II. wird auf 40U wolbemannte Schiffe 
angegeben, und die Darstellung von Seeschlachteu setzt ihren sachgemässen 
Gebrauch ausser Zweifel. Am merkwürdigsten ist in dieser Hinsicht ein 
Relief auf den Pylonen des Palastes Kamses' HI. zu Theben, welches eine 
Schlacht mit den libyschen Zakkar. Anwohnern des indischen Ozeans, dar- 
stellt. Man sieht die ägyptischen Schiffe mit Segeln uud Rudern gegen 
die feindlichen Fahrzeuge mauövriren und sie gegen die Küste treiben, auf 
welcher das Laudheer des Pharao ihrer wartet. Die ägyptischen Schiffe 
erscheinen als einmastige, ruudgebaute, ziemlich grosse Galeeren, von denen 
es uugewiss bleibt, ob sie flach oder auf Kiel gebaut waren. Im Unter- 
raume sassen die Ruderer; die auf dem Decke befindlichen Bogenschützen 
wurden durch einen starken Sehutzbord [17I»J gesichert. Der Sitz des 
Steuermannes war über diesen Bord erhoben (_?], und ebenso stieg hinter 
dem schöngeschnitzten Gallion eine höhere Brustwehr zur Aufnahme von 
Schützen auf [a|. Den Marskorb [dj nahm ein Schleuderer ein. der gleich- 
zeitig Späherdienst (hat und mit dem Steuermann in Rapport stand. - dal 
erklärt die Schmalschiffe (galeres subtiles) des 18. Jhrdts. für eine treue 
Ueberlieferung der egyptischen Galere aus der Zeit Ramses III. 



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Hellas 



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Küstow und Köchly: Gesch. des grieeh. Kriegswesens von der ältesten Zeit bis auf 

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Küchly und Küstow: Uriccliische Krieg.ssehiill.stellcr. I-pzg. 1*55. 
CharalamhcN 1'. Metropulos: Geschieht). 1 nU i-sueliuiij-vn über das Lnkcdämouischc 

und das Grieeh. Kriegswesen überhaupt, Güttingen 1H5K. 
de la Harre Du pare»| : Histoirc de l'art »le la gnerre avant l'usage de la poudre. I'aris IHM). 
J. v. II (ardegg): Anleitung zum Studium der Kri«-gsgischichlc. 1. [»arnmtadl 1KHM. 
Kürst Galitzin: Allg. Kri»'g*gesehichtc des Altcrlhuitm. Aus »b in Kuss. v. Slrecviiu. I. 

Cassel 1874. 

Reusrd: Notes sur riiistoirc inilitaire «b- l'antiquilc. Hnixelb-s 1875. 
Kheinhard: Griechische uml Kim. Krn-gsalterUiümcr f. d. Gebrauch in Gelehrtcn- 
sehulen. 3. Aull. Stultg. 187H. ' 



I. Waffen der Hellenen. 

Tafel 10 und 11. 

(Die fiajjeklammertcn Ziffer-Hinweis»' beziehen sieh Hilf »Ii» - Figuren »ier Talel 1". wo 
Dich* ausdrücklich die fettgedruckte ZilVer II beigefügt ist. 



Untiere Kenntnis vom griechischen Kriegswesen hat eine dreifache 
Wurzel: die Mittheilungen der hellenischen Schriftsteller, die Darstellungen 
der Denkmale und die gefundenen Ueberreste antiker Waffen. 

Unter den literarischen Quellen*) stehen der Zeit und, hinsichtlich 
des Waffenwesens, wol auch der Ergibigkcit nach, die Epen des Homer 
in erster Linie» Das Stoffliche wie das Zustiindliche gibt Homer mit wunder- 
barer Klarheit und reichstem Detail.**) Ihm können die Dichter Tyrtäo» 

*) Haase: De mililarium seriptorum Graee. et Lat. oninium instituemla narratio. 
Berolinum 1847. 

**) Feithii Antiquitatum Homeriearuni libri IV. Ausg. Stöbi-r's. Strasgburg 1743. 
Kriedrcich: Die Kcalien in »Ier Iliade und Odyssee. Erlangen 1851. 



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- 91 — 



(670 v. (Mir.) und Aischylos (500 v. Chr.) angereiht werden; wenngleicli 
sie voll unendlich geringerer Ergihigkeit sind als Homer. Den Dichtern 
folgen die Historiker Hcrodot (450), Thukydides (420) und der auch 
als eigentlicher Militärschriftstcller hochhedoutende Xeuophon (444 — 35H). 
Als ersten Kriegsdogmatiker ..ex professu" darf man Xenophon's Zeitgc- 
nosseu Aineias, den Taktiker, hetrachten. Für die Feldzügo Alexan- 
der's d. Gr. (liesst in des Arriauos Anabasis" (2. Jhrdt. n. Chr.) oiue 
reiche Quelle, welche Plutarchos (100 n. Chr.), Diodoros von Sizilien 
(HO v. Chr.) und Curtius (150 n. Chr. ?) gelegentlich ergänzen. Freien 
und grossen Blick für militärische- Verhältnisse zeigt Polybios, der Kriegs- 
geführte Sei pio 'b. Die Elementartaktik der Diadochenzeit hat in den 
Schriften des schon genannten Arriauos wie in denen des Aelianos 
(loo n. Chr.) vortreffliche Interpreten, die Heiagerungskunst in Apollo- 
doros (100 u. Chr.), in Athenäos (250 v. Chr.) uud in Philoii (150 v. 
Chr.). Ehen diesem Philon, sowie dem Heron (?) verdanken wir unsere 
allerdings sehr lückenhaften Kenntnisse vom Geschützwesen der Griechen. 
Die späteren griechischen Schriftsteller: „der jüngere Heron (?)'*, Biton. 
Polyänos, endlich die Byzantiner bieten nur unwesentliche Ergänzungen 
der Mittheilungen ihrer Vorgänger.*) 

Die Zahl der wirklich erhaltenen griechischen Waffen ist 
klein . da die eisernen Stücke durch den Kost völlig zu Grunde gegangen 
oder doch bis zur Unkenntlichkeit zerstört sind, während die Bronzen, des 
Metallwerthes wegen, meist anderweitiger Benutzung verfielen. Für die 
allerdings reichhaltigen schriftlichen Schilderangen müssen somit vorzugs- 
weise Skulpturen uud namentlich Vasen bil der als Erläuterung 
dienen beide freilich unter sorgfältiger Kritik. 

Auf «las \V a f f e n w e s e n d e r v o r h o m c r i s c h e u Z e i t i n G rieche n- 
laud haben die merkwürdigen Funde des begeisterten Schliemann Licht 
geworfen.**) Allerdings tragen die dem Boden Mykenais entnommenen 
Waffen und Schätze, welche Schliemanii und Gladstoue den Atroideu zu- 
eignen wollen, ein vorwiegend orientalisches Gepräge, und man neigt sich 
zu der Ansicht, ihre Herstellung keinem hellenischen Stamme, sondern einem 
älteren Volke asiatischer Abkunft, den Karern, zuzuschreiben. Dieser 
seefahrende Stamm wanderte in der zweiten Hälfte des 13. Jhrdts. v. Chr. 
zunächst in die Inselwelt des aigaiischen Meeres ein, breitete unter dem 
mythischen Könige Minos seine Macht über den ganzen Archipelugos aus 
und grüudete zahlreiche Kolonien auch au den Küstenstrichen von Hellas. 

*) Köchly'n und Küslow's vt innigliche Aufgabe der ({riech. KriegaschriflMclIer 
(gfittib. und deutsch, mit krit. und erklärenden Anmerkungen) enMiiilt : I. Acneia* „Von 
VerOieidigung der Städte"'. — Heron und l'hilun „Vinn OeBehfltobatt". Anhang: 
Vitrurius X. 18—15. — IIa. Asklcpiodotos: „Taktik". — A eli an os: „Theorie der 
Taktik". — Zwei Schriften taktischen Inhalt« von X c no ph o n und Polybios. III». Des 
Byzantinischen Anonym us „Kricgawisscnschaft" nebst einein dreifachen Anhange. 

**) Schliem ann: Mykenae. Bericht, über meine Forschungen und Entdeckungen in 
Mykenae uud Tyrius. Mit einer Vorrede von Gladstoue. Lpzg. 1874. 



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<>2 



wo manche aus der griechischen Sprache nicht erklärbare Namen, wie 
Hymettos, Lykabettus u. a., noch jetzt an die Karer erinnern. Nun findet 
sich auf den mykenaischen Alterthümern mehrfach das Symbol des karischen 
Stammgottes, die Doppelaxt; der grösste Theil der Motive des Ornaments 
ist dem Seeleben entnommen: Ruder, Wellenlinien, Polypen, Fische spielen 
die ersten Rollen; was aber die Hauptsache ist: die zu Mykeuai aufge- 
deckten Toten sind mit ihren Waffen bestattet — eine Sitte, welche 
Thukydides (1. 8) ausdrücklich als karisch erwähnt , während sie von den 
Griechen, auch von denen der heroischen Zeit, nicht bekannt ist. -— So 
haben denn die in Mykeuai gefundenen Waffen und Gorätho vcrmuthlieh 
den Karern augehört und stammen aus einer Zeit zwischen dem 12. und 10. 
Jhrdt. v. Chr.*) 

Von einem Theile der in den mykenaischen Gräbern gefundenen Waffen 
ist bereits früher die Rede gewesen. (Seite 8 und 12.) Der am prächtigsten 
ausgestattete Körper im I. Grabe (von Schliemann als „Agamemnon*' an- 
gesprochen) war mit einer grossen goldenen Brustplatte (15. (i " lang, 

breit) sowie mehren kleineren Goldblechen an verschiedenen Stellen be- 
wehrt und von einem goldenen 4' langen, breiten Lendengürtel um- 
geben. Unmittelbar zur Seite des Körpers lagen zwei bronzene Seh werter 
und in etwas weiterer Entfernung zur Rechten noch II, zu Füssen !<>, zur 
Linken i5 Schwerter. In den Ornamenten eines der beiden den Gebeinen 
zunächst liegenden Schwerter will Gladstono auffallende Uebereinstim- 
mung mit der Beschreibung von Agamemnon's Schwert in der llias ent- 
decken. (XI. 29—31.) 

Am eigenthümlichsten von allen mykenaischen Fundstücken erscheinen 
die 7 goldenen Gesichtsmasken, welche man hei den aufgedeckten 
Körpern faud. Achnliehe Masken sind in der Krim, in ('ampanien und Me- 
sopotamien entdeckt worden, und Gladstone vermuthet hier eine Aneignung 
der ägyptischen Sitte, das Ebenbild des Toten auf der Mumienkiste darzu- 
stellen. Wenn man sich indessen der bei manchen Naturvölkern für krie- 
gerische Zwecke im Gebrauche befindlichen» Gesichtsmasken erinnert |3; <| 
uud des späteren hellenischen Visirhelnies gedeckt II: Ij, so scheint die 
Annahme, dass jene Goldmasken Waffenstücke oder wenigstens Reminis- 
cenzen au solche seien, keinesweges ausgeschlossen. (Vergl. S. 35.) 

In den mykenaischen Gräbern sind uns übrigens auch vollständige 
Darstellungen von Kriegern jener Krühzeit des griechischen Landes 
erhalten. Bruchstücke einer bemalten Vase zeigen dunkelroth auf hellgelbem 
Grunde die Bilder von sechs Bewaffneten. Sic tragen Brust hämische 
mit sog. „PanzcrHügeln** und Beinschienen von Leder oder Zeug, welche 
etwas oberhalb des Knies mit dreifacher Schnur umwickelt sind und bis zu 
den Knöcheln reichen. Von hier an schützt den Fuss die Versehuürung, 
mit der die Sandale befestigt ist. Die Linke der Krieger führt einen 
grossen, unten halbmondförmig ausgeschnittenen Schild, die Rechte eine 

*) Vortrag dea Prof. Kühler bei der Wiakelnumufcicr zu Allna um 13. Dez. 1877. 



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- 93 - 

lange dünne, mit einein Fähnchen versehene Lanze.*) Merkwürdig er- 
scheinen die Helme: offenbar Fellkappen mit den Borsten nach Aussen 
und mit irgend einem urthümlichen Schmuck (Eber/ähnen od. dgl.) ver- 
ziert, der durch weisse Punkte angedeutet ist. Der Helme unterer Theil 
ist halbmondförmig . d. h. Stirn- und Xaekenschirm gehen sehr tief herab, 
während die Haube über den Ohren ausgeschnitten ist. Auf der Haube 
sitzt ein Kegel (qprilog) und unmittelbar auf diesem der Busch in Form eines 
langen schmalen Blattes, wahrscheinlich ein Rossschweif. Am Vordertheile 
der Haube erhebt sich (und dies ist das Seltsame) ein ganz eigentümlicher 
langer Gegenstand wie ein Horn, dem durchaus keine homerische Bezeich- 
nung entspricht. 

Zwei mykenaische Grabstellen zeigen uns Wagenkämpfer. Die 
viereckigen Wagenkasten sind niedrig, etwas vornübergebeugt und haben 
vierspeichigo Räder, während bei Homer die Räder achtspeichig sind. Den einen 
Wagen zieht anscheinend nur ein Ross, ein schwerfälliger Hengst mit hoch- 
gehobenem Schweife; den andern zieht ein Zweigespann, das mit einem ein- 
zigen breiten Bande gezügelt wird. Der eine Wagenkämpfer führt nicht 
die Lanze, sondern das Schwert. Gegenüber dein andern wird ein Gegner 
sichtbar, der, in demselben Niveau wie der Wagenkämpfer, gleichsam in der 
Luft schwebt und mit langer Lanze vorstürmt. 

Die Funde von Mykenai zeigen jene Frühzeit des hellenischen Landes 
hereits im Besitze aller Metalle; denn obgleich das Eisen nur äusserst 
sparsam auftritt, so fand Schliemann doch einige eiserne Messer. Auch in 
den homerischen Epen erscheinen die kämpfenden Völker völlig be- 
kannt mit der Bearbeitung von Gold, Silber, Kupfer, Ziun, Blei und Eisen. 
Sic verstanden es, das Kupfer zu härten, das Eisen zu stählen und unzwei- 
felhaft auch Zinn und Kupfer zu legiren. Bekannt war ihnen das Schmelzen, 
Giessen, Zusammenschweissen , Löthen, Nieten und Poliren der Metalle. 
Ihre Waffenschmiede befanden sich im Besitze ausgebildeten Handwerksge- 
räthes, und wenn man die Beschreibungen in Betracht zieht, welche Homer 
und Hesiod von der Ausstattung einzelner Rüststücke geben, wenn man die 
Schilderungen der Ilias vom vollen Waffenschmueke der Helden erwägt, 
und wenn man endlich alles Dies mit den Darstellungen gerüsteter Krieger 
auf den Vasengemälden vergleicht, so ergiebt sich, dass schon die home- 
rische Zeit alle diejenigen Küststücke hesass, welche das Griechenthiim 
Überhaupt gekannt und besessen, und dass die Folgezeit jenes Waffenwesen 
nur praktisch weitergebildet und künstlerisch ausgestaltet hat. 

Ein theils grundlegendes, theils begleitendes Moment der Bewaffnung 
ist die Bekleidung. Sämmtliche griechische Kleidungsstücke zerfallen in 
die hth'uuiu, d. h. in solche, welche angezogen wurden, und in imfikigtaia, 
d. Ii. in Umhänge. Beide hestehen im G runde aus oblongen, plaidartigen 
Geweben. Unter der Rüstung trug man den hemdartigen ..Leibrock" {xiimv) 

') SchlienMUHl meint, da* Fähnlein diene zun» Traden der Lanze auf der Schulter: dem 
widerspricht ahi-r die Zeichnung durchaus. 



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— 94 — 



meist ärmellos, fast immer aber geschürzt. Von den Umhängen gehört zur 
Kriegertracht nicht sowol der lange Burnus (iftanov) als vielmehr der leichte 
Schultermantel (jgAa/ivg). Diese Chlamys ist der eigentliche Reise- und 
Kriegsmantel. Ihn zeigt die berühmte Feldherrustatue des Phokion im 
Museo Giemen tino; mit ihr sind auf den meisten Denkmälern die Gestalten 
des Hermes, Kastors, des Polydeukcs, des Wanderers Odysseus, mit ihr auf 
dem Parthenonfriese die reitenden Epheben angethan. 

Die volle Bewaffnung (navonUa) der griechischen Krieger zerfällt 
in die Schutzrüstung und die Trutzwaffen. Bei ihrer Betrachtung hat man 
von den Waffen der homerischen Zeit auszugehen und daran die Darstellung 
der Weiterbildung bis zu den Alexandrinern anzureihen. — Wir fassen 
zuerst die Schutzwaffen (önhx) in's Auge. 

Der Helm heisst bei dem Homer zuweilen ro v.unui^ (Kopfbedeckung, von 
T« /.(hü; „Kopf") oder 17 xoQvg (von xctQa „Kopf" oder yJgag Horn"), aber noch ge- 
wöhnlicher 17 xrw'17 oder xivij und erinnert durch diesen Namen an den 
Hund, besonders den Seehund, von dessen Felle er ursprünglich genommen 
wurde.*) Die Bezeichnung blieb, auch als man sich anderer Thierfelle zur 
Herstellung des Helms bediente, und man gab ihr in Folge dessen Bei- 
wörter, welche ihren eigentlichen Sinn aufhoben, z. B. „das vom Stiere" 
oder „das vom litis genommene Hundsfell". So heisst es Iliad. 10, 257. ff. 
vom Thrasymedes, er habe dem Diomedes Schwert und Schild gereicht : 

— — und deckt ihm das Haupt mit dem Helme von Stierhaut (xviirj tmv^eij), 

und v. 458 von Hektor. er habe den Otterhelm (xndti;v xw&jv) aufgesetzt. 
Diese Kopfbedeckung von Fell (mwtfq), welche als solche auch eine blosse 
Mütze oder einen Hut bezeichnen konnte (wie denn ein Hut von Ziegenfell 
xwtfq atyih; wirklich in der Odyss. 24. 231 vorkommt), ward erst dadurch 
zum eigentlichen Helme, dass man sie mit Erz umschloss. **) Das geht aus 
vielen Beiwörtern des Helmes (xorAxt/ij, x a ^ x Wi^ *«'Xß*x«s. xaXxoiraqijog) hervor. 

Die mannigfaltigen Formen eherner Helme lassen sich, je nach 
Verwendung der ihnen eigenen Einzeitheile, in ihren allmähligen Ueber- 
gängen und Entwickelungen gut verfolgen. — An die Stelle der Lederhaube 
trat zuerst eine halbkugelförmige eherne Kopfbedeckung, die dann nach und 
nach durch Hinzufügung von St i r n sch i r m e n (ifa/.tK) und Nacken- 
sch i r in e n , Backen- (»der Seitenschiriuen (tpühtQa) und N a s e n s t ü rken. 
halben und ganzen Visiren Gesicht und Hals besser zu schützen strebte 
II: 9 — Vi]. Ein Helm, welcher alle diese Schinne aufweist, heisst r vier- 
sehirmig" (inqayuhK:). Die Backenstücke wurden in der älteren Zeit 
gewöhnlich mit Cliarnieren befestigt |4]; bald alter kam man darauf. Nackcn- 
schirmc und Backenschirnie aus ein und demselben Stücke wie die Helm- 
kappe zu schmieden und so den ganzen Kopf bis zu den Schultern derart 
einzuschliessen, dass nur Augen. Mund und Kinn unbedeckt blieben 

*) K u nt at h i 11 x (A»iwr »rni; 7»'»/'<»i'i zu Miad. '.i, '.KUi. (Verf»l. nhen S. 21.) 
*♦) AI* llnterfntter -ind Fell- und Fils-kappen niimlir-h auch in der Folgezeit loch 
immer gebräuchlich. 



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Indem man nun den Nackenschirm allein wieder von dem ziemlich schwer- 
fällig gewordenen Heimo löste, ergab sich endlich eine leichtere, zugleich 
aber vortrefflich schützende Form, die beliebig auf dem Hinterhaupte oder 
vor dem Gesichte getragen werden konnte (11, 1J. Es ist das der Stülp- 
oder Visir-Helm der Lakedaimonier, der. herabgezogen, den Kopf voll- 
ständig deckt. — Die fortgesetzte Entwickelung beruhte dann auf aberma- 
liger Einführung beweglicher Cllieder und führte zu den korinthischen, boio- 
tischen und attischen K lap pe n h elm e n [1; 11; 24, 25, 26]. — Eine 
anderweitige Ausgestaltung der Helmformen knüpft sich an die erhöhte 
Sicherung des Schädels durch einen über die Heinmath geführten Kamm 
oder Bügel (v.vnfiaxoi) , der gleichzeitig als Träger der mannigfaltigsten 
Verzierungen (Äoqpog), zumal des Hclmbusches, benutzt wurde (3, 5, 6J. 

Der Helm husch besteht gewöhnlich aus Rosshaaren, und der mit ihm 
geschmückte Helm heisst xvvtij 'innovQi$ „von Rosshaaren umwallt". So 
heisst es von Paris (II. 3, 336 ff.), 

..Auch das gewaltige Haupt mit stattlichem Helme bedeckt' er, 
von Rosshaaren umwallt, und fürchterlich winkte der Helmbusch." 

Des Busches wegen heisst der Helm selbt häufig r) nijlrfe (II. 13, 805 und 
15, 608, 647). Nur selten erhebt sich der Busch unmittelbar aus der Haube 
[11, 26"|; meist ist er an dem sog. Kegel (ipdlog) befestigt, der da, wo ein 
Kamm fehlt, durch ein oder mehre Röhrchen gebildet wird, in die man den 
Busch steckte [3, 5], andernfalls aber mit dem Kamme zusammenfällt 
1 1, 6; 11, 1, 2, 85]. Den Helm mit wallendem Haarbusch bezeichnet 
Herodot (1, 171) als Erfindung der „ältesten Karer" und Plutarch sagt, 
dass eben diese Karer, ihrer Helmbüsche wegen, von den Persern „Hähne" 
genannt worden seien. Das stimmt vortrefflich mit dem oben geschilderten 
inykenuischen Vasenbild überein. Aber auch noch in der späteren Zeit 
wurden von den abendländischen Völkern solche Büsche getragen: ihnen 
verdankte warseheinlich die von Cäsar im transalpinischen Gallien gewor- 
bene Legion den Namen „alauda" (Lerche).*) 

Das durchschnittliche Gewicht eines antiken Helms dürfte auf l tfa kg 
zu veranschlagen sein. 

Nächst dem Helm erscheint als wichtigste Schutzwaffe der {h6qa$, der 
Brustpanzer. Er bestand aus zwei ehernen, durch Schnallen verbundenen 
Krz-Platten (yi'itla), die über den Hüften entweder glatt oder mit einem 
scharf ausgebogenen Rande abschnitten [1, gll. 11, 1J. Weder Aegypter 
noch Assyrer und Perser, ja. wie es scheint, kein orientalisches Volk war 
zur Ausbildung wirklicher PI a 1 1 e n r ü s tu n g gelangt, so dass diese als 
eine Erfindung der ({riechen erscheint, die wol ebensosehr ihrem plasti- 
schen Sinne wie dem praktischen Bedürfnisse entsprang. — In späterer 
Zeit entwickelte sich eine leichtere, aus dünneren Metallplatten zusammen- 
gesetzte Porin, welche sich der Muskulatur anschmiegte (7, H\ und deren 
vordere Hälfte sich zuweilen bis unter den Nabel wölbte. Sonst schützten 

♦) Sueton.: Cae*. c. 24. 



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den Unterleib meist federartige Leder- oder Filzstreilen, welche mit bieg- 
samen Bronzeplatten belegt wurden, die „Panzer flügel* (mfyvytg) [1 m; 
11, 25]. Xenojdion erläutert diese Einrichtung dabin, dass Bauch und Ge- 
milcht gedeckt, aber nicht gedrückt werden sollten,*) und von den Cha- 
lybern berichtet er in der „Anabasis", dass sie statt der PanzerHügel 
„dicht gedrehte hänfene Seile" getragen hätten. — Auch an den Armlöchern 
kommen zuweilen derartige Federn als Schulterstücke vor. — Unter 
den Panzerflügeln deckte den Unterleib gewöhnlich noch ein meist lederner 
Schurz (Ztöfia). der bis zu den Knien reichte. — Das Gewicht eines Erz- 
Panzers wird mau durchschnittlich auf 8, 5 kg veranschlagen dürfen. 

An Stelle des ehernen Thorax werden zuweilen auch lederne oder 1 in- 
nen e Koller getragen,**) die entweder durchweg mit Schuppen bedeckt 
[11; 24] oder doch zum Schutze der Schultern und der Her/grübe mit Me- 
tallplatten belegt waren [11; 3]. Sie gehören als allgemeine Tracht der 
späteren Zeit an ; erwähnt aber werden sie bereits von Homer. Es scheint, 
dass sie anfangs, ihrer Leichtigkeit wegen, von kleineren und schwächeren 
Kriegern getragen wurden. So heisst es II. 2, 529 von dem zweiten Aiax, 
welcher lauge nicht so gross als der Telamonier gewesen , er habe den lei- 
nenen Harnisch getragen, er sei hvoihoQr^ gewesen. Alkaios und Xenophon er- 
wähnen dieser W affentracht ebenfalls.***) — Dass übrigens auch Ringpanzer 
von den homerischen Griechen getragen wurden, geht aus mehren Stellen 
der llias hervor. So heisst der Waffenrock %iii6v (13, 439) ein eherner 
{yülxto^) und (5, 113) ein gedreheter (aiQt;nog), was man gewöhnlich von 
den ehernen Ringen versteht, welche netzartig in einander verschlungen 
waren. Die zuletzt angeführte Stelle übersetzt Voss: 

„Hell durchspritzte das Blut die geflochtenen Ringe des Panzers." 
lind 13, 438. 

M __ Da gtiess ihm Idmiieneus kraftvoll 

seinen Speer in die llrust und zerschmetterte rings ihm den Panzer, 
welcher mit ehrnein Geflecht ihn bisher vor dem Tode gesehirniet ; 
doch rauh tönt' er nnjetzt, um die mächtige Lanze zerberstend." 

Agamemnon fleht (2, 416), dass es ihm gelingen möge, den Panzerrock da 
Hektar (txtoQtor %tiüm) um die Brust durch Erz zu sprengen. In der naeh- 
homerischen Zeit kommt auch der S c h u p p e n p a n /. e r (xiiwV tfuhöuiu^) vor. 

Lieber dein Plnttenhnrnisehc wurde ein blechbeschlageuer Leibgurt 
£ftNmjf[j$; II], unter ihm eine ebenfalls metallene B i n d e uiifKi getrageu. 
So heisst es in der Verwundiiugsgesehiehte des Menelaos (II. 1, 134): 

„Stürmend traf dal Geschnsa den reetitutiegeiiden l*eiligurt {Z">oii_i<)\ 
sieh' und hinein in de» Hurt, den künstlichen, bohrte die Spitze; 
auch in das Kuustgeschmeide dei Harnisches drang sie geheftet; 
und in das Pdeeh («/»«>,»•), das er trug zur Schutzwehr gegen Geschosse." 

*) De re eipiestri, cap. V2§4. Hauptstell.- über die Uestalt des Hanlisches der spätem Zeit 
*•) Die I,ederkoller bestanden vermuthlieh aus Ziegenleder, wie sieh aus der Bezeich- 
nung schliesseu lässt. (Hesych. h. v.! Sie waren mit Filz irel'üttert, werden daher 
auch niloi genannt (Thnk 4. 34). 

•••) Vergl. oben 5. 20, «i r 67 nnt \ « 8 , 



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— 97 — 



Bald darauf tritt Menelaos selbst der Besorgnis seiner Genossen mit der 
Erklärung entgegen (4, 185): 

„Nicht zum Tod' hat jetzo das scharfe Gesehoss mich verwundet; 

sondern mich schützte der Gurt (^<u<m,(<) voll künstlicher Pracht und darunter 

auch die Bind' und das Blech (,««/<>/.), das Krzarhoitor gebildet" 

Diese Gürtel gehörten so sehr zur heroischen Bewaffnung, dass „sich 
gürten" Lwirwihtt so viel bedeutet. hIs sich zur Schlacht bewaffnen, und 
umgekehrt heisst, wie Pausanias geradezu sagt*), das Anlegen der Waffen 
bei den Alten kurzweg „sich gürten".**) 

Auch in den späteren Zeiten wird solch Leibgurt stets im Kampfe ge- 
tragen ; man legt ihn erst ab. wenn man sich in Sicherheit weiss. So thut es 
Xerxes erst in Abdera, als er von Athen flieht.***) 

Schon in der homerischen Zeit finden sich zum Schutze der Unter- 
schenkel die reiterstiefelartigen Beinschienen (xKi^/id**,') [lo ; 11, 1, 2, 7. IJS], 
Diese Knemiden bestanden aus Metall, häufig aus Zinn, und wurden durch 
Aufbiegen und Zusammenbiegen um das Bein gelegt. Um die Wade hielten 
sie meist Schnallen fest; an den Knöcheln waren besondere Ringbänder 
seltener angebracht. — Die Knemiden sind für den Helden, welcher in die 
Schlacht eilt, das erste Stück, welches er anlegt. So II. 11, 17: 

„Eilend Tilgt' er zuerst um die Beine sich bergende Schienen, 
blank und schön, anschliessend, mit silberner Knochtdhcdeckung." 

Diese Verse kehren im Homer sehr oft wieder. Auch Hesiodos sagtf): 

„AI90 der Held; und Schienen von hellgeglattetem Bergerz 

Tilget' er rasch um die Beine, das Wundergeschenk des Hephaistos." 

Erst nach den Beinschienen folgt bei Homer wie Hesiod die Anlegung 
des Bmstharnisches und des übrigen Waffenschmucks. Vielfach findet man 
auch auf Vasenbildern Krieger nur mit den Knemiden, dem Helm und dem 
Schilde gerüstet, nicht mit dem Brustharnisch. Und mit Recht; denn Brust 
und Leib vermochte der Schild zu decken , Haupt und Unterschenkel aber 
nicht. — Der unterste Theil der Beinschienen heisst rd ImötfvQta und 
schliesst sich der untern Fusskrümmung und den Knöcheln an, bis dahin, 
wo die Sohlen den Fuss decken. Diese Knöchelbedeckung bezeichnet 
Homer in mehren Stellen als silbern. (II. 3. 330; 11. 18; 16, 132 u. s. w.) 
Für die Achaier findet sich bei Homer als unausgesetztes Beiwort, ,,die 
wohlumschienten" (evxvTjfufcg) , welches auf die Allgemeinheit dieser 
Art von Bedeckung schliesscn lässt. Zuweilen (wie II. 7, 41) steht dafür 
auch ,.die erzumselüenten", x a ^ Mncv W 1 ^- — Das Gewicht von einem 
Paare erzener oder zinnerner Knemiden wird man auf 2, % kg zu veran- 
schlagen haben. Uebrigens kommen in der Odyssee auch lederne Bein- 
schienen vor, welche bei ländlicher Arbeit getragen wurden (24, 27 ff.), 

*) IX, c. 17. 
*•) Vcrgl. oben S. 21. 
•**) Her od. VIII, 0. 120. 
f ) Schild lies Hercule« v. 122. 

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- 98 



lind dieser lederne Reinsehutz ist in der Folge unter dem Namen der 
„Tphikratiden" allgemeine Tracht der hellenischen Söldncrinfanteric ge- 
worden. 

Der Schild (17 aW/g oder to adxog) ist die vornehmste Schutz waffe; 
denn gehörig gehraucht, schützt des Schildes hreiter Bauch, wie Tyrtäos 
(eleg. 3, 23) sagt, 

„Hufton und Schienen von unten und Brust zugleich und die, Schultern." 

Die älteste Schild form ist die des Kreises (itdvtoo' f(orj) [1], welche im 
Homer fast ausschliesslich erwähnt wird. Dann erweiterte man den Schild 
zu einem mächtigen Ovale {dfapißgorrj, /roJryvfxij*,*), welches, etwa 4,, )0 * lang 
und 2' hreit, den ganzen Mann deckte. Das Oval hat häutig Einschnitte an 
den Langseiten, deren Zweck nicht klar ist [11, 1, 17, 18]. Schilde dieser 
Art kommen fast auf allen hoiotischen Münzen vor und werden deshalb boio- 
tische genannt. — Später tritt wieder ein Rundschild auf, den man ge- 
wöhnlich als den argivischen oder dorischen hezeichnet [U, 15, 7, 24, 25, 
26]. Eine Vermittelung zwischen beiden Formen bildet der Schild mit dem 
Schurze (laiorjiov) , welcher, leichter als der Ovalschild, doch besser deckt 
als der blosse Rundschild [1; 11; 16]. Er begegnet merkwürdigerweise 
auch hei den mexikanischen Kriegern. (Vergl. S. 52.) - Das Material 
der Schilde war Ochsenhaut, die bis zu 7 Lagen Uber einander gespannt 
ward und über die man eine dünne Metallplatte nagelte ; daher die beim 
Homer oft wiederkehrende Benennung „rindslederne Schilde" (äa;ridt$ .Inn tu >. 
Die Nagelköpfe traten längs des Randes huckelartig hervor. Den Mittel- 
punkt bildete ein grosser, meist reich ornamentirter Nagel, der Schild- 
nabel (ntiifakög). Hier pflegten auch die Schildzeichen angebracht zu 
werden , welche theils von den einzelnen Kriegern beliebig gewählt, theils 
aber auch stammweise geführt wurden [1; U, 7, 15, 16, 17, 18, 25]. So 
waren die Schilde der Athener mit der Eule, die der Thebaner mit der 
Sphinx geschmückt. Die Sikonier bezeichneten ihre Schilde mit einem hell- 
leuchtenden 1\ die Lakedämonier mit dem alterthümlich geformten Lamhda 
A, weshalb diese Schilde auch geradezu Labda hiessen. Auch Schild- 
sprüche kommen vor. 

Der grosse Ovalschild wurde an einem Wehrgehänge {itlaiuov) 
getragen, welches um den Hals und über die linke Schulter ging. Anfoiujs 
scheint der Schild sogar mit Hilfe dieses Riemens regiert worden ?u sein; 
wenigstens spricht Herodot ausdrücklich von der „Erfindung* der Hand- 
griffe und schreibt dieselbe den Karern zu (1. 171). — Das Gewicht 
eines solchen Schildes dürfte 14 kg. betragen haben, das des Rundschilds 
nur etwa ö kg. — Der Ovalschild ist vorzugsweise Waffe der Hopliten, 
des schweren Fussvolks; die leichten Truppen führen entweder den Rund- 
schild oder, häufiger noch, die sog. Pelta [11, 6], ursprünglich wol eine 
thrakische Waffe, die aus Holz und Weidengeflecht hergestellt und mit 
einem ledernen Ueberzuge versehen war. Die Pelta ist halbmondförmig; 
sie erscheint auf den Denkmalen als Rüststiick der Amazonen, und nach ihr 



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— 99 — 

empfing das leichtere Fussvolk den Namen der Peltasten. — Andere Schild- 
l'ormen kommen nur ausnahmsweise vor. — Erhalten hat sich ein einziger 
griechischer Schild, welcher im Museum zu Palermo aufhewahrt wird. 

Wir gehen nun zu den A n gr i f f s w a f fen , (ttlr(, über. 

Die Keule (xt>Qvvrj), jene Urwaffe, die in der Hand des Herakles und 
des Theseus so grosse Dinge gethan, erscheint hei Homer nur noch in der 
Erzählung des Nestor, welcher aus den Tagen seiner Jugend berichtet, dass 
er damals mit einem Helden gefochten habe, der die Rüstung jenes be- 
rühmten Areithoos trug, welcher nicht mit Bogen und Lanze, sondern mit 
eisenbeschlagener Keule die Schlachtreihen durchstürmt hätte, und deswegen 
der „Keulenschwinger" (o xoßwi^Tijt;) genannt worden sei. — Uehrigens 
wurde die Keule auch noch in historischer Zeit von Griechen geführt: so 
z. B. von den Heiloten der Spartaner und von der Leibwache des Pei- 
sistratos. 

Die vornehmste Trutzwaffe warder Speer, bei Homer tö k'yx°$> später 
döqv, meist ein Eschen schaft*) mit eherner Spitze und ehernem Schuh, 
welcher letztere im Nothfall auch zum Stosse dienen konnte [U, 22, 20]. 
Die gewöhnliche Länge des Spiesses von 7 bis 8' und das Gewicht von 
etwa 2 kg. gestattete, ihn ehensowol zum Wurfe wie zum Stosse zu ver- 
wenden. Für beide Zwecke ergriff die rechte Faust den Speer in der Mitte. 
Der Stoss erfolgte aus erhohener Hand von ohen nach unten, was natürlich 
voraussetzt, dass das eigentliche Gefecht Einzelkampf ist, zu dem die 
Schaar indessen bis zum Momente des Handgemenges geschlossen herange- 
kommen sein kann. Die Wurfweite des Speeres, auch die des kleineren 
Wurfspiesses (6 äxvjv), der ein Gewicht von 0, 76 bis 1, 5 kg hatte, wird 
nicht über 10 bis 15 Schritt gewesen sein. Das „Geschwirre der Wurf- 
spiesse" {Öovnoq dxovriov) steht bei Homer öfters für die Schlacht selbst, 
und erst nachdem die Lanzen von beiden Seiten geschleudert sind, folgt der 
Kampf mit den Schwertern. **) 

Das Gewicht eines Spiesses kann auf durchschnittlich 2 kg angenommen 
werden. — Nicht selten trug ein und derselbe Krieger mehre Spiesse von 
ungleicher Länge; so führten /.. B. die Peltasten im Heere des Xenophon 5 
kürzere und einen längeren Wurfspiess. Letzteres war der mit einer Wurf- 
schleife (äyxvkt], amentum) versehene sog. Riemenspeer (fitoüyxvXov) [11, 1]. 
Am Schwerpunkte dieser Waffe war ein Riemen festgeknotet, dessen herab- 
hangende Theile mehrfach um den Schaft gewickelt wurden. Durch die zu- 
sammeugeschleiften Enden des Riemens wurden die Vorderfinger gesteckt; 
indem sich dann durch straffes Anziehen der Schleife im Augenblicke des 
Wurfes der Riemen rasch abwickelte, wurde der Speer in eine rotirende Be- 
wegung gesetzt und ihm dadurch , analog dorn aus einem gezogenen Rohr 
abgefeuerten Geschoss, eine erhöhte Constanz der Flugbahn gesichert. 



*) Vergh PI in ins Xaturgosoh. XVI. C. 13 und oben Seite 7. 

**) Daher tla* Ihmmcii heim Zweikampfe : welcher der Hehlen zuerst schleudern solle. 

(Ii. 3, suu r., 

7* 



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— 100 — 



Zu besonderer Bedeutung erhobrn sich die Pelt asten [11, 6] durch 
die organisatorischen Einrichtungen des Söldnerfuhrers Iphikratcs. Er 
stattete sie, ausser mit dem sicher treffenden Riemenspeere , auch noch mit 
längeren Spiessen aus. die iiineu erlaubten, gelegentlich in Linie anzugreifen, 
so dass die Peltasten schon früh als eine Art Mittelinfanterie er- 
schienen. Diesen Speerschützen gab man nun das gesteppte Linnenkoller, 
welches ihnen volle Beweglichkeit für den Speerwurf gönnte und sie doch 
gegen Hieb und Stoss einigermassen sicherte. Denn nahe heran an den 
Feind mussten auch die Peltasten; der Speer kann eben nur auf wenige 
Schritte geschleudert werden. Sind die "Wurfspiesse verworfen, so gilt es 
auch für die Peltasten den Kampf Mann gegen Mann, und für diesen gab 
ihnen Tphikrates einen Degen von etwa 30 Zoll Klingenlänge. — Derart 
ausgestattet, waren die Peltasten im Stande, auch ohne Mitgabe von Linien- 
fussvolk, kleinere Unternehmungen selbständig durchzuführen ; wie das denn 
auch wirklich geschah. — Im späteren makedonischen Heere entsprechen 
diesen Peltasten die Hypaspisten (Leibwächter): nur dass sie statt der 
Pelta den makedonischen Rundschild trugen und das Haupt mit dem 
nationalen Breithute, der Kausia. bedeckten [11. ">]. 

Wenn sich diese Entwickelung wesentlich an eine besser geregelte und 
ausgebreitete Benutzung des W u r f spiesses anknüpft, so beruht eine andere 
Steigerung der Waffenwirkung auf besserer Anwendung des Stoss Speeres, 
und auch diese Reform knüpft sich an den Namen des Iphikrates. Er er- 
leichterte die Schutzrüstung des schweren Fussvolks . indem er ihm , wie 
schon erwähnt, an der Stelle der erzenen Beinschienen die ledernen 
„Iphikratiden" gab und indem er den gewaltigen Ovalschild durch einen 
leichteren Rundschild ersetzte, welcher nur mit den Armringen, nicht mit 
der Faust geführt ward. Dadurch wurde die linke Hand verfügbar, und 
dieser Umstand . sowie die allgemeine Erleichterung der Rüstung gaben 
Anlass. und Möglichkeit zu einer Verstärkung der wichtigsten Trutzwaffe, 
nämlich des Spiesses. Dieser wird auf etwa 12' verlängert uud dement- 
sprechend mit beiden Händen geführt. Nun konnte er 8' bis 9' nach 
vorn gestossen werden, und man war im Stande, die Eisen von 4 Gliedern 
vor die Front zu bringen. — Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwickelung 
in Makedonien durch Einführung der berühmten oagtaa, eines Spiesses von 
14 bis 16' Länge.*) — Bei vollkommen aufgeschlossenen Gliedern, so dass 
von Brust zu Brust kein grösserer Abstand als 2 Fuss bleibt, können von 
solchen 16füssigen Sarisen die Eisen von 6 Gliedern vor die Front gebracht 
werden. Die dahinter folgenden Glieder drängten nur vorwärts, indem sie 
ihre Piken auf die Schultern der Vordorloute legteu und so einen Spiesswall 
herstellten, der zugleich die feindlichen Geschosse abfing. 

*) Fuss und Elle (nr,xvs und .Ws) werden im Griechischen heide mit .t. abgekürzt. Daher 
wol die bei vielen Schriftstellern auftretende Nachricht, die Sarisa sei 16 Ellen lang 
gewesen. Diese Uebcrt reihung hat Rüstow's einschlägliche Untersuchung endgiltig l»c- 
seitigt, — Febrigens werden diese langen Stosswaffen nicht ausschliesslich aiipiaa, sondern 
gelegentlich auch wie die hellenischen Speere Üijmrn genannt. 



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Das Schwert heisst bei Homer xo ^irpo^, äog, rpäayavov. Der erste 
Ausdruck ist am gewöhulichsten. Gewiss sind die Wörter nicht ganz gleich- 
bedeutend. "Aoq (von dtiQin) bezeichnet jede Waffe f welche an einem Ge- 
bäng (balteus) über die Schulter getragen wird; Apollo heisst XQvaäioq 
wegen des goldenen Bogens und Köchers, nicht wegen eines Schwertes, 
welches er nie trägt (II. 5, 509 und Hesiod. Op. v. 769). <Päoyavov bezeichnet 
ein Hiebmesser*); bei Homer aber schon jeden „Mordstahl"; das Wort 
hat bei ihm poetischen Beigeschinack; Sltpog ist ein Schwert mit gerader 
Klinge [lt; 11. 20, 24] ; nä%aiQa bedeutet einen Säbel mit gebogener Klinge, 
wie ihn, auch noch in späterer Zeit, die Lakedaimonier zu rubren pflegten 
[11, 21]. Diese leicht gekrümmte Hiebwaffe ist wie das uralte (päayavov ein- 
schneidig ; die gebräuchlicheren Formen dagegen sind durchweg zweischneidig 
(ätuprjxet;) und gleich geeignet zu Stoss wie zu Hieb. Die erhaltenen Waffen 
lehren, dass der 4 bis 5" lange Griff entweder mit der Klinge aus einem 
Stücke gearbeitet oder dass die Klinge in ein Heft eingelassen war. Letzteres 
kommt aber nur bei besonders kunstreich gearbeiteten Waffen vor. Das 
Gefäss hat den Kreuzbalken oder eiu ganz kleines Stichblatt, keinen Bügel. 
Die Klinge misst in der Länge 16 bis 18, in der Breite 2 bis 2, ä Zoll. Sie 
ruhte in einer Scheide (o xo/fdt,'), welche zuweilen aus Metall**) oder gar 
Elfenbein bestanden zu haben scheint (Odyss. 8, 404), gewöhnlich aber aus 
metallbeschlagenem Leder hergestellt war. Die Schwerter hangen von 
der Schulter herab an der linken Hüfte an einem Riemengehäng, welches, 
wie bei dem Schilde, itlaiuöv heisst. — Mehr als die meisten Waffeustücke 
der Heroenzeit unterlag durch die sich ändernde Art der Kriegführung das 
Schwert der Umwandlung. Dem Cornelius Nepos zufolge verlängerte, dem 
Diodor zufolge verdoppelte Iphikrates die Klingenlänge der Schwerter seiner 
Linieninfanterie bis auf etwa 30 Zoll (ohne den Griff). Griechische Schwer- 
ter solcher Art haben sich auf gallischem Boden erhalten, wo ihrer Ein- 
richtung alter Landesbrauch entgegenkam, der auch stylistisch erkennbar 
wird [9—11 »]. 

Von Streitäxten (o 7telexus) kommen, wie bei den Völkern des Orients, 
ein- und zweiklingige vor. Sie werden jedoch wesentlich nur als eigentliches 
Pionier- und Handwerksgeräth gebraucht. ***) 

Die wichtigste Fernwaffe ist der Bogen (ro t6*ov), an dessen beiden 
Enden (al xoQtövcu) die Sehne (ij vagä) befestigt war, und zu welchem der auf 
dem Rücken getragene Köcher (17 (paQ^rga) gehört, in welchem die Pfeile 
(pi oienot) stecken. — Die Form des antiken Bogons war eine zwiefache. 
Der einfachere, jedenfalls leichter zu spannende, sog. Skyt bische oder 

*) Vorgl. oben S. 12. 

**) Von solchen metallenen Scheiden sind einige auf uns gekommen. Eine dergl. von 
getriebenem Erze befindet »ich im Kgl. Antiquarium zu Herlin. Ebendort wird ein sehr 
schönes griech. Schwert mit Schilfklinge Aufbewahrt , welches aus Pclla in Makedonien 
stammt. Es misst 21", von denen »" auf den Griff kommen; ein anderes Schwert der- 
selben Sammlung hat eine Klinge von 19, ss und einen Griff von 4 lls " Länge. 
***) l'ausunias 10, 14. 



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A rtemis-Bogoii bestand aus einem in Kreistheilform gekrümmten Stabe 
von elastischem Holze, dessen Enden etwas aufwärts gebogen waren [13]. — 
Der eigentlich griechische, sog. Doppelbogen war entweder aus 
einem Antilopengchürn zusammengesetzt oder in der Form eines solchen 
Gehörns aus Holz nachgebildet. Diese Bogen scheinen 4 bis 6' lang ge- 
wesen sein, und es bedurfte sehr kräftiger Arme, sie zu spannen [14]. — 
Die Herstellung eines derartigen Bogeus sowie die Weise des Spannens 
(iavvnv, tiivttv, (knttv) und Abschiessens ist bekannt , theils aus der Erzäh- 
lung vom Bogen des Ulysses, welchen die Freier vergebens zu spannen be- 
müht sind (Odyss. 19, 572 f. und 21, 475 f.), theils aus der lliade, wo er- 
zählt wird, wie Pandaros auf Menelaos schiesst (4, 105 f.). 

„Schnell entblösst er den Bogen, geschnitzt von des üppigen Steinbocks 

schönem Gehörn, dem er Belber die Brust von unten getroffen. 

Sechszehn Hand breit ragten empor am Haupte die Hörner. 

Solche schnitzt' und verband der hornarbeitende Künstler, 

glättete Alles umher und beschlug's mit goldener Krümmung. 

Diesen nun stellt er geschickt, nachdem er ihn spannt, auf die Erde 

angelehnt, und mit Schilden bedeckten ihn tapfere Freunde. 

Jetzt des Köchers Deckel eröffnet er, wählte den Pfeil dann, 

Ungoschncllt und gefiedert, den Urquell dunkeler Qualen. 

Eilend ordnet er nun das herbe Geschoss auf der Senne; 

fassend dann zog er die Kerbe (jkifiltai) zugleich und die Nerve dt» Kinde«, 

das» die Senne der Brust annäht, und das Eisen dem Bogen. 

Als er nunmehr kreisförmig den mächtigen Bogen gckrüinmct, 

schwirrte das Horn und tönte die Senn' und sprang das Geschoss hin. 

scharfgespitzt, in den Haufen hinein zu fliegen verlangend." 

Gewöhnlich senkte der Schütze beim Bogenspaunen das eine Kuie zu 
Boden. Als die geschicktesten griechischen Bogner galten die Kreter. — 
Das Gewicht eines Bogens wird auf 3 bis 4 Pfund, das eines gefüllten 
Köchers auf 10 bis 12 Pfund anzusetzen sein. — Der Köcher wurde au 
einem um die Schultern geschlungenen Riemen an der Linken getragen und 
war zum Schutze der Pfeile mit einem Deckel versehen [15. 16]. Zuweilen 
nahm der Köcher auch den Bogen auf [11, 14], eine Form, wie sie schon 
bei den Persern erscheint, noch heute von Mongolen und Kirghiscn ge- 
tragen wird. 

Wiewohl der Gebrauch der Schleuder (jj otptvdövij) bei den Griechen 
nicht sehr geehrt war, die Helden vielmehr den Hand-Wurf mit grossen 
Blöcken [1] vorzogen und meinten, dass die Schleuder nur für jene Knechte 
tauge, welche in späterer Zeit, z. B. bei Xenophon , nackte (yvftriput) 
heissen, so findet sie sich dennoch vor Troja und zwar besonders in den 
Händen der Lokrer. Die homerische Schleuder besteht aus gedrehter Schaf- 
wolle (11. 13, 599, 716); später stellte man sie aus Leder her, und als die 
Helleneu im Kampfe mit den Persern die Wirksamkeit der Waffe schätzen 
gelernt, kam sie zu grösserer Verbreitung. Während des peloponuesischen 
Krieges thaten sich besonders Akarnancn und Rhodier als Schleudcrer 
hervor, und später rangen die Achaier mit den Balearischen Insulanern 
um den Preis in der Wurfkunst. Die Balearer haben von dieser sogar den 



— 103 — 



Namen empfangen (ßa).Xuv). Sie bedienten sich nach dein Zeugnisse Straho's 
dreier verschiedener Gattungen von Schleudern , je nach der Entfernung. 
Als Stoff für die Riemen verwendeten sie Binsengeflecht, Haare oder Thier- 
sehnen und für die Geschosse theils runde Kiesel oder Thon-Kugeln in 
Grösse eines Hühnereis, theils bleierne Bolzen (ftohßdig) in Gestalt von 
Mandeln, die nicht selten Inschriften trugen, z. B. dt£at (nimm das hin!). — 
Von griechischen Bildwerken geben nur die Münzen der pisidischen Stadt 
Selge das Bild eines Schleuderers [U, 19]. Merkwürdig ist es, dass zwei 
berühmte Anführer von geschleuderten Steinen getödtet sind, der persisch« 
Feldherr Mardonius in der Schlacht bei Plataiai von einem Spartaner * ). und 
Pyrrhos von Epeiros, bei der Belagerung des Antigonos in der Stadt Argos. **) 
Zu ausgesprochener Geltung kamen die Fernwaffen im makedonischen 
Heere. Hier gab es ausser Phalangitcn und Hypaspisten noch ein 2000 
Mann starkes S c hü tzenkorps (i)>t)u>i oder yvftwi), das zur Hälfte aus 
Schleuderern und Bognern, zur Hälfte aus Akontisten (Speerschützen) be- 
stand. 

Die Reitkunst***) war den Griecheu zur Zeit dos trojanischen 
Krieges allerdings bekannt. Drei Stellen des Homer beweisen das. In der 
einen (Odyss. 5, 371) heisst es, dass Odysseus beim Schiffbruche auf eiuem 
Balken sass, „wie ein Reiter des Rosses"; in der zweiten (II. 10, 498), dass 
Diomedes und Odysseus sich auf die Rosse des Rhesus setzten und, indem 
Letzterer sie mit dem Bogen antrieb, zu den Schiffen der Achaier ritten. 
Aus dieser Stelle darf man wol schlicsseu, dass die Pferde bereits an das 
Reiten gewöhnt waren, da sie sich unter schwierigen Umständen willig und 
folgBam zeigen. Die letzte Stelle endlich (II. 15, 679) vergleicht die behende 
Vertheidigung der Schiffe, bei welcher Aiax von dem einen in's andere sprang, 
mit den Künsten eines Reiters auf vier Pferden, der im vollen .lagen bald 
auf dieses, bald auf jenes hinüberspringt. Die Erwähnung solcher Leistung 
beweist nicht nur, dass man überhaupt zu reiten verstand, sondern dass 
schon ein hoher Grad der Ausbildung in dieser Kunst bekannt war. Den- 
noch briugen die Gefechtsschilderungen des Homer keinen einzigen Zug, in 
welchem kämpfende Ritter oder gar Reitergeschwuder auftreten. Man ver- 
stand demnach, zu reiten, aber man hatte keine Reiterei. 
Wahrscheinlich liegt der Grund davon in dem Mangel an Pferden, welcher 
auch noch in späterer Zeit gefühlt wurde. Thessalien und Argolis waren 
im alten Griecheulande vielleicht die einzigen Gebiete, wo die Pferdezucht 

*) PI utaroh un Aristides. **) Justin. XXV, c. 5. 
'**) Ueber die Reitkunst und das Wagenwesen der Griechen vergleiche: X e nu- 
llit hu: ,,1'elK'r die Reitkunst" und „Die Pflichten eines Reitentbersten" ; hrsgb. von Jacobs. 
Gotha l82fi. Diversarnm Gentium Annatura Equestris. Ubi fere Europac, Asiae, alqu«: 
Africae cquitnndi ratio propria expressa. et Ainstelodanii impressa in aedibus Nicolai Jo* 
hanni Vischeri. H>17. Hugonis: De militia equestris. Antwerpen 1H30. — Hennort: 
Abhandlung von dem Gebrauche und der Beschaffenheit der Kavallerie in den ällflsten 
Zeiten. Berlin 1774. — Löffler: Geschichte des Pferdes. Berlin Isob". — Schlichen: 
Die Pferde des Alterthums. Neuwied 1867. Graf v. H u t te n -Czaps k i : Die Geschichte 
des Pferdes. Berlin 1876. 



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— 104 



uiit Erfolg getrieben wurde. In der späteren Zeit allerdings zeichnet sich 
auch Makedonien darin aus. Die Natur des gebirgigen Geländes war der 
Pferdezucht ungünstig. Telemachos, da ihm Meuelaos Pferde als Gast- 
geschenk anbietet, führt Alles an. was zur Aufzucht der Pferde in der 
heroischen Zeit gehörte, und weil seine Insel Ithaka dies nicht trage, so 
verbittet er das Geschenk (OdysB. 4, 600 f.): 

„Rosse führ' ich mir nimmer gen Ithaka, nadun Dir selber 
lass' ich sie hier zur Pracht; denn Du beherrschest ein Blachfeld 
weit umher, das Lotus unigrünt und nährender Galgant xi.-m{»oi), 
Weizen auch und Spelt und staudende weisse Gerste 

(ftvooi n, Zuai tt, If ad(*fvie *ft /.trxo»-). 
Aber in Ithaka fehlt's an geräumigen Ebnen und Wiesen. 
Keines der Meereiland' ist muthigen Rossen zur Rennbahn, 
oder zur Weide bequem; und Ithaka minder, denn alle." 

Unter solchen Umständen konnte man die für eine Reiterei notwendigen 
Pferde nicht ernähren, wol aber die geringe Menge, deren man zur Be- 
spannung von Streitwagen bedurfte. Die Fahrkunst stand zur Zeit des 
trojanischen Krieges bereits auf hoher Stufe der Ausbildung, und mehre 
der dazu nötbigsten Erfindungen , welche sich auf die Construction der 
Wagen, die Art des Anspannens und die Führung der Pferde beziehen, 
sind für die ganze Folgezeit der klassischen Völker giltig geblieben. — 
Homer kennt vier Arten von Wagen: 1) aqua, der Streitwagen, auf den 
sogleich näher eingangen werden wird: 2) ditpftog, ein leichter Reisewagen, 
zweisitzig mit Pferden bespannt *) ; 3) äua^a, ein vierrädriger Lastwagen, mit 
Leitergestell oder Kasten **) , von Maulthieren gezogen . weshalb er auch 
ijtuovttrj heisst***); 4) dm]vr h ein vierrädriger, gewöhnlich mit Maulthieren 
bespannter Wagen, f) 

Die Streitwagen (ro ägftaia). auf welchen die homerischen Helden 
fechten, haben eine Achse (o ä&ov) und zwei Räder (t^o/o/). So be- 
schreibt sie der Dichter (II. 5, 838 und 20. 392), und so stellen antike 
Kunstwerke sie dar. Von dem assyrischen Wagen weichen sie insofern ab, 
als die Räder nicht so weit hinter den Wagenkasten gestellt erscheinen. 
Von der Mitte des Wagens und aus der Achse geht die Deichsel (6 $vuö$) 
hervor. Die Räder hatten nur etwa 30" Durchmesser, damit der Wagen 
auf dem Schlachtfelde, wo der Weg über Trümmer und Leichen führte, 
nicht umfiele. Die Felgen (ij fug) waren aus Pappel- oder Feigenholz 
verfertigt (H. 4, 486 und 21, 37 ff.), und von einer festanschliessenden Rad- 
schiene aus Erz oder Eisen (%äky.na imaaunga) umgeben (11. 5, 725). 
Die Nabe (ij nXr^vrj) ist innen und aussen mit Metall belegt und trägt 
8 Speichen (ai xvi'fiai). Auf der Axe steht ein zierlicher, öfters mit 

*) Ibas 10, 305; Odyss. 3, 884; 4, 690. — Das Wort %(>»» wird auch zuweilen für 
den blossen Wagenstuhl gebraucht. S. S. 105 oben. 

**) Ibas 7, 426; 24, 130, 189, 267, 711. Odyss. 6, 260; 9, 241; 10, 103. - Bei Hcsiod 
Op. et. D. 124 ist die Achse 7 Fuss lang. 
♦♦♦) Ibas 24, 150, 179; Odyss. 6, 37, 72, 260. 

t) Ibas 24, 324, 718; Odyss. 6, 73, 88; 7, 5; 9, 241. 



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edlem Metall abgeschlagener Wagenstuhl (o difpQog, H. 4, 226 u. 5, 727). 
Die Länge der Axc betrug 6 bis 7'; rechnet man für jede Nabe einen 
Fuss ab, so bleiben über 4' für den Wagenkasten, der aus einem hölzernen 
Boden und einer nach hinton geöffneten, meist 2' hohen Brustwehr bestand. 
Diese Brüstung war mit Ruthen oder Riemen durchflochteu und nicht hoch 
(H. 23. 335, 436; 16, 465; 13, 398): die aufrecht stehenden Bretter hielten 
Zweige vom wilden Feigenbaum fest; am Sesselrande wurden die Zügel be- 
festigt, und im Kasten lagen mehre Peitschen (11. 10, 501). Eine Anzahl 
von Bügeln dienen zum Auf- und Abschwingen, zum Anbinden und Durch- 
zichn der Zügel. — Der Streitwagen war sehr leicht, da sich Diomedes be- 
sinnt, ob er ihn herausziehen oder tragen soll (11. 10, 605). Das Joch (tö 
tvyov), welches sich am vorderen Theile der Deichsel befand, war rund; es 
bestand zuweilen aus Buchsbaumholz und ward mit Schnitzwerk verziert. 
Es war fest mit der Deichsel verschnürt*), und wurde den Pferden auf oder 
am Widerrüst aufgelegt und durch Riemen an Hals und Brust festgebunden. 
Jochpolster, wie sie bei den ägyptischen Gespannen im Gebrauche waren 
(vergl. S. 59), kannte man in Griechenland nicht Nach unserem Gefühle 
musste das den Thieren sehr unbequem sein, und man begreift, warum 
die Alten Zugpferde mit dickem muskulösem Halse besonders liebten; sie 
eigneten sich für diese Art der Anspannung unzweifelhaft am besten. Die 
Joche wurden den Thieren genau augepasst. Zugsträuge gab es nicht; die 
Rosse zogen lediglich an der Deichsel : brach diese, so liefen die zusammeu- 
gejochten Pferde mit einander davon (H. 6, 40); brach dagegen das Joch, 
so liefen sie einzeln fort.**) — Spannte man mehr als zwei Pferde an, so 
gingen sie neben einander; die mittelsten zogen im Joch, während die 
äusseren, die „Dauebentraber" (jrag^OQOi) in ältester Zeit gar nicht zogen, 
sondern nur mit Zügeln an die Köpfe der Jochpferde angebunden waren. ***) 
Sie sollten nicht zur Bewegung der nur sehr geringen Last beitragen, son- 
dern durch Schlagen und Beissen Platz machen: bei drei Pferden sollte das 
Handpferd vielleicht auch die linke Seite, die gefährlichere, decken, wenn 
es, wie einige Erklärer meinen, wirklich auf dieser und nicht auf der rechten 
lief. Die Pferde waren zum Kampf abgerichtet und wurden durch die Peitsche 
und besonders durch den Stachel, der fast keine andere Wirkung hervor- 
bringen konnte, zum Schlagen aufgefordert. Ein Ziehen von drei Pferden 
war ohnehin schwer zu ermöglichen. — Homers Schilderung zufolge lagen 
die Rosse so weit vor dem Wagen , dass erst bei gestrecktem Laufe ihre 



*) Bekannt ist der gordische Knoten, welcher durch künstliche« Verstecken der 
Riemenenden diese Verbindung unlöslich machte, bis Alexander der Grosse ihn mit dem 
Schwerte durchhieb. (Curtius 3, 1; Arrian anab. 2, 3, 7; Justin 11, 7. Auson. 
epistol. 23, 48.) 

•*) 11.23,393. Vergl. Grashoff: Das Fuhrwerk bei Homer uud Hesiod. (Programm.) 
***) Dies dürfte die älteste Art gewesen sein; nach Isidoras orig. 18, 35 scheint 
dann die Anspannung von zwei Deichseln mit zwei Jochen, darauf durch den Sikyonier 
Kleisthene« die ältere Anspannung für die Rennbahn wieder aufgenommen zu sein, während 
in noch späterer Zeit die Nebenpferdc wirklich am Zuge thcilnaliuien. (Schlichen a. a. O.) 



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- 106 — 



Schweifspitzen die Räder berührten (II. 23. 519); danach war der Zug also 
ziemlich lang; dagegen zeigen die Abbildungen auf Vasen. Gemmen und Reliefs 
den Zug meist auffallend kurz. Dieser Umstand muss jedoch der Rücksicht 
auf Raum und künstlerische Gruppirung zugeschrieben werden ; überhaupt 
sind wenige Abbildungen antiker Wagen ganz vollständig; oft fehlen in gut 
erhaltenen Werken die Stränge, ja das Joch, die Zügel, Zäume, Brustriemen, 
Gurte und andere durchaus nothwendige Dinge, welche bei anderen Dar- 
stellungen theilweise angegeben sind; mau darf daher nicht aus einer ein- 
zelnen Abbildung gewagte Schlüsse anf die Construction ziehen.*) 

Als Zugthiere für die Streitwagen wählte man schnelle, starke und 
muthige Rosse mit festen Hufen (ftiiwx^ oder xQuteQt6vtxt^, U. 5, 236 u. 
24, 277), sowol Hengste, als Stuten (II. 22. 376 ff. u. 2, 763). Ge- 
schnittene Pferde kennt Homer und das Trojanische Zeitalter noch nicht; 
und es kann zweifelhaft scheineu. ob die Griechen je die Sitte gehabt haben, 
die Hengste zu legen, da Strabo**) von den Skythen und Sarmaten, 
jenen Gebrauch als merkwürdig berichtet. Ebenso wenig verstanden die 
Alten die Kunst, zu beschlagen. — Die Pferde wurden aufgezäumt, in- 
dem man ihnen ein Gebiss (jer/uot,) in's Maul legte, welches mit unseru 
Trensen Aehnlichkeit hatte. 

Auf den Streitwagen standen zwei Krieger, der eine als Kämpfer 
mit der Lanze (o 7taQaißait^), der andere als Lenker des Wagens (o rjvioxog), 
beide gewöhnlich durch Freundschaft oder durch die Bande des Blutes mit 
einander verbunden, keinesweges dieser jenem untergeordnet, wenn er auch 
nach einem öfters wiederkehrenden Sprachgebrauch a ihQaiiwv (Gehilfe) 
heisst. Sie stehen neben einander, der Kämpfer vermuthlich zur Rechten, 
um die Hand frei zu haben.***) Ist mau in das feindliche Gedränge ge- 
kommen, so springt der Paraibates meist vom Wagen, um zu Fusso zu 
kämpfen ■}•), während der Wagenlenker mit dem Gespanne zur Hand bleibt. 

Ganzer Geschwader von Streitwagen bedient man sich zum ersten hef- 
tigen Angriff, um das feindliche Heer über den Haufen zu rennen. Daher 
machten die Streitwagen, nach der Erzählung des Nestor, den Vortrab bei 
dem Entsatz der Stadt Thryoessa (II. 11. 711- 761). Nur war für den Ge- 
brauch der Wagen das Terrain sorgfältig in Betracht zu ziehen. Mit Recht 
sagt Homer, dass enge oder bergige Gegenden sich für die Streitwagen 
nicht schickten (II. 12, 66). Um die Kraft des ersten Angriffs zu ver- 
stärken, befiehlt Nestor seineu Wagenkämpfern, in fester Ordnung Reihe 
zu halten und einzeln weder voraus zu sprengen, noch zurück zu bleiben; 
denn dadurch würden sie schwächer. Hätten sie aber die feindlichen Wagen 



*) Schlöben a. a. O. **) Strabo 7. 
**") Ein geschnittener Stein zeigt allerdings den Achilles hinter seinem Wagenlenker 
Autoincdon. höher als dieser. An sieh wäre diese. Stellung nicht unzulässig: aber nie 
widerspricht den Angaben Homer'» und der Hinrichtung der heroischen WHgcn. Vielleicht, 
wählte sie der Künstler nur, um seine Figuren besser hervortreten m lassen. (Siehe Des- 
eription des pierres gravees du l'eu Baron de Stosch, p. 178 Xr. 2t>5.) 
f) II. 3, 29; Hcsiod Schild, v. 370. 



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erreicht, so sollten sie mit der Lanze entgegen streiten. Auf solche Art 
hätten die Vorfahren Städte und Mauern erobert (11. 4, 303 f.). 

In der Anordnung der Heereshaufen und der Stellung dieser Wagen- 
streiter zeigt Homer viel Scharfsinn und Sachkenntnis. Die älteste Auf- 
stellungsweise ist ihm zufolge die, in welcher die Griechen sich stammweise 
gruppirten und jeder Stamm seine Streitwagen neben sich hatte (Tl. 2, 362). 
Dabei entstanden Zwischenräume unter den Ordnungen, welche Homer 
„Brücken des Krieges" nennt (no)Jftoto yetfigag, Tl. 4, 371, 8, 378 u. 
549). und einige Völkerschaften thaten alsdann den ersten Angriff. Diese 
Schlachtordnung wählte man wahrscheinlich nur. wenn das Schlachtfeld 
beengt war (II. 3, 113, 10, 473, 16. 173). — War das Gelände breit und 
eben, so konnte die zweite, vorteilhaftere Stellung Statt finden, nach 
welcher die Streitwagen vor dem Fussvolke auffuhren, um den ersten Haupt- 
angriff zu machen, und dann, falls es ihnen gelungen war, die Feinde zu 
durchbrechen, von dem Fussvolke, welches ihnen unmittelbar folgte, unter- 
stützt zu werden. Diese Ordnung (II. 4, 297 f.) wird von Homer dem kriegs- 
erfahrnen Nestor zugeeignet. — Die dritte mögliche Stellung der Wagen- 
reiterei ist die, hinter dem Fussvolke ihren Platz zu haben. Wir finden 
sie (II. 11, 52. f.) von Agamemnon gebraucht, weil die tageszuvor zurück- 
geschlagenen Griechen beim Vorbrechen aus dem Lager keinen Raum zur 
Entwickelung hatten. Es gelingt ihm aber, die Wagen während des Vor- 
gehens aus der Tiefe herauszuziehn und sie auf den Flügeln aufmarschiren 
zu lassen. 

Der Gebrauch der Streitwagen gehört wol ausschliesslich der Heroen- 
zeit an. Im Laufe des 8. Jahrhunderts trat an seine Stelle der Ritter- 
dienst (r/ innela). Den Wagenkämpfer wie den Ritter (' imuvg oder o 
Utnott^) umgiebt ein adliger Glanz. Noch im vierten Jahrhundert heissen 
die ausgewählten Streiter, welche die heilige Schaar Thebens bilden« 
Heniochoi (Wagenlenker) und Parabatai (Wagenkämpfer): und die Stellung 
der Hippeis in anderen griechischen Staaten zu einer Zeit, da jene notorisch 
zu Fusse fochten, hat durchaus den Charakter eines Standesvorzugs. — 
Beide Waffen spielen übrigens auf die Dauer hervorragende Rollen bei den 
Nationalfesten der Hellenen: die Wagenrennen bei den Spielen zu Olympia 
und zu Korinth, die Reiteraufzüge bei den grossen Kultusfesten, wie z. B. 
den Panathenäen in Attika. 

Ihre höchste kriegerische Blüte erreichte die griechische Reiterei (ij 
'innog) im makedonischen Heere. Die unbeschlagenen Pferde der make- 
donischen Hippeis trugen eine mit dem Bauchriemen befestigte Sattel- 
decke und eine Kantare, die aus Gebiss, Kopfstück und Zügel bestand, und 
ausserdem eine Halfter. Haupt, Brust und Flanken des Rosses waren ge- 
panzert, Den schweren Reiter bedeckt der volle erzene Harnisch mit Hals- 
berge und metallenem Federschurz. Die Panzerung des linken Arms reicht 
zusammenhangend auch über Schulter und Zügelfaust; die des rechten 
Arms ist beweglicher und besteht aus einer Art Stulphundschuh für den 
Unterarm und einem besonderen Achselstück für den Oberarm, welche eine 



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Elbogcukappc verbindet. Hüftstücke und Stulpstiefel vollendeu die Rüstung. 
Als Reiterhclm empfiehlt Xenophon besonders den boiotisebeu. Sporen 
kommen vor; Steigbügel feblen. Ein Scbild wird zu Pferde nicht gebraucht; 
doch tragen ihn die Reiter bei gelegentlichem Dienste zu Fuss. Als Trutz- 
waffen führen sie das Schwert und die kornelkirscheue Stangenlanze (doQv). 

Der Reiter musste von beiden Seiten aufsitzen können; nur ältere 
Männer durften sich nach persischer Art aufs Pferd heben lassen. Die 
Gangarten sind Schritt und Trab, selten, wahrscheinlich nur bei Cavalcaden, 
Galopp. 

Die Tiefe der Reiteraufstellung war verschieden : 4 bis 8 Glieder. Bei 
der Attacke kannte man das flankirende Vorbrechen eines zweiten Echelons. 
Schwenkungen und verstellte Rückzüge spielen eine grosse Rolle . bedingen 
aber, bei der offenbaren Schwerfälligkeit ber Waffe, kurze Fronten und be- 
trächtliche Intervalle zwischen den Abtheilungen, welche meist durch Ha- 
inippen („rossschnelle" Fusskämpfer) ausgefüllt werden. Die Marschordnung 
ist so breit als möglich. 

Jedem Reiter folgt ein berittener Knecht mit einem Hand- oder Pack- 
pferde, und ausserdem hat jede Abtheilung eine Anzahl leichter Reiter für 
den Avantgarden- und Ordonnanzdienst, der in Folge des Mangels an Karten 
sehr wichtig und schwierig war. 

. Fast unzertrennlich von der makedonischen Ritterschaft erscheint das 
Corps der Sari sop h or e n , welche statt des gewöhnlichen Reiterspeeres, 
der nicht länger war als der althellenische Hoplitenspiess, die Sarissa des 
makedonischen Fussvolks von 14 bis 16 Fu9s Länge führte. [11, H.] Diese 
Lanze wurde mit eiuer Hand in der Mitte gofasst, um zum Stosse wie zum 
Pariren zu dienen. Die Sarisophoren bildeten eine sehr gute leichte Ka- 
vallerie (rtQÖÖQOfitM). 



II. Griechisches Geschützwesen. 

Tafel 12. 
Literatur. 

}I P Si S O S Btkoxotixd und 4» l AUS OS: /7»»i fitioTToOxioy; Heron und Philon: 

Vom Geschützbau. Orieoh. und Dtsch. hrsg. und erklärt von Köchly und Rüstow. 

(Griech. Kriegsschrifteteller. 1. Mit 10 Tafeln. Lpsg. 1853.) 
ßiton: A n • - > . "' noAtftixiüt' opyävtai- xai Ktttajx tXi txt'i y , et Heron: lit).<Ktoi.'ixn et 

Xuffoßuliar^ai xaroaxtvi; xai ov/ifittpia. (Krit. Bearbeitung in V e s c h c r : Poliorcctiquc 

des GrecB. Paris 1867.) 

Lipsii (1590*: Polioreeticon libri quinque. (In Lips. Opp. Vesaliac IK75. Vol. III.) 
Folard: Traite de l'attaque et de la defense des place* des auciciis. iln Abrege des 

Commentaires de M. de Folard sur l'histoire de Polybe par M. Tome III. Paris 

1704 p. 171.) 



— 109 - 

Silberschlag: Dissertation sur les trois principales maohines de guerre des Anciens. 

(Memoirca de l'aeademie royale t7ß0. Berlin 1767 p. 378 ff.) Sur l'origine et les 

cffeta de« „Tormenta". (Ebda. p. 4118. ) 
Marini: Illustrationes prodnmiae in scriptorea ttraeeos et Latinos de belopocia. (In den 

Dissertazioni dell' accademia Romana di archeologia. Tomo I. Roma 1821 p. :!87— 414.) 
Dufour: Memoire sur l'artillerie dt?» aneiennes et aur cellc du moyen iigc. Geneve 1840. 
R ü s t o w und Köchly: Geschichte de« Griechischen Kriegswesens. Aarau 1852 S. 378 405. 
Prou: La chirobaliate d'Heron. Paris 1862. 
Vincent: La Chirobaliate de Heron. Paris 1866. 

Verhandlungen der Philo logen Versammlung zu Heidelberg. 1865 S. 223 ff. 



Dem Plinius zufolge ist das schwere Geschütz der Alten von den 
Syrern und Phönikern erfunden worden.*) (Vergl. S. 85.) Jedenfalls kam 
es den Hellenen von Sizilien zu**), war also verrauthlich von den Puniern 
übernommen. Deutlich erwähnt wird des Geschützes zuerst bei Gelegenheit 
der umfassenden Rüstungen, welche i. J. 400 der Tyrann Dionysios von 
Syrakus zu einem Kriege gegen die Karthager machte. ***) Etwa drei Jahr- 
zehnte später wurde der Gebrauch dieser Maschienen im eigentlichen Hellas 
bekannt ; doch erst in der makedonischen Periode, zumal in der Diadochen- 
zeit, gelangte das Geschützwesen zu höherer Durchbildung und allgemeiner 
Anwendung. — Man erzählt, dass, als dem Spartanerkönige Archidamos 
zuerst eine aus Sizilien gebrachte Katapelte gezeigt worden, er voll un- 
williger Verwunderung ausgerufen habe: „Die Tapferkeit ist dahin!" — Er 
sah wol ahnungsvoll voraus, dass das artilleristische Element den Spielraum 
der persönlichen Kraftäusserung beschränken und statt des activen Muthes 
oftmals den Muth stoischen Aushaltens und entsagenden Duldens forden» 
werde. 

Da die Ausbildung des griechischen Geschützwesens der hellenischen 
Spätzeit angehört, einer Epoche in der z, B. die Vasenmalerei nicht mehr 
geübt ward, ja die bildende Kunst überhaupt kaum noch Gegenstände des 
täglichen Lebens zur Darstellung wählte, so fehlt es durchaus an älteren 
Bildern, welche geeignet wären, diesen Zweig des antiken Kriegswesens zu 
erläutern. Sogar die später zu erwähnenden, auf römischen Monumenten 
vorkommenden Darstellungen artilleristischer Natur sind so dürftig, dass sie 
kein Verständnis gestatten. Reichlicher fliessen die schriftlichen Quellen; 
diese aber haben das Unglück gehabt, theils durch die Abschreiber verdorben, 
thcilserst spät entdeckt, theils auf das Gründlichste misverstanden zu werden. 
Aus diesem Grunde sind von der oben gegebenen Literatur als positiv un- 
terrichtend nur die vier zuletzt aufgefülirten Werke zu benutzen. Marquard 
sagt in dieser Beziehung: „Die Abbildungen antiker Kriegswerkgeuge, welche 

*) Plin. Hist. N. L. 7, c. 56. **) Plutarch: Apophthegm. VI. 
***) Diodor (14; 42, 43, 50) und Aelian (V. H. 6, 12) setzen sogar die Erfindung 
der octj&/*r»- xaraxihat in die Zeit des älteren Dionysios. Ob das aber richtig und ob 
sie überhaupt eine griechische Erfindung gewesen, erscheint mindestens zweifelhaft; Si- 
zilien deutet immer nach Karthago. Gewiss ist es unrichtig, wenn Athenäos die Aus- 
bildung des (Teschiitzwesens als ausschliesslich den Griechen angehörip; bezeichnet. 



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— 110 



in unveränderter Gestalt ohne Angabe der Quelle immer aufs Neue wieder- 
holt werden und vor deren Benutzung man nicht genug warnen kann , sind 
aus den Werken von Lipsius und Folard entnommen. Folard verstand 
Griechisch gar nicht und Lateinisch wenig; Lipsius aher fehlt es sowol an 
Kenntnis der Mechanik als an der Hauptquelle für die Constructionen der 
Geschütze, da die Schriften des Heron und Philon erst 87 Jahre nach 
seinem Tode in den „Mathematici veteres" ed. Thevenot Paris 1693 edirt 
wurden, durch sie aher erst die Stelle des Vitruv 10, 10, auf welche sich 
Lipsius stützt, erklärbar wird. Nach Silberschlag's und Marini's in mancher 
Hinsicht gelungenen Versuchen, die Construction der Geschütze aus diesen 
Quellen zu bestimmen, haben Rüstow und Köchly den Gegenstand sehr sorg- 
fältig und mit Sachkenntnis behandelt." *) Auf die Arbeiten dieser letzteren For- 
scherstützt sich daher die folgende kurzgehaltene Auseinandersetzung durchaus. 

Den Uebergang von der Handfernwaffe zum groben Geschütze bildet 
die in grossen Abmessungen hergestellte Armbrust, welche Heron (§ 5—7) 
yuotQayiTrfr (Bauchspanner) nennt und von der nachher die Rede sein soll. 
Das eigentliche schwere Geschütz (io xara/akrixöv, ol KnuitiXim, un- 
eigentlich rci ßihj) zerfällt in Horizontalge schütz mit gerader Spannung 
(tittiiova sc. ÖQ'/ava) und W u r f g e s c h ü t z mit AVinkelspannung (naAlmwor).**) 
Aus dem ersteren schiesst man unter geringen Erhöhungswinkeln, ans 
letztcrem wirft man unter einem Erhöhungswinkel von 45°. — Im ge- 
wöhnlichen Lehen benannte man die verschiedenen Geschützarten nach den- 
jenigen Geschossen , welche sie vorzugsweise schleuderten, und bezeichnete 
daher die Geschütze mit gerader Spannung (Horizontalgeschütze) schlichtweg 
als Pfeilgeschütze {o^vßektig sc. xatanürat), Katapelten, die Geschütze 
mit Winkelspannung aber als Steinwerfer (hthßoXai, icerQoßökoi), Lithn- 
bolen. Beide Arten sind, wie auch ausdrücklich erwähnt wird***), der 
Armhrust naehbehildet , jedoch mit eigenthümlicher Spannvorrichtung und 
andersartiger Anordnung und Erzeugung der Schlcuderkraft. Diese geht 
nämlich nicht, wie beim Bogen und bei der Armbrust, aus der Biegungs- 
elastizität der Bogenarme hervor, sondern es ist eine Spannkraft, welche 
durch die Torsion (Drehung) elastischer Stränge hervorgebracht wird. 

Die Horizontalge schütze (Euthytona, Katapelten, nach der Ge- 
stalt auch Skorpione {oxof>7tiot) genannt) sind die einfacheren. Sie bestellen 
aus Spannkasten, Pfeilbahn und Gestell [i— 8]. 

Den Spannkasten {irhvWov) bilden 2 wagerechte und 4 senkrechte 
Hölzer. Die wagerechten Hölzer [a u. b] sind der obere und untere Kaliher- 
träger; die senkrechten dienen als Ständer, die einen [c u. d] ads äussere, 
die andern [e u. f] als Mittelständer. So entsteht eine Dreitheilung des 

*) Marquard: Komische StAatsalterthümcr. IL Lpzg. 1878. 

'**) Die Benennungen tvfriioi-a und xakivtora erklärt Rüstow zu Heron S. 318 davon. 
da«s die Hogenarme hei den ersteren mit den Spannnerven immer einen rechten Winkel 
hilden, hei den letzteren aher nntor einem schiefen Winkel heruntergezogen werden. •>» 
da»H sie schräg, d. h. unter einem schiefen Winkel, zu den Spannnerven »lehn. 

***) II er im § 4. 



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— in 



Spannkastens: rechts und links sind die Bogenarme angebracht [AJ, in der 
Mitte liegt die Pfeilbahn [t wj. 

Um den Mittelpunkt der äusseren Fächer wurden Kreislöcher einge- 
schnitten [g], deren Durchmesser ein Neuntel der Länge des Pfeiles war, 
den das Geschütz schiessen sollte. Dieser Durchmesser (dtafUTQog) ist das 
Kaliber der Waffe, dessen Dimensionen alle andern bestimmen. 

Durch die Kaliberlöcher, die oben und unten mit Spannköpfen oder 
Buchsen [h] und Spannbolzen [n| versehen waren, wurden nun die Spann- 
nerven [p] eingezogen.*) Es sind das starke Taue, die aus langen öl- 
reichen Haaren, meist Frauenhaaren, oder aus Thiersehnen geflochten 
waren.**) — Durch diese Spannnerven werden die Bogenarme von der vor- 
deren, feindwärts gekehrten Seite mit dem dünneren Ende durchgezwängt, 
bis das Stammende jedes Arms an dem betreffenden Mittelständer anliegt. — 
Der Spannkasten pflegte verkleidet, ja verziert zu werden. 

Der zweite Haupttheil des Geschützes, die Pfeil bahn, besteht aus der 
Läuferbahn oder ,.Pfeife M (ovQiy!;) und dem Läufer (dltam^a). 

Die Läuferbahn fr] ist ein Langholz, das nahe dem vorderen Ende 
ein Zapfenloch in Gestalt eines halben Schwalbenschwanzes hat, mittelst 
dessen es auf einen passenden Zapfen fa 1 ] aufgesetzt werden kann, der sich 
im Mittclfaeh des unteren Kaliberträgers befindet. Am hinteren Ende trägt 
die Pfeife einen Haspel, welcher mittelst Handspeichen gedreht wird. Auf 
etwa »/ s ihrer Länge von vorn nach hinten hat die Läuferbahn eine schwal- 
bonschwanzförmige Nuthe [8], in welche der Langzapfen des Läufers [wj 
passt und dieser vorwärts und rückwärts geschohen werden kann, ohne 
seitlich auszuweichen. 

Tn die obere Fläche des Läufers ist eine Rinne eingeschnitten, welche 
zur Aufnahme des Geschosses dient, und im hinteren Theil dieser Rinne 
befindet sich , das Schloss (xtXutvmv) [C, 7, 8] mit dem in zwei Zapfen- 
lagern beweglichen Drücker und dem um eine senkrechte Axe drehbaren 
hebeiförmigen Abzug. 

Der in der Läuferbahn vorgeschobene Läufer konnte nun mittelst des 
Hnspels in ihr zurückgezogen werden, wozu beträchtliche Kraft gehörte. 
Das Vorschieben geschah gewöhnlich aus freier Hand. 

*) Zum Einspannen bediente man sieh eines besonderen Instrumentes, der ..Spann- 
leiter", h-iäviov. (Vergl. Kiistow und Köchly: Gesch. d. gr. K\v. S. 382.) 

**) Die Haare wurden vennuthlich noch irgend einer Procedur unterworfen; jeden- 
falls »ortirte man sie und las sie aus, bevor man sie zu Strähnen verflocht. Tm J. 2öO 
v. Chr. schafften die Rhodier einmal für die Sinopier 300 Talente verarlwitetes Haar und 
100 Talente verarbeiteter Sehnen zu Spannnerven herbei. Polyb. 4; fifl, 3.) — In Kom 
gab es eine Erzählung, derzufolge die Venus Calva ein Standbild zum Andenken der 
Frauen erhielt, welche bei der Belagerung des Capitols durch die Gallier 3 HO v. Chr. ihr 
Haar zur Bespannung der tormenta hergaben. (Lactant. de fals. relig. 1, 20. Veget. 
3, 9. Capitolin. Maximin. iun. 7.) Indessen ist dies nur eine etymologische Mythe: man 
erklärte, den Beinamen auch anders (Serv. ad Aen. 1, 720), und es darf also ans dieser 
Geschichte nicht mit Sicherheit auf einen so frühen Gebrauch der Geschütze bei den Kö- 
rn ern geschlossen werden. 



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Das Gestell der Geschütze mit gerader Spannung bestand aus zwei 
oder auch nur einer Säule f L B. C. — 9. B.], Letzteres bei den kleineren 
Kalibern. Die einzige Säule der kleineren oder die hintere Säule der 
grösseren Geschütze hat oben einen Rundzapfen [D], auf welchem ein Trage- 
kissen [T] aufliegt. Dies besteht aus zwei niedrigen Wänden, zwischen 
denen die Läuferbahn ruht, und lässt sich mit dieser in der Horizontalehene 
drehen. — Eine Strebe [E] kann mittelst eines Ringes um die Säule bewegt 
werden, und das untere Ende dieser Strebe [L] lässt sich mittelst eines an- 
deren Ringes auf der Strebe [E] entlang schieben, während ihr oberes Ende 
am hinteren Theile der Läuferbahn eingestemmt ist. Diese Vorkehrung 
bildet also den R i c h t a p p a r a t. Bei den Euthytonen mit nur einer Säule 
lassen sich dabei Höhcnwechsel von 7 bis 8°, bei denen mit 2 Säulen nur 
solche von 2° erreichon. Das Nehmen der Seitcurichtung war bei den 
doppelsäuligen Geschützen insofern erschwert, als dazu die Läuferbahn aus 
dem Spannkasten herausgezogen und dieser, der auf der vorderen Säule 
ruht, nach genommener Richtung wieder vorgeschoben werden musste. 

Für die Höhe der Ständer des Spannkastens, welche die Länge der 
Spannnerven bedingte,, empfahl man 3V S Kaliber (d. h. also 3'/* mal *■'» der 
Pfcillänge). Waren die Ständer niedriger, so nannte man die Geschütze 
„kurzspannig" ; sie Hessen sich dann schwer spannen, schössen nicht weit und 
die Bogenarme litten ; „langspannige" Euthytona, von mehr als 3 Kaliher 
Spannkastenhöhe, erzeugten dagegen eine geringere Perkussionskraft. 

Um zu schiessen, wird der Läufer in der Läuferbahn vorwärts geschoben, 
bis die Bogensehne unter den Drücker des Schlosses kommt. Dann wird 
mit dem Haspel, so weit es zur Erreichung der betreffenden Schussweite er- 
forderlich scheint, der Läufer und damit zugleich die Sehne angezogen. Nun 
stellt man den Haspel fest, legt den Pfeil in die Rinne und schiesst ah, 
indem man den kurzen Arm des Abzugs unter dem hinteren Ende des 
Drückers herausdreht. 

Unterschieden wurden die Euthytona nach der Länge des Pfeiles, 
den sie schössen. Die gebräuchlichsten Pfeillängen waren 27, 30, 45 und 
54" von "/j bis l 1 ,'." Durchmesser und einem Gewicht von '/« ms ' l Pfund. 
(Sie vergleichen sich also Geschützarten von den alten Falkonetten bis zum 
früheren preussischen Sechspfünder.) 

Das Gesammtge wicht der vier gebräuchlichsten Arten der Euthy- 
tona betrug 84, 180, 350 und 600 Pfund; sie waren also um mehr als die 
Hälfte leichter als die entsprechenden Kanonen. 

Zur Aufstellung brauchten die Euthytona in der Breite einen Raum 
von mindestens 13 Kalibern, in der Höhe von 18, in der Tiefe von 20 
Kalibern. An Bedienung forderten sie 2 bis 5 Mann, die bei den 
grösseren Arten durch künstliche Spannmechanismen (Flaschenzüge) unter- 
stützt wurden. 

Ueber die Wirksamkeit dieser Geschütze weiss man sehr wenig. 
Als etwas Ausserordentliches wird von dem kleinsten der vier üblichen 
Kaliber angeführt, dass es bei einem Gewichte der Spannnerven von 10 Pfund 



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3«/„ Stadien (2100*) weit schoss. Als normale Schussweite aller Euthy- 
tona wird man durchschnittlich 2, s Stadien — 1500' annehmen. Die An- 
fangsgeschwindigkeit dürfte 600' betragen haben, und auf 1000' 
konnte der Pfeil wol noch 1 — 2" in eine Holzwaud eindringen. 

Die Wurfgeschütze [10, 11, 12] heissen in konstructiver Beziehung 
,.\Vinkelspanner M .Palintona; die Bezeichnung nach dem Geschoss: „Petroboloi, 
Lithoboloi" hangt etymologisch wahrscheinlich mit unserm Worte r Böller M 
zusammen. 

Da die Palintona ihre Geschosse mit einer Elevation von 45° schleu- 
derten, so würde man, falls die Läuferbahn auch bei ihnen auf einem Hinter- 
gestell hätte ruhen sollen , genöthigt gewesen sein , das Vordergestell mit 
dem Spanukasten ausserordentlich zu erhöhen. Statt dies zu thun, stützte 
man den Schwanz der Läuferbahn unmittelbar auf den Boden. Ebenso be- 
dingt die Elevation der Läuferbahn eine Erhöhung der Spannkastenständer. — 
Die Geschosse der Wurfgeschütze konnten nur durch ihre Masse wirken, und 
daher ist ihr Kaliber stets grösser als das der Euthytona, und weil die Ge- 
stalt der Steingesebosse nicht gestattete, das Kaliber der Wurfgeschütze 
in derselben Art zu bestimmen, wie es für die Horizontalgeschütze geschah, 
so legte man das Geschossgewicht zu Grunde, um den Durehmesser der 
Kaliberlöcher zu berechnen.*) Dabei ergeben sich für Geschosse von 10 
Minen (9 Pfund) Gewicht Diameter von etwas mehr wie 8". für solche von 
50 Minen (45 Pfund) Diameter von 14", für dreitalentige Geschosse (162 
Pfund) Diameter von 21'/ 4 Zoll. Diese Abmessungen bedingen Construc- 
tionen, welche von denen der Euthytona abweichen. 

Während bei den Horizontalgeschützen beide Spannnerven in einem 
Spannkastcu vereinigt waren, erscheinen sie bei den Palintonen in sog. „Halb- 
spanne u (r i finöviov\ getrennt. Nur grosse Riegel [k] verbinden diese und 
bilden das Mittelfach. 

Die Gruudgestalt des Kaliberträgers ist ein Rhomboid f 1*2 an a a], 
dessen spitzen Winkel [«J die Alten auf 64 bis 65° bestimmten. Die langen 
Seiten des lihomboids werden bogenförmig abgerundet jaa, a], um Raum 
für die Spannköpfe und Verbindungsriegel zu gewinnen. Zuweilen wird auch 
die äussere kurze Seite abgerundet [aa 3 a]. 

Die Halhspanne stehn so weit aus einander, dass die Entfernung der 
äusseren Flächen der Aussenständer [f] 9 Kaliber beträgt. — Die unteren 
Verbindungsricgcl erhalten überall da, wo sie frei liegen, Querriegel [nnj 
darüber ein Getäfel [o]. 

Die Bogenarme |gj sind 6 Kaliber lang und derart durch die Spann- 
nerven getrieben, dass sie während der Ruhe mit den Spannnerven in der 
Verticalebene einen Winkel von 60°, mit dem Horizont einen von 30° 
machen. — Die Bogensehne ist mit Rücksicht auf die Gestalt des Ge- 

i 

*) Nach <ler Formel (1 = 1, 1 yflOÜa, in weither d das Kaliber in Dactylen (16 auf 1 
griech. Fuss) und a das Gewicht des Steingeschosses in Minen bezeichnet. (Rüstow und 
Köchly a. a. O.) 

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schosses gürtelförmig breit geflochten und hat in der Mitte einen Ring , in 
welchen der Drücker des Schlosses eingreifen kann. Gespannt wird die 
t*. Sehne so, das« sie mit ihrer Breite aufrecht steht. 

Das Gestell [A] ist natürlich massiver als das der Katapeltcn und 
ruht zuweilen auf Rädern. 

Die Lauf er ha h n der Palintona wurde Leiter (xAtf*tr/J<;) genannt und 
hatte in der That die Gestalt einer solchen. Zwei je 19 Kaliber lange 
Leiterbäume []>] waren durch einige Sprossen [q] mit einander verbunden. 
Auf diese Sprossen waren der Länge nach Federhölzer [r] aufgenagelt, 
welche die Nuthe für den Läufer | tftj bilden. Der Läufer erhält eine dem 
Geschossdurchmesser entsprechende Breite. — Das Schloss gleicht im All- 
gemeinen dem der Euthytona. 

Die Leiter stützt sich derart auf den Tisch der Halbspanne, dass der 
vordere Theil etwa 8, der hintere 11 Kaliberlängen hat. 

Zur Aufstellung dedarf das Palintonon einen Raum von 13 Kalibern 
Breite, 17 Kalibern Höhe und 20 Kalibern Länge; die Bedienung ge- 
schah gewöhnlich durch 6 Mann, welche meist mit Hilfsmaschineu arbeiteten. 

Die höchste Wurfweite kann auf 1000 Schritt angenommen werden; 
die gewöhnlicheren Arten jedoch und namentlich die schwereren, warfen lauge 
nicht so weit, ja kaum weiter, als die Euthytona bei 15" Elevation schössen. 
Denn bei der bedeutenden Menge von Spannnerven, deren man für die 
grossen Kaliber der Palintona bedurfte, musste der Elastizitätscoefficient 
derselben weit leichter sinken als bei den Euthytona; ist doch die Grösse 
dieses Coeffizienten abhängig nicht nur von der Art und der Masse des 
Spannnervenmaterial8. sondern auch von der Sorgsamkeit seiner Bearbeitung, 
dem Drall der Strähnen, der Dichtigkeit des Einziehens. — Mit dem ein- 
talentigen Palintonon, dessen Geschosse die Mauerzinnen zerstören sollten 
und daher ihr Ziel in einer oft sehr bedeutenden Höhe über dem Horizonte 
fanden, stellte man sich in einer Entfernung von 400 bis 600 Fuss auf. 

Die Masse des bearbeiteten Metalles, welche sich (Spannbolzen und 
Unterlagen eingerechnet) an einem Palintonon befand, berechnet Philon auf 
das 25fache Gewicht des Wurfsteines, und ebenso hoch gibt er das Gewicht 
der Spannnerven an. Diese Art der Berechnung entspricht ganz der mo- 
dernen Weise, die ja auch, beispielsweise, das Gewicht eines Rohrs als 
150 Pfund auf 1 Pfund der Kugel angibt. Ebenso steht es mit der La- 
dung; denn die Spannnerven sind nichts Anderes als die Ladung; sie werden 
nach Kugelgewicht berechnet, ganz so wie wir heute von halb-, drittel- 
viertelkugelschwerer Ladung reden. Dass die Abmessung sämmtlicher Längen 
nach einem Grundmaasse, dem Kaliber, gleichfalls der modernen Bestimmungs- 
weise entspricht, ist einleuchtend. Allerdings steht die Ladung bei den 
Pulvergeschützen in ganz anderen Verhältnisse zum Kugelgewichte wie bei 
den Geschützen der Alten. Wir begnügen uns bei schweren Wurfgeschützen 
mit höchstens '/so kugelschwerer Ladung; die Alten brauchten also das 
750fache. Freilich ging ihre Ladung (der Spannnerv) nicht verloren ; sie 
war permanent; aber auch wir können 750 Ladungen im Parke mitführen 



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ohne verhältnismässig mehr zu transportiren als die Alten. Ihre Kugeln 
mussten sie wie wir sphärisch bearbeiten, wenn sie nicht beträchtlich an 
der Wurfweite verlieren wollten. Erwägt man nun, dass ein talentiges 
Palintonon an bearbeitetem Metalle nicht weniger als 12 Ctr. bedurfte, so ist 
es klar, wie wenig es auf sich hat mit der „leichten Herstellbarkeit" der 
antiken Geschütze, von welcher Folard und nach ihm Viele sagten: „Holz 
fand man Uberall und Eisen brauchte man nicht!" 

Die grössten Wurfgeschütze waren nach H a u ni und G 6 w i c h t geradezu 
Gebäude und kamen daher nur ausnahmsweise zur Anwendung. Im Allge- 
meinen war das eintalentige Palintonon das schwerste übliche Geschütz. 
Unsere Moser stehen sowol hinsichtlich ihrer Ausmaasse und ihres Gewichtes 
als bezüglich ihrer Wurfweiten in ausserordentlichem Vortheil gegen die 
Palintona. Etwas günstiger stellt sich das Verhältnis für die griechischen 
Geschütze, wenn man sie mit den Haubitzen vergleichen wollte. 

Eine Mittelgattung zwischen dem groben Geschütz und dem Kleinge- 
wehr bildeten die schon erwähnten eigentlichen Bogengeschütze, die 6a- 
straphetai oder Rauchspanner U Bei ihnen wird die Kraft 

nicht durch Torsion erzeugt, sondern beruht, wie bei dem Handbogen, auf 
der Elastizität der Bogenarme selbst. Ihr Läufer gleicht ganz dem der Euthy- 
tona ; die Läuferbahn aber hat keinen Haspel, sondern an jeder Langseite eine 
gezahnte Stange|g|, mit nach oben gerichteten Zähnen, während sich am hin- 
teren Theile des Läufers eine passende Sperrklinke befindet. — Die Läuferbahn 
liegt auf einem starken Spannholz |e| mit Handgriffen |d|. — Die elastischen 
Bogenarme fe| ruhen unterhalb des vorgeschobenen Läufers. Um zu spannen, 
schiebt man diesen in der Läuferbahn vor, stellt die Sehne unter den Drücker, 
stemmt das vordere Ende des Spannholzes gegen den Boden oder eine 
Wand, sich selbst aber mit dem Bauch in die Höhlung des hinteren Endes, 
während man die Griffe mit den Händen packt. Ist so die erforderliche 
Spannung erreicht, so lässt man die Klinke in die Verzahnung fallen und 
stellt damit den Läufer fest, worauf man zielt und abdrückt. 

Gewöhnlich wurden diese Waffen in derselben Weise wie die späteren 
Wall- und Standbüchsen gebraucht ; doch kommen sie auch in grösseren Ab- 
messungen vor und wurden dann nicht mehr durch Gegenstemmen des 
Unterleibs, sondern mit dem Haspel gespannt. Erleichterte und elevirte 
Constructionen dieser grösseren Art der Gastraphetai benutzten die Alten 
als Gebirgsgeschütze. 

Die hellenische Artillerie hat übrigens die geschilderte Ausgestaltung 
und rationelle Durchbildung nur ganz allmählig erhalten und war selbst zu 
Alexander's Zeit noch nicht in dem Grade vollkommen, wie sie hier dar- 
gestellt wurde. Indes standen die Prinzipien doch schon fest. Zu einem 
wissenschaftlich durchgebildeten Systeme gelangte das Geschützwesen jedoeb 
erst um die Mitte des 3. Jahrhunderts zu Alexandreia. 

Die antiken Schriftsteller, welchen man die Kenntnis des griechischen 
Geschützwesens verdankt, sind Heron und Philon; denn die unter Biton's 
Namen (200 v. Chr.) gehenden Fragmente gewähren nur unbedeutende Ausbeute. 

8« 



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Heron, der sich einen Schüler des Ktesibios nennt, eines der ausge- 
zeichnetsten Artilleristen der alexandrinischen Zeit, hat eine Lehre vom Ge- 
schützbau hinterlassen. Dies wichtige Buch gieht zuerst eine Skizze von der 
Entwickelungsgeschichte der alten Artillerie, schildert, wie man von den 
Handbogen zunächst zu den Bauchspannern kam. hierauf aber von der Bie- 
gungselastizität zur Torsionselastizität überging und die Kammern erfand 
und vervollkommnete. Dann beschreibt Heron die Gastraphetai, die Euthy- 
tona und die Palintona, nicht sowol in der Absicht, Techniker zu bilden, 
die nach seinen Anweisungen arbeiten könnten, als vielmehr, um einem 
grösseren Leserkreise, der die Geschütze nur von Ansehen kenne, allgemeine 
Begriffe von deren Wesen zu geben. Leider führt er die nöthigen Masze 
nicht an. — Da wird er nun vortrefflich ergänzt durch Philon's „Buch 
vom Geschützbau"' (250 v. Chr.). Dies bildet den Theil eines grösseren 
Werkes über die verschiedenen Zweige der Baukunst, dessen andere Bücher 
sich mit reiner Mechanik, Hafenbau, Festungsbau und Festungskrieg be- 
schäftigten. (Vergl.S. 91 u.S. 141.) Philon's Zweck ist, das Publikum mit seinen 
eigenen artilleristischen Erfindungen sowie mit den weniger populären GeschüU- 
einrichtungen des Ktesibios bekannt zu machen. Nachdem er kurz die Ver- 
hältnisse der gewöhnlichen Geschütze und einige Constructionshilfen erläu- 
tert, beschreibt er einen von ihm erfundenen ..Keilspanner 44 (otptpog Iythvö- 
pevov) und einen auf der Elastizität des Metalles beruhenden „Erzspanner" 
(Xrthctvtovov). Bei Darlegung der Einrichtungen des Keilspanners unter- 
wirft Philon die Art und Weise, wie man bishor die Spannnerven einzog 
und anspannte, einer Kritik, aus der hervorgeht, dass beim Gebrauche der 
antiken Geschütze doch oft grosse Schwierigkeiten hervortraten und ihre 
Einrichtung keinesweges so einfach und solide war, wie es namentlich Folard 
glauben machen wollte, der ihnen unbedingt den Vorzug vor den Kanonen 
giebt. Bei Schilderung des Erzspanners aber geht Philon noch weiter 
und gelangt zu dem Resultate, dass man überhaupt Ursache habe, das Ma- 
terial der Krafterzeuger durch einen anderen Stoff, nämlich durch Metall- 
federn, zu ersetzen. Er geht dann über auf die Darstellung des Schnell- 
geschützes oder .jVielschiessers' 4 (nolvßökog yicnujttlirjg), jenes Repetirge- 
schützes, wolches Dionysios von Alexandreia den Rhodiern construirt hatte, 
und schliesst seine Auseinandersetzung endlich mit der interessanten Be- 
schreibung eines ,.Luftspanners" 4 (diQÖtovov). Aus dieser geht so viel 
hervor, dass sich auch schon die Griechen, wenn auch nur ausnahmsweise, 
der Elastizität des Gases für artilleristische Zwecke bedienten, mit dem be- 
deutsamen Unterschiede allerdings, dass wir die Gase direot, die Alten da- 
gegen nur mittelbar auf das Geschoss wirken Hessen, indem sie die Bogen- 
arme eines Palintonon durch die Elastizität comprimirter Luft bewegteu, 
welche in eherne Trommeln eingeschlossen war. Diese Trommeln standen 
an Stelle der Spannnerven in den Kammern. Als Erfinder des Luftspanners, 
von dem es schwierig ist, eine genügende Vorstellung zu gewinnen, wird 
Ktesibios genannt. 

Anfangs benutzte man das schwere Geschütz lediglich im Festungs- 



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kriege. Erst von Alexander d. Gr. hört man, dass er Artillerie- im Felde 
verwendete, aber auch er lediglieh in vorbereiteten Positionen. Den ersten 
Gebrauch schweren Geschützes in rangirter Feldschlaeht machte Machanidas 
i. J. 207 v. Chr. bei Mantineia: er vertheilte es in Abstünden vor seiner 
Front, ganz in derselben Weise, wie später die ersten Feuergeschütze im 
Felde disponirt wurden. Ueber die Rolle, welehe das Geschütz des Machanidas 
in der Schlacht selbst gespielt hat. wird leider nichts berichtet. *) Von einem 
Manövriren griechischer Artillerie findet sich keine Spur. 

Die Anzahl der Geschütze, die bei Belagerungen und Verthei- 
digungen zu gleicher Zeit in's Gefecht gebracht wurden, war oft sehr be- 
deutend, und die Zahl der Geschütze, welche einzelne Städte besassen, über- 
stieg beträchtlich diejenige, welche wol heut zur Armirung fester Plätze von 
entsprechender Ausdehnung disponibel gemacht wird. Abgesehen davon, 
dass jene Städte Staaten waren und auch zur Ausrüstung ihrer Flotte nicht 
selten vielen Geschützes bedurften, so kommt dabei in Betracht, dass die 
Alten eine stärkere Geschützreservc brauchten als wir: erstens weil ihre Ge- 
schütze, besonders die schweren Kaliber, weit grössere Abmessungen hatten 
als die unseren, daher bessere Ziele boten und dem Demontiren sehr ausge- 
setzt waren; zweitens aber weil die Geschütze ausser Gefecht traten, sobald 
ihre Spauuuerven und Sehuen schlecht geworden waren durch längeren Ge- 
brauch, zumal bei feuchter Witterung. Dann musste man sie neu bespannen, 
und dies nahm immer viel Zeit fort; bei den grossen Kalibern mochte wol 
ein Tag darüber vergehen. Man musste also eine Reserve haben, um dieso 
Zeit nicht völlig zu verlieren. — Stets sind in den Parks der Alten die 
Palintona schwächer vertreten als die Euthytona. Bei der Belagerung des 
Phthiotischen Theben z. B. (219 v. Chr.) hatte der makedonische Philippos 
auf 150 Euthytona nur 25 Palintona (6:1). Die Zahl der ganz grossen 
Kaliber bildete immer nur einen geringen Theil der Geschützmasse, denn 
sie waren überaus kostbar und schwer beweglich. 



III. Griechische Elementar-Taktik. 

Tafel 13. 

BKNO+QHTOI AanäSaifioviM nohxtin. XI, XII, XIII. Xenophon : Vom Staate der 

Lakedämonier. Kap. 11—13. 
IIOA mior IotooiÜ, ix *? iS ///. — Polybios' Geschichten. Buch 18. 
A2:K.iHIIIOJOT<H'filoa6<fo\ li/J ': Ttttntxi;. — Asklepiodotos, des Philosophen, Taktik. 
A/A/ASOT Trt*Ttxtj ftetupia. - Aclianos' Theorie der Taktik. 

t,Avaw\'ftnv Bv^tttTiov) l/ouruciji xnaxtixöv /ititoi r t tot ntQi £Tf>air t yix?,<i. — Des anonymen 
Byzantiners Staatswissenschaft der That oder Kriegswisscnschaft. 

Diese 5 Schriften sind von Köchly und Rüstow kriech, und deutsch mit kri- 
tischen Erläuterungen herausgegeben worden in „Griechische Kricgsschriftsteller II 

*) Polyb. 11; 11, 3-12; 4 und 5. 



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— 118 — 



Die Taktiker". Lpzg. 1866. Die zweite Abtheilung dieser Aufgabe, welche den 
Anonymus enthält, hat einen dreifachen Anhang: 1. „Ex tov Xoyov toi fdo*ovroi", 
ein curioaes taktisch-philosophisches Fragment; 2. 'Eppr;yiin, ein kurzgefaßtstes Mili- 
tärlcxikon, und 3. des Michael Psellos (1020-1105 n. Chr.) Notiz über die .Schlacht- 
ordnung: ntoi tnltfut^jt iä£fo>. — Dieser Anhang bringt nur den Originaltext. 
Flavius A r r i a n o s : Aöytn TOMtmit oder Tix^rj tatHwtf, i In B 1 a n c a r d. Edit. Oper. A r r. 
T. 2, p. 125-168. — Arr. Tactica et Manritii Art. Milit. libri XII. publ. Schef- 
ferus. Upsala 1'64. Franz. l.'ebersetzt v. Guichard in den Hern, milit. (vergl. 
8. 89) und Dtsch. v. Dorn er. (Vergl. 8. 128.) 

Liskenne etSauvan: Essai sur la Tactique des Greca. (Bibliotheque historique et 

militaire. I. Pari» 1836.) 
Köchly undRüstow: Einleitung zu der Ausgabe der griechischen Taktiker. Lpzg. 1855. 
Rüstow: Geschichte der Infanterie. Nordhausen 1864. 



Die griechische Taktik der älteren Zeit folgt durchaus dem 
dorischen Vorbilde, wie es in den Kriegseinrichtungen der Lakedämonier sich 
zur höchsten Vollendung, zu voller nationaler Energie entwickelt hatte. 

Das Kriterium der dorischen Taktik ist das Fussvolksgefecht mit 
kurzen Stoss- und Schlagwaffeu. — „Als die Urväter aus dem Terape-Thale 
aufbrachen, um neue Sitze zu suchen, da galt es zunächst, auf den Ebenen 
Thessaliens sich vor den Angriffen schwärmender Reitervölker zu schützen ; 
dann in Hellas und in der Peloponnes mussten die Dorier den Rossen und 
Streitwagen des ritterlichen Adels der Minyer und Achaier begegnen. Gegen 
beiderlei Feind gab es Eine Wehr und Waffe: — wie im dorischen Volke 
trotz höherer Ehre gewisser Geschlechter dennoch die einzelnen Volks- 
genossen gleiche Rechte und Pflichten hatten, so schlössen sie, die der ge- 
birgige Boden der Heimath nothwendig zu Fusskämpfern gemacht hatte, 
sich zu der lebendigen Mauer der Hoplitenphalanx zusammen, von deren 
Schilden der Anlauf der Kentaurensöhne abprallte, vor deren Spiessen Mann 
und Ross der adeligen Einzolkäuipfer erlagen.. . Diese alte dorische Hopliten- 
taktik war aber zugleich der naturwüchsige Ausdruck des gemeinsamen 
Volkslebens in festlicher Versammlung und feierlichem Zug, sei es zum 
Dienst© der Götter, sei es zur Ausübung der staatlichen Bürgerrechte; sie 
ist die hergebrachte Form auf Turn- und Tanzplatz, und in dieser ihrer 
ursprünglichen Schönheit und bedeutungsvollen Heiligkeit leuchtet sie noch 
tief in die geschichtliche Zeit hinein. Die Dorier haben die althellenischo 
Taktik nicht erfunden, sondern geschaffen, nicht erlernt, sondern gelebt." 

Das Geheimnis der spartanischen Fechtart ist der feste Zusammenhalt. 
Mit Recht sagte Damaratos dem Xerxes : Einzeln möge der Spartiat dem 
einzelnen Gegner erliegen ; aber zu Häuf seien die Spartiaten die besten der 
Sterblichen. Indem sie frei seien, seien sie es doch nicht ganz. Ihr Herrscher 
sei das Gesetz und dies gebiete ihnen , nicht der Uebermacht zu weichen, 
sondern in Reih und Glied verharrend, zu siegen oder zu sterben. 

Der Heerbann Spartas zerfiel in 6 [togai; jede Mora hatte 2 koxot, der 
Lochos 4 rrevirpioaTves und die Pentekostys 2 hwfiotiat. — Für den Kampf 
ordnete sich jede Truppenabtheilung (täyfia) zur Phalanx. 



.60 Dy Vj 



oogle 



— 119 — 



Die ursprüngliche Bedeutung des Worte» fpdlayi- ist Block oder Walze; 
und in solcher Form erscheint die Schlachtordnung der Dorier in der That. 
Die Tiefe der Phalanx war sehr verschieden. Wo man wenig zahlreiche, 
aber vorzügliche Truppen hatte, wie sie eine gute spartanische Mora dar- 
bot, da bedurfte es nur weniger Glieder. Es wird berichtet, dass die Spar- 
tiaten sogar einstmals Einen Schild hoch, also in Einem Gliede, die Arkader 
besiegt hätten. Man darf annehmeu , dass die spartanischen Hopliten an- 
fangs meist 4 bis 6 Mann tief standen ; später ist die Aufstellung der Spar- 
tiaten 8 Mann hoch. Diese allein machten jedoch die Phalanx nicht aus; 
sie gleichen vielmehr der Säulenhalle, welche zwar das edelste Bauglied des 
Tempels bildet und das ganze Gebälk desselben stützt und trägt, hinter der 
sich aber doch noch eine Wand erhebt. Hinter den Spartiaten standen die 
Heiloten. Deren hatte sogar jeder Periök']) einen mit sich; von den Spar- 
tanern aber weiss man, dass ein jeder mehre Schildknappen, bei Plataiai 
z. B. deren sieben, bei sich hatte. Diese rangirten sich nun hinter den 
Herren , und so bekam die Phalanx immerhin eine sehr bedeutende Tiefe, 
so dass sie nicht als Linie, sondern als geschlossenes Rechteck erschien. — 
Die ersten Glieder der Heiloten schleuderten über und durch die Reihen 
der Hopliten Wurfspiesse und Handsteine, und da nach dem Einbruch in 
den Feind die Geschlossenheit der Speerkämpfer naturgemäss aufhörte, ja 
wegen der Art, wie der Spiess gehandhabt wurde, aufhören musste, so drangen 
nun die Heiloten in die Zwischenräume; und während die Hopliten, sobald 
die Spiesse zerbrochen zum Schwerte greifend, rastlos vorwärts stürmten 
und hinter sich ein von Verwundeten wimmelndes Emtefeld liessen, folgten 
die Heiloten Schritt vor Schritt, brachten ihre gefallenen oder verwundeten 
Herren in Sicherheit und schlugen die liegen gebliebenen Feinde mit Keulen 
und Knit tcln vollends todt. — Von dieser mannigfachen Thätigkeit stammen 
die verschiedenen militärischen Bezeichnungen für die Heiloten: yvftvijteg, 
d. h. Ungerüstete, wegen des Mangels an Schutzwaffen, iQvxtrjQeg , Retter, 
und xoQwetpoQOi, Keulenträger. 

Bezeichnend ist es, dass die Leichtbewaffneten durchaus kein selbst- 
ständiges Gefecht haben; sie unterstützen lediglich den Hoplitenkampf; sie 
sind nur ein dienendes Glied des Nahkampfes, dieses allein herrschenden 
Schlachtprinzips der Dorier. 

Dies ist die Taktik, wie sie unter lakonischem Einflüsse mehr oder we- 
niger streng ganz Hellas bis zu den Perserkriegen innehielt. 

Als die Griechen dann zurückblickten auf diese grosse Prüfung, da er- 
schienen ihnen als Gründe ihrer Erfolge, wenigstens als entscheidende Gründe 
ihrer Gefechtssiege, mit Recht ihre Disziplin und ihre Fechtweise. Der Ent- 
wickelung beider wendeten sie daher unmittelbar nach dem Zurückweisen 
des persischen Einbruchs die höchste Sorgfalt zu, und seit dieser Zeit datirt 
die völlige Ausbildung der griechischen Elementartaktik.*) 

*) Unsere Darstellung folgt hierbei der „Geschichte des Griechischen Kriegswesens" 
von Rüstow und Köchly, deren Auffassung der Elementartaktik: sich allerdings zu- 
nächst auf Schriftsteller der späteren hellenistischen Zeit stützt. Indes dürfte es jenen 



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— 120 - 



Man kann im Allgemeinen für diese Zeit 8 Mann als die normale Tiefe 
der Hoplitenphalanx annehmen. — Auf das Kommando v .4yt tig wi 
nnXa\ „An die Gewehre!" nehmen die Hopliten ihre Waffen und treten in 
der Grundstellung, d. h. der Phalanx, an; noch aher sind die Sklaven 
um ihre Herren beschäftigt. DerPolemarch kommandirt daun weiter: OnXtxpÖQfK 
anljo) rijg (päkccyyogl „Rotten klar gemacht!' 4 worauf sich die Trosshuhen 
entfernen. Nun erfolgt das Kommando: Ziya xeri ^QÖatxt t(>> naQayytlloftfatt] 
..Stillgestanden! Achtung!" — Der kurze Hoplitenspiess wird durchaus mit 
einer, der rechten, Hand geführt. Der Krieger nimmt ihn auf Befehl auf die 
rechte Schulter zum Marsch oder fällt ihn zum Angriff: KaStg ja dÖQcna] 

— In Bewegung setzt sich der Mann auf das Kommando : ITgöayt ! ..Marsch !" 

— Die Wendungen (xA/or/s) finden wie bei uns statt; nur wird ..Kehrt" 
rechtsum-, „Front" linksumkehrt gemacht. „Halbrechts !" „halblinks !" „ge- 
radeaus!" werden in bekannter Weise ausgeführt. — Die Rotte wird bei 
Arrian und Aelian mit „Adjjos", bei Xenophon mit „mixog" bezeichnet; ihre 
ungeraden Mitglieder heissen „Vordermänner", die geraden „Hintermänner". 
Den Ersten der Rotte, einen ausgesucht kräftigen und muthigen Mann, nennt 
man „Rottenführer"; den letzten, welcher besonders umsichtig und kriegs- 
erfahren sein soll, „Rottensehliesser 4 *. — Eine Rottirung (01 Xkoxtauög) zu 4 
Rotten von 6 bis 8 Mann Tiefe gibt die E n o m o t i e des Thukydides [I A], 
deren 1. Glied als Front (iihtonov) bezeichnet wird. --Man unterscheidet die 
lose Stellung, bei welcher jeder Mann nach Front und Tiefe ungefähr 2 Vi 
Schritt Raum hat, die geschlossene Stellung mit einem Quadratraura 
von IV4 Schritt, und die gedrängte Stellung oder Verschildung (ovvao- 
mopog), in der der Mann nur etwa % Schritt Geviertraum hat. Die ge- 
schlossene Stellung (ttvxvümmc;) war wohl die normale. — Das Ausrichten 
der Glieder und Rotten geschieht auf bestimmte Kommandos. 

Die Form Veränderungen und Bewegungen sind Verdoppelungen, 
Eindoppelungen, Schwenkungen und Kontremärsche. 

Die Verdoppelungen (ötnXamaoftoi xecra törrov) geschehen nach der 
Länge |I B] oder nach der Tiefe [I €], also Abstand nehmen im Gliede 
(üuyöv) oder in der Rotte. Ebenso wird die Findoppelung (itnkaaiaafiot; nun 
aQt&ftöv) entweder nach der Tiefe (Verdoppelung der Glieder) oder nach der 
Länge (Verdoppelung der Rotten) ausgeführt. In letzterem Falle bilden 
sich aus jeder alten Rotte zwei neue, wofür man noch einen Rottenführer 
und einen Rottenschliesser in Bereitschaft haben muss. Die Eindoppelungen 
nach der Tiefe entsprechen unserem „in Reihe setzen aus der Sektions- 
kolonne". — Die Eindoppelungen nach der Länge wurden in zwei verschiedenen 
Arten ausgeführt, deren eine man die Xenophontische, die andere die Arria- 
nische nennt. Bei beiden wird zuerst die Länge verdoppelt. Dann rückt, 
nach Xenophon [I 1)]. die hintere Hälfte jeder Rotte links neben die vor- 
dere Hälfte, während bei Arrian [I E] die gerade Nummer jeder einzelnen 



Autoren in hohem Grade gelungen »ein, die Angaben Arrian's und Aelian '» mit Hilfe der 
Schriften Xenophon'8 zu kritiairen und für die früheren Perioden verwendbar *u machen. 



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— 121 — 



Rotte neben dir ungerade tritt. Nun sehliessen die hinteren Glieder auf. 
Ganz entsprecliend geschieht die Eindoppelung nach der Tiefe. Da bleiben, 
Xenophon zufolge [I FJ, die /weite und vierte Hotte stehen; die erste und 
dritte marschieren geradeaus vor und setzen sich vor die /.weite und vierte, 
und die zweite, neutfebildete Rotte rückt an die erste neugebildete rechts 
heran. Bei Arrian [I G| wird zuerst die Tiefe verdoppelt, und nun treten 
die Nummern 1. 2, 3, 4 u. s. w. der zweiten und vierten Rotte hinter die 
gleichnamigen Nummern der ersten und dritten Rotte. Die zweite neugebil- 
dete Rotte schliefst sich dann rechts an die erste. 

Die Schwenkungen {IntoiQOfpai) waren nicht wie bei uns einfache 
Drehungen der Truppenkörper um den rechten oder linken Flügelmann ; da« 
erlaubte die Tiefe der Aufstellung nicht. Vielmehr wurde die Sache so ge- 
macht, dass z. B. bei einer Rechtsschwenkung die Rottenführer mit halb- 
rechts auf denjenigen Platz gingen, welchen sie nach vollendeter Schwenkung 
einzunehmen hatten; dort angekommen, wendeten sie das Gesicht wieder in 
die ursprüngliche Richtung, zogen ihre Rotten links neben sich, richteten sie 
aus und kommandirten ..rechts um!" [IV. A, B, (.', D.J 

Kontremärsche (iSthyiioi) wurden entweder nach Rotten oder nach 
Gliedern ausgeführt. Der Koiitremarsch nach Rotten verwechselt Front und 
Flügel zugleich; der letztere nur die Flügel. Der rottenweise Kontre- 
marsch ist der bei weitem wichtigere, zumal deshalb, weil die Front der 
Griechen in viel höherem Maasse als bei uns die eigentliche Kraft der Truppe 
ausmachte, die tüchtigsten und bestgerüsteten Krieger enthielt. Unter diesen 
Umständen war es wünschenswerth, eine Evolution zu haben, durch welche 
man das erste Glied der Phalanx augenblicklich nach rückwärts versetzen 
konnte, wenn man im Rücken angegriffen wurde. — Die Lakedaimonier führten 
den rottenweisen Kontremarsch aus [V. A, a und «. — VI], indem der Führer 
jeder Rotte kehrt machte und um die Rottentiefe vor die bisherige hinterste 
Linie vorlief; die anderen Leute folgten ihm, und nur der Mann des letzten 
Gliedes machte lediglich die Kehrtwendung. Nach Ausführung dieses Kontre- 
niarsehes stand die Abtheilung natürlich in der Inversion, d. h. der bisherige 
rechte Flügelmann hatte den linken Flügel. Dadurch wurden die Lakonen 
in Folge ihrer grossen Kriegsgeübtheit nicht gestört ; bei den andern Stämmen 
dagegen suchte man dem Uebel dadurch abzuhelfen, dass jede Evolutions- 
einheit nachher noch einen Kontremarsch nach Gliedern ausführte und so- 
mit die Flügel wieder in ihr richtiges Verhältnis brachte. — Wenn der 
Kontremarsch derart ausgeführt wurde, dass die Enomotie sich um das Maass 
ihrer Tiefe dem Feinde näherte, so hiess er der lakonische [V. A, a u. «] ; 
blieb sie auf derselben Stelle, so war es der chorische, kretische oder persische 
Kontremarsch [V. C.| ; entfernte sie sich um das Maass ihrer Tiefe vom Feinde, 
so hatte sie den makedonischen Kontremarsch ausgeführt. [V. B, b und ß\. 

Die Linie ist Grundstellung und Gefechtsstellung zugleich. Marschordnung 
ist die Kolonne, und zwar entweder die Reihenkolonne (7ittgaywy^) 
oder die Sektionskolonne (ijiayotytj). 

Wenn eine Phalanx in der Paragoge mit rechtsum niarschirt [II A], 



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— 122 — 



so laust sie sich , falls der Feind in ihrer linken Marsch-Planke [II A n] 
erscheint, durch die einfache Wendung linksum in die Gefechtsform 
bringen. Dasselbe ist der Fall, wenn sie mit linksum marschirt und der 
Feind in der rechten Marsch-Flanke [II A pj auftritt: man braucht dann 
eben nur rechtsum zu machen und die Gefechtsformation ist da. Wenn aber 
der Feind vor der Marschspitze z. B. einer linksabtnarsehirten Paragoge er- 
scheint [II A qj, so wäre nach dem Rechtsum noch eine Linksschwenkung 
der ganzen Phalanx um ihren linken Flügelmann nöthig, um Front gegen 
den Feind zu erhalten. Bei einer kleinen Phalanx hat eine solche Schwenkung 
keine Schwierigkeit, wol aber bei einer grossen. Da ergriffen denn schon 
die Griechen das Mittel, statt der Reihenkolonnen mit rechts- und linke-um, 
also statt der Paragoge. sich der Epagoge. der Sektiouskolonne, zu bedienen 
und aus dieser die Schlachtordnung durch Einschwenken der Evolutions- 
einheiten oder durch deu Aufmarsch zu entwickeln. [II B. Gegen einen in 
r erscheinenden Feind wird links aufmarschirt. gegen n links eingeschwenkt.J 

Um die Epagoge herstellen zu können, ist eine Gliederung der Phalanx 
in gleiche, kleinere Abtbeilungen (Sektionen) nöthig. Bezüglich der Grösse 
der Sektion waren drei Fälle möglich. Entweder gab man ihr ebensoviel 
Rotten, als die ganze Phalanx Glieder hatte, oder man gab ihr mehr, oder 
endlich weniger Rotten als Glieder. Nimmt man den Rottenabstand gleich 
dem Glioderabstand, so bildet im ersten Fall die Sektion ein Quadrat, im 
zweiten Fall ein Rechteck von grösserer Tiefe als Front 

Schwenken mehre neben einander stehende Sektionen quadratischer 
Form [III B], so wird dadurch nur die Front verändert, das Ganze nimmt 
genau den gleichen Raum ein wie vorher. Schwenken mehre in der ge- 
schlossenen Phalanx nebeneinanderstehende Sektionen von grösserer 
Front als Tiefe [III A], so ergiebt sich zwischen den Sektionen noch 
ein freier Raum . der „Sektionsabstand' 4 . — Wollten aber neben einander- 
stehende Sektionen von grösserer Tiefe als Front [III C] abzu- 
schwenken versuchen, so würde sich alsbald die Unmöglichkeit ergeben, weil 
die Sektionen sich theilweise decken müssten, zwei Menschen aber nicht ein 
und dieselbe Stelle einnehmen können. 

Die letztere Eventualität fällt also fort. — Die quadratische Sektion 
dagegen wurde in dem makedonischen Syntagma von 16 Rotten zu 
16 Mann, also als eine Evolutionseinheit von 256 Manu, zur reglementarischen 
Form [III B], — Eine Evolutionseinheit von mehr Rotten als Gliedern er- 
scheint in der lakonischen Pentekostys, welche in 16 Rotten zu 
8 Mann 128 Mann enthielt [III AI. 

Offenbar hat die letztere Form Vorzüge; denn im Marsche verlängern sich 
die Kolonnen stets, und wenn der natürliche Spielraum des Sektionsabstandes 
fohlt, so kann nicht darauf gerechnet werden, dass die Phalanx nach dem 
Einschwenken geschlossen sei. Die Makedonier scheinen darauf keinen 
Werth gelegt zu haben, weil ihre gute Reiterei, welche die marschirenden 
Truppen stets umschwärmte, sie vor Ueberraschung sicherte und ihnen Zeit 
gab, nach dem Einschwenken zusammenzuschliessen. Die Spartaner, welche 



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- 123 - 



eines solchen Schutzes entbehrten, durften sich den Vortheil, der im Sektions- 
abstande Hegt, nicht entgehen lassen. 

Ausser in Syntagmen und Pentekostyen [YI1I A] kommen Epagogen 
in Doppel-Peutekostyen [VIII Cj, in Enomotien [II B; VII] und Doppel- 
enomotien [VIII A] vor. — Zur Durchschreitung von Defileen bediente 
man sich gewöhnlich der Reihenkolonne, der Parapoge [IX]. 

Dies ist die Elementartaktik im Zeitalter des peloponnesischen Krieges. 
Die Abweichungen zwischen den einzelnen Völkerschaften sind offenbar 
nicht bedeutend. Als Meister erscheinen die Spartiaten. — Charakteristisch 
ist für diese Zeit der Umstand. daBs bei den Lakedaimoniern nicht mehr wie 
früher die Sklaven in die Phalanx selbst als Keulenträger, Schleuderer und 
dergl. aufgenommen werden, dass sie auch nicht, wie später, als zugehörige 
Neben-Elemente der Phalanx in den Kampf der letzteren eingreifen ; vielmehr 
haben die Leichtbewaffneten ebenso wie die Reiter durchaus ihr eigenes Gefecht. 

Die weitere Entwickelung der griechischen Elementar - Taktik knüpft 
sich an den Rückzug der Zehntausend und an die Einführung 
des Söldnerwesen 8. 

Der Rückzug Xenophon's aus Asien dauert« ein Jahr; drei Monate 
hatte der Hinmarsch von Sardeis nach Kunaxa gewährt, so dass in 15 Monaten 
780 geogr. Meilen auf diesem Kriegszuge zurückgelegt wurden. Die Zehn- 
tausend waren während desselben nur Soldaten, nichts Anderes ; unter den 
mannigfaltigsten Umständen hatten sie mit meist leicht bewaffneten Gegnern 
zu kämpfen. Sie selbst führten von Anfang an mehr leichtes Fussvolk mit 
sich, als sonst üblich war, nämlich 2000 Mann. Nun auf dem Marsche, 
keineswegs in der Lage, sich die Schlachtfelder auszusuchen, wie es die 
Btirgeraufgebote zu thun pflegten, erkannten sie bald die Einseitigkeit und 
Schwerfälligkeit des reinen Hoplitengefechts. Das ihnen aufgenöthigte Terrain 
verlangte neue Formen; die Bogen- und Speer-Schützen, die Reiter des 
Feindes lelirten den Werth der Leichtbewaffneten kennen. »Verbindung der 
Waffen und Beweglichkeit wurde die Losung für jene neue Entwickelung 
der griechischen Taktik, die sich an den Namen desXenophon knüpft. 

Die Hauptresultate derselben sind: 

1) die Befreiung der Hoplitenstellung von der starren Form der ununter- 
brochenen Phalanx; 

2) die mannigfaltige und bewusstc Verwendung des leichten Fussvolks. 
Unter den ersten Gesichtspunkt fällt der Gebrauch des SfAtog Xoxog, d. h. der 

Kolonne, und demnächst die absichtsvolle Anordnung von Reservestellungen. 

Was zunächst die Kolonnen betrifft, so handelt es sich bei ihrer An- 
wendung darum, mit geringen Kräften Raum zu gewinnen und bei Aeusserung 
starker Stosskraft doch den Gegner noch zu überflügeln. Zu dem Ende 
gehen die einzelnen Lochen, durch Zwischenräume von einander getrennt, 
in Kolonnen vor. Zum erstenmale hat Xenophou diese Fechtweise den 
Kolchern gegenüber angewandt, welche ihm den Pass verlegen wollten. 
Der Orthios Lochos, die Kolonne desXenophon, hat 6 Mann Front bei 
16 Mann Tiefe und dürfte in den meisten Fällen als Epapoge in Enomotien, 



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124 



d. h. als Sektionskolonne. gebildet worden sein. Man kann diese Formation 
kurzweg als ,.Kompagniekolonne*' bezeichnen. 

Das Anordnen einer Schlachtreserve zeigt sich zuerst in dem 
Gefechte, welches Xenophon hei Kalpe den Truppen des Satrapen Pharna- 
hazos lieferte. 

In enger Verbindung mit der freieren Ausgestaltung des Hopliten- 
kampfes steht dann der neue Gebrauch der leichten Infanterie. 
Sie erscheint bald vor der Front, bald auf den Flügeln, bald in den Inter- 
vallen der Koinpagniekolonne. und sogar die Reiterei, so schwach sie war 
und so wenig günstig ihr seit dem Eintritt der Zehntausend in die kar- 
duchischen (iebirge das Gelände wurde, nimmt unter Xenophon eine würdige 
Stellung ein. 

Begreiflich ist es, das« auf einem so hingen und schwierigen Marsche 
auch die eigentliche Marschtaktik namhafte Fortschritte machte. Die 
Taktiker unterscheiden von der gewöhnlichen Marschkolonne mit Einer 
Front, die mit verschiedenen Fronten [X. A|, dann die Doppelkolonne 
mit gleichen Fronten |X. ft|, die Doppelkolonne mit äusseren Fronten [X. Cj 
und diejenige mit inneren Fronten [X. — Der Marsch im hohlen 
Viereck [XI], und der im Oblongnm [XII] bildete sich zu grosser 
Sicherheit und Vollkommenheit heraus, weil die Uebermacht des Feindes 
an Kavallerie darauf hinwies, mögliehst kompakte Formen anzunehmen, 
welche doch derart gegliedert waren, dass das Einfädeln in schmale Fronten, 
wie es beim Durchschreiten von Engpässen nöthig, also die Formations- 
veränderung leicht von Statten gehen konnte. 

So weit war die Entwickelung gediehen, als die Ausbreitung des Söldner- 
thumes in Hellas selbst in sie eingreift und nun auch ihrerseits die Taktik 
mit bestimmte und umgestaltete. 

Bei dem Durchbrurhe des Söldnerthums waren ebensowol wirt- 
schaftliche als militärische Gründe wirksam. Die Beschaffung einer vollen 
Hüstung setzte Wohlstand voraus: die Zahl der wohlhabenden Bürger war 
jedoch in den langen Kriegen sehr zusammengeschmolzen, und diejenigen, 
welche die Ausrüstungskosten noch am besten hätten erschwingen können, 
waren zugleich die verwöhntesten und bequemsten und sicherlich nicht das 
beste Material für den Krieg. Dazu kam. dass die Schwergerüsteten eines 
Schildträgers bedurften, deren Zahl den Tross der Nichtstreitbaren schädlich 
vermehrte, so dass er dem Heere die Beweglichkeit raubte. Iphikrates 
aber erkannte, dass in dem Hingen mit Sparta, welches noch unverrückt an 
seiner alten Kriegsart festhielt. Beweglichkeit das beste Mittel sein werde. 
Vortheile über den Feind davonzutragen. Schon im peloponnesischen Kriege 
hatte der attische Feldherr Demosthenes durch gelegentliche Anwendung 
leichtbewaffneter Truppen Erfolge gehabt; Iphikrates entschloss sich in 
dieser Beziehung zu einer prinzipiellen Reform, welche den taktischen 
Neuerungen des Xenophon als organisatorische Ergänzung zur Seite tritt 
und deren, soweit es sich dabei vorzugsweise um die Ausrüstung handelt, 
bereits oben (Seite 100) Erwähnung geschehen ist. 



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— 125 - 



Ein Söldnerheer bestand seit den Reformen des Iphikrates erstlich 
aus den erleichterten Hopliten oder Phalangiten als eigentlicher 
Linieninfanterie, deren Hauptwaffe noch immer der Langspiess und deren 
Formation stets die geschlossene Phalanx ist; zweitens aus den Pelt asten, 
d.h. der für zerstreutes Gefecht wie für Kampf in Linie geeigneten Mittelinfan- 
terie, und endlich aus dem nur für das zerstreute Gefecht bestimmten leichten 
Fussvolke der Gymneten, d. h. der Ungerüsteten, welche keinen Schild 
führten, theils Schleuderer, tlieils Boguer und Speerschützen. Alle diese 
Leute trugen als Kopfbedeckung die Fellkappe oder irgend einen nationalen 
Hut. — Die Schleuderer führten ihre Munition in einer grossen Tasche 
mit. (Vergl. S. 103) — Die Köcher der Rogner enthielten 12 bis 20 Pfeile. — 
Die Schwere der Wurfspiesse wechselte von bis 3 Pfund. — Die 
rhodischen Schleuderer trafen weiter als die meisten Bogenschützen, nämlich 
bis auf 100 Schritt und doppelt so weit als die Steinschleuderer; die kre- 
tischen Schützen, von allen griechischen Rognern die berühmtesten, trafen 
selten über 90 Schritt und auch das nur mit stark elevirten Rogen. Die 
Speerschützen werden nicht über 30 bis 40 Schritt geworfen haben. 

Die Grundstellung des leichten Fussvolks, auch die der Peltasten, dürfte 
4 Glieder tief gewesen sein, so dass der Lochos von 100 Mann in 24 Rotten 
stand. Die Gefechtsordnung ist die ausgeschwärmte Schützenlinie. Zuweilen 
vermischen sich die Gymneten mit der Reiterei, um ihr im Kampfe zu secun- 
diren, und in diesem Falle werden sie als H a m i p p e n (Rossschnelle) bezeichnet. 

Auf die Reiterei erstreckten sich die Reformen des Iphikrates nicht; 
sie konnte unter den griechischen Verhältnissen niemals als Söldnertruppe 
Bedeutung gewinnen, schon weil sie zu theuer war. Ihre Taktik wurde be- 
reits kurz angedeutet. (Vergl. S. 108.) Zu hervorragender Geltung kommt 
diese Waffe erst unter den makedonischen Königen. 



IV. Schlachtentaktik der Hellenen und Alexandriner. 

Tafel 14. 

(Mit Rückblick auf Tafel 13.) 



Litoratur. 

Herodotos (450 v. Chr.): Neun Bücher Geschichte. (Bis 479 v. Chr.) Ausg. v. Stein. 
BerL 18««. Dtsch. v. dems. Oldenburg 1875. 

Thukydides (420 v. Chr.): Geschichte des pcloponnesischcn Krieges (431 411). Ausg. 
v. Classen. Berl. 1877. Dtsch. v. Wahrmund. Stuttg. 1867. 

Xenophon (400 v. Chr.): Anahusis (Expeditio Cyri). Gesch. des Rückzugs der Zehn- 
tausend. Ausg. v. Krüger. Berl. 1871. Dtsch. v. Forbiger. Stuttg. 1860. 

Xenophon: Kyropaidcia (De institutiono Cyri). Ausg. v. Hertlein. Lpzg. 1863. DUch. 
v. Dörnen Stuttg. 1865. 

Xenophon: Hellenika (Historia graeca. 411— 362 v. Chr.). Ausg. v. Dindorf. Lpzg. 1850. 
Dtsch. v. Rieckher. Stuttg. 1857. 



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— 126 — 



Xenophon: Hipparchici und „De re equestri libri." Ausgabe v. Dindnrf in Xenop. 

Scriptora minor». Leipzig 1867. Vergl. die 3. Note zu Seite 108. 
Polybios (150 v. Chr.): Vierzig Bücher Geschichte. ^220 -14« v. Chr.) Auag. v. Din- 

dorf. Lpzg. 1868. Dtsch v. Haakh u. Kraz. Stuttg. 1874. 
Diodoros Siculus (60 v. Chr.): Historische Bibliothek (Universalgeseh. bis 40 v. Chr.) 

Ausg. v. Dindorf. Lpzg. 1868. Dtsch. v. Wahrmund. Stuttg. 1869. 
Sex. Julius Frontinus (80 n. Chr.): Strategematon libb. IV. 

Plutarchos (100 n. Chr.): Vitae parallelae. Ausg. v. Bekker. Lpzg. 1*57. Dtsch. v. 
Klaiber, Fuchs und Campe. Stuttg. 1829. 

Polyänos 1 150 n. Chr.): Strategemala. Acht Bücher über .Kriegslisten. Ausg. v. 
Wölfflin. Lpzg. 1860. Dtsch. v. Blume und Fuchs. Stuttg. 1854. 

tyuintus Curtius Rufus (150 ii. Chr.?): De rebus gestis Alexandri magni. Ausg. v. 
Zumpt. Braunschwg. 184». Dtsch. v. Siebeiis. Stuttg. 1860. 

Flavios Arrianos (150 n. Chr.): Anabasis. (Gesch. der Feldzüge Alexander's d. Gr.) 
Ausg. v. Müller, Paris 1846, enthält auch die Bruchstücke von des Olynthiers Kal- 
listhenes (320 v. Chr.) „Hellenika" und „Persiea" sowie die Alexandergeschichte 
des mittelalterl. „Pseudo-Kallisthenes". - Dtsch. v. Dörner. Stuttg. 1829. (Diese Ueher- 
setzung enthält auch das Fragment von Arrian 1 s „Lehrbuch der Taktik" (vergl. S. 118.) 

Justin us Frontinus (200 n. Chr.?): Historiamm Philippicarum libb. XLIV. Ausg. v. 
Hartwig. Brschwg. 1860. Dtsch. v. Forbiger. Stuttg. 1867. 

Vergl. übrigens die Literaturnachweise Seite 8990 und Seite 117 118. 

Wenn man von der Schlachtentaktik des griechischen Heroenthums 
hier ahsieht*) und zunächst die historische Frühzeit his zu dan Perserkriegen 
Auge in's fasst, so ergibt sich das folgende Bild: 

Die Heere stehen sich vor der Schlacht in einem Lager oder in 
sonstiger Stellung gegenüher und ordnen sich zum Kampfe. Die Phalanx 
der Hopliten gibt dem (ianzen die Form und der Schlacht die Entscheidung. — 
Die Hopliten «chaaren sich nach Stämmen und Städten und innerhalb dieser 
Abtheilungen nach den taktischen Einheiten. Die Flügel sind Ehrenplätze, 
deren Zutheilung in zweifelhaften Fällen nach Befragung der Opfer erfolgt, 
und von den Flügeln ist der rechte wieder der vornehmere. Rechts und 
links der Phalanx werden die Reiterei und das leichte Fussvolk vertheilt. — 
In der nächsten Umgebung des Oberfeldherrn befinden "sich stets Eilboten 
und Trompeter, um Befehle zu erlassen. Auch optische Signale, namentlich 
solche mit Fähnlein und Feldzeichen, kommen vor. Ihre Erhebung gilt als 
Zeicheu des Angriffs, ihr Senken als das zum Rückzüge. Vor der Schlacht 
pflegt der Feldherr Angesichts des Feindes eine Ziege zu opfern. Das geordnete 
Heer ermuntert er zur Tapferkeit ; die Losung, avv&ijfia, wird erneut und geht 
vom rechten zum linken Flügel und von diesem wieder zum rechten zurück.**) 

Zuweilen leiten nun Reiter und Leichtbewaffnete die Schlacht ein ; aber 
während ihres nichts bedeutenden Gefechts setzen sich die Hopliten, den 
Spiess auf der Schulter, in Marsch. Die Bewegung ist rhythmisch : sie folgt 
entweder dem Takte der Lyra (wie z. B. bei den Kretäern) oder dem Klange 
der Flöte (wie bei den Spartiaten). Laut erschallt hüben und drüben das 
Schlachtlied, der Paian. ***) Beide Theile ziehen sich stets während des Vor- 

*) Vergl. über diese oben S. 107 u. Röpke a. a. O. 
••j Xenoph.: Anab. 1; 8, 16. - ***) Ebd. 8, 17. 



- 127 - 



rückens nach rechts, so dass hier wie dort der rechte Flügel den gegen- 
überstehenden linken überflügelt. Diese Bewegung . welche die hellenische 
Schlachtordnung in gewissem Sinne von Anfang an als eine „schiefe" er- 
scheinen lässt, hat ihren ursprünglichen Grund in der Bewaffnung. Der 
Heroenzeit galt nämlich die geschützte Schildseite für die stärkere, und 
darum richtete man anfänglich den Angriff womöglich auf den schildlosen 
rechten Flügel einer Truppe als auf deren schwache Seite. Indem man 
nun auf diesen gewohnheitsmässig angegriffenen Flügel, um ihn hesser zu 
schützen, die vorzüglichsten Kräfte aufstellte, wurde er zum Ehrenplatze. 
Man wusste ein für allemal, dass, wie man selbst die eigene auserlesene 
Mannschaft rechts habe, so ständen dieser Auswahl die minder guten Truppen 
des Feindes gegenüber. Damit war aber die ganze Sachlage verändert; der 
linke Flügel war nunmehr, obgleich die Schildseite, doch der schwächere. In 
Folge dessen ging man von dem bisherigen Verfahren, den rechten Flügel 
des Feindes als Angriffsobjekt zu wählen, ab und strebte danach, den linken 
zu überflügeln. Eine solche Ueberflügelung bedingte den Halbrechtsvor- 
marsch, welcher zugleich den Vortheil bot, die eigene rechte, also unbe- 
schildete Seite dem Feinde zu versagen, d.h. von ihm abzuwenden [13; XIII], *) 
Nun bleibt bei jedem Halbrechtsvormarsch erfahrungsmässig der linke Flügel 
weiter zurück als er bei rein diagonaler Durchführung der Bewegung eigent- 
lich sollte ; für die hellenische Schlachtentaktik erwuchs hieraus aber ein 
Vortheil; denn je mehr dies geschah, um so mehr wurde der Angriff nach 
dem „Geradeaus !" ein eigentlicher Flankenangriff. — Ist man sich auf etwa 
200 Schritt geniht, so wird das Kriegsgeschrei erhoben: dlala iXt'Xev**); 
die Spiesse werden gefällt, und unter Trompetengeschmetter stürmt man 
aufeinander ein. Selten oder nie kommt es übrigens auf der ganzen Linie zum 
stehenden Kampfe; gewöhnlich wirft sich sofort ein Flügel in die Flucht, 
ohne dass damit für den Sieger viel gewonnen wäre. Denn fast immer liegt 
die Entscheidung da, wo dem feindlichen rechten, überflügelnden Flügel der 
diesseitige linko, versagte Flügel Stand hält; wer hier die Oberhand be- 
hält, der vermag es in den meisten Fällen, das Gefecht auf der ganzen Li- 
nie zu seinen Gunsten durchzuführen oder zu wenden. 

Der Kampf der Reiter und Leichtbewaffneten mag indessen andauern ; 
er hat so wenig Werth, dass die Berichterstatter ihn kaum jemals auch nur 
erwähnen. Unter allen Umständen neutralisiren sich diese Waffen derart, 
dass die Hoplitenphalanx agiren muss, als wären jene gar nicht vorhanden. 
Darum auch deckt sie selbst sich durch die Rechtsbewegung ihre rechte 
Flanke und rechnet nicht darauf, dass dies etwa das leichte Fussvolk thue. 

*) Steht ein Lochen ab einem feindlichen LochoB cd gegenüber, so wird er durch den 
Vormarsch halbrechts nach einiger Zeit anscheinend in die Stellung ef parallel mit ab ver- 
setzt werden; thaUächlich aber in die Stellung fg, weil der linke Flügel, indem er die 
Augen rechts hat, stets etwas zurückbleibt. Wird nun aus der Richtung fg heraus „Oe- 
radeaus!" kommandirt, so geschieht der Weitervormarsch nicht in der Richtung fh, son- 
dern in der Richtung fk, also unmittelbar auf die Flanke des Feindes. 

**) Xenoph.: Anab. 1; 8, 18. 



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128 - 



In (lieser Rechtsbewegung liegt der Keim der weiteren eigentümlichen Ent- 
wickelung der griechischen Schlachtentaktik ; schon jetzt aber ist das 
Hoplitengefecht kein blosser Frontalkampf mehr, sondern ein doppelter 

Die Verfolgung wird meist lau betrieben. Den Spartanern verbot 
sogar das Gesetz, den Feind weit zu verfolgeu; gewiss weniger aus Gross- 
muth als aus Klugheit. Man meinte, der Feind werde sich eher entsehliessen. 
das Feld zu räumen, wenn er wisse, dass er nicht hart verfolgt würde.*) 
Ueberdios lag die Stärke der Spartiaten in ihrer Geschlossenheit; diese 
war nach dem Handgemenge dahin, und leicht konnte eine zu lange Fort- 
führung des Gefechts den Spiess umdrehen. Ueberdies kommt es den Hel- 
lenen weniger darauf an, zu vernichten, als zu imponiren. Eilig müssen die 
eigenen Tod ton feierlich bestattet werden; eilig ist aus den erbeuteten 
Waffen einT r o p a i o n [18; XI V J zu errichten. Die Gefallenen desFeindes 
werden auf dessen nie ausbleibendes Gesucli an ihn ausgeliefert. **) Die 
Schlacht ist mehr Ehrensache als Mittel zum Zweck, zumal wo Griechen 
gegen Griechen fechten. Hei .Plataiai, als man Barbaren geschlagen hatte, 
fand allerdings eine ganz energische Verfolgung statt, und der Sieg wurde 
nach Kräften ausgebeutet. 

Wie militärpolitisch und strategisch, so waren die Perser am Tage von 
Plataiai (479 v. Chr.), dieser wichtigsten Landschlacht der Perserkriege, 
auch taktisch in der Offensive.***) Dennoch erfolgt der Angriff des Mar- 
donius nach und nach, ohne rechtes Ineinandergreifen der einzelnen Heeres- 
theile : aber auch die hellenischen Kontingente fechten fast vereinzelt ; miss- 
trauische Eifersucht hält sie auseinander und lässt sie gegenseitig warten. 
Die Spartaner leisten wenig, weil sie eine krankhafte Scheu davor haben, 
ihre fest geschlossene Phalanx irgendwie zu lockern. Sie zeigen sich daher 
ausser Stande, die Verschildung des uational-persischen Fussvolks zu durch- 
brechen, und noch weniger vermögen sie, das verschanzte Lager zu stürmen, 
auf welches sich das geschlagene Heer des Grossköuigs zurückzieht Das 
eine Mal müssen die Tegeaten. das andere Mal die Athener daß Beste thun. 

Ein Grund des Sieges der Hellenen über die Perser liegt in der Zahlen- 
überlegenheit der Letzteren selbst, welche in dem beschränkten und durch 
seine horizontale wie vertikale Bodengliedorung äusserst schwierigen Ge- 
lände Griechenlands nicht nur gar nicht zur Geltung kam, sondern geradezu 
hinderlich wirkte. Die gewaltigen Massen gingen zumeist an ihrer eigenen 
Unbeholfenheit zu Grunde. Sie kamen grossentheils nicht einmal zum Ge- 
fecht ; ihr Vorhandensein aber schwächte die Ausdauer des ersten Treffens, 
welches meinte, den andern Treffen doch auch noch einige Arbeit übrig lassen 
zu müssen. Wie jene übermässige Anhäufung von Streitkräften die Ver- 

*) Plutarch: Lykurgos, 22. — Thukyd. 6; 73.— «♦) Ebd. 1; 63. 
**♦) Herodot7 und 8. — VergL Jiünachcr: De rebus PlaUeensium, Berlin 1841, und 
Friedrich: Rerum Plataicarum speciineu. Ebd. 1841, sowie Xouvelles reeberches sur la 
bataille de Piatee. (Le Philologie. V., Paris 1*1», p. 190.) Ferner MiL- Wochenblatt 1821 
No. •_>58 und A%. Kriegsarehiv 1825 No. 73. 



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— 129 - 

pflegung ausserordentlich erschwerte, so minderte sie auf dem Schlachtfelde 
die Manövrirfähigkeit und steigerte die Unordnung des Rückzugs. 

Auf griechischer Seite dagegen kannte und heherrschte man die tak- 
tische Gliederung, welche den Persern abging, vollkommen. Die Phalanx 
war in der Front gewissermassen sturmfrei. Ein zweites Treffen fehlte ihr 
allerdings, wohl auch deshalb, weil es an Menschen mangelte, um ein solches 
herzustellen, wenn man den ungeheueren Massen des Feindes gegenüber die 
Front nicht gar zu sehr verkürzen wollte. Doch dieser Mangel machte sich, 
angesichts der persischen Unbeholfenheit, eben so wenig fühlbar wie der 
Umstand, dass die Griechen der starken und tüchtigen Reiterei der Asiaten 
so gut wie gar keine Kavallerie entgegenführen konnten ; denn in dieser 
Hinsicht kämpften die Terrain Verhältnisse für Griechenland. 

Die neuen Elemente der Taktik, welche Xenophon während der Ana- 
basis entwickelte (vergl. S. 123). führten nicht so bald zu einem neuen Sys- 
teme der Schlachtentaktik. Die höhere Beweglichkeit der Truppen 
begünstigte wol hie und da ein besseres Ausnützen der Umstände; aber 
prinzipielle Aenderungen in der Grundanordnung der Massen traten auch 
während des peloponnesischen Krieges nicht ein. Erst Epameinondas 
that bei Leuktra (371 v. Chr.) diesen Schritt,*) Er theilte das Heer in 
einen Offensiv- und einen Defensiv -Flügel, von denen der letztere 
sich nur beobachtend verhalten und gewissermassen als Reserve dienen sollte ; 
während der Offensivflügel, quantitativ und qualitativ stärker als jener, den 
Feind zuerst und mit möglichst gesteigerter Stosskraft an dessen stärkster 
Stelle anpacken sollte. — Die stärkste Stelle der bisherigen griechischen 
Heere war aber immer der rechte Flügel: denn mit diesem suchte man 
ja hergebrachtem! assen den linken Flügel des Gegners zu umfassen. Aus 
diesem Grunde musste der Offensivflügel des Ejjameinondas sein eigener 
linker sein, und um diesem die nöthige Stosskraft zu verleihen, gab er ihm 
die von Xenophon erfundene Kolonnenform des Orthios lochos. — Nur den 
rechten Flügel stellte er also in der gewohnten linearen Hoplitenphalanx 
auf, den linken formirte er in einer Epagogo. welche 50 Mann Tiefe hatte 
(wahrscheinlich 0 Staffeln, 5 zu 8 Mann und eine zu 10 Mann Rottentiefei. 
Die letzte dieser Staffeln bildete die heilige Schaar des Pelopidas. Den 
linken Flügel der Kolonne deckte die Reiterei. 

De« Epameinondas Gelmer, ilor spartanische Feldherr Kleombrotos. rangirte sein Heer 
am Abhänge des Hügels, auf dem da« Lager stand, die Enomotien auf 3 Rotten, die Tiefe 
zu 12 Gliedern. Den rechten Flügel nahmen die Spartaner, den linken die Bundesgenossen 
ein; recht« und link« des Fussvolks war die Reiterei angeordnet. Nach vollzogener Auf- 
stellung rückte der König vom Abhang in die Ebene vor. Die Reiterei des rechten Flü- 
gels scheint dabei dem Fussvolk vorausgeeilt und geradeaus geblieben zu sein, während 
die Hopliten «ich rechts zogen. So kam die spartanische Kavallerie, statt den Flügel der 
Phalanx zu decken, vor die Front derselben zu stehn. Epameinondas benutzte diesen 

•) Diodor 15: 54-5«, 81. — Plutarch: Pelop. 23. Ages. 28. - Xenophon: Hellen. 
6; 4, 8 fT. — Polyaen 2; 3, 2; 15. — Frontin 2; 2. 4; 2. Vergl. „Epameinondas Sieg 
bei Leuktra" (Allg. Kriegsarchiv 1825 No. Iß.) und v. K ausler: Atlas der merkwürdigsten 
Schlachten und Belagerungen. 1. Lfrg. 1. Hft. Carlsruhe 1831 

9 



Moment sofort und Hess die Reiterei seines linken Flügels attakiren , während er selbst 
unmittelbar mit seiner Angriflskolonne folgte. 

Die boiotische Reiterei, viel gewandter a | 8 die lakedaimnnische, warf diese beim ersten 
Anprall und zwar wahrscheinlich auf den linken Flügel der lakcdaimonischen Moren, also 
ungefähr auf die Mitte des ganzen Heeres. Dadurch wurde natürlich diese Mitte am Vor- 
rücken gehindert, während beide Flügel frei blieben. Der rechte überflügelte die Augriffs- 
kolonne derThebäer; der linke, aus den Bundesgenossen gebildete, sah den rechten flachen 
Hoplitenflügel der Thebäer in seiner zurückgezogenen Haltung und fühlte sich durch diese 
zu beschleunigtem Vorgehen aufgefordert. Auf Bolche Weise entstand vermuthlich die 
halbmondförmige Stellung, welche Diodor den liakedaimoniern zuschreibt. 

Die linke Flanke der boiotischen Angriflskolonne war ursprünglich durch die Reiterei 
gedeckt gewesen ; durch ihr Vorgehen gegen die lakonische Kavallerie hatte jene Deckung 
aufgehört, und in der That schwenkte Kleombrotos, diesen Umstand benutzend, gegen die 
linke Flanke der Kolonne ein. Da brach Pelopidas an der Spitze der heiligen Schaar von 
der Queue her links heraus und bedroht« die rechte Flanke und den Rücken der Lake- 
daimonier. Ueberrascht durch ein so ganz unerhörtes Manöver, wollte Kleombrotos seinen 
rechten Flügel wieder zurücknehmen ; dabei riss jedoch Unordnung ein, und eben in die- 
sem gefährlichen Augenblick warf sich Epameinoudas auf die Front der Sjiartaner, deren 
Bewegung nun stockte. Da griff Pelopidas sie von Flanke und Rücken her an, und es entbrannte 
ein hartnäckiges Gefecht Mann gegen Mann. Die Lakedaimonier fochten anfangs mit alt- 
bewährter Tapferkeit; aber als die angesehensten Spartiaten und unter diesen der König 
selbst gefallen waren, wandten sie sich zur Flucht. Der linke, nur aus Bundesgenossen 
bestehende Flügel wurde sogleich mit fortgerissen. Im Lager sammelte sich das ge- 
geschlagene Heer. 

Die taktische Formation, welche Epameinondas hier bei Leuktra zum 
erstenmale angewendet hatte, ist nun die berühmte, vielgenannte schiefe 
Schlachtordnung, deren Kriterium wesentlich in der Unterscheidung 
von Offensiv- und Defensivflügel liegt und demnächst — dies aber erst in 
zweiter Reihe ! - in der Anordnung des Angriffsflügels in tiefer, oder, wie 
die Griechen sagen, aufrechter Form, bei Beibehaltung der flachen Stellung 
für den Defensivflügel. Der letztere wird in der Schlacht, wie man es heute 
nennen würde, „versagt"; während der erstere. auf den Durchbruch berechnet, 
unter allen Umständen vorwärts soll und deshalb auch in seiner linken 
Flanke zu schützen ist — sei es durch Reiterei und Leichtbewaffnete, sei 
es aus der Tiefe her durch vorzuziehende Theile der Kolonne selbst. Dient 
der rechte Flügel der Offensive, so heisst die schiefe Schluchtordnung die 
rechte, dij-m; greift der linke Flügel an, so heisst sie die linke, Aatä. 
Letzteres ist das taktische System des Epameinondas. Bei ihm stellt also 
der linke Flügel in seiner aufrechten (o(>!)ia) Form die Offensive, der rechte 
in flacher (nlayia) Form das Moment des Hinhaltens dar. **) — „Die Ansicht 
von der schiefen Schlachtordnung, als entstünde sie durch eine Schwenkung 
der ganzen Heerlinie um die äusserste Spitze des Defensivflügels, so das» 
nun die beiden Heere auf dem Offensivflügel unter einem spitzen Winkel 
zusammenträfen, die Phantasie von der Schwungkraft, welche die Kolonne 
durch die Schwenkung erhalten soll — alle diese Dinge haben weder Grund 
noch Boden." Sie sind aber lange Zeit Axiome der Kriegskunst gewesen, 

•) Arrianp. 63. Aelian c. 30. Suid. s. v. — (Jonf. Polyaen5; 16,2. Frontin2; 3p. 195. 
**) Arrian u. Aelian 1. c. 



- 131 - 



zumal im 17. und 18. Jahrhundert und stammen besonders von Folard her. 
„Man war eben damals", wie Rüstow sehr bezeichnend sagt, „dermassen in 
die Lineartaktik verraunt, dass man das einfache System des Epameinondas, 
seine Gefechtskolonne, gar nicht begreifen konnte und daher allerhand Ahen- 
teuerlichkeiten hinter ihr suchte. Nimmt man an, dass die griechischen 
Taktiker zur Zeit des Epameinondas nur halb so verrannt gewesen in die 
alte Taktik der Linear-Phalangen, so gewinnt man eine Vorstellung davon, 
wie hedeutungsvoll und gross der Fortschritt des Epameinondas war." 

Noch wichtiger und entscheidender für die Weiterentwickelung der 
griechischen Gefechtsweise als der Tag von Leuktra wurde der von M a n - 



Epameinondas hatte einen vergeblichen Versuch gemacht, sich der Stadt Sparta zu 
bemächtigen, und marschirte auf Mantineia, den Sammelplatz der zum Entsätze der la- 
konischen Hauptstadt heranrückenden Feinde. Diese trafen fast gleichzeitig mit ihm ein 
und ordneten sich, 20,000 Mann zu Fuss und 2000 Reiter, zur Schlacht. Die Thebauer 
waren um die Hälfte stärker als jene, und so erwartete man bestimmt ihren Angriff. Doch 
Epameinondas täuschte den Feind. Durch eine Linksbewegung in die Berge von Tegea 
entfernt«) er sich von ihm und traf Anstalten, als wolle er ein Lager beziehen. Die Pelo- 
ponnesier meinten nun, dass für heut keine Schlacht mehr zu erwarten stünde; sie lösten 
ihre Ordnung auf und die Reiter zäumten ab. — Das eben hatte Epameinondas gewollt; 
sofort rückte er wieder vor und zwar zum Angriff. 

Eilig und mühsam ordneten sich die Peloponnesicr aufs Neue. Den rechten Flügel 
der Hoplitenlinic hatten die Mantineicr: dann folgten links die übrigen Arkader, die La- 
kedaimonier, Eleer, Achaier und die anderen Bundesgenossen. Den linken Flügel nahmen 
6000 Athener ein. — Die Reiterei des rechten Flügels ward seltsamerweise sechs Manu 
hoch ohne Intervallen in einer kompakten Masse aufgestellt; es waren wol vorzugsweise 
Lakedaimonier, welche hoffen mochten, in solcher Verfassung den ihnen überlegenen boiti- 
tischen Reitern besser widerstehen zu können. Die attische Kavallerie, welcho kurz vorher 
ein glückliches Oefecht gehabt, hielt, siegesfroh und vermuthüch anders rangirt, auf dem 
linken Flügel. Hinter ihr befand sieh im zweiten Treffen die Reiterei der Eleer. Auf den 
äussersten Flügeln stand leichtes Fussvolk in geringer Stärke. 

In der Hoplitcnphalanx des Epameinondas hatten dicThebäer den linken Flügel, und zwar 
in tiefer Angriffskolonne. An sie schlössen sich rechts die Kontingente derjenigen Arkader, 
welche zur hoiotischen Partei hielten, die Euboier, Lokrer. Thessaler und auf dem rechten 
Flügel die Argeier. Alle diese Abtheilungen waren deployirt und hatten Befehl, sich wie 
bei Leuktra nur defensiv zu verhalten. Die Flanken der Hopliten waren rechts wie link* 
durch tiefe Reiterkolonnen gedeckt, denen Haufen leichten Fussvolks, Peltasten und Ha- 
roippen (Rossschnelle) beigegeben waren. Auf seinem rechten Flügel hatte Epameinondas 
dreimal so viel leichte Infanterie als der Feind. Um diesen aber noch entschiedener an 
einer Unterstützung seines rechten Flügels, dem der Hauptstoss galt, zu h indem, bedrohte 
er ihn durch eine Flankeustellung von Euboiern und Söldnern, welche auf dem äussersten 
rechten Flügel an den Hügelabhängen Stellung nahmen, die das Schlachtfeld begrenzten. 

Zuerst begann die boiotische Reiterei des rechten Flügels mit der attischen zu schar- 
muziren und warf diese endlich, unterstützt von den Hamippcn und Peltasten, zurück, 
ohne jedoch zu verfolgen ; denn der rechte Flügel sollte ja grundsätzlich zurückgehalten 
werden. Aber als die Boioter sich anschickten, auf ihren Platz in der Schlachtordnung 
zurückzukehren , bemerkten sie , dass die athenischen Hopliten Miene machten , sich zui 
Unterstützung des rechten Flügels zu wenden, auf den eben der entscheidende Angriff des 

») Xenophon: Hellen. 7; 5, 18 ff. - Diodor 17; *4. Vergl. Schäfer: Schlacht bei 
ilantinea. (Rhein. Museum N. F. 1847 p. 45.) Ferner: v. Kausler a.a.O. 1. Lfg. 1 Hft. 

9» 



tineia, 362 v. Chr.*) |I|. 




132 — 



Epameinondas beginnen mochte. Sogleich griffen die Bnioter-Reitcr die attischen HopUten 
an und bracliten sie in's Gedränge, aus dem die jedoch das Eingreifen der eleischen Kel- 
terei, die den Boiotern in den Rücken fiel, bald wieder befreite. Dadurch stellte sich der 
linke Flügel der Peloponnesier wieder ziemlich her. 

Inzwischen aber waren auf dem andern Flügel die Dinge entschieden. Hier hatte 
Epameinondas zuerst einen Hauptangriff mit seiner grossen Reiterkolonne gemacht und 
sich dann unmittelbar hinter demselben mit der Hoplitenepagoge auf die Phalanx der 
Lakedaimonier geworfen. Das best* Fussvolk von Hellas stand hier im Kampf, und es 
Gast sich denken, dass dieser heiss ward. Die Spiesse zerbrachen ; man gnff zu den 
Schwertern. Endlich begannen die Lakonen zu weichen ; der Sieg der Thebiier war ent- 
schieden. — Da traf den Epameinondas ein Wurfspiess und er wurde, zu Tode ver- 
wundet, aus dem Getümmel getragen. Damit gingen die Erfolge meist wieder verloren. 
Eine Zeit lang bleiben die Thobaner zwar noch im Vorgehn; aber als sich die Nachricht 
vom Geschick des Feldherrn verbreitet, fühlt das Heer sich rathlos: die Verfolgung stockt ; 
die Feinde sammeln sich und den Athenern gelingt es sogar, den euboiischen Leichtbe- 
waffneten und den Söldnern des aussenden rechten Flügels ein glückliches Gefecht zu liefern. 

Auf dem Hügel, auf den man den Epameinondas getragen, erwachte der Sehwerver- 
wundete noch einmal zu vollem Bewusstsein und freute sich, als ihm sein Schild, der ihm 
im Handgemenge entsunken war, von treuen Gefährten gebracht wurde. Er vernahm noch 
die Botschaft des Sieges, und als die Umstehenden klagten, dass er kinderlos dahinscheide, 
soll er erwidert haben: „Ich hinterlasse euch zwei unsterbliche Töchter, die Schlachten 
von Leuktra und Mantineia!" Dann sprach er: ,.Es ist Zeit zu sterben," zog die Speer- 
spitze aus der Brust und verschied. 

Das S}'stem der Schlachten taktik, wie es Epameinondas ent- 
wickelt uijd hei Leuktra und Mantineia zur Darstellung gebracht hatte, diese 
berühmte „schiefe Schlachtordnung", welche so oft als ein Arkanum des 
Sieges gepriesen worden ist. war die vollendete Ausgestaltung der im grie- 
chischen Kriegswesen von je an gelegenen Keime. — Die Stärke der Weiter- 
entwickelung der Phalanx durch Epameinondas liegt ehen darin, dass sie so 
ganz, im Sinne und im Wesen des eigentlichen Elementes der Phalanx er- 
folgt, d. h. im Sinne des Stosses. Denn der Stoss ist es, der gesteigert 
wird erstens durch die örtliche Zusammenfassung der Kolonnenlinie zur 
wirklichen Kolonne und zweitens durch die Verwandlung des frontalen in 
den tangentialen Angriff. Allerdings waren ja auch vor Epameinondas schon 
alle Hellenenschlachten mit wenigen Ausnahmen Flügelschlachten gewesen; 
aher nicht minder hatten sie alle eine ursprünglich frontale Konception 
und entwickelten sich zur Flügelschlacht erst durch die Art des Vorgehens. 
Epameinondas dagegen fasst von vornherein lediglich die Wirkung auf einen 
Flügel in's Auge; hier und nur hier setzt er den Hebel an, um die feind- 
liche Stellung aus den Angeln zu heben, und während man vor ihm, in halb 
instinktivem Rechtsziehen denjenigen Flügel angegriffen hatte . der für den 
schwächeren galt, so entschied sich Epameinondas für den Angriff auf den 
stärkeren Flügel des Gegners, und um noch stärker zu sein als dieser, 
wird der Ehrenplatz seiner Schlachtordnung der linke Flügel ; hier stellt er 
seine besten Truppen auf und hier wendet er die Kolonnenforntation an, um 
des Durchbruchs sicher zu sein. — Die Phalanx, ursprünglich mehr auf das 
A h stossen als auf das Z u stossen berechnet, wird durch die Thebaner auf 
die Höhe der Offensivkraft gehoben. 



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In der Formation also wie in der Verwendung der Waffen zieht Epa- 
meinondas die Summe dessen, was, langsam gereift, zuletzt durch Xenophon 
und Iphikrates Gestalt gewonnen hatte. Aber Einen Schritt lässt auch er 
noch übrig: die Verbindung der Waffen ist auch bei ihm nicht organisch. — 
Noch steht Reiterei wesentlich gegen Reiterei ; das Schwergewicht der 
Schlacht liegt, auch hinsichtlich der Offensive, noch durchaus auf den 
Hopliten ; das taktische System des Epameinondas ist sogar möglich ohne 
Kavallerie und ohne Leichtbewaffnete. Die verschiedene Formation der 
beiden Flügel spricht sich nur in der Verschiedenheit der Gruppirung des 
schweren Fussvolks aus, nicht etwa in einer nach den Waffen verschieden- 
artigen Zusammensetzung. — Der Schritt, welcher noch zu thun blieb, war 
der, die beiden Flügel nicht nur verschieden zu formiren, sondern ver- 
schieden zu organisiren. d. h. ihren Kern aus verschiedenen Waffen- 
gattungen zusammenzusetzen. Diesen Schritt thaten die Makedonien 

Das Heer, mit welchem Alexander d. Gr. nach Asien zog, bestand 
aus seinen eigenen Unterthanen , aus Bundesgenossen und aus Söldnern.*) 
Einen ganz eigenen, von jeder bisher aufgetretenen griechischen Streitmacht 
unterschiedenen Charakter gab diesem Heere die Stärke und die Bedeutung 
seiner Kavallerie. — Unter den schweren Reitern, inntig, stehen an 
erster Stelle die 8 Ben der makedonischen Hetairen, oi 'rnntig növ hatgon -, 
im ersten Feldzuge 1200 bis 2000 Pferde. Etwas schwächer war wol die 
thessalische Ritterschaft und noch geringer die Zahl der hellenischen Bundes- 
genossen, welche Ritterdienst thaten, ar^ftaxoi häufig. (Ueber die Ausrüstung 
und Fechtweise vergl. S. 107, 108.) — Von leichten Reitern, jigodgoftot, 
hatte Alexander die Sarisophoren (S. 108), die Paionen und die odrysischen 
Thraker des Agathon.**) Im Ganzen mochte die Kavallerie 5000 Pferde 
zählen. — An schwerem Fussvolk verfügte Alexander in jeder der drei 
grossen Schlachten: am Granikos, bei Tssos und bei Gaugamela. über 6 
Taxen (Phalangen), welche aus den mit der Sarisa bewaffneten Hopliten 
bestanden (S. 100). Es bleibt fraglich, ob diese fi Hoplitentaxen abtheilungs- 
( lochen-) weise aus makedonischen ir&ratQoi und hellenischen £Aw gemischt, 
waren: oder ob 3 Taxen nur aus Pezetairen und 3 andere nur aus Söldnern 
gebildet waren. — Ausser den Hopliten gehörte zum Linienfussvolke die 
Mi ttel in fanter ie. nämlich die wahrscheinlich durchweg makedonischen 
Hypaspisten (S. 100) sowie die thrakischen und bundesgenössischen Peltasten 
(S. 100). — Zum leichten Fussvolke endlich, zu den ipi).o( oder yiifjvof, 
zählten die Akontisten ohne Schild (Agrianer). die Bogenschützen (S. 101) 
und die Schleuderer (S. 102). — Im Ganzen wird sich die Stärke des Fuss- 
volks auf 30,000 Mann belaufen haben. 

*) Die Angaben über die Hcereszusammensptzung nach Proysen: Alexander d. Gr 
Armee. (Hermes XII. 1877.) 

**) Bogenschützen, i^oroi6rm, und Akontisten zu Pferd hat Alexander erst seit d. .1. 
32» in seinem Heere. 



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- 184 — 



Das Wort Phalanx bedeutet bei Arrian viererlei: 1) die gesammte 
Schlachtordnung des Heeres (III 12, 1 ; I 28. 3) — 2) das gesammte Linien- 
fussvolk (III 11. 9) — 3) die Hopliten in Gefechtsformation, gleichgiltig ob 
in breiter Front oder in Kolonne (I 13. 1) und 4) jede einzelne Taxis der 
Hopliten (I 14, 2) — Das Gemeinsame aller dieser Wortanwendungen ist 
die Aufstellung zum Gefecht: die Phalanx ist also der formirte Schlacht- 
haufen und zwar wesentlich der derHopliten. 

Arrian zufolge stand die Phalanx 16 Mann hoch; eine Rotte bezeich- 
net er als Lochos; 4 Rotten nennt er eine Tetrarchie, 4 Tetrarchien ein 
Syntagma oder eine Xenagie: 4 Syntagmen . also 1024 Mann, bildeten eine 
Chiliarchie, 4 Chiliarchien eine Phalangarchie oder Taxis. — Fronteinthei- 
lung und Rottenzahl einer makedonischen Chiliarchie entsprachen durch- 
aus denen eines lakedaimonischen Lochos: die Tetrarchie entspricht der 
Rnomotie, das Syntagma der Pentekostys. Die Chiliarchie war das Bataillon 
des makedonischen Fussvolks wie der Lochos das der Lakedaimonier. 

Vier Rotten neben einander, also eine Tetrarchie, marschieren auch 
auf schmaleren Wegen noch bequem neben einander; die Syntagmen front 
von 16 Mann erlaubt noch das Abschwenken aus der Linie in die Marsch- 
kolonne und ist noch schmal genug für Kolonnenwege. 

Das Syntagma erscheint als administrative und taktische Einheit im 
Sinne unsrer heutigen Kompagnien, denen ja auch die Stärke von 256 Mann 
entspricht. Darum hat nach Arrian das Syntagma auch 5 Ueberzählige : 
einen Fähnrich, einen Schliessenden , der wol Feldwebeldienste that, einen 
Hornisten, einen Ausrufer und einen Boten.*) 

Die Aufstellungstiefe, welche, wie erwähnt, normal 16 Mann war, hat 
sicherlich nach Umständen auch weniger betragen; denn man wird immer 
lieber die Tiefe als die Frontlänge der Chiliarchie verkürzt haben. Und so 
wenig die Rottentiefe als absolut feststehend angenommen werden darf, eben- 
so wonig ist die Anzahl der Chiliarchien innerhalb der Taxis unabänderlich 
vier. Sie wechselt gelegentlich von drei bis sechs. 

Die Hoplitenphalanx Alexander's dient nun ganz wesentlich defensiven 
Zwecken. Sie bildet das compakte Mittelstück, die piece de resistance der 
gesammten Heeresschlachtordnung; sie sichert Flanke und Rücken des An- 
griffsflügels; sie droht, zuzuschlagen; sie kann es auch gelegentlich thnn, 
wenn die Umstände dazu nöthigen oder herausfordern; aber die Gesammt- 
intention der Alexanderschlachten ist darauf nicht gerichtet. Ein Blick auf 
die Schlachtordnungen vom Granikos, von Isros und von Gaugamela [II 1. 
2, 8] zeigt „die Truppen der Aktion", die Reiter, die Hypaspisten und 
Peltasten, sowie das leichte Fussvolk stets auf den Flügeln, den besten 
Kern aber, die makedonische Ritterschaft, stets auf dem rechten ; denn dies 
ist der A n gri f fsfl ü^el Alexander's. Seine Taktik, so lange dieselbe, 
unbeeinflusst durch die Bedingnisse des orientalischen Schauplatzes, als 

*) Noch hei «lern byzant Rainer L eo, dem Taktiker (900 n. Chr.), lebt die Erinnerung 
an da» au« 1« mal 1« Manu bestehende Syntagma, da» er „Tagma" nennt. 



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— 136 — 



eigentlich hellenische bezeichnet werden kann, ist die bcwusste Entwickelung 
des Systems des Epameinondas ; Alexander geht Uber dasselbe hinaus, in- 
dem er den Offensivflügel nicht nur wie der grosse Thebancr formal und 
quantitativ bevorzugt, sondern ihn qualitativ und organisch durch die 
waffen weise Zusammensetzung von dem übrigen Heere unterscheidet. 
— Dass der makedonische Angriffstlügel im Gegensatze zum boiotischen der 
rechte ist, fällt sachlich gar nicht in's Gewicht. Epameinondas griff mit 
dem linken Flügel an. weil er den Feind bei seiner Stärke packen wollte, 
und diese bei den rein griechischen Gegnern, die er hatte, stets deren rechter 
Flügel war; Alexander bekämpfte einen Feind, dem gegenüber jene Rücksicht 
fortfiel, und er konnte deshalb zu dem althergebrachten Verhalten der Helle- 
nen, den rechten Flügel als Ehrenplatz der Schlachtordnung auszustatten, 
ohne Schaden zurückkehren. — Sein Gefecht ist das der organisch ver- 
bundenen Waffen, und in diesem kommt, der Natur der Dinge nach, der 
Reiterei die Offensive in erster Reihe zu. Er unterstützt aber seine 
Kavallerie in der wirkungsvollsten Weise durch leichte Infanterie und zwar 
durch eine solche, die in den Hypaspisten einen festen Kern besitzt, einen 
Kern, der nach Herkunft wie Ausbildung Elite ist und seiner Bewaffnung 
nach gestattet, zerstreut wie geschlossen zu fechten. 

.,Die leichte Infanterie des äussersten rechten Flügels leitet den 
Kampf ein. indem sie sich vor die Linie zieht und ihre Geschosse in den 
Feind sendet. Bald bietet dieser, irregeführt durch die einleitenden Be- 
wegungen der Makedonier, dem geschlossenen Angriff eine Lücke; diesen 
Moment ergreift nun Alexander, um an der Spitze der geschlossenen Ge- 
schwader der makedonischen Ritterschaft, welche bald aus der Mitte, bald 
vom rechten Flügel in Echellons abmarschirt vortraben, den Hauptangriff zu 
machen. Dem linken Flügel der Ritterschaft schliessen sich die Hypaspisten 
an und decken diese Flanke des Hauptangriffs, wie Agrianer und Bogen- 
schützen die rechte, um endlich mit den feindlichen Truppen, welche die 
Reiterei auseinandergesprengt, vollends ein Ende zu machen. — Das seh wer e 
Fuss volk rückt taxenweise nach, bemüht, die geschlossen»' Linie zu er- 
halten , so dass vom rechten Flügel der makedonischen Ritterschaft ab, 
welche bereits mit dem Feinde handgemein ist, über die Hypaspisten hinweg, 
die alsbald mit in's Handgemenge kommen, bis zur letzten Taxis der Hop- 
liten die ganze Schlachtordnung in schräger Richtung gegen die feindliche 
Linie steht, mit dem rechten Flügel sie schon durchschneidend, mit dem 
linken weit entfernt von ihr. Ein so schwieriges Verhalten ermöglicht ihr die 
stete Deckung der eigenen linken Flanke durch die thessalischeReiterei, 
welche, gewandter als die makedonische Kitterschaft zu solchem Zwecke ge- 
eigneter schien als jene, deren eigentliche Bestimmung immer der Chok in ge- 
schlossenen Gliedern ist. Die griechische schwere Bundesgenossenreiterei 
bildet zunächst dem schweren Linienfussvolk eine Reserve für die Thessaler, 
so dass diese nach Bedarf hierhin und dorthin schlagen können, ohne dass 
dadurch die linke Flanke der Hopliten ganz von Reiterei entblösst würde. 
t— Die leichte Reiterei uud das leichte Fussvolk haben, mit Ausnahme der 



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136 — 



Agrianer und Bogenschützen , keine so feste Stelle in der Schlachtordnung, 
als die ehen angeführten Ahtheilungeu, nur dass Päonier und Sarisophoren 
sich stets in der Nähe der makedonischen Ritterschaft befinden. 

So das taktische System Alexanders in den rangirten Schlachten der 
vier ersten Feldzüge in Asien."*) 

AI» Alexander i. J. H34 den Boden Amen» betrat, koneentrirten die persischen Satrapen 
der bedrohten Länder ihre Streitkräfte hinter dem Granikos. welcher von den Bergen 
Phrygiens der Proponti* zueilt**) [III]. Den kleinen Flu»« vor der Front hielten in erster 
Linie 20,000 nationale Reiter; in zweiter Reihe auf dem ansteigenden Thalrande stand 
da« Fussvolk . darunter 20,000 griechische Söldner. — Alexander rückte gegen diese Stel- 
lung in 4 Kolonnen an: rechts die makedonische Kitterschaft und die leichten Pferde der 
Paionier, weiter links die Bogenschützen, Hypaspisten und einige Taxen Hopliten. daneben 
der Rest der Phalangiten, links endlich die Thessaler und die hellenischen Reiter. Die 
Trains folgten als zweite Staffel, geleitet von dem thrakischen Fussvolk. — Die Avantgarde 
der Makedonier (die Sarisophoren nebst 500 Mann leichter Infanterie) erkundete die Auf- 
stellung der Perser und meldete an Alexander. Sofort lies« dieser die Kolonnen auf- 
marschiren und zog die Avantgarde ein. Den Befehl des rechten Flügels übernahm er 
persönlich; den des linken übertrug er dem Parmenion [II 1 und III). 

Die Schlacht begann, indem die Sarisophoren und Paionier mit einer Abtheilung Hy- 
paspisten den Fluss überschritten und gegen den linken Flügel des Feindes vorgingen. 
Vergeblich versuchte dieser, mit Wurfgeschossen den l'ehergang zu hindern, und verstärkte 
nun eilig seinen linken Flügel. Während der Bewegungen dazu brach Alexander an der 
Spitze den makedonischen Ritterschaft, rechts gefolgt von den Agrianern und Bognern, 
halblinks aus der Schlachtordnung heraus und setzte über den Fluss. indessen gleichzeitig 
die Hypaspisten gradeaus vorrückten. Die Ritterschaft führte ihre Vorwärtsbewegung in 
einer links gestaffelten Linie aus, damit ihr die Perser nicht mit Uebermacht auf ihre 
schwache Spitze fielen. 

Der Uebergang konnte nicht, so schnell geschehn , dass nicht die zuerst hinüberge- 
worfenen Truppen bereits ausser Gefecht gesetzt gewesen wären ; nur schwache Reste der- 
selben vermochten, sich zu Alexander zu retten. Dieser wirft sich nun sofort mit seinen 
Rittern auf die persische Kavallerie. Die Beschränktheit des Raumes gibt dem Reiter- 
kampf einen ganz eigenthümlichen Charakter; eine Staffel nach der andern greift ein. wie 
sie eben den Fluss überschritten hat ; hartnäckig und stehend stopft sich das Gefecht, dem 
indessen das geschickte Eingreifen der Agrianer und griechischen Bogner mehr und mehr 
einen den makedonischen Rittern günstigen Verlauf gibt, und endlich gelingt, es Alexander, 
das Centnira der persischen Reiterei zu durchbrechen. Diese ergreift die Flucht, 

Unterdessen hat auch das gesammte Linicnfussvolk der Makedonier sowie die Reiterei 
des linken Flügels den Granikos überschritten und Alexanders ganzes Heer Bieht sich nun 
der Phalanx der griechischen Söldner gegenüber, die dem bisherigen Kampfe thatlos bei- 
gewohnt. Gegen ihre Front avanciren jetzt die Phalangiten und Hypaspisten; die make- 
donische Ritterschaft, die Paionier und Sarisophoren werfen sich auf ihre linke Flanke, die 
thessalischcn und hellenischen Hippeis sowie die Thraker auf den rechten Flügel, und 
diesem Ansturm erliegen die Söldner schnell. 10,00t) sollen niedergemacht, 20(10 gefangen, 
der Rest mit den Asiaten gellohen »ein. Die persische Reiterei verlor 1000 bis 2000 Mann. 
— Alexander soll wenig mehr als 100 Manu eingebüsst haben . darunter 25 makedonische 
Ritter. Einigermassen erklärt sich dieser ungeheuere Unterschied, wenn man erwägt, dass 
im Alterthum der Hauptverlust noch mehr als in späterer Zeit auf Flucht und Verfolgung 
der Besiegten fällt, 

*) Rüstow und Köchly a. a. O. 

**) Arrian: Anab. 1; 13-16. -- Plutarch. Alex. 16. — Diodor 17; 19 21. — 
Vergl. AU* Kriegsarchiv 1825 No. 40. Das Schlachtfeld am Granikos. (Globus XXI. Bd.) 



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Auch bei Issos (338 v. Chr.)*) entwickelte sich die Schlachtordnung 
der Makedonier [II 2] unmittelbar aus der Anmarschordnung, sehr ähnlich 
wie am Granikos; nur dass Alexander einem persischen Korps von 20,000 M., 
welches seinen rechten Flügel bedrohte, eine kleine, aus makedonischen 
Rittern und leichten Truppen gebildete Abtheilung von 1300 M. gegenüber- 
stellte, welche genügte, um die Bewegung des Angriffsflügels vor einem 
Flankenstosse zu sichern. — Wie die Schlacht am Granikos ist nämlich 
auch die von Issos eine reine Flügelschlacht im Sinne des Epameinondas; 
an beiden Orten aber fällt die Hauptaufgabe der Offensive der schweren 
Reiterei zu, die zunächst von leichtem Fussvolke unterstützt wird. So schlug 
Alexander mit 28,000 ein Heer von 600.000 Mann. 

Den gewaltigsten Erfolg errang der grosse Makedonier jedoch bei Gau- 
gamela. 1 '"'') 

Im Juli 981 hatte Alexander Ihm Thapsakos den Euphrat überschritten. — Die per- 
sischen Reiter, die das jenseitige Ufer bewachten, zogen sich bei seiner Annäheruni; zurück, 
um sich dem grossen Heere zu verbinden, welches inzwischen Darjawusch aus den öst- 
lichen Theilen seines Reiches gesammelt und am linken Ufer de« Tigris, nahe der Stätte, 
wo einst die Weltstadt Ninive gestanden, aufgestellt hatte. 

Unwürdig waren die Gegner einander nicht, die jetzt dem Entscheidungskampf ent- 
gegengingen. Darjawusch hatte die streitbarsten Völkerschaften der östlichen Gebirgslandc 
Aufgeboten. Perser. Meder, Kaukasier. Baktrcr, Iraner, Armenier und Inder sowie die 
Bewohner der babylonischen Ebenen bildeten ein Heer, welches Arrian auf 1 Million 
Streiter und 40,000 Pferde berechnet. 

In der Ebene zwischen Ninive und Gaugamela lagerte das Reichsheer mit der Front 
nach Nordwesten. Weite Strecken des Kampfplatzes hatte Darjawusch einebenen lassen, 
um den Boden für seine Reiterei und insbesondere für die Sichelwagen so brauchbar als 
möglich zu machen; andere Strecken vor der Front waren im Gegensatz dazu durch 
Wolfsgruben und Stacheleisen unzugänglich gemacht. 

Am vierten Tage, nachdem Alexander ungehindert den Tigris überschritten, zeigten 
sich ihm feindliche Reiter; einige wurden gefangen. Von ihnen erhielt er die ersten Nach- 
richten über die Aufstellung und Stärke des Gegners. 

Etwa IV, Heilen vom persischen Heere entfernt, schlug Alexander sein Lager auf und 
verwendete gegen seine Gewohnheit vier Tage auf sorgfältige Verschanzung desselben; 
denn hier sollte das Gepäck, sollten die Kranken zurückbleiben. — In der fünften Nacht 
zwischen 10 und 11 Uhr Hess er die Truppen antreten und rückte in Schlachtordnung 
gegen (iaugaraela vor. Die Perser erhielten bald Kunde von diesem Anmarsch und traten 
ebenfalls unter die Waffen. Auf dem letzten Hügelkamm vor der Ebene, etwa 30 Stadien 
vor der feindlichen Front, machte Alexander Halt und berief einen Kriegsrath, in dem 
entschieden werden sollte, ob es zweckmässiger sei, den Feind sofort anzugreifen, um ihn 
vielleicht noch während der Anordnung zu überraschen, oder ob man erst das Schlachtfeld 
rekognosciren solle. Auf die Nachricht von dem Vorhandensein der vielen Wolfsgruben 
und Fnasangeln und auf den Rath des Parmenion entschloss man sich, zu kundschaften, 
und Alexander selbst führte die Aufklärung an der Spitze seiner Hotairoi und einiger 
leichter Infanterie aus, während das Oros, von dem Hiigelriicken verborgen, lagerte. 
Zurückgekehrt gab der König Befehl zum Vorrücken. 



*) Arrian2; 7—11. — Diodor 17; 33-36. Cur t. 3; R 11. Just. 11; 9. 

*♦) Arrian 3; 9- lß. -Diodor 17; 56-61. — Plut: Alex. 32, 33.-Curt. 4; 12-16. 
— Just. 11; 13, 14. — Polyaen. 4; 3, 17. — Vergl. „Topograph. Erläuterungen über das 
Schlachtfeld von Gaugamela" in Cerniks „Expedition durch die Gebiete des Euphrat u. 
Tigris. (Ergänzungshft. No. 45 zu Petermann's geogr. Mittheilungen. Gotha 1876.) MitKarte. 




138 



Es int ein Hauptuntf rschied zwischen asiatischer und hellenischer Schlachtordnung, 
das* bei jener die Mitte, bei letzterer die Flügel den Ehrenplatz bildeten. Darjäwusch 
mit dem königlichen Geschwader hielt in der Mitte seines Heeres. Um ihn her waren 
im Centrum die persischen Doryphoren aufmarschirt sowie die griechischen Söldner , per- 
sischen Reiter, Inder und Karer. Dahinter standen als Reserven die Babylonier und andere 
Asiaten; vor die Front des Centrums vorgeschoben war aber ein Geschwader von 50 
Sichelwagen und eine Reihe von Elefanten. — Die Flügel des ungeheueren Heeres zeigten 
die volle Buntheit des persischen Völkergemisches. Vor beiden hielten Sichelwagen, rechts 
50, links 100 [IV f], jene von armenischen und kappadokiw.hen, diese von baktrischen und 
^kythischen Reitern | IV a, b] gedeckt. Wie tief auch immer die Aufstellung der Perser 
sein mochte: bei der ungeheueren Stärke des Heeres muss die Front doch an 1';, Meilen 
'*"g gewesen sein. 

Alexander's Armee ward in 2 Treffen formirt [II 8 und IV o|. Den rechten Flügel 
befehligte der König selbst , den linken Parmenion. Im ersten Treffen standen 30,500 M. 
z. F. und 4200 schwere Pferde, im zweiten Treffen 10,000 M. z. F. und 2800 Pferde; im 
(4anzen zählte das Heer 40,500 M. Infanterie und 7000 Reiter. Alexander war also kaum 
ein Zwanzigstel so stark wie der Feind. Er bcschloss daher, seine ganze Streitmacht im 
Sinne einer grossen Angriffskolonnc auf die linke Flanke der Perser zu werfen. - Als er 
den Kamm der Höhe überschritt, hinter dem das Heer bis dahin geruht, befand sich sein 
rechter Flügel ungefähr dem Centrom des Darjäwusch gegenüber. Er zog sich min in 
Staffeln halbrecht«, das leichte Fussvolk des rechten Flügels an der Spitze. 

Als Darjäwusch den Zweck dieser Bewegung erkannte, befahl er, seinen linken Flügel 
nach halblinks hin auszudehnen , um den Flankenangriff durch eine Ueberflügelung zu 
beantworten. 

Inzwischen näherte sich Alexander der Stelle, welche für den Gebrauch der Sichel- 
wagen eingeebnet war, und um ihn dort festzuhalten, erhielten die skythischen Reiter des 
linken Vorflügels [b] Befehl, gegen die rechte Flanke und den Rücken der Makcdonicr 
vorzutraben. Diesem Anprall begegnete Alexander sofort durch die leichte Reiterei seines 
rechten Reserveflügels |m ■]. Ihrem Gegenstosse weicht der Feind. Nun verstärkt Dar- 
jäwusch seinen Angriff durch die baktrische Kavallerie [a] des Vor-Flügels, und jetzt kommt 
das Gefecht zum Stehn. Die leichten Söldnerreiter und Paionier Alexander« leiden 
empfindlich; aber sie halten sieh und hindern die Gegner, den Rücken des ersten make- 
donischen Treffens zu beunruhigen, indem sie ihre Angriffe geschwaderweisc immer aufs 
Neue wiederholen. 

Alexander bleibt inzwischen in stetem Vorgehn, und nun lassen die Perser die Sichel- 
wagen des linken Flügels gegen ihn los. Da werfen sich die Speerschützen des Balakro* 
und die Agrianer vor die Front der Ritterschaft, tödten und verwunden die Wagenlenker 
und machen die Rosse scheu; die kompakte Masse der Streitwagen ist gelockert. Die 
Reihen der Hypaspisten und Hopliten des rechten makedonischen Flügels öffnen sich, lassen 
die vereinzelten, nun fast unschädlichen Fahrzeuge hindurchbrausen und schliessen sich 
hinter ihnen wieder. Diener und Reitknechte des Königs und der Ritter nehmen hinter 
der Front die lenkcrlosen Wagen in Empfang. 

Nunmehr nähern sich die makedonischen Hippeis dem linken Flügel der Perser, der 
sein Ueberflügelungsmanöver in Folge der geschilderten Kämpfe unterbrochen hat. Dar- 
jäwusch lasst dasselbe wieder aufnehmen, indem er der gesammten Reiterei des linken 
Flügels seines Haupttreffens Befehl gibt , gegen Flanke und Rücken der makedonischen 
Ritter einzuschwenken [V cc]. Die arachosischen und dahischen Geschwader folgen 
diesem Befehl mit grosser Schnelligkeit; das neben ihnen stehende Kussvolk aber vermag 
sich nicht mit entsprechender Geschwindigkeit linkshin auszudehnen; es entsteht eine 
Lücke und in diese wirft sich Alexander, schnell erkennend und schnell entschlossen, mit 
der Ritterschaft, die in doppelten Staffeln abbricht, muthvoll hinein [V A]. Dieses kühne 
Vorgehen wirkt wie der Stoss eines zweischneidigen Schwertes: er greift das persische 
Fussvolk in der Flanke an und bedroht zugleich den Rücken der abgeschwenkten Arachosier. 



Und während nun die Ritterschaft das persische Fussvolk in der linken Flanke nimmt, 




- 189 - 



wird dies von den Hypaspistcn und vier Phalangitentaxen in der Front angepackt. Bald 
ist hier der Sieg für Alexander entschieden, und auch die Reiterumgehung der Perser 
scheitert an der aufmerksamen Entschlossenheit der Sarisophoren. 

Da« Gefecht des linken makedonischen Flügels war minder glücklich. 

Wahrscheinlich vermochte in Folge des beschleunigten Rechtsziehens Alexander's die 
Hoplitenlinie nicht fest geschlossen zu bleiben. Zwischen der vierten und fünften Taxis 
etwa dürfte sich eine Lücke ergeben haben. Das forderte die im Centrum des Feindes 
stehende vorzügliche persische und indische Kavallerie zur Attacke heraus. Wirklich 
durchbrachen diese Reiter die Phalangen ; aber statt auf die Truppen warfen sie sich nun 
auf das dem makedonischen Heere in einiger Entfernung folgende Gepäck. Es war nur 
der kleine, unmittelbar zur Armee gehörige Train; denn die grosse Bagage war ja im 
Lager zurückgeblieben; dennoch reizte das Objekt die Beutegierde der Barbaren. Doch 
auch auf Parmenion's Seite wurde jetzt ein Fehler gemacht: die Thraker des zweiten 
Treffens nämlich, statt die im Haupttreffen entstandene Lücke zu schliessen, wandten sich 
gegen die Plünderer, machten also kehrt. — Dadurch waren die beiden Flügel des make- 
donischen Heeres völlig von einander getrennt, und nun gingen die Reitermassen des 
rechten persischen Vorflügels, die Armenier und Kappadokicr, gegen die Thessaler vor. 

Parmenion befand sich in misslicher Lage und bat Alexander dringend um Unter- 
stützung. Der König erhielt diese Meldung, als er eben die Verfolgung des geschlagenen 
rechten Flügels der Perser begonnen hatte. Er unterbrach sie sofort und wandte sich 
links. Es kostete aber viel Zeit, von der Stolle zu kommen ; denn man traf auf gewaltige 
zurückgehende Rciterkolonnen des Feindes, durch die sich durchschlagen war, und als 
der Sieger endlich in die Höhe seines linken Flügels kam, fand er die Dingo schon ge- 
schlichtet: die Thessaler hatten den Reitersturm der Armenier und Kappadokier abgewiesen. 

Während nun Parmenion das Lager von Gaugamela plünderte, trat Alexander mit der 
Reiterei seines rechten Flügels die unterbrochene Verfolgung aufs Neue an. 

Die Schlacht von Gaugamela ist eine der glorreichsten der Weltgeschichte. 
Taktisch ist sie von Seiten Alexander's eine ausgesprochene Flügelschlacht. 
Der Offen8ivflügel wirkt wie hei Issos durch die Verbindung schwerer Rei- 
terei mit leichtem Fussvolk; er schützt sich durch das zweite Treffen, 
welches aus der Tiefe vorgeht. Wahrhaft bewunderungswürdig ist der Mo- 
ment, da Alexander seine Ritterschaft in doppelten Staffeln zum Keil 
formirt und mit ihr einbricht! 

Ein Vergleich der drei grossen Alexanderschlachten zeigt, wie voll- 
kommen irrthümlich die Meinung Derer ist, welche in der Hoplitenphalanx 
das entscheidende Element des makedonischen Heeres erblicken wollen. 
Mit dieser allein ohne seinen eigentümlich organisirten Offensivflügel hat 
Alexander niemals geschlagen, während er unter Umständen, z. B. am Hy- 
daspes, geradezu auf ihre Mitwirkung verzichtete. Dennoch haben schon 
manche seiner Zeitgenossen, namentlich die Theoretiker, die Sachlage mis- 
verstanden. Sie sahen, dass die Phalanx die Masse des makedonischen Heeres 
ausmache, und sie verwechselten, wie das so oft geschieht, die Masse mit 
dem Kern. — Dieser Umstand war daran Schuld, dass nach Alexander's 
Tode nicht nur sein Reich, sondern bald genug auch seine Taktik in Verfall 
gerieth. 

Zwar in der formellen Anordnung der Reiterei und des Linienfussvolkes 
erkennt man auch während der Diadochenkriege deutlich das Vorbild 
Alexanders. Aber die leichte Infanterie verliert ihren offensiven Charakter, 
indem sie von der Reiterei, sie verliert ihre vermittelnde Aufgabe, indem sie 




140 — 



von den Hopliten abgelöst und den Elefanten zugewiesen wird, die seit dem 
indischen Feldzuge Alexanders im makedonischen Heere aufgetaucht waren. 
Dies aber zerstörte den Organismus und die Harmonie der Schlachtordnung 
durchaus und kennzeichnet sich als ein Schritt rückwärts zum Barbarenthum. 

Das Haupttreffen [VI] besteht jetzt im Centrum [o] lediglich aus Linien- 
fussvolk : Phalangiten und Pcltasten , auf den Flügeln nur aus Reiterei. 
Elefanten und Schützen bilden davor oder daneben eine gesonderte Masse. — 
Der eine der beiden Reiterflügel ist stets Offensivflügel [0]. der andere De- 
fensivflügel [!>]; aber nicht mehr nach fester Norm; sondern die Aufgabe 
wechselt nach den Umständen, wie das bei der Gleichartigkeit der Verhält- 
nisse in den Diadochenheeren natürlich erscheint War die eigene leichte 
Reiterei an Masse und Geschick der des Feindes überlegen, war der Feld- 
herr eine selbständige kühne Natur, so setzte man Defensive gegen Offensive ; 
denn man konnte dann hoffen, zuerst mit dem eigenen Angriffsflügel des 
Feindes defensiven aus dem Felde zu schlagen und dann mit der Reiterei 
doch noch zu rechter Zeit zu kommen, um den feindlichen Offensivflügel zu 
besiegen, wenn er im Kampfe mit dem Vertheidigungsflügel ermüdet war. — 
Je weniger dagegen das Uebergewicht an Reiterei hervortrat, je mehr sich 
ein Feldherr der Defensive zuneigte, desto lieber stellte man Offensive gegen 
Offensive, um den ersten Ansturm sicher abzuweisen und von der Gunst der 
Umstände, vielleicht vom Eingreifen der Elefanten, Vortheil zu ziehn. — 
Im Offen si v flü gel [0| unterscheidet man zwei Flanken, eine innere ja] 
zunächst dem Fussvolke, und eine äussere [b], — Die innere Flanke 
wird lediglich aus schwerer Reiterei gebildet; der äusseren wird auch 
leichte Kavallerie beigegeben, und sie besteht, da sie einer gewissen Selb- 
ständigkeit bedarf, aus der Elite des Heeres. Die äussere Flanke gliedert 
sich wieder in die eigentliche Offeusivflanke, n'/xtytfxfv/MXfg \y\. in das Vor- 
treffen. nQotayna \ß\ und in die Flügelreserve [a\. Zuweilen kommen auch 
noch seitwärts vorgeschobene Trupps vor [d[. - Wenn man Elefanten 
hatte, so verwendete man auch diese zuweilen auf den Flügeln, sowol zur 
Offensive (VII; IX] als zur Defensive [VIII]: noch lieber aber deckte man 
durch sio das Linienfussvolk des Centrums, indem man sie vor deren Front 
mit Zwischenräumen von 30 bis 80 Schritt aufstellte, die man durch leichtes 
Fussvolk ausfüllte. [VI f, ff]. In Folge dessen thaten die Hopliten so gut 
wie gar nichts, und von einer Verbindung der Waffen ist keine Rede mehr. 
Die Aufgabe, welche unter Alexander eben die Hopliten lösten, nämlich 
die, den Flügeln freie Hand zur Aktion zu geben, die übernehmen jetzt die 
Elefanten. Durch diese werden also die Phalangiten eigentlich überflüssig, 
und das ist, da sie doch die Masse des Heeres ausmachen, ein höchst un- 
natürliches Verhältnis. Dann aber lässt sich doch auch nicht verkennen, 
dass der Ersatz durch jene Thiere ein thatsächlich ungenügender war. Ihre 
Heerden, die sich von Jahr zu Jahr in den Armeen der Diadocheu ver- 
mehren, verlangsamen deren Bewegungen, und in der Schlacht richten sie 
nicht selten im eigenen Heere die schlimmste Verwirrung und Verwüstung 
an. Es ist ein Zeichen der Entartung, wenn man die Kraft geschlossener 



- 141 - 

Männerschaaren durch solche Surrogate zu ersetzen versucht, und so hört 
man denn auch von dem Linienfussvolk dieser Zeit wenig mehr, als dass 
es da war und davonlief, sohald die Reiterei ihm durch ihre Flucht das 
Zeichen dazu gab. 

Je weniger eigenes Lehen aher der Hoplitenphalanx zukam, desto mehr 
entwickelte sich bei ihr der üppigste Formelkram taktischer Spielereien, 
und dieser war es, dessen sich der sophistische Geist der Griechen mit 
Vergnügen bemächtigte, um ihn zum Gegenstande der Spekulation und der 
Doktrin zu machen. Leider hielt man sich dabei ganz einseitig an die Ein- 
theilungen. Untereintheilungen und Elementarevolutionen jeder Waffe für 
sich und insbesondere des schweren Fussvolks, während man von der Ver- 
bindung der Hoplitenphalanx mit den andern Waffen, durch welche sie 
unter Alexander doch thatsächlich erst ihre Bedeutung erhalten hatte, gar 
nicht mehr sprach. So entwickelte sich jener glatte und geistlose Schema- 
tismus, von dem die reglementarische Phalanx des Asklepiodotos ein 
anschauliches Beispiel gibt |X]. 



V. Befestigungs- und Belagerangs wesen der Griechen. 

Tafel 15. 
Literatur. 

A / y E I O T TAKTI KOY (360 v. Chr.) 'Yxäuvr}ua xtni rov ntäi StT xokopKarfifrofs 
aW;ut<; Aeneia»: Von Vertbeidigung der Städte. (Griech. u. dtsch. hrsg. u. erklärt 
von K ■"> c h 1 v und R üs t o w. (Grieeh. Kriegsschriftsteller I. Mit 10 Tafeln. Lpzg. 1853.) 

AthenaioR (210 v. Chr.): flt^'t /irj^nrijuiirmr. Von Kriegsma»chinen. (The veno t: 
Mathem. veterura opera gr. et lat. Paris 1693 p. 1—13.) 

Philo n von ßyzanz (150 v. Chr.): M>;ya, ixä LH». IV. et V. (Gr. et lat. Thevenot 
a. a. 0. p. 49- 104.) — Vergl, Meister: De catapulta polybola comm. qua locus 
Philon. p. 73 illustr. Gotting. 1768, und Philon: Traite de fortifieation. trad. du 
grec en fr. par de Rochus. Paris 1873. 

A pollodoroi von Damaskus (130 n. Chr.): IJoltoonriruui. (Thevenot a. a. (). p. 13—48.) 

Kaiser Leo VI. Philosophos (900 n. Chr.): TW ff xokiftoie t«xtix.-V avrtoftöt nafmicoHi 
Leon. Imp. Tactiea ». de Re Militari Liber. I». Meurnius Graeee prima» vulg. et 
Not. adj. Lugd. Bat. 1613. -■ Vergl. Kaiser Leo'« d. Philo». Strategie und Taktik, 
über*, v. Bourscheid. Mit Anmerkungen und Alihandlungen. Wien 1778—81. (Speciell 
die BelBgeruug»an»talten und die Vertheidigungsmittel XV, 38 35; 47 — 54.) 

de Folard: Commentaires »ur Polylie et traite de l'attaque de» Place». Pari» 1737. 

Joly deMaizeroy: Trait«'- de lart des stfge» et des mach ine» de» amiens. Paris 1779. 

Mandar: Arehiteeture des fortcresse». Paris 1801. 

Dureau de la Malle: Poliorcetique des anciens. Paris 1K19. 

Petit-Radcl: Recherche» »ur les monument» cyclopeens. Paris 1841. 

Rieh: Dietionnaire de» antiquite» greeque» et romaines, trad. de l'angl. Pari» 1861. 

Ramee: Manuel de l'histoire de 1'architeeture. Pari» 1863. 

Pre vo» t : Etüde» historiques »ur la fortifieation, l'attaque et la defense des place». Pari» 1869. 
Beule: Histoire de l'art grec avant Periele». Paris 1870. 

Vergl. übrigen» den 1. Abschnitt des Literaturnachweises auf S. 74, sowie die 
Nachweise S. 8990 und 108 109. 



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- 142 — 

Die erste Massregel eines vordringenden Eroberervolkes, welches sich 
unter fremden Ureinwohnern ansiedelt, wird immer darin bestehen, sich so 
schnell wie möglich der beherrschenden Punkte zu bemächtigen und diese 
und in ihnen sich selbst sicher zu stellen. Das ist denn auch der Ursprung 
der pelasgischen Akropnlen (ax{>6no)j$ = Hochstadt), verschanzter 
Lager oder fester Burgen, die auf Felsen, isolirten Hügeln, Vorgebirgen oder 
Bergzungen angelegt wurden. Anlagen solcher Art kennzeichnen den weiten 
Weg, welchen die Pelasger in Kleinasieu und Süduuropa gewandert sind, 
und in der Folge wurden diese primitiven Stationen Citadellen von Städten, 
zu deren Entstehen sie selbst den Anlass gaben und die, im Gegensätze zu 
den A kr i polen , als Unterstadt (vswnoiug) angesprochen wurden. *) — Den 
Griechen waren Pelasger und Kyklopen gleichbedeutend**), und daher be- 
zeichneten sie die Reste jener uralten Hochbauten als Werke der „Steinring- 
Erbauer"***) als „Kyklopen mauern". — Das Wesentliche dieser Reste, 
deren Fremdartigkeit schon das Staunen der Alten erregte und deren man 
auf griechischem Boden U.A. zu Argos - }*), Mykenai und Tiryns. zu Plataiai. 
Tthaka, Koroneia. Same, in Kleinasieu zu Knidos, Patara, Assos u. a. O. 
findet, besteht darin, dass grosse Blöcke von mehr oder minder unregel- 
mässiger Gestalt als Baumaterial verwendet wurden. Bei der einen Art 
fügte man die Blöcke, so wie der Steinbruch sie liefert, roh und vieleckig 
zusammen und füllte die Lücken durch kleinere Steine aus. Unter den 
Bauten solcher Art erscheinen am grossartigsten die Mauern von Tiryns. 
Pausaniasff) boschreibt sie „als ein Werk der Kyklopen, von dessen 
unbehauenen Steinen jedweder so gross ist, dass beim Bau auch nicht der 
kleinste von ihnen durch ein Joch Maulthiere tortbewegt werden konnte". 
Als zweite Art jener uralten Anlagen lassen sich diejenigen betrachten, bei 
denen die Blöcke zwar auch noch in unregelmiissiger, polygonaler Form 
verwandt, aber doch scharf ausgearbeitet und so zusammengesetzt wurden, 
dass die Fugen Uberall in einander griffen und das Mauerwerk ohne An- 
wendung von Mörtel grösste Festigkeit erlangte. Sehr schöne Proben dieses 
vollkommneren Baues bieten die Mauern von Mykenai, welche von be- 
deutender Dicke sind. Uebrigens bestehen hier nur die äusseren Seiten 
aus behauenen und sorgfältig in einander gepassten Steinen ; der Binnenraum 
ist mit kleinereu Steinen und Mörtel ausgefüllt, eine Art der Konstruktion, 
der man durch Aufführung fester (Querwände im Innern noch gesteigerte 
Festigkeit gab und die von den Griechen eftnktxrov oder ctQ^oria genannt 
wurde, f^j*) — Weiterhin treten dann pelasgische Mauern auf, welche sich 
mehr dem eigentlichen Quaderbau anschliessen , obwol regelmässige hori- 
zontale Schichtenlage auch in ihnen noch nicht durchgeführt ist. Welche 
dieser Bauweisen jünger als die andere , oder ob sie gleich alt sind , lässt . 



*) D Bremberg et Sslio: Dictionniiire ilea antiquites gm»qnes et romaines. Pari* 1873. 
*♦) Vergl. Baripid e« : Orest. 8, 3. *•*) Vergl. 8. 80. 

t) Vergl. Eurip.: Hcrakl. 1. 1 und Iphig. i. Aul. 5, 7. •}-«■) Pausania* 2; 25. 
tff) Pautaniaa 2; 16. 



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— 143 — 

sich übrigens mit Gewissheit nicht bestimmen.*) — Eigentümlich sind die 
Thore solcher Mauern behandelt; theils weisen sie senkrecht gestellte 
Pfosten auf, deren Verbindung durch über einander vorkragende Steine be- 
wirkt ist, wie zu Phigalia und Amphissa, theils hallen sie schräg zu 
einander geneigte Seitenpfosten, die durch einen mächtigen Steinbalken oben 
verbunden werden, wie am Löwenthore zu Mykenai. In diesem Falle 
ist über den Thürsturz eine durch vorkragende Steinschichten gebildete 
dreieckige Oeffnung zur Entlastung jenes Balkens hergestellt. 

Mit der Vennehrung der Bevölkerung, zumal seit der Einwanderung 
der Hellenen (1400 v. Chr.), stellte sich die Notwendigkeit heraus, auch 
die Unterstädte zu befestigen; denn in dem von Stammfehden zerrütteten 
und von Räubern und Korsaren beunruhigten Lande bedurften sie eines 
solchen Schutzes dringend. Vermuthlich waren es die unterworfenen Pe- 
lasger. welche diese Bauten aufzuführen hatten. So erhob sich um Theben, 
die Unterstadt der ursprünglich phoinikischen Hochburg Kadmeia, die be- 
rühmte siebenthorige Mauer. Aber auch die Akropolen selbst, die zum 
Theil gewiss wenig mehr gewesen wareu als urthümlicbe Steinringe (S. 30), 
wurden jetzt kunstgerechter ausgebaut, vergrössert und vermehrt. Die Bau- 
weise blieb dabei die altkyklopische, und nur ganz allmählig kam der regel- 
rechte Quaderbau zur Geltung. Petit-Radel setzt die Begründung der 
Hochburg Kalydon auf einem Vorsprunge des Arakynthos in Aetolien auf 
d. «I. 1380 v. Chr. an, Rochette die von Chaironeia in Boiotien auf d. .T. 
1210.**) Athen umgab 1120 seine Akropolis mit einer Mauer kyklopischer 
Art aus polygonen Blöcken.***) — Zugleich entwickelte sich der Palast- 
bau u. zw. zunächst noch unter sorgfältiger Rücksichtsnahme auf das forti- 
hkatorische Element. Als ein Muster solcher BauU'n stellt sich die Burg 
von Tiryns dar [28]. 

Am Rande des etwa 12 in hohen, 286 m langen Burgfelsens läuft hier eine Umfassungs- 
mauer, xv*loi, entlang und umschliesst auf der Südseite ein oblonges Kastell [f], welches 
noch durch eine besondere Mauereinfassung im Inneren geschützt ist. Der Haupteingang 
[a] führt durch einen von den parallellaufenden Mauern des inneren und äusseren Kyklos 
gebildeten verdeckten Gang zu einem engen Thore [b], und von hier aus gelangt man in 
den nur vom äusseren Kyklos umschlossenen Raum (mit einem mittelalterlichen Namen als 
„Vorburg" zu bezeichnen), in den auch zwei direkte Eingänge führen [d]| während ein 
anderes Thor [c] das Burginnere, die „Hauptburg", erschliesst. \) 



*) Gell: Probestücke von Städtemauern des alten Griechenlands. Müucheu 1831. — 
Uailhabaud: Denkmäler der Baukunst I. Hamburg 1842. — In unserer Zeit wurde 
kyklopisches Mauerwerk z. B. bei den terrassenförmigen Unterbauten der Regensburger 
Walhalla angewendet, namentlich aber bei den gewaltigen Schutzmauern an den Ufern der 
Nordsee. 

•*) Bei Petit-Radel p. 2«2. 
***) Angeblich wurde der Bau von Pelasgern ausgeführt und zwar unter Leitung von 
Agrolas und Hyperbioe. (Pausanios: Att. 28.) Indessen wurde zu dieser Zeit nur die 
Nordfront ummauert; im Süden schloss den Gürtel erst Kimon. (468 v. Chr.) 

•f) Höchst merkwürdig sind zwei im Inneren der Mauern des Kastells neben einander 
gleichlaufende Gänge [auf dem Grundriss links von a angedeutet], welche sich wahr- 
scheinlich innerhalb der ganzen Umfassungsmauer des Kaslells hinzogen, jetzt aber meist 



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- 144 



Den Schilderungen, welche Homer von den Palästen des Odysseus, des 
Menelaos, des Nestor gibt, liegt offenbar die Anschauung der Wirklichkeit 
zu Grunde. 

Da steht ein weiter Vorhof (mit}) „wohlumhegt mit Hauer und Zinnen" und mit 
„zweigeflügclter Pforte" verschlossen, zunächst mit dem Wirthschaftuhof in Verbindung. 
Hier sind in Ställen Rosse und Heerden untergebracht; hier findet sieh eine Remise für 
die Wagen. Ein zweites Thor, gegenüber jenem ersten, führt in den inneren Hof zur 
Männerwohnung. Ein Peristyl von Säulen umgibt diesen Hof, dessen Mitte der Altar des 
Zeus Herkeios, des Herdbeschützers , einnimmt. Gemächer schliessen sich rings an den 
Hof, und über einen Flur gelangt man hier zum grossen Mänuersaal (dem Megaron), dessen 
Decke auf Säulen ruht» Von diesem führt eine Treppe zum Obergeschosse (dem Hypcroon) ; 
eine Scitenthür zur WafTenkammer und eine andere Pforte zur Frauenwohnung, welche 
also den hinteren, inneren Theil des Wohnhauses einnimmt.*) - Manche Züge dieses Bildes 
mahnen an die Einrichtungen mittelalterlicher Hofburgen. 

So war der Stand des griechischen Befestigungswesens bis zu den 
Perserkriegen. Angesichts der Bedrohung durch Xerxes hegnügte sich 
die Peloponnesos mit der Verschanzung der Landenge von Korinth. Theben 
erklärte sich für die Perser ; die Athenienser , somit verlassen , gaben ihre 
ungenügend befestigte Stadt auf und flüchteten „hinter ihre hölzernen 
Mauern", d. h. auf die Schiffe. Mit Recht! Demi das asiatische Heer war 
gross genug, gleichzeitig die boiotischen Städte besetzt zu halten, Athen zu 
belagern und das übrige Griechenland einschliesslich der Peloponnesos zu 
überschwemmen. So erscheint es denn als eine geniale Idee des Themi- 
stokles, ganz Hellas gewissermassen als Eine grosse Festung zu betrachten, 
deren Bezwingung er hintertrieb, indem er die See und damit die Verbin- 
dungen des Gegners beherrschte. — Nach Abweisung der Perser, welche 
Athen zerstört hatten, widersetzten sich die eifersüchtigen Lakedaimonier 
der Wiederherstellung der Mauern Athens , indem sie sich darauf beriefen, 
dass sie selbst Sparta auch nicht befestigten. Freilich befanden sie sich in 
ganz anderer Lage als ihre attischen Nebenbuhler; sie konnten die Pelo- 
ponnesos als ein von der Natur befestigtes Lager betrachten, dessen Kern- 
werk die Kriegskraft ihrer Bürger bildete; und wenn sie vorschlugen, dass 
die Athener, statt ihre Stadt neu zu befestigen, ihnen lieber helfen sollten, 
die Mauern aller Städte ausserhalb der Peloponnesos niederzureissen, damit 
die Perser bei abermaligem Einfalle nicht wieder einen solchen Stützpunkt 
fänden, wie sie an Theben gehabt, so bewiesen die Spartaner durch diesen 
Vorwand, dass sie den Werth fester Plätze sehr wol zu schätzen wussten. — 
Die List und die Energie des Themistokles setzte die Wiederbe fest igung 

verschüttet liegen. Beide sind durch Ucbcrkragung spitzbogig bedeckt. Zwei ähnliche 
Gallerien sind innerhalb des östl. Kyklos angeordnet |e| und öffnen sich durch ti spitz- 
bogige Ausgänge nach der Stadt zu. — Göttling will in den inneren Gallerien Speicher 
zur Aufbewahrung von Lebensmitteln während der Belagerung erkennen, in den äusseren 
hingegen eine Stoa zu gleichem Zwecke Tür die Bewohner der darunter gelegenen SUdt. 
Aehnliche Stoen fänden sich in griech. und röm. Städten. (Archäol. Ztg. 1845 S. 17 f.) 



*) Neuerdings hat man auf Ithaka Ruinen aufgefunden, welche man für die des Königs- 
hauses des Odysseua erklärte. (Eine Abbildung des Grundrisses siehe: Mothes ..Illustr. 
Baulexikon" II S. 486.) 




145 — 



Athens durch (478 v. Chr.) [8|. Sie bestund aus einer Mauer mit vielen 
viereckigen Thürmen und mindestens 9 Thoren, trug aber den Stempel der 
Hast, mit der die Sache betrieben wurde. *) Der neue Mauergürtel hatte 
einen Umfang von GÜ Stadien (ll,ioe m)r w as für alle Folgezeit genügte, 
so dass die späteren Neubauten sich stets auf bisher wüstgelegenen Strecken 
innerhalb der Befestigung erheben konnten ; denn diese umfasste ausser der 
Akropolis den Hügel des Areopag, die Gipfel der Pnyx und des Museions sowie 
das nördl. Ufer des Iiissos.**) Zugleich wurden die Hafenorte Munychia 
und Peiraieus in einem Umfange befestigt, welcher dem der Hauptstadt 
gleich kam. Die Befestigung der Hafenstädte wurde ohne Hast, ordnungs- 
mässig vollzogen und zeigte höchste Einfachheit und Harmonie. Die Mauern 
des Peiraieus waren so breit, dass zwei Wagen einander bequem ausweichen 
konnten, (16 — 2«»') und 60' hoch. Obgleich die Werke der Hauptstadt nur 
halb so hoch wurden, wie sie Themistokles entworfeu hatte, so erscheinen 
sie doch als das Fundament der Grösse Athens, und daher machten die 
Korinther zur Zeit des peloponnesischen Krieges den Spartanern Vorwürfe, 
dass sie den Bau der attischen Befestigungen nicht nachdrücklicher ge- 
hindert hätten. Diese waren inzwischen durch Perikles noch wesent- 
lich verstärkt worden. Dieser weitblickende Mann unternahm es, Athen 
mit den Hafenpliitzen in eine Befestigung zusammenzufassen, um der Stadt 
bei etwaiger Belagerung Zuzug und Zufuhr vom Meere her zu sichern. Den 
Grund zur Ausführung dieses Planes hatte übrigens schon Kimon gelegt, 
indem er den Sumpfboden zwischen Athen und dem Meere mit Bruchsteinen 
ausfüllen lassen. Zuerst wurden die phalerische Mauer (35 Stadien = 6470 m) 
und die nördliche „lange Mauer*- (40 Stadien — 7400 m) erbaut. Dann 
folgte die Herstellung einer ., mittleren'*, südlichen langen Mauer, um für den 
Fall, dass der Feind eine Mauer nähme, doch die Verbindung der Stadt 
wenigstens mit einem Hafen aufrecht zu erhalten.***) Das Aufblühen des 
attischen Handels, die Entwicklung der Seemacht Athens hingen eng zu- 
sammen mit diesen Sicherheitsbauten, welche überdies für die Landbe- 
völkerung eine Zufluchtsstätte gewährten, die im peloponnesischen Kriege 
eifrig benutzt wurde. — Den Bau leitete Kallikrates. der Architekt des 
Parthenon, Als endlich die Lakedaimonier Athen eingenommen hatten, 
rissen sie zwei jener Mauern nieder; die dritte, als allein nutzlos, Hessen 
sie stehen. Konon erneuerte dann nur die beiden „langen 4 * Mauern, wäh- 



*) Man verwendete die verschiedenartigsten Materialien, sogar Säulentrommeln und 
Bildwerke. (Thukyd. 1, 93; conf. Corn. Xepos: Themist. 7.) 

**) Deutliche Spuren der Stadtmauer treten nur in W. und S. hervor; doch hahon 
die neuesten deutschen Arbtiten ihren (lang so weit festgestellt, dass auch durch die im 
X. noch herrschende Unsicherheit Richtung und Ausdehnung «1er Mauer im Orossen nicht 
mehr in Frage stehen. Zerstört wurde die Mauer von Sulla. 

***) An den Theil der Ringmauer, welcher die Felshöhen schnitt, schloss sich im S.-W. 
der Stadt da« grosse Mauerdreieck, welches die Sehenkclmnuem mit dem alten Stadtriugc 
verband. Der Auschluss der phalerischen Mauer lag wahrscheinlich am üstabhange de» 

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— 146 - 



rend die phalerische in Trümmern blieb.*) Das Kernwerk Athens war 
seine A kropolis. 

Dies« Burg ruht auf dem 1 150' langen unil bis 500' breiten Plateau eines 90 bis 100 in 
über tlie Stadt emporragenden steilen und abschüssigen Felsen, der nur im Westen sieh 
sanft abdacht. An dieser einzig zugänglichen Seite erheischte die Burg ein Thor, das tlie 
zwiefache Bestimmung einer Befestigung und einer würdigen Vorbereitung auf die National- 
heiligthümer und glorreichsten Denkmäler ausspreche, welche die Burg bewahrte. Auch 
diesen Bau veranlasst« Perikles, und ein .Jahr nach Vollendung des Parthenon (436) be- 
gann Mnesikles, 431 vollendete er das Werk. Am Fusse des Hügels schützten zwei Ver- 
theidigungsthürmo, welche neuere Untersuchungen als Werk einer in antiker Zeit unter- 
nommenen Restauration nachgewiesen haben , den Aufgang. **) Zwischen ihnen lag eine 
Marinonnauer, welche ein dorisches Portal durchbrach. Von hier führte die prächtigste 
Marniortreppe (in der Mitte mit Rücksicht auf Wagen und Pferde unterbrochen) zur Burg 
hinauf und mündete auf den mittleren Theil der Propyläen, der, 36 m hinter den Be- 
festigungswerken gelegen, das eigentliche Thor bildete. Zu beiden Seiten lehnten sich vor- 
springend zwei niedrigere Flügel an, beide mit offenen Säulenhallen und Giebeldach. 
Indem diese Flügel dem Nahenden die Flächen ihrer Seitenmauern darboten , bildeten sie 
eine Fortsetzung der anstossenden Umfassungsmauern der Burg und prägten somit die 
festungsartige Bedeutung des Thores aus; seinen festlichen Charakter dagegen vertrat der 
hohe Mittelbau, der Bich mit einer Halle von sechs dorischen Säulen und einem breiten 
Giebeldache nach aussen wie nach innen öffnete. 

Dem Beispiele Athens folgten, mit Ausnahme Spartas, alle irgend nam- 
haften Städte Griechenlands. Sogar die Hast des Aufbaus wiederholte sich 
vielfach, da die Furcht vor neuer Invasion der Barbaren zur Eile trieb. 
So wurde der i. J. 478 errichtete Mauergürtel von Thasos aus ungleichen 
Blöcken, ähnlich den pelasgischen Bauten, emporgethürmt ***) Die alten 
Akropolen, sonst die einzigen festen Punkte, waren jetzt nur noch die Keduits 
der Hauptumwallung (Citadellen). Die befestigten Städte, Mittelpunkte kleiner 
Landesgebiete, dienten im Kriege dem Landvolke zum Zufluchtsort und 
fanden in diesem wie in ihren Bürgern die nothwendigen Vertheidiger. Da 
in ihnen als Hauptstädten der Staramgebiete die ganze Macht der Stämme 
koncentrirt war, so sollte man annehmen, dass sich die Stammkriege wesent- 
lich um ihre Eroberung gedreht hätten und ihre Belagerung Hauptmoment 
der Feldzüge gewesen wäre. Indessen weder die militärischen Kräfte, 
welche die Bürgeraufgebote gewährten, noch die damalige Belagerungskunst 
waren geeignet, günstige Resultate bei Belagerungen zu versprechen. Des- 
halb werden sie auch selten unternommen, und die grösseren festen Städte er- 
scheinen in Bezug auf die Führung des Krieges wesentlich als unantastbare 
Mittelpunkte der Vertheid igung ihres Stammgehiets. Der Einbruch 
in dieses und der Angriff auf die Stadt hingen freilich in der Ansicht der 



*) Vergl. Ad. Schmidt: Perikles nnd sein Zeitalter. (In : Epochen und Katastrophen.) 
Berlin 1874. -Stuart and Revett: Antiquities of Athen. Lond. 1762. Neue Ausg. 1858. 
Dtscli. Darmst. 1833. - Leake: Topngraphy of Athen. Lond. 1841. Dtsch. Zürich 1844. ~ 
Roehette: Sur la Topographie dAtheno. Paris 1852. — Breton: Athene» ecrite et des- 
sinee. Paris 1868. Bournouf: La villc d'Athenes. — Curtius und Kaupert: Atlas 
von Athen. Hrsg. im Auftrage d. kaiserl. deutschen archäolog. Instituts. Berlin 1878. 

~) Beule: L'Acropolc d'Athenes. Paria 1862. 

Exploration de lile de Thasos. (Archive« des mission* scientifhpies. 1864.) 



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- 147 - 



Griechen untrennbar zusammen. Jener ist nur der erste Moment der Be- 
lagerung; aber zum letzten Moment, zur eigentlichen Belagerung, kommt es 
gewöhnlich nicht. Das einzige Beispiel der Eroberung einer Hauptstadt 
bietet Athen. Aber es fallt ohne eigentliche Belagerung durch Venrath 
und Hunger. Nur kleinere Städte wurden Gegenstand wirklicher Belage- 
rungen, und hier gelangte man denn auch allenfalls zum Zweck. Diese Be- 
lagerungen aber stehen kaum in Zusammenhang mit der Kriegführung; sie 
sind Episoden und mehr politische Maassregeln als strategische. 

Grenzplätze konnten bei den geringen Ausdehnungen der grie- 
chischen Staaten in den Stammkriegen keine Wichtigkeit erlangen. Aller- 
dings kommen deren vor: z. B. an den Grenzen von Attika: Panakton, 
Oenoe und Phyle, an denen Lakoniens Iou und Leuktra; aber sie waren 
mehr Warten als Festen, ihre Besatzungen mehr Wachen als Vertheidiger. 
Wenn sich Hellas und Peloponnesos scharf gegenüberstanden , so erlangte 
der Isthmos wol den Charakter einer Grenze grösserer Landesgebiete; die 
Plätze Oenoe und Kenchreai spielten hier dann als Grenzfestungen eine Rolle; 
indessen blieben immer noch Strassen, auf denen man sie umgehen konnte; 
und da sie wegen ihres geringen Umfanges keiue grossen Besatzungen auf- 
nehmen konnten, so war jede offensive Wirksamkeit von ihnen aus unmög- 
lich. - Höhere Bedeutung gewannen solche Befestigungen, welche, den ver- 
schanzten Lagern der Römer gleich, auf dem Gebiete des Feindes an- 
gelegt wurden, um dessen Macht an der Wurzel angreifen, das feindliche 
Land dominiren, den beständig bedrängten Gegner in jeder Unternehmung 
nach aussen hemmen und hindern zu können. Dergleichen Plätze waren 
im peloponnesischen Kriege Pylos und Dekeleia.*) 

Fassen wir nun die einzelnen Theile einer griechischen Stadt- 
befestiguug in's Auge und zwar unter Berücksichtigung der Gesammtent- 
wickelung der hellenischen Fortitikation, also einschliesslich derjenigen Bau- 
formen, welche durch die Vollendung der poliorketischen und artilleristischen 
Streitmittel zum Theil erst spät, erst in der alexandrischen Zeit bedingt 
und allgemein eingeführt wurden.**) 

Den Hauptwall der befestigten Orte bildete eine Ringmauer von 
grosser Solidität. Durch diese Mächtigkeit ragen die vornehmeren helleni- 
schen Bauten ebenso sehr hervor wie die etruskischen. Während aber die 
letzteren zugleich den Ausdruck einer gewissen Gewaltsamkeit anstreben, 
verbindet sich die Tüchtigkeit der griechischen Bauweise mit hoher An- 
muth. ***) Die Fugen der Steine sind zuweilen so genau gearbeitet, dass sie 
feinen Fäden gleichen, und oft baute man auch jetzt, wie in pelasgischer 
Zeit, ohne Mörtel, verankerte aber die Blöcke dann mit bronzenen oder 
eisernen (zuweilen auch hölzernen) Klammern, f) Die Mehrzahl der 

*) H>i st uw und Köchly: Gesch. des gcrieh. Kriegswesens. Aarau 1852. 
**) Die folgenden technischen Einzelheiten theils nach Rüstow und Köehly, theils 
nach Prevost. die sich ihrerseits vorzugsweise auf Philon stützen. 
**♦) Raoul-Kochette: Cours d'Archeologie. Paris 1828. 
f) Rondel et: I/art de bätir. Paris 1802. 



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- 148 — 



kleineren Städte war allerdings nicht reich genug, um solche Konstruktionen 
herstellen zu können ; sie hegniigten sich meist . geringere Bruchsteine mit 
einem Mörtel aus Kalk und Sand zu verbinden. So geschah es z. B. heim 
Wiederaufbau der Mauern von Pylos durch den attischen Feldherrn De- 
mosthenes. *) Zuweilen bedienten sich die Griechen auch gebrannter Ziegel 
zum Mauerhau. Sogar ein Theil des Gürtels der athenischen Unterstadt war 
in solcher Weise hergestellt**): indessen blieb dies immerhin eine Seltenheit. 

Im Allgemeinen folgte die Ringmauer (« iugi t io).og) dem Zuge der 
Stadtgrenze, blieb aber von den Häusern selbst etwa 90' entfernt. Dieser 
Zwischenraum war nothwendig sowol für die freie Bewegung grösserer 
Truppenkörper hinter den Angriffsfronten wie für Anlage von Abschnitten 
hinter etwa entstehenden Breschen. — Im Durchschnitt kann man die Breite 
der Ringmauer zu 10'. ihre Höhe zu 20—30' annehmen. Die Dicke der 
Zinnen (limkj-ug) ist nur auf wenige Fuss zu veranschlagen, so dass hinter 
ihnen stets ein Wallgang von mindestens 6' Breite blieb. Ziemlich eng 
gestellt, höchstens in Pfeilschussweite von einander (150 -300') erhoben sich 
auf den Mauern Thürin e (hv^o^), welche wesentlich Strebepfeiler des gan- 
zen Baukörpers sein sollten , daher anfangs nur einfache Ausladungen der 
Mauer waren und als Wachthäuser dienten ***), in der Folge aber zur Be- 
streichung der Zwischenwälle (fitoonvQyia) verwerthet wurden und zu diesem 
Zwecke dann weiter vorsprangen. Uebrigeus lassen die technischen Autoren 
der Griechen keinen Zweifel darüber, dass der eigentliche Hauptzweck der 
Mauerthürme keineswegs die Flankirung der Kurtinen . sondern die Uebcr- 
höhuug war. Niemals wagten es die alten Kriegsbaumeister, ihre Thürine 
bedeutend vor die Mauer vorspringen zu lassen, um bessere Bestreichung zu 
erzielen. Sie fürchteten, damit einen schwachen Punkt zu schaffen, der 
angesichts der feindlichen Hochhauten (Angriffsdämine und Holzthürmei 
schwer zu vertheidigen sei, weil er von mehren Seiten angegriffen werdeu 
konnte und leicht einen unbestrieheucn Raum erzeugte. So hat der Thurm 
denn ganz wesentlich den Zweck, die Angrifl'sarbciten zu dominireu. 

Zahl und Einrichtung der Thürme, sowie ihr Verhältnis zu den Kurtinen 
bedingten vorzugsweise die Gestalt des Festungsgrundrisses. 

Bei kreisförmigen Grundrissen widerstehen die Thürme allerdings dem 
Stosse des Widders sehr gut. geben aber nur mangelhafte, zersplitterte Wir- 
kung auf das Vorterraiu. Daher wird eine scharfkantige Gestalt der Thürme 
vorgezogen. Die gewöhnlichste ist die quadratische Form bei welcher 
der Thurm so mit den Kurtiuen verbunden wird , dass er einen seiner 
Winkel dem Feinde zukehrt, um den Breschwerkzeugen wohl zu widersteheu. 
während er sich mit zwei andern Ecken der Mauer ausehliesst. Audi bei 
dieser Form werden jedoch die Kurtinen nicht rein bestrichen, und sobald 
der Feind sich mit den Breschschildkröten dicht unter sie gelegt hat, kann man 
ihn aus den Scharten der Thürme nicht mehr treffen. Es werden daher 

') Thukydides 4, 4. **) Vitruv. 2, 8. - Plinius 35, 49. 
*♦♦) So bei den alten pelasgischcn Mauern des arkadischen l'higalia, w<> die thunnartigen 
Mauervorsprüngc Oieils halbkreisförmig, theils rechteckig erscheinen. 




— 149 - 



die Tliürme wol so angelegt [9], dass sie mit dem einen Zwischenwall zwar 
einen stumpfen Winkel, mit dem andern ahereinen rechten oder etwas 
spitzen bilden. — Ausser den kreisförmigen und quadratischen kommen 
noch halbkreisförmige, fünfeckige und sechseckige Thürnie zur Anwendung. 
Die letzteren 14 1 erbaut mau gern zu beiden Seiten der Thore, um vor 
diesen eine kreuzende Wirkung der Geschosse hervorzubringen und den 
Eingang zu decken, ohne ihn zu versperren. — Die bedeutenden Mauer- 
stärken, welche die Thürrae erhalten müssen, um den Breschwcrkzeugen 
Widerstand leisten zu können, und die lichten Ausmaasse, welche die Auf- 
nahme des schweren Geschützes erfordert, führten später zu einer Ver- 
grösserung ihres Grundrisses. Quadratische Thürmc von 60' äusserer Seiten- 
länge mögen normal gewesen sein. 

Je nach der Natur des Terrains und der Gestalt der Thürme werden 
die Mesopyrgien bald in geraden, bald in sägeförmigen oder in gebrochenen, 
bisweilen auch in Bogen-Linien gefühlt fl, 2, SJ, bei einer mittleren Höhe 
von 30' siud sie geeignet, dem dreitalentigen Pnlintonos, der hinter ihnen 
aufgestellt wird, die genügende Deckung zu gewähren, und geben auch 
ziemliche Sicherheit gegen eine Leiterersteigung. Ihre Stärke ist auf 4, s bis 
zu 15 und 1H' anzunehmen, je nachdem sie keinen oder einen schmalen oder 
einen breiteren Wallgang aus Mauerwerk erhalten sollten. In Stärke von 
nur 4,5 Fuss, wie sie sich für die Zinnen (hta/.£uc\ eignet, also ohne 
Wallgang, wurden die Zwischenwälle wol nur da aufgeführt, wo keine 
wahrscheinliche Angriffsfront war, bisweilen «aber auch in der Nähe der 
Thürme, um die letzteren zu isoliren und den Feind, wenn er die Kurtine 
an einer Stelle erstiegen hat, an der Ausbreitung auf dem Wallgang zu 
verhindern. Kam man dann in den Fall, auch solche Mauern vertheidigen 
zu müssen, so stellte man hinter ihnen Holzböcke auf |5J und bildete einen 
provisorischen Wallgang, indem man die Böcke mit Bohlen belegte. Mauern von 
15 — 18' Stärke erhielten einen 10 — 14' breiten Wallgang (näQodot:). Reichten 
Zeit und Material nicht aus. um auch nur auf wahrscheinlichen Angriffs- 
fronten die Mauern in Normalstärke herzustellen, so half man sich durch 
Einrichtung von Strebepfeilern , welche die Breite des Wallgangs erhielten 
und mit Holz.werk überdeckt wurden [6]. — Von der Stadt gelangte man 
auf den Wallgang mittelst Treppen, die an ihrem unteren Ende ver- 
schlossen werden konnten. 

Selten mir findet sich die Anwendung von Scharten. Namentlich 
die Untergeschosse der Thürme und den Mauerkörper dicht über dem Hori- 
zonte zu durchbrechen , entschlossen sich die Alten nur sehr schwer. Sie 
fürchteten die Schwächung des Baues gegenüber dem Stosse des Widders; 
sie besorgten, durch Scharten der Leiterersteigung entgegen zu kommen. — 
Indessen finden sich Scharten immerhin vor ; Archimcdes liess deren sogar am 
Fasse der Mauern von Syrakus durchbrechen, und auch Pompeji weist in 
den Untergeschossen einiger seiner Mauerthürme Scharten auf. *) — Es gab 

*) Einige Theilc des Mauergürtels von Pompeji zeigen die folgende Anlüge: Zwei 
parallele Mauern, /wischen denen festgestampfte Erde einen Wallgang von ungef. 4 in 



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Scharten für Bogenschützen und Geschützscharten (9vQides) [<]. Letztere 
waren verschieden gestaltet, je nach Art und Kaliber der AV" äffen, die hinter 
ihnen aufgestellt werden sollten , nach aussen abgewassert (xatä^goi), um 
mit den Euthytonen von der Höhe her den Fuss der Kurtinen fassen zu 
können, und innen breit, aussen schmal, damit man dem Geschütz die ge- 
hörige Seitenrichtung geben konnte, ohne dass der Feind in die Scharten 
hineinzutreffen vermochte |7bJ. — Auf Vergrösserung der Defenslinie 
(Entfernung der Thürme von einander) scheint die Einführung der schweren 
Geschütze nicht gewirkt zu haben; die Thürme liegen auch in der Spätzeit 
noch immer nur auf Bogenschussweite von einander entfernt. 

Als besonderer Ruhm einer griechischen Stadt galt es, wenn sie viel 
Thore hatte; denn darin sprach sich ihre Grösse und Bedeutung aus. Man 
unterschied Thore, nvkai, und Pforten, nvkldtg, und unter den ersteren erhob 
sich wol meist eines zum Hauptthore, (teyalm nvlau Ein solches war zu 
Athen das Dipylon, vor welchem die Strassen von Eleusis und Megara mit 
der grossen Heerstrasse und den Wegen aus der Akademie und Kolonos 
zusammentrafen, während von innen die Haupt- und Marktstrasse der Stadt 
mündete.*) -- In der Frühzeit lagen die Thore meist in den Thümien. 
später zwischen zwei nahe zusammengestellten Thürmen [4]. Eiue Thor- 
konstruktion vou grosser Eigentümlichkeit weist Mantineia auf [81). 

Gräben waren in der Regel nicht vorhanden, da man sich fast aus- 
schliesslich reinen Mauerbaus bediente und also keinen Roden zu Anschüt- 
tungen brauchte. Erst in der spätesten Zeit legten die Griechen im Augen- 
blicke der Armirung zuweilen einen Graben an und benutzten dann den 
gewonnenen Boden zur Anschüttung einer vorgeschobenen Linie {nqoxüxia^ia), 
einer Art von Glacis mit gedecktem Wege. Gemauerte Contreescarpen 
kommen niemals vor. 

Vorwerke (»qmuxionata). welche theils in niedrigen Mauern, theils 
•in Fallisa diru ngen (xa^axfiaftg) bestanden, legte man vor den Thoren 
und den Ausfallpforten an. erstens um das gleichzeitige Eindringen des 
Feindes mit einer etwa geworfeneu Ausfallmannschaft abzuwehren, dann, 

Breite gibt. Die äussere Mauer hat ungefähr 7,, s m, die innere m Höhe, so daaa 
sie die erstere um 2„- m überragt und gewisgermassen inneres Retranchemeut bildet, 
denn sie int in ihrem Obcrtheile krenelirt. Gegen das Innere der Stadt wurde die Mauer 
von Strebepfeilern gestützt, über welche unzweifelhaft bei der Armirung Balken gestreckt 
wurden, um auf diese Weise einen inneren Wallgang zu erzielen. (Vergl. übrigens: Blcsson 
„Grosse Befestigungskunst" S. 49 ff.) 

*) Athen« Thore sind verschieden geartet, je nachdem sie in dem felsigen oder dem 
ebenen Stadtgebiete liegen. Ersteren Falls stellen sie sich als Sattelt höre dar, welche auf 
Sperrung eines schluchtartigen Weges angewiesen sind. Von den Thoren der Ebene lagen 
zwei am Hände des Pelsgebietes , nämlich das konische am Ostabhange des Muscion und 
das Dipylon an der tiefsten Stelle bei den Nordauslänfern des Nymphcnhügels. Die an- 
sehnlichen Ruinen dieses Dnppelthores sind noch nicht völlig aufgeklärt ; indessen unter- 
scheidet man immerhin einen schmaleren Thorweg. der nach Eleusis gerichtet ist, und den 
eigentlichen Thorhof in der Kichtung auf die Akademie. Unmittelbar an dies Dipylon 
schloss sich ein grosses Brunnenhaus. (Curtius u. Kaupert a. a. O.) 



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- 151 - 



um Ausfälle wohlgedeckt vorbereiten zu können: endlich uher errichtete 
man Vorwerke auch an andern geeigneten Mauerthcilen (namentlich vor 
Thürmen) lediglich zu dem Zwecke, den Feind da, wo er der vereinten 
Wirkung vieler Geschosse und anderer Vertheidigungsmittel ausgesetzt war, 
möglichst lange aufzuhalten. 

Noch in die Epoche vor dem alexandrinischen Zeitalter fallen mehre 
Gründungen neuer Stüdte, hei denen also auch die Befestigungsan- 
lagen völlig nach freiem Ermessen hergestellt werden konnten. In Iouien 
hatte man zuerst angefangen, hei solchen Anlagen nach festem Plane zu 
verfahren, die Stiassenzüge geradlinig mit rechtwinkligen Durchschneidungen 
zu ordnen, die öffentlichen Plätze regelmässig anzulegen und mit Säulen- 
hallen zu umgehen. Schon bei der Anlage des Peiraieus kam diese höhere 
architektonische Gesetzmässigkeit zum Ausdruck: in bedeutenderer Weise 
noch hei Gründung der neuen Stadt Rhodos, 408 v. Chr.*) Das eigent- 
liche Griechenland machte von diesen Errungenschaften zuerst umfassen- 
deren Gebrauch, als nach des Epameinondas Sieg über die Lakcdaimonier 
bei Leuktra (371) der grosse Thebaner die Gründung neuer Städte in der 
Peloponnesos beschloss. So entstand Megalopolis (die „grosse Stadt''), 
in elliptischer Form einen Umfang von 50 Stadien beschreibend. Reste sei- 
ner Denkmäler, sowie Theile der gewaltigen Stadtmauer mit ihren Thoren 
und Thürmen sind noch vorhanden. So entstand auch am Berge Ithome 
Messen 6j dessen aus schönem Quaderbau gefügte Stadtmauer mit zahl- 
reichen Thürmen und Thoren sehr interessanter Konstruktion versehen sind. 

Unter anderen findet rieb zu Messcnc an der Spitze eines stumpfen Winkels, der von 
den Mauern gebildet wird, ein runder Thurm [30], der in seiner ganzen Anlage ausser- 
ordentlich an mittelalterliche Bauten erinnert. — Eben dort ist ein mit grosser Festigkeit 
und zugleich künstlerischem Geschmackc ausgeführte« Thor [32] erhalten. Eb ist ein 
Itembc mit äusserer [a] und innerer [b] Pforte und liegt in einer thurmartigen Ver- 
stärkung der Hauer, so dass sich ein kreisrunder Ilof bildet, den man vielleicht als 
frühestes Vorbild eines Propugnaculums betrachten darf. 

Die grossartigste Neuaulage in makedonischer Zeit war Alexandreia. 
welches Alexander seihst im Nildelta zwischen dem Landsee Mareotis und 
dem Meere gründete. 

Geniale Wahl des Platy.es, wnldurchdaehter Plan und herrliche Ausstattung vereinigten 
sich, Alexandre : a zu einem Wunder der Baukunst zu machen. Deinokrates hatte die Anlage 
„in Form eines ausgebreiteten makedonischen Keitermantels" entworfen und die Aus- 
führung geleitet; die Ptolemäer und selbst die römiseben Kaiser fügten noch manche« 
Praehtdenkmal hinzu. Der Stadtumfang betrug 19 km. Schon durch die Rücksicht auf 
Gesundheit und Zweckmä«sigkeit ward Alexandreia das Muster für alle äbnlicben Unter- 
nehmungen. Ein System von Kanälen durchzog die Stadt und führte «las Nilwasser in 
die Cisternen der Häuner. Grossartig waren der Hafen und die Verbindung desselben mit 
dem See Marcotis. Der auf der Insel Pharos errichtete Leuchtthurm wurde sammt 
seiuem Namen Vorbild aller späteren Leuehtthürme. In der ganzen Konstruktion der 
Stadt blieb das Holz ausgeschlossen und selbst die Privathäuser waren aus Steinen er- 
richtet, mit gewölbten Stockwerken und terrassenartigen Platformen. Der Hauptzug der 

♦) Vergl. Bcrgk: Die Insel Rhodos. Braunschweig 1S60— 62, 



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— 162 - 



Straiwcn ging südlich, >un den von dt'r See wehenden erfrischenden Nordwinden freien 
Durchzug zu lassen. Die 100' breite Hauptstrasse hatte eine Länge von 40 Stadion, d. h. 
einer deutschen Meile. Die königliche Burg machte ein Viertel der ganzen Stadt aus 
und wurde von den Ptolemäcrn stet» erweitert und verschönert.*) 

Der wesentliche Unterschied der antiken Befestigungsweise von der 
unsrigen liegt darin . dass jene den Hauptnachdruck legte auf die Mächtig- 
keit des Profils, wir auf die Anordnung des (J r u n d r i s ses. Alle An- 
strengungen der Alten waren dem Streben gewidmet, den Feind zu domi- 
niren; wir dagegen wollen ihn umfassen. Auf die geringe Bedeutung 
der Flankirung durch die Thürme wurde schon hingewiesen; sie kommt 
überhaupt eigentlich nur int Sinne der Thorvertheidigung zur Geltung, und 
sogar hei dieser war es mehr der Wurf schwerer oher brandverbreitender 
Massen als die eigentliche Flankirung durch den Schuss, was von den 
Thürmen ausging. In Folge dessen stehen die Thorthürme meist ganz dicht 
bei einander. Philon verlangt zwar, dass die Thürme auf Bogenschussweite 
von einander entfernt sein sollten, also im Mittel 100 Ellen (46, 21 m); 
thatsächlich aber weisen die Gürtelmauern Altgriechenhmds und Etruriens 
sehr oft Zwischenwälle von mehren Hundert Metern auf. Und so ist es Philon 
mit vielen seiner Vorschriften ergangen. Der Kommandant Prevost bringt 
eine Stelle aus dem Werke Philon's bei **), aus welcher er nachweist, dass 
dieser geistvolle Theoretiker nicht nur die modernen Grundsätze der Flan- 
kirung, ja beinahe sogar das bastionäre Prinzip geahnt habe, sondern dass ihm 
auch Anlagen geläutig gewesen seien, die unseren Dechargenmauern. unseren 
Orillons, unseren Winkelminima von 60". unseren Contregardcn und Fausses- 
braies durchaus entsprächen. Aber dieser antike Vauban sei zu früh ge- 
kommen und von seinen Zeitgenossen nicht verstanden worden. 

Wohloingerichtetc Städte waren in Quartiere abgetheilt. ***) An der 
Spitze ihrer wehrbaren Mannschaft standen Quartiermeister, welche sie bei 
entstehendem Lärm auf dem angewiesenen Allarmplatze (Theater, Markt 
od. dgl.) zu sammeln und von dort auf die Theile der Ringmauer zu führen 
hatten . zu deren Besetzung sie bestimmt war. Besondere Abtheilungen 
wurden für die Wachen formirt; andere für Ronden und Patrouillen. Ein 
Theil ward als Reserve (näv novovpMttv ßot^thim) und für Ausfälle (t'$odoi) zu- 
rückbehalten. Der Best der Mannschaft wurde bei drohender Gefahr auf den 
freien Plätzen versammelt, um einen etwa eingedrungenen Feind wo möglich 
wieder aus der Stadt zu werfen, f) 

Die schroffe Stellung der Parteien in den hellenischen Städten bedingte, 
sobald der Feind sich näherte, die Verhängung von Ausnahmsmassregeln. 
die denjenigen unseres Belagerungszustandes gleichen: Verbote aller Ver- 
sammlungen, strenge Ueberwachung des Personenverkehrs, ja der Korre- 
spondenz, yj-) 

Ungemein sorgfältig ausgeklügelt war die Einrichtung des Wacht- 

*) Kiepert: Topographie des alten Alexandria. Berlin 1872. 

•*) l'revost a. a. 0. p. 19-22. - ***) Aeu.: Takt. e. 3. - f) Kbd. l.-ft) EM- 1& 



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dienstes: — Die Ringmauer wird auf ihrem ganzen Umzüge mit Wachen 
besetzt. Die Haupt wachen richtet man in den Thürmen ein; von ihnen 
werden für bestimmte Theile der Mauer Posten gegeben. Nachts werden 
die Hauptwachen verstärkt, damit es möglich sei, zu heimlichen Unter- 
nehmungen eine genügende Anzahl Leute schnell zusammenzubringen: am 
Tage, wie bei geringerer Gefahr, wird dagegen die Kopfzahl vermindert, um 
die Leute nicht durch zu grosse Anstrengung zu ermüden.*) — Die Wachen 
der Ringmauer bilden ein zusammenhangendes Postensystem, welches theils 
sich selbst kontrolirt, theils unter beständiger Kontrole des Stadt- 
kommandanten steht, der sein Hauptquartier daher womöglich an einem 
solchen Orte des Stadtinneren aufschlügt, wo er mit den Mauerwachen in 
direkte Zeichenverbindung treten kann. Zu dem £ndc erhalten die Posten 
Nachts Signallaterneu. Die Posten auf der Mauer (jrQtHpvkaxtg) 
stehen paarweise mit dem Gesicht gegen einander, um den ganzen Umzug 
zu übersehen : bisweilen siud sie instruirt zu gewissen Zeitabschnitten Steine 
die Mauer hinabzuwerfen und anzurufen, als ob sie Jemand sähen. Ge- 
wöhnlich aber weist man sie an , sich ganz ruhig zu verhalten , damit sie 
jedes Geräusch bemerken. Dann legt man vor der Mauer Hunde an. 
welche durch ihr Gebell sofort die Annäherung alles Verdächtigen ver- 
rathen sollen.**) 

Die Nacht wurde in drei Wachen gethcilt. so dass zwischen dem abend- 
lichen Aufziehen der Posten und ihrem Einziehen am Morgen nur zwei- 
malige Ablösung stattfand. Geregelt wurde diese durch die Wasser- 
uhr.***) Jede Hauptwache stellte einen Mann zur Ron de (jregtoöo^.f) — 
In minder gefährlichen Zeiten fand statt der engen Postenbesetzuug eine 
weitläufige mit Patrouillengang statt, indem eine der Schildwachen vom 
Kommandanten ein gezeichnetes Stäbchen erhielt, mit diesem ihre Mauer- 
strecke abpatrouillirte und es dem nächsten Posten gab. So wanderte das 
Kontrollstäbcheu um dio ganze Mauer und gelangte endlich in die Hände 
des Kommandanten zurück.ff) 

War die Stadt in nächster Nähe bedroht, so hielt man alle Thore bis 
auf eins geschlossen : dies letztere, nur für das Aus- und Eingehen einzelner 
Personen bestimmt, wählte man am festesten Punkte der Stadt. In seiner 
Nähe durften keine Schiffe anlegen, durfte sich überhaupt nichts befinden, 
was einen Ueberfall begünstigen konnte. Grosse Transporte, z. B. Zu- 
fuhreu, wurden nicht durch dies Thor eingelassen, sondern an eins der 
nächsten gewiesen. Der Thorposten (icvltoQÖe) übte über Alles, was cin- 
passirte, strengste Kontrole. "fff ) 

Die bisher erwähnten Wachen treten vorzugsweise Nachts in Funktion. 
Am Tage aber und so lange die Stadt noch nicht eng eingeschlossen ist, 
zieht man das System äussererWachenvor, welche vor den Thoren auf 
Punkten mit weiter Umsicht placirt werden. Die Leute (r^eQoaxönoi), 

♦) Aen. o. 22. - *•) Polyaen 2, 26. - *~i Aen. 22. - f) EM. 
ff) Polyaen 3, 12; Leo Takt. 20. 145. -ftf) Aen. 7 u. 29. 



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welche zum Dienst der Tagwachen ausgewählt werden, Sollen besonders 
kriegserfahren, gewandt und schnellfüssig, die einzelnen Posten nicht unter 
drei Mann stark sein. Einfache Meldungen über diejenigen Dinge, welche 
sich oft wiederholen, geben sie durch optische Signale (ovdrjftcna); andere 
Meldungen werden durch beigegebene Eeiter übermittelt. 

Als Erkennungszeichen unter einander dienten den Posten, Ronden und 
Patrouillen Losung (ovvfotfta) und Passwort (naQaovv&wa). *) 

Bei der grossen Anzahl nahe bei einander liegender wolbefestigter Städte 
kommen reine Militärbefestigungen in Griechenland nur selten vor 
(vergl. S. 147). Am häufigsten sind noch Signal- und Wachtthürme, 
zu deren Anlage man möglichst einzeln stehende Felsen und Höhen be- 
nutzte. Sie dienten auf Küsten und Inseln als Warten gegen Seeräuber 
und als Zufluchtsorte der Umwohner, wie sich denn noch jetzt an vielen 
Punkten der griechischen Küste ähnliche Anlagen der Venetianer finden, 
die ganz zu demselben Zwecke eingerichtet wurden. Der unter den er- 
haltenen altgriechischen Bauten dieser Art wichtigste ist der Thurm auf der 
Insel Koos. Er erhebt sich in vier Stockwerken frei über dem Boden, ist 
mit Zinnen gekrönt und auf seinen vier Seiten mit hervortretenden Stein- 
balken umgeben , die eine offene Gallerie trugen. Dieser Thurm ist viel- 
leicht das einzige wol erhaltene Beispiel des in der alten Vertheidigungs- 
kunst so wesentlichen Peridromos. **) Von ähnlicher Anlage, doch ruuder 
Form ist ein Thurm auf Andros. — Standen solche Thürme ganz frei, so 
schlössen sich ihnen nicht selten ummauerte Höfe als Zufluchtsstätten für 
die Umwohner an. Das zeigt beispielsweise eine auf der Insel Tenos er- 
haltene Anlage, wo der Hof eine Länge von fast 84' hat \'2$). 



Es ist bereits erwähnt worden, dass und weshalb Belagerungen in der 
voralexandrinischen Zeit der Griechen verhältnismässig selten waren (S. 146.)***) 

Bei den Schwierigkeiten, welche die Belagerung selbst ganz kleiner 
fester Städte darbot, suchte der Angreifer sich ihrer zunächst immer durch 
U eberfall oder Einverständnis mit einer städtischen Partei zu be- 
mächtigen: ein Streben, dem die geringen Entfernungen und die feindselige 
Haltung innerer politischer Parteien entgegenkamen. Durch Ueberfall wäre 
es i. .T. 432 den Thebauern beinahe gelungen, Plataiai einzunehmen; durch 
List und Einverständnis gelangten die Athener (424) in den Besitz der 
Hafemnauera von Megara, durch Verrätherei die Lakedaimonier (393 > in 
den Besitz von Lechaion wie in den der Kadmeia (3H2). Unter Um- 
ständen sah man sich doch aber auch iu der voralcxandrinischen Zeit schon 
zur wirklichen Belagerung gezwungen. 

*) Aen. Tact, c. 24 u. 25. 

•*) Rosb: Reben auf den Inseln de» aegacischen Meeres. 1. Stuttg. 1840. 
***) Vergl. Tür das Folgende Rüsto$ und Köchly a. a. O. 



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Der erste Akt einer Belagerung war stets die Erschliessung der Stadt, 
die Berennung. Man besetzte alle Zugänge und umgab die Stadt auf 
eine Entfernung, die sich nach der Wirkungsweite der Fernwaffen der Be- 
lagerten bestimmte, mit einer Circum vallationsli nie, die bald in 
Mauerwerk, bald in Backsteinen, bald als Palisadirung oder auch als Erd- 
wall mit Graben ausgeführt wurde. So bei Flataiai (430), Syrakus (415), 
Mantineia (385), Phlius (380). Während ein Theil des Belagerungsheeres 
an den Einschliessungswerken arbeitete, wurde ein andrer unter den Waffen 
gehalten, um die Arbeit zu decken. 

Der Belagerte suchte den Zweck der Circumvallation zu vereiteln oder 
ihre Zustandebringung zu verhindern oder doch hinzuhalten. Er sorgte 
bei Zeiten für hinlängliche Verproviantirung, erhielt durch Massregeln zu 
Gunsten der ärmeren Bevölkerung . durch Schuldennachlass od. dgl. , diese 
bei guter Laune und stimmte sie für eine energische Vertheidigung.*) Er 
schaffte die Feldfrüchte und das Vieh vom Gebiete der Stadt in diese selbst 
oder sonst an einen sicheren Ort, entfernte alle Baumaterialien, welche zur 
Aufführung der Umschliessungslinie benutzt werden konnten, aus dem Um- 
kreise der Stadt und verdarb die guten Landstrassen . auf denen Zufuhr 
stattfinden konnte. **) — Auf solche Weise konnte dem Belagerer unter Um- 
ständen das Schicksal bereitet werden, welches er dem Belagerten zugedacht 
hatte. Dieser Hess es dann auch an activen Massregeln nicht fehlen. Zu 
ihneu gehören namentlich die Ausfälle und die Anlage von Gegen- 
wällen***), welche, von der Stadt aus geführt, die Richtung quer durch- 
schneiden, in welcher der Belagerer seine Linien zu ziehen gedenkt, und ihn 
nöthigen, durch einen besonderen Angriff zuerst das Hindernis des Weiter- 
baus fortzuräumen. Dieses Mittels bediente sich namentlich das von den 
Athenern belagerte Syrakus (414) in weitester Ausdehnung. 

Bei dieser berühmtesten Belagerung der vor-alexandrinischen Zeit handelte e» »ich 
ganz wesentlich darum, die völlige Einschliessung, die Circumvallation der Stadt, zu 
verhindern [26]. Nikia», der pedantische Nachfolger de« genialen Alkibiades, hatte die 
Absicht, die Halbinsel, auf welcher Syrakus lag, durch eine grossartige Umwallung abzu- 
sperren, welche im Winkel [r k m] geführt werden sollte. Für die Belagerten kam es 
besonders darauf an, die Verbindung mit dem grossen Hafen durchaus frei zu halten und 
zu dem Ende die Annäherung der Einschliessungsarbeiten an den Hafen zu hindern. 
Um diesen Zweck zu erreichen, führten sie senkrecht gegen die Lüngenrichtung der atti- 
schen Circumwallation nach einander zwei gewaltige Mauern auf [r o u. p q], welche in 
der That die Vollendung der Einschliessung hinderten, f) 

Dies Beispiel zeigt aufs Deutlichste , wie vollständig in der frühereu 
Zeit die ßlokade und ihre Verhinderung das eigentliche Wesen des Be- 
lagerungskriegcs ausmachten. -J~j-) Indem nun dies von Philippos von Make- 

*) Aen. c. 14. — **) Ebd. c. 8. — ***) Ebd. c. 23. 

f) Arnold: Geschichte von Syrakus. Gotha 1816. — Cavall ari: Zur Topographie 
von Syrakus. Göttingen 1845. 

ff) Wenn die Stadt cinigermaseen gut versehen war, bo wurde die Blokade stets sehr 
langwierig. Sogar das keineswegs ganz ausreichend verproviantirte Phlius hielt sich (380 
-379) zwanzig Monate lang. (Xenoph.: Hellen. 6; 3, 25.) 




156 — 



dornen nnd mehr noch von Alexarider d. Gr. geändert wurde, traten die- 
jenigen Werkzeuge in den Vordergrund, welche zur Durchführung des förm- 
lichen Angriffs nothwendig waren: es sind das die Artillerie und die 
Belagerungsmaschinen. 

Die förmliche Belagerung fester Plätze zerfiel, wie zu allen 
Zeiten, auch im griechischen Alterthum in zwei Hauptthätigkeiten : in die Er- 
zeugung eines Zugangs 1 7tQooay«iyr l n^xavi^taair) und in den Sturm (jigoottyioyi} 
owftttoar). *) 

Der Zugang kann auf dreierlei Weise eröffnet werden: durch Bresche- 
legung, durch Hochbauten bis zu den Mauer/innen oder endlich durch 
Untergrabung. 

Von den Bresch werk zeugen (agtiöftaia) ist das älteste und zugleich 
dasjenige, welches sich am längsten im Gebrauch erhalten hat. der Sturm- 
bock oder Widder (zpidc). Die Annahme der Griechen, dass die Karthager 
dies Instrument erfunden hätten**), ist unrichtig: es kommt schon im 
grauen Alterthum des Orientes vor (S. 85). Der Widder war ursprünglich 
ein in einem Bockgestelle aufgehängter starker Balken mit metallbeschla- 
genem Kopfe. Verbessert wurde er durch Dionysios von Syrakus um 400 v. 
Chr. ***) und im eigentlichen Griechenland zuerst von Perikles bei der Be- 
lagerung von Samos 440 angewendet, f) Man setzte den Widder aus ge- 
waltigen Stämmen bis zu einer Länge von mehr als 100 Fuss zusammen ff), 
hing ihn, je länger er ward, an um so mehr Punkten auf und schützte ihn, 
sowie die ihn schwingenden Menschen . deren zuweilen bis zu hundert an 
Tauen zogen, durch die W i d d e r sc h i 1 d k r ö te n (xtt.i~>viu /.QiorpÖQw), d. h. 
durch Balkenbauten, die entweder in Form eines Pultdachs oder eines 
Satteldachs erbaut waren. Im ersteren Falle stellen sie sich als Breseh- 
schildkröte (xtktivr, (ho^rxWs) dar, welche hart an die Mauer herangerollt 
wird , nur eine ganz kurze Schwingung des Sturmbocks gestattet und wo! 
mehr zur Erschütterung und Untergrabung als zur eigentlichen Durch* 
stossung der Mauern verwendet wurde [18], Die Widderschild- 
kröten mit Satteldach waren zur Aufnahme mächtigerer Sturmböcke 
bestimmt [10 u. 11 1. Die grössten dieser Bauten waren 75' breit. 60' lang 
und über 40' hoch. Sie ruhten auf Rädern, und um im Zickzack vorgehn 
und den Geschossen des feindlichen Geschützes leichter ausweichen zu 
können, waren sie vorn mit einem Lenkrade versehu. 

Ein zweites Breschinstrument war der Mauerbohrer (tqv7iovov). Die 
eine Art desselben unterscheidet sich nur dadurch vom Widder, dass sie 
nicht sowol durch die Erschütterung als vielmehr durch ihre scharfe Spitze 
schneidend wirkte. Die andere Art aber war ein wirklicher Steinbohrer. 



*) Acn.: Takt. c. 32. 

**) Verjfl. die Erzählung bei Athenäen», p. 3 in Veter. Mathera. ed. Thevcnot, und 
Vitruv 10, 19. 

*•*) Dindor 12, 28. f) Plut.: Perikl. 27. 

ff) Apollodnr p. 24— 26.— Ein Widder des Hefretor von Uyzantion war 18fr lang. 
(Athen, p. ü.) 



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mittelst dessen man eine Meuge grosser Löcher bis auf die halbe Mauer- 
stärke bohrte; die Löcher wurden dann mit Holz gefüllt; dies zündete man 
au und führte dadurch den Sturz der Mauer herbei [12].*) 

Um den Widder oder den Bohrer an die Mauer ansetzen zu können, 
musstc man ihn dicht heranbringen. Nun lag aber nicht selten vor der 
Mauer ein Graben, der, wenn er auch erst im Augenblicke der Armirung 
ausgehoben und nicht allzutief und breit war. für die Schildkröten doch 
ein unmittelbar nicht zu überwindendes Hindernis bildete. Es galt also 
zuerst, den Graben zuzuschütten. Zu dem Ende gingen sog. Schütt- 
schild k rö t e n (x*/(Jm/ x'^f'^s» vor. welche die zum Ausfüllen des Gra- 
bens koinmandi: te Mannschaft deckten ( 14- u. 24©].**) 

Ganz ähnlich wie diese Schüttschildkröten und die Widderschildkröten 
wurden die Laufh allen (oioai, aiotdia) konstruirt [16], welche den grösse- 
ren Behlgerungsmaschinen nachgefahren wurden und dazu dienten, die 
Verbindung der Bedienungsmannschaft nach rückwärts gegen das Geschütz 
des Belagerten zu sichern.***) 

Nächst der Breschelegung ist das Mittel, einen Zugang zu dem belagerten 
Platze zu gewinnen, der Hochbau. Unerhörte Anstrengungen machte der 
Angriff, um die Höhe der belagerten Wälle seinerseits zu überhöhen. An- 
gesichts der modernen Artillerie wären allerdings so kolossale Bauten, wie 
sie zu diesem Zwecke unternommen wurden völlig unausführbar; aber der 
antike Angreifer war dafür wieder in der peinlichen Lage, dass dem mäch- 
tigen Relief der Festungsgürtel gegenüber, irgend ein Detileraent nicht mög- 
lich war. Alle Arbeiten mussten durch Blendungen nach oben wie nach 
den Seiten gesichert werden. — Während die Breschelegung ihre Anstren- 
gungen meist gegen einen oder mehre Thürme richtete , deren Besitz den 
der beiden anliegenden Kurtinen sicherte , so richtete sich der Angriff mit 
Hochbauten gegen die Zwischenwälle : denn diese waren minder hoch als 
die Thürme, konnten also leichter von den Angriffsbauten (b.minirt werden. 
Dass man von der Flankirung durch die benachbarten Thürme wenig zu 
fürchten hatte, ist schon erwähnt. 

Hochbauten zur Eröffnung eines Zugangs waren Erddämme oder 
Thürme. Die Erd dämme {yonnttu) sind das ältere Mittel . das z. B. im 
peloponnesischen Kriege vor Plataiai (429—427) angewendet wurde. 

Bei dieser Belagerung eröftnete König Archidamos als Befehlshaber <lcr Peloponnesier 
den förmlichen Augriff, indem er anfing, einen Damm von »einer huk Ziegeln gemauerten 
und mit Thürmen besetzten Circumvallation gegen die Stadtmauer hin zu schütten, dessen 
beide Läugcn&eiten durch Wände von aufgestapelten Hölzern gehalten wurden. In 70 
Tagen war der Damm l»is nahe an die Mauer geführt. — Die Belagerten scheinen die 
Arbeit nicht durch AuBllille gestört zu haben; wahrscheinlich, weil sie zu schwach dazu 
waren. Dagegen begannen sie, als die Schüttung sich näherte, die Stadtmauer durch auf- 
gesetztes Fachwerk zu erhöhen, dessen Hnlztheile vorgehängte Felle gegen Anzünden 
sicherten. Die Peloponnesier erhöhten nun ihren Damm gleichfalls und trieben ihn näher 
an die Mauer. Als er diese berührte, brachen die Belagerten hervor und zogen den Boden 

♦) Aon. c. 32; cfr. Athen, p. 5; Apollodor p. 19. **i Athen, p. 1«. Diod.20; 36. 
*♦*) Apoll, p. 22. 



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— 158 — 



des Dammes in die Stadt, so dam dieser nachzustürzen begann. Die Peloponnesier aber ver 
»topften die Dammbresche mit Schilfkörben, die sie fest voll Lehm stampften. Jetzt 
trielien die Belagerten einen Minengang aus der Stadt unter den Damm und zogen 
wieder den Boden desselben zu sich herein; auch legten sie hinter dem erhöhten Theil 
ihrer Mauer einen mondfönnigen Abschnitt an. Die Peloponnesier hatten unterdessen theils 
auf dem Damme, theils neben ihm Widder aufgestellt, mit denen sie die Mauer bearbei- 
teten. Aber die Plataier begegneten den Breschmaschinen , indem sie mittelst starker 
Seile die Widder umfingen und sie auf die Seite zogen oder ihnen durch heral^estürzte 
Balken den Kopf abschlugen. — Da machte Archidamos den Versuch, die Stadt durch 
einen ungeheuren, vor den Mauern entfachten Brand in Flammen zu setzen. Auch diese 
Art des Angriffs schlug jedoch fehl, und die Peloponnesier sahen sich genöthigt, zur ein- 
fachen Blokade überzugehen. Ueberwunden wurde Plataiai endlich nach zweijähriger 
Belagerung durch nächtlichen U eher fall mit Leiterersteigung.*) 

Da die Anschüttung hoher Dämme, die, gleich der Ausfüllung des 
Grabens, unter dem Schutze der Schüttschildkröten stattfand, sehr zeitraubend 
was. so sann man auf Ersatz und fand ihn bei fortschreitender Technik in 
hölzernen Thürmen, welche man ausserhalb der Wurfweite des Feindes 
erbaute und dann mittelst Walzen oder Rädern an die Mauern heranbewegte. 

Die Notwendigkeit solcher hölzernen Hochbauten machte sich früh 
geltend, auch dann, wenn man sie nicht unmittelbar zur Eröffnung eines 
Zuganges benutzen wollte. Denn nur von ihrer Höhe herab vermochte man 
die Anstalten der Vertheidiger zu Ubersehen und diese selbst zu treffen, 
sie also zu hindern, dei schüttenden, breschirenden oder minirenden Mann- 
schaft schädlich zu werden. 

Die Wandelthürme (rtvftyoi) |17, 18, 19, 20 1 liefen wie die Schild- 
kröten auf Rädern oder Walzen.**) Sie waren in verschiedenen Stockwerken 
erbaut, und ihre Bohlenverkleidung wurde gegen Feuersgefahr durch einen 
Behang von ungegerbten Häuten geschützt Für Löschzwecke waren über- 
dies zuweilen Gallerien angebracht (19|. — Die Höhe der Thürme be- 
stimmte sich nach der der feindlichen Mauern; sie wechselt von 90 bis 
180 Fuss, von 10 bis 20 Stockwerken. — Die Thürme dienten wesentlich 
als Batterien. — In den oberen Stockwerken stellte man Geschütze auf, 
namentlich Euthytona; in den unteren hielt man grosse (Quantitäten Wassers 
zum Löschen bereit; denn das Feuer war stets der gefährlichste Feind 
der Thürme. 

Ueber die Art der Bewegung dieser Bauwerke ist man ohne Nach- 
richt Wahrscheinlich arbeiteten die Leute im Inneren an vierkantigen 
durchlaufenden Axen mittelst durchgesteckter Hobel und aussen unter 
Laufhallen, die deu Thürmen folgten, an Flascheuzügen und Erdwinden, 
indem man auf dem Boden dicht vor dem Thurme Taue befestigte, die 
über Leitrollen rückwärts zu den Laufhallen führten |17, 18j. Für einen 
Thurm von 90 Fuss Höhe auf einer Grundfläche von 25 Quadratfuss be- 
durfte man 60 bis 80 Menschen zur Fortbewegung. Schnell war diese Be- 

*) Thukyd. % 71 ff; 8, 20, 22 ff. - Polyaen 6; 19, 2 u. 3. - »emosth. e. Neaer. 
8 102-104. 

**) Athen, p. 4 ,— Apollod. p. 27. 



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wegung keineswegs; denn sobald der Thurm um das Masz seiner Lang- 
schwellen vorgerollt war, mussten die Leitrollen erst wieder an die Vorder- 
seite verlegt werden. Die Bewegung ist also eine stets unterbrochene, und 
um einen Thurm von 25 Quadratfuss Basis vom Ort seiner Erbauung, der 
4 bis 5 Stadien von den Mauern entfernt lag, an diese seihst he.ranzurollen, 
bedurfte man wenigstens 6 Stunden. 

Da der Bau der Thürme sehr zeitraubend war, so führten wolausge- 
rüstete Heere transportable, d.h. auseinandergenommene Wandel- 
thürme (nv^yoi (po^rjol)*) mit sich, welche vollkommen zugeschnitten 
waren und schnell zusammengestellt werden konnten. Dabei wendete man, 
statt der Nagel nng, Durchsteckbolzeu an. 

Zuweilen haben die Thürme breite Unterbauten zur Aufnahme 
starker Bewegungsmannschaften ''20 A]**), und nicht selten werden sie mit 
anderen Belagerungsmaschinen verbunden. Man stellt auf der Platform 
Widder auf zum Einstoss.cn der Zinnen; man bringt Fallbrücken an, die, 
wenn man in die Nähe der Mauer gekommen ist, herabgelassen und zum 
Vorgehen der Sturmkolonnen benutzt werden. 

Niedrigen Mauern gegenüber wurde die Fallbrücke (imßäifya, 
actfißvxtj) auch selbständig angewendet, und sie kommt in den Belagerungen 
Alexander's hei Angriffen sowol von der Land- als der Wasserseite vor 
[21, 22j. Die Brücke hangt dann zwischen Masten, sei es zwischen solchen, 
die auf einem rollbaren Rost angebracht sind , sei es zwischen den Masten 
gekoppelter Schiffe, und sie wird rampenartig auf die Krone der zu stür- 
menden Mauer herabgelassen.***) 

Eine Fallbrücke im Kleinen war der Belagerungskrahn (xöqu!;) 
[23 1, der dazu diente, gelegentlich einzelne Leute zur Nachtzeit auf die 
Mauern zu schaffen.'!*) 

Das letzte Mittel, in den Platz zu gelangen, sind die Minen (virogvyfiata, 
fitjaXltiat), unterirdische Gänge, deren Anwendung übrigens stets durch ander- 
weitige Unternehmungen cachirt zu werden pflegte. Die untergrabenen 
Mauertheile stützte man zuerst mit schwachen Hölzern und zündete diese, 
wenn die erforderliche Strecke unterminirt war, an. -ff) 

Zum Sturme ging man unter dem Schutze der Laufhallen, der Schild- 
kröten und der sog. Lauben (äumhu), nämlich leichter Hürdengeflechte [16], vor. 

♦) Sic gelten für eine Erfindung des Diades. (Athen, p. 4.) 

••) Biton p. 108. Ein Beispiel für diese Konstruktion ist der Thurm des Poseidonios, 
dessen unteres 30* hohes Stockwerk 75' im Gevierte mass, während der daraus hervor- 
wachsende eigentliche Thurm hei 36' Grundfläche 75' hoch war. 

***) Athen, p. 4 u. 7. - Biton p. 1 10. — Apollod. p. 30. f) Apollod. p. 43 tt'. 

-}-{■) Aen.: Takt. 37. - Bei der Belagerung von Mantinein (385) hediente sieh Age- 
sipolis des Wassers, um die Stadtmauern zum Falle zu bringen; er staute den Bach, 
welcher durch die Stadt floss, unterhalb derselben an und überschwemmte den Boden. 
Die aus Ziegeln aufgeführten Hauern erweichten in den Fundamenten, bekamen Risse 
und drohten, trotz aller Mühe, welche man sich gab, sie mittelst Balken zu stützen, bald 
den Einsturz. Die Mantincier warteten die Bresche nicht ab, sondern kapitnlirten, 
(Xenoph.: Hellen. 5; •_>, 4, 5.) 



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Der Vertheidiger besetzte seine Mauern mit Geschützen, sowol mit 
solchen zum Wurf als mit solchen zum Schuss. In den Thürmeu, nament- 
lich tu deaen der Thore standen die Euthytona zuweilen liinter Scharteu 
|7|.*) Zu Anfang der Belagerung wirkte mau besonders von den Vorwerken 
mit Wurfgeschütz gegen den Angreifer und legte zu dem Zwecke Geschütz- 
stände an [34a, b], deren Breite ein Herumschwänzen der Palintona ge- 
stattete, um deu Feind bei seiner allmähligen Annäherung womöglich auf 
jedem Punkte fcj treffen zu können. 

Die Mauer schützte der Vertheidiger gegen den Stoss des Widders 
durch vorgehängte Säcke voll Saud. Spreu oder Wolle oder durch aufge- 
blasene Schläuche und Rohrmatten**): er durchbrach auch wol an der Stelle, 
wo der Sturmbock angesetzt war, die Mauer von innen und stellte dem 
Stosse des Angreifers den eines kräftigen Gegenwidders (arox?«*,-) ent- 
gegen. — Dem Mauerbohrer sucht man durch schwere Steine die Spitze 
abzubrechen; die Schilddächer, welche Minirer decken, werden mit 
brennbaren Stoffen begossen, die dann Feuerpfeile entzüudeu. — Gegen alle 
Hochbauten des Belagerers, sowol gegen Dämme als gegen Thürme. 
wendet man Minen an; gegen die Einsicht von der Höhe schützt mau sich 
durch grosse Segel, durch Hürdentraversen oder durch den Rauch mächtiger 
Feuer. — Um die Orte zu erfahren, an welchen der Feind mit Minen vor- 
ging , bediente man sich eines Metallschildes . den man an verschiedene 
Stellen der Mauer lehnte. Wo er zu tönen begann, da vermuthete man 
ein Vorgehn des Feindes. ***) Diesem kam man dann entweder mit Gegen- 
minen entgegen oder man hob ausserhalb der Mauer uuter dem Schutze 
des Glacis einen tiefen Graben aus, dessen Längcurichtung die der feind- 
lichen Mineugänge quer durchschnitt , sei es um die Coutreescarpe dieses 
Grabeus auszumauern und dadurch dem Fortschritte des Gegners ein schwer 
zu überwindendes Hindernis in den Weg zu legen, sei es, um den Graben 
mit brennbaren Qualmstoffen zu füllen, die den Gegner im Augenblick des 
Durchbruchs aus seinen Gängen herausräucherten. 

Ueberall, wo ciue Breschlegung in naher Aussicht stand, legte man 
hinter der gefährdeten Stelle einen Abschnitt an [2*>], gewöhnlich von 
halbmondförmiger Gestalt. — Uebrigens kam es im Alterthuin ebenso selten, 
wie überhaupt in der Kriegsgeschichte, zum wirklichen Sturme der Bresche. 
Gewöhnlich erfolgte vorher die Uebergabe. 

Dies sind die Kampfmittel, welche die Belagerungen des alexan- 
drinischen Zeitalters kennzeichnen. Sie werden von den Heerführern 
mit der grössteu Einsicht angewandt. Die Makedonier hatten in dieser 
Beziehung eine gute Schule. Namentlich die Belagerungen von Perinthos 
und Byzantion , durch welche sieb König Philippos die Herrschaft an der 
Propontis zu sichern versuchte, hatten der Poliorketik einen ganz neuen 
Weg gezeigt, indem sie die bis dahin last allein herrschende Blokade zurück- 



Vcrgl. Seite 149. »*i Aen.: Takt. 37. *«) Ebd. 



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geschoben und den Nachdruck auf den förmlichen Angriff gelegt hatten. *) 
In diesem Sinne wirkte Alexander weiter. Alle Kräfte werden auf eine 
bestimmte Angriffsfront vereinigt und hier mit allen Mitteln der Technik 
der Durchbruch erzwungen. Es ist das System des Epameinondas vom 
Schlachtfeld auf das Belagerungsfeld übertragen, und es leuchtet ein, dass 
bei einem solchen Verfahren die bisher nur nebensächlich behandelten 
Streitmittel: das Geschützwesen und die Bclagcrungswerk/.euge , zu ganz 
neuer Geltung und Bedeutung kommen mussten. — Wenn dies in rein 
kriegskünstlerischer Beziehung von grossem Interesse ist. so wird das Verfahren 
von höchster Wichtigkeit auch in kriegspolitischer Hinsicht; denn wäh- 
rend bisher die ganz grossen Städte der Blokade spotteten, namentlich dann, 
wenn sie an der Küste oder gar wie Tyrus auf einer Insel lagen, und 
solche Plätze daher fast unangreifbar gewesen waren, so lernte man jetzt, 
indem man an Einer Stelle durchzudringen versuchte, auch ihren Wider- 
stand zu brechen. Früher hatten der Belagerte und der Angreifer mit 
einander in langer Umarmung gerungen, bis einem von ihnen der Athem 
ausging; jetzt stiess der Angreifer an wol gewählter Stelle das Schwert 
durch den Panzer. — Die vorzüglichsten Ingenieure Alexander's waren 
Dia des, Ghaireas und Dienechos, von denen der erstere Erfinder 
der zusammenlegbaren Thürme und der Sturmbriieken ist. Ausserdem 
werden als ausgezeichnete Poliorketiker noch Poseidon ios und der Mi- 
neur Kratcs gerühmt. — Bei jeder Aktion dieser Männer erkennt man 
deutlich das Prinzip der Koncentrirung aller Kräfte auf Einen Punkt. So 
greift der König Halikarnassos von Norden, Tyros von Osten an. 
Auch bei dieser letzteren, gewaltigen Stadt dachte er nicht an die Blokade. 
Erst als die Tyrier ihm durch Gegenangriffe sehr unbequem wurden, liess 
er die Belagerten durch eine Flotte beobachten. Vor Tyros zuerst wird 
die Anwendung der Petroboloi, der steinschleudernden Wurfgeschütze, aus- 
drücklich erwähnt, die aber nicht wie die Euthytona auf die Wandelthürme 
gestellt werden.**) - Fast alle überhaupt üblichen Hilfsmittel des Angriffs 
wie der Vertheidiguug kamen bei der Belagerung von Halikarnassos 
i. J. 334 zur Anwendung [ST].***) 

Die Stadt Halikarnassos an der Südwestecke Kariens mit hohen Mauern, mehreren 
selbständigen Burgen im Innern , einem 45' breiten , 22' tiefen Gruben , war nach der 
Einnahme von Miletos der letzte Haltpunkt der persischen Macht in Vorderasien. Von 
Memnnn und Ephialtes vertheidigt, drohte sie einen bedeutenden Widerstand. — Alexander 
rückte von Norden gegen das mylassische Thor an (27 (a)]; 1200 Schritt von der Stadt 
bezog er ein Lager und begann den förmlichen Angriff, indem er unter dem Schutze der 
Wandelthürme nnd rückwärts aufgestellter Reserven drei Schüttschildkröten gegen den 
Graben vorgehen liess. Derselbe wurde ausgefüllt und auf «lern inzwischen hergestellten 
Damme setzte man Sturmböeke an die Mauer. An anderen Thürmcn und Maschinen, 
welche weiterhin folgen sollten, ward noch gearbeitet. In einer Nacht machten die Be- 

♦) Diodor lö. 

*♦) Diodor 17; 42, 4«. — Arrian: Anah. 2; 2ß, 27. Vergl. die Beschreibung der 
Belagerung bei Rüstow und Köchly S. 32ti ff. 
♦**) Arrian 1, 80— 22. — Diodor 17; 24 27. 

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lagerten einen Ausfall, um die Maschinen anzuzünden, wurden indessen von den Bedeckuug»- 
truppen unverrichteter Sache zurückgeworfen. 

Die Sturmböcke mochten die Mauern bereits etwas erschüttert und heruntergestossen 
halten, ohne dass jedoch schon eine Bresche zu Stande gebracht war, als sich eines Tages 
ganz zufällig ein Gefecht zwischen Makedonicrn und Ausfallstruppeu entspann, in Folge 
dessen die ersteren auf eigene Hand einen Theil der Mauer untergruben und zwei Thürnie, 
sowie die zwischcnliegende Kurtim- schwer beschädigten. Die Belagerten aber errichteten 
hinter dem einstürzenden Mauerstücke einen starken massiven Abschnitt von halbmond- 
förmiger (»estalt. den sie sogar mit einem grossen hölzernen Vertheidigungsthurm krönten. 
Als nun die Maschinen Alexander's vorgingen, machten die Halikarnasser wiederholt 
Ausfälle. Zuletzt, endgiltig zurückgeschlagen, legten sie zuerst Feuer an den grossen 
hölzernen Vertheidigungsthurm des Abschnitts, dann an eine hölzerne Halle, welche als 
Munitionsmagazin diente, und endlich steckten sie die Stadt in Brand. Der Rest der Be- 
satzung zog sich theils auf eine kleine Insel im Süden der Stadt, theiht in die Citadclle, 
welche auf einer Höhe mitten in der Stadt und in der Nähe des Hafens lag. — Alexander 
hielt diesen Rest keiner förmlichen Belagerung mehr werth. Er Hess zur Beobachtung 
der ('itadelle 3000 Mann zurück und ging mit der Armee zu weiteren Operationen über. 
Die transportabeln Kriegsmaschinen wurden noch an demselben Tage aufgepackt und 
nach Tralles gesandt. 

Bei der späteren Belageruug von Gaza veranlasste die tapfere Gegen- 
wehr der Araber, namentlich ihr stetes Auslallen, den Alexander, von 
mehren Seiten her anzugreifen ; aber nicht sowol, um die Vertheidiger aus- 
zuhungern, als um ihre Kräfte zu theilen. — Die Stadt lag so hoch, dass 
man mit den höchsten Wandelthürmen, die zu erbauen für zulässig galt, die 
Höhe der Mauern nicht erreichte, und man verband daher hier die beiden 
Arten bekannter Hochbauten, indem man einen ungeheueren Erddamm von 
250 Fuss Höhe und 500 Schritt Breite anschüttete und von diesem Damm 
aus mit den Thünnen vorging. 

Es ist unbekannt, in wie weit der Prozess einer Begründung griechischer 
Refestig ungswissenschaft sich schon in der Periode der Dia- 
dochen vollzog. Wahrscheinlich ging er sehr rasch von Statten, und ein 
grosser Theil der Vorschriften, welche das 5. Buch des Philon enthält, hatte 
wol schon im Beginne des 3. Jahrhunderts allgemeine Geltung. Denn die 
Zeit drängte: die Geschützmacherkunst nahm schnell Ungeheuern Auf- 
schwung; die Geschosse der Belagernden wuchsen von Tage zu Tage; die 
Vertheidigung hatte alle Veranlassung, an Vervollkommnung ihrer Deckungs- 
mittel zu denken. Die Verbesserung der eigentlichen Breschwerkzeuge zwang 
gleichfalls zur Steigerung der Defensivmittel. Das Wachsthum der Kennt- 
nisse in der Mechanik, das durch die Züge Alexander'« in den alten Stamm- 
ländern technischer Kultur, Phoinikien und Aegypten, gewiss gefördert worden, 
ermöglichte es, kolossale Maschinen zu bewegen ; und man zog daraus Vor- 
theil, indem Masse und Kraft der Breschwerkzeuge vermehrt und die Deckungs- 
fähigkeit der Schilddächer und wandernden Batterien vergrössert wurde.*) 

Die Taktik <Ier Feldschlacht hat während dieser Periode ihre vorzüg- 
lichsten Vertreter in Eumenes und Antigonos. die Belagerungskunst in des 
Letzteren Sohn, Deine tri ob, dem Städtebelagerer (Poliorketes). Die 



*) Rüstow u. Köchly a. a. (J. 



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Taktik des förmlichen Angriffes wandelte Demetrios nicht um: sie ist hei 
seinen Belagerungen dieselbe, wie bei denen Philipp's und Alexander's von 
Makedonien ; merkwürdig aber ist Demetrios durch die künstlerische Vollendung 
seiner Belagerungswerkzeuge, namentlich jener riesenmüssigen wandelnden 
Batterieen, die er Städtenehmer {tXiiwktig) nannte. Das Meiste hierüber 
weiss man aus Diodor's Schilderung der Helepolis vor Rhodos. 

Die Basis der Helepolis vor Rhodos, ein Quadrat von fast 76' Seitenlänge, war 
aus quadratischen Hölzern gefertigt ; die Verbindungen bestanden aus Eisen ; der lichte 
Raum zwischen den Schwellen der Basis war mit Balken durchzogen, die je eine Elle von 
einander abstanden und an denen ein Theil der zur Bewegung der Maschine verwendeten 
Mannschaft wirkte. Acht starke Räder, mit 3' dicken, eiacnbeschlageiu'ii Felgenkränzeu 
trugen die Last des Unterbaus und des ganzen auf ihm ruhenden Gebäudes. Räder mit 
Drehzapfeu (ärriorotzfra) erleichterten die Richtungsveränderungen. Aus den vier Ecken der 
Basis erhoben sich 4 Masten (iaroi, oxilri), die wenig unter 100 Ellen (150') hoch und so, 
gegen einander geneigt waren, dass die Decke des Erdgeschosses noch 43, die des obersten 
9ten, Stockwerks noch » Ellen (64 1 V und 13' ,') in jeder Seite mass. Die drei den feind- 
lichen Geschossen ausgesetzten Seiten des Thurmes wurden mit Eisenblech beschlagen, 
um sicher gegen BrandpfeUe zu sein. In der Front hatten die einzelnen Stockwerke 
Schiessscharten, die nach Art und Kaliber der Geschütze verschiedene Gestalten und 
Ma-sze erhielten. Die Schartenladen (xalvfi/uaa) waren aus Häuten gefertigt, mit Wolle 
gefüllt, elastisch, hingen ausserhalb vor den Scharten und konnten mittelst Rollen 
von innen aufgezogen oder herabgelassen werden. Jedes Stockwerk hatte zwei Treppen, 
von denen die eine zum Hinaufsteigen, die andere zum Hinabsteigen benutzt wurde. 
3400 besonders starke Leute waren zur Bewegung der Maschine ausgelesen. — Diese 
Helepolis unterscheidet sich äusserlich von den früheren Thümien des Diades nur 
durch die viel beträchtlichere Verjüngung nach oben (tf w us yw y j ) Hire innere Kon- 
strukti on, von der wir nicht« erfahren, muss aber allerdings bedeutende Abweichungen 
aufgewiesen haben. Die grosse Breite der unteren Stockwerke wird dadurch bedingt, dass 
Demetrios auch Wurfgeschütz und zwar der grössten Kaliber in die Helepolis auf- 
nimmt. Die Eintheilung der Höhe nach den Stockwerken kann man sich (stets 
die Decken mit eingerechnet) etwa so denken, dass auf das erste Stockwerk (Erdgcschoss, 
Bewegungsraum i 26', auf das zweite 30', auf das dritte 24', auf das vierte 18', auf das 
fünfte 14' und auf jedes der vier obersten 7'V kommen. Das ergiebt eine Gesammthöhe 
der Maschine (ohne die Ruder) von 142* und eine Länge der Schenkel von 146', also bei- 
nahe 150' (100 Ellen). An Geschützen würden dann nach Höhe und Breite in den ver- 
schiedenen Stockwerken aufgestellt werden können: im zweiteu 2 dreitalentige Falintona, 
im dritten 2 eintalentige, im vierten 3 dreissigminige, im fünften 3 zchuminige, im sechsten 
allenfalls 4 dreiellige Euthytoua, im siebenten 4 fünfspithamige , im achten 4 zweiellige, 
im neunten 4 dreispithamige*), — also im Ganzen 26 Geschütze, worunter 10 Wurfgeschütze. 
Die Last der beiden dreitalentigen Palintona muss von der Decke des Erdgeschosses und 
zwar von einem verhältnissmassig kleinen Theile derselben (allerhöchstem 200 Q-Fuss) 
getragen werden. Diese Last beträgt aber 61)0 Ctr. Was müsstcu nun das für Balken 
»ein, von denen höchstens 18 (64'/*' freiliegend) etwa auf ein Drittel von ihrem einen 
Ende eine solche Last zu tragen vermöchten? Man sieht, dass die Fussböden der unteren 
Stockwerke durch Hänge- oder Sprengewerke gestützt sein mussten; und darauf scheint 
auch die beträchtliche Verjüngung des Gebäudes nach oben, die starke Neigung'seiner 
Seiten hinzudeuten. Welcher Art aber diese Konstruktionen gewesen, davon wissen wir 
nichts; und Vermuthungen darüber aufzustellen wäre durchaus unfruchtbar. Das ergiebt 
sich jedoch ohne Weiteres : wie gering man auch immer (natürlich in zulässigen Grenzen) 
die Masse der Hölzer annehmen mag, dass die Helepolis unbesetzt mindestens 5000 Ctr., 
mit Besatzung und Geschütz mindestens 6000 Ctr. wog, dass also die überlieferte Angabe : 

•| Kaliberbezeichnung: arr<i^a/<*«W = 1 Spanne lang. 

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- 164 - 



sie habe nur 3000 Talente, d. h. ungefähr 1500 Ctr. gewogen, falsch ist. Stimmt dieselbe 
doch auch durchaus nicht mit der anderen l'eberlieferung, dass die Wände der Helepolis 
dem Stosse eines Steines von 3 Talenten widerstanden hätten. ♦) 

Die berühmtesten Beingerungen, welche Demetrios durchführte, sind die 
von Salamis auf Kypros i. J. 306 und die von Rhodos i. J. 305 304.**) 

Wie an des Demetrios' Namen die Erinnerungen höchster Leistungen 
des Angriffs, so knüpft sich der Ruhm erfindungsreichster Verteidigung an 
den Namen des grossen Archimedes. Als im zweiten punischen Kriege 
die Römer unter Marcellus i. J. 212 v. Chr. Syrakus belagerten, fügte 
Archimedes den Angreifern durch seine Maschinen ausserordentlichen Schaden 
zu. PolybioB***), Livius, Plutarch sprechen mit Bewunderung namentlich von 
dem Wurfzeuge des berühmten Mechanikers, durch welches Geschosse von 
ungeheuerem Gewicht geschleudert wurden ; sie erwähnen indessen nicht der 
Brennspiegel, durch welche Archimedes, der immer wiederholten Ueberliefe- 
rung zufolge, die römischen Schiffe in Brand gesteckt haben soll. 

Die Nachricht, dass Archimedes die römische Belagerungsflotte durch Brenn Spiegel 
in Flammen gesetzt halte, hat seit langer Zeit die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf sich 
gezogen und Zweifel f) wie Bestätigung -f-j-) hervorgerufen. I'm hierüber urtheilen zu 
können, kommt es auf die Fragen an: üb jene Leistung des Archimedes an und für sich 
möglich »ei? üb sie möglich gewesen in Rücksicht auf die optischen Kenntnisse der 
Alten? Endlich: Ob die Nachricht davon Glauben verdiene. — In Beziehung auf die beiden 
ersten Fragen sprach sich Graf Tschirnhaussen, welcher gegen Ende des 17. Jhrdts. auf 
seinen sächsischen Gütern Brennspiegel von ausserordentlicher Vollkommenheit und 
Grösse herstellen Hess und entsprechende Experimente machte , zu Gunsten der Tradition 
aus, und der Naturforscher BufTon schloss sich dieser Ansicht an. Die sorgfältige Special- 
untersuchung van Capelles giebtf ■}-{•) als Resultat: 1) Es ist unmöglich, durch einen 
Hohlspiegel in bedeutender Entfernung Entzündung hervorzubringen: 2 Wol aber kann 
dies geschehen durch eine Zusammenstellung von ebenen Spiegeln*-}- > ; 3i Der wissen- 
schaftliche Standpunkt des Archimedes in Optik und Katoptrik war vorgeschritten genug, 
um das Experiment möglich erscheinen zu lassen ; und 4) war die römische Flotte bei 
der Belagerung nahe genug, um Archimedes in den Stand zu setzen, jene Wirkung der 
Kunst an ihr zu versuchen. — Anders steht es mit der dritten Frage: ob die Erzählung 

*) Die ganze Auseinandersetzung nach Küstow und Köchly a. a. O. 
*♦) Diodor 20; 47 ff., 82 -88, 91 9«. Vergl. die Darstellungen beider Belagerungen 
bei Rüstow und Köchly S. 41b* 436. 

***) 8, 7-9. Conf. Bossut: Traite elcmentaire de mecanique I p. 144 ff. Paris 17«i. 
|) (Teber die BezweiHer siehe: Fabr. Bibl. gr. ed. Harl. IV 177 f. u. 183. - Paschi: 
Inventa novantiqua p. 731 ff. — Bossut a, a. O. I. p. 2<i5 ff. — Miliin. Mag. Enc. VII. an 
1802. - T. U p. 534. 

•HO Zu den Bestätigern gehören ausser den Grafen v. Tsehirnhaussen und v. Baflbn: 
Segner: De speculis Archimcdeis Tcntamen. Jena 1732. — Ehrenberg: De speculis ex 
Menisco parandis. Coburg 1739.— Duten: Du miroir ardent d'Archimede. Paris 1775.— 
Delambre: Sur un nouv. miroir ardent in Pej rard: „Traduct.de» oeuvres d'Archimedes." 
Vergl. Klügel zu Priestley's „Geschichte der Optik" S. 9. 

ftt) vanCapelle: rntersuchungen über Archimcd's Brennspicgel. Preisschrift. (Natuur- 
kundige Verhandelingen van de Hollandschen Maatschapy der Wctcnschappen te Harlem. 
VII. Deel. 2.. Stuck. 1814. Ccbers. in Gilbert s Annalen der Physik. Bd. 53 S. 242 ff.) 

•f) Durch ein aufgefundenes Fragment des A n t hem io s (532 n.Chr.) wurde bewiesen, 
das» man sich im Alterthum wirklich einer Zusammenstellung von Planspiegeln bedient 
habe, um feindliche Schiffe anzuzünden. (Vergl. über Anthemins H. 165 unten.) 




165 — 



vou jciicm Experiment überhaupt Glauben verdiene. Livius, Plutarchos und auch der 
Zeitgenosse des Archimedes, der hochgebildete Polybios, erwähnen kein Wort davon; der 
Bericht über das Unternehmen stützt sich vielmehr lediglich auf das Zeugnis späterer 
•Schriftsteller, nämlich auf ziemlich unbestimmte nnd dunkle Angaben des Diodor (HO. v. 
Chr.) und des Dio Gassius (230 n. Ghr.) sowie auf die Versicherungen mittelalterlicher 
Griechen. — Die Kritik des Facius*) kommt daher zu dem folgenden Ergebnisse: Das 
eigentlich Wahre bestehe wol darin, «las.-. Archimedes einmal Schiffe durch Maschinen 
mit Zündinstrumenten in Brand gesteckt habe, wahrscheinlich aber nicht bei Syrakus, 
weshalb denn auch die Geschichtsschreiber des punischen Krieges nichts von dem Experi- 
mente berichten , während diejenigen , welche es erwähnen , keinesweges die römischen 
Schiffe vor Syrakus als betroffen nennen, sondern kurzweg von „feindlichen Schiffen" 
sprechen. - Nun lebte aber im & Jhrdt. unter Kaiser Anastasius ein griechischer Mathe- 
matiker mit Nanien Proklos, von welchem Zonaras, ein Geschichtsschreiber des 11. Jhrdts. **) 
berichtet, doss er die Schiffe des feindlich vor Konstantinopel erscheinenden Vitalianus 
durch Brcnnspiegel von den Mauern her in Flammen gesetzt habe. Diese Nachricht nebst 
den Ausdrücken der als älteste Gewährsmänner genannten Galenus***) (9iä roir trvpwv) 
und Lukianf) (r% r*X''l) verführten vermuthlich zuerst den Anthemios ff), zu glauben und 
zu erzählen, Archimedes habe bei Syrakus auf gleiche Weise Schiffe verbrannt. „Hat 
Proklos" (so schloss man) „eine feindliche Flotte durch Brennspiegel zerstört, so hat es 
Archimedes, der grösste aller Mechaniker, gewiss ihm zuvor gethan." — Die späteren 
Grammatiker schrieben es dem Anthemios nach, wie Bich denn Tzetees fff) ausdrücklich 
auf diesen als Gewährsmann beruft, und so breitete sioh nachher die Sage als historische 
Wahrheit aus. 



VI. Seewesen und Kriegstelegraphie der Griechen. 

Tafel 16. 
Literatur. 

Baytius: De re navali veterum. LuteL Paris. 1499. 
Dolctus: De re navali. Lugduni 1537. 
Kivius: Historia navalis antiqua. Lugduni 1H83. 

Sonftlebii Argo, sive variarum autiquarum navium Syva.(?) Lpzg. W42. 

Scheffer: De militia navali veterum. Upsala 1Ö64. 

Meibom: De fabrica triremium lib. Amsterd. 1H71. 

Seheffer: Opelius de fabrica triremium Meibomiana. Eleutherop. IW72. 

de Montfaucon: Lantiquite expliquee et represente en figures. Paris 1719—24. 

T. 4; 2. partie; liv. U. p. 208. 
Pott er i Archacologia graeca. Lonilon 1764. II. 120 ff. 
Carli: Delle triremi in s. Gp. T. 9. p. 12 ff. 

*) Facius: Einladungsschrift zur Feier der Stiftung des Gymnasiums zu Coburg. 1801. 
**) Annal. s. Chron. L 424. ***) 180 n. Chr. .-{•) 200 n. Chr. 

ff) Anthemios von Tralles lebte unter Justinian und leitete i. J. 532 den Bau der 
Sophienkirchc. Er schrieb ein Werk //«pi ^raoaSö&uv ftrjnvruaiutv (conf. Fabric. Bibl. Gr. 
T. IV p. 178 ff), von dem noch ein Bruchstück erhalten ist. (Fragment d'un ouvrage 
grec d'Anthemius sur des Paradoxes de Mecanique, rev. et oorr. p. Dupuy. Paris 1797.) 

ftf) Poet u. Grammatiker. 1180 n. Chr, Die Stellen stehen ChiliatL II 36 v, 153; 
XIII v. 974. 



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- 166 - 



Leroy: Sur la marine des anciens peuples. (Mem. de l'Acad. des Inscript. XXXVIII. 

p. 642) und „Nouvelles rccherches" {Mem. de l'Instit nat an VII. p. 478 f.). 
Berg beul: Gesch. der Schifffahrtskundo des Alterthums. Lpzg. 1792. 
Böttiger: Ueber die Ruderschiffc der Alten. (Archäolog. Museum. 1. Hft. Weimar 1801.) 
Ho well: An Essay on the War Galleys of the Ancient*. Edinburg 1826. 
v. Minutoli: Uel>cr den Seeverkehr und das SchiffBwesen der Alten. (ZUchrll. für 

Kunst, Wissenschaft und Gesch. des Krieges. Berl. 1835. 4. Hft.) 
Hüll mann: Handelsgeschichte der Griechen. 1889. 
Jal: Archeologie navale. I. (Einleitung) Paris 1810. 

Leake: On the brazen prow of an ancient ship of war (Transact. of the societ. of 

literat. I. p. 246 ff.) 
Lucht: Ueber das Schiff des Odysseus. (Glnckstadter Progr.l Altona 1811. 
Boeckh: Urkunden über das Seewesen des attischen Staates. Mit einem Atlas von 18 

^Tafeln, enthaltend die von Ross gefertigten Abschriften der Urkunden. Berlin 1810. 
Smith: On the stups of de Ancients (In „Tho voyage and shipwreck of St. Paul. 

London 1848. p. 140 —'204.) — Deutsch bearb. v. Thiersch: Ueber den Schiffbau 

und die nautischen Leistungen der Griechen und Römer. Marburg 1851. 
Jal: Lc STSTON NATUAXON d'Homere. (Etudcs sur la Marine antique. Paris 1861.) 
Graser: De veterum re navali. Berobni 1864. Portges. im „Philologus". 3. Suppltbd. 

Hft. 2. 1865. 

Graser: Der antike Dreiruderer nach der Konstruktion Napoleon's III. und nach den 

Zeugnissen des Alterthums. („Ausland" 1863 S. 657 ff.) 
G r a s e r : Das Modell eines athenischen Fünfreihenschiffes im Berliner Museum.*) Berlin 1866. 
L ulli er: Essai sur l'histoire de la tactique navale. Paris 1867. 

G raser : Die Gemmen des Museums zu Berlin mit Darstellungen antiker Schiffe. Berlin 1867. 
Werner: Ueber Graser's Resultat«. („Daheim" 1869 S. 779 ff.) 
Graser: Die ältesten Schiffsdarstellungen auf antiken Münzen. Berlin 1870. 
Hermann: Verbindungsmittcl zu Land und Wasser. (Gricch. PrivaUlterthümer. 2. Aufl. 

Heidelberg 1870 § 51.) 
Graser: Antike Darstellung eines griech. Dreireihenschiffes. (Archacol. Ztg. XXXII. 

1875 S. 71—80.) 

Vergl. üben lies den Literaturnachweis S. 89 90, insbesondere die Werke von Nast, 
Köpke, Klemm, Weiss, Panofka, Guhl und Koner, Forbiger. 



Unsere Kenntnis vom Seewesen der Griechen, u. zw. nicht nur 
von dem der ältesten, sondern auch von dem der späteren Zeit ist leider 
sehr beeinträchtigt durch den Umstand, dass die erhaltenen antiken Dar- 
stellungen von Schiffen und Schiffstheilen so klein oder so oberflächlich und 
undeutlich gehalten sind, dass sie dem Verständnisse nur geringen Anhalt 
bieten. Erst die berühmten Untersuchungen von Boeckh und Graser haben 
cinigerma8sen sichere Resultate herbeigeführt.**) 

So weit Sage und Ueberlieferung zurückführen, scheinen Phoiniker und 
Aegypter den Griechen in der Beschiffung des Mittelmeers vorausgegangen 

*) Dies Modell, i. J. 1873 leider zertrümmert aus der Wiener Weltausstellung zurück- 
gekehrt, ist nicht mehr im Berliner Museum aufgestellt. 

**) Durch B o c c k h ' s und Graser's Arbeiten sind nicht nur die älteren Schriften — 
so weit es sich um den Schiffbau haudelt — entbehrlich gemacht, Bondcrn auch die An- 
nahmen von Jal endgiltig widerlegt worden. Jal geht bei seiner Konstruktion der antiken 
Schiffe von der Marine des Mittelalters aus, der er sein Hauptstudium gewidmet hat, und 
wird dadurch zu falschen Schlüssen verführt. 



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— 167 - 



zu sein. Nicht dass die Pelasgor und die iiitesten Hellenen vor der Be- 
rührung mit jenen Orientalen gar keinen Versuch der Seefahrt gemacht 
hätten; aher gewiss standen sie noch in den ersten Anfängen der Kunst, als 
die Besiedelung ihrer Küsten durch die östlichen Meerbeherrscher stattfand. 
Ausgehöhlte Baumstämme ( [tovo&Xa oder a/xirpr; von oxärrretv, „aushöhlen"), 
welche einen, höchstens drei Menschen aufnahmen und daher auch wol mit den 
Reitpferden denselhen Namen tragen (xtXrjttg oder xtXrjtta), Einbäu me, der- 
gleichen ungebildete Völker, wie die Mossynoiken, Xenophon zufolge, noch 
400 v. Chr. gebrauchten*), waren damals ohne Zweifel die wichtigsten 
Fahrzeuge der Griechen. Daneben hatte die pelasgischo und kleinasiatische 
Vorwelt Schiffe aus Thierhäuten und zusammengenähten Fellen (vergl. S. 60), 
welche Lederschiffe hiessen (nloia dt(pfrtQiva oder digudriva). Auf einem 
solchen Fahrzeuge floh Dardanos von der Insel Samothrake nach Troas**); 
und vielleicht schwebte dies dem Virgil vor, als er seinem Charon einen 
zusammengenähten Nachen (rymba stttilis) gab. ***) Aehnlich waren die Schiffe 
der Armenier, die Herodot erwähnt f), ähnlich die „naves plicatife*" der Aethio- 
pier, welche wahrscheinlich zusammengefaltet und dann zu Lande auf den 
Schultern fortgetragen werden konnten, -f-f) 

Wie wunderbar den alten Urbewohnern Griechcnlandes die ersten 
grösseren segelbespannten Schiffe erschienen, davon zeugt der Charakter 
mancher Mythen, welche schon von den alten Mythologen (z. B. Palaiphatos 
und Arteraidoros) auf Schifffahrer gedeutet worden sind. Alle die Fabeln, 
die von fliegenden Drachen reden, scheinen Schiffe zu meinen. Sosegeln 
Triptolemos und Medea auf fliegenden Drachen davon. Das geflügelte po- 
seidonische Ross Begas os und vielleicht sogar die vergötterten Himmels- 
zeichen, Widder und Stier, waren wol ursprünglich nichts Anderes, als be- 
rühmte Schiffe, von denen jener den Phrixos von Griechenland nach Kolchis, 
dieses die Europa von Phoinikieu nach Kreta führte und deren Vordertheil 
den kolossalen Kopf eines Widders oder Stiers als schmückendes Wahr- 
zeichen trug. (Vergl. S. 86.) 

Vorbild der griechischen Schiffserbauer wurde , der Sage nach , das 
Fünfzigruderschiff des ägyptischen D a n a o s. *{"|"J") Zwischen seinem Auftreten 
und dem trojanischen Kriege deutet die Ueberlieferung zwei Momente an, 
welche die Ausbildung des heroischen Seewesens kennzeichnen: die Meer- 
herrschaft des Minos und seiner schifffahrtskundigen Kreter *f), sowie 
den Zug der Argonauten unter Iason.*ff) — Seit dem Verfalle von 

•) Anab. V. c. 4. - Vergl. S. 46. 

**) Lykophron liebst Scholiasten zu Oassandra v. 75. ***) Aencid. 6; 413. 
f) 1, c. 183. ft) Plinius: Hist. Nat. V. 9. ff|) Apollodor II; c. 1 § 4. 
*f) Diodor 4; c. 41. Diodor hebt die grosse Zahl der Kriegsschiffe des Minos hervor 
und berichtet, das« dieselben vorzugsweise mit Karern beniauut worden seien, und Plinius 
der Aeltere schreibt dem Minos den Ruhm zu, das erste Sectroffen geliefert zu haben. 

»ff) Plinius bezeichnet die „Argo" als das erste Langschiff; da aber auch Herodot den 
lason auf einem Langschiffe nach Kolchis fahren lässt, so iat es nicht wahrscheinlich, das» 
nicht schon vorher die Kreter deren gebaut haben sollten. (Noch zu Martial's Zeit wollte 
man in dem reliquiensüchtigen Koni ein Brettchen der „Argo" besitzen.) 




— 168 



Minus' Meerherrschaft erscheint die S e e r ä u h e r e i als weitverbreitetes ehren- 
volles Gewerbe, und ohne Sorge, zu beleidigen, darf man den Fremden 
fragen, ob er Pirat sei. *) Odysseus rühmt sich dessen sogar gelegentlich **), 
und dio Helden erzählen, dass sie hierhin und dorthin einen Seezug gemacht, 
diese und jene Stadt geplündert hätten. So sagt Achilleus von sich selbst***) : 
..Zwölf schun hab' ich mit Schiffen bevölkerte Städte verwüstet," 

Dass zur Zeit des Trojanischen Krieges ein nicht unbedeutender An- 
fang von Seemacht bei den Griechen, u. zw. nicht nur bei denen der Klein- 
asiatischen Küste und der Inseln, sondern auch bei denen des Festlandes 
bestand, das beweist die Menge von Schiffen, welche zu dem Zuge 
gegen Troja sich vereinigten. Nach dem Schiffskatalogos-j-) waren es 1186, 
nach dem Thukydides, der jene Summe wol nur abrundet, 1200. -{--{-) — Dem 
Kataloge zufolge fahren die Boiotier nach Ilion mit 50 Schiffen, deren jedes 
120 Krieger trägt; in den 50 schnellen Schiffen des Achilleus sassen je 
50 Mann, ebenso viele in den 7 Fahrzeugen des Philoktetos, und dessen 
Mannen waren sämmtlich ..wolkundig des Bogens", "{"{"j") Von Agamemnon's 
100 Schiffen heisst es, dass sie die meisten und besten Völker herangeführt; 
man wird auf jedes derselben durchschnittlich wol 80 Mann rechnen dürfen. 
Dass zwischen Matrosen (Rudereru) und Kriegern damals noch kein Unter- 
schied bestand, hat schon Thukydides eingesehen. Er sagt : r Homer scheint 
die Mannschaft der boiotischen Schiffe und derer des Philoktetes aufzu- 
zählen, um die grösste und die geringste Zahl anzudeuten, da er die Stärke 
der Besatzung bei den übrigen Schiffen nicht angiebt. Dass auf den Schiffen 
des Philoktetes Alle Streiter waren und zugleich das Ruder führten, er- 
klärt Homer deutlich; denn er berichtet, dass sämmtliche Ruderer Bogen- 
schützen gewesen. Solcher, die nicht mit ruderten, waren ausser den Kö- 
nigen und obersten Befehlshabern wol nicht viele, zumal sie mit aller Aus- 
rüstung über das Meer setzen wollten und keine geschlossenen Schiffe, son- 
dern Fahrzeuge hatten, die nach Art der Piratenboote gebaut waren. 44 Auf 
den längs beider Bordwände laufenden Bänken waren die Ruderer vertheilt 
und schlugen nach dem Takte mit ihren langen fichtenen Rudern „die 
dunkele Salztluth". Rechnet man die Führer ab und bringt einmalige Ruder- 
ablösung in Anschlag, so dürften die Zwanzigruderer die kleinste, die Fünf- 
zigruderer die grösste Gattung der damaligen Schiffe gewesen sein. 

An Fahrzeugen lassen sich unterscheiden 1) Lastschiffe 
((poQxidt »,") welche Getreide, Waren und Güter fortschaffen und später bei 

Thukydides. Xenophon und Diodor die Namen ofMaöig, yavkoi, rpoqn^oi und 
rtXola airrjä oder miayojyä ( nave* onerariae ) führen ; und 2) K r i e g s s c h i f f e. 

♦) Odyss. 3, 71 ff.; 9, 252 ff. **) Odyss. 14, 224 ff. ***) Iliad. 9, 328. 
|) Iliad. 2, 494 ff. ff; Thukyd. 1, 10. ftt) H»»d- 17. 108. 
•|) Im Nachfolgenden werden ausser den griechischen auch die wichtigsten latei- 
nischen Bezeichnungen der maritimen Einrichtungen mit aufgeführt; denn da das 
römische Seewesen dem griechischen durchaus nachgebildet ist , so lässt sich durch eine 
derartige vereinte Besprechung manche Wiederholung vermeiden. 
*ff) Odyss. 9; .523 ff. 



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- 169 — 



Dergleichen heissen beim Homer vorzugsweise ri^, in späterer Zeit fiu/^ai 
(longae naves). — Der Unterschied zwischen Frachtschiffen und Kriegsschiffen 
war im Alterthume fast noch grösser als heutzutage. Die Lastschiffe waren 
rund (aigoy/vkat), mit tiefem, geräumigem Bauche, um viel zu fassen; die 
Orlogsfahrzeuge dagegen waren lang (fiax^ui): sie wurden wesentlich durch 
die Ruder getrieben, während bei den Lastschiffen mehr die Segel im Ge- 
brauch waren. — Die äussere Beschaffenheit beider Gattungen von Fahr- 
zeugen, sowie die schon in der Heroenzeit zum Schiffbau benutzten Werk- 
zeuge, lehrt die Stelle der Odyssee kennen, welche erzählt, wie der Held 
sich bei Kalypso das Schiff zur Heimkehr gebaut habe *) : 

.l'.i nun fäUte die Stamm', und schnell war vollendet die Arbeit. 
Zwanzig stürzt' er in Allem, umhieb mit eherner Axt sie, 

schlichtete dann mit dem Beil und ordnete scharf nach der Richtsehnur (r.-ri <ita#,«';')- 
Jeüto bracht' ihm Bohrer (r^troa) die herrliche Göttin Kalypso; 
und nun '>ohrt' er die Balken und fügte sie wol an einander, 

heftete dum mit Nageln (yö/tfoa) das Floss und bindenden Klammern (npfio vUns). 

Gross, wie etwa den Boden des weitumfassenden Lastschiffs (popriJov) 

zimmern sich würd' ein Mann, geübt in Werken der Baukunst: 

elienso gross erbaute das breite Floss («'jf«<Vi<?i') sich Odysscus. 

Bohlen {ixfin) sodann zum Bord', an häufigen Kippen befestigt, 

stellt' er umher und schloss des Verdecks weitreichende Bretter (fxqpMrtfttf). 

Drnnen erhob er den Mast (imör), mit der kreuzenden Rahe (bthtfuir) gefüget; 

»ach ein Steuer {^t^Säkiov) daran bereitet' er, wol zu lenken. 

Hierauf schirmt' er die Seiten entlang mit weidenen Flechten 

gegen die rollende Fluth und füllte den Raum mit Ballast (t"//;). 

Jetzo bracht' ihm Gewände die herrliche Göttin Kalypso, 

Sejrcl davon zu bereiten, und kunstreich schuf er auch diese. 

Auch die Taue des Mastes (v-Tipn.) und wendenden Seile verband er; 

wälzte darauf mit Hebeln H^) «1" Flo« in die heilige Meerfluth."**» 

Die Schiffbaukunst war zur Zeit Homer's übrigens schon ein ge- 
ordnetes Gewerbe ; es werden eigene Schiffsbaumeister genannt und die 
Phäaken besitzen eine Werfte. — Vollständige Verdecke hatten die Schiffe 
des heroischen Zeitalters sicherlich nicht: wol nur das Hintertheil, wo der 
Steuermann seinen Sitz nahm, zeichnete sich durch einen Verschlag aus; der 
mittlere grosse Raum war unzweifelhaft offen.***) — Der Mastbaum wurde 
im mittleren Quergebälke des Schiffes eingelassen und durch 2 S tagtaue am 
Vordertheile , durch ein Pardun am Hintertheile befestigt. Er war be- 
weglich und man nahm ihn im Hafen heraus. Jedes Schiff führte ein ein- 
ziges viereckiges Segel aus Leinwand auf der Rae mit Brassen zum Drehen, 
mit Topnans zum Aufziehen und Herablassen und mit Schoten zum Um- 

•).Odyss. 5, 243 ff. — Es fällt auf, dass unter den an dieser Stelle erwähnten Werk- 
zeugen die Säge nicht genannt ist. Homer scheint sie noch nicht zu kennen. 

**) Auch in der späteren Zeit bediente man sich, um die Schiffe von der Werfte in's 
Meer zu schieben, solcher Walzen. (Apoll. Rhod. 1; 367 ff.) 

***) Darum lässt Alkinoos die ehernen Dreifüsse und Mischkesscl unter die Ruderbänke 
stellen „damit sie niemanden der Gefährten, wenn sie mit den Rudern eilen, beschädigen." — 
Der Mastbaum bei dem Schiffbruche an Kalypso's Insel stürzt nicht über ein Verdeck hin, 
sondern sogleich in den untersten Schiffsraum hinab. 




- 170 - 



reffen. Doch allein vor dem Winde begnügte man sich mit Segeln ; sonst 
betrachtete man diese nur als Beihilfe der Bewegungskraft der Ruder, die, 
wie bei unseren Schaluppen, an besonderen Pflöcken in ledernen Schlingen 
hingen. Durchweg sind die Schiffe dieser Zeit solche mit nur einer Reihe 
von Rudern auf jeder Seite, Einreihenschiffe (ftovöxQOta, vijtg ftovrj^eti;). — 
Unser jetziges Steuer, eine Erfindung des Mittelalters, wurde durch 2 
Schaufolruder vertreten, die zu beiden Seiten des Hintertheils hinausragten 
und vom Steuermanne vermittels der nach ihm zu gekrümmten Handgriffe 
regiert wurden. — Die ganze Gestalt der Fahrzeuge war eine sehr 
geschweifte; namentlich das Hintertheil krümmte sich nach dem Inneren zu, 
und darum spricht Homer von „hochgehörnten, krummschnäbeligen Schiffen". 
Statt des noch nicht erfundenen Ankers führten die Schiffe grosse „Ru ho- 
ste ine" mit sich, die zugleich als Ballast dienten und am Landeplatze an 
Tauen in'a Meer geworfen wurden. — AVenn eine gelandete Flotte 
längere Zeit an dem Orte verweilen will, so ziehen die Helden ihre Fahr- 
zeuge auf das Gestade und stellen sie hier auf Unterlagen (tQftata), Gebiilke 
oder grosse Steine. Bei seichten Küsten hatte das keine Schwierigkeiten , 
man Hess die Schiffe einfach mit voller Ruderkraft auflaufen*); an Steil- 
küsten aber führte man langsam ansteigende Gräben landeinwärts, in denen 
die Fahrzeuge aufwärts gezogen wurden. Man sieht aus alle dem, dass die 
Schiffe sehr flach und leicht gewesen sein müssen. — Als besondere W äffe zu m 
Schiffsgefecht nennt Homer Lanzen (gvota vavfiaxct), welche aus mehren 
Stangen durch Klammern und Nägel bis zu 22 Ellen verbunden und an 
der Spitze mit Erz bewehrt wurden.**) 

Auch noch in der homerischen Zeit erscheinen die Kreter und Phobiker 
den Hellenen an seemännischer Kühnheit überlegen. Selten wagen diese es, 
dem Sturme zu trotzen; monatelang harren sie auf günstigen Fahrwind. 
Vor dem hohen Meere scheuen sie sich und halten sich womöglich stets in 
der Nähe des Landes.***) 

Der Fortschritt in der Nautik ging von S:unos und von den 
loniern und Phokaiern aus, deren kleinasiatische Heimath ihnen wol 
die meisten Berührungspunkte mit den Phoinikern bot. Unter den euro- 



*) So die Phäaken bei der Landung in lthaka, wo sie mit der ganzen Vorderhälfte 
des Schiffes aufzusitzen kamen. 

**) Iliad. 15, 677 ff. bedient sich Aiax einer solchen Stange als Lanze. Aber auch 
die übrigen Griechen fechten mit ihnen gegen die anstürmenden Troer; denn so heisst 



„Also stürzten die Troer mit Wuthausruf von der Hauer, 
lenkten die Rosse hinein und kämpfton wild um die Steuer 
mit zweischneidigen Lanzen, die nahenden, sie von den Wagen, 
jene hoch vom Verdeck, die dunkelen Schiffe besteigend, 
mit langragenden Stangen, die dort auf den Schiffen zum Meorkampf 
lagen, zusammengefügt und vorn mit Erze gerüstet." 
***; So wird auf der Heimkehr in Lcsbos berathschlagt , ob man die Fahrt unter Chios 

hin nach Psyra zu lenken solle, oder beim stürmischen Kap Mimas vorbei, bis göttbchcr 

Befehl kommt, gerade über s Meer nach Euboia zu steuern. 



es (15, :]»4 ff.): 




— 171 - 



päischen Griechenstaaten genoss des ältesten Ruhmes in der Schifffahrt K o- 
rinth, mit dem der eigene Tochterstaat Korkyra, sowie Euboia und 
namentlich Athen wetteiferten. Das erste namhafte Seegefecht, welches 
Griechen lieferten, war das, welches die Phokaier in der zweiten Hälfte des 
6. Jhrdts. gegen die vereinigte tuskisch-karthagische Flotte bei Korsika be- 
standen *) ; zwischen Griechen und Griechen aber fiel die erste uns bekannte 
Seeschlacht i. J. 655 vor, als die Korkyraier die Korinther schlugen.**) 
Ko rinth trieb die Schifffahrt lediglich des Handels wegen. Zu dessen Schutz 
allein hielt es Kriegsschiffe, die es sogar gelegentlich an aridere Staaten ver- 
mietete, und darum zog es leicht den Kürzeren. Athen dachte schon früh- 
zeitig daran, sich eine brauchbare Kriegsmarine zu bilden, ohne den Handel zu 
vernachlässigen. Umd. J. 600 legte Solou durch seine Unternehmung gegen 
Salamis den Grund zu der späteren Seemacht seiner Vaterstadt.***) — 
Vor Kleisthenes besass Athen 48 Kriegsschiffe, da jede Naukrarie 1 Schiff 
stellen musstef), die Bürgerschaft aber in 4 Phylen und jede derselben in 
12 Naukrarien eingetheilt war; als aber Kleisthenes die Zahl der Phylen 
auf 10 erhöht und einer jeden 5 Naukrarien zugetheilt hatte, stieg die Zahl 
der Schiffe auf fünfzig. -J-j-) Von nun an wurde die Flotte fortwährend ver- 
grössert, und nach der Schlacht bei Marathon unternahm Miltiades den 
Seezug gegen Paros schon mit 70 Schiffen. fff) Die Entwicklung 
der maritimen Technik, zumal die des Schiffbaus, war indessen 
langsam. Noch lange nach dem trojanischen Kriege brauchte man aus- 
schliesslich Flachschiffe mit nur einer Ruderreihe [1 — 7]. Fünfzig- 
ruderer (nevrrpiovro^oi) [1] waren die gebräuchlichsten Kriegsfahrzeuge. 
Aus solchen bestand, Herodot zufolge, die 100 Schiffe zählende Flotte des 
Polykrates, aus solchen der Schiffszug der kleinasiatischen Phokaier, welche, 
vor den Persern weichend, nach Korsika auswanderten. *f ) Auch die Lake- 
daimonier sandten damals eine Pentekontore nach Ionien. 

Seit dem 7. Jhrdt. v. Chr. richtete man das Augenmerk auf Steigerung 
der Kampffähigkeit und Seetüchtigkeit der Kriegsfahrzeuge. Man erbaut 
höhere Schiffsgefässe. in welchen die Ruderer in zwei, drei oder mehr Reihen 
übereinander sassen: Mchrreihenschiffe (noXvxQora). — Allen andern 
voraus gingen hierbei die kleinasiatischen Erythräer, welche, dem Plinius 



*) Diese Schlacht igt auch deshalb interessant, weil dabei zum ersten Male des me- 
tallenen Schi ffsschnabels als einer AngTißWaffe Erwähnung geschieht. Herodot 
erzählt nämlich, dass die Phokaier zwar mit ihren 60 Schiffen die doppelt so starken 
Gegner besiegten, ihre Kolonie auf Korsika aber doch nicht behaupten konnten, da ihnen 
40 Schiffe zu Grunde gegangen und die übrigen durch Umbiegen der Schiffsschnäbel 
unbrauchbar geworden seien. 

*♦) Thuk. 1; 13. *•*) Plutarch: Solon 8, 9. — Paus. 1; 40, 6. 
f) Po lyd eukes: Onomastiken 8; 108. ff) Herodot 6; 89. fff) H erodot 6; 132. 

*t) Wenn Herodot (s. o.) sagt, dass die Phokaier zuerst unter den Hellenen sich der 
„langen" Schiffe bedient hätten, so bezieht sich das vermuthlich nur auf die Verwendung 
solcher Fahrzeuge im Handelsverkehre. Dieser erstreckte sich bei den Phokaiern bis nach 
Gallien und Spanien und dabei hatten sie Ursache, vor Phobikern, Karthagern und Tyr- 
henern auf der Hut zu sein. 



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- 172 - 



zufolge, die ersten Z w e i r c i h e u s c h i f f e (dir^tu;) herstellten. Bald aber 
wurden sie von den Korinthern überflügelt, die. wie Thukydides und Diodor 
versichern, um 700 unter des Ameinokles Leitung die ersten Dreireihen- 
schiffe (iQti-Qeui) bauten [M]. Grosser Gunst erfreute sich die Neuerung an- 
fangs keineswegs in Griechenland. „Erst kurz vor dem raedischen Kriege," 
sagt Thukydides, „hatten die Tyrannen von Sizilien und die Korkyräer Trieren 
in hedeutenderer Zahl; denn diese erscheinen überhaupt als die letzten er- 
wähnenswerthen Seemächte vor dem Heereszuge des Xerxes. Die Athener, 
Aegineten und vielleicht noch einige andere besassen nur wenige Schiffe und 
dies waren meist (flache) Fünfzigruderer. — TUemistokles erst war es, 
der die Athener dahin brachte, diejenigen Schiffe zu bauen, mit denen sie 
sich in der Folge schlugen, und selbst diese waren noch nicht mit eiuem 
vollständigen Verdecke versehen."*) 

Bei Artemision fochten in unentschiedener dreitägiger Seeschlacht 
271 hellenische Schiffe, darunter 127 athenische. Bei Salamis kämpften 
378 Griechenschiffe , von denen 180 Athen gehörten. **) Uebrigens er- 
schienen in dieser Schlacht die Melier, Siphnier und Seriphier noch mit 
ilachen Fünfzigruderern. — Diese glorreichen Kämpfe d. J. 480 gaben nun 
den erfolgreichsten Anstoss zur Bildung eigentlicher Kriegsflotten. Athen 
erreichte binnen Kurzem eine bedeutende Macht zur See und besass bei 
Ausbruch des peloponnesischen Krieges 300, theils zum Absegeln bereite, 
theils noch auf den Werften befindliche Trieren.***) Aber nicht nur die 
Zahl der Orlogsfahrzeuge , sondern das gesammte Schiffbauwesen überhaupt 
brachte Athen auf eine vorher kaum geahnte Höhe. — Nur noch für die 
Transportschiffe behielt man die ihrem Zwecke vermeintlich angemessene 
breitere Bauart bei, wälirend für die Kriegsfalirzeugc durchweg schlanke 
Form und künstliche Vermehrung der Ruderzahl ersonnen und eingeführt 
wurde. Während des peloponnesischen Krieges hestanden die Orlogsflotten 
schon durchweg aus Trieren, d. h. Schiffen mit 3 Buderreiheu über einander. 

Die Gruudlage des Baues bildete ein schmalgezimmerter Kiel -J-) (fQÖirtg, 
carina) [18] und über diesem das Kolschwimm (dQvo%o$), in welches die 
„Spanten" oder Bippen (lyxoiha, costae) eiugefügt waren. Jedes Paar ein- 
ander gegenüber stehender Bippen bildete einen „Spann", gränzte den 
„Bauch" des Schiffes (xitoc, Ustudo) ab und war oben durch einen Quer- 

•) Thcmistokles netzt« es durch, dass die Einkünfte der Staatsbergwerke zum 
Schiffbau verwendet wurden und dass jährlich 20 neue Kriegsfahrzeuge vom Stapel ge- 
lassen wurden. (Hcrod. 7; 144. - Diod. 11; 43.) Das» die phoinikischen Schiffe wäh- 
rend des persischen Krieges bereit« Verdecke hatten, beweist Ilerodot's Schilderung von 
des Xerxes Flucht vom Strymonflusse zum Hellespont. Da hätten »ich , um bei dem ab- 
gebrochenen Sturme don König zu retten, die Perser, „von denen das Verdeck erfüllt ge- 
wesen", sämmtlich in's Meer gestürzt, um das Schiff zu erleichtern. 

**) Her od. 8; 44. -Flut.: Themist. 11. - Die Gesammtzahl der attischen Schiffe 
war damals 200. (Vergl. Aischines: De fals. log. § 173 ff. p. 335 ff.) 
***) Thukyd.2; 13. — Xen oph : Anab. 7 ; I ; 27. 
f) Das Beschalen des Kielbalkens mit Bolen u. s. w., um ihn gegen Klippen und 
Kelsen zu sichern, gehört zu den seemännischen Erfindungen der Üiemistoklcischcn Zeit, 



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ballten {m^arrjo) verbunden. «1er das Oberdeck (yxnctaiQu^a, ronftrntum, tabu- 
latum) [9 k] trug. Hier Blanden auf den Kriegsschiffen die Seesoldaten, 
und auf den Handelsfahrzeugen (die jedoch nicht immer ein Verdeck batten)*) 
hielten sich hier die Passagiere auf. — Bei grösseren Schiffen wurde auch 
wol ausnahmsweise ein Zwischendeck angebracht und dies mit dem Raum 
und dem Oberdeck durch Luken verbunden. Doch war eine solche Anlage 
nur bei beschränkter Zahl der Ruderer möglich und ist als sehr unge- 
wöhnlich anzusehen. Die Kajüten hielt man nämlich während des ganzen 
Alterthums für übertriebenen Luxus, den sich nur übermüthige Tyrannen 
oder geldprotzige Kaufleute gestatteten. Plutarch rügt es z. B. schon als ein 
Zeichen der Verweichlichung des Alkibiades, dass dieser sich das Verdeck 
habe ausschneiden lassen, um sein Bett nicht auf die harten Bretter legen 
zu müssen, sondern es in Riemen hängen zu können. So ergiebt sich also 
für die bei Weitem grösste Zahl der griechischen Fahrzeuge und besonders 
für die Orlogsschiffe nur die Zweitheilung: Schiffsdeck und Schiffs- 
raum (xoilov). 

Im unteren Räume befanden sich Ballast und Pumpe; das Oberdeck 
fasste ein meist durchbrochener Bord ein. — Die dem Vorder- und Achter- 
steven zunächst liegenden Rippen, die Bughölzer, erhielten eine mehr und 
mehr nach vorn oder hinten gerichtete Stellung und bildeten das Vorschiff 
(itQfÖQa, hisweilen auch fitrajnov [9 Ii], jirora), und das Achterschiff (rtQviiva, 
puppt*) [9 I]. Diese Theile des Fahrzeugs trugen je ein kleines Halbdeck 
(IxQiiofia): das Back (Vorkastell) und die Schanze (Quatcrdeck). Abweichend 
von den Schiffen der späteren Zeit erscheinen Vor- und Achterschiff bei 
den antiken Fahrzeugen in ihrer Konstruktion wesentlich gleich. 

Das ganze Schiffsgerüst war mit Planken (oavidtg) übernagelt, welche 
aussen durch Berghölzer (vofiti^), innen durch Holzverbände (ötoftoi) ver- 
stärkt waren. Ausserdem ward das Fahrzeug unterhalb der Wasserlinie mit 
wenigstens drei bis vier starken Schnürtauen (wioCiöftcna) umgürtet, um 
seine Flanken gegen allzustarken Wogenschlag zu sichern : ein Verfahren, auf 
das man neuerdings bei sehr angegriffenen Schiffen mit Erfolg zurückge- 
kommen ist.**) Die Seitenwände {nleigcn, laterae) waren gewöhnlich mit 
Pech überzogen, zuweilen aber auch mit Erz beschlagen. Etwas tiefer als 
das Oberdeck, dicht über den obersten Ruderpforten jeder Langseite lief ein 
Seitengang (nügoöoi;) , welcher bei den eigentlichen holzgepanzerten Orlogs- 
schiffen durch eine starke Schanzhekleidung geschützt war. Nach ihm hiessen 
die Kriegsfahrzeuge auch Auiä(fQcc/.ioi, Gepanzerte, und in ihm ausschliesslich 
standen die Bewaffneten, bis Kimon auch noch Brücken über das Oberdeck 
führte uud diese ebenfalls mit Hopliten besetzte. 

Jeder der beiden Steven des Schiffes endet meist in einer Volute (jfq- 
vioxog, Gänsehals) |4. 5, (i, H, 13]. Unterhalb derjenigen des Achterschiffes 

*) Antiphon.: De caede Herod. p. 715. 

*♦) Eine Bronze im Antiquarium des Berliner Museums, welehe das Vordertheil eines 
Kriegsschiffes darstellt, lüsst die Hypo/.omata deutlich erkennen. 



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erhebt sich auf dem Hinterkastell das Haus des Steuermanns (oxi/yrj) [1, 4], 
der von dort aus mittels eines querschiffslaufenden Taues (xaXtvog) die 
beiden schaufelartigen Steuerruder (mfiähov. gubertiaculum) [IS] lenkt, 
welche alle antiken Schiffe rechts und links der Schanze führen. — Am 
Vordersteven (mtiQa) ist bei der Kreuzung der Bughölzer ein Bronze- 
beschlag angebracht, der oft eine symbolische Form hat; unter ihm aber 
liegt in der Wasserlinie der Schnabel (efißoXoy, rostrum) [2, 5, 6], be- 
stimmt, die feindlichen Schiffe zu rammen, und zu dem Ende mit einer 
massiv ehernen Spitze bewehrt [9 n]. 

Zu beiden Seiten des Schnabels ragen, meist schräg nach aussen ge- 
richtet, starke Balken, die sogenannten Ohransätze (buwldts) oder Sturra- 
balken [9 1], hervor. Sie haben den Zweck, beim Ausweichen vor feindlichen 
Schnabelstössen den Gegner abzuhalten, und an ihnen hangen auch die Anker. 
Die erzbeschlagenen Klüsen, durch welche die Taue aus dem Inneren zu 
den Ankern laufen, heissen die Augen \<'<fihduo/\ und sind demgemäss be- 
malt. — Das ganze Vorschiff mit seinem stirnartig aufsteigenden Backkastcl, 
dem weit hervorragenden Schnabel, den Augen und den Ohransätzen glich 
mithin einem Fischkopfe ; die Ruder schienen Flossen zu sein, und das hoch- 
gebaute Achterschiff erinnerte an den Schweif des Delphins; denn es ent- 
sprach der dichterischen Anschauungsweise der Alten, das Schiff als ein be- 
lebtes Wesen aufzufassen, wie ja die Skandinaven ebenfalls ihre Fahrzeuge 
als Drachen oder Schwäne zu bezeichnen liebten. 

Gewöhnlich war der Vordertheil der Schiffe bunt, meist roth oder dunkel- 
blau, augestrichen ; daher heissen die Schiffe beim Homer häufig tuXtonaqfpt 
oder (poivixonaQj-pt, rothwangige, indem man das Bild, mit welchem man das 
Vordertheil Stirn oder Angesicht nannte, fortsetzte und die Seiten des 
Vordertheil8 als Wangen bezeichnete ; oder sie heissen wol xvavonfHoQOi. 
Den uralten Gebrauch des Bemalensd er Schi f f e bezeugt auch Herodot *) 
In den Zeiten nach Homer wurden die Farben mit Wachs aufgetragen, um 
sie dauerhafter zu machen. Dies war der Ursprung der enkaustischen 
Malerei.**) Die Schiffe im Grossen und Ganzen aber heissen gewöhnlich 
„schwarze" (ft&tuvta), weil das ganze Gebäude derselben mit Pech tiberzogen 
wurde, dessen sich nach Suidas (unter Navaxäa) zuerst die Phäaken bedient 
hatten. 

UnBern Flaggen entsprechend hatte jeder Staat sein Unterscheidungs- 
merkmal, das in einem figürlichen Abzeichen bestand. Das der Athener, 
das dntxov atjfidoy, war die vergoldete Pallas, und deshalb sagt Aristo- 
phanes in den „Acharnern", die Stadt sei voll von Kriegslärm, „von Soldes- 
zahlung, Pallasbildervergoldungen". Ausser diesem Staatsabzeichen führten 
die Schiffe noch besondere geschnitzte Zierrathen, auch gemalte Bilder oder 
Inschriften, welche in Beziehung zu ihrem Namen standen. Das Staats- 
abzeichen oder Wahrzeichen (naQaar^iov) war meist rund gearbeitet, selten 
nur gemalt. Es scheint übrigens keinen festbestimmten Platz gehabt zu 



♦) 3» 58. **j Plin: Natur. 35, 11. 



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175 - 



haben; man trifft es bald am Vorder-, bald am Hintersteven {äoavdiov).*) 
Wo es aber auch stand, da galt der Ort als heilig, ja als Asyl. Alle Namen 
der griechischen Schiffe sind weiblich **), und es finden sich darunter dieselben 
Abstrakta, welche man heutzutage anwendet, wie „Rettung, Gute Fahrt, 
Hoffnung, Vorsicht" und dergleichen mehr. 

Das gesammte Schiffsger äth wurde in hölzernes und hangendes 
(oxivrj ^vXiva und ■/.{ikimuhn eingetheilt. — In der Mitte des Schiffes erhob 
sich der Grossmast [9 t\ (iafög tiiyu$ , malus) mit einer marskorbartigen 
Vorrichtung {dtoqmuov) und mit zwei übereinander befestigten viereckigen 
Raasegelu loiia /nc/äka, Grosssegel und Grossmarssegel), welche an Quer- 
raaen (xtQaiat, antennae) befestigt waren und das Fahrzeug in seinem Mittel- 
punkte vorwärts schoben. Ueber diesen Segeln (vela) hing meist noch ein 
Bramsegel (dö/w/y, dolon), während die Spitze des Mastes mit zwei kleinen 
dreieckigen Topsegeln (aUpagot, suppara) versehen war. Ausserdem führte das 
Kriegsschiff zwei Botsmasten {i<nog oxartot;) [9 q], welche je zwei lateinische, 
d. h. dreieckige, längsschiffs stehende Segel trugen, um beim Seitenwinde 
zum Wenden des Fahrzeugs zu dienen. Zuweilen kommt auf der Prymna 
noch ein l/iidgoftog genanntes Segel vor. Der Dauerhaftigkeit wegen pflegte 
man die Segel gitterartig mit Stricken zu durchnähen. Starke Taue ge- 
währten dem Grossmaste sowol nach vorn als Stage {jiqöiovoi) wie als nach 
hinten als Pardunen (initovot) und als Wanten (xaÄoi)nach beiden Seiten 
den nöthigen Halt. Entsprechende Taue hielten die Botsmasten; während 
dünneres Strickwerk zum Hissen und Streichen der Raaen, zum Stellen der 
Segel u. s. w. diente. — Die Takelage, das Segel- und Tauwerk erscheinen 
also schon ziemlich vollständig durchgebildet.***) Diejenige bewegende 
Kraft jedoch, auf welche der hellenische Seemann vorzugsweise rechnete, 
war nicht der unzuverlässige Wind, sondern das Ruder (iQttfiä, xiornj, 
raQifoif), remim). — Die Ruderer (avztQeiai, remiges) der unteren Reihe Messen 
Thalamiten {dulan'nai) , die der nächst höheren Zygiten (Lvy'nm), die der 
folgenden Thraniteu (fyavitai). Die mittelsten Ruder in der Nähe des grossen 
Mastes hiessen ohne Unterschied der Reihe xiö/rat fiio6vt<t). — Jedes Ruder 
wurde nur von Einem Manne geführt, nicht wie bei den Galeeren des 



*) Vergl. Herod. 3, 3.'». — Schol. zu Aristoph. Acharn. 421. — Diodor 4, 47.— 
Schol. z. Apoll. Rhod. 2, 168. Während bei diesen Stellen da» Wahrzeichen am Vor- 
dersteven erscheint, befand es sich nach Eurip. Iphig. Aul. 237 ff. u. -2H3 ff. am Hinter- 
theile des Schiffes. 

**) lieber die Sitte, den Schiffen Namen zu geben, vergl. Herod. 8, 88. Thukyd. 
3, 33 und Schol. z. Apoll. Rhod. I 1089. 

***) Man unterschied das leichtere Tauwerk (roxtia) zur Regierung der Segel und das 
schwere (axotvia), welche« aus mehren Strängen zusammengedreht war und theils die 
Ankertaue (axotvia ayxv^ita), theils jene Taue umfasste, die als axotvia iniyva am Hinter- 
steven befestigt waren und dazu dienten , das Schiff an'» Land zu ziehen. — Verfertigt 
wurden die Taue aus Riemen von Stierfellen, ausserdem von Hanf, Flachs, Palmblättern 
und Baumrinden, besonders auch von der Aegyptischen Byblusstaude , deren Kenntnis 
Homer beurkundet, wenn er (Odyss. 21, 390 f.) onka ,. ■', ßXn ■< erwähnt, 
f) rnpoöi bezeichnet eigentlich nur die Schaufel dos Ruders. 



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Mittelalters von mehreren. — Besondere Schwierigkeiten bietet die Rekon- 
struktion der inneren Einrichtung des Schilfes bezüglich der Anordnung 
des Rudergerüstes [12]. Die frühere Anschauung, dass ein Theil der 
Ruderer auf dem Verdecke gesessen und im Räume selbst wieder die Reihen 
durch Zwischendecke geschieden gewesen seien, hat aufgegeben werden 
müssen. Die Art der Anordnung der Ruderer machte vielmehr eine Schei- 
dung des Inneren durch Verdecke geradezu unmöglich. — Der für die 
Ruderer bestimmte Raum (Zvytoaig) war in sich durchaus zusammenhangend, von 
aussen überall durch die Schiffswand umschlossen und innen nur durch einen 
Gang getrennt. Prora und Prymna waren nicht mit Ruderern besetzt; viel- 
mehr sassen diese nur an den eigentlichen Längswänden (diatp^ayftorra). 
Die Ruderer jeder Reihe saszen in gleicher Höhe hinter einander, die 
Reihen selbst senkrecht übereinander. Rechnet man den für jeden Ru- 
derer nöthigen Raum im Profil auf 8D' [10 a] und denkt man sich die 
Bänke (£vyä, tranttra) derart über einander geordnet, dass sich der Kopf des 
Thalamiten dicht hinter dem Gesäsze des Zygiten. der Kopf des Zygiten 
unmittelbar hinter dem Gesäsze des Thraniten befand [10 b], die Ruderer- 
profile also gleichsam in einander geschoben waren und in die nächste Reihe 
übergriffen [10 e], so ergiebt sich, dass die Rudergriffe jeder Reihe nur 2' 
höher angebracht zu sein brauchten als die der nächst niedrigeren. Innerhalb 
ein und derselben Reihe waren die Ruder genau 4' von einander entfernt, 
immer aber um 1' weiter nach vorn angeordnet als das entsprechende Ruder 
der höheren Reihe. Wenn die Ruderpforten {TQTifiam, columbaria) der un- 
tersten Reihe 3' über dem Wasserspiegel lagen, so bedurften also die Thalamiten 
eines Ruders von 7,.' Länge, die Zygiten ein 10. 5 \ die Thraniten ein 13, s ' 
langes Ruder. Selbst die Ruder der Penteriten, also die der obersten Reihe 
eines Fünfruderers, brauchten nicht länger als 19../ zu sein. Wenn man 
aber in Erwägung bringt [11]. dass bei einem senkrechten Abstände der 
Ruderpforten von 2' der thatsächliche Abstand derselben in der Schiffswand 
wegen deren Schrägung sich auf 1. 75 ' vermindert, so findet man. dass die 
höchsten Ruderpforten einer Triere nur 5. ,', die einer Pentere nur 8' Uber 
Wasser zu liegen brauchten. So wird es begreiflich, dass Demetrios Polior- 
ketes sogar Sechszehnreihenschiffe erbauen konnte, bei denen es, durch 
schräger gelegte Sprossen des Rudergerüstes, möglich wurde, die Ruder der 
obersten Reihe nicht länger als 27, 7: ,' und damit das Schiff wirklich dienst- 
brauchbar zu machen.*) 

Die Wirkung im Wasser war bei allen Reihen dieselbe, da überall 
das Verhältnis der Tnnenlänge zur Aussenlänge gleich gehalten wurde: 
1 : 2. später 1 : 3. Trotz dieses Verhältnisses hing das Ruder im Gleichge- 
wichte, weil der kürzere Innentheil durch Bleiausguss oder dergl. entsprechend 
beschwert war. 

Um die Reibung möglichst zu vermindern, fütterte man die Ruderpforte 
innen mit Metall. Sehr schwer waren übrigens die Ruderstangen nicht; 



♦) Vorgl. dii" Anordnung der Rudprpforten einer Hexere 114]. 



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denn wie hätten sonst im dritten Winter des peloponnesischcn Krieges 
spartanische Feldherren die Matrosen ihrer Flotte, jeden mit Ruder, Kiemen 
und Sitzkissen versehen, im Eilmarsche von Korinth nach dem Hafen von 
Megara befördern konneu, um dort 40 Trieren in die See zu ziehen und den 
Peiraieus zu überrumpeln ! 

Zur Zeit des Aristophanes scheint aus irgend einem Grunde, der später 
beseitigt wurde, die Arbeit der oberen Ruderer docli die schwerste gewesen 
zu sein; denn sie erhielten bei der Unternehmung nach Sizilien eine beson- 
dere Soldzulage. Im Gefechte waren natürlich die untersten Ruderer am 
meisten gefährdet, und Appiau erzählt einen Fall aus der Schlacht bei 
Mylai, wo die Thalamiten ertranken, während die anderen sich durch Auf- 
sprengen des Verdeckes retteten. 

Die Schiffsform bedingte es, dass jede höhere Reihe an jedem Ende 
einen Ruderer mehr hatte, als die nächst niedrige. Die Thalamiten zählten 
auf jeder Seite 27 Ruderer; eine Triere hat also 175, eine Pentere 310 Ru- 
derer. Da die Leistung von 7 bis 8 Ruderern einer Pferdekraft gleich- 
kommt, so besass die Triere in ihrem Ruderwerke die Kraft von 24. die 
Pentere eine von 42 Pferden. — Die gewöhnliche Schnelligkeit der 
griechischen Galeeren betrug 6 bis 7 Knoten in der Stunde — immerhin, 
die Hälfte der Geschwindigkeit des „Great-Easteru", so dass die Hellenen wol 
berechtigt waren, ihre Ruder als die „Flügel des Schiffes" zu bezeichnen.*) 

Das Steuerruder (%6 mjdäkwv) befand sich, wie schon erwähnt, am 
Hinter! heile des Fahrzeuges. In den Homerischen Zeiten gab es nur Schiffe mit 
einem Steuerruder; später brachten die Baumeister häufig zwei, ja wol 
gar vier derselben an, besondere bei den Lastschiffen, welche dadurch eine 
seltsame viereckige Form gewannen, nach der sie den Namen eybeat (von 
*vßo$, Würfel) bekamen**). Schiffe mit zwei Steuerrudern heissen Schiffe 
mit doppeltem Hintertheile (yrjtg d/,t<phiQi //>w. ***) 

Jede Reihe der Ruderer scheint einen besonderen Vorgesetzten gehabt 
zu haben, und da Alles darauf ankam, dass die Ruder vollkommen gleich- 
mäßig bewegt wurden, so gab es auf jedem Schiffe einen Rudermeister 
(xt/Uvarrjg, horlator), der, neben dem Steuermanne sitzend, den Takt angab. 
Dies geschalt entweder durch Hammerschläge oder durch die Stimme. 
Letzteren Falles rief er „toön! <Jo?r/" worauf die Ruderer mit einer cadenz- 
artigen Melodie einfielen. f) Xenophon berichtet, dass als i. J. 388 der 
spartanische Flottenführer Gorgoxas einem attischen Geschwader nachts 

*) Die schnellste Fahrt, welche hei den Allen erwähnt wird, ist die in Arrian's Per. 
P. Eux. c. 6 vorkommende, wo das Schiff von Tagesanbruch Iiis Mittag mehr u\* *»00 
Stadien, also etwa8 Seemeilen in der Stunde, zurücklegte. Beispiele anderer Schnellfahrten bc- 
rechnet Beechey auf 140 Ins 185 Seemeilen in einem Tage (Expedit, of the Nord Coast of 
Tripoli, append. Citirt von Smith a. a. 0. S. 35.) — Auch in der Apostelgeschichte (28, 13) 
kommen 7 Seemeilen auf die Stunde. 

**) Cicero in Verr. V. c. 17. und Ernesti's Clavis: unter cylw. 
•**) Athen. 11, 12. 

■f) Aristoph.: Ran. 182 ff. u. Ave« 1392. Naeh dem Seholiastcn igt dies ulü.-i übrigens 
vielleicht nur der Ruf heim Anlanden. Die Bestimmung des Taktes seihst ist schwierig. 



12 




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heimlich von Aigina nach dem Peiraieus folgte, er den Rudermeistern be- 
fahl , statt durch die Stimme , dnrch das Aneinanderschlagcn von Steinen 
den Takt anzugehen, und die Ruderer anwies, durch eine eigenthümliche 
Drehung ihrer Ruder lautes Geräusch zu vermeiden. Für gewöhnlich aber 
war der Lärm sehr gross. Oft sang der Keleustes auch eine prägnante 
Melodie und die Ruderer stimmten ein. Auf den Kriegsschiffen unterstützte 
den Meister nicht selten ein Flötenspieler («pqptßlqf). Darum sagt in des 
Euripides „Taurischer Iphigenie" der Chor: „Doch die erhabene Herrin 
trägt ein argivisches Schiff zur Heimath. Laut ertönt das mit Wachs ge- 
fügte Rohr des bergeliebenden Pan und treibt mit seinem Schall die Ruder." - 
Natürlich war es eine gemeine Musik, und man begreift, wie sich ein be- 
rühmter Flötist, Dionysodoros, damit brüsten mochte, dass seine Komposi- 
tionen niemals auf Kriegsschiffen gehört worden seien. Als aber Alkibiades 
einst triumphirend nach Athen zurückkehrte, blies ein Sieger der pythischen 
Spiele, Chrysogonos , das Schifferlied im langen pythischen Prachtgewande 
der Musiker. 

Ausser dem eigentlichen Steuermann (xv(kgyijrt)$), welcher durch die 
zwei grosse Ruderschaufeln die Lenkung des Fahrzeugs in der Hand be- 
hielt, geschieht eines Vorderdeckssteuer man na Erwähnung, der be- 
sonders Ausschau zu halten und auf die Segel Acht zu geben hatte. 

Die Zahl der Seesoldaten war gegenüber der Menge der Ruderer 
eine ausserordentlich geringe. — Da die Bemannung einer schnellfahrenden 
Triere auf 225 Mann geschätzt wird, von denen 174 Ruderer und 20 Matrosen 
waren, so können kaum 30 davon die militärische Besatzung gebildet haben. 
Plutarch zufolge führte in der Schlacht bei Salamis jedes attische Schiff 
nicht mehr als 18 Verdeckstreiter: 14 Hopliten und 4 Schützen. Die spä- 
teren attischen Penteren waren ausser mit den Ruderern mit 24 Matrosen 
(vaviat, nautae) und nur 18 Kriegern bemannt. Die eigentlichen Soldaten 
(imßärm) waren theils Bürger, theils Metoiken *) ; sie waren mit einer eigenen 
Art von Speeren (do^rra vavftaxa), mit Wurfspiessen, Schwertern und auch 
wol einer zum Entern gebrauchten Sichellanze (öoQvÖQtjravov) bewaffnet**) 
und mussten im Nothfalle, wenn das Schiff sehr schnell bewegt werden 
sollte, auch vu den Rudern greifen, weshalb Reserveruder vorhanden waren.***) 
Die Ruderer ergänzten sich aus Theten, Söldnern und Sklaven. f) Die 
Matrosen, welche Athen besonders von den Bundesgenossen crhieltff), 
Stauden in grösserem Ansehn als die Ruderer. Unter ihnen waren als ge- 
schickte Taucher die Delier berühmt, f) — Die Löhnung der Matrosen 
und der Soldaten scheint übrigens ein und dieselbe gewesen zu sein: 2 Obolen 
täglich (L Philippika des Demosthencs). Bei besonderen Unternehmungen 
stellte sich der Sold jedoch höher. Auf der Expedition nach Sizilien er- 
hielten die Schiffsleute täglich Ö Obolen (1 Drachme); der jüngere Kurusch 
zahlte 4 Obolen. — Jede Triere der Athener wurde von einem Trier- 

*) Thuk. 1. 143; 8, 16. **) Plat.: Laclics. p. 183. ***) Thuk. 3, 18. 

|) T h ii k. 6, 43 j X eno pb.: Hellen. 1 ; K, 18. ff ) Di og. L «ort. 2, 22 ; vgL Thuk y d. 7, 25. 



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archen befehligt, während an die Spitze der ganzen zu einem Heekriege 
ausgerüsteten Flotte einer der Strategen gestellt wurde; denn eigene 
Admirale gab es nicht oder doch erst in sehr später Zeit. Wenn früher 
der Titel vavctQ%og vorkommt*), so bezeichnet er wol nur den mit dem 
Kommando betrauten Strategen. Dieser wählte die schnellste und beste 
Triere zu seinem Admiralschiffe aus, welches daher auch den Namen tnga- 
rrjyig vavg führte.**) 

Das charakteristische Kennzeichen, nach welchem man die Arten der 
Kriegsschiffe unterscheidet, ist die Zahl der Ruderreihen, nach der sich 
ja ihre Grösse und Bauart richtet. Fahrzeuge mit einei Reihe 
von Rudern, nÄoia ftoyqQt) oder ftovöxQOTU, naves aduariae, gab es natürlich 
nicht nur für den Handel, sondern auch bei den Kriegflotten; sie werden 
theils nach der Zahl der Ruderer, theils durch besondere Namen bezeichnet. 
Nach der Ruderzahl sind genannt die tQum'tvTOQoi und nivnptorioQoi. Be- 
sondere Gattungen von Fahrzeugen mit einer Ruderschicht sind der huq- 
xovqog (cercurus); der xaQaßog, der lentbus, der xiktjg (cetox) und der myoparo. — 
Es gab ferner Schiffe mit zwei Ruderreihen, önjqttg, ic).oia dUgoia, biremes, 
unter welchen später die Liburnae, d. h. die dalmatischen „Zweiruderer", 
besonders brauchbar befunden wurden; allein diejenigen Schiffe, mit welchen 
die Griechen gegen die Perser und bis zum Ende des peloponnesischcn 
Krieges ihre Siege erfochten, waren „Dr eiru derer", i<>iü>ng. triremt8[H]. — 
Seitdem begann mau noch grössere Schiffe mit 4, 5, 6, 7, 8, ja mehr Ru- 
derreihen zu bauen («Tpijpijg [13], Twvnfcr/c;, i^tjg, faenfaqg, oxn^g, Ivytjgrjg, 
dtxr](njg), und mau ging in der Diadochenzeit so weit, dass Ptolemaeus 
Philopater ein Schiff von 40 Ruderreihen herstellen Hess, das freilich mehr 
ein Kunststück als ein seetüchtiges Fahrzeug wurde. ***) — Unter diesen hoch- 
gebuuten Schiffen hatte die grösste praktische Bedeutung die Pentero, 
der „Fünfruderer". — Man unterschied ferner Schnellruderer (raxelai), 
die nicht mehr Soldaten an Bord hatten, als zum Gefecht unbedingt not- 
wendig erschienen, und Soldatentransportschiffe (ffrQttTuurideg, 6it).t- 
tayuryoi), die zur Versendung von Truppen dienten. Diese waren zum 
Kampfe wenig geschickt, und so ward es möglich, dass im peloponnesischcn 
Kriege die Athener mit 44 Schiffen 70 samische besiegten, von denen 20 
Landsoldaten führten. — Pferdetransportschiffe {binrffol)*), welche 
die Perser bereits früher angewendet, wurden in Hellas zuerst unter Perikles 
aus alten Kriegsfahrzeugen hergerichtet. — Ausserdem besass jede Flotte 

*) So bei Xenoph.: Hell. 5; 1, 5 u. Paus. 1; 23, 12. 
**) Lysias: De niuti. aco. § 6. Aesch. in Ctesiph. § 52. — Demosth. in Polykt. 
§ 62. — Folydeuk. 1, 89. — Das Admiralsehiff führt« bei Tage am Spiegel eine besondere 
Flagge, lH.'i Naeht eine Laterne. 

***) Dcmctrios Poliorketes erfand Fünfzehn- und Sechzehnruderer (.wTtxfuckx»;^*«* und 
ixxniSixr^tu) (Plut. : Demetr. 48) und Ptolemaeus Philadelphus besass 14 iiHixt'^w, 2 Sto- 
.V.i ..,•<-. ■* Tf>utKai!kxi]^tti, 1 tlxooi-(>r t i, 2 tiuaxorit', (Athen. 5 p. 204 d). l T cbcr die jtottapa- 
notm]ftr t i de« Ptolemaeus Philopator s. Graser de v. r. n. p. 57 ff. 

f) Liban. I p. «64. R. - Suid. h. v. — Paul. Diacon. p. 101. 11. und Livius 
44; 28 „hippagogi". Meist nahm ein solehes Schiff 30 Pferde auf. (Bneekh. S. 135.) 

12» 



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kleinere Kähne und Böte für Material, Handwerker. Marketender u. dgl.*), 
sowie endlich einige Avisoschiffe, welche ihrer Geschwindigkeit wegen 
„Kenner" hiessen (armrot oder virrjotrixd nkolu, acatia). **) Auf den attischen 
Fahrzeugen dieser letzteren Art, den fläoaXog oder Zaka/Jtvia ***), bestand 
die Mannschaft aus lauter doppelt besoldeten freien Bürgern, f ) Ihr Dienst 
war sehr wichtig; denn es handelte sich dabei um die Beförderung von 
Depeschen, öffentlichen Geldern, Beamten und Gesandtschaften. 

Während die Handelsschiffe nur viermal so lang als breit waren, betrug 
die Breite der Orlogsschiffe */« bis '/to der Länge. Eine Triere war 149, 
lang, in der Wasserlinie ungefähr 14' breit und 19'/«' hoch. Der Gehalt 
war 232 Touneu (zu 20 Ctr.), der Tiefgang 8 1 /»'. Dieser Grösse entspricht 
etwa diejenige unserer Schoner oder Schraubenkanonenbote 2. Klasse. 
Mehrmals ist es gelungen, ganze B'lotten solcher Fahrzeuge auf Walzen und 
Rollen über Landengen fortzuschaffen, so i. J. 414 peloponnesische Schiffe 
über den an der schmälsten Stelle eine deutsche Meile breiten Isthmos von 
Korinth. Ueber die allerdings nur 120 Schritt breite Landzunge von Leu- 
kadien (jetzt die Insel Santa Maura) wurden in der ersten Hälfte des pelo- 
ponnesisehen Krieges einmal 60, ein anderes Mal sogar 250 Schiffe geführt. -{"{-) 
Dies lässt darauf schliessen, dass das Gesammtgewicht der Falirzcuge nicht 
allzugross gewesen ist 

Die Kriegsfahrzeuge unterscheiden sich von den Handelsschiffen auch 
durch die schon erwähnte Einrichtung von Gal-lerien oberhalb der Kuder- 
reihen von denen herab die Soldaten durch eine Brustwehr gedeckt fochten. J j J ) 
Hier stellte man nicht selten Geschütze auf. *f ) Zur Ueberhöhung der 
feindlichen Schiffe wurden Angesichts einer bevorstehenden Seeschlacht zuweilen 
auf Vorder- und Hintertheil des Schiffes transportable T h ü r m e errichtet. *ff ) 
Auch auf dem Verdecke brachte man Wurfgeschütz in Thätigkeit.*-{"|"{-) 
Sogar eine Art von Sturmwidder kommt gelegentlich in Anwendung. Es ist 
dies der sog. Asser d. h. ein langer, den Segelstangen ähnlicher, mit 
eisernem Kopfe versehener Balken, der am Mäste aufgehängt wird, um, 
einem Mauerbrecher gleich gestossen, das angegriffene Schiff zu beschädigen. — 

*) Die Lastschiffe wurden zuweilen von Kriegsschiffen in*s Schlepptau genommen und 
heissen daher auch Zugschiffe (ikutdti). (Polyaen 6; 6. Liv. 30, 26.) 

♦*i ITerod. 7; 18«. Deraost. de cor. § 106; in Polyo». § 46; Aischin.: De fals. leg. 
§ 252. Plut: Demosth. 29. 

•**) Vergl. Thukyd. 3; 33,77. 6, 53. Die Mannschaft der Paralos hiesa xdpaXoi. Diese 
Niets scgelfertig liegenden Schiffe wurden zuweilen auch im Kampfe verwendet. (Thukyd. 3. 77.) 
f) Thukyd. 8, 73. 

ff) Vergl Thukyd. 3; 15, 81; 8; 7, 8. - Polyh. 4; 19. 5. I. - Strahon 6 p. 
126; 8 p. 516. — Liviu* 25, 11. 
fff) Wol das in den Tahulis Atticis erseheiuende ftmjtaxttov. 

*f) Plut.: Anton. 67. Appian ß. C. V, 118. Athen. 5, 43. Vcget. 5. 14. 
*tt) Dio Casa. 49; 1, 3; 50, 18. Athen. 6, 43. Vogct. 5; 14. Leo Tact. 19; 7. 
Die Thürme wurden auch gehraucht, wenn Seestädte vom Meere aus Iwdagert wurden. 

In den Tahulis Atticis erseheinen Kalapelten und Skorpione als zur Ausrüstung 
von Kriegsschiffen gehörig. Vergl. aher I.ivius 30; 10. 
**•{•) Veget. 5, 15. 



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— 181 — 



Wenn hei hohem Seegange die Ruder eingezogen wurden, so nniwund man 
den Schiffskörper rings mit langen Leinwandstreifen, um das Eindringen des 
Wassers durch die Ruderpforten zu verhüten. Zum Schutze gegen die Sonne 
und gegeu feindliche Wurfgeschosse überspannte man das Oberdeck mit 
einem Zeltdach, welches zuweilen auch senkrecht nach unten durch ange- 
hängte Felle oder härene Decken (naQaQQVftara) verlängert wurde, um gegen 
seitlich kommende Geschosse zu schützen. — Zur sonstigen Ausrüstung ge- 
hörten Anker und Ankerkabel, Bootshaken, Schiffsleitern (xlifiaxidts) und 
Senkblei (xarane i^cm}^ia) *) [17]. Zum Sondiren des Grundes und zum 
Fortstossen in seichtem Gewässer dienten zwei mächtige Stangen (xovrof). 
Der Anker (äyxtQa) [15, 16], nach Plinius eine Erfindung des Tyrrheners 
Enpalamus, war ursprünglich nur einarmig; doch schon der Skythe Anacharsis 
soll den zweiten Arm hinzugefügt haben**). Der Anker ward am Vorder- 
theile des Schiffes befestigt. Grössere Schiffe führten gewöhnlich mehre 
Anker***), unter denen der Nothanker (äyxvQa it^ä) der grösste warf). 
Endlich sind die Enterhaken (xöfxnu^) zu erwähnen, lange an Ketten 
hangende Hakenstangen f-f) , welche in die feindlichen Schiffe hinübergc- 
schlcudert wurden, um diese damit herüberziehen und den Kampf in ein 
Handgemenge verwandeln zu können. 

Bau und Ausrüstung der Schiffe erfolgte in den Kriegs- 
häfen, wo Schiffsschuppen (vtwooixo*;) die ausser Dienst gestellten Fahr- 
zeuge aufnahmen. Die Fundamente solcher Schuppen hat Graser am Pei- 
raieus aufgefunden [19]; sie sind theils aus Quadern erbaut, theils in den 
lebendigen Felsen gehauen. Die Häuser fassten, wie die Schuppen der mo- 
dernen Schraubenkanonenboote, je ein Fahrzeug und lagen natürlich hart am 
Wasser, gegen das sie sich öffneten. Weiter landeinwärts befanden sich 
Zeughäuser (omo^tpti?) , welche die Ausrüstung der ausser Dienst gestellten 
Schiffe enthielten. In der Nähe lagen Schiffszimmerplätze fff). Das ganze 
Terrain für Bau und Ausrüstung hiess veuQia (Werft). — Ursprünglich hatten 
die Häfen ihre Sicherheit nur durch vorgespannte Ketten, schwimmende 
Balken oder ein Pfahlwerk erhalten; in der späteren Zeit schützten Molen 
(jriyAa/, ic/Qui. rornua, brachia) den Hafen vor Versandung und wehrten mit 
den auf ihren Hörnern angebrachten Thürmen und Bollwerken feindlichen 
Schiffen den Eintritt in den Binnenhafen. Endlich schuf die Ueberbauung 
der Molen und Buchten mit offenen Säulenhallen auch diese Stätten des 
praktischen Lebens in überaus reizvolle Schauplätze geselligen Verkehrs 
um. Vor Allem suchte die Kunst sich bei Errichtung der L e u c h 1 1 h ü r m e 
geltend zu machen und verlor sich dabei zuletzt sogar in's Maszlose. Das 

•) Herod. 2; 6, 28. Vergl. Isidor 19; 4, 10. ♦♦) Strabon 7 p. 303. 
*»*) Athen. 5, 43. f) Polyd. 1. 9. -Pind.:01. VI. 101. 
ff) Polyb. 1, 22. 

fff) Neuerdings sind die attischen Häfen im Auftrage des königl. preuss. GcneralsfahfH 
von Herrn Premier - Lieutenant v. Alten topographisch aufgenommen worden. Doch 
ist der Plan noch nicht veröffentlicht. 



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— 182 



berühmtest« Beispiel hierfür ist der Koloss von Rhodos, den Chares, ein 
Schüler des Lysippos, um 122 v. Chr. als feuertrageudes Abbild des Helios 
über der rhodischen Einfahrt errichtete. 

In den Häfen geschah auch das Einexerziren der Ruderer, und 
dies erforderte viel Zeit. Nicht selten kam es vor, dass, wenn es gelungen, eine 
Flotte in grosser Eile zu erbauen, die Untüchtigkeit der Bemannung geraume 
Zeit lang das Auslaufen des Geschwaders hinderte. Daher ersann man 
Vorrichtungen, die Bedienung der Ruder an Land lehren zu können. Po- 
lyaen erzählt vom Feldherrn Chabrias: „Als der Perserkönig vorrückte, be- 
sass der Pharao zwar viele Schiffe, doch keine geübten Seeleute. Da hob 
Chabrias rüstige junge Aegypter zur Bemannung von 200 Schiffen aus, nahm 
die Ruder aus den Galeeren, legte den Strand entlang langes Gebälk, auf 
das die Leute sitzen mussten, gab ihnen Ruder, stellte von denen, die des 
Griechischen und Aegyptischen kundig waren, Aufseher zum Angeben des 
Taktes an, lehrte somit der Mannschaft auf dem Lande das Rudern und 
konnte die Schiffe, sobald sie seefertig waren, mit eingeübten Matrosen 
besetzen." 

In Bezug auf die Flottenstärke wurden bereits oben (S. 172) einige 
die wichtigste Seemacht, Athen, betreffende Daten gegeben, Nach dem Un- 
glücke von Syrakus, wo Athen an 240 Trieren einbüsste, verminderte sich 
seine Flotte auf einige Zeit; doch vermochte es sich an der Schlacht von 
Aigospotamos wieder mit 180 Dreireiheuschiffen zu betheiligen. Später aber 
stellte es wieder Flotten von 200 bis 400 Schiffen auf. Daneben unterhielt 
Athen eine bedeutende Handelsmarine von zum Theil sehr grossen Schiffen. 
Neben dieser attischen Seemacht kam die der übrigen Griechen, zumal die 
der Spartaner, kaum in Betracht. Athens Leistung aber erscheint um so 
bewunderungswürdiger, als sie mit grossen Schwierigkeiten verkuüpft war. 
Denn bei dem Holzmangel Griechenlands musste es sein Baumaterial fast 
ganz vom Auslande, namentlich aus Thrakien bezichen. Holz, Theer, Wachs, 
Tauwerk durften aus Athen bei Todesstrafe nicht ausgeführt werden*). 

Wenn eine Flotte in See gehn soll und die Fahrzeuge, wie das im 
Winter oft der Fall, an's Land gezogen worden waren, so wurde deren auf 
dem Gestade ruhendes Hintertheil unter Anwendung von Hebebäumeu, 
Walzen und Rädergestellen gehoben und in's Meer geschoben**). War die 
Abfahrt der Flotte bestimmt, so schmückte man die Schiffe mit Kranz- 
gewinden und Blumen, opferte den Göttern der See und richtete Gebete an 
sie, auf dass die Unternehmung gelinge. Dann erfolgte vom Admiralschiffe 
aus bei Tage mit Trompetenschall, bei Nacht mit Fackeln das Zeichen 
des Aufbruchs. Die kleineren Fahrzeuge schwammen voraus; die grossen, 

*) F orbiger a. a. O. 

**) ArchimedcB soll eine Maschine erfunden haben, durch welche vermittelst eines 
Krahnes und Flaschenzugcs ganze Schiffe gehoben und in's Wasser gesetzt oder aus dem- 
selben gehoben werden konnten. (PI ut. : Marceil. 14. Athen. 5, 40. P roch i s zu Euklid. 
1; 2. - Man hat dabei zu berücksichtigen, dass die Schiffe der Alten weit leichter waren 
als die unsern. 



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— 183 — 



kampfgerüsteten Hauptschiffe folgten, und ihnen schlössen sich in genau bc- 
stimniter Ordnung die Last- und Proviantschiffe, sowie Alles, was sonst noch 
an Kähnen zur Flotte gehören mochte, an. 

So lange kein Feind zu fürchten und besonders bei Gegenwind fuhren 
die Schiffe einzeln hinter einander her*); war aber durch die vorausgesandten 
Späherbote in Erfahrung gebracht, dass man sich der feindlichen Flotte 
nähere, so koncentrirten sich die Schiffe und segelten je 3 bis 5 in einer 
Reihe neben einander, indem zugleich einige sich zu beiden Seiten dieser 
Kolonne haltende Fahrzeuge eine Art Flankenschutz bildeten **). Stand 
eine Schlacht in Aussicht, so wurden die Schiffe möglichst erleichtert und 
die grossen Segel des Hauptmastes als Hindernisse herab genommen, ja zu- 
weilen irgendwo auf dem Lande zurückgelassen. Auch der Hauptmast wurde 
in der Schlacht niedergelassen; dagegen zog man das kleine Segel des 
Vordermastes auf, um zu fliehen oder zu verfolgen. Zuweilen entfernte 
man sogar die Wahrzeichen der Schiffe, um den Feind irre zu führen , ein 
Verfahren, das z. B. Chabrias, der Athener, gegenüber den Spartanern bei 
Naxos in Anwendung brachte. — Dann errichtete man die Thürme und 
pflanzte die Wurfmaschinen auf; die Schwerbewaffneten stellten sich auf 
den Gallerien, die Leichtbewaffneten bei den Geschützen auf, zu deren Be- 
dienung die Matrosen mit herangezogen wurden. Die besten Kämpfer ver- 
sammeln sich auf der Prora. — Die Lastschiffe bleiben nun zurück; die 
Orlog88chiffe aber fahren in Schlachtordnung auf. 

Man focht nur bei ruhiger See und womöglich in der Nähe der Küste, 
wenn auch nicht so nah, dass Ebbe und Flut störenden Einfluss auf das 
Gefecht gewinnen konnten. ***) Die Seetaktik war ziemlich einfacher Natur. 
Wesentlich sind es zwei Manöver, welche in Anwendung kommen. Das 
erste besteht darin, dass man den Feind zu rammen sucht, d. h. dass man 
dem gegnerischen Fahrzeuge die Flanke abzugewinnen strebt und ihm dann, 
plötzlich mit aller Macht vorwärts schiessend, den metallenen Schiffsschnabel 
(xd xa;»- veoiv e'ftßoXov) in die Seite rennt. Das zweite Manöver bezweckt, 
den Feind seiner Ruder zu berauben und ihn dadurch unbeweglich zu machen. 
Zu dem Ende fuhr man, selbst rechtzeitig die Ruder beilegend, mit höchster 
Kraft so unmittelbar an einem feindlichen Schiffe vorbei, dass diesem die 
Gewalt der Fahrt die Ruder abstreifte. Zuerst erwähnt Herodot ein solches 
Verfahren bei dem Aufstande der ionischen Griechen. Es wurde in allen 
späteren Seeschlachten wiederholt. In Bezug auf Artemision sagt Herodot 
z. R. : „Die Hellenen fuhren auf die Barbaren los, um sich mit ihnen zu 
versuchen in ihrer Kampfweise und der Zwischendurchfahrt." Auf eine 
solche, d. h. auf das geschickte wirkungsvolle Durchfahren (diaxlriv) zwischen 
zwei feindlichen Schiffen, kam nämlich in der geschlossenen Schlacht jener 
Versuch des Ruderabstreifens stets hinaus f). — Um nun einen solchen 



•) Thukyd. 2; 84, 90. *») Ebd. u. Polyaon 3; 4, 2. 
••*) Polyaen 4; 6, 8. Polyb. 1; 39. 
t) Vergl. Thukyd. 7, 36. Xenoph.: Hellen. I, 6, 




- 184 - 



Durchbrach zu hindern, ordnete man entweder seine Schiffe in zwei Treffen 
hinter einander an , oder man Hess die Schiffe ganz dicht neben einander 
fahren, indem man zugleich die Front bogenförmig gestaltete. Der „Halb- 
mond", der seine Hörner dem Feinde entgegenstreckte, oder die „Sichel", 
deren äussere Biegung dem Feinde zugewendet wurde, waren die taktischen 
Grundformen des Vertheidigers; der Angreifer dagegen zog es oft 
vor, sein Geschwader im Koil oder auch gabelförmig zu gestalten, jenes, 
um mit gesammelter Kraft den Durchbrach zu erzwingen, dieses, um den 
Feind zu überflügeln (mqtnUlv). — Wie in jedem Seegefechte, so kam es 
auch in denen dor Griechen auf die höchste Präzision der Bewegungen an, 
und da hatten die Ruderfahrzeuge fast denselben Vortheil vor den Seglern 
voraus wie unsere Dampfer: d. h. sie konnten, ohne zuwenden, sehr schnell 
vorwärts und rückwärts bewegt werden. Als die Griechen bei Artemision 
überflügelt wurden, standen sie, dem Herodot zufolge, auf das erste Signal 
den Barharen mit den Schnäbeln entgegen und schlössen sich in der Mitte 
mit den Kielen an einander, auf das zweite Signal griffen sie an. — Waren 
die gegnerischen Linien in einander eingedrungen, so begann nun der Einzel- 
kämpf von Schiff zu Schiff ; wo Raum genug vorhanden war, versuchte man. 
zu rammen; wo dies nicht anging, bemühte man sich, entweder den Feind 
durch Wurfgeschosse der Geschütze, durch Speere, Steine, Brände zum 
Rückzüge zu bewegen, oder man trieb die Fahrzeuge an einander, enterte 
sie und begann stehenden Fusses den Kampf von Verdeck zu Verdeck *). — 
Alles das wurde vom Admiralsschiffe aus durch Signale geregelt: — ein 
hochaufgehängter vergoldeter Schild und eine rothe Flagge befahlen, im 
Kampfe zu verharren ; wurden diese Zeichen herabgelassen, so bedeutete es, 
dass der Rückzug anzutreten sei. Dies geschah womöglich in sichelförmiger 
Ordnung, deren Auszenseite dem Gegner die Schiffsschnäbel wies, während 
sich innen die beschädigten und die eroberten Fahrzeuge befanden. — Einige 
der genommenen Schiffe wurden, alter Sitte nach, der Vordertheile beraubt 
und diese, sammt den Schnäbeln und Verzierungen, einer Gottheit geweiht. 
So widmete man des ersten bei Salamis erbeuteten Perserschiffes Prora dem 
Apollon. 

Von den Historikern hat Thukydides die lebendigsten Darstellungen 
hellenischer Seeschlachten gegeben**). Unter den poetischen Schilderangen 
ist keine von grösserer Kraft und Anschaulichkeit als der Botenbericht aus 
den „Persern" des Aischylos, der von der Schlacht bei Salamis erzählt: 

„Da schlug mit Krachen Schiff in Schiff den bohrenden 
Erzschnabel. Ein hellenisch Schiff begann den Sturm, 
Riss einem Tyrier allen Schmuck vom Steuerbord. 
Auf andre trieben andre wieder ihren Kiel. 
Lang hielt der Perserflotte Macht gewaltig Stand. 



*) Den Kampf von Bord *u Burd suchten namentlich die Spartaner (wie später die 
Hömer) sobald wie möglich herbeizuführen , weil sie die grössere Fertigkeit ihrer Gegner 
im Jlanövrircn fürchteten. 

**) 1, 48. - 2, 83, 90-82. - 4, 26 40.-8, 104- 107 u. s. w. 



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— 185 — 



Doch als «lio Anzahl unserer Segel in de* Miors 
Kngfahrt gelangt, war keiner keinem mehr zu Schul«. 
Und wechselseitig mit der EisenBchnäbel Stoss 
Zerschlugen schmetternd sie der Ruder Doppelreihn. 
Der Griechen Schiffe drängten wolberechnet nun 
Rings her umzingelnd gegen uns. Jäh stürzten um 
Der Schiffe Bäuche; nicht zu schaun mehr war die Set', 
Mit Wrack und Scheitern und mit Leichen überdeckt; 
Und voll von Leichen lagen Klippen rings und Strand. 
In wilder Angst fortrudernd floh nun jedes Schiff. 
So viel noch übrig wareu von dem rerserheer . . . 
Da« öde Meer erscholl von Klag' und Angstgchcul. 
Bis das« dahin sie nahm der dunkle Blick der Nacht." 



Telographio. 

Sadreczki: Nacht- und Feuertelegraphie der alten Griechen. ( „Globus" XXIV 1873.) 

Griechenland mit seinen nach allen Richtungen hin sich verzweigenden 
Gebirgen, seinen unzähligen üherall tief eindringenden Buchten giebt von 
selbst den Antrieb zu nachbarlichem V c r k e h r durch Zeichen, und für 
Nacht- und Feuertelegraphie war der reine, selten benebelte Himmel 
besonders günstig. Die nvQOela ward daher auch von altersher durch die 
Hirtenfeuer geübt ; Hochwachten gaben nach Verabredung bestimmte Signale, 
welche durch die Zahl der Feuer, die Art ihres Aufflammens u. dgl. unter- 
schieden sein mochten, ähnlich wie heut die Leuchtfeuer der Pharen. A i n e i a s 
Taktikos hat diese Feuerzeichensprache in ein System gebracht, von dem 
man durch Polybios Nachricht hat*). Aineias regelte nämlich jene Art des 
Fernsprechens durch einen nach dem Prinzipe der Wasseruhr eingerichteten 
Apparat [20]. Danach korrespondirten die Ortschaften dadurch, da ss auf gege- 
bene Feuerzeichen hin hier wie dort das kleine Spundloch zweier Gefässe ge- 
öffnet und geschlossen wurde, die nach Inhalt und Einrichtung völlig konform 
waren. Auf dem Wasser, welches diese Gefässe füllte, schwamm eine Kork- 
scheibe, die einen mit über einander geschriebenen Wörtern versehenen Stab 
trug. Da war z. B. zu lesen: „Reiterei zieht heran!" oder „Schwerbewaffnetes 
Fussvolk", oder „Schiffe" ! und je nachdem man nun eins dieser Stichworte 
dem Korrespondenten zurufen wollte, gab man das Fackelzeichen zum 
Schliessen des Spundloches. Wo dann der Rand des Gefässes den mit dem 
Wasserstande herabgesunkenen Stab durchschnitt, da hatte der Benachrich- 
tigte das Stichwort abzulesen. Da bei völlig gleicher Einrichtung an beiden 
Orten gleich viel Wasser abgeflossen sein musste, so war auf solche Weise 
allerdings eine ziemlich zuverlässige Verständigung möglich. Dennoch war 
diese Verständigung natürlich sehr unvollkommen , weil man ja immer nur 
wenige Stichworte anwenden und für das Unvermuthete gar keine Vor- 

•) Reliquiae des 10. Buches v. 42. Kapitel an. 



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- 186 - 

sorge getroffen werden konnte. Grade dies «inkündigen zu können, wäre 
aber die Hauptsache gewesen. Polybios machte daher einen namhaften 
Fortschritt, indem er den so zu sagen hieroglyphischen Apparat des Aineias 
durch einen alphabetischen ersetzte [21]. Sein optischer Telegraph 
nimmt allerdings einen sehr viel grösseren Raum ein. Auf einem umzäunten 
hofartigen Platze sind bei jedem der beiden Korrespondenten fünf hohe 
Tafeln errichtet, auf denen sämmtliche Buchstaben des Alphabetes ge- 
schrieben stehn. Verabredet ist, dass der, welcher eine Mittheilung machen 
will, zuerst 2 Fackeln zugleich erhebt und mit Sprechen wartet, bis der An- 
geredete ihm dies Eröffnungszeichen zurückgiebt. Dann werden auf der linken 
Seit« des Hofes so viel Fackeln erhoben, als nöthig sind, um die 1., 2., 3., 
4. oder 5. Tafel zu kennzeichnen, und dann auf der rechten Hofseite so viel 
Fackeln, als man bedarf, um auf der gekennzeichneten Tafel den 1., 2., 3., 
4. oder B. Buchstaben zu markiren. Will man also & B. das Wort „Kreter" 
tolegraphiren. so hebt man zuerst auf der linken Hofseite 2 Fackeln, damit 
der Oorrespondent wisse, er habe den ersten Buchstaben auf der zweiten 
Tafel zu suchen ; dann hebt man rechts im Hofe 5 Fackeln, und der Nach- 
richtempfänger weiss nun, er habe R zu lesen, den 5. Buchstaben auf der 
2. Tafel. Jetzt hebt man auf der linken Hofseite 4, auf der rechten 2 Fackeln 
und der Korrespondent liest R, den 2. Buchstaben der 4. Tafel u. s. w. — 
Zur Verschärfung der Genauigkeit geschieht die Beobachtung durch ein 
Visirbrett (diontQä) mit glaslosen Fernrohren. — Die Urheber dieser von 
Polybios vervollkomneten Fernsprechkunst waren Kleoxenes und De- 
mokleitos. 



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R o m. 



Literstur. 

Polybios (150 v. Chr.): Vierzig Mcher Geschichte. ( v . „ 
Diodorus Siculus (60 t. Chr.): Histor. Bibliothek. I g 

Dionysios von Ralikarnassos |30v. Chr.): 'Puuatxi} 'Apxaioioyia. Zwanzig Bücher röm. 
Geschichte v. Anfang bis zum Beginne der pun. Kriege. ( Vollstdg. nur die ersten 9 
Bücher, das 10. u. 11. grossentheils , die andern in Bruchstücken erhalten.) Ausg. 
v. Kiessling. Lpzg. 18öa 1870. Dtsch. v. Schaller u. Christian. Stuttg. 1827-50. 

C. Julius Caesar (100—44 v.Chr.): Cominentarii de hello Gallico. 7 Bücher. Ausg. 
v. Nipperdcy. Lpzg. 1847. Dtsch. v. Köchly u. Rüstow. Stuttg. 1866. 

C. Julius Caesar: Cominentarii de hello civili. III Bücher. Ausg. v. Nippcrdey. 
Dtsch. v. Baumstark Stuttg. 1864. 

Die Commcntare über den galL Krieg hat der Legat Hirtius, der i. J. 48 v. Chr. vor 
Mutina fiel, durch ein 8. Buch (Ereignisse v. 51 u. 50) fortgesetzt. Hirtius ist ver- 
mutlich auch Verfasser des „Bellum Alexandrinern' 4 , einer Fortsetzung des „Bürger- 
krieges." (Ereignisse d. J. 47.) Wahrscheinlich von Kriegstribunen sind die Bücher 
„Bellum Africanum" (46) und „Bellum Hispaniense" (45 v. Chr.) geschrieben. 

Cornelius Nepos (94—24 v. Chr.): Vitee excellentium imperatorum. (25 Biographien.) 
Ausg. v. Halm. Lpzg. 1874. Dtsch. v. Türck. Bonn 1858. 

C. Sallustius Crispus (86—36 v. Chr.): „Catilina" und „Jugurtha". Ausg. v. Dietsch. 
Berl. 1869. Dtsch. v. Holzer. Stuttg. 1868. 

T. L i v i u s (59 v. bis 17 n. Chr.) : Herum Romanorum ab Urbe condita libri CXLIL Von der 
Ankunft des Aeneas in Italien bis zum Tode des Drusus. 9 v. Chr. Erhalten sind 
35 Bücher, welche (B. 1—10) die Geschichte Roms bis 239 v. Chr. und (B. 21 45) 
die vom Beginne des 2. pun. Krieges 218 bis zum Triumph über Perseus 167 ent- 
halten. Ausserdem sind „Periochae" od. „Epitomae" (Inhaltsangaben) von 140 Büchern 
überblieben, auf Grund deren Freinsheim im 17. Jhrdt. seine 96 Bücher „Supple- 
mente" schrieb. - Ausg. v. Hertz. Berl. 1867-66. Dtsch. v. Klaiber. Stuttg. 1854—56. 

M. Vcllejus Paterculus (30 n. Chr.): Historiae Romanae lib. II. (Von Aeneas bis 30 
n. Chr.) Ausg. v. Hahn. Lpzg. 1876. Dtsch. v. Eyssenhardt Stuttg. 1865. 

Valerius Maximus (30 n. Chr.): Factorum et dictorum memorabilium libb. IX 
Anccdoten. Ausg. v. Halm. Lpzg. 1865. Dtsch. v. Hoffmann. Stuttg. 1829. 

Cornelius Tacitus (64—? n. Chr.): Vita Agricolae. Ausg. v. Peter. Jena 1876. 

„ „ De origine, situ, moribus ac populis Germanorum. Ausg. v. Schweizer- 

Sidler. Halle 1874. 

Cornelius Tacitus: Historiae. Von 69 bis 96 n. Chr. XIV Bücher, von denen 4 und der 

Anfang des 5. erhalten sind. 
Cornelius Tacitus: Annales ab excessu divi Augusti. Von 14 bis 70 n. Chr. XVI Bücher, von 



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- 188 - 



denen 1 6 (mit grosser Lücke in 5), 11 1« (II mit Lücken) erhalten sind. Ge- 

sammtauBg. v. Nipperdey. BerL 1871 76. Dtsch. v. Roth. Stuttg. 1854. 
Flavius Joseph us (75 n. Chr.): De hello ludaico libri VII. Ausg. v. Cardwell. Oxford 

1837. Dtsch. v. Paret. Stuttg. 18( 5. — Antiquitatum Iudaicarum libri XX. Ausg. 

v. Becker. Lpzg. 1856. Dtech. v. Martin. Köln 1853. 
Plutarcho« (100 n. Chr.): Vitae parallelae. S. S. 126. 

C. Suetonius Tranquillus (75—160 n. Chr.): Vitae XII Caesaruni. Ausg. v. Roth. 
Lpzg. 1858. Dtsch. v. Stahr. Stuttg. 1874. 

Justinus: Pompeji Trogi Historiarum Philippicarum upitoma. Von Ninus bis Au- 
gustus. S. S. 126. 

Julius Florus (150 n. Chr.): Bcllorum omnium aunorum DCC libri duo. Von Grün- 

dung der Stadt bis Augustus. Ausg. v. Halm. Lpzg. 1874. Dtsch. v. Pähl. Stuttg. 1834. 
Flav. Appianus (150 u. Chr.): 'Paiftaixä in XXIV Büchern. Reichsgesch. v. Ursprünge 

bis auf August (u. Trojan). Ausg. v. Bekker. Lpzg. 1853. Dtsch. v. Zeiss. Lpzg. 1857. 
Herodianus <2»X) n. Chr.): 7^,- utxa Mapxov flaotktlae Unopiat. VIII Bücher. Von 

Marc Aurel bis Oordianus. Ausg. v. Bekker. Lpzg. 1855. Dtsch v. Stahr. Stuttg. 1858. 
Script o res historiae August in Denkwürdigkeiten der Kaiserzeit von Hadrian 

bis Diocletian. 117 285. Autoren sind: Aelius Spartianus. Vulcatius Gallicanus. 

TrebcUius Pollio, Flavias Vopiseus, Aelius Lampridius, Jul. Capitolinus. In der, 

wahrscheinl. zu Byzanz veranstalteten Sammlung fehlt die Zeit v. 244 253. Ausg. 

v. Peter. Lpzg. 1865. 

Dio Cassius (200 n. Chr.): 'Immun '/Werf*»;. (Von Gründung Roms bis zu Dio's 
Consulat -J29. LXXX Bücher, von denen nur 18 vollstg. erhalten. Ausg. v. Din- 
dorf. Lpzg. 1865. Dtsch. v. Tafel. Stuttg. 1831 44. 

Aurelian Victor (360 n. Chr.): Origo gentis Uomanae. — De viris illustribus urbis 
Rom. n . - Epitouiac de Caesaribus. Kaisergesch. v. Augustus bis Julianus. Ausg. 
v. Brohm. Lpzg. 1860. 

Eutropius <37U n. Chr.): Breviarinm historiae Romanae ab url>c oondita. Bis Kaiser 
Valens. Ausg. v. Tzschucke. Lpzg. 1796. DüK-h. v. Forbiger. Stuttg. 1860. 
Unter dem Namen „Historia miscella" wurde das Breviarium von mehren Ver- 
fassern bis zum 9. Jhrdt. fortgesetzt. Ausg. v. Eyasenhardt. Berl. 1869. 

Sextus Rufus (380 n. Chr.): Breviarium rerum gestarum populi Romani. Ausg. v. 
Förster. Wien 1874. 

Ammianus Marcellinus (390 n. Chr.): Rerum gestarum libh. XXXI. Von Ncrva 
bis Valeus. Die ersten 13 Bücher und der Schluss des Ganzen fehleu. Ausg. v. 
EyBsenhardt. Berlin 1871. Dtsch. v. Ti-osb u. Büchein. Stuttg. 1827 53. 

Paulus Orosius (400 n. Chr.): Historiarum libri VII adversus paganos. Von Er- 
schaffung der Welt bis 410. Ausg. v. Havercamp. Thorn 1^76. 

Zosimus (450 n. Chr.): Geschichte des Kaiserreichs von Augustus bis 4lü. Ausg. v. 
Bekker. Bonn 1857. Dtsch v. Seybold u. Heylcr. Frkft. 1805. 

Tillemont: Histoire des empereurs. Paris 1720. 

Montesquieu: Considerations sur les causes de la grandeur et de la decadence de« 

Romains. Paris 1734. 1875. Dtsch. Lpzg. 1842. 
Ferguson: History of the progress and termination of the Roman republic. London 1805. 

Dtsch. Lpzg. 1786. 

Gibbon: HiBtory of the declinc aud fall of the Roman erupire. London 1782 — 1788. 
1858. Dtach. Lpzg. 1862. 

Niebuhr: Römische Geschichte. Berlin 181 1 1832. N. A. v. Islcr. Berl. 1874. 
,, Vorträge über die Rom. Geschichte. Hrsg. v. Isler. Berl. 1848. 

Drumann: Geschichte Roms in seinem Uebergange v. d. republikanischen zur monar- 
chischen Verfassung. Köuigsbg. 1834—44. 

H oeckh : Römische Gesch. vom Verfall der Republik bis zur Vollendung der Monarchie 
unter Konstantin. Brnschwg. u. Gotting. 1841—1860. 



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— 189 - 



Kortüm: Römische Geschichte. Heidelberg 1843. 
Mom in non: Römische Geschichte. 6. Aufl. Berlin 1874. 

Schweiler: Komische Geschichte. Tübingen 1867 - 71. Fortges. v. Clnson. 1873 ff. 
Kuhn: Die städt. u. hürgerl. Verfassung des röni. Reiches. Lpzg. 1804-65. 
Mcrivale: History of the Romans under the empire. 2. Aufl. Lond. 1865. Dtsch. 

Lpzg. 1866—1874. 
Laurentie: Uistoire de l'empire Romain. Paris 1862. 

Bernhardt: Gesch. Roms von Valerian bis zu Dioeletian's Tod. 1. Bd. Bcrl. 1867. 
Richter: Da» weströmische Reich. Berlin 1865. 
Peter: Geschichte Roms. Halle 1871. 

„ Zeittafeln der röm. Geschichte. Halle 1875. 
Ihne: Römische Geschichte. Lpzg. 1868—76. 
Jäger: Geschichte der Römer. 4. Aufl. Gütersloh 1877. 

* — - i 

Gel Ii us (2. Jhrdt. n. Chr.): Noctes Atticae. Ausg. v. Hertz. Lpzg. 1835. Dtsch. v. 
Weiss. Lpzg. 1875. 

Graevius: Thesaurus antiquitatum roraanarum. Utrecht 1694 — 99. Wichtig in milit. 

Hinsicht besonder» vol. X. 
Salltfugrc: Novus thesaurus antiquitatum romanarum. Haag 1716 — 19. 
Becker: Handbuch der römischen Alterthümer. Fortgesetzt von Marquardt . Lpzg. 1843 - 67. 
Rubino: Untersuchungen über röm. Verfassung und Geschichte. Kassel 183». 
Göttling: Geschichte der römischen Staatsverfassung. Halle 1840. 
Peter: Die Epochen der röm. VerfassungsgcBchieht«. Leipzig 1841. 
v. Pauly, Walz undTcuffel: Rcalencyclopädie der klassischen Alterthumswissenschaft. 

Stuttg. 1839—52. 

Rieh: Illustr. Wörterbuch der römischen Alterthümer. Dtsch. Paris u. Lpzg. 1862. 
For biger: Hellas und Rom. III. Rom im Zeitalter der Antonine. Lpzg. 1874. 
Lange: Römische Staatsalterthümer. Lpzg. 1856. 3. Aufl. 1876. 

Marquardt und Mommsen: Handbuch der Röm. Staatsalterthümer. Lpzg. 1873—76. 
Dies Werk enthält im 5. Bande die vorzüglichste, auf der Höho der jetzigen 
Wissenschaft stehende Darstellung des römischen Kriegswesens. 

Verjrl. auch den 3., die „Alterthümer" betreffenden Abschnitt des Literaturnachweises 
über „Hella«« S. 89. 

M. Poreius Cato (234 — 149 v. Chr.): De re militari. Nur in geringen Bruchstücken und 
mittelbar insofern erhalten, als Vegetius die Schrift eingehend benutzt hat. Die 
Fragmente in Vegetius etc. ed. Scriverius, ex offic. Plantin 1607, und in Lion: 
Catoniana p. 43 4T>. Ver^l. auch Jordan 's Sammlung aller Fragmente des Cato. 
Lpzg. 1860. 

II. Vitruvius Pollio (13 v.Chr.): De architectura libb. X. Ausg. v. Rose und Müller- 

Strübing. Lpzg. 1867. Dtsch. v. Reber. Stuttg. 1865. Vergl. Nohl: Index Vitru- 

vianus. Lpzg. 187«. 
Asklepiodot os und Aelianos (1. Jhrdt. n. Chr.) vergl. S. 117. 
Ouosandros (50 n. Chr.): Itontijixihi. Ausg. von Coray. Paris 1822. (Parerg. Hell. 

Bibl. t. V.) Frzs. v. Guichard in den Mem. milit. Haag 1757 t. 2 p. 49—106.) 
Sext. Jul. Frontin us (80 n. Chr.): De re militari Romanorum. Verloren, aber von 

Vegetius benutzt. — Strategematon libri IV. Ausg. v. Dederich. Lpzg. 1855. 
Hyginus Gromaticua (100 n. Chr.): Liber de castramentatinne. Bei Scriverius und in 

der Notitia dignitatum. S. unten. 
Vorn. Celsus (100 n. Chr.?): Res militaros. Verloren, aber von Vegetius benutzt. 
Arrianog ilöo n. Chr.): "AVr«&.- xai' 'Alart»$: Ausg. v. Blancard. Amsterd. 1750. 

Uebers, v. Dörner. Stuttg. 1829-34. — Vergl. S. 118 und 126. 
Polyaenos (150 n. Chr.): Strategemata. S. S. 126. 

Modestus (275 n. Chr.): Libellu» de vocabulis rei militaris ad Tacitum Augustum. 
Bei Scriverius. 




190 - 



Sext. Jul. Africanus (220 n. Chr.): Ktmoi (de caestis). In Thevenot Collect Math. p.275. 
Flav. Vegetius Renatus (375 n. Chr.): Epitoma institutionum militari«. 5 Bücher. 

Ausg. v. Lang. Lpzg. 1869. Dtach. v. Lipowski. Sulzbach 1827. 
Notitia Dignitatum et Administrationum omnium tarn civilium quam militarium in par- 

tibus Orient» et Occidentia. (400 n. Chr.) Auag. v. Böcking. Bonn 1839—1853. 

*) Lipsii De militia Romana libri V. Antwerpen 1696. 
Salin asi us: De militia Romana. Lugd. Batav. 1657. 
Volcmar: Histoire de la Tactique des Romains. Breslau 1780. 
Nast und Rösch: Römische Kriegsalterthümer. Halle 1782. 

Clement -Du motz: Conversation sur l'organisation des armees romaines, les honneurs 

du Triomphe etc. Paris 1806. 
Le Bcau: Abhandlungen in den Memoire» de l'Acad. des Inscript. et belles lettre«. *♦) 
Ottenberger: Das Kriegswesen der Römer. Prag 1824. 

Bo nicken: Roms Staats- u. Kriegsgeschichte für den Offizierstand. Merseburg 1833. 
Liskenue et Sau van: Essay sur les milices romaines. (Bibl. historique et militaire 
II. Paris 1836). 

Sonklar: Abhandlung über die Heeresverwaltung der Römer im Frieden- und im 

Kriege. Insbruck 1847. 
Zander: Andeutungeil zur Gesch. des röm. Kriegswesens. Programme. Schönberg 1840. 

Ratzeburg 1k46 u. 1849. 
Lange: Historia mutationum rei militaris Romanorum libri III indo ab intcritu rei publicae 

UBque ad Constantinum. Gottingae 1846. 
Recke: Das römische Kriegswesen. Mühlhausen 1847. 
Rückert: Das römische Kriegswesen. Berlin 1850. 

Köchly und Rüstow: Einleitung zum 2. Theile der griech. Kriegsacbriftateller. S. 
36—101. Lpzg. 1855. 

v. Peucker: Das deutsche Kriegswesen der Urzeiten. Berlin 1860. Anhang zum 
2. Theile : Blicke auf das römische Heerwesen behufs Beurtheilung der Wirksamkeit 
der Gefechtsaufstellungen und Kampfweise. 

Lamarre: De la milice Romaine. Paris 1863. 

Rüstow: Geschieht« der Infanterie. Nordhauseu 1867. 

de Caligny: Memoires ineditessur la milice des Romains eteelledes Francais. Turin 1868. 
Die Legion der Römer. (Schweiz. Allg. Militär-Ztg. 19. Jhrg. 1873.) 
Becker: Römische Militärverhältnisse. Berlin 1874. 

Fürst Ga litzin: Allg. Kriegsgesch. des Alterthums. Dtsch. v. Strcccius. IL — V. Bd. 
Cassel 1874 1878. 



*) Iii.» auf das Heerwesen einselnor Zeitabschnitte behagliche moderne Hpexial-Uteratar wird »n 
den betreffenden Stellen besonder« aufgerührt werden. 

**l Marquardt bemerkt Im 2. Bande seiner ^Knmiaehen Staatsverwaltung" (5. Bd. des Hand- 
buL'bea der Hilm. Alterthamer »<>u Mar<|uardt und Mommscni, welcher Seil« 309 bia C.91 dio vurxngliehsto Dar- 
stellung dei romischen Kriegswesens enthält, in Beiug auf Le Beau'a Arbeiten, da»« dieselben noch viel un- 
verarbeitet«* Material enthalten, und fuhrt die einseinen Abbandlungen wie folgt aof: 

1. De la nature, du nom et de lvmgine de la legion et jusqu'ä quel lemp« cette milice a aubsiste. (Vnl. XXV 
p. 492.) ». Do nombre de« gcni de pied , donl eile I- tait eoraposee. (ib. p. »80.) 3. De l-origine de la cavalierie 
legionaire et de l'elat, dam lcquel eile subaitta Juequ»au lernpi de* Uraoqnn. (XXVIII p. 1.) 4. De l'etat de 
la cavalierie legionaire apre« lea (iraequei. (ib. p. 8.'..) r,. Des diverse« eapece* de Soldat« et premieroment dea 
auldat« pesamment arme*. (XXIX p. 325.) 6. Das troupe« legere«, .ib. p. 344 ) 7. De la coborle. (Ib p. 392.) 
f. Du Manipulo et de an partiea. i XXX II p 279 ) 9. Dea direraea partie« da la cavalierie legionaire. (ib. p. 309.) 
10. De la maniere, dont ont lavolt lea Soldat« pour oomposer la legion. (ib. p. 318.) 11. De« qualites requiae* 
pour le aerrice legionaire. (XXXV p. 1t» ) 12. Du aerment militaire. (ib. p. 224.) 13. Dea exerciec* militaire*. 
(ib. p. 240.) 14. Des enseignes. (ib. p. 277. 15. Des ofneier» generaux de la legten. (XXXVII p. 112.) 10. De« 
offleiera, qai commandolent les diverse« parti,'« de la ^ginn. (ib. p. 146.) 17. Dea denominatiou* et dea funetion* 
diverses dea soldats, qui composoient la legion. (ib. p. 170.) in. De* diverse* sortes de personne*, attacbe^e an 
service de la legiou. (ib. p. 222.) 10. IN'* arme« dl'fi-nsivc* du Soldat legii.nair«. (XXXIX p. 437.) 2«. Dra 
armes offensives d. S. 1. (ib. p. 47H.) 21. Habilletncnt da fantassin legionaire. (ib. p. 50«.) 22 De l'equipcment 
du cavalier legionaire et de la fourniture rfm habit*. (ib. p. 5J9.) J». De la nourriture du «oldat legionaire. 
(XLI p. 129.) 24. Ii,- U paje du S. leg. (ib. p. Isi.) 26. Discipliue de la 16gi«u (ib p. 20C) 



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- 191 - 

Wenzel: Kriegswesen und Hccrcsorganisation der Kömer. Berlin und Lpzg. 1877. 
Steinwender: Ueber die Stärke der röm. Legion und die Ursache ihres Wachsein. 
Progr. Danzig 1877. 

Langen: Die Heeresverpflegung der Römer im letzten Jahrhundert der Republik. L 
Brieg 1878. 

Vergl. ausserdem die auf das griechische und römische Kriegswesen bezügl. Schriften 
in dem Literaturnachweise S. 89/90. 



I. Waffen der Römer. 

Tafel 17 und 18. 

Das Bild, welches man vom römischen Waffenwesen entwerfen kann, 
ist lückenhaft und unsicher ; denn trotz zahlreicher literarischer Erwähnungen, 
trotz mancher künstlerischen Darstellung, ja trotz wirklich aufgefundener 
RUststUcke bleiben nicht wenige Fragen ungelöst. Zumal die Spärlichkeit 
der Waffenfunde wirkt in dieser Hinsicht hemmend; denn die Zahl der 
überblicbeuen Waffen steht in erstaunenerregend geringem Verhältnisse zu 
der Grösse des über drei Welttheile ausgedehnten Rötnerreiches, und doch 
sind solche Funde unermesslich wichtig zur Kachprüfung der monumentalen 
Darstellungen, auf die man seit Justus Lipsius (1590) die Rekonstruktion 
der römischen Bewaffnung fast ausschliesslich zu begründen pflegte. Die 
Waffenreste, welche sich in italischem Boden fanden, noch mehr aber die 
neuen und reicheren Funde, welche in den Trümmern deutscher Römer- 
kastelle gemacht wurden, ergeben nämlich sehr bedeutende Abweichungen 
von den Darstellungen auf den Säulen und Triumphbögen der herrschenden 
Stadt, Abweichungen, die um so auffallender erscheinen, als sowol die Fund- 
stücke wie die Monumente der späteren , der kaiserlichen Zeit angehören. 
Offenbar liegt der Grund solcher Verschiedenheit in künstlerischen Rück- 
sichten, welche die Schöpfer der römischen Denkmäler nahmen. Wenn sie 
die Helme mit Seitenklappen und Nackenschirmen darstellen wollten, so hätten 
sie das ganze Gesicht verdeckt und kaum die Kopfform erkennen lassen; 
sie veränderten daher die Form des Helmes; sie gestalteten das Schwert 
konventionell um; sie vermieden die Darstellung des pilum, das im Relief 
zu einem blossen Stock zusammenzuschrumpfen drohte. Die hohe Kunst 
auch jener Zeit schon archaisirte und idealisirte. Das lässt sich mit Ge- 
wissheit behaupten , wenn man jenen monumentalen Darstellungen die Ab- 
bildungen auf Grabsteinen römischer Soldaten entgegenstellt, wo der gemeine 
Mann vom Steinmetzen sicherlich die genaueste Wiedergabe der Bewaff- 
nung seines Kameraden forderte. *) Zwischen solchen populären Darstellun- 

*) Ein merkwürdiges Beispiel dieser Btreng realistischen Forderung gewährt u. A. ein 
Grabdenkmal, auf welchem, da nicht alle ehrenden Auszeichnungen (phalerae) am Soldaten 
und am Pferde angebracht werden konnten, ein Theil derselben noch unterhalb des Rosses 
hinzugefügt wurde. 



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- 192 - 



gen und den in den Kastellen gefundenen Waffen ergiebt sich denn auch die 
vollste Uehereinstimmung *). und durch die Verwerthung dieser Hilfsmittel 
hat besonders das römisch-germanische Centraimuseum zu Mainz unter 
Leitung des Prof. Dr. Lindenschmit ganz ausgezeichnete Ergebnisse erzielt, 
welch« die Bewaffnung des römischen Legionars mit greifbarer Klarheit in 
vortrefflichen Modellen wieder vor uns aufleben lassen. Allerdings nur die 
des Soldaten der römischen Kaiserzeit. Für die frühere Vergangenheit wird 
man wol im Wesentlichen auf die Angaben des Polybios über die Bewaff- 
nung seiner Zeit, d. h. des 3. Jahrhunderts vor Chr., und auf einige wenige 
spärliche Reste beschränkt bleiben. 

Zunächst ein Wort über die Bekleidung der römischen Krieger. 

Nach den Ueberlieferungcn einiger Schriftsteller soll in den ältesten 
Zeiten die t o g a Kriegskleid gewesen sein. Die Toga ist das echt nationale 
Mantelgewand der Römer und wurde in jener Frühzeit wol ohne weiteres 
Unterkleid um den blossen Körper geschlagen, an den es sich eng anschloss. 
Um zu verhindern, dass die Arme sich in das beim Kampfe von den 
Schultern herabsinkende Gewand verwickelten, wurde der über die linke 
Schulter zurückgeschlagene Zipfel unterhalb der Brust um den Körper ge- 
schlungen und festgeknotet. Diese „cinctus Gabinus" genannte Gürtung**), 
welche die Römer wahrscheinlich während ihrer Kämpfe gegen die Bewoh- 
nern von Gabii angenommen hatten, veraltete mit dem Gebrauche der Toga 
als Kriegsgewand selbst schon seit der Einführung der servianischen Heeres- 
ordnung und erhielt sich nur noch als konventionelle Kleidung der Truppen 
bei gewissen Riten: Eröffnung des Janustempels oder des Feldzuges, 
Städtebegründungen u. dgl. Es sind das Momente, in denen das Bürger- 
thum des Soldaten hervorgehoben werden soll; denn das Nationalgewand, 
die Toga, durfte eben nur der Bürger, nur der Freie tragen. Keinem Nicht- 
römer war die Toga gestattet; für den Römer dagegen galt es, wenigstens 
in der früheren Zeit, als unschicklich , ohne dieselbe in der Stadt zu er- 
scheinen. Das leichte, bequeme Hauskleid aber und zugleich der eigent- 
liche Waffenrock der Soldaten ist die wollene tunica, welche dem grie- 
chischen Chiton entsprach, kaum bis an 's Knie reichte und in früher Zeit 
ärmellos war, später aber mit kurzen, die Hälfte des Oberarms bedeckenden 
Aermeln versehen ward. Bei kalter Witterung trug man mehre Tuniken 
über einander. Als Soldatenmantel diente das „sag um'' oder sagulum, ein 
dunkelfarbiger Schulterüberwurf aus dichtem Wolleugewebe , der die Arme 
frei Hess und den Körper nur mässig bedeckte.***) Auf Schulter oder Brust 
wird das sagum mit einer fibula befestigt : im Kampfe oder bei Lagerarbeiten 
legte man es ab. Die Denkmale bringen es sehr selten zur Darstellung. Bei 
Kälte, Schnee und Regen kommt zuweilen noch ein plumper Ueherrock mit „ 
Kapuze, die grobwollene „paenula", oder die etwas leichtere und bequemere 
„lacerna" hinzu. — Die. Anführer trugen grössere Mäntel [16]. welche bei 



•) Vortrag des Prof. (ienthc in der Philologenversammlung zu Wiesbaden 1877. 
**) Ü. Müller: Die Etruaker I S. S*iO, J67. Ebd. S. 2«4. 



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- 193 - 

den Feldherren purpurn gefärbt waren. Ein solcher längerer Mantel hiess 
„paludamentum". — Die Schenkel pflegte man, etruskischein Vorbilde folgend, 
mit Binden (fasciae) zu umwickeln, wenigstens bei kalter Witterung; 
denn dass es nicht immer geschah, beweisen die in Deutschland gefundenen 
Grabsteine römischer Krieger, auf denen die Beine unbekleidet erscheinen. 
In der späteren Zeit, als die nordischen Feldzüge sich so häufig wieder- 
holten, wurden die bis dahin als barbarisch verschrieenen Beinkleider (brac- 
cae) eingeführt: erst nur enge Kniehosen, dann bis zur Hälfte der Wade 
reichende Lederhosen*), endlich lange eigentliche Pluderhosen. 

Die starken Soldatenschuhe (caligae) waren mit einem bis zur Wade 
aufreichenden Riemengettecht versehen und mit tüchtigen Nägeln beschlagen. 
Sie glichen also den „Bundschuhen" des Mittelalters. Juveual **) rechnet 
es unter die ärgsten Unannehmlichkeiten des römischen Strassengetümmels, 
wenn die Zehen unfreiwillige Bekanntschaft mit dem Schuhwerke eines 
Kriegers machen müssten. 

Das älteste und gemeinste Stück der Schutzrüstung, welches sich 
von den frühesten bis zu den spätesten Zeiten erhalten zu haben scheint, 
ist die lorica, der Lederpanzer: bei den Einen ein eng anliegender Koller 
von starkem, doch schmiegsamem Leder [8], bei den Andern aus beweg- 
lichen Schienen oder Riemen von gebranntem Sohlleder zusammengefügt. 
„Lorica" heisst wörtlich Riemenwerk. Die Riemen bildeten ein Leibstück 
und zwei Schulterstücke, und meist wurde unter ersterein in der Heragegend 
ein Eisenblech von 3 / 4 ' Höhe und Breite angebracht, welches Polybios mit 
dem Ausdrucke mqdioy vkaj; bezeichnet. ***) Unzweifelhaft haben sich jedoch 
die ehernen Schutzwaffen der Etrusker auch bei den Römern schon früh 
eingebürgert, und vermuthlich trugen die Hopliten der servianischen Klassen- 
legion einen dem altgriechischen Thorax entsprechenden Brust- und Rücken- 
harnisch, der nach der Muskulatur des Körpers gearbeitet war |9].f) Wie 
bei den Hellenen kam aber auch bei den Römern in der Folge diese kost- 
bare Schutzwaffe ab, und nur die Anführer bedienten sich noch ausnahms- 
weise der lorica ferrea.-}"j*) An ihre Stelle trat, vielleicht schon durch 
Camillus eingeführt, ein von Metallstreifen gebildeter Gurtpanzer, die 
lorica sogmentata [10, 12, 13 bc, 18. 1, 10, 11.]. Dies ist das Haupt- 
stück der römischen Schutzbekleidung. 

Fünf oder sechs etwa drei Finger breite Metallstreifen, „1 a m i u a u •ftf) 
[11], welche auf lederne Riemen geheftet waren, wurden vom Nabel auf- 
wärts bis unter die Achseln mit Haken um den Körper gegürtet und 
bildeten den eigentlichen Brustpanzer, „pectorale". während ähnliche Metall- 

») Mit solchen Beinkleidern erscheinen schon auf den Säulen des Trojan wie des An- 
tonin alle Soldaten, ja sogar die Kaiser. 
**) XVI. 24. ***) Polyb. 6, 23, 14. 

+) Gnhl und Koner: Das Leben der Griechen und Römer. Berlin 187H. H. 748. 
■j-f) Dies war vermuthlich der Name dieses Hüststüoks. Tacitus gebraucht ihn (Hist. 
11. 11), um die Rüstung Kaiser Otbo'i von der seiner Truppen zu unterscheiden, 
fff) Ueispiele im Berliner Antiquariat!!. 



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- 194 — 



streifen , „humeralia", die Schultern bedeckten und , Tragbändern ähnlich, 
an den obersten Streifen des pectorale festgehakt wurden. Zuweilen Hess 
man diese Schulterstücke auch fort ; zuweilen trug man nur sie. (So einige 
Krieger auf dem Severusbogen.) Die Offiziere [18. 3], die principes der 
älteren Zeit und einige bevorzugte Truppentheile späterer Zeit [Vi a], na- 
mentlich aber asiatische Hilfsvölker [18. 4] tragen Schuppen- und Ketten- 
panzer (lorica squamata und h am ata), welche vermuthlich aus ein- 
zelnen, nur durch Ringe verbundenen Schmal- oder Rundblechen bestanden 
und also den noch heute im Orient üblichen Brustpanzern glichen. *) Unter 
den Bronzen des Berliner Museums befindet sich das Brachstück eines 
solchen Panzers, bei dem die aus feinem Eisendrahtgeflechte gebildeten 
Maschenreihen mit Schuppen bedeckt sind. **) — Sehr häufig wurde übrigens 
auch von den Legionären das Panzerhemd unter dem ledernen Waffenrocke 
getragen. Für die kaiserliche Zeit bezeugen das mehre Grabsteine, beson- 
ders der des Signifer Pintacus zu Bonn. Der lichtbraune Lederkollcr 
wurde auf dem Rücken zugeknöpft***); an den Achseln und am unteren 
Rande fielen lose Lederstreifen herab. 

Feldherren und Kaiser erscheinen gewöhnlich in dem künstlerisch 
idealisirten ehernen Chiton griechischer Art (Oh al koch i ton), dessen 
metallener Ueberzug mit mannigfachen Bildwerken in getriebener oder ein- 
gelegter Arbeit geschmückt war. Mehre Statuen römischer Kaiser zeigen 
solche mit Oaelatur bedeckte Harnische *{*), von denen es jedoch zweifel- 
haft bleibt, ob sie wirklich getragen wurden oder nur auf Rechnung des 
verschönernden und hellenisirenden Sinnes der Bildhauer zu stellen sind [17]. 

Der acht römische Helm, sowol die lederne , er/beschlangene g a 1 e a, 
als die metallene cassis, unterscheidet sich von dem griechischen Helme 
vorzugsweise dadurch , dass ihm mit wenigen Ausnahmen das Visir fehlt. 
Die altitalische Form, wie sie namentlich die in etruskischen Gräbern ge- 
fundenen Helme zeigen, erinnert lebhaft an die von den gemeinen Kriegern 
des Mittelalters getragenen Sturmhauben [1, 2], Vervollkommnet wird der 
Helm durch Hinzufügen von Stirn- und Nackenschirm, sowie von Backen- 

*) Weiss: Kostümkunde □. Berlin 1880. — Die „loriea hamata" war wol ein 
eigentliches Kettenhemd (Vi Tg. : Aen. 3, 467), nach Varro eine gallische Erfindung; die 
„lnrica «quaranta" dagegen ein Schuppenpanzer (Virg. : Aen. 9, 707; 11, 488). — Yergl. 
über lieide Panzer auch Isid. Orig. 18, 13, 1, 2. üeber die Panzer der Offiziere Polyb. 
H, 23; über die .Schuppenpanzer der Prätoriauer Diu Cass. 78, 37. 

**) Bronzen Nr. 1025 — . Ein Stück in Mainz besteht aus ganz feinen Hingen; grössere 
Ringe zeigen die Panzerhemden des sogen. Njdnmer Bootes im Museum zu Kiel, welches 
in einem sehleswigschcn Torfmoor gefunden wurde und offenbar ein mit Waffen beladenes 
römisches Fahrzeug ist. 

***) Darüber lässt der Fund eines Stückes mit Knopflöchern zu Mainz, sowie, der vieler 
halbrunder, beinerner Knöpfe keinen Zweifel. 

So eine Bronzestatuette im Museo Borbonieo, welche vermuthlich den jungen Ca- 
racalla darstellt [17]. ganz besonders aber eine in der Villa der Cäsaren vor der Porta 
del popolo aufgefundene Statue des Augustus. (Vergl. Hübner: Augustus, Marmorstatuc 
des Berliner Museums. 28. Programm zum Winckelmannfeste. Berlin 1868. S. 11.) 



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- 195 



stücken (bucculae). Den Scheitel ziert und verstärkt oft ein Ring oder 
Knopf [8, 4, 8, 10, 12; 18. 11]. In der Blütezeit der Republik herrscht 
derErzhelm vor und zwar mit hoher Helmzierde (crista, iuba) [5, ft, 13 0, 15J; 
doch schon in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts vor Chr. unter Ca- 
millus kamen auch ganz gestählte Helme in Gebrauch. *) Centurionen und 
höhere Führer trugen zu Polybios' Zeiten einen aus drei rothen oder 
schwarzen Federn bestehenden Helmschmuck ; später wurden gefärbte Ross- 
haarkämme üblich (18. 2|. Zu den Federn wählte man am liebsten diejenigen 
germanischer Gänse. In Deutschland hat man nicht mein* als ein halbes 
Dutzend römischer Helme gefunden. Derjenige, welcher typisch erscheint 
und daher von Lindenschmit als Vorbild für seine Modelle gewählt wurde, 
ist zu Niederbieber gefunden und befindet sich im Besitze deB Fürsten von 
Wied. Den Hinterkopf desselben schützt ein Nackenschirm, die Wangen 
sichern breite beckenartige Bänder. Zwischen diesen und der eigentlichen 
Haube erscheint eine offene Stelle für das Ohr, welches jedoch wieder durch 
eine Verstärkung der Haube gedeckt ist. Ueber diese läuft von vorn nach 
hinten zur Sicherung des Schädels ein metallener Kamm. Ein anderer zu 
Osterbrücken in Baden gefundener Helm zeichnet sich durch einen vor- 
springenden, das Gesicht schützenden, visirähnlichen Aufsatz aus, während 
die Wangenbänder fehlen. Jenen Aufsatz zeigt auch ein Helm im Darm- 
städter Museum, der aber daneben Wangenbänder und Nackenschirm sowie 
einen merkwürdigen kreuzweisen Doppelkamm aufweist, der da, wo die 
Zweige sich kreuzen, verstärkt ist und kleine Metallkegel trägt — Alles, um 
dem Hiebe möglichst zu widerstehen**). Einen ähnlichen Helm, doch ohne 
Kreuzkamm , fand man jüngst in der Donau. Ausser diesen Helmen sind 
hie und da Visirhelme zu Tage getreten, bei denen das Gesicht durch eine 
Metallmaske verhüllt wird. Dergleichen werden zu Stuttgart, zu Kiel 
(Nydamer Boot), zu Wien, zu Luxemburg und im British Museum aufbewahrt 
und gewöhnlich, doch schwerlich mit Recht, als Gladiatorenheimo ange- 
sprochen.***) Beim Marsche trug man den Helm, von dem die crista ent- 
fernt ward, mittelst eines um den Hals geschlungenen Riemens vor der Brust; 
im Lager aber und bei fortifikatorischen Arbeiten pflegten die Soldaten 
den Helm an dem auf dem Boden aufgestellten Schilde zu befestigen.*}") — 
Die Helme wurden allmählig immer leichter; endlich legte man sie ganz 
ab und vertauschte sie mit pannonischen Hüten (pilei). ff) 

In alter Zeit war der römische Krieger wirklich „von Kopf bis Fuss 
bewaffnet 4 *. Denn am rechten, nicht vom Schilde bedeckten Beine trug der 



*) Becker: Handbuch III. (2) S. 247 Note 1387. 

**) Dieser Helm wurde zu Friedberg in der Wetteinu entdeckt, wo überhaupt eine 
scheinbar unerschöpfliche Fundgrube römischer Alterthümer ist. 

***) Auf einer Münze der Carisia Cohen, tab. 11 kommt ein Visirhelm au» der Zeit der 
Republik vor; bei Lindenschmit Heft 9, Tafel 5 und Heft 4, Tafel 6 erscheinen deren 
aus der Kaiserzeit. Der letzterwähnte «rehörte einem Solduten der legio XIV. an. 
f) Fröhner: La colonne Trojane. Paris 1H71 ff. 11. pl. 78, 94. 
ff, Veget. 1,20. 

13» 



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Legionär die Beinschiene (oerea), von feiner elastischer Bronze *) . während 
der Reiter sich zweier lederner Beinschienen bediente. In späterer Zeit 
traten jedoch bei allen Truppen an die Stelle der oereae Lederstrüuipfe und 
endlich, wie schon erwähnt, Bundschuh und Hose. 

Hauptschutzwaffe der Römer wie aller alten Völker war der Schild. 

lieber den eigentlich römischen Schild wird von den lateinischen Schrift- 
stellern berichtet, dass er ursprünglich viereckig gewesen sei. Seit der Be- 
rührung mit Etrurien sei der rechteckige Schild jedoch von dem erzenen 
tuskischen Rundschilde (clupeus, aspis) verdrängt worden, der durchaus den 
orientalischen und altgriechischen Schildformen entsprach.**) 

Wol seit den Samniterkriegeu ***), jedenfalls seit den Gallierkriegen wurde 
für alle Censusklassen das scutum der übliche Schild. Dies scutum war 
war 4' hoch, 2 tJ ' breit und hatte die Form eines Halb- oder Drittelcy linders. 
[18, 18» 1, 11]. (Daher der Name ..Thürschild", „Langschild" ; griech. 
dreeög.) Es bestand aus Holzplatten, war erst mit Leinwand und darüber 
mit Leder überzogen und am Rande mit Eisen beschlagen, f) Der in der 
Frühzeit von den prineipes geführte eherne clupeus verschwand ganz, und 
an seiner Statt wurde die leichte, kreisrunde, etwa 3 Fuss im Durchmesser 
haltende „parma" (trägfiif) eingeführt, ein Lederschild, der den Veliten über- 
wiesen wurde. In späterer Zeit kamen vielfach ovale, oblonge und sechs- 
eckige Schilder vor [8, 10, 13, 15; 18. 2, 18.], ohne dass man Näheres 
über ihre Einführung wüsste; doch scheint es, dass sowol Form als Be- 
malung der Schilde zur Unterscheidung der Truppentheile dienten. Auf 
die ovalen Schilde wird vielfach wieder der Name „clupeus" angewandt. 
Die Mitte des stets mit Rindshaut überzogenen Schildes nimmt ein Buckel 
oder Nabel (umbo) ein, von dem aus sich die Ornamente erstrecken, welche' 
bei Führern und bevorzugten Truppentheilen plastisch, zuweilen sogar in 
edlem Metall ausgeführt waren. Am häufigsten erscheinen als Schildzeichen : 
der geflügelte Donnerkeil, kranzumgebene Blitzstrahlen, Adler, Halbmonde. 
Lorbeerzweige und dgl.ff) Auf der Innenseite des Schildes wurde der 

*) Hücker t: Römisches Kriegswesen. S. 16. 

**) Die auf etruskischen Bildwerken nicht selten dargestellten alt italischen Krieger 
führen fast durchweg Kreisschilde. Grossgriechische Beispiele solcher „Clipea" oder 
„urgolischen Aspis", wie Dionysius (IV. 1«) sie nennt, /.eigen mehrfach chalkelephantiue 
Arbeit, indem Zunge und Augen des Gorgonciona , welches eine Hauptzierde der alten 
Waffen ist, von Elfenbein aufgelegt waren. — Das Berliner Antiquarium bewahrt unter 
seinen Bronzen (Nr. 100H) einen bei Correto gefundenen, reich ornamentirten ctruskischen 
Schild von vergoldeter Bronze, die jedoch so dünn ist, dass man es hier wol nicht mit 
einem wirklichen Wafl'enstück, sondern mit einem Grabschmuck zu thun hat. 

***) Vergl. O. Müller: Die Etrusker I. 390 ff. undMommsen: Römische Geschichte, 
f) Merkwürdig ist es, dass der Name dieser römischen Hauptschildfonn offenbar aus 
dem Griechischen stammt; denn , acutum" stellt sich zu oxiio* c i Lcder. 

•J-t") Tin römisch-germanischen Museum zu Mainz befinden sich vortreffliche Modelle so- 
wol des scutum als des ovalen clupeus. Der Beschlag des scutum ist demjenigen 
nachgebildet worden, der sich im Tyne-Flusac (England) gefunden hat. Er weist in meh- 
ren Feldern verschiedene Embleme , Menschen- und Thiergcstalten und iu der Mitte des 
umlio den Adler auf. Am Knude ist der Name des Besitzers, des Junius Dubitatus aus 




— 197 - 



Name des Soldaten und die Bezeichnung des Truppentheils vermerkt. Die 
aus der kaiserlichen Zeit überhliebenen Schilde sind nur mit einer Hand- 
habe versehen: ein Beweis, dass sie mit der Hand, nicht mit dem Arme 
gehalten wurden. Auf dem Marsche hing der Fusssoldat den Schild ge- 
wöhnlich auf den Kücken ; der Reiter befestigte ihn an der Seite der Satteldecke. 

Die Mannschaft und die Offiziere aufwärts bis zum Centurio trugen als 
gemeinschaftliches Abzeichen die Feldbinde , das cingulum militiae. 
Es war das ein gewöhnlich mehrfach um die Hüften geschlungener, meist 
mit metallenen Buckeln und Schuppen besetzter Gurt von der Breite einer 
lamina, der vorn zusammengehakt oder geknotet wurde und dessen in mehre 
Kiemen getheilte, fast stets beschiente Enden schurzartig über den Unter- 
leib hinabhingen [13]. Diese Enden sind gewöhnlich mit Metallknöpfen ver- 
sehen. *) Das cingulum war nicht Schwertgurt , sondern es diente wie die 
bürgerliche ,.cinctura" zum Aufschürzen der Tunica, zugleich aber auch als 
ehrendes Abzeichen. Feigheit und Meuterei wurden mit dem Verluste des 
cingulum bestraft. Noch die der Kaiserzeit entstammenden Grabmale rö- 
mischer Krieger weisen , faxt ausnahmslos , dies cingulum auf, und zwar er- 
scheint es hier deutlich als ein Bauchschutz, den zwei aus schmalen Streifen 
zusammengesetzte, mit runden Metallblättchen beschlagene Schärpenenden 
bilden **) ; und überhaupt wird man das cinguluni ebenso wol als Schutzwaffe 
wie als Abzeichen aufzufassen haben. 

Die vornehmste, allen römischen Kriegern eigene Tru tzwaffe ist das 
Scbwert. Das ursprüngliche Römerschwert ist wol der von Vergil und 
Livius als Waffe der Heroen gepriesene e n s i s , ein ziemlich langer einschnei- 
diger Haudegen, ähnlich wie der der Gallier, weshalb der ensis zuweilen auch 
,.das gallische Schwert'' 1 genannt wird. In seiner Beziehung zu dem sans- 
kritischen „asis" weist das Wort „ensis" auf das höchste Alterthum zurück. ***) 

der Centurie de» Juli tut Magnus von der VIII. Legion, eingeritzt. Der Beschlag des ovaleu 
elupcus ist demjenigen auf dem schönen Grabsteine des AdlerträgerB der XIV. Legion, 
des (Jneus Musius, nachgeformt. Hier laufen von dein umbo glänzende Metallbcschläge in 
Gestalt geflügelter Blitzstrahlen nach allen Seiten. 

*) Deutlich zeigt sich das cingulum auf F r ö h n e r's photographischen Aufnahmen der 
Reliefs der Trajanssäule, und überall da, wo auf andern Monumenten der Kaiserzeit nur 
die beschienten Enden des cinguluni sichtbar sind, der Gurt selbst aber zu fehlen scheint 
[10|, dürfte der Zeichner aus Mißverständnis, statt den Gürtel darzustellen, das pectoralc 
um eine Schieno vermehrt haben. - Bei vielen mit der lorica segmentata bekleideten 
Soldaten fehlt das cingulum, ebenso bei allen mit dem Lederkoller gerüsteten, und es 
drängt sich daher die Frage auf, ob diese Schärpe nicht vielleicht nur den Legionaren, 
nicht aber den Auxiliartruppen zugestanden habe und ob nicht vielleicht alle mit dem 
Koller und ohne cingulum dargestellten Krieger den Auxiliaren zuzurechnen seien. (A. 
Müller: Programm des Gymnasiums zu Ploen 1873 und Guhl und Kon er a. a. 0.). 

♦*) Besonders schön ercheint das cingulum auf dem zu Bingen gefundenen Grabstein 
eines dalmatinischen Soldaten |14|. 

***) as, ansi (m) bedeutet in der indogermanischen Grundsprache Schwert. Zend: anh, 
sanskr. asi — Diese Wörter sind verwandt mit asar, asara (n) Gesehnt», Schwert, sanskr. 
aar», griech. aooo, dop = das breite starke homerische Schwert, — Die Wurzel scheint 
as zu »ein (schleudern, schiessen). — Vergl. Fick: Wörterbuch der indogermanischen 
Grundsprache. Göttingen 1868. 



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198 — 



Nach der Schlacht hei Cannac vertauschten die Römer diese Waffe mit dem 
von den Phoinikern geführten gl a diu 8, einem mehr oder weniger kurzen, 
zweischneidigen StossBchwerte hispanischen Ursprungs, welches nun auf 
Jahrhunderte hinaus nehen dem „pilum" römische Nationalwaffe wurde 
[19].*) Seit der Kaiserzeit, namentlich seit Hadrian, wuchs ührigens die 
Länge des gladius bedeutend, und dieser nimmt denn auch den neuen Namen 
spat ha an.**) Die auf den deutschen Grahmalen dargestellten Klingen (spa- 
thae wie gladii) sind weit länger, als man sie bisher zu denken gewohnt war 
[14]. — Die Klingen wurden in der Frühzeit aus fester uud wenig biegsamer 
Bronze hergestellt, und dies Material erhielt sich sogar neben dem Eisen und 
dem Stahl lange Zeit, wenn es auch natürlich je länger je mehr zurücktrat. Zu 
Anfang des 2. Jahrhunderts führte der römische Krieger keine bronzenen 
Trutzwaffen mehr, und es ist anzunehmen, das« im zweiten punischen Kriege 
die neue eiserne Waffe nicht wenig zu dem Siege über Karthago beitrug***), 
dessen gallische Söldner wol durchweg noch Bronzewaffen führten. — Der 
Schwertgriff bestand aus Holz, war mit halbkugel förmigen Metallbuckeln 
beschlagen und endete in einem Knaufe. Doch kommen auch Griffe mit 
Metallknäufen vor, wie derjenige von Nydam, dessen Knauf durch einen 
Hieb gespalten ist Parirstangen hatten die römischen Schwerter selten; 
in Deutschland weist nur ein bei Bingen gefundenes Schwert, welches sonst für 
römisch gelten könnte, eine derartige Vorrichtung auf [18»]; auf gallischem 
Boden sind römische Schwerter mit Parirstangen, ja mit einer Art Stichblatt 
häufiger [lH|.f) — Die Schwertscheiden liebte man zu verzieren, und die 
der Anführer sind zuweilen Meisterstücke der Metalltochnik. Im Rheingau 
sind auch zwei besonders schöne Scheiden gefunden worden, von denen sich 
die eine im Museum zu Wiesbaden befindet, während die andere (das 1848 zu 
Mainz entdeckte sog. „Schwert des Tiherius", wahrscheinlich ein von diesem 
Kaiser verliehener Ehrendegen) nach manchen Schicksalen in das British 
Museum gelangt ist ff) [22]. Diese Scheide und die Monumente bezeugen, 
dass sich an jeder Seite der Scheide drei Ringe gegenüberstanden ; da aber 
der Gürtel, den Denkmalen nach, nur durch je einen Ring auf jeder Seite 
gezogen wird, so fällt es schwer, diese Sechszahl zu erklären. - Das Wehr- 

*) Gladius (Stamm: clad) heisst „der Versehrer" (Georges Lexikon). 

**) Spathft fcTaTh;) bezeichnet ursprünglich die „Spatel", ein breitos flaches Holz, dessen 
sich die Weher statt des Kammes bedienten, um den Einschlag damit zu schlagen. Noch 
jetzt bezeichnet ital. spada den Degen. Es ist unzweifelhaft dasselbe Wort wie „Spate". 

***) Demmin: Wnffenkunde. Leipzig 18B9. — Seit die Römer Italiens Grenzen über- 
schritten, lernten sie den spanischen und norischen Stahl, namentlich aber auch die schönen 
orientalischen Klingen schätzen. 

■f) In nachrömischen Gräbern Süddeutschlands finden sieh Sehwerter mit Parirstangen, zu- 
weilen, doch seltener auch in fränkischen Gräbern am Rheine, wie z. B. in denjenigen zu Selzen. 

ff) Die Seheide dieses r TiberiuKschwerte8 u ist mit getriebener Gold- und Silberarbeit 
geschmückt und durch das Bildnis des Kaisers ausgezeichnet. Die Querbänder sowie Ort 
und Müudung sind mit Reliefs verziert und verstärkt. Das römisch-germanische Museum 
zu Mainz hat diese Scheide für seine Rüstungsmodelle nachgebildet. (Vergl. Lersch: 
Das sogen. Schwert des TiberiuB. Bonn 1849 u. Lindenschmit: Abbildungen von Mainzer 
Altcrthümcrn. Mainz 1851. 




- 199 — 



gehäng heisst .,balteus", ein anscheinend etruskisches Wort.*) Der ensis 
wurde auf der linken, der gladius auf der rechten Seite getragen, indem 
man das Koppel entweder über die Schulter hängte oder — was häufiger 
geschah — um den Leib gürtete. Der Schwertgriff lehnt sich an die rechte 
Hüfte. — An der Linken wird, namentlich in der späteren Kaiserzeit, au 
besonderem Koppel eine Kurzwehr, ein Dolch (pugio). getragen (19, 81], **) 
Bei den barbarischen Auxiliaren kommen nicht selten krumme kurze Säbel 
vor [20]. 

In der Frühzeit der italischen Völker führteu Tusker wie Römer 
neben dem Schwerte wol ausschliesslich den Speer (quiris, hasta), — 
Hasta ist wahrscheinlich eines Stammes mit „Ast'*; „hasta pura" ist die 
unbeschlagene Stange, wie sie in der Urzeit, meist wol mit im Feuer ge- 
härteter Spitze, als Stosswaffe (franz. „arme de hast") gebraucht wurde und 
wie man sie in später Zeit noch als militärische Auszeichnung verlieh.***) 
Die hasta diente den Königen der alten Zeit als Scepterf); sie wurde 
bei dem Gerichte der Huudertmänner als Einberufungszeichen aufgesteckt ff ) 
bei öffentlichen Versteigerungen zur Bezeichnung des Ortes wie der staat- 
lichen Autorität ff f), und bei Vermählungen scheitelte man in feierlicher 
Weise die Haare der Bräute mit der hasta *f) — alles Anzeichen ur- 
tümlicher Würde und Bedeutsamkeit dieser Waffe. Anfangs glich wol die 
hasta als „lancea" oder ,.contus" (xorrög) ganz dem hellenischen Langspiesse, 
zumal bei den Tuskern; daneben aher erscheint auch ein kleinerer Speer 
(hasta velitaris) *f f ), dann das „gaesum", ein schwerer Wurfspiess, wahr- 
scheinlich mit Widerhaken *f f f ) und die leichte Wurflanze, ,jaculuni". Die 
Formen der Lanzenspitzen waren sehr mannigfaltig [22]. 

In der Folge trat die Stosshinze ganz zurück gegen das pilum - Dies 
Wort ist vermutblich eines Stammes mit „Pfeil" **f). Das pilum, neben 
dem gladius die vornehmste und am meisten charakteristische Waffe der 
Römer, scheint doch ebenso wenig wie das hispanische Schwert römischen 
Ursprungs **ff); wol aber hat es den Römern die Vervollkommnung der Ein- 



*) O. Müller: Die Etrusker I. S. 393. - Eigentlich bezeichnet „baltcus" nur den 
Schulterriemen. 

**) Eine derartige Wehr (Ochsenzunge) wird zuweilen parazuniuni genannt, d. i. Gort- 
schwert, von .T«(>a und £«*«'»•;, Gurt. 

•**) Becker: Handbuch III. (2 1 S. 244; Lange: Römische Alterthiinicr I. S. 391. — 
Da» Wort hastile (Schaft) wird poetisch, z. B. von Vcrgil, für den ganzen Speer gebraucht, 
f) Justin. 43, 3 § 3. 

ff) Hastani ccntumviralem cogere zum Centumviralgerichtc einberufen (Sult. Aug. 36). 
i~j~{-) Jus hastac, Versteigerungsrecht (Subhastation). Ad hastam publicam aecedero — 
öffentlichen Versteigerungen beiwohnen. *-{\i_Ovid. : fast. 2, 560. 

•ff) Der Velitenspcer wurde von den Griechen als Erfindung der Etrusker betrachtet; 
er war leicht, mit geringem Eisen. (0. Müllor: Etrusker I. S. 395). 
•fff ) Sicheln und gaesa pflegten eilig zusammengeraffte Landlcutc als Waffen zu fiihreu. 
Ebd. I. S. 393). Vergl. S. 18. 

**ff) Sallust: >Cat. 51, 38) lässt den Cäsar sagen: „Anna atque tcla militari» ab Sam- 
nitibus, msiguia magistratuum ab Tuscis pleraque sumserunt", und bei Vulci wurde unter 



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- 800 



richtung und. durch die Art seiner Verwendung, den weltgeschichtlichen 
Ruhin zu danken. Das pilum ist die am meisten hesprochene und zumeist be- 
strittene Waffe der römischen Archäologie ; die Hauptresultate der Forschung 
knüpfen sich an die Namen des Kaisers Napoleon III.*), des Obersten 
Rüstow**), des Professors Köchly***) und endlich des Dr. Lindenschmitf) 
zu Mainz. — Dasjenige pilum, welches zuerst den Triariem zur Vertheidigung 
des Lagerwalles gegeben wurde, war offenhar eine äusserst wuchtige Waffe 
und gewiss identisch mit dem in späteren Zeiten nur selten gebrauchten, 
doch bei Cäsar erwähnten -j-j-) ..pilum murale'*. Wahrscheinlich wurde zur 
Zeit der Kämpfe mit Pyrrhos dies schwere Mauerpilum gegen eine für den 
horizontalen Kernwurf in offener Feldschlacht brauchbare Waffe vertauscht, 
und dies pilum ist es, welches Polybios beschreibt fff). Nach ihm bestand 
dasselbe aus einem hölzernen runden oder vierkantigen Schafte von drei 
Ellen (4'/a Fuss) Länge mit einem ebenso langen Eisen, welches zur Hälfte 
in eine Nuthe des Schafts eingelassen und so vernietet wurde, dass es 
höchstens selbst zerbrechen, nicht aber abgelöst werden konnte. Die Länge 
des pilum war etwa 6*/ 4 Fuss. In Hinsicht der Stärke unterscheidet Poly- 
bios schwere und leichte pila und lässt seine Hastaten und Prinzipes zwei 
Pilen, ein leichtes und ein schweres, tragen. Dies nun wird sonst nirgends 
berichtet und ist um so weniger zu verstehen , als das schwere pilum nach 
Polybios einen Durchmesser von 3 Zoll (den einer nayaiarj) hatte [37]. 
Ein solches Gcschoss muss, wie Lindenschmit bemerkt, ,,balkcuartig w ge- 
wesen sein, und Köchly meint daher im Gegensätze zu Rüstow, dass die 
Krieger es für den Gebrauch als pilum murale im Lager zurückgelassen, 
zur Feldschlacht aber sich nur des leichten Pilums bedient hätten. Für die 
spätere Zeit ist es unzweifelhaft, dass die Legionare nur e i n pilum führten 
und zwar das leichte, dessen Dicke an der Stelle, wo Holz und Eisen ver- 
bunden waren, 3 Daktylen, d. i. l'/ 8 Zoll betrug und dessen Konstruktion 
mehrfach verbessert wurde. Marius jedenfalls fand ein pilum vor, dessen 
Eisen nicht mehr in der von Polybios geschilderten Weise mit dem Holz- 
schafte unlöslich verbunden, sondern nur durch zwei Niete befestigt war. 
Von diesen ersetzte Marius den einen durch einen hölzernen Nagel, so dass, 
wenn das pilum in den Schild des Feindes geschleudert wurde, der Schaft 
durch die eigene Schwere den hölzernen Nagel zerbrach und, halb gelöst 
von der eisernen Spitze, hindernd und zerrend herabhing. *f) Cäsar or- 

altctruHkischen Waffen der eiserne Theil eine» pilum gefunden, der im Museum Gregoria- 
num pl. 21 Nr. 6 abgebildet ist. i Marquardt a. a. O.i Vergl. auch oben S. 162. 

*) Leu armes d'Alise. Notice avec Photographie» et gravures sur bois par H . Ver- 
chere de Reffye. Paris 1864. 8. und Revue archcologique. Vol. X. 1864 pag, 337 ff. 

**) Rü»t 0 w : Heerwesen und Kriegführung Casar'*. Gotha 1855. Tafel 1 . Fig. 1 u. Seite 12. 
. ***} Köchly: Verhandlungen der 21. Philologen- Versammlung zu Augsburg 1862 und 
der 24. Versammlung zu Heidelberg 1865. 

f) Lindenschmit: Die vaterländischen Alterthümer der fiirstl. hohenzollernsehen 
Sammlung zu Sigmarinjren. Mainz 1860, Tafel 1 und S. 20 ff. — Derselbe: Alterthümer 
unserer heidnischen Vorzeit. Ebd. 1857 ff. Heft 1, Taf. 6, Heft 8, Taf. 6, 9, 11. 
ft) B. Gull. 5, 4l>. fit) Polyb. 6, 28, 9. *|) Plut.: Marius. 25. 



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setzte den Holzdorn wieder durch einen Metallniet, erreichte aber doch den- 
selben Effekt, den Marius erstrebt, indem er den oberen Theil des pilum 
aus weichem Eisen in geringer Stärke herstellen und nur die Spitze stählen 
Hess: nuu bog sich das Eisen, sobald es getroffen hatte, unter der Schwere 
des Schaftes. Dies war, wenn die Spitze im Fleische sass, höchst gefährlich; 
aber auch dann, wenn nicht der Feind selbst, sondern nur der Schild ge- 
troffen, befand der Gegner sich in peinlicher Lage; er war ausser Stande, 
den Schild zu brauchen, so lange das pilum haftete : leicht konnte ihm mit 
Hille des festsitzenden pilum die Schutzwehr herabgerissen werden; und ge- 
lang es ihm endlich, was oft schwierig, das pilum zu lösen, so war es un- 
brauchbar; er vermochte nicht, es zurückzuschleudern. *) Neuere Versuche 
haben ergeben, dass das cäsarische pilum, von kräftiger Hand geworfen, 
tannene Scheiben von 3 cm Dicke . ja selbst eichene Scheiben von 1, 5 cm 
mit doppeltem Eisenblechbeschlag durchdringt. **) — Unter den in Frankreich 
und Deutschland seit der ersten Entdeckung Lindenschmit's zahlreich ge- 
machten Funden von Pileneisen aus der Zeit von Cäsar bis zum Ende des 
Reiches gaben besonders die von Alesia***) und die von Mainz Anlass zu 
genauen Untersuchungen und Rekonstruktionen. Die Mainzer Pileneisen [24] 
bestehen aus einer 2 Fuss langen vierkantigen Eisenstange mit pyramidaler 
Spitze. Da, wo die Stange in den Schaft eingelassen wurde, geht sie in 
eine breitgeschmiedete, platte, jetzt grossentheils zerstörte Zunge aus. Diese 
Zunge wurde in eine Nuthe des vierkantigen Schaftes eingelassen und mit 
Querriegeln befestigt. Die Breite der Zunge (3 cm = 1, & digitus) stimmt 
genau mit den Angaben des Polybios hinsichtlich der Schaftdicke der 
leichten pila. Uober die Spitze und bis zum Kopfe des Schaftes hinab 
konnte eine vierkantige Tülle geschoben werden, wie sie die Bonner und 
Wiesbadener Grabsteine aufweisen und wie sie zugleich einen vortrefflichen 
Handschutz gewährte"}*) [25]. Die Länge des Speereisens, einschliesslich der 
muthmasslichen Länge der Zunge, beträgt 2 Fuss 10 Zoll, die des Schaftes 
mit dem bei allen Speeren vorkommenden Eisenschuh etwa 3 Fuss, die ganze 
Länge der Waffe mithin ungefähr 6 Fuss [25, 26]. Dies ist das pilum, 
welche« einen nicht unbedeutenden Antheil hat an der Eroberung der alten 
Welt durch Rom. 

In der späteren Kaiserzeit leimten sich die Truppen gegen den Ge- 
brauch aller schweren Waffen, also auch gegen den des pilum auf, und die 
Organisatoren mussten diesem Widerstande durch Neukonstruktionen zu 



*) Caes.: B. G. 1,25. 

••) Verchere de Reffye a. a. 0. — Verb, der Philol.-Vcrs. 1865. 

**♦) Quichcrat: Examen des armes trouvees a Alise-Saintc-Reine. Paria 1806.- Gegen 
Quicherat's Auffassung wendet sieh Lindenschmit in der Rev. arch. vol. XI. 1865. y. 387 ff. 

f) Im Mainzer Museum ist in dieser Hinsicht besonders lehrreich der Grabstein des 
Q. Petilius Sccundua (XV. leg.), in Wiesbaden der des Caj. Valerius Crispus. Der letztere 
hat als Vorbild für Lindenschmit's treffliche Modelle gedient, welche die Pilum-Frage, 
wenigstens so weit sie sich auf die Zeit von Cäsar an bezieht, wol zum endgiltigen Ab- 
schluss brachten. 




— 202 - 

Hilfe kommen. Eine solche ist das von Vegetius beschriebene spiculum 
(von spicum, Spitze). Es war ein erleichtertes Pilum, im Ganzen Fuss 
kürzer als jenes und mit dreikantigem statt vierkantigem, bis auf 9 Zoll ver- 
kürztem Eisen. Nach leichter war das 3 Vi Fuss lange vericulum oder 
verutum. Auch erscheinen zu dieser Zeit Speere, an deren Schaft zur 
Erhöhung der Wurfkraft eine Lederschleife (amentum) angebracht ist, also 
Riemenspiesse, wie sie die griechischen Peltasten führten (Vergl. S. 99). 
Einige Truppenabtheilungen der Kaiserzeit waren mit Wurfpfeilen (mar- 
tiobarbuli, plumbatae sc. sagittae) bewaffnet [26], deren jeder Soldat 5 inner- 
halb des Schildes mit sich führte. Ihre mit Widerhaken versehene Spitze war 
an ihrer Tülle mit einer starken Bleifassuug beschwert und dadurch die 
Wirkung des Wurfes bedeutend erhöht.*) 

Bogen und Pfeil (arcus und sagitta) scheinen erst in der Zeit 
des Marius durch die Auxiliartruppen in die Reihen der Römer selbst ein- 
geführt worden zu sein. Kretische und balearische Bogner treten dagegen 
seit den punischen Kriegen regelmässig bei den Heeren Roms auf. Von 
Pfeilspitzen kommen am häufigsten die dreikantigen vor, welche mittelst 
eines Domes auf dem Schufte befestigt wurden; doch sind auch andere 
Formen nicht selten [27]. — Die in vielen Museen aufbewahrten bronzenen 
als „Bogcnspanner" bezeichneten Instrumente in Brillenform **) haben sicher- 
lich nicht zum Spannen des Handbogens, sondern zu Bedienung der arcu- 
hallista gedient, jenes leichten Geschützes, welches die Griechen „Bauch- 
spanner'' nannten und welches später als „Armbrust" auftritt. Im Felde 
wurde diese Waffe jedoch nicht gebraucht, sondern nur auf dem Walle. 

Auch die Schleuder, obgleich schon von den Tuskorn verwendet***), 
kam als ordnungsmässige Waffe anfangs nur bei einer Oenturie der „accensi 
velati", also nicht in der eigentlichen Ijegion vor. Erst durch fremde 
Truppen gelangte sie nach dem zweiten punischen Kriege zu allgemeinerem 
Gebrauche, namentlich durch die spanischen Inselvölker und die Achaier 
von Aigion. Die berühmten balearischen Schleuderer führten die einfache 
„funda", welche aus einem länglich-runden Lederstückchen mit genau ab- 
gemessener Durchschussöffnung bestand und in schmale Riemen auslief. Nur 
mit der Tunika und dem Sagum bekleidet, schwang der Schleuderer seine 
Waffe mit der Rechten, während in den Falten des über den linken Arm 
geschlagenen Sagums die Munition ruhte. Die Römer selbst brauchten die 
Schleuder wie den Bogen niemals im Felde, sondern nur bei Belagerungen ; 
wo Feldtruppen r it solchen Fernwaffen auftreten, sind es stets Söldner 
(mercenarii): Numidier, Mauren, Griechen, zumal Kreter, welche in beson- 
deren Abtheilungen erscheinen: wie z. B. Pompejus im Bürgerkriege 2 
Cohorten „funditores" zu je 600 Mann hatte, f) Später schritt man dazu, 
Stockschleudern (fustibali) mit besonderer Schnellkraft einzurichten, mit 

*) Lindenschmit: Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit. Heft 5, Taf. 5. 
**> Sie sind an dem Verbindunflspunkte meist mit drei nahe an einander stehenden 
Spitzen besetzt. Das Berliner Antiquarium besitzt eine ganze Anzahl derselben. 
•**) O. Müller: Etruskcr L S. 385. f) Marquardt: II. S. 833. 



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203 - 



denen man ganze Truppentheile (fundibulatorcs) bewaffnete.*) Als Schleuder- 
geschoss dienten anfangs aufgehobene Steine, später sorgfältig hehauene 
..lapides raissiles" und bleierne Geschosse (glandea). Die letzteren ent- 
sprachen ihrem griechischen Vorbilde sowol durch die oblonge, in zwei 
Kegel auslaufende Form als auch dadurch, dass sie theilweis mit Inschrif- 
ten versehen waren. (Z. B. „Pete culum Octaviani!" — „Fari Pomp" 
(ejum)! — „Fugitivi peristis !' 4 **) 

Die römische Reiterei führte, im Gegensatze zur griechischen, Schilde 
(cetra), welche dem scutura glichen und wie der Brustharnisch aus Leder 
hergestellt wurden. Sie kannte, wenigstens in der älteren Zeit, weder den 
Gebrauch der Sättel noch den der Steigbügel und sass auf wollenen Decken 
(ephippia). Bei feierlichen Aufzügen schmückte sie die ,,trabea 4< (der Reiter- 
mantel) und silbernes Pferdegeschirr. Seit den Kriegen mit hellenischen 
Gegnern folgte sie aber ganz entschieden dem griechischen Vorbilde, er- 
schien gleich diesem mit erzenem Helme und erzenem Panzer, Hüftstücken 
und lederner Beinkleidung; den Schild aber behielt sie bei, theils in der 
Form des scutum (dvQfög), theils in ovaler Gestalt ***) In der Spätzeit trugen 
die Reiter der Legion auch eigentliche metallene Beinschienen, daher sie 
Vegetius „ocreati equites" nennt, f) — Als Trutzwaffen dienten lange 
Schwerter und Lanzen (conti), die oben und unten mit Spitzen versehen 
waren ff), und oft auch noch einige Wnrfspiesse in einem Köcher, f ff ) Die 
Zäumung der Pferde erscheint rationell, zwar einfach, doch vollständig 
[18. 7]. Sie bestand aus einem Stangenzügel *f), Stirn-, Hals-, Brust- und 
Schwanzriemen, und zuweilen kommen auch an Stirn und Brust der Rosse 
auszeichnende Rüststücke , ,.phalerae" vor.*ff) Eigentliche Hufeisen gab 
es noch nicht ; wol aber versah man die Pferde auf schwierigem Boden seit 
alter Zeit mit einer Art von Sohlen oder Socken (calceus) , die anfangs aus 
Geflecht, später aus Eisen bestanden (solea ferrea), deren Befestigung in- 
dessen sehr ungenügend war. *f ff ) Exemplare solcher Rossejsen hat man na- 

•) Dies geschah namentlich im Heero des Trojan. Vegetius (III. 14) beschreibt 
die Stockschleuder genau. 

**) Die Schleudcrbleie haben sieh in grosser Zahl erhalten und rühren zu nicht ge- 
ringem Theile von den Belagerungen Askulums und Perusias (89 resp. 40 v. Chr.) her. 
Meist sind sie mit dem Legionsstcmpel verschen. Vergl. De Mini eis: Sülle antichc 
ghiande missili, Roma 1852; Mommsen: Corpus Inscript. lat. I. n. 652; Vischer: An- 
»ike Schleudcrgeschoiiso , Basel 18W5; Semper: Ueber die bleiernen Schleudergeschosse 
der Alten. Frankfurt a. M. 1859. 

***) Polyb. 6, 25. — Von den Beinschienen zeigen die zahlreichen auf der Antonius- 
säule dargestellten Reiter keine Spur. 

f) Rückert: Das römische Kriegwesen. Berlin 1850. 
Ü-) Polyb. «. 25. - Tac,: Ann. 14, 37. 
•f-f-f) Joseph.: B. J. 8; 5, 6. — Beschrieben werden diese Wurfspiesse von Polyb. 8, 22 
Sie hatten gewöhnlich 2 eubiti Länge und 1 Zoll Dicke und ihre Klinge war ähnlich ein- 
gerichtet wie die der pila. 

*-J-) Das Wesentliche unserer Stangengebisse, die hebclartige Wirkung der Anzüge 
fehlte jedoch. (Sehl i eben a. a. O.) *ft) Vergl. die Note zu Seite 191. 
*ttt) Vergl. Beckmann: Beiträge zur Geschichte der Erfindungen. Leipzig 1792. 




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mentlich in gebirgigem Gelände (Schweiz und Oesterreich) häufig gefunden 
[30J. Die Reiter trugen in der späteren Zeit, wenigstens zum Theile, aucli 
Sporen (calcaria) [28, 29]. *) — Uobrigens sind die Mittheilungen über 
die Kavallerie der Römer sehr schwankend und ungenau, was wol besonders 
daran liegt, dass diese Waffe der Hauptmasse nach von den Hilfsvölkern 
aufgebracht wurde |18. 8, 4]. Von diesen stellten später die asiatischen 
Bundesgenossen viel berittene Bogner, unter denen die „cataphracti", welche 
von Kopf bis Fuss, die Rosse eingeschlossen, mit Schuppenpanzern bekleidet 
waren, besonders hevortreten. 

Die den Legionen zugetheilten Musiker wurden in „tuhicinos, corni- 
cines und bucinatores 11 unterschieden. Die tuba, eine lange Trompete, 
soll von etruskischer Erfindung sein und diente fUr die taktischen Signale; 
das cornu, einem langen gewundenen Jagdhorn ähnlich, war vorzugsweise 
zu Lagersignalen bestimmt; die bucina, ein einfaches Kurzhorn, hatte die 
Vigilien , die Nachtwachen , anzuzeigen. Bei der Reiterei kommt noch eine 
kurze gekrümmte Zinke, der sog. litufts, hinzu. Von Marschmelodien, 
welche auf diesen Instrumenten gespielt worden wären, hat sich keine Ueber- 
lieferung erhalten, ebenso wenig von dem Vorhandensein von Pauken oder 
Trommeln. Plutarch zufolge wurden die Römer durch den noch nie gehörten 
Klang der parthischen Trommeln, „welcher dem Gebrülle reissender Thiero 
und dem Rollen des Donners glich", in der Schlacht boi Karrhae nicht 
wenig in Schrecken gesetzt. — Die Feldmusiker wie die Träger der „signa'', 
der Feldzeichen [83] **), erscheinen in der späteren Zeit durch eine als Kopf- 
bedeckung und Rückenbehang angewendete Wildschur (Löwen- oder Wolfs- 
fell) ausgezeichnet. 

Die Waffen der Offiziere waren im Allgemeinen dieselben wie die der 
Mannschaft. Von den Abzeichen ist bereits des gleichzeitig als Schutz- 
waffe dienenden cingulum militiae Erwähnung geschehen. Statt dieses 
Gurtes trugen die Stabsoffiziere und Feldherren das cinetorium, eine 
schmale Schärpe, welche um die Mitte des Oberkörpers geschlungen wurde 
und deren Enden man in konventioneller Weise untersteckte [16, 17]. Feld- 
herren wie Tribunen hatten ihre bestimmte Anzahl Liktoren***); und zu 
den Insignien der Centurionen zählte ein starker Rebstock (vitis), bestimmt, 
die Körperstrafen an den Soldaten zu vollziehen [18. 2|. — Diejenigen 
Offiziere, welche dem Stande der Ritter oder dem der Senatoren angehörten, 
trugen die mit Purpur gesäumte trabea, einen chlamysartigen Schulterüber- 
wurf, sowie die in ihrer vorderen Mitte von oben nach unten mit einem 

III. L 8. 122 ff. — Ebd. wird auch über das Vorhandensein von Sattel (8. 90) und Steig- 
bügel (S. 102) bei den Alten eingehend gehandelt. - Ferner Vogel: Geschichte der 
denkwürdigsten Erfindungen. Leipzig 1842. 

*) Dass Sporen nicht selten waren, beweist der Umstand, dass sie sprichwörtlich als 
Bild verwerthet wurden: „addere calcaria sponte currenti" (PI. ep.). — „Alter frenis eget, 
alter calcaribus" (Cic). 

**) Vergl. „Enseignes militaires" in Uacinct: Le ooetume hjstorique. 5 livr. Paris 1878. 

***) Dem Diktator standen 24, den Konsuln 12, dem magister equitum und dem Prätor 
im Felde to^Liktoren zu. In Bezug auf die Kriegstribunen schwanken die Angaben. 



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205 



Purpurstreifen (clavia) besetzte Tunika. Alles, was der Ritterschaft, dem 
„ordo equester", angehörte, hatte das Recht, BÜbernes Pferdegeschirr zu 
führen, und überdies zeichneten sich die Ritter durch den goldenen Siegel- 
ring aus. Der Purpurstreif ihrer Tunika war aber schmäler (angusticlavia) 
als der der Herren sonatorischen Ranges (laticlavia).*) 

Von den Ehrenzeichen wurde der „hasta pura" bereits oben (8. 199) 
gedacht.**) Neben ihr kommen farbige Fähnchen vor***); häufiger aber 
sind, unseren Orden und Medaillen entsprechend, Annspangen f ) , Hals- 
ketten (torques) oder kleine mit Heftnadeln anzusteckende Kettchen (catellae, 
tibulae) ff) , namentlich aber Medaillons von edlem Metalle (phalerae) ff f ), 
die, an den Rändern durchlöchert, auf Riemen befestigt wurden, welche 
gitterartig über dem Panzer lagen [18. 12] *f). — Die höchsten Aus- 
zeichnungen waren coronae. Beim Triumphe trug der Feldherr den Lor- 
beerkranz (Corona triumphalis) , bei der Ovation den Myrtenkranz 
(corona ovalis od. myrtea). Bei Errettung aus gefährlicher Lage ertheilte das 
Heer selbst dem Feldherrn die Graskrone (corona obsidionalis od. gra- 
minea). Aber auch Andere als Heerführer konnten Kronen verdienen: 
durch Rettung eines Bürgers in der Schlacht die Bürgerkrone (corona 
civica) *ff ), durch erstes Ersteigen eines belagerten Walles die Mauerkrone 
(cotona muralis) oder die Lagerkrone (corona castrensis od. vallaris). 
durch Wegnahme eines feindlichen Fahrzeugs die Schiffs kröne (corona 
navalis od. rostrata u. classica). *f f f ) — Alle Soldaten endlich, sogar die nicht 
im Gefechte gewesenen, trugen beim Triumphzuge den Kranz vom Oel- 
baum (corona oleaginea). **f ) 

„Die volle Waffonrüstung," sagt Cicero, „bringen unsere Soldaten als 
Last ebenso wenig in Anschlag als ihre Schultern, Arme und Hände." Aber 
ausser ihr gab es auch noch viel zu schleppen. Der schwerfälligste Theil 
der Ausrüstung des römischen Soldaten war das Gepäck (sarcina). 
Denn nicht allein alles das, was ihn selbst betraf, sondern auch noch einen 
grossen Theil der Dinge, welche heutzutage zum Armeetrain gehören, war 

*) Weiss: Kostümkunde II. 1005. 

**) Polyb. «; 7, 3ü. — Gellius 2, 11. Einzelne Beispiele von Verleihung der hasta 
pur» kommen bis in die späteste Kaiserzeit vor. 
***) Gellius a. a. 0. - Borgheai i. d. Annali d. Inst 1846. p. 343. 
f) Liv. 10, 44. - Dion. Hai. 10, 37. — Gelliu» a. a. 0. u. 9; 13, 7. 
ft) Gellius a. a. 0. — Tacit.: Ann. 2, 9; 3, 21. Veget. 2, 7. — Liv. 39. 3t. 
•{-{■-}-) Liv. 39, 31. — Sallust: Jug. 8:>. — Aus den von Orelli mitgethcilten Inschrif- 
ten ergiebt sich, dass alle die angeführten Dekorationen ein und demselben Krieger, ja sogar 
zu verschiedenen Malen verliehen werden kounten. Die „phalerae" wurden auch ab Pferde- 
schmuck verliehen O'ergl. S. 203 . 

*f) Seit Caracalla wurden die phalerae, ganz wie unsere Orden, gehenkelt an einem 
Bande getragen. 

••j-f) Der Besitz der Bürgerkrone befreite von allen Leistungen an den Staat und gab 
du Recht, beim Eintritt in das Theater oder den Circus dureh Aufstehen der Versammlung 
geehrt zu werden und den Senatoren zunächst zu sitzen. 
*ff-J-) Sehr selten u. gewöhnlich nur an Feldherren vergeljcn. 
**f> Heber die Kronen im Allgemeinen vergl. Gellius 5, ii e. Polyb. Ii, 39. 




206 - 



er verpflichtet, zu tragen. Die alte europäische Welt war nicht eben reich 
an Lastthieren, namentlich nicht an Rossen, und den antiken Pferdetypen nach, 
scheint in Italien eine der schlechtesten Rassen heimisch gewesen zu sein. 
Dies hatte grossen Einfluss auf die Armeeorganisation : einmal verhinderte 
es das Aufstellen einer starken Reiterei, da man den Transport der volu- 
minösesten Verpflegungsgegenstände, nämlich des Futters, auf das Minimum 
herabzusetzen genöthigt war; dann aber zwang es auch zu einem so ausser- 
ordentlichen Bepacken des Soldaten, dass Josephus ihn nicht mit Unrecht 
einem Packesel vergleicht. Vegetius noch berechnet die Last des Gepäckes, 
welches der Einzelne durchschnittlich schleppte, auf wenigstens 60 römische 
Pfund.*) General v. Hardegg schätzt sie sogar auf 65 Pfund, Rüstow in 
seinem „Cäsar" dagegen nur auf 30 bis 45 schwere Pfunde, jenachdem der 
mitgenommene Mundvorrath für längere oder kürzere Zeit auszureichen hatte. 
In alter Zeit, als die Kriege ganz in der Nähe der Stadt geführt wurden, 
genügte es, was Cincinnatus im Kriege gegen die Aequer befahl, gekochte 
Speisen auf einige Tage mitzunehmen. In der Folge nahm der Soldat Pro- 
viant für 17 Tage mit**), anfangs ungemahlenes Korn, welches sich in 
einem Quersack (sisyra) befand; erst in späterer Zeit Brot***) oder Zwie- 
back (buccellatum) , eingesalzenes Schweinefleisch (lardum), Käse und Salz. 
Zuweilen griff man den Mundvorrath so hoch, dass er für einen Monat aus- 
reichte, f ) Ferner trug der Soldat einen Korb mit Kleidern zum Wechseln 
und zum Ersatz, einen Becher, einige Kochgeschirre, und, was das Schlimmste 
war , einen oder mehre ,,valli", Schanzpfähle , für die unerlässliche tägliche 
Lagerbefestigung während der Märsche, ff) Ein Theil der Mannschaft 
führte überdies Sägen , Spaten , Beile , Taue und Sicheln zu Befestigungs- 
arbeiten und zum Fouragiren mit sich, so dass eine lange Uebung erforderlich 
war, um einen Marsch unter diesem Gepäcke zu machen, und fremde 
Hilfstruppen sich dazu meist unfähig erwiesen. — Seit Marius wurde 

das Handgepäck, theils um es bei Beginn des Kampfes rasch ablegen zu 
können, theils zur Erleichterung der Leute, an einer oben gabelförmigen 
Stange getragen, die ein Querbrettchen hatte, über die das Gepäck bündei- 
förmig geschnürt ward. *+) Diese Vorrichtung nannten die Soldaten den 
marianischen Esel, „mulus Marianus". *"{•*{*) (Oonf. unsern ,, Affen".) Auf den 
Darstellungen der Monumente [18. 1] erscheint dieser ..mulus", wol aus 
künstlerischen Rücksichten, von hescheidenem Umfange. 

Trotz der fast übermässigen Belastung des Soldaten und trotz der auf 
Sparsamkeit und Massigkeit dringenden Krie^sgesetze fülirte doch jede Le- 

*) Veget. 1, 19. 

•*) Cic: Tusc. 1, lj Lamprid.: Alex. Sever. 47; Ammian 17, 9; - für 22 Tage 
Caes.: B. C. 1, 78. 

***) Spartianus: ßiogr. des Pescennius Niger 10; Ammian 17, 8. 

f) Liv. 44, 2; epit» 57. 
ff) Cincinnatus soll 12, Scipio bis 7 Schanzpfahle dein Ein/einen aufgeladen haben. (?) 
ftt) C»e».: B. C. 1, 78. 

4) Frontin.: Strat. 4; 1, 7. — Liv. 7, 37. - Polyacn.: Strat. 1, 10. 
•ff) Paul. Diacon. 



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- 207 - 



gion eine bestimmte Anzahl von Lastt liieren (iumenta), Pferde und 
Maulesel, mit. Diese trugen lederne Schläuche mit Wein und Weinessig, 
lederne Zelte, je eins für ein „contubernium" von zehn Mann*), das Zube- 
hör der Zelte, Ergänzungsstücke zu Waffen, Kleidung und Werkzeug, Hand- 
mühlen**), und, wenn es sich um Belagerungen handelte, auch die meisten 
Theile zerlegter Kriegsmaschinen. Die ponticuli, die Brückenkähne, welche 
man mit in's Feld führte, wurden durch Anstecken von Rädern auf dem 
Marsche als Fuhrwerke verwerthet [18. 18]. — Alle diese Gegenstände fassten 
die Römer unter dem Ausdruck „impedimenta" zusammen. In den 
guten Zeiten der Republik hatte jede Legion zur Fortschaffung derselben 250 
Maulthiere. Vielfach kommen aber auch Wagen vor, welche theils mit Pferden 
theils mit Ochsen bespannt wurden |18. 17]. Man unterschied ,,plaustra", 
Rüstwagen mit abnehmbaren, und „carri", solche mit festen Wagenkasten. 



Tafel 18. 

Vitra vi us X, 13-15. Hrsg., über», u. erläutert von Kochly und Rüatow in „Griech. 

Kriegaschriftsteller". L S. 356 ff. 
AmmianuB MarcclliniiB. XX11I. 4, 1—17 (Ebd. S. 408 ff.) 

Anonymi de rebus bellicis Uber VIII. De belli' i machinis. (Ebd. S. 410 ff.) Anhang 

der „Notitia dignitatum". (Vergl. S. 190.) 
ProcopioB v. Caesarea: J'»t» t xd I, 21. Ausg. v. Dindorf. Bonn 183338. Dtsch. 

v. Kanngiesser. Greifsw. 1831. 

Was die Geschütze (tormenta) betrifft, deren Herstellung den 
„fabri" oblag, so haben zwar die römischen Schriftsteller den Ausspruch des 
Cicero: „Omnia nostros aut invenisse per se sapientius, quam Graecos, aut 
aeeepta ab Ulis fecisse meliora, quae quidem digna statuissent, in quibus 
elaborarent" ***) auch auf die Erfindungen der Mechanik anzuwenden so wenig 
Bedenken getragen, dass sie schon für die frühesten Zeiten von Geschützen 
und Belagerlingsapparaten reden f); allein wenn man auch zugeben wird, 
dass einige einfache Werkzeuge frühe bekannt waren, so ist doch unzweifel- 
haft, dass die Ausbildung des Geschützwesens den Griechen angehört. Bei 
den Römern werden tormenta erst soit den punischen Kriegen häufig 
erwähnt "H") ; aber noch Caesar konnte bei der Belagerung von Massilia den 
wirkungsvollen Geschützen dieser Stadt nichts Aehnliches entgegenstellen fff), 
und nach der Schlacht bei Pharsalus Hess er zum Behufe der Belagerung 

*) Hygin rechnet 8 M. auf 1 Zelt, weil immer 2 auf Wache seien. Joseph us (B. 
lud. 3, 6, 2) und Spar ti an. (Pescenn. Nigri 10, 6) nehmen 10 M. für ein Zelt an. — 
Jeder Centurio hatte aber sein eigenes Zelt und die höheren Offiziere mehre, so da*a 
für ein Heer von 20,000 Mann, wenn jedes Zelt ein Packthier fonlerte, allein zu diesem 
Zwecke an 2000 iumenta erforderlich waren. (Marquardt II. 8. 414.) 
•*) Pluk: ant. 45. ***) Cic: Tusc. 1, 1, 1. +) Dionys. 6, 49. 
ff) S.dieStellenbeiKöchlyundRüstow.: Griech. Kriegsschriftsteller I, S. 18».-tlcl)cr 
die Nachrieht vom Gebreche der „tormenta- 1 i. .1. 390 v. Chr. vergl. S. 11 1, zweite Anmerkung. 
tti> Caes.: B. C. 2, 2. 



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von Alexandreia Geschütze in Griechenland und Asien zusammenbringen.*) — 
Ob in späterer Zeit die Römer diesen Zweig der Kriegskunst selbständig 
gefordert haben, ist sehr fraglich, da nur ein neues, aber ziemlich unvoll- 
kommenes Geschütz in der späteren Kaiserzeit nachweisbar ist ; der Haupt- 
sache nach gehört die Darstellung des Belagerung» und des Seekrieges der 
klassischen Völker in die griechischen Alterthüraer**), weshalb denn auch hier 
für das Wesentliche, für die Konstruktionen der üblichsten Geschütze, 
auf den Text zu Tafel 12 (S. 108—117) verwiesen wird. 

Identisch mit dem griechischen Bauchspanner {ycunQat[>4xr$, 8. 115) 
dürfte die römische „arcabulista" sein, welche von der „manuballista" 
(XitQovftftxov iöCov) sich nur durch die Dimension zu unterscheiden scheint. — 
Die xutanit.Ktt sind als „catapultae" unmittelbar übemommen worden. 
Sie werden auch „scorpiones" genannt [18. S|. (Vergl. S. 110) Ebenso 
treten die utTQoßdXot, hfktßöXoi, naUnova (S. 113) wieder als 

,,ballistae" auf. Uebrigens sind die technischen Bezeichnungen der rö- 
mischen Geschütze ausserordentlich schwankend, ein Umstand, der sehr viel 
Misverständnisse herbeigeführt hat.***) — Die äussere Form der von Köchly 
u. Rüstow entworfenen Konstruktionen weicht allerdings von den auf römi- 
schen Denkmalen vorhandenen Darstellungen nicht unbedeutend ab. Köchly 
selbst bemerkt. 

..Auf der Trajanssäule wölben Bich die beiden obern Riegel, statt in horizontaler Linie 
von einem Halbspann zum andern zu laufen, in einem förmlichen Bogen über denselben, 
während die Ualbspanne von runder Verkleidung eingeschlossen und oben, wo sich die Spann- 
knöpfe und Spannbolzen befinden , von einem spitz zulaufenden Deckel überkleidet , wie 
ein paar kleine Thürme aussehen, welche von den horizontal liegenden unteren Kiegeln 
als von einer sie verbindenden Basis sieh erheben. Diese Konstruktion giebt nicht allein 
dem Geschütz ein gefälliges Ausehn, sondern lässt auch der Flugbahn der abgeworfenen 
Steinkugel einen freieren Spielraum."-}-) 

Ueberraschend gering sind die Dimensionen der auf den Denk- 

*) B. Alex. 1. **) Marquardt: Römische Staats Verwaltung. II. 
***) Diodor. 18, 61 unterscheidet *amxiliat i&vßthu tt ttal ^ti^oMot und dies ist 
regelmässig. (S. die SteUen bei Schneider ad Vitruv. 10, 10, L) Lateinisch „catapulUe et 
ballistae". Tac: Ann. 12, 56. Gell. 6, 3. Da indes« catapulta das allgemeine Wort 
ist, so sagt Caesar B. C. 2, 9 auch „saxa ex catapultis". Vergl. Sidon. Apollin.: Carm. 
22, 123. Appian.: B. Mithr. 34: i* HaTa.fti.totf aya ,Uoot* b/un- fioyrßtaUa* ßapinaim 
nifittuvy. — Vitruv. 10, 10 redet von „scorpiones et ballistae" und versteht unter den 
erstcren die Katapulten, wie auch Heron $ 3. (Vergl. Caesar B. G. 7, 25. Sallust. 
bei Nonios p. M3 M.) Auch der Pfeil heisst so. (Sisenna bei Non. 1. 1. „longius 
»eorpios catapulta concitus.") Bei Polyb. 8, 7 scheinen die oxooxiSta Armbrüste zu sein, 
da sie mit gewöhnlichen Bogen zusammengestellt werden: to$o't«.- xni ,.„,.. ,„V, Tta^aati^ai 
iiTtn toi" jtixoti. Und in demselben Sinne führt sie Livius 26, 47 an, wo von Scipio 
bei der Eroberung von Neucarthago vorgefunden werden: „catapulta« maximae fonnae 
CXX, minores CCLXXXL, ballistae majore« XXIII, minores LH; scorpionum majorum 
minorumque et armorum telorumque ingens numerus." In der Zeit des Ammian ist „scorpio" 
eine Ballista und hat somit seine Bedeutuug verändert; die altern erwähnt noch Vejjet. 
4, 22. „Scorpiones dicebant, quaa nunc mamilmllista* vocant." — ■ Manuballistae sind Arm- 
brüste. (Marquardt: Staatsverwaltung II.) 

f) Pliilolugeuversainmluug zu Heidelberg 18U5 S. 227. 




— 209 — 

malen dargestellten Geschütze. Sie machen eher den Eindruck 
geometrischer Instrumente als den von Wurfmaschiuen. Es kommt 
das unzweifelhaft daher , dass hei den grohen Geschützen . mehr noch als 
hei allen andern Gegenständen , die Künstler sich mit der blossen An- 
deutung begnügten, um der Darstellung des Mensrhen, welche ihnen doch 
immer die Hauptsache blieb, so wenig Raum fortzunehmen, als nur irgend 
anging. Unmöglich konnten so winzige Kammern , wie sie auf den Monu- 
menten abgebildet sind, die Masse von Spannnerven aufnehmen, welche zur 
Erzeugung der Flugkraft jener zum Theil so schweren Geschosse unerlässlich 
war, und daher darf man wol mit Sicherheit behaupten, dass die Formen der 
römischen Geschütze, wie sie sich z. B. auf der Trajanssäule darstellen 
|10, 11] nichts Anderes sind, als ästhetische Abbreviaturen. 

Die beiden , den griechischen Euthytona und Palintona ensprechenden 
Arten der römischen Tormenta scheinen in den ersten Jahrhunderten der 
Kaiserzeit keine wesentliche Veränderung erlitten zu haben. Vitruv bezieht 
sich allein auf diese Geschütze, indem er, ohne sie näher zu beschreiben, 
nur die Massverhältnisse ihrer Theile angiebt . und bei keinem Schriftsteller 
findet sich eine Andeutung, welche auf Neuerungen in dieser Hinsicht 
schliessen Hesse.*) 

Die Abweichungen, welche Vitruv's Beschreibung von den hellenischen Konstruktionen 
vermuthen lässt, sind prinzipiell ganz unwesentlich und zum Theil solcher Art, dass in 
den theoretischen Schriften Philon's ihrer bereit* erwähnt wird. — Das Bespannen der 
Geschütze geschieht wie bei Heron mittelst der Spannloiter. Die Prüfung des richtigen 
Einzuges der Spannnerven geschieht durch den Ton, den die einzelnen Spannnerven beim 
Anschlagen geben. Darum sagt Vitruv in seinem 1. Buche: „Der Baumeister muss 
Musik verstehn , um das kanonische und mathematische Verhältnis inne zu haben und um 
die Ballisten und Katapulten gehörig stimmen zu können. Denn in den Kammern befinden 
sich zur rechten und zur linken die Bohrungen der Halbspannc, durch welche mittelst 
Erdwinden oder Haspeln und Hebeln die aus Sehnen geflochtenen Stränge gespannt werden. 
Diese werden nicht anders richtig befestigt, als wenn sie nach dem Gehöre des Baumeisters 
einen bestimmten und beiderseits gleichmässigen Ton geben. Denn die Arme, welche in 
jene Spannstränge eingezwängt werden, sollen, nachdem sie ausgestreckt, beim Abschiessen 
beide gleich und gleichmässig wirken. Sind aber die Geschütze nicht gleich gespannt, so 
muss dies einer genauen Richtung der Geschosse hinderlich sein." 

Tn der Zeit nach Konstantin, von Köchly und Küstow als ,.zweite 
Artillerieperiode" bezeichnet, ist von Katapulten nicht mehr die Rede, son- 
dern man bedient sich zweier Geschütze, der Ballista und des Onager, 
über deren Konstruktion man in Ermangelung einer Beschreibung von der 
Hand eines Sachkundigen sehr verschieden urtheilt. Die „ballista", welche 
Pfeile schiesst und durch Schrauben hoch oder niedrig gerichtet wird, halten 
Rüstow und Köchly für eine ganz neue Erfindung und stellen sie als eine 
grosse Armbrust mit eisernem elastischem Bogen dar : Marquardt bezweifelt 
die Richtigkeit dieser Vorstellung, da Vcgetius**) ausdrücklich sagt, 

•) Köchly und Rüstow: Griech. Kriegssclirift*tcller I, S. 190 und die Erklärung 
der Stelle des Vitruv daselbst S. 356 ff. 

**) Veget. 4.22: „Ballista funibus nerviuis tenditur, quac, quanto prolixiora hrnchiola 
habuerit. tnnto spiculn huigius mittit . quac si juxta artem mechanicam teniperotur et 

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- 210 - 



dass die „balliBta" nicht einen Bogen, sondern zwei Bogenarme und die 
Torsionselasticität der Spannnerven gehabt, weshalb Marquardt sie für im 
Wesentlichen identisch mit der alten Katapulte hält und für keine neue 
Erfindung ansieht. Die Sache bleibt indessen zweifelhaft. 

Amiuian sagt (23, 4, 1): „balistae figura docebitur prima. Perrum inter axiculos 
duos firmum compaginatur et vastum, in modum regulae raaioris extentum, cuius ex volu- 
mine tereti, quod in mediu tn polita componit, quadratus eminet stilus extentius, recto 
canalis anguati meatu cavatu», et hac multiplioe ohorda nervorum tortilium illigatus" 
(Köchly korrigirt „illigatum" ; Marquardt zweifelt, ob mit Recbt und hält Tür den Sinn: 
die Pfeilbahn mit dem Läufer geht zwischen den beiden Spannnerveri mitten durch.) 
„eique Cochleae duae ligneae coniunguntur aptissime, quarum prope unam adsistit artifex 
cnntcmplabilis et subtiliter adponit in temonis cavamine sagittam ligneam spiculo maiorc 
conglutinatum ; hocque facto hinc inde vaüdi iuvem» vermint agilitcr rotabilem flexum (die 
Winde). Cum ad extremitatem nervorum acumen venerit summum (wenn der Läufer so 
weit zurückgezogen ist, dass seine früher vorragende Spitze nun mit den Spannnerven in 
einer Linie liegt), percita interno pulsu a baiist« ex oculis avolat." — In derjenigen Be- 
schreibung, welche sich in der der Notitia dignitatum angehängten Abhandlung „de 
re b u s b e 1 1 i c i s" findet, ist nun allerdings von einem eisernen Bogen die Hede, und zwar 
bei der sogenannten ballista fulminalis: „Huiusmodi balistae genus murali defensioni 
necesaarium supra caeteras impetu et viribus pracvalere usu compertum est. Arcu enim 
ferreo supra canalem, quo sagitta exprimitur, erecto validus nervi funis ferreo unco 
tractus eandem sagittam magnis viribus in hostem dimissus impellit. Uunc tarnen funem 
non manibus neque viribuB militum trahi fabricae ipsius magnitudo permittit, sed retro 
duabus rotis viri singuli radiorum nisibus adnitentes funem retrursum tendunt pro dif- 
ticultate rei viribus machinis acquisitis. Balistam tarnen ipsam ad dirigenda seu altius seu 
bumilius tela Cochleae machina, prout vocet utiUtas, nunc erigit nunc deponit." Wenn 
hier unter „arcus" ein wirkücher Bogen zu verstehen ist, und der Verfasser, der sich 
ganz an das äusserlich Sichtbare hält, nicht etwa einen eisernen Reifen meint, der die 
Theile der Maschine zusammenhält, so ist die Blitzballiste allerdings von den alten Kata- 
pulten gänzlich verschieden. — Ausser diesen beiden von Köchly und Rüstow erläuter- 
ten Beschreibungen giebt es nun noch die Procop's. Von einer Bogcnform ist 
zwar auch in dieser die Rede; aber es fragt sich, ob dadurch nicht etwa nur die zwei- 
armige Katapulte bezeichnet wird, im Gegensatz zu dem einarmigen Onager. Die Worte 
sind: „Bekioaptoi 9* uqxatdi ii foti nvpyon iri&na, ö. xnioiot fütliorpai. röSov He ax^f" 
tx<won> m>iat, fvtp^er St avrov xoiit; rii xtpnia xpovx'i, «vrij uii> r /<*'.'A M Wi otSt;pfi 

Si tv&iia itvi tntxtifUti} (es ragt der bewegliche, los auf der eisernen Pfeilbahn aufliegende 
Läufer vorn heraus). 'Extitäv ovv rovi xok*(tiot>i ßnlltiv HHkotwv «*^ ( *u.to<, fy'öxo 1 ' f*p«- 
X*ot htftau T«i JtU« ii äiXtjla vtxtiv mMÜW, a tfr; r«M i<i$ov ox«« oififiairn Ann, " Hier 
ist von einem eisernen Bogen nicht die Rede, sondern von Hökern, die die Bogenarme 
bilden. Sollte die ßi><>xo* ßpnxioi htpoii, das Einthun einer straffen Schlinge, nicht das 
Einziehen der Spannnerven bedeuten? Zuletzt wird der Pfeil aufgelegt, der Läufer durch 
Winden angezogen, und die Sehne schnellt von selbst ab. Etwas deutlicher ist diese Be- 
schreibung immerhin als die bei Ammian.*) 

ab exercitatis hominibus, qui mensuram eiu* collcgcrint (d. h. die das Kaliber richtig be- 
stimmen), penetrat, quodeunque percuaserit." Und nochmals 4, 9: „Onagri vel ballistae — 
nisi funihuB nervinis intentae nihil prosunt," wo nur von den Spannnerven, nicht etwa von 
der Bogensehne die Rede sein kann, da der Onager keine Bogensehne hat. Ebenso Isidor.: 
Orig. 18, 10, 2. „Balista genus tormenti, ab emittendo jacula dicta. - Torquetnr enim 
verber«? nervorum." 

*) Marquardt a. a. O. 




- 211 — 



Eine eigentümlich konstruirte, wirklich der Römerzeit ungehörige 
Maschiene ist dagegen der „o nag er" welcher der Stockschleuder (fundiba- 
lus) nachgebildet ist, wie die Katapulte der Annbrust. Er wird auch „tor- 
mentum*' oder „scorpio" genannt: „tormentum". weil er durch Winden 
(torquiren) gespannt wird, „scorpio", weil er gewissermasseu einen in die 
Höhe stehenden Stachel hatte; und „onager". d. h. „Waldesel", heisst die 
Maschine, weil diese Waldesel angeblich, wenn sie gejagt würden , mit den 
ausschlagenden Hinterfüssen ihren Verfolgern Steine an den Kopf schleu- 
derten. Der Onager war eine Art einarmiger Katapelte, bei welcher jedoch 
die Spaunnerven (nervi) nicht vertikal, sondern horizontal gezogeu waren. 
Zwischen den Spannnerveu war ein hölzerner Arm derart eingezwängt, dass 
er in der Ruhe vertikal emporstand. Sein obereB Ende trug eine Schleuder 
von Tauwerk oder Eisen. Wurde nun der Arm mittelst einer Winde zur 
horizontalen Lage herabgezogen, auf die Schleuder aber das zu werfende 
Geschoss gelegt und dann der Haken, an welchem der Arm zurückgezogen 
war, herausgeschlagen, so warf der emporschnellende Arm das Geschoss 
mit grosser Kraft aus der Schleuder und in der ihm angegebenen Richtung, 
sobald er beim Emporschnellen an eine vor dem Onager angebrachte, mit 
elastischen Matten bekleidete Vorrichtung anschlug. *) 

Regelmässig machte man von dem schweren Geschütze nur im Be- 
lagerungskrieg Gebrauch**), aber auch im Felde führte mau Geschütze mit, 
um sich ihrer zur Eroberung oder Vertheidigung fester Positionen zu be- 
dienen.***) Die Legionen wie die Cohorten der Prätorianer liatten ihre 
eigenen Geschütze f) und zwar zu Vegetius' Zeit jede Centurie der Legion 
ein Horizontalgeschütz, und jede Cohorte ein Wurfgeschütz, den Onager. ff) 

Uebrigens wurden die verschiedensten Projektile geschleudert. Ger- 
manicus führte in der Schlacht zwischen dem Steiuhudcr Meer und dem 
Deistergebirge sein Geschütz gegen den Grenzwall der Angrivarier. einen 
Hauptstützpunkt des germanischen Heeres, welcher vergeblich von den Co- 
horten gestürmt worden war, und Hess mit grossem Erfolge durch die 
Maschienen Lanzen gegen den Feind schleudern. 

Auch fahrbare Geschütze, carroballistae, kommen vor [10]. Sie 
wurden mit Maulthieren bespannt und hatten 11 Mann zur Bedienung. Es 
waren das, trotz des Bailistennamens, stets Horizontalgeschütze; die Onager 
wurden nur in Positionen verwendet und auf ochsenbespannten Blockwagen 
transportirt. 

*) Nach A mm i an war diese Vorrichtung eine vor <ler Maschine befindliche, mit einer 
Matratze belegte Käsen- oder Ziegelwand. Index ist es durchaus wahrscheinlich, dass sie 
auch an dein Geschütze seihst angebracht wurde und zwar als starkes (juerholz über dem 
Kpannkasten 9]. 

**) Liv. 6, 9, _>; 26, 6, 4; 27. 15, 5. 27, 28, 13; 28, «, 3; 2», 35, 8; 32, 16, 10; 33, 
17, 3. Folyb. 8, 7; 8, 9; 9, 41. - Hirt. b. Afr. 31. 

***) Caci.: B. Ct. 2, 8; 8. 14; ß. C. 8, 5«; B. Afr. 31. 56. - Tac: Ann. 1, 56; 2. 6; 
2. 20. Hirt. 3, 23. 

f) Tac: H. 3, 23. Jos.: B. .1. 5, 6, 3. Dio üaas. 65, 14. ft) Veget. 2. 25. 

14* 



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- 212 - 



II. Taktik der Römer. 

Tafel 19 und 20. 

(Die eingeklammerten Ziffer-Hinweise beziehen sich auf die Figuren der Tafel 19, wo 
nicht ausdrücklich die fettgedruckte Ziffer 20 beigerügt ist.) 



1. Das Heer der Königeaeit. 

In der heroischen Zeit Roms war das patrizische Volk streng ge- 
gegliedert in Stämme, Geschlechter und Familien, und auf dieser geno- 
kratischen Grundlage hauten Staat und Heer sich auf. Das ganze Volk 
erscheint in 30 Curie n abgetheilt, und durch Zusammenfassung von je 10 
Curien zu einer höheren Einheit ergahen sich die drei Stammtrihus der 
Ramner, Titier und Lucerer, deren uralte Namen schon den Römern fremd- 
artig klangen, indes wahrscheinlich eine Beziehung nicht nur zur verschiedenen 
Herkunft von latinischen, sahinischen, bezüglich etruskischen Ansiedlern, 
sondern auch zum Heerwesen hatten. — Das römische Heer bildete sich 
nämlich als „legio", d. h. als Auslese, in der Weise, dass jede der drei 
Stammtrihus, wie sie sich aus 10 Curien zu je 10 Decurien zusammen- 
setzte, auch 100 Reiter und 1000 Fussgänger stellte. Die Reiter hiessen 
„celeres" = Schnelle, oder „flexuntes" — Schwenkende, die Fussgänger 
„milites" (mil-es), d. h. Tausendgänger. Die Legion zerfiel also in drei 
Theile, deren jeder aus einer Rittercenturie (Hundertschaft) und einer Fuss- 
volks-Tausendschaft bestand, und jeder Ahtheiluug befahl ein Tribun. 

Als die Bürgerschaft sich vermehrt, ja verdoppelt hatte, forderte man 
ihr auch die doppelte Zahl an Kriegsmannschaft ab. Beim Fussvolke ge- 
schah dies wol eiufach dadurch, dass man statt einer zwei Legionen auf- 
stellte. Die Reiterei jedoch, welche nicht nach jedem Feldzuge neu formirt 
wurde , sondern , gleich der der Athener, auch im Frieden bestand und ge- 
meinsame Uebungen hielt, wurde auf 6 Centurien erhöht : „Titics, Ramnes, 
Luceres primi et secundi", deren jede ihren eigenen Tribun hatte. 

DieKampfweise der ri tterli ch en Geschlecht erlegion dürfte 
mit der der hellenischen Heroenzeit nahezu übereingestimmt haben. Denn 
wenn auch die römischen Ritter nicht zu Wagen fochten, so thaten sie sich 
doch gleich den n(H>ftaxoi des griechischen Epos im Einzelkampfe hervor und 
führten zwei Rosse mit sich, um, sobald sie den einen Gegner abgethan, 
zum zweiten Anritte das frische Pferd besteigen zu können. Mannig- 
fache Andeutungen bei Livius lassen darauf schliessen , dass entsprechend 
den homerischen Wagenkämpfern , auch die römischen Ritter das erste 
Treffen der Schlachtordnung, die milites dagegen das zweite Treffen 
bildeten. *) Zuweilen auch formirten die Ritter ein Elitekorps, welches bei 



*) Jene Andeutungen dürften, trotz des phantastischen Charaktere der Schlachtschil- 
derungen des Livius, Wahrscheinlichkeit haben, weil eine solche Aufstellung von allen 
spater üblichen Schlachtordnungen in der entschiedensten Weise abweicht. — Vergl. die 
Einleitung zu Köchly und Rüste. w: Griech. Kricgsschriftstoller. II. Taktiker l. 



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höchster Gefahr, von den Pferden absitzend, in die Front trat und hier 
durch persönliche Tapferkeit den Ausschlag gab. — Eine schwergerüstete 
Keiterei mit ausschliesslich patrizischem Charakter machte demzufolge den 
eigentlichen Kern des ältesten Römerheeres aus, und solche Kampfweiso 
scheint die allgemeine der Altitalier gewesen zu sein. Sie erscheint bei den 
Capuanern noch im zweiten punischen Kriege, und dieser Verbreitung des 
Reiterwesens in Italien dürfte es zu danken sein, dass Rom später in der 
Lage war, den Haupttheil seiner Kavallerie aus Bundesgenossen zu bilden« 
Aber auch bei den Römern selbst erhielt sich der Gebrauch des ritterlichen 
Einzelkampfes von den Urzeiten bis in das zweite Jahrhundert vor Christus; 
ja man findet in der Frühzeit zuweilen sogar solche Kämpfe selbständig von 
den Rittern aufgenommen, zu welchen an und für sich schwere Reiterei 
nicht als geeignet erachtet werden kann *), und auch für die Folgezeit sind 
Nachrichten von Gefechten überliefert, in denen die Reiterei den ersten 
Angriff machte und die hellen Haufen des Fussvolks erst dann vorrückten, 
wenn durch jenen Angriff die feindliche Linie bereits erschüttert oder durch- 
brochen war.**) Zur Gefechtseinleitung mögen übrigens noch einige 
Schaaren Leichtbewaffneter beigetragen hüben, die als Schleuderer und 
Boguer ausser Reih' und Glied kämpfton.***) 

Das Fussvolk, die „plebs", von dem 10 Mann auf einen Reiter kamen, 
stand theilweise zu den einzelnen Rittern als ihren Patronen im Verhält- 
nisse von Clienten und erscheint insofern als deren persönliches Gefolge. 
Zum Theil aber gehörte es der Gesammtheit der Patrizier an. Dieser Theil 
der plebs war für die allgemeinen Gefechts- und Kriegszwecke jedenfalls 
besser verwendbar als die Clienten, und so mag sich früh schon der Wunsch 
geregt haben, die Heeresverfassung auf anderer Grundlage aufzubauen als 
auf dem Geschlechtsverbande. Der Zusammenstoss mit den nach griechischer 
Hoplitenart schwergerüsteten und phalangitisch geschaarten Etruskern wies 
gleichzeitig auf das Bedürfnis eines tüchtigen, gut bewaffneten und in ge- 
schlossener Phalanx fechtenden Fussvolks hin.f) Diese militärischen For- 
derungen trafen mit solchen der inneren Politik zusammen ; denn es konnte 
nicht ausbleiben, dass die plebejischen Krieger einen mit ihrer Zahl stets 
wachsenden Einfluss auf die Beschlüsse übten, welche das geordnete Heer 
als Volksversammlung fasste, auch wenn sie nicht unmittelbar stimmberech- 
tigt waren; es war unvermeidlich, dass eine Vertheilung der politischen 
Rechte nach dem Masze der politischen Pflichten eintreten musste. — 
Solchen Erwägungen entsprach die Centuriat-Verfassung, welche sich 



♦) Pauli Diac. excerpta ex Hb. Pomp. Festi de significatione verborum Lib. XVIII 
•*) Liv.: Hist. II. 31. 

***) Darauf deuten die offenbar uralten Wortbildungen „vclites" und „arquites" und die 
«pätcre Organisation der Legion i.Mommsen: Römische Geschichte I). 

f) Köchly und Rüatow a. a. 0. — Die Etruakcr standen noch i. J. 444 in der 
Phalanx, wie man aus Livius' Worten schliessen darf: Etrusci, quia nullis recentihus sub- 
sidiis fulta prima acies fuit, ante signa circaque omnes ceciderunt. (IX. 32.) 




214 - 



an den Namen desScrvius Tüll ins knüpft, Sie ist die vornehmste Grund- 
lage des römischen Lehens, sowol in bürgerlicher als in kriegerischer Hinsicht. 

Die servianische Verfassung*) ordnet das römische Volk nach 
Abtheilungen der streitbaren Männer, wie sie im Heerbanne stehen und 
kämpfen und wie sie in der Bürgerschaft stimmen sollen. Sie berücksichtigt 
jedoch, gleich der solonischen Verfassung Athens, lediglich solche Männer, 
welche vom eigenen Grundbesitze Steuern zahlten, die „assidui" (Steuerzahler) 
oder ..locupletes" (Begüterte). Damit erhielt die Kriegsverfassung Borns 
statt der bisherigen genokratischen Basis eine ti m o k r at i seh e; die Dienst- 
pflicht und die damit zusammenhangende Verpflichtung, dem Staate im Noth- 
falle vorzuschiessen (das „tributum"). wurde auf alle Grundhesitzer gelegt, 
mochten sie bürgerlich oder blos Insassen sein; die Heeresfolge wurde aus 
einer Personal- zu einer Real-Last. 

Jeder ansässige Mann vom 17. bis zum 60. Lebensjahre, mit Einschluss 
der Haussöhne ansässiger Väter, war wehrpflichtig ohne Unterschied der 
Geburt. 

Statt der Eintheilung in die Stammtrihus fand nun eine solche in 5 
Klassen statt, welche die gesnmmte Bürgerschaft einschlössen. ..Classis" 
stammt von „calare" — berufen, einladen: es heisst also die „Einberufung- 
und in der Militärsprache kurzweg das Heer selbst. Die 1. Klasse umfasste 
die reichsten Bürger, die daher vorzugsweise ..classici". Zuerstberufene, 
hiessen und auf mehr als 100 000 Asse, d. h. Pfunde Kupfers, geschätzt 
waren. Für jede folgende Klasse nahm die Schätzung um 25,000 Asse ab, 
so dass in der 5. Klasse diejenigen Bürger standen, welche geringer als zu 
25,000 Assen geschätzt waren. Die aber weniger als 11,000 Asse hatten, 
blieben als „prolctarii", d. h. als blosse Kindererzeuger, vom Kriegsdienst im 
Wesentlichen frei. **) 

Nach der damaligen Bodenvertheilung war mehr als die Hälfte der 
Bürger im Besitze eines zum Eintritt in die erste Klasse verpflichtenden 
Vermögens ; denn es war dies eben nur der mittlere Werth einer ganzen 
Hauerstelle. Die „classici" sind also Vollhufuer. — Die Dreiviertel-, Haib- 
und Viertelhufncr machten je ein knappes . die Achtelhufner ein reichliches 
AchU'l aller Ansässigen aus. Dementsprechend wurde estgesetzt , dass für 
das Fussvolk auf 80 Vollhufher je 20 der drei folgenden und 28 der fünften 
Klasse ausgehoben werden sollten : oder, was dasselhe sagen will : die erste 
Klasse umfasste 80 Conturien. die zweite, dritte und vierte je 20, die fünfte 
2H Oenturien. Hierzu kamen noch 4 Centurien Spielleute, Waffenschmiede 
und Zimmerleute (tubicines, cornicines und fabri). 

*i Huschke: Die Verfassung (Ich Servius Tullius. fleidelbg. 1888. Genz: Die Ser- 
vianische Centurienverfassung. Sornu 1874. Müller: Aushebung und Verhältnis der 
Legionen zl , ,l,.n Tribut (Philologus. 84. Bd. 1874. S. 104.^ Deru.: Die Eintheilung 
de» Servian. Heeren und die Sex suffragia cquitum. (Ebd. S. 126.) 

**) Sie stellten nur einige adeenai, Ersatzmänner, die als velati (Fnbewaffnete) mit 
dem Heere zogen und im Fall eintretender Lücken ausgerüstet und eingereiht wurden. 



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Gesondert von dieser Einrichtung des Fussvolks ist die der Reiterei. 
Allerdings wurde auch diese Waffe durch Servius Tullius allen Bürgern 
ohne Unterschied der Geburt zugänglich gemacht und zugleich der Zahl 
nach verdreifacht, indem 12 neue Rittercenturien geschaffen wurden; aber 
sie behielt doch ihren patrizischen Charakter, da nur die vermögendsten und 
ansehnlichsten Grundbesitzer im Stande waren, in ihren Reihen zu dienen ; 
und so nahmen die 18 centuriae equitum im Rahmen der ersten Census- 
klasse doch wieder eine bevorzugte Stellung ein. 

Die Bewaffnung innerhalb der Centurien war verschieden. Nur die 
Vollhufner trugen die vollständige Hoplitenrüstung ; und von Klasse zu 
Klasse nahm die Zahl der Rüststücke ab. ' 

Die militärische Organisation blieb beim Fussvolke die Legion (1| und 
zwar als eine in altdorischer Art gereihte und gerüstete Phalanx von 8 
Gliedern Tiefe. Die schwergewaffneten Vollhufner stellten deren vier erste 
Glieder her; in den beiden folgenden standen die minder gerüsteten Bauern 
der 2. und 3. Klasse, während die der beiden letzten Klassen das 7. und 8. 
Glied bildeten oder gelegentlich neben der Phalanx als „rorarii", d. h. als 
leichtbewaffnete ..Sprenkler", kämpften.*) — Wahrscheinlich waren für die 
verschiedenen Theile der phalangitischen Legion bereits die Namen der 
principes, triarii und hastati üblich, die in späterer Zeit mit aller- 
dings ganz und gar veränderter Bedeutung so viel gebraucht werden. Der 
Ausdruck „principes" oder „proci" erinnert an die Promachoi, die Vor- 
kämpfer der Griechen, und bezeichnete gewiss die bestbewaffneten Krieger 
der ersten Klasse; unter den „triarii" wird man entweder die Leute der 3. 
Klasse zu verstehen haben, oder die der drei ersten, stets in geschlossener 
Phalanx fechtenden Klassen überhaupt**), während sich die Bezeichnung 
..hastati"' jedenfalls auf das gesammte Linienfussvolk bezog im Gegensatze 
zu den Leichtbewaffneten , den „ferentarii" (Wurfschützen) oder .,rorarii", 
welche nicht wie jene mit der hasta, dem Spiesse, bewaffnet waren. ***) 

In jeder Legion dienten 42 Centurien, d. h. 4200 Mann. f ) Von diesen 
waren 3000 mit Spiessen bewehrt (nämlich 2000 der ersten und je 500 der 
2. und 3. Klasse); 1200 aber fochten als Leichtbewaffnete (und zwar 500 
der 4. und 700 der 5. Klasse). Da es, abgesehen von den 4 Centurien der 
Spielleute, Schmiede und Zimmerer, 168 Fussvolks-Centurien gab, so zählte 
die Fuszmannschaft 16,800 Mann in 4 Legionen, von denen 2 für den Feld- 
dienst bestimmt waren. ff) — Von den 18 Centurien der Ritterschaft, 
die also 1800 Pferde zählten, pflegten jeder ausrückenden Legion 3 Cen- 
turien beigegeben zu werden, welche in „turmae" eingetheilt wurden. Jede 



*) Ho mm 8 en a. a. O. (rorare = beträufeln, besprengen). **) Lange a. a. O. 
•**) Köchly und Rüatow a. a. O. 

f) Für da» Jahr 494 noch giebt Dionyaioa v. H. (VI. 42) die Zahl 4000 an. 
■}-{■) Mommsen: Rom. Gesch. L — Stein wender berechnet dio Stärke des Geaaromt- 
heeres nur auf 16,000 Mann ; die Mommsen'sche Ziffer lässt er erat für die Zeit nach Grün- 
dung der Tribua Cruatumina gelten. 




— 216 — 



tarma zerfiel in 3 decuriae zu jo 10 Mann.*) Endlich waren der Legion 
auch noch 2400 E r 8 at z m an n sch af t en (adscriptii) zugewiesen, welche so 
lange, bis ihr Eintritt in die Reihen erforderlich wurde, als accensive- 
lati (unbewaffnete Reservisten) zu militärischen Hilfsleistungen, namentlich 
zur Ausbesserung der Heerstrassen verwendet wurden. 

Im Gegensatze zu den alten 3 Stammtribus wurde Rom in 4 1 o c a 1 e 
Tribus eingetheilt, offenbar, um die alten Bürger mit den zugezogenen 
Insassen, die Patrizier mit der Plebs zu Einem Volke zu verschmelzen.**) 
Anfangs schlössen diese 4 Tribus wahrscheinlich die angrenzenden Theile 
des Landgebietes mit ein; bald aber traf man für den ager romanus eine 
selbständige Eintheilung in „tribus rusticae" deren anfangs 16 eingerichtet 
wurden. Den nun vorhandenen 20 Tribus trat dann (vermuthlich im 4. 
(Jhrhdrt.) die sogen. Crustumina als 21. Tribus hinzu. Jede dieser Tribus 
scheint in 8 Centurien zerfallen zu sein und ein Kontingent von 200 Manu 
zu jeder Legion gestellt zu haben , so dass Aenderungen in der Zahl der 
Tribus unmittelbar Einfiuss übten auf die Stärke der Legion. Eine solche 
Aenderung trat i. J. 385 ein, indem 4 neue Tribus hinzugefügt wurden. 
Zugleich wurde die Zahl der Centurien jeder Tribus verdoppelt, also auf 16 
gebracht, so dass es seit d. J. 385, abgesehen von den Rittercenturien, 400 
Centurien gab, d. h. eine Gesammtarmee von 40,000, ein Feldheer von 20,000 
Mann zu Fuss. Dies wurde nun nicht mehr in 2, sondern in 4 Legionen 
getheilt, und so war die Legionsstärke damals 5000 Mann.***) 

Die Bürgerversammlungen der Römer, dieCenturiatcomitien, hatten 
einen durchaus militärischen Charakter. Die versammelte Menge war der 
„exercitus'S d. h. das geübte Heer. Die Centurien der ersten Klasse stan- 
den in 4 Gliedern vorn ; die der andern folgten in je einem Gliede. Ausser- 
dem waren die Männer aber vom rechten zum linken Flügel nach den Tribus 
geordnet, deren Bezirkskontingent je eine Cohortef) darstellte, so dass 
mau sich die Aufstelluugsweise der servianischen Zeit und zwar nicht nur 
die in der Phalanx, sondern auch die in den Comitien, ganz so wie die at- 
tische Heerschaar in der Schlucht bei Marathon, als eine Kette neben ein- 
ander stehender Bezirkskontingente zu denken hat. Wie in Attika die Phylen, 
so waren in Rom die Tribus natürliche Grundlage der Massirung des Fussvolks. 

Das taktische Verhalten der phalangitischen Klassen- 
legion [IJ entsprach wol durchaus dem der altdorischen Phalanx; doch gab 
der Legion die Beigabe der Rittercenturien einen Vorzug. Denn obgleich 
diese nunmehr auf den Flügeln der Phalanx aufgestellt und deren Befehls- 
habern untergeordnet wurden, die Ritterschaft also den Charakter als Haupt- 

*) Die 3 decuriae entsprachen ursprünglich den alten patrizischen Tribus der Räume«, 
Tities und Lucerea. 

**) Momnisen a. a. O. ***) Steinwender a. a. O. 

■f) In dem lat. „chors, cor«, cohor»" kehrt da« griech. x°e*°i wieder. Es bezeichnet 
wie „hortus" ursprünglich einen umfriedeten Raum, und schon diese Herkunft des Wortes 
Oohorte deutet darauf hin, dass der organisatorische Begriff eine lokale Unterlage hat, 
also anfänglich das Kontingent eines bestimmten Bezirkes darstellte. (Ebd.) 




— 217 



waffe verlor, so bildete sie doch noch immer eine auserlesene und durch ihr 
Fortbestehen in Friedenstagen 'korporativ gefestigte Elitetruppe, welche auf 
den Kampf zu Ross wie zu Fuss eingerichtet war. In solchem Sinne er- 
scheint diese Ritterschaft als erster Keim der „subsidia", d. h. jener 
Gefechtsreserven, die sich bei den Römern zu grosser Konsequenz und Voll- 
endung entwickelten, während sie bei den Griechen niemals Uber die ersten 
Anfänge hinaus gediehen. 

Deu Oberbefehl über das ganze Heer führte der König selbst als „ma- 
gister populi"; den Befehl über die equites und über die ebenfalls meist 
ausserhalb der eigentlichen Phalanx fechtenden Leichtbewaffneten führte der 
„magister equitum". — Zu jeder Legion gehörten 6 Stabsoffiziere, die „tribuni 
militum", welche im Gegensätze zu allen anderen römischen Magistraten auch 
aus den Reihen der Plebejer ernannt werden konnten. 



2. Das Heer der Bepublik. 

Die Vereinigung der gesammten Gewult in den Häuden des Königs 
gab diesem eine grosse Macht , welche der Landesfeind , doch oftmals auch 
der Bürger schwer empfand. Die Opposition setzte es endlich durch, dass 
das Königthum aufhörte, lebenslänglich zu sein, und an die Stelle des bis- 
herigen „rex" traten zwei Jahres herrsch er, welche sich „praetores", 
Feldherren, „judices", Richter, oder auch schlichtweg nur Kollegen „con- 
sul es", nannten. Jeder der beiden Consuln übte während des gemein- 
schaftlichen Amtsjahres die höchste Macht sö voll und ganz wie der König 
sie innegehabt; aber dieseru rechtlichen Verhältnisse gegenüber bildete sich 
doch bald die Praxis heraus, dass der eine Consul den Heerbefehl, der an- 
dere die Rechtspflege übernahm. Jedem Consul war überdies freigestellt, 
in schweren Zeiten die kollegialische Gleichberechtigung zu suspendiren und 
einen dritten Amtsgenossen zu ernennen, dem dann beide Consuln gehorchten. 
Ein solcher Inhaber der ausserordentlichen Magistratur führte den Namen 
des Heermeisters (magister populi) oder des Gebieters (dictator) und 
hatte sich sofort einen „magister equitum", einen Reitermeister, zu ernennen, 
woraus erhellt, dass der Dictator ursprünglich als Führer des Fussvolks ge- 
dacht wurde. — Die Diktatur erlosch stets mit dem Amte des ernennenden 
Jahresconsuls und durfte überhaupt niemals länger als ein halbes Jahr 
währen. — Auch ohne einen Diktator zu ernennen, konnte übrigens der Consul 
den Heerbefehl einem andern Manne übertragen, der dann aber nur als der 
Beauftragte, der „legatus" des Consuls, erscheint. Im J. 445 setzte es die 
Opposition durch, dass, wie die Ehegemeinschaft zwischen Patriziern und 
Plebejern gestattet wurde, so auch an Stelle der Consuln consul arische 
Militär tribunen (tribuni militum consulari potestate) ernannt werden 
konnten, deren Amt Plebejern zugänglich war, und 367 wurde gesetzlich 
festgestellt, dass der eine der beiden Consuln Plebejer sein müsse. 

Diese letzte grosse Errungenschaft, die den ständischen Streit schlichtete, 



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war wol grossentheils eine Folge der schweren Kämpfe , welche Rom mit 
den Etruskern durchzuführen hatte und welche gebieterisch die innere Ein- 
heit des Volkes forderten. 

Die Römer erkannten, dass zu einem Kriege mit einem so ebenbürtigen 
Feinde die alte Heeresverfassung nicht ausreiche. War diese doch lediglich 
auf Sommerfeldzüge berechnet gewesen, wie sie einbrechende Räuberhorden 
der Aequer und Volsker nothwendig machten. — Um eine grosse feste Stadt 
wie das tuskische Veii zu besiegen, erschien die alte Bürgerwehr, die sich 
selbst bewaffnete und beköstigte und nur auf kurze Zeit die Feldarbeit 
durch den Kriegsdienst unterbrach, keineswegs genügend. Sie musste ersetzt 
werden durch ein schlagfertiges Heer, welches im Stande war, das ganze 
Jahr im Felde zu bleiben. Dies ging nur an. wenn man ihm die Sorge für 
die häuslichen Geschäfte abnahm, und dazu bedurfte es der Einführung 
des Soldes. 

Bisher waren die Etrusker auch in militärischer Beziehung das Vorbild 
der Römer gewesen; man hat Ursache, anzunehmen, dass sogar die auf die 
Vermögensklassen begründete Heerespflichtigkeit eine Nachahmung tuskischer 
Einrichtungen war. Mit der Einführung des Soldes emanzipirten sich die 
Römer von ihrem Vorbilde. Denn während die tyrrhenischen Städte, grie- 
chischer Art folgend, neben dem Bürgerdienste die Werbung von Soldknechten 
betrieben zu haben scheinen , hütete sich Rom davor , einen so verhängnis- 
vollen Weg zu beschreiten; es hielt vielmehr fest an dem ausschliess- 
lichen Bürgerkriegsdienst, und die Einführung des Soldes diente keineswegs 
als Lockung zu einem gewinnreichen Gewerbe, sondern nur als Erleichterung 
der Last. — Diese Einrichtung ist für die kriegerische Kraft Roms vom 
grössten Werth geworden und hat ihr ein wolverdientes Uebergewicht lange 
Zeit hindurch gesichert. 

Die Einführung der Löhnung ward bald der Ausgangspunkt weiterer 
Aenderung der alten servianischen Heeresordnung, ja endlich einer tief- 
greifenden Umgestaltung, welche sich im Laufe der Zeit, schrittweise und 
allmälig vollzog und in deren Folge die Unterschiede der Censusklassen 
innerhalb der Legion stetig an Bedeutung verloren. Wol blieb die Ein- 
teilung des Volkes nach Verraögensklassen fortbestehen; allein an die 
Stelle der ausschliesslich nach dem Census geregelten Wehrpflicht trat nach 
und nach ein durch die Soldzahlung ermöglichtes Konscriptionssystem, 
und endlich überwog der rein militärische Gesichtspunkt, dass die Zusammen- 
setzung der Tjegion eine zweckentsprechende Gliederung nach Dienstalter, 
Waffenübung und Tüchtigkeit ermögliche, durchaus die politische Rücksicht 
auf proportionelle Heranziehung der Censusklassen. 

Diese Entwickelung vollzog sich während der gallischen Kriege, 
die i. J. 390 mit der schweren Niederlage der Römer am Bache Allia be- 
gannen und durch 70 Jahre dauerten. 

Die wichtigsten Reformen knüpfen sich an den Namen des älteren 
Gamillus. — Zunächst gab der Ungestüm der gallischen Angriffe Veran- 
lassung, diejenige Tiefe der Gefechtsaufstellung, welche bisher nur vorüber- 




- 219 - 



gehend durch Eintreten der vorzugsweise zum zerstreuten Gefechte bestimmten 
unteren Censusklnssen erzielt wurden war. d. h. die achtgliedrige Stel- 
lung zur Norm zu erhehen. Diese Heranziehung der niederen Oensus- 
klassen zum eigentlichen Hoplitendienste und die mit der vermehrten Tiefe 
der Phalanx gesteigerte Schwierigkeit der Evolutionen hat dann eben darauf 
hingewirkt, das alte Klassensystem in seiner unmittelbaren Anwendung auf 
die Schlachtordnung zu verlassen und dagegen die Mannschaft einerseits 
gleichmässiger zu bewaffnen, andererseits sie, nach Maszgabe ihrer Geübtheit 
und Tüchtigkeit, in den Gliedern und Rotten regelmässig zu vertheilen. 

Demnächst verbesserte man die Bewaffnung. Um den schlimmen 
Kopfhieben der gallischen Schwerter begegnen zu können, wurde der bis- 
herige, vermuthlich lederne und nur mit Erz beschlagene Helm (galea) durch 
eine glatte metallene Sturmhaube ersetzt (cassis). Der bisher von der ersten 
Censusklasse geführte argolische Kundschild (clupeus), der die Schultern 
nicht gehörig zu decken vermochte, wurde jetzt von dem länglich-viereckigen 
acutum verdrängt, das bis dahin wol den unteren Klassen als Schutzwaffe ge- 
dient hatte. 

Ganz eigenartig entwickelte sich, wahrscheinlich in Folge trauriger Er- 
ahrungen im gallischen Kriege, «1er römische Marsch - und Lagerdienst. 
Wo das Heer, wenn auch nur für eine einzige Nacht, das Lager nahm, da 
ward dies ohne Ausnahme mit einer regelmässigen Umwallung versehen. Ein 
solches System gestattete den Römern, die Vortheile entschlossener Offensive 
mit der höheren Sicherheit der Defensive zu verbinden. Mochte ihre Stra- 
tegie noch so zufahrend sein, die einzelne Aktion war stets durch das be- 
festigte Lager wol basirt und konnte , sobald es nothwendig erschien . von 
dem angriffsweisen Verfahren zur vorbereiteten Verteidigung übergehen. 
„Der Römer 4 , so meint ein lateinisches Sprichwort. ,.siegt durch Stillsitzen." 

Wahrscheinlich ist auf Camillus auch schon die grundsätzliche Um- 
wandlung der Triarier zu einer Elite von Veteranen zurückzu- 
führen. Eine derartige Truppe, welche die Bestimmung hatte, als Reserve 
zu dienen und namentlich die, das Lager zu vertheidigen *), dürfte den Gal- 
liern gegenüher um so Wünschenswerther gewesen sein, als die „equites" 
durch ihre zu dieser Zeit aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen herbei- 
geführte Umwandlung aus der Ritterschaft in eine Reiterei viel von ihrem 
alten Elitekarakter und ihrer Fähigkeit , als Doppelkämpfer verwendet zu 
werden, eingebüsst haben mochten. In dieser Aussonderung der Triarier 
als einer Altersklasse ist eine weitere Ursache jener grundsätzlichen 
Veränderungen zu suchen, welche den Censusunterschied immer entschiede- 
ner zurückdrängten zu Gunsten des Unterschiedes der Kriegsgeübtheit und 
des Dienstalters , auf welchem seit den gallischen Kriegen die Eintheilung 
der Legion im Wesentlichen ruht. 

Nach endlicher Besiegung der Kelten vollzog sich allmählig die Er- 
hebungRoms zuralleinigenGrossmachtim System derMittel- 



*) Dionys 5, 16. Vorgl. Niebuhr, R. G. II. S. 226; Marquardt II. S. 348. 




- 320 - 



m o e r s t a a t e n. Die wichtigsten Stadien dieser Entwickelung sind die Kämpfe 
mit den empörten Latinern und die mit den Samnitern. 

Die empörten Latin er sahen sich nach dreijährigem ernstem Ringen 
i. J. 340 bei Trifanum gänzlich besiegt. Der latinische Bund, der bisher in 
ebenbürtigem Vertragsverhältnisse zu Rom gestanden, ward aufgelöst, und 
die unterworfenen Städte wurden isolirt. Einzeln mussten sie neue Verträge 
mit Rom schliessen, in denen ihnen dies ihre Kriegsleistungen u. s. w. vor- 
schrieb. Es ward den latinischen Gemeinden verboten, ihre Kontingente von 
sich aus aufzustellen und in's Feld zu senden ; sie verloren das Kriegs- und 
Vertragsrecht gegenüber dem Auslände; der Oberbefehl, der früher ge- 
wechselt, kam ein für allemal an Rom; dieses ernannte die Stabsoffiziere 
der latiuischen Kontingente und zwar vorwiegend aus römischen Bürgern. 
Es sind das die 12 „praefecti sociorum", welche ebenso je 6 und 6 den 
beiden „alae" der Bundesgenossen vorstehen wie die Kriegstribunen den 
Legionen des römischen Heeres. 

Wie der Latinerkrieg für die Heeresorganisation, so hatten die Samniter- 
kriege höchste Wichtigkeit für die Entwickelung der römischen Taktik. Die 
Samniter sassen vorzugsweise in den heutigen Abruzzen, und die andauernden 
und wiederkehrenden Feldzüge in einem Berglande und gegen ein Bergvolk 
riefen eine der grössten taktischen Neugestaltungen aller Zeiten hervor, d i e 
Man ipular- Legion. 

Die bisherige phalangitische Legion war gleich der hellenischen Phalanx 
in ununterbrochener Front aufgestellt worden. Aber sie hatte natürlich 
ebensowol wie jene Evolutionseinheiten gehabt. Als solche konnten die 
Bezirkskontingente der Tribus, die Oohorten, nicht dienen, obgleich diese 
allerdings zuweilen als selbständige taktische Komplexe verwendet 
wurden*); als Evolutionseinheiten waren sie zu gross; solche waren vielmehr 
die Manipel. Diese „manipuli" bestanden vermuthlich in quadratischen 
Trupps von 8 Mann Front und 8 Mann Tiefe , oder (bei Entsendung der 
Leichtbewaffneten zum zerstreuten Gefechte) in Rechtecken von 8 Mann 
Front zu 6 Mann Tiefe. „Manipulus" heisst wörtlich „eine Handvoll", ein 
„Bündel 4 '.**) - In dem schwierigen Gelände des samnitischen Gebirges 
konnte die zusammenhangende Linie der Phalanx nur sehr beschränkte An- 
wendung finden; häufig musste die Notwendigkeit eintreten, für die Be- 
kämpfung von Pässen und Schluchten kleine Kolonnen anzuwenden. Und 
geradeso wie einst Xenophon in den karduchischen Bergen seine Kompagnie- 
kolonne, ÖQ&tog loxog, erfand, so werden die Römer in den samnitischen 

*) Li vi us führt nicht nur bei den Nachbarvölkern (II. 84; V. 16; VIL 7), sondern 
auch bei den Römern selbst „Cohorten" auf (II. 20; III. 6, 43, 69; IV. 27, 28, 38, 59). 
Die Kopfzahl gibt er nicht an, wol aber Dyonysos, der Cohorten von 500, 600, ja ein- 
mal eine solche (die des Siceius) von 800 Mann erwähnt (IX. 63, 71; X. 43). 

**) Andere behaupten die ursprüngliche Identität von „manipulus" und „centuria" und 
meinen, der Name stamme datier, das» der Centurie in der Frühzeit als Feldzeichen ein 
Heubündel (manipulus) auf einer Stange vorausgetragen worden sei. Das klingt sehr un- 
wahrscheinlich ! 



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- 221 - 

Bergen mit ihren Manipeln operirt haben. — Bei diesen Gebirgskämpfen 
musste nun auch die Bedeutung der Wurfwaffen in erhöhtem Masze her- 
vortreten, und insbesondere scheinen die Römer nachtheilige Erfahrungen 
hinsichtlich einer von ihnen bisher wenig gewürdigten Gattung des Wurf- 
spiesses gemacht zu haben, deren sich die Samniter zur Vertheidigung wie 
zum Angriff bedienten. Es war dies eine schwere Wurfwaffe, welche unter 
dem Namen des „pilum" in der Folge die recht eigentliche Nationalwaffe 
des römischen Fussvolks wurde. Zuerst scheint mit derselben die Truppe 
der Triarier ausgerüstet worden zu sein, der sie namentlich bei der ihr ge- 
wöhnlich zufallenden Vertheidigung des Lagers, also beim Wurfe von oben 
nach unten, von ganz besonderem Nutzen sein musste. (Vergl. S. 200.) 

Auf der Grundlage dieser neuen Erfahrungen gestaltet sich nun die neue 
Legion. Nicht nur für einzelne Unternehmungen , sondern auch für die 
eigentliche Schlachtordnung wird die Linie derPhalanx unterbrochen. 
Die bisherigen Evolutionseinheiten, die Manipel, zu selbständigen 
taktischen Einheiten erhoben, stehen mit regelmässigen Intervallen, 
welche ihrer Frontlänge gleich gewesen zu sein scheinen, neben einander 
und zugleich in mehren Treffen mit Abständen hinter einander, und zwar 
schachbrettartig, so dass die Manipel der hinteren Treffen die Intervallen der 
vorderen decken [II]. Man nannte diese Anordnung „ q u i n c u n x nach der 
Gestalt des uralten Zahlzeichens für die Fünf, nämlich der 5 Augen der 
Würfelfünf. 

Den nächsten Anlass zu dieser Formation gab vielleicht das Vorbild 
der Latiner, von denen gewiss ist, dass sie der römischen Phalanx in der 
Schlacht am See Regillus in 3 Treffen entgegentraten*), und deren Ein- 
richtungen bei der nahen und dauernden Verbindung mit den Römern diesen 
stets vor Augen waren. Unterstützt aber wurde die Veränderung der Taktik 
wol auch durch die Neubewaffnung der Triarier mit dem pilum, welche 
dieselben als ein besonderes Korps erscheinen liess. Die Triarier bildeten 
nämlich nun als „pilani" die Reserve, das 3. Treffen der Legion. Vor 
ihnen standen die „antepilani", welche wie bisher mit Spiess und Schild 
bewaffnet waren, in zwei Treffen. Das erste derselben bestand aus der 
Blüte der eben erst für den Kriegsdienst herangewachsenen jungen Mann- 
schaft und zählte zu einem Drittel Leichtbewaffnete; das zweite Treffen 
nahm die älteren und besonders gut gerüsteten Leute auf, welche zum Unter- 
schiede von den hastati des ersten Treffens als prineipes bezeichnet wurden. — 
Endlich gehörten zur Legion noch wie vor Alters die unregelmässigen 
Sprenkler, „rorarii", und endlich die Ersatzmannschaften, „accensi". **) 

Es war dies eine Uebergangsorganisation, welche man nach ihrem, frei- 
lich höchst undeutlichen Beschreibe!- die „M a n i p u 1 a r 1 e g i o n d e s L i v i u s 4 ' 
nennt [II]. Schon hier tritt ein Verstellen der Truppenbezeichnungen ein, 

•) Liv. IL 19, 20. 

**) Diese Auffassung folgt im wesentlichen der überzeugenden Darlegung in Köchly's 
und Riistow 's Einleitung zu den griechischen Taktikern. 



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- 222 - 



welches sich in der Folge noch steigert und viel Verwirrung angerichtet hat. 
Die principes stehn jetzt in der Legion nicht mehr voran; der Name der 
hastati wird auf das 1. Treffen eingeschränkt. Die alten, bei der Census- 
gliederung zutreffenden Benennungen der verschiedenen Phalangenglieder 
wurden eben beibehalten, entsprachen aber der neuen Lage der Dinge nicht 
mehr. Dergleichen ist zu allen Zeiten vorgekommen. Nur beispielsweise 
erinnere ich an die Uebertragung des Namens der „Grenadiere" auf Truppen- 
theile, die mit dem Granatenwerfen auch nicht das Geringste zu thun haben. 
Man kann sich daher auch gar nicht wundern, wenn die Namen der „hastati, 
principes, triarii" schon dem Varro (80 v. Chr.) ein Räthsel waren.*) — 
Hinsichtlich des ersten Treffens der römischen Legion ist die Anordnung 
von 20 Leichtbewaffneten bei jedem Manipel bemerkenswerth. Sie 
leiten das Gefecht ein, bekämpfen die Wurfspiess- und Schleudererschützen 
der feindlichen Vorhut und ziehen sich beim Herannahen der gegnerischen 
Massen durch die Intervalle des L. Treffens zurück, um sich hinter ihrem 
Manipel aufzustellen. Damit waren die Manipel des 1. Treffens selbständig 
für die verschiedenen Gefechtszwecke organisirt, was beim Gebirgskriege 
unzweifelhaft von grossem Werthe war. 

Die mit dem Pilura bewaffneten Triarier scheinen anfangs übrigens 
nicht regelmässig mit in der Schlachtordnung gestanden zu haben, sondern 
häufiger noch, sowie schon früher, zur Besetzung und Verteidigung des 
Lagers verwendet worden zu sein.**) 

Eine neue grosse Prüfung hatte Rom in den Kriegen mit König 
Pyrrhos von Epeiros zu bestehen. In ihnen kommt nicht nur eine 
Machtfrage, sondern ein Gegensatz tiefwurzelnder Prinzipien zu weltge- 
schichtlichem Austrag. „Hier zuerst", sagt Mommsen „wird der Kampf 
zwischen Söldnerarmee und Bürgerheer, zwischen Phalanx und Legion, 
zwischen Heerkönigthum und Senatorenregiment, zwischen individuellem 
Talent und nationaler Kraft, zwischen Hellas und Rom grossartig durch- 
gefochten. 4 " — In diesen Kämpfen empfing denn auch die römische Mani- 
pular-Legion, wenn nicht ihre abschliessende Vollendung, so doch ihre für 
die Folgezeit massgebende Ausgestaltung. 

Die tiefma8sirten, mit 16' langen Sarisen bewaffneten Phalangen des 
Epeirotenkönigs hatten, unterstützt von ihren Elefanten, den Legionen der 
Römer grosse Bedrängnis bereitet. Die kleinen, wenig mehr als 60 Mann 
starken Manipel waren in ihrer durch die Intervalle herbeigeführten Isolirung 
den Phalangen nicht gewachsen, und doch musste andererseits die Beibe- 
haltung der Manipularordnung gehoten erscheinen, sowol durch die taktischen 
Rücksichten, welchen sie ihre Einführung verdankte, als auch besonders 
durch die Notwendigkeit, jene wüthenden Angriffe der Elefanten abzuweisen, 
ohne gleich die ganze Schlachtlinie in Mitleidenschaft zu ziehen. Unter 
solchen Umständen entschloss man sich , die Manipel zu verstärken 
und sie dadurch widerstandsfähiger zu machen. 



") Varro: De lingua latina 5, 89. **) Niebuhr: Kömisch« Otnchichto II. S. 531. 



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— 223 — 



Der Sarisa gegenüber war die HaBta unzureichend; das Piluui da- 
gegen hatte sich bewährt. In Folge dessen wurde es neben dem Schwerte 
die allgemeine Feldkriegswaffe der Legion , und zwar in doppelter Gestalt, 
indem mau die Hauptmasse des Heeres mit 2 Pilen, einem schweren und 
einem leichten, ausrüstete. Das letztere, das man wol auf 30 Schritte 
schleudern konnte, wurde vorzugsweise da gebraucht, wo man es für gerathen 
hielt, den Feind stehenden Fusses zu erwarten und ihm erst im letzten Mo- 
ment angriffsweise entgegenzugehen. Es konnte das z. B. da angemessen 
sein, wo die Legion 20 bis 30 Schritt vor ihrer Front ein Hindernis hatte, 
das der Gegner dann im Wurfe der leichten Pila zu überschreiten hatte. 
Für den Angriff dagegen bedienten sich die Römer damals wahrscheinlich 
noch des schweren Pilums. 

Hatte die mörderische Wirkung dieser wuchtigen Waffe, welche in der 
Nähe von 12 bis 10 Schritt geschleudert ward. Lücken und Verwirrung 
in den feindlichen Seihen erzeugt, so vollendete der fast in demselben 
Augenblicke erfolgende Schwertangriff den Erfolg, noch bevor der Feind 
Zeit gehabt, seine Lücken zu scbliessen und sich von der Bestürzung zu 
erholen. Pilenwurf und Schwertstoss folgten einander wie Blitz und Schlag. 

Die Entfernung von 10 Schritten vom Feinde ist grösser als diejenige, 
auf welche der griechische Phalangit herangehen rausste, um mit seinem 
Handspiesse zustossen zu können; aber sie ist zugleich gering genug, um 
der Vorbereitung durch den Wurf den Einbruch unmittelbar auf dem Fusse 
folgen zu lassen, und hierin liegt das Geheimnis des Erfolges. 

Für die Gliederung der Legion blieben Alter und Diensterfahrung masz- 
gebend; auf dieser Grundlage theilte sich das Fussvolk, unabhängig von 
den Censusklassen, denen es entnommen war, in 4 Klassen: — 600 Mann, 
die ältesten, diensterfahrensten Leute vom 40. bis zum 45. Lebensjahre, bil- 
deten die Klasse der „triarii"; aus den beiden mittleren Altersklassen er- 
scheinen die Mannschaften, welche die meisten Feldzüge mitgemacht hatten, 
also im Allgemeinen diejenigen vom 32. bis zum 40. Jahre, in Stärke von 
1200 Köpfen als ,.principes'\ 1200 andere vom 25. bis zum 32. Jahre als 
,,hastati". Die jüngsten und gewandtesten Leute aber bildeten, ebenfalls 
in Stärke von 1200 Köpfen, eine leichte Truppe unter dem neuen Namen 
„velites'-. 

Jede der erstgedachten drei Klassen wurde in 10 Manipel gegliedert. 
Der Manipel der Hastaten und Principes war demnach 120 Mann, d. h. 
doppelt so stark als in der früheren Manipularlegion [20 In]. Der Ma- 
nipel der Triarier behielt dagegen seine alte Stärke von 60 Mann, weil die 
Zahl dieser bejahrten Mannschaften selbstverständlich geringer war, als die 
der anderen Klassen [20 lbj. .leder Manipel zerfiel in zwei Centurien 
(Züge), die also keine Hundertschaften mehr waren, sondern bei den Hastaten 
und Principes 60, bei den Triariern 30 Köpfe zählten. Die Veliten 
wurden in Trupps zu je 40 Mann jedem der 30 Manipel zugetheilt. Die 
früheren „rorarii" verschwinden ganz. — Der einzelne Manipel stand wahr- 
scheinlich in 9 Gliedern, jedes zu 20 Mann. Waren die Veliten weder aus- 




- 224 - 

geschwärmt noch detachirt, so bildeten sie das 7. und 8. Glied. Man nimmt 
an, dass jedem Krieger in der Front ein Raum von 6 Fuss zugewiesen war, 
so dass die normale Frontausdohnung des Manipels (laxatis ordinibus) 120 
Fuss betrug.*) 

Die Legion behielt die Aufstellung in drei Treffen mit 
schachbrettförmiger Anordnung der Manipel bei.**) Je 10 Ma- 
nipel bildeten ein Treffen. Die ganze Legion hatte demnach eine Front von 
2400 Fuss oder etwa 1000 Schritten. Zog man jedoch die Manipel in sich 
auf halben Rottenabstand zusammen (und das pflegte man beim Angriffe, wo 
es nur die einmalige Salve mit dem schweren Pilum galt, meist zu thun). 
so kam die Front jedes einzelnen Manipels nur auf 60 Fuss; um ebenso viel 
verkürzte sich dann das Intervall , und die Legionsfront war also nur 500 
Schritt lang. Da es ausserdem nicht nothwendig war, die Intervalle ganz 
so gross zu machen als die Manipelfronten, so gewann die römische Taktik 
auf viel einfachere Weise als die griechische für die Bestimmung der Fronten 
nach den jedesmaligen Umständen einen Spielraum, der weit beweglicher 
war als der, über den die Griechen jemals verfügen konnten. Man nennt 
diese Legion nach einem ihrer vornehmsten Anwender und Durchbildner 
die des R egul us oder nach ihrem besten Beschreiber die des Polybios[III]. 

Die Schutz waffen waren in allen drei Treffen dieselben; nur dass 
die Wohlhabenden statt des gewöhnlichen aus Blechschienen zusammen- 
gehakten Panzers den kostbareren Ring- oder Schuppenpanzer trugen. Eine 
namhafte Veränderung aber trat, wie schon auseinandergesetzt, hinsichtlich 
der Trutzwaffen ein. Nicht mehr die Hasta bereitet den Einbruch vor, 
sondern das Pilum; die Hasta hört deshalb auf, Waffe der Hastaten und 
Principes zu sein ; beide erhalten das Pilum. Die Triarier dagegen, welche 
bisher das Pilum geführt hatten und danach sogar „pilani oder „pili" ge- 
nannt worden waren, geben es ab und bekommen die Hasta zurück; ihre 
Manipel jedoch werden nach wie vor im militärischen Sprachgebrauche als 
„pili" bezeichnet. Man wird sich über diese schiefe Nomenklatur nicht 
allzusehr wundern, wenn man sich so mancher moderner Benennungen er- 
innert, die ja auch lediglich eine historische Berechtigung haben, ja oft- 
mals kaum eine solche. — Die Veliten wurden mit einem leichten Leder- 
helm, einem leichten, ledernen Rundschilde und mehren Wurfspieasen für 
das Ferngefecht, sowie mit dem Schwerte für den Nahkanipf ausgerüstet. 
Sie entsprechen durchaus den Peltasten des Iphikrates. Ihre gleichmässige 
Zutheilung als Schützenzüge an alle Manipel gab jedem von diesen grosse 
Widerstandsfähigkeit und Selbständigkeit für die verschiedenen Zwecke des 
Gefechts. 

Zuweilen scheint eine beliebige Anzahl von Manipeln. ja von Centurien zu 
selbständigen Detachements (C o h o r t c n ) vereinigt worden zu sein ***) [2© 2]. 

Der Befehl über die Legion wechselte unter den sechs Tribunen 
derselben in der Weise, dass je zwei von ihnen zwei Monate lang die ganze 



*) Xa«t: Röm.KriefcsaHfrtl.iiim.r. **) Liv. s.« ; *>. 34. ***) Verjjl. «He 1. Note S. 230. 



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— 225 — 



Legion kommandirten, indem sie Tag um Tag den Befehl tauschten; doch 
kommt es auch vor, dass jeder Tribun einen Monat lang allein das Kom- 
mando führt.*) — Die Ernennung der 60 Centurionen der Legion liess 
der Consul durch die trihuni militum vollziehen. Ihr Rang richtete sich 
theils nach dem Treffen der Legion, dem sie angehörten, theils nach ihrer 
Stellung innerhalb des Manipels. Jeder Manipel hat nämlich einen .,cen- 
turio prior" und einen „centurio posterior". Die unterste Centurionenstello in 
der Legion ist also die des „decimus hastatus posterior", d. h. des zweiten 
Centurios des letzten Manipels der Hastaten, die höchste die des „primipilus", 
d. h. des ersten Centurios des ersten Manipels der Triarier. 

Die Legion als solche hatte noch kein eigenes Feldzeichen; die 
..signa" der einzelnen Manipel bestanden aus Stangen mit massiven Sinn- 
bildern und meist auch noch mit einem an einer Querstange hangenden 
Fähnchen, „vexillum", nach dem die Manipel auch zuweilen „vexilla" ge- 
nannt werden. Sowol auf dem Marsche als beim Angriff in geschlossener. 
Legions-Kolonne wurden die Signa im ersten Glicde jedes Manipels vorah- 
getragen, weshalb das 1. Treffen häufig mit dem Ausdrucke „prima signa" 
bezeichnet wird. Beim stehenden, treffenweisen Gefechte zog man die Feld- 
zeichen hinter die letzten Glieder der Manipel zurück.**) Sie bezeichneten 
dann die Linie der „acies" (Treffen) sowie die Abstände der Manipel und 
gaben die Festpunkte zur Rangirung nach dem Handgemenge. Bei solchen 
„statarischon" Gefechten kommt daher auch schon zu dieser Zeit 
der unter Cäsar später so oft, doch mit ganz anderer Bedeutung auftretende 
Name der ,,antesignani" vor. Er bezeichnet hier zunächst die Hastaten; 
denn nur dies erste Treffen stand beim Kamptbeginne vor den Fahnen. ***) 
So lange die Signa ihre Stellung in der Schlachtordnung behaupteten, stand 
die Schlacht; aber sie wankte, wenn die Linie der Signa schwankte. 

Zur Einleitung der Gefechte und in Defensivstellungen 
wurden zunächst die verschiedenen Gattungen von Wurfw äffen gebraucht. 
Beim Aufmarsche waren die Schützenzüge der Veliten stets den Manipeln 
angeschlossen, so dass die Intervalle frei waren. In diese rückten sie jedoch 
ein (Schützen in den Intervallen), sobald man eine Vertheidigungsaufstellung 
nahm, damit dann keine Lücken in der Schlachtordnung blieben. •{•) War 
dagegen die Offensive beschlossen, so gingen die Veliten aller drei Treffen 
zu gleicher Zeit vor und fochten in einem Vordertreffen als grosse, von 
bundesgenössischen Schleuderern und Bognern unterstützte Plänklermasse 
vor der Front der Legion. •{"{■) Unter ihrem Schutz und Schleier wurden 
neue Aufstellungen genommen, erschütterte Ordnungen hergestellt; die Ve- 
liten besetzten, vorauseilend oder entsendet, wichtige Punkte des Geländes; 
ihnen fiel die Aufgabe zu , die Elefanten des feindlichen Heeres zu be- 
kämpfen. Zuweilen massirte man die Veliten auch auf den Flügeln der Legion, 

•) Marquardt II. S. 352 und 353. 

**) Liv. 34. 48; Liv. 9, 13; Liv. 22, 5 und öfter. **♦) Marquardt II. S. 345. 
f) Polyb. 15, 9; Liv. 23, 29; Frontin. Strat. 2, 3, 16; Liv. 30, 33, 3; Onoi. «trat. «9. 
tt) Liv. 38, 21; Polyb. 2, 30; 3, 37; 11, 23. 

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— 226 - 



um die Flanken des Gegners zu bedrohen. Wurden sie von überlegenen 
Kräften gedrängt, so zogen sie sich durch die Intervalle hinter ihre Ma- 
nipel zurück. 

Nach dem zerstreuten Gefechte der Vorhut nehmen dann die Hastati 
die eigentliche Schlacht auf. Die Manipel gehen rüstigen Schrittes 
oder selbst im Laufe gegen die feindliche Linie vor ; auf 10 Schritt machen 
sie einen Augenblick Halt; die zwei vorderen Glieder schleudern die 
schweren Pila in den Feind und brechen nun ein, indem sie das kurze 
Schwert ziehen und die Stiche und Hiebe des Gegners mit dem Schilde 
pariren. Eine zusammenhangende feindliche Linie wie die Phalanx wird 
von dem in getrennten Manipeln aufgestellten Hastatentreffen nicht auf allen 
Punkten zugleich angegriffen. Es liegt für sie die Verführung nahe, ihrer- 
seits in den Intervallen der Manipel vorzugehen, diese zu umwickeln und 
einzuschliessen. Aber wehe den Phalangiten, wenn sie dies unternehmen! 
Sie verlieren dann den einzigen Vorzug, den die Phalanx vor der Legion 
hat, nämlich ihre unbedingte Geschlossenheit, und nun werden sie von dem 
zweiten römischen Treffen, den Manipeln der Principes, welche nur darauf 
gewartet haben, dass der Feind sich diese Blosse gebe, selbst in Flanke und 
Rücken angegriffen.*) 

Trat ein solcher Moment nicht ein und vermochten die Hastaten 
des Feindes nicht Herr zu werden, so gingen sie durch die Intervalle 
des zweiten Treffens zurück und nahmen hinter diesem Stellung. Es 
fand also eine Ablösung der Treffen statt. Während hierauf die 
Principes. nun als „antesignani", den Kampf fortsetzten, vielleicht mit 
duplirten Gliedern, um die Kraft der Pilumsalve zu verdoppeln, Hessen 
sich die Triarii auf das rechte Knie nieder und bildeten, das linke 
Bein vorstreckend, durch ihre gegen die Schulter gelehnten Schilde und 
ihre gefällten, gegen die Erde gestemmten Spiesse eine Art von Wall. Li- 
vius vergleicht diese Formation mit eingerammten Schanzpfäblen. Hinter 
den niedergekauert en Triariern hielt der Befehlshaber der Legion. Erkannte 
er, dass auch die Prinzipes den Feind nicht zu werfen vermochten, so hiess 
er sie , sammt den Hastaten sich auf die Triarier zurückziehen. Letztere 
sprangen auf das Kommando „surgite!" auf, empfingen die beiden ersten 
Treffen in ihren Intervallen und stürzten sich nun, vereint mit ihnen, in 
dichtgedrängter Phalanx auf den Feind. **) Lieser, der bereits wähnte. Be- 
siegte zu verfolgen, sah plötzlich, wie aus dem Boden gewachsen, eine neue 
Schlachtlinie vor sich, stärker als die bisherigen, und wenn nun einige tüch- 
tige Manipel auf seine Flanken geworfen wurden, gelang es den Römern 
nicht selten, eine Schlacht, die schon verloren schien, im letzten Augenblicke 
durch die Triarier sich zum Glück zu wenden. „Res ad triarios rediit!" 
hiess sprichwörtlich so viel als „die Sache ist aufs Aeusserste ge- 
kommen".***) — Wurde der Feind geworfen und rückte nun die ganze 



♦) Rüstow: Geschieht« der Infanterie. Nordhausen 1864. 
") Liv. 8, 8, 8 squ. u. a. •♦♦) Liv. 8, 8. 10. 



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- 227 — 



Linie vor, so wurden in deren erstem Gliede die Feldzeichen erhoben (signa 
promoventur). 

Die Verfolgung des geschlagenen Feindes geschah meist durch Ve- 
liten und Reiter. Das Linienfussvolk blieb in Schlachtordnung auf der 
Wahlstatt stehn, um sich selbst keine Blosse zu geben. Ueberhaupt wurde 
auf die geschlossene Ordnung der drei Haupttreffen ausserordentlich hoher 
Werth gelegt. 

Wollte man ein in Unordnung gerathenes Treffen neu wieder ordnen, 
so warf man wol eine Ahtheilung ausgewählter Mannschaft vor die Front, 
um dort mit weit geöffneten Gliedern ein regelmässiges gliederweises Pilum- 
schlendern auszuführen, welches „serra", Säge, genannt wurde. Die 
Glieder wechselten sich dabei ab, indem sie den rottenweisen Kontremarscb 
ausführten. Wenn das Drängen des Feindes aber dazu nöthigte, die Serra 
mit dicht aufgeschlossenen Gliedern auszuführen, so Hess sich das erste Glied, 
nachdem es das Pilum geschleudert, aufs Knie nieder, damit das zweite über 
es hinwegwerfen könnte ; dann kniete auch dies nieder, und in gleicher Weise 
verfuhren die folgenden Glieder. Hatte endlich das letzte Glied geworfen, 
so sprang die ganze Mannschaft auf. um gemeinschaftlich zum Schwertangriffe 
vorzugehn. Gegen Reiterei verfuhr man ebenso, nur dass gelegentlich da« 
erste Glied sein Pilum fällte. 

Vermochte auch das Eingreifen der Triarier oder das Vorbrechen der 
auf den Flügeln oder hinter dem 3. Treffen haltenden Reiterei das Gefecht 
nicht wieder herzustellen, galt es also angesichts des Feindes den Rückzug 
anzutreten, so wurde diese Bewegung durch eine Aufstellung des gesammten 
leichten Fussvolkes und der Reiterei vor der Front gedeckt. Der Abzug 
geschah manipelweise vom rechten Flügel und begann mit den Triariern ; 
dann folgten die Principes und endlich die bis zum letzten Augenblicke in 
Schlachtordnung verbliebenen Hastaten. 

Märsche wurden stets in der Kolonne ausgeführt. Abgesehen von 
der Avantgarde hatte der erste oder letzte Hastatenmanipel die Spitze, dann 
kam der erste oder letzte Manipel der Principes. hierauf der entsprechende 
der Triarier. Nun folgte der zweite Manipel der Hastaten , der Principes. 
der Triarier. und so fort bis zum letzten Manipel der Triarier. Endlich 
kam das Gepäck der Legion. Flankenmärsche führte man auch in drei 
Kolonnen, treffenweise abmarschirt. aus. Jeder Manipel hatte dabei sein 
Gepäck vor sich, oder, kannte man die Richtung, aus der der Feind zu er- 
warten war, so marschirte das Gepäck auf der dieser Richtung entgegen- 
gesetzten Seite. 

Die Legions-Reiterei bestand im Wesentlichen ganz aus „equites 
equo private", welche als Freiwillige bei dieser Waffe eintraten. Die den 
Rittercenturien angehörenden „equites equo publico" dienten, gestützt auf 
ihre Standesvorzüge, meist nur noch als Adjutanten und Guiden des Feld- 
herrn. Die 300 Equites der Legion zerfielen in „10 turmae" zu 30 Pferden ; 
jede Turma hatte 3 decuriones. deren erster die ganze Turma als Rittmeister 
befehligte; dazu kamen 3 „optiones" (Wachtmeister) und ein „vexillarius" 

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- 228 



(Fähnrich). *) Die Turma stand in 3 Gliedern; Decurio und Optio hielten auf 
den Flügeln. 

Die normale Fechtart derReiterei war die folgende : Die 3 Glieder 
tief gestellten, eng geschlossenen Geschwader sprengten im vollen Laufe mit 
vorgestreckten Lanzen an. Beim stehenden Gefechte wurden die Glieder 
geöffnet und oft sass die Mannschaft dann auch ab und kämpfte zu Fusse. 
Gelegentlich gab man der Reiterei Leichtbewaffnete bei, welche mit 7 Wurf- 
Rpiessen bewaffnet waren und auf der Krupe aufsassen. In Wurfweite 
sprangen sie ab, gingen dem Feinde entgegen und bereiteten durch das 
Schleudern ihrer leichten Spiesse den Einbruch der Reiter vor. 

Die schwere nationalrömische Reiterei war ganz vorzugsweise zur 
Deckung der Flanken der Schlachtordnung bestimmt und verliess daher nur 
selten ihre Stellung auf den Flügeln des Heeres. Der Dienst der leichten 
Kavallerie fiel gewöhnlich der mit Wurfwaffen ausgerüsteten Reiterei 
der Bundesgenossen zu. Sie beobachtete, beunruhigte und umging den Feind. 
Ihre Aufstellung wurde daher so angeordnet, dass sie entsendet werden 
konnte, ohne den Organismus der Schlachtordnung zu stören. Demgemäss 
hielt sie meist hinter dem dritten Treffen. 

Seit der Besiegung des Königs Pyrrhos gebot Rom über die Einwohner- 
schaft ganz Italiens und damit über eine abhängige Volkskraft, deren Stärke 
die eigene wesentlich überragte und welche im Heere ihre Vertretung durch 
die bundesgenössischen Truppen, die „socii", fand. 

Auf ein consularisches Heer von 21 Legionen (8000 M.) werden ungefähr 
10,000 „pedites" und 1800 „equites sociorum" gekommen sein. Aus beiden Waffen- 
gattungen wurde eine Elitetruppe ausgesondert: die „extraordinarii", 
und zwar ein Fünftel des Fussvolks, ein Drittel der Reiterei. Nach dieser 
Auswahl blieb dann ein Kontingent übrig, welches „ordinarii" genannt wurde 
und dessen Fussvolk noch immer der Zahl nach der Bürgerinfanterie ent- 
sprach, während die Reiterei sogar noch doppelt so stark war als die 
römische. **) 

Die Bundesgenossen bildeten niemals einen selbständigen Heereskörper ; 
vielmehr wurden sie stets den Bürgerlegionen als Flügeltruppen, ,.alae il , 
angehängt und zerfielen daher in zwei Hauptabtheilungen : „ala dexetra*' und 
„ala sinistra" [20. 17, 18]. Das bundesgenössische Kontingent stand unter 12 
wechselnden Anführern, „praefecti sociorum 4 ', deren Amtsbefugnisse denen 
der Legionartribunen entsprachen, und die vun den Consuln ernannt wurden. 
Es waren stets Römer. Unter ihnen standen als Subalternoffiziere einhei- 
mische „praetores" (zuweilen auch „praefecti" genannt), welche als Kon- 
tingentsbefehlshaber erscheinen und als solche die wesentlich nach Lands- 
mannschaft zusammengestellten „cohortes" kommandirten. Jede Ala hatte 
10 Cohorten zu je 420 Mann; die Extraordinarii aber bildeten 4 Cohorteii 

•) Varro de L L. 6, 91 und Veget. 2, 14. 
«) Die* und das Nächstfolgende nach Marquardt II. 8. 377 -391. 



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— 229 — 



zu je 400 Mauu. Dies ist die Regel ; iudesseu steigt die Stärke der „cohortes 
sociorum" gelegentlich bis auf 600 Mann. Die Cohorte der bundesgenössischen 
Alen entspricht also den Manipeln der römischen Legion nur hinsichtlich 
ihrer Einordnung in den organisatorisch-taktischen Kähmen, keinesweges in 
Bezug auf die Kopfzahl, und es sind sogar Andeutungen vorhanden, welche 
auf eine weitere Eintheilung der „cohortes sociorum'* in Manipel und Ceu- 
turien schliessen lassen. — Das Kontingent der bundesgenössischen 
Reiterei zerfiel in 6 Schwadronen, welche „alae" im engeren Sinne ge- 
nannt wurden. Davon gehörten 4 als ,.ordinarii" zum Hauptheere (equites 
alares), während 2 die „alae extraordinariae" bildeten. Jede Ala zählte 
gewöhnlich 300 Pferde in 5 Doppelturmen , bestand aber nicht wie die 
Cohorte aus Kriegern ein und desselben Stammes. 

Wie die 4 Cohortes extraordinariae (1600 Mann) und die 2 Alae extra- 
ordinariae bei den bundesgenössischen Truppen, so gab es auch bei dem 
eigentlich römischen Theile des Heeres ausserhalb der Legion einen zur be- 
sonderen Verfügung des Feldherrn stehenden Truppenkörper: die „cohore 
praetoria" oder „delecta manus imperatoris". Diese Eliteabtheilung scheint 
vorzugsweise aus berittenen Edelleuten, oft aber auch aus Clienten und 
Freunden des Heerführers bestanden zu haben. 

Das gewöhnliche consularische Heer von 2 Legionen zählte also unter 
Hinzurechnung der Bundesgenossen etwas über 18,000 Mann zu Fuss und 
2400 Reiter , konnte aber unter Umständen bis auf 24,000 Manu gebracht 
werden. Den Oberbefehl führten ausschliesslich die Jahresconsuln , denen 
ein Quästor und mehre Legati beigeordnet waren. — So war der Zustand 
des römischen Kriegswesens vor dem Beginne der punischen Kriege. 

In dem gewaltigen Ringen mit Karthago entschied sich der endliche 
Sieg Roms dadurch, dass seine eingeborene Volkskrai't die grössere war; 
er entschied sich durch das Uebergewicht des römischen Bürgerheeres über 
das punische Söldnerthum. Aber auch die Taktik der Römer ist ein mit- 
wirkender Grund ihres Triumphes. 

Wol hatte die Legion vielfach schwere Niederlagen erlitten, aber durch 
die Reiterei der Punier und durch das geniale Benutzen der Oertlichkeit 
seitens Hannibal's, nicht etwa durch die phalangitische Fechtweise der Kar- 
thager. Der Reitersturm der Afrikaner war ein taktisches Moment, dem 
die Römer allerdings nichts Aehnliches entgegenzusetzen hatten und dem sie 
erst zu begegnen vermochten, seit sie sich selbst durch ihre Bündnisse mit 
den nomadischen Fürsten fremde Reiterschaaren geworben hatten. Hannibal's 
höchst geschickte Benutzung des Terrains hatte zur Folge, dass eine Haupt- 
bedingung für die erfolgreiche Gefechtsthätigkeit der Legiou: der Platz zur 
Entwickelung, zum Oeffnen der Intervalle, in entscheidenden Augenblicken 
fehlte, und dies wurde mehrfach Ursache ihrer Niederlage. Aber die Römer 
lernten während des Krieges; und im Grunde waren sie von Anfang an 
taktisch im Vortheil. Denn die Prinzipien der römischen Kriegskunst hatten 
sich durchaus selbständig im Ringen mit den Italern herausgebildet, während 



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- 330 — 

den Puniern die Formen ihrer Infanterietaktik auf Überseeischem Wege von 
den Griechen zugekommen waren und sie sich also nicht nur fremder Sol- 
daten, sondern auch einer fremden Kriegsweise bedienten. Das sklavische 
Nachahmen anderer, wenn auch bewährter Formen straft sich jedoch stets 
durch befangenen schematischen Formalismus. So war's auch bei den Puniern. 
Rom aber blieh in rastlosem Aneignen und Fortschreiten, und Zama zeigte, 
wie viel es gelernt. 

Die Heeresverfassung der Römer war während des zweiten punischen 
Krieges im Wesentlichen dieselbe wie früher. Indess Spuren der Umwand- 
lung sind doch erkennbar, und unzweifelhaft ist es gerade die Zeit des 
hannibalischen Krieges, in welcher sich die Trennung eines Soldatenstandes 
von der übrigen Bürgerschaft und der Beginn des Söldnerthums vorbereitet, 
und in Verbindung damit treten auch Symptome sittlichen Verfalles an den Tag. 

Dennoch ging man nach dem punischen Kriege nicht mit einer ümge 
staltung der Heereseinrichtungen vor; vielmehr trat man mit ebendenselben 
in neue grosse Kämpfe ein. Ja eben jetzt sollte die Manipularlegion ihre 
höchsten Triumphe erfechten! In nicht geringem Grade erscheinen die Er- 
folge der Römer üher die Alexandriner als Siege der Praxis üher 
die Theorie, als Siege des lebendigen Gewordenen über die ererbte todte 
Form. Die Schlacht bei Pydna ist das Jena der Alexandriner. In nur 
einstündigem Kampfe entschied sich hier der Sieg durch unleugbare taktische 
Ueberlegenheit der Manipularlegion über die Phalanx. Zwischen diesen 
beiden grossen taktischen Ordnungen haben die makedonischen Kriege auf 
lange hin entschieden. - Schon Polybios hat dies erkannt und den Werth beider 
Ordnungen im 17. Buche seines Geschichtswerkes in einem berühmten Ver- 
gleiche näher beleuchtet, einem Vergleiche, der allerdings nicht die Schlacht- 
ordnung Alexanders d. Gr., sondern die entgeisterte, formalistische Phalanx 
seiner eigenen Zeit in's Auge fasst. 

Polybios gab durch seine Schriften auch den Anstoss zur römischen 
Militärliteratur, deren erster nationaler, d. h. lateinischer Vertreter Cato 
ward. Seine Schrift „de re militari" (vergl. S. 189) ist uns, abgesehen von 
den ächten Bruchstücken, indirekt noch insofern erhalten worden, als Ve- 
getius sie zum grossen Theile ausgeschrieben hat.*) Eine der interessan- 
testen Stellen ist diejenige, welche sich auf die Formen der Schlacht- 
ordnungen bezieht, deren Cato sieben aufzählt [X].**) Als erste be- 
zeichnet er die Parallel-Ordnung (fronte longa, quadro exercitu), deren 
man sich in älterer Zeit ausschliesslich bedient zu haben scheint ; als zweite 
und dritte nennt er die schräge Schlachtordnung (obliqua), bei der 
das Heer in einen Offensiv- und einen Defensiv-Flügel zerfällt; die vierte 
und fünfte Form ist die „sinuata acies"***), bei welcher beide Flügel 

*) Die Benutzung von Cato's Buch erwähnt Vegetius oftmals. (1, a 13. 15.) 
**) Dass Vegetius an dieser Stelle den Cato benutzt hat, beweist ein erhaltenes 
Fragment des Letzteren, das sich bei Vegetius wörtlich wiederfindet. 

•**) Der Ausdruck selbst findet »ich bei V e g o t i u s nicht, doch bei S e n e c a „de vit. beat/ 
4. VcrgL auch Liv. 28. 14. („Sinuatus" heisst bogenförmig.) 



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— 231 - 



den Angriff machen, während die Mitte durch leichte Truppen maskirt wird.*) 
Die sechste Schlachtordnung ist die „in similitudinem veru" (in Form 
eines Bratspiesses), welche bei dem aus dein Marsche heraus beginnenden 
Gefechte zur Anwendung kommt, indem das ganze Heer in Kolonne auf 
eine Flanke des Feindes geführt wird und dann, ihn überflügelnd, in einer 
Linie Front macht, die mit der feindlichen Aufstellung einen spitzen Winkel 
bildet. Als die siebente Stellung wird endlich die mit Flügelanlehnung 
im Terrain bezeichnet. — Auf seine Zeitgenossen dürfte das Buch „De re 
militari" nicht die von Oato gehoffte Wirkung ausgeübt haben ; es scheint 
bald vergessen worden zu sein. Daran trug offenbar der Umstand Schuld, 
dass ein die Anwendung der Manipularlegion lehrendes Werk veralten musste, 
sobald diese Legion selbst in umfassender Weise umgestaltet wurde. Das 
aber geschah nunmehr ; und wie jede grosse taktische Umwälzung beruht 
auch diese auf einer Aenderung der personellen Elemente des Heeres ; diese 
jedoch geht wieder (und auch das entspricht einem allgemein giltigen his- 
torischen Gesetze) aus einer Verschiebung der sozialpolitischen Grundlagen 
des gesammten Volksthums hervor. 

Im Ganzen und Grossen beruhte zu Anfang de« 2. Jhrhdts. v. Chr. die 
Heeresverfassung freilich immer noch auf der alten Basis, welche vor einem 
halben Jahrtausend in vorgeschichtlicher Zeit gelegt worden. Das Ent- 
scheidende war die allgemeine Wehrpflicht, wie solche zum ur- 
sprünglichen Wesen aller klassischen Staaten gehörte, von den Römern aber 
mit besonderer Umsicht organisirt, mit Strenge durchgeführt und zu einer 
Zeit beibehalten wurde, da die Griechen schon längst sich an Soldtruppen 
gewöhnt hatten. Indessen ungetrübt war die alte Verfassung nicht geblieben, 
und mit den überseeischen Kriegen hatte in den Provinzen die Zahl der Frei- 
willigen und der geworbenen Mannschaft in nicht geringem Masze zuge- 
nommen. Beliebte Anführer bewogen schon seit dem hannibalischen Kriege 
Haufen von Freiwilligen zum Fortdienen nach Ablaufe der Dienstpflicht, 
und diese Kapitulanten bildeten neben der Legion Cohorten von Prä- 
torianern und Veteranen. Sie waren der erste Anfang jener stehenden 
Heere, mit denen später die Bürgerkriege ausgefochten wurden und auf denen 
endlich das Kaiserthum beruhte. 

Der Schauplatz, auf dem diese Entwickelung sich ganz vorzugsweise 
vollzog, war Spanien. 

So lange Karthago bestand, herrschte in Rom stet« die Besorgnis, jener Staat werde 
sich noch einmal wie unter Hannibal erheben, und dies war wol der Hauptgrund gewesen, 
weshalb man sich entschloss, Spanien mit dem Aufgebote bedeutender Kräfte dauernd 
festzuhalten. Man theilte da« Land in zwei Militärdistrikte , deren Grenzen nach dem 
Innern zu schwankend waren und durch stete Eroberungszüge erweitert wurden. Schwierig 
ward der Krieg zumal durch die bedeutende Entfernung von ItaUen und durch die Ab- 
neigung der Römer gegen jede Seefahrt. Man liess die Truppen gewöhnlich bis Pisa 



*) 80 nahm Scipio im Jahre 206 bei Ilipa gegen Hasdruhal Stellung, indem er die 
spanischen Auxiliares in's Centrum nahm. 



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- 232 - 



marschiren und fuhr dann immer der Küste entlang bis Einporiii, setzte hier wieder :in*R 
Land, um zu Fuss weiter zu marschiren büi Karthagena oder Gaden. Auf diesem Wege 
war die Entfernung von Rom bia Gades ungefähr sechsmal so gross alB die von Brun- 
dusium nach Tessalonika in Makedonien, und dergleichen will bei grossen Truppentrans- 
porten doch selir bedacht sein. Welche Wirkung musste es aber bei einer Beamten- und 
Heeresorganisation haben, die auf jährlichen Wechsel berechnet war!? Da sich die räum- 
lichen Verhältnisse nicht ändern Hessen, musste sich die Organisation ändern. Der 
Bestand der Legionen musste verlängert, die Zahl der Freiwilligen, der Hilfstruppen und 
endlich der Söldner in ausserordentlichem Umfange vermehrt werden. Das beste Mittel, 
den Mangel eines stehenden Heeres zu ersetzen , wäre die Kolonisation Spaniens durch 
Italiker gewesen; hatte doch die Republik das eroberte Italien durch die römischen und 
latinischen Kolonien in fester Hand gehalten und sich bald assimiUrt Scipio Afrikanus 
hatte auch den Anfang dazu gemacht; aber die Sache war ohne Fortgang geblieben; man 
sah sich von Jahr zu Jahr auf Rekiutirung angewiesen, so weit die einheimischen Hilfs- 
truppen und Söldner nicht reichen wollten. Der spanische Dienst ward jedoch von der 
römischen Bürgerwehr und den italienischen Bauern sehr gescheut. In Spanien konnte 
man nicht wie im Osten leichte Siege und grosse Beute mit wenig Blut erfechten; der 
Kampf war hart, der Ertrag gering. Daher Hess man den Krieg absichtlich in ein organi- 
sirtes Rauben ausarten, bei welchem Führer und Mannschaft aufs Aeusaerste verwilderten. 
Nur die Kriegführung der Abkömmlinge der Spanier selbst in Mexiko und Peru ist viel- 
leicht noch widerwärtiger gewesen. Und die nackte Gewaltthat, die Treulosigkeit und der 
Blutdurst, welchen die Römer in Spanien, die Spanier in Amerika entwickelten, wären 
kaum erklärlich, wenn man nicht annehmen dürfte, dass jene wie diese die Eingeborenen 
als eine Rasse betrachteten, der gegenüber die sonst giltigen Gesetze der Treue und 
Menschlichkeit gar keine Bedeutung hätten.*) — Parallel mit den Kriegen in Makedonien 
und Griechenland, in Syrien, Afrika und Spanien, also durch siebenzig Jahre, läuft eine 
fast ununterbrochene Reihe wcchaclvollcr Kämpfe mit den italienischen Gallien» und 
Liguriern, welche in hohem Masse denjenigen gleichen, die von den barbarischen Stämmen 
Spauiens mit so grosser Ausdauer und Hartnäckigkeit geführt wurden. Erst um 140 v. 
Chr. erloschen die Kämpfe mit den Liguriern. Erst i. J. 133 war mit der Zerstörung 
Numantias der Widerstand Spaniens cndgiltig gebrochen. 

Bis zum Aufange des zweiten Jahrhunderts hatte in den Städten Italiens 
eine gewisse soziale Harmonie bestanden. Neben der an Ehre, Gütern 
und Macht reichen Aristokratie lebte ein zahlreicher bäuerlicher Mittelstand, 
und mit Hilfe der systematisch betriebenen Anlegung von militärischen 
Kolonien konnte auch die ärmere Bevölkerung ausreichend versorgt werden. 
Seit Italien jedoch vollständig unterworfen war, hörten die Kolonisationen 
auf. Zwar gab es ausgedehnte Staatsdomänen, die wol ferner noch Mittel 
zur Ansiedelung des Proletariats gewähren konnten; solche aber befanden 
sich ausnahmslos im Pachtbesitze der Aristokratie, und diese begann immer 
entschiedener, den Staat für ihre Privatzwecke egoistisch auszubeuten. Die 
gracchischen Unruhen steigerten die Begehrlichkeit der Nichtbesitzenden, und 
während die wohlhabendsten Klassen, vor Allem die Reiterei, sich von der 
persönlichen Wehrleistung zurückzogen, wuchsen von unten her das Drängen 
nach Gleichberechtigung mit den Vollbürgern und das hungrige Verlangen 
der darbenden Müssen nach Beute und Sold. Besonders wirkte auf das 
Proletariat die Aussicht auf Grundbesitz, welche ihnen der Kriegsdienst 
nach Ablauf ihrer Pflichtzeit eröffnete und durch welche wenigstens die 



*) Mommsen: Römische Geschichte. 




— 233 



Soldaten eines Theiles der von den Graechen angestrebten Güter theil- 
haftig werden mochten. Die Aermeren begannen also, im Heerdienste 
eine Erwerbsquelle zu erbheken; massenhaft stellten sie Freiwillige zu 
räuberischen Feldzügen, um so mehr, als die Feldherren und Hauptleute, 
welche auch ihrerseits ehrgeizige und Selbstsüchte Zwecke in's Auge fassten, 
nicht mehr im Stande waren, die alte stolze Kriegszucht aufrecht zu er- 
halten, sondern bereitwillig Raub und Plünderung gestatteten. Die Gunst 
und Käuflichkeit Derer, welche mit der Aushebung beauftragt waren, ver- 
mochte aber die Abneigung der Besitzenden gegen den Waffendienst um 
so leichter zu unterstützen, je mehr Freiwillige zu den Fahnen strömten, 
und sie handhabten denn auch die Listen der wehrpflichtigen Mannschaft 
mit der grössten Willkür. So wandelte sich das freie Waffenrecht der 
Bürger allmälig um, und so konnte es geschehen, dass zuletzt ein Bauern- 
sohn wie Marius, in dessen gewaltiger Persönlichkeit sich die ganze 
Macht des demokratischen Geistes zusammenfasste , mit einem Schlage die 
hohlgewordene Form der servianischen Kriegsverfassung über den Haufen 
warf, das Waffenrecht von allen Schranken befreite und während seines 
Consulats im Jahre 107 v. Chr. an die Stelle des bürgerlichen Aufgebotes 
das System der Werbung setzte. Das misbräuchlich eingerissene 
Prinzip zur äussersten Konsequenz treibend, hob er vorzugsweise Frei- 
willige und zwar aus den Aermsten, ja sogar — was bisher noch nicht 
dagewesen war — aus den „capite censi" aus. *) Auf diese folgten bald Li- 
bertinen und Sklaven.**) Die Zulässigkeit, innerhalb des dienstpflichtigen 
Alters überhaupt nur der gesetzlichen Anzahl von Feldzügen beiwohnen zu 
dürfen, gleichviel mit welchen Unterbrechungen, hörte nunmehr ganz auf. 
Sämmthche Mannschaften hatten nach dem Eintritt in das Heer, insofern 
sie nicht in Folge eines Friedensschlusses entlassen wurden, ihre ganze ge- 
setzliche Dienstzeit von 20 Jahren ununterbrochen bei der Fahne zu 
bleiben.***) Das musste und sollte ein stehendes Heer werden, ein solches, 
das auch in der Heimath, wenn es die Waffen niedergelegt hatte, dem Rufe 
des Feldherrn gewärtig blieb. 

Ein entschlossenes Nivellirungssystem verwischte die altherge- 
brachte Stufenfolge der Velites, Hastati, Principes und Triarii ; die Veliten, 
welche man zuletzt im Jugurthinischen Kriege erwähnt findet, wurden gänz- 
lich beseitigt; den Triariern ward das Pilum gegeben und damit der letzte 
Rest der urrömischen Bewaffnung, der Handspiess, vertilgt. Die römische 
Ritterschaft wurde als Kavallerie vollständig aufgehoben: die römischen 
Soldaten sollten als eine konforme , schwergerüstete Infanterie einander in 
jeder Hinsicht gleich sein. Nur die alten Namen der Hastati, Principes 

*) Sali. : Jug. 86 vom Jahre 647—107: Ispe interea milites scribere non more maiorum 
neque ex chumbus sed uti cuiusque lubido erat, capite censos plerosque. — Vergl. auch 
Plut.: Mar. 9. 

**) Letzteres allerdings wol erst in den Bürgerkriegen. 
***) Appian.: B. C. 5. 128. 129. — Daher bezog sich nun das sacramentum nicht mehr 
auf den einzelnen Feldzug, sondern auf die ganze Dienstzeit. 




- 234 — 



und Triarier blieben bestehn , wesentlich wol als Mittel, den Ehrgeiz der 
Centurionen zu spornen, durcli die 60 Stellen vom „decimus hastatus 
posterior" zum „primipilus" emporsteigen. Die einzige, gewissermassen exklu- 
sive Truppe, welche Marius bestehen Hess und weiter bildete, ist die cohors 
praetoria, d. h. die aus besonders zuverlässigen und erfahrenen Kriegern 
gebildete starke Leibwache des Feldherrn, welche als Eliteabtheilung für 
Kriegszwecke von besonderer Wichtigkeit verwendet wurde und erhöhten, 
oft sechsfachen Sold bezog. Sie setzte sich theils aus „evocati", d. h. 
Kapitulanten zusammen, (und das waren bei 20j ähriger Dienstzeit natürlich 
alles Veteranen), theils aus jungen Leuten vornehmer Familien, welche in 
dieser ausgezeichneten Abtheilung ihre Kriegschule machten. Die Stärke 
einer Cohors praetoria war willkürlich ; sie wechselt von 600 bis 2000 Mann ; 
ihre Ausrüstung aber ist dieselbe wie die der Legion. 

Der Bedarf an leichtem Fussvolke, welches durch die seit den 
panischen Kriegen wieder mehr hervorgetretene Wichtigkeit von Bogen 
und Schleuder eine so gesteigerte Bedeutung erhalten hatte, dass sogar Cato 
den Bogen empfahl, wurde nun durch Auxiliartruppen gedeckt, die 
theils in regebrecht ausgehobenen Kontingenten unterworfener Staaten, theils 
in geworbenen Söldnerschaaren nicht unterthäuiger barbarischer Völker be- 
standen. Diese letzteren wurden gewöhnlich in ihrer nationalen Bewaffnung 
und Kampfesweise verwendet, an das römische Heer wie an einen festen 
Kern angeschlossen und zu einheitlicher Wirksamkeit mit der Legion er- 
zogen. Es waren insbesondere balearische und achaiische Schleuderer, 
kretensische Bogner, behende Ligurer und numidische Speerschützen, welche 
Ruf in den römischen Heeren hatten. Viele der geworbenen Auxiliartruppen 
brauchte man übrigens mehr, um Massen zu zeigen, als zum wirklichen 
Kampfe. Der Werth all' dieser Hilfsvölker hing wesentlich von der Dauer 
ab, welche ihrer Ausbildung zugewendet werden konnte. — Die Zahl der 
Auxiliarinfanterie, die einem Heere zugewiesen wurde, steht in keinem fest- 
bestimmten Verhältnisse zur Zahl der Legionen; eingetheilt wurde die 
Masse derselben wie die der Socii in „cohortes alariae". 

Ebenso wie an die Stelle der Veliten traten auch an die der Ritter 
Auxiliarvölker. Mit Ausnahme der in der persönlichen Umgebung der 
Truppenbefehlshaber zu Pferde dienenden jungen Römer, verschwinden die 
Bürger ganz aus den Reihen der Berittenen, und diese füllen sich mit 
schwergeriisteten Thrakern, Spaniern, Numidiem, Germanen, welche in 
Regimenter (Alen) von 300 - 400 Mann und diese wieder in Türmen und 
Dekurieu gegliedert wurden. 

Ein römisches Heer hat also jetzt nicht nur zufällig, sondern organi- 
sationsmässig eine mindestens ebenso mannigfaltige Zusammensetzung wie 
etwa die Armee Alexander's des Grossen. — Ihren Halt und ihren Zu- 
sammenhang fanden aber die bunten Haufen lediglich in der Legion, ihre 
einheitliche Wirksamkeit nur im Befehl des römischen Feldherrn. An 
Sprache und Sitte unter einander wie von den Römern verschieden, konnten 
sie nur helfen und mitthun, nicht selbständig handeln. Die römische Legion 



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— 235 



aber versah zugleich die Stelle der makedonischen Hopliten-Phalanx und 
die der makedonischen Ritterschaft; das beisst: sie war sowol Grundlage 
und Stütze de» Kampfes als Träger des ausschlaggebenden Angriffsstosses. 

Für diesen Zweck gab ihr nun Marius eine neue taktische For- 
mation, die ihre Vollendung in den Kriegen mit den Kimbern und 
Teutonen empfing 

Diese wilden, kampfesfreudigen Germanen drangen nämlich meist gleich 
zu Beginne der Schlacht mit wüthendem Ungestüm durch die Intervalle der 
Manipularstellung bis in das Herz der Legion und nahmen dadurch den 
römischen Feldherren jede Möglichkeit, von den Vortheilen ihrer auf nach- 
haltigen Kampf berechneten Treffenstellung Gebrauch zu machen. Etwas 
Aehnliche8 hatte sich einst vor 200 Jahren gezeigt, als man zum ersten- 
male der hellenischen Phalanx in den Heeren des Pyrrhos gegenüber- 
getreten war. Damals hatte man das Heilmittel darin gesucht und gefunden, 
dass man die Manipel der beiden ersten Treffen, die der Hastaten und der 
Prinzipes, von 60 auf 100 Mann verstärkte und den Kompagniekolonnen 
dadurch eine grössere Wucht und Widerstandskraft gab. Jetzt nun ent- 
schloss man sich, je drei auf gleiche Stärke gebrachte Manipel zu vereinigen 
und die so entstandene, der Bataillonscolonne angenäherte Form als taktische 
Einheit, als Grundlage der Schlachtordnung anzunehmen. Diese neue tak- 
tische Einheit, nach der nun auch die Stärke der Heere angegeben zu werden 
pllegt, wurde „cohors" genannt. 

Die Erfahrungen gegenüber den Germanen waren übrigens gewiss nicht 
der einzige Grund für die Annahme der Cohortenformation : ein nicht minder 
starker Impuls lag unzweifelhaft in der Verschlechterung des Er- 
satzes. Die Fechtweise der Manipularlegion hatte grosse Selbständig- 
keit und Tüchtigkeit des einzelnen Mannes vorausgesetzt, und darauf war 
jetzt weniger zu rechnen als ehedem. Die Zusammenfassung der Manipel 
zur Cohorte mahnt in dieser Beziehung an die Kolonnenmassirungen zur 
Zeit der ersten französischen Revolution, welche ähnlichen Rücksichten 
entsprangen. 

Begriff und Ausdruck „cohors" waren althergebracht (vergl. S. 216, 
224); neu ist nur die reglementsmässige taktische Eintheilung der Legion 
in Cohorten, wobei übrigens der Manipel nach wie vor Unterabtheilung 
bleibt. — Die Legion zerfiel nun in 10 Cohorten, 30 Manipel, 60 Cen- 
turien oder Ordines. Bei einer Legions-Stärke von 6000 Mann — und dies 
ist die Regel*) — zählte eine Cohorte also 600 Mann und darf somit als 
Bataillon bezeichnet werden. In der Cohorte standen die Manipel nicht 
mehr wie bisher hinter-, sondern nebeneinander, und zwar nach dem 
Range der Centurionen und der Mannschaft vom rechten zum linken Flügel : 



*) FcMi ep. p. 336; Lange p. 18. — Die 6 Legionen des Lucullus berechnet Appian 
(B. Mithr. 72) auf :50,000 Mann; Cicero hatte in Kilikien 12,000 Mann in 2 Legionen (Cic. 
ad Ätt. 5, 15; Plut: Cic. 86.) 



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Pihinen, Prinnpea und Hastaten. Wenigstens erscheint diese Anordnung 
als die wahrscheinlichste unter verschiedenen Conjecturen. *) 

Die Starke der Cohorte ist bei dreimal 20 Rotten in 10 Gliedern 600 
Mann. Der V rontrau in von 3 Fuss genügt, um in schnellem Laufe vor- 
zurücken und das Pilum zu schleudern, wenn man annimni t, das« unter ge- 
wöhnlichen Umständen dieser Akt nur von 2 Gliedern zugleich vollzogen 
ward. Für den Gebrauch des Schwertes genügt ein Frontraum von 3 Fuss 
aber nicht; Polybios fordert 6 Fuss. Dies würde jedoch eine allzu lockere 
Aufstellung ergeben haben. War solch ein Spielraum wirklich nöthig, so 
konnte er nur dadurch gewonnen werden, dass die ungeraden Nummern des 
ersten Gliedes einige Schritte vorsprangen und die geraden Nummern ihnen 
als Sekundanten folgten. Das scheint in der That das normale Verfahren 
gewesen zu sein. — Auf die Cohortenfront wird man demnach unter An- 
nahme von 4' Manipelintervall 186' rechnen dürfen. »- Die reglements- 
mässige Rottentiefe war. wie erwähnt, noch immer 10 Mann, welche 
zusammen eine Zeltkameradschaft bildeten. Der Gliederabstand dürfte 
4 Fuss gewesen sein, die Tiefe der Cohorte also 40 Fuss. 

Anfangs scheint Marius die Legion nur in einem Treffen aufge- 
stellt zu haben, später in zweien, aber eng massirt und ohne auf die 
frühere Anordnung Rücksicht zu nehmen, welche das zweite Treffen auf die 
Intervalle des ersten disponirte. [IV]. Auch hier will er nicht durch or- 
ganisches Zusammenwirken, sondern mit der Masse als solcher den Effekt 
hervorbringen. - Legionen, welche schwächer als 6000 Mann waren, scheint 
man doch in der Front so lange nicht verkürzt zu haben, als man nicht 
genöthigt war, die Tiefe bis auf weniger als 8 Manu zu reduziren. 

Seit die Legionen Gefechtseinheiten des römischen Fuszvolkes waren, 
bedurften sie auch eigener Feldzeichen. Diesen neuen Signen gegen- 
über konnten Bich die gegenstandslos gewordenen alten Feldzeichen der 
früheren Legionstheile : Wolf, Stier, Ross und Eber, nicht halten ; sie ver- 
schwanden. Dagegen führte Marius nun als allgemeines „signum le- 
gi onis" den Adler ein und erhob ihn zum heiligen Symbol der ganzen 
Truppe , das als „nnmen legionis" geradezu religiöse Verehrung genoss und 
im Lager in einer eigenen Kapelle aufbewahrt wurde , die sogar Asyl- 
recht hatte.**) Diese Einführung eines Legionsabzeichens ist in dem 
Augenblicke, da die Legion zum erstenmale ganz gleich gerüstet war und 
sich demnach auch zum erstenmale als völlig einheitliche Truppe empfinden 
konnte, eine durchaus folgerichtige Massregel. — Erst jetzt war es auch 

♦ l Bestimmte Nachrichten fehlen hierüber nämlich und man ist auf Vermuthungen 
angewiesen, die natürlich verschieden ausgefallen sind. Wir folgen hier der Ansicht des 
Obersten Rüstow, deren näherer Begründung in seinem Werke „Heerwesen und Krieg- 
führung J. Cäsar's" S. 36 ff. nachzugehen ist. 

**) Habel: lieber die Feldzeichen des röm. Heeres. (Annalen d. Ver. f. nassau. Alter- 
thumskunde II. Wiesbaden 1867.) — Bernd: Das Wappenwesen der Griechen und Börner. 
Bonn 1841. — Linde nschmit: Alterthümer. 1. Hfl. 7. Taf. 5, wo eine Silberplatte mit 
der Inschrift „Coh. V" abgebildet ist. 



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- 237 — 



möglich, eine für die gesammte Mannschaft gleichartige Soldaten schule 
einzuführen: nämlich das von Publius Rutilius Rufus entworfene Exerzier- 
reglement, welches die militärische Ausbildung des einzelnen Mannes be- 
trächtlich steigerte und sich wesentlich anlehnte an die in den damaligen 
Fechterschulen übliche Ausbildung der Gladiatoren. 

Dies ist die L e g i o n d e s M a r i u s. Hervorgegangen ist diese neue 
Erscheinung wahrscheinlich mehr aus militärischen als aus politischen Mo- 
tiven ; aber nichts desto weniger ist sie zugleich das Erzeugnis und die Ur- 
sache gewaltiger politischer Revolutionen. — Seit Rom durch seine Wafifen- 
thaten zu einem grossen Reiche geworden war, vermochten die aus der 
ökonomischen Arbeit hervorgegangenen Elemente nicht mehr, die ungeheuere 
Kriegsarbeit zu leisten , welche schon die Grenzhut allein in Anspruch 
nahm. Denn die allgemeine Wehrpflicht der alten Zeit galt ja keineswegs 
für alle Männer, die im Lande lebten, sondern nur für die Bürger, d. h. 
nur für die Grundbesitzenden, welche Antheil nahmen am Staate und dessen 
Regierung. Hatte der Bürgerstaat Rom mit Hilfe des Krieges der Welt 
Gesetze vorgeschrieben , so zwang nun der Krieg selbst den Römern neue 
Lebensnormen auf, nämlich die Verallgemeinerung des Kriegsdienstes über 
den Kreis der Bürger hinaus, und zwar nicht als Wehrpflicht, sondern als 
Söldnerei. Es ist kaum zu verkennen, dass die Einführung des inländischen 
Werbesystems durch Marius den Staat militärisch vom Untergange gerettet 
hat; gewiss aber ist, dass die marianische Art der Heeresergänzung die Mo- 
narchie herbeiführen musste. — Die Zusammensetzung des Heeres, die un- 
aufhörlichen Kriege gegen das Ausland verlangten die Militärherrschaft 
als einzige Möglichkeit, die nothwendigc kriegerische Einheit zusammen- 
fassen und entfalten zu können. Und auf dem Grunde dieser Notwendig- 
keit erhob sich Cäsar' s Prinzipat. 

3. Das Heer Cäsar's. 

Rösch: Commentar «her die Commentarien des Cäsar. Halle. 1783. 
Rüstow: Heerwesen und Kriegführung Cäsar's. Gotha lH5ß. 

v. Göler: Die Kämpfe hei Dyrrhachium nnd Pharsalus. 48 v. Chr. Carlsruho 1864. 
„ TrefTen hei Ruspina nelmt Beleuchtung einiger Stellen in Rüstnw's Heerwesen 

und Kriegführung Cäsar's. Carlsruhe 1*55. 
Köchly und Rüstow: Einleitung zu Cäsar's Commentarien über den gallischen Krieg. 

Gotha 1857. 

v. Göler: Cäsar's gallischer Krieg. 58 -53 v. Chr. Stuttg. 1858. 

„ Bürgerkrieg /.wischen Cäsar und Pompejus. Heidelbg. 1861. 
Eichheim: Cäsar's Feldzüge gegen die germanischen Belgier. Neuburg a. I). 1864. 
Napoleon III.: Histoire de Jules Cesar. Paris 1865.68. Deutach Wien IHfiH. 
Delorme: Cäsar und seine Zeitgenossen. A. d. Frzs. Lpzg. 1873 
Mommsen: Das Militärsystem Cäsar's. (Histor. Ztschrft. N. F. II. B. S. 1.) 
Schiumherger: Caesar und Ariovist. Colmar 1877. 

Die Cohortenlegion des Marius ward auch das Werkzeug des grossen 
Cäsar.*) Allerdings hatte die Stärke der Logionen sich während 

•) Vergl. für das Folgende besonders Rüstow 's Heerwesen und Kriegführung Cäsar's. 



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— 238 — 



der Bürgerkriege sehr vermindert ; denn so lange sie nicht allzuschwach wurden, 
hatte man immer vorgezogen, neue Legionen zu errichten, anstatt die alten 
zu completiren. In Folge dessen ist der Durchschnittstand der cä&arischen 
Legionen statt 6000 nur »och 3600 Mann. *) Die neuen Legionen (legiones 
tironum) wurden übrigens, selbst nach mehren Feldzügen, scharf von den 
alten (legiones veteranae) unterschieden ; sie wurden zunächst behufs besserer 
Ausbildung möglichst im Besatzungsdienste gebraucht und jedenfalls nur 
ungern in erster Linie gegen den Feind verwendet. **) Eigentümlich und 
für die Folgezeit vorbedeutend erscheint es, dass die erste Cohorte der Legion 
oft stärker, vielleicht doppelt so stark war, als die übrigen, eine Verstärkung, 
die nicht durch Vermehrung der Centurien, sondern dadurch geschah, dass 
jede Centurie auf eine grössere Zahl gebracht wurde. ***) 

Die mnrianische Einrichtung, das leichte Fussvolk lediglich aus Auxi- 
tiartruppen zusammenzusetzen, bewährte sich nicht in dem gehofften Masse. 
Die Auxiliaren waren gewöhnlich nur zum Fernkampfe zu bringen, und 
doch galt es oftmals, mit leichten Truppen nicht nur das Gefecht einzu- 
leiten, sondern auch ein bestimmtes Terrainobjekt festzuhalten, wobei der 
Nahkampf nicht gescheut werden durfte; kurz man bedurfte einer „Waffe 
für Handstreiche", und Cäsar schuf sich dieselbe durch eine Auswahl aus 
den Legionaren. Es scheint, dass jeder Manipel ein Contubernium . eine 
Zeltgenossenschaft von 10 Mann, für diesen Zweck stellte, die Gesammtheit 
der Legion also 300 Mann. j) Diese Leute, deren Trutzwaffen dieselben 
waren wie die der Legionare, während die Schutzrüstung etwas leichter 
gewesen sein dürfte, empfangen nun in neuer Bedeutung die Bezeichnung 
„antesignani", weil sie bestimmt waren, ebenso wie die früheren Veliten. 
vor der Front, also „ante signa u , zu fechten: sei es als Avantgarde, sei es 
als Detachement, sei es als Unterstützung der Reiterei. Indes konnten die 
Antesignanen auch in die Cohorten eintreten, und administrativ blieben sie 
ihren Manipeln stets zugetheilt. 77) Auf dem Marsche waren sie jederzeit 
„expcditi". d. h. in Gefechtsbereitschaft, und deshalb trugen sie ihr Gepäck 
nicht selbst. 

Die Hauptmasse der Reiterei Cäsar's während der gallischen Kriege 
bildeten gallische Aufgebote, deren Gesammtheit sich meist auf 4000 
Pferde belief. 777) Weil diese Aufgebote aber jährlich zu derselben Zeit, 
da das Fussvolk Winterquartiere bezog, auseinandergingen, so hielt Cäsar 

*) Caes.: B. Q. 5, 49; 3, 89. *♦) Ebd. 8, 8. 

***) Caesar: B. Civ. 3, 91: Erat Crastinus evocatus in exercitu Caesari«, qui superiore 
anno apud eum primum pilum in legionc X duxerat. — Hic signo dato, „Sequimini mc. 

inquit, manipulares mei qui fuistis." Haec cum dixisset, primus ex dextro cornu 

procueurrit, atque eum clecti tniliten circitcr CXX voluntarii eiusdem centuriae sunt prnse- 
cuti." Eine Centurie konnte höchstens 100 Hann haben, und zwar in der Legion von 6000 
IL .So stark aber waren die Legionen Cäsar's nicht, und man sieht, daas diese Ceuturie 
ungewöhnlich stark war. (Marquardt: Köm. Staatsverwaltung II. S. 585.) 

f) B. Afr. 75, 78. Das Detachement hatte also die ungefähre Stärke einer Cohorte. 

|t) B. Civ. 3, 75. 8». tü) B. Gall. 1, 15: 5, 5. 



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neben ihnen noch einen festen geworbenen Kern von Germanen, Galliern 
oder Spaniern.*) 

Die oberste Heeresleitung und der Arnieestab besteht aus dem 
Feldherrn, den Legaten, dem Quästor, dem Generalstab und der Adju- 
tantur. Zum Hauptquartier gehören ausserdem Gardetruppen und Arbeits- 
truppen. 

Die Legaten sind Männer senatorischen Ranges, welche den Pro- 
consuln vom Senate als Generallieutenants beigegeben werden.**) Früher 
waren sie nur bei Detachirungen zu selbständigen Kommandos verwendet 
worden ; Cäsar zuerst ertheilte, auch wenn das Heer beisammen war. jedem 
Legaten den ständigen Befehl über eine Legion.***) Reichte dazu die 
Zahl der Legaten nicht aus, so konnte auch der Quästor mit einem ent- 
sprechenden Kommando betraut werden. Der Befehl des Feldberrn blieb 
für die Legaten Richtschnur des Handelns, so lange irgend welcbe Möglich- 
keit bestand, ibm zu folgen. Ihre Siege wie ibre Niederlagen kamen mit 
allen Folgen stets auf Rechnung des Feldherrn. — Der Quästor fungirte 
als Generalintendant. 4") Er war zugleich Chef des Finanzdepartements der 
Provinz, welcher der Proconsul vorstand. Selbstverständlich gebot er 
Uber ein grosses Unterpersonal und unterhielt ausgebreitete Verbindungen 
mit Lieferanten und Geldmännern. — Die fähigsten der jungen Herren, welche 
als Gefolge des Feldherm (contubernales , comites praetorii) als Freiwillige 
(voluntarii) in der „cohors praetoria" dienten , wurden für die Zwecke des 
Generalstabs und der Adjutantur verwendet; im Uebrigen focht auch diese 
Cohorte, wenn sie zahlreich genug war, in Reihe und Glied. ff) Der Kern 
der Leibwache aber bestand aus den Veteranen, den „evocati u .fff ) 

Bei der geringen Stärke der cäsarischen Legionen können ihre 
Coli orten nicht mehr Bataillonen, sondern nur noch starken 'Kompagnien 
verglichen werden. Sie haben eine mittlere Stärke von 360 Mann [S80. 4]. 
In der Gefechtsstellung bilden sie Rechtecke von 120' Front und 40 Tiefe. *f) 
Sie erscheinen als die eigentliche Gefechtseinheit der cäsarischen Legion ; 
nicht selten wird die Stärke der Truppen und deren Aufstellung im Grossen 
nach Cohorten angegeben.* ff ) — Die Cohorten zerfallen in 3 gleiche 
Theile, die Manipel [20. : $J. welche nach dem Range ihrer Oenturionen und 
ihrer Mannschaft vom rechten zum linken Flügel in der Front geordnet 
waren, so dass also den rechten Flügel der Cohorte die Pilanen, das Centrum 
die Principes. den linken Flügel die Hastaten einnahmen. *f f f ) Jeder Manipel 

•) B. Gall. 5, 46; 7, 13; 6, 26; 7. 56. •*) Marquar.lt I S. 386 u. II S. 891. 
***) B. Gall. I, 52; cir. 2, 20. f) Marquardt I S. 388 u. II 8. 391. 
ft) B. Civ. 3, 91. ttf Eb<1 - b 85. 

*f) B. Civ. t, 13. 16. 64. »1. Das Masz von 120' ist nach dem Hyginus Norm fdr die 
Front der Kohorte im Lager. 

•f+) B. Civ. 3, 83. B. Oall. 8. IB. B. Afr. 11. - B. Gatt. R, 1R. 35; 8, 3<i. B. Civ. 2, 
41. B. Afr. 17. 18. 
*ttf ' Vergl. oben S. 236. 



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bestand nun wieder aus 2 Zügen (centuriae, ordines), welche vermuthlich 
hinter einander standen. *) 

Die Aufstellung der Legion in einem Treffen, von der schon 
Marius wieder zurückgekommen war. ist unter Cäsar überaus selten. Als 
normale Gefechtsordnung erscheint vielmehr wieder die in 3 Treffen (acies 
t r i p 1 e x). Wenn der Raum es irgend gestattet, hleiben zwischen den Cohorten 
ein und desselben Treffens Intervalle**), die ungefähr der Breite der Co- 
hortenfront entsprachen, und die Gesammtauordnung war, wie die der Mani- 
pularlegion der „quincunx". 

Bei der Aufstellung in 2 Treffen (acies duplex) ist die Zahl der 
Cohorten in beiden Treffen fünf. In der Dreitreffenstellung schwächt man 
— da 10 durch 3 nicht theilbar ist — lieber die beiden hinteren Treffen 
als das erste und gibt daher diesem meist 4, jenen nur je 3 Cohorten [19, V ; 
><>- 8J. Die Tiefe der Aufstellung in 3 Treffen betrug ungefähr 600'***). 
der Treffenabstand demnach 250'.f) Die Front der Legion in 3 Treffen 
hatte eine Ausdehnung von 840'; es kommen also auf jeden Schritt der 
Front, je nach dem augenblicklichen Stande der Cohortenstärke. 7 bis 9 Mann, 
so dass die Aufstellung als sehr concentrirt und zum Durchbruch geeignet 

Die angreifende Legion bleibt bis auf 240 Schritt gegen einen 
vorrückenden, bis auf 120 Schritt gegen einen stehenden Feind in ruhigem 
Gleichschritt (certo gradu) •}-■{-) ; auf diese Entfernung aber geht sie in den 
Sturmschritt (cursus) über f-f"{-) , die Schwerter in der Scheide, die ersten 
Glieder die Pilen wurfbereit erhoben in der rechten Faust (infestis pilis). *f) 
Auf 10 bis 15 Schritt erfolgt die Pilensalve. bringt Verwirrung in den 
Feind, reisst zahlreiche und furchtbare Wunden, beschwert die getroffenen 
Schilde und' zwingt, sie fortzuwerfen, da die gebogene Eisenspitze nur 
schwer zu entfernen ist. — Nicht selten wird aber auch der rechte Augen- 
blick zur Pilensalve (emissio pilorum) verpasst, namentlich wenn der Feind 
schnell anrückt *ff), und dann bleibt den ersten Gliedern nichts übrig, als 
die Wurfwaffe fallen zu lassen und sofort das Schwert zu ziehn. Nach der 
Pilensalve geschieht das unbedingt sogleich, und die ersten Glieder brechen, 
indem sie die Verwirrung und die Lücken des Feindes benutzen, mit der 
blanken Waffe ein (impetus gladiorum).*f ff) Die ungeraden Nummern des 
1. Gliedes springen vor, um Raum zu gewinnen; die geraden Nummern und 
das 2. Glied Sekundiren ihrem Kampfe. — Nun entsteht auf der Front der 
Cohorte eine Reihe von Zweikämpfen, in denen es gilt, sich als tapfere und 
geschickte Fechter zu bewähren, in denen aber die Ordnung nicht bewahrt 
werden kann. Das 3. und 4., allenfalls noch das 5. Glied können sich an 
diesem Gefecht unterstützend betheiligen, indem sie über die Köpfe der 

*) Auf diese Anordnung deutet auch die Bezeichnung „prior" und „posterior" für die 
heiden Ccuturionen hin. Vergl. übrigens RüBtow a. a. 0. 8. 41 ff. 

B. «all. ö, 15. 33. ***) B. Civ. 1, 82. f) B. Gall. 1, 25. B. Civ. 1, 41. 83. 
ft) B. Gatt. 8, 9. t++) B. Civ. 3, 92. *t) Ebd. 3, 93. 

•ft) B. (lall. I, 52; oonf. 5. 44; «, 45. «ffi) Ebd. 1, 25. 52; 2, 23; 7, 88. B. Civ. 3, 46. 



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241 



Vorderlcute weg ihre Pilen in den Feind schleudern. Die 5 hinteren Glieder 
aber bilden den festen Stützpunkt, den geschlossenen Kern, um den sich 
die Einzelkämpfe gruppiren. Hinter ihm können sich die ermüdeten Vor- 
kämpfer wieder sammeln; er macht im Nothfalle einen geordneten Rückzug 
möglich. — Jede Cohorte kouute, wenn jedesmal nur 2 Glieder warfen, 
fünfmal attackiren; indes war ein solches Verfahren nur unter ganz beson- 
deren Umständen möglich. 

Grossen Vortheil gewährte es der Legion, wenn sie ihren Angriff von 
erhöhter Stellung aus beginnen konnte, womöglich auf einer gegen den 
Feind sanft abfallenden Böschung. Der Vorzug höherer Stellung (superioris 
loci)*) erlaubte mehren Gliedern, zugleich ihre Pila in den Feind zu 
werfen, ohne Gefahr, dass diejenigen der hinteren Glieder die eigenen 
Kameraden trafen. Auch flogen die Pila bei gleicher Kraft und gleichem 
Wurfwinkel von der Höhe her natürlich weiter als in der Ebene, und 
endlich befördert der Abhang den Lauf. Die stürmenden Soldaten kommen 
in Schuss; sie können kaum noch anhalten; sie müssen in den Feind. — 
Darum wird die erhöhte Stellung von allen Feldherren so sorgfältig auf- 
gesucht und darum galt ein kühner und erfolgreicher Angriff von Legions- 
fussvolk bergauf (ex loco inferiore) stets für eine ganz ungewöhnliche Wallen- 
thal.**) 

Wenn man beim Schleudern der Pilen die Entfernung nur um wenige 
Schritte geringer schätzte, als sie war, so fielen die Pila unschädlich vor 
der Front des Gegners nieder. Auf die grosse Wahrscheinlichkeit von 
Irrthümern im Entfernungsschätzen rechnete Pompejus in der pharsalischen 
Schlacht, als er seine Cohorten den Angriff der Cäsarianer stehenden Fusses 
erwarten liess, um durch dies Mittel die Wirkung der Salve zu schwächen ; 
denn die römischen Soldaten waren gewohnt, dass der Feind, namentlich 
ein römischer Feind, ihnen entgegenkam und durch den eigenen Anlauf die 
Entfernung verkürzte. ***) — Und in der That gab der Anlauf dem Soldaten 
unzweifelhaft einen kräftigeren Impuls und erhöhte die Kraft des Zusammen- 
stosses. f) Nur durfte er nicht aus zu grosser Entfernung begonnen 
werden ; denn dann kamen die Leute ohne Athem an den Feind und lösten 
unvermeidlich ihre Ordnung. 

Meist geschah der Anlauf eines Treffens von einem Flügel her staffel- 
weiseff). aber mit ganz geringen Abständen der einzelnen, von vier oder 
drei Cohorten gebildeten Staffeln. Das 2. Treffen folgt auf 200 Schritt und 
macht Halt, sobald das 1. im Gefecht steht, um von hier aus eventuell 
durch die Intervallen des ersten zur Ablösung vorzugehn. 

Zur Verteidigung hatte die Legion zwei Hauptaufstelluugen : die 
„acies simplex" in Einem Treffen und den „orbis", d. h. die Vertheidigungs- 
masse. 



*) B. Gall. 1. 22. 24. 25; 2, 8; 3, 4; 5, 9; fi, 40; 7. 51. B. Civ. 1. 4-"». «:». 79. 
*♦) B. Civ. 3, 48. ♦**) B. Chr. 3, 92. f) Urthefl Cäsar 1 «. Bbd. 
tt> H. (lall. 1, 52. B. ('. 3. Hl. It. Afr. 82. 

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Die Aufstellung in Einem Treffen wird zunächst bei Vertei- 
digung der Lagerwälle gebraucht, meist wol in 5 Gliedern: 1 bis 2 auf dem 
Walle selbst, 3 bis 4 geschützt an dessen Fusse zur Ablösung. Die andern 
5 Glieder können dann immer noch zu General- und Spezial-Reserven for- 
mirt werden. — Zuweilen aber wird die „acies simplex" auch im freien 
Felde angewendet, namentlich da, wo es darauf ankommt, UeberHügelungen 
zu vermeiden; sie wird ohne Intervalle aufgestellt, wenn es gilt, starker 
feindlicher Reiterei oder massenhaftem leichten Fussvolk gegenüber das 
Durchbrechen durch die Intervalle unmöglich zu machen.*) 

Die Vertheid ig ungsmasse wurde im Sinne unserer Quarrees 
gegen Angriffe von allen Seiten angewendet.**) Der „orbis" besteht je nach 
der kleineren oder grösseren Masse, die ihn bildet, entweder aus blossen 
Klumpen oder aus vollen oder hohlen Vierecken. Der Orbis der Legion 
ging unmittelbar aus der Angriffsstellung in 3 Treffen hervor und l>ot einen 
Binnenraum dar, welcher mehr als lOOOPackthiere aufnehmen konnte [20.D]. 
Das Gefecht des Orbis ist übrigens nicht als reine Defensive zu denken, 
sondern es fanden Ausfälle einzelner Cohorten statt. 

Die römische Gefechts-Taktik erscheint in alle dem sehr zweckmässig, 
kräftig und schön; sie beruht, namentlich für den Angriff, wesentlich auf 
der Tapferkeit des Einzelnen. Aber es darf dieser Taktik auch nicht an 
einem entsprechenden Gegenstände fehlen. Dünnen Pläuklerschwärmen 
gegenüber befindet sie sich durchaus nicht in ihrem Element. Zwar stehen 
der Legion die Antesignanen und die Auxiliarschützen zur Seite; aber 
eine harmonische Verbindung des Schützengefechtes mit dem der Linie 
und Kolonne erwies sich damals viel schwieriger als heutzutage, weil die 
Waffen der Schützen durchaus verschieden waren von denen der geschlossenen 
Abtheilungen und einen so ganz anderen Wirkungskreis hatten als diese. 

Die Marschor du ung der Co horte heisst „agmen"; sie ist entweder 
Reihenkolonnc oder Sectionskolnunc. — Die Reihenkol onne wird durch 
die einfache Wendung der Gefechtsstellung gebildet. Die Manipel folgen 
sich in ihr; sie ist also „manipulatim" angeordnet [20. •>]. Es ist die 
„Paragoge" der Griechen (vgl. S. 121, 2.) Da die Tiefe des Manipels in 
der (Jefechtsstellung 4(V ist, so ist dies aus die Marschbreite der Reihen- 
kolonne der Uohorte. — Die Sectio nskoloune wird aus der Gefechts- 
stellung durch den Abmarsch oder das Hintereinanderschieben der Züge 
(centuriatim oder ordinatim) gebildet.***) Soll z. P>. j£0. tt] links ab- 
inarschirt werden, so bleibt der Hastatentiügel stehn oder rückt geradeaus 
vor ; hinter ihn schiebt sich der Manipel der Principes und hinter diesen 
der der Pilanen. In der Sectionskolonne folgen also die Züge aufeinander. 
Diese „Centurienkolonne" entspricht der „Epagoge" der Hellenen (vergl. S. 
122.) Die Marschbreite ist, bei der quadratischen Natur des Manipels, 
ebenso wie die der Reihenkolonnc 40'. Damm war die obere Breite der 
Brücke, welche Cäsar über den Rhein schlug, 40 Fuss.f) — Bei schmalen 

♦) B. Afr. 13. ♦•) B. (HU. 4. 37; 5, 88. ***) B. Afr. 12. +) B. «all. 4. 17. 



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Strassen reducirte man die Breite durch Eindupliren der Glieder [ÜO. 7). 
Wenn man für jeden Mann auf der Strasse in der Marschrichtung 4' rechnet, 
so hrauchte eine Cohorte von 360 Mann in der Centurienkolonnc 120 Fuss 
T i e f e , in der Manipelkolonne 144 Fuss. — Die Schlachtordnung wird aus 
der Manipelkolonne durch „Halt! Front!" hergestellt, aus der Centurien- 
kolonne durch Aufmarsch rechts oder links. 

Die Marschordnung der Legion ist eine dreifache: in einfacher 
Kolonne, in Schlachtordnung oder im Viereck. 

In der einfachen Kolonne (agmen pilatum)*) reihen sich die Co- 
horten ihrer Nummerfolge nach an einander. Rechnet man einen Cohorten- 
ahstand von 20', so erhält das „agmen pilatum** 1400' Länge, falls die Co- 
li orten in der Centurienkolonne marsehiren, 2600', falls die Centurien- 
kolonnen die Glieder verdoppelt hahen. — Der Train einer Legion dürfte 
normal 520 Packthiere gezählt haben, die hei einer Marschhreite von 40' 
zu achten neben einander geordnet werden konnten. Dies ergieht für den 
ganzen Train 650' Marschtiefe. — Eine Legion, deren Cohorten in Centurien- 
kolonnen mit einfachen Gliedern marsch irten , nahm also auf der Strasse 
eine Länge von 2050' ein; marschierten die Cohorten mit doppelten Glie- 
dern, so brauchte die gesammte Legion 3900' Strassenlänge. 

Der Marsch in Schlachtordnung (acie instrueta) **) ist entweder 
nach Treffen oder nach Frontabtheilungen geordnet. Treffen weis ab- 
marschirt bildet die Legion also 3 oder 2 Kolonnen [580. 10J, deren einzelne 
Cohorten in Manipelkolonnen geordnet sind. Eine nach Front abthei- 
lu ngcu flügelweis abmarschirte Legion bildet drei Kolonnen, deren eine 
4 Cohorten des rechten Flügels herstellen, während die beiden anderen aus 
je 3 Cohorten des Centrums und des linken Flügels bestehen [20. 11]. 

Die Marschordnung im Viereck (agmen quadratum)***) entspricht 
der Vertheidigungsmasse (orbis), ohne doch identisch mit ihr zu sein. Eine 
Abtheilung in Schlachtordnung nach Frontabtheilungen eröffnet den Zug; 
dann folgt das Gepäck ; eine zweite Abtheilung in Frontabtheilungen schliesst. 
Zwei andere Abtheilungeu decken im Flankenmarsche (die Cohorten in 
Manipelkolonne) den Zwischenraum, in welchem der Train marschirt [HO Vi\ 

Halt machen heisst „consistere" *{•) ; eine Veränderung der Marschrich- 
tung wird ausgedrückt durch ..torquere agmen ad dexteram (ad sini8tram)-J"J-) ; 
die Schlachtordnung entwickeln heisst „aciem instrucref-j-f), cohortes dis- 
ponere*f)aciem dirigere *f f )" oder „legiones explicare'\*tff ) Für Front Verän- 
derungen im Gefecht wird der Ausdruck ..signa convertere" gebraucht. **-J-) 

Die kleinste taktische Einheit der Reiterei ist das Geschwader 
(turnia) von 32 Pferden in Reih und Glied, die meist in 4 Gliedern auf- 
gestellt waren und zwar die geraden Glieder auf die Intervalle der unge- 

*) Scrv. ad Acn. 12, 121. 

*•) Ii. «all. 4, 14; 8, 8. 9; conf. B. Civ. 1, 41. B. Gull. 1, 4». B. Afr. «7. 
**♦) B. Gall. 8, 9. |) B. G. 5, 15: 7, 47. 51. lt. C. 1, 79: 2, 2«. ft» B. Civ. 1. «9. 
+-H-) B. Gull. 1. 22. 24. *f) EImI. 5, W. *f+) Kl»«». K, K. B. Afr. 18, 59. 
»ftt> B Dir. 2, 2K. -f) B. Gall. I, 25: 9, SS; 6, 8. 

1«* 



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244 - 



rüden gerichtet [5M>. 14]. Rechnet man auf jedes Pferd 5' Front und 10* 
Tiefe, so sind Front und Tiefe denen eines Manipels gleich, 40 Fuss.*) 

Das Regimen t (ala) bildete wahrscheinlich 2 Treffen zu je 6 Türmen 
und hatte dann , falls die Intervalle den Turmenfronten gleich waren, 
440* Front.**) — Bei grossen Reitermassen in rangirten Schlachten for- 
niirtc man Regimentskolonnen von 3 Geschwadern Front und 4 Geschwadern 
Tiefe, die sich nach gelungener Attacke geschwaderweise (turmatim) aus- 
einander zogen, um die errungenen Vortheile zu verfolgen. So geschah es 
bei dem grossen Reiterangriffe desPompejus in der pharsalischen Schlacht. ***) 

Kavallerie, welche nur Wurfwaffen führte, focht natürlich niemals in 
solchen Massen. Stets aber behielt der Reiterbefehlshaber zu entscheiden- 
den Schlägen wie zur Verfolgung eine Reserve in der Hand.f) 

Eine organische V erbi n dung der W äffen, wie sie die hellenische 
Taktik unter Alexander d. Gr. entwickelt, hat die römische Taktik niemals er- 
reicht. Das Reitergefecht steht fast unabhängig neben dem der Legion, und dies 
Verhältnis nöthigt dazu, der Kavallerie leichtbewegliche Fusskäiupfer für 
ihr spezielles Gefecht zuzugesellen. Cäsar bediente sich für diesen Zweck 
mit grossem Vortheile bald germanischen Fussvolks und bald seiner Ante- 
signanen. -}"f) Diese Truppen wurden manipelweise in den entsprechend 
vergrüsserten Intervallen der Reitertreffen aufgestellt; sie fielon in ge- 
schlossenen Abtheilungen die nttackirende feindliche Reiterei an oder folg- 
ten dem Angriffe der eignen, drängten sich zwischen die Rotten des Feindes 
und bestrebten sich besonders, die Pferde niederzustechen.-j~|-}-) 

Die normale Marschordnung einerReiterala war diejenige mit 
aufeinander folgenden Türmen. Die Ala von 400 Pferden brauchte dann 
an und für sich eine Länge von 480' auf der Strasse; derTross verlängerte 
sie gewiss um mehr als die Hälfte. 

Die römische Normalschlacht ist die Offensivschlacht, und von der 
Tiegion wird verlangt und erwartet, dass sie eine solche auch ohne irgend 
welche Unterstützung anderer Waffen durchfechten könue. — Die grund- 
sätzliche Aufstellung dazu ist die Acies triplex. Sind z. B. 6 Legio- 
nen in's Gefecht gebracht, so bilden 24 Cohorten das erste, 18 das zweite 
und wieder 18 das dritte Treffen. — Nur die beiden ersten Treffen sind 
jedoch zur eigentlichen Durchführung des Gefechtes bestimmt; das dritte 
dient dein Feldherrn als Schlachtreserve , entweder (in defensivem Sinne) 
gegen Flankenbedrohung *•{*), oder (in offensivem Sinne) zur letzten Entschei- 
dung in der Krisis des Kampfes. *f f) — Die beiden ersten Treffen schlagen 



*) Es ist das die immerhin zweifelhaa bleibende Konstruktion Rüstow'«; diejenige 
von Liskenne und Sau van gibt Fig. 15. 

*♦) 8. Gall. 4. 33; 8, 17-19. ♦♦*) B. Giv. 3, »3. f) B. Oall. 7, 13. 
ff) Beispiele fiir jenes: B. Gall. 8, 13. B. Civ. 1, 83; für diese: B. Giv. 3, 84. B. Afr. 78. 
fti) B. Gall. 8. 17. B. Afr. 81. 

*f ) So in der Helvetierm-hlacht bei Bibrarte. (B. Gall. 1, 2.'..) 
*ft> So bei Pharsalus (B. Giv. 3, 8». 94. v 



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immer eine reine Frontalschlacht; sie haben die Aufgabe, des Gegners Front 
zu durchbrechen. Gelingt dies dem ersten Treffen nicht, so rückt das zweite 
vor, und sie lösen sich ab, bis der Zweck erreicht ist oder beide Treffen 
unter dem Schutze des dritten den Rückzug antreten. 

Die Acic s duplex (Aufstellung in 2 Treffen) wird möglich, entweder 
weil ein drittes Treffen aus anderen Truppen gebildet werden konnte, wie 
Afranius that, indem er die Auxiliarinfanterie in das 3. Treffen stellte *), 
oder weil man, wie z. B. bei Handstreichen, eines 3. Treffens gar nicht zu 
bedürfen glaubt. So griff Cäsar das Lager des Pompejus bei Dyrrhachium 
(Epidamnus in Illyricn) **), Crassus das Lager der Aquitanier ***) in 2 
Treffen an. 

Die Acies quadruplex (Aufstellung in 4 Treffen) wird da ange- 
wendet, wo man voraussichtlich zweier Reserven, einer defensiven und einer 
offensiven, bedarf. Das 3. Treffen dient dann stets für den Ent.scheidungs- 
karapf, das 4. gegen Ueberflügelungen und Flankenangriffe. So war es bei 
Pharsalus auf Cäsar's Seite, f) Uebrigens ist das 4. Treffen immer nur 
ein theilweises , für einen bestimmten Flügel berechnetes , und auch das 3. 
Treffen erscheint zuweilen lokal disponirt. -{"{•) 

Sehr bemerken8werth ist die qualitative Verschiedenheit der 
Treffen. In der Zeit der Manipularlegion hatte eine solche cbeufalls be- 
standen : das erste Treffen hatte die jüngsten , das zweite die geühteren 
Männer, das dritte die Elite umfasst. Jetzt ist es umgekehrt : die tüchtigsten 
Kräfte werden dem ersten, die mindest guten dem 3. Treffen zugethcilt. 
Hieraus muss man schliessen, dass die Römer, je weiter sie ihre Taktik 
entwickelten, desto mehr den Werth erkannten, den in ihr der erste Angriff 
hat, welcher, zumal Barbaren gegenüber, in der That oft schon allein ent- 
scheiden konnte. 

Die Aufgaben der Reitorei in der Offeusivschlacht sind 
dreierlei: sie hat die Ucbcrflügelung durch den Feind abzuwehren, diesen 
seihst womöglich in die Flanke zu nehmen und ihn nach erfochtenera Siege 
zu verfolgen. — Die erste Aufgabe fällt mit einer Aufgabe des 3. Treffens 
und dem wesentlichsten Zwecke eines 4. Treffens zusammen. 

Die gewöhnliche Aufstellung der Reiterei ist auf den Flügeln 
der Legion und zwar meist auf beiden, ff f) Zuweilen weisen natürlich die 
Umstände auf das Massireu auf Einem Flügel hin. So bei Pharsalus und 
Uzita. *f) In einigen Fällen wird die Reiterei hinter die Legionen zurück- 
genommen: bei Bibractc (Beuvray) wegen ihrer Unzuverlässigkeit*-j"|-), in 
der Schlacht gegeu Ariovist , weil die Wagenburg der Germanen die Ver- 



♦) B. Civ. 1, 83. 

B. Civ. 3, 67. Vergl. die abweichende , aber schwerlich zutreffende Ansicht 
v. O öl er' b in dessen (oben S. 237 citirtcr) S|iezialsehrift über Dyrrhachium S. 123 ff. 
**♦) B. Call. 3, 24-2«. f) B. Civ. 3. 89. »3. 94. 
tt) Sü bei Uzita auf Casars linkem Flügel <B. Air. 60.) 
ftf) B. Call. 3, 25; 6, 8. B. Civ. 1, 83. B. Afr. 13, 81. *f> B Afr. «0. 
•ft> B Call. 1, 24. 25. 



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- 246 - 



wendung der Kavallerie verbot*), bei Dyrrhachium, weil es den Angriff auf 
Verschanzungen galt. **) 

Das leichte Fussvolk wurde ganz nach Umständen vor der Front, 
auf den Flügeln , in den Cohorteiiintervallen verwendet. ***) Erwähnt 
werden die Schützen und Schleuderer immer nur dann, wenn man nicht so- 
fort zum Eutscheidungskampfe vorging, sondern den Gegner durch ein 
Einleitungsgefecht zur Enthüllung seiner Ansichten zu veranlassen suchte. 

Die gesummte Schlachtordnung zerfällt in das Centrum (acies 
media) und die Fügel (cornu dextrum und cornu sinistrum). f) In der 
Regel hildet sie taktisch ein einheitliches Ganzes. Nur selten erscheinen 
nebeneinander gestellte selbständige Divisionen unter besondern 
Führern, wie z. B. bei Pharsalus. — Die wirklichen Frontabtheiluugeu sind 
die ReiterHiigel und dann die einzelnen Legionen, welche Cäsar seit der 
Schlacht gegen Ariovist je eine unter einen Legaten stellt, der als Brigade- 
kommandeur fungirt. Bei Pharsalus, wo die Zahl der Legaten für die vor- 
handenen Legionen nicht ausreichte, ertheilte Cäsar allerdings dem Antonius, 
dem Sulla und dem Domitius den Befehl über das Centrum, bzgl. die beiden 
Flügel, so dass diese Männer hier als seine Generallieutenants, als Divisions- 
kommandeurs erscheinen, ff) 

Die ältesten und besten Legionen stehen auf den Flügeln und die be- 
vorzugtesten wieder auf dem rechten; denn dieser beginnt, wo nicht besondere 
Umstände eine Abweichung von der Regel gebieten, den Angriff. "fff) 

Nach dem Aufmärsche der Legionen hielt der Feldherr einer jeglichen 
die ,,cohortatio'' , die ermunternde Ansprache , und begab sich dann meist 
auf den Angriffstlügel. Ein Trompetensignal gab hier das Zeichen zum 
Beginne des Gefechts. *f) Alle Trompeter nahmen dies Signal auf, und 
mm begann die Legion des Offensivtlügels den Aulauf, während die andern 
Legionen folgten, und der Kampf entspann sich auf der ganzen Linie der 
beiden vorderen Legioustreffen. 

Die Reiterei greift entweder die gegenüber stehende feindliche Kavallerie 
an oder verhält sich abwartend, um jedem UebcrHügelungsversuche vorzu- 
beugen. — Der Feldherr leitet das Gefecht, theils, indem er auf dem ent- 
scheidenden Punkte selbst das Kommando übernimmt, theils durch seinen 
Stab *ff ) oder durch Trompetensignale, theils endlich durch Zeichen mit der 
Rennfahne, dem „vexillum". *fff) Nach erlbchtenera Siege bricht die Reiterei 
zur Verfolgung vor **f| und die Legionen setzen sich gleichfalls in Vor- 
marsch; ist man geschlagen, so tiudet der Rückzug unter dem Schutze 
einzelner Reiterangriffe und dem der Schützen nach dem Lager zu statt. 

Der Gedanke jeder Defensivschlacht ist der, dem Feinde unter 
Benutzung eines günstigen Terrains möglichst viel Schwierigkeiten im Vcr- 

*) Ebd. 1, 52. *) B. Civ. 3, 69. -*) B. Civ. 1, 83. B. AFr. 13. 60. 81. 
f) B. Gall. 1, 52; 2, 23; 3, 24: 7, 62. — B. Civ. 1, 83; 3, 67. 68. w- B. Afr. 60. 81. 
ff) B. Civ. 3, S9. ftf) Elxl. s». B. Afr. 60. 81; conf. B. Gall. 2, 21. 
•|) B. Afr. 82. B. Civ. 3. 92. »ff » B. Gall. 7. 47. *ftt) B. Civ. 3, 89. 
••f) B. Gall. 1, 53; 4, 14; 6, 8; 8, 29. 



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247 - 



laute seiner Annäherung zu bereiten, ihn während des verlangsamten An- 
rückens durch Fernwaffen zu schwächen und ihn dann im günstigen Augen- 
blicke da anzugreifen, wo er eine Blosse gibt. — Die beschränkte Zahl der 
Schützen bei den Römern lässt den Gebrauch der Fernwaffen für sie natür- 
lich in den Hintergrund treten und den Hauptnachdruck auf die Wahl 
einer Oertlichkeit legen, deren Natur die Angriffsfront des überlegenen 
Feindes beschränkt, die Geschlossenheit seiner Glieder während des Vor- 
rückens aufhebt und ihn so in eine Lage führt, die einen diesseitigen Vor- 
stoss begünstigt. — So wählte Cäsar seine Stellung an der Axona im belgi- 
schen Kriege.*) — Bot die Natur eine derartige Position nicht dar, so 
half die Kunst mit allen Mitteln nach. — War man aber genöthigt, in 
offenem Felde die Defensivschlacht zu schlagen, so pHegte mau dieselbe in 
der Vertheidigungsmasse anzunehmen. 



Borghcsi: Sülle Iscrizioni Romane ilel Reno del prüf. Steiner e sulle legioni cho stan- 

/.iarono nellc due Gcrmanie da Tibcrio fino a Gallicno. Roma 183». (Annali d. 

Inst. X p. 128 ff. und Oeuvres IV p. 182— 265.) 
Grotefoud: Kurze Ccbcrs. der Gesch. der Rom. Legionen von Caesar bis Gallicnus. 

(Zeitschr. für Alterthumswissensch. 1840 p. 641—668.) 
Grote fend: Geschichte der einzelnen röm. Legionen in der Kaiserzeit. (Pauly's 

Realenc. IV 8. 868-901.) 
Pfitzner: Gomm. quot quibusque numeris iusignes legioneB inde ab Augusto usque ad 

Vespasiani priueipatum in Oriente teteuderint. Neubrandenburg 1844. 
Robert: De legionibus, quae inde ab Augusto usque ad Hadrianutu in lllyrico teteu- 
derint. Baral 1846. 8. 
Grotcfend: Zur röm. Legiousgeschicbte. (Jahrb. der Alterthumsfreunde im Rhein- 

lande XI 1847 S. 77-84.) 
Klein: lieber die Legionen, wcleho in Obergermanion standen. Mainz 1853. 4. 
Klein: Ceber die Legionen . welche neben und nach einander in Germania inferior 

standen. (Jahrb. des Vereins von Alterthuinsfr. im Rheinlande XXV 1857 S. 72 IV.) 
Hübner: Ueber die Legionen, welche in Britannien standen. (Rhein. MuHeum, N. F. 

XI 1857 & 19 ff. XII 1857 S. 85. XIV 1859 S. 350 und C I. L. VII p. 5.) 
Momtnscn: Res gestac Divi Augusti. Berl. 1865 p. 45 sqq. p. 131 und Corpus iu- 

scriptionum latinarum. Berl. 1863 ff. besond. Vol. III. 
Robert: Lea legions du Rhin. Paris 1867. 4. (enthält nur: Introduction , eoup docil 

general »ur les legions Romaines). 
Robert: Les armecs Romaine* et leur emplacement peudant l'empire. (In Robert 

„Melangcs d'archeologie et d'histoirc". Paris 1875 p. 37^56.) 

Der Bestand der kaiserlichen Armee setzt sich aus 6 Haupt- 
theilen zusammen: die Legionen, die Auxilia, die Garde und die Garnison 
Roms, die Provinzial- und Munizipal-Milizen . die Fabri und die Flotten- 
mannschaft. 

Legionen hinterlicss Augustus bei seinem Tode 25, nachdem 3 in der 



4. Das Heer des Kaiserreiches. 



•) B. Gall. 2, 5. 8. 9. 




— 24« — 



Varusschlacht zu Grunde gegangen waren. Anfangs steigerte sieh die 
Zahl nur wenig. Vespasian fand 30 vor; Septimius Severus verfügte über 
33 Legionen. — Die Stärke der Legion wird immer noch zu 500U bis 
6000 M. gerechnet, welche in 10 Cohorten und 60 Centurien zerfallen. 

Im Uebrigcn aber erfuhr schon durch Augustus die Legion mehrfache 
Veränderungen.*) Marius und Cäsar hatten die Armee für Zwecke des 
grossen Krieges organisirt, und im Zusammenhange damit die Kavallerie von 
dem Legionsverbande gelöst und zu selbständig verwendbaren Corps ver- 
einigt; bei dem Beginne der Monarchie war dagegen der Friede hergestellt 
und ein auswärtiger Krieg für die nächste Zeit nicht zu erwarten. Es kam 
vielmehr darauf an. das nunmehr stehende Heer in zweckmässig gelegene 
befestigte Standquartiere zu dislociren, die getrennt liegenden Detachements 
in einer für Vertheid igung und Grenzbewachung geeigneten Weise zu kom- 
biniren und auf die Ordnung des Garnisondienstes eine besondere Auf- 
merksamkeit zu verwenden.**) — Die Legion erhielt wieder 4 Türmen 
Heiter (120 Pferde); sie empfing einen Legaten als dauernden Befehlshaber, 
und die Verlegung der Truppen in feste Standquartiere führte zur Er- 
nennung von Platzkommaudanten (praefeeti castrorum) die später — unter 
Gallienus — auch das Kommando der Legion selbst erhielten.***) 

Unter den Auxilia werden in der Kaiserzeit alle Corps verstanden, 
welche, abgesehen von den Legionen, in den Provinzen standen, gleichgiltig 
ob es Kömer oder Fremde waren: die Vexilla veteranorum (Veteranen- 
Fähnlein )•{•), die Cohortes civium Romanorum, die Cohortes auxiliariac 
sowol peditatae als equitatae und die Alae equitum. Diese Auxilia sind 
bald die vorzugsweise fechtenden Truppen; schon in der Sehlacht des 
Agricola, welche Tacitus beschreibt standen in der r acies u nur auxiliares ; 
die Legionen bildeten die Reserve. Uud so sagen auch die Batavi bei 
Tacitus ftf): ,.1'rovinciarum sanguine provincias vinci". 

Ein eigenes auserwähltcs Truppencorps zum Schutze des Feldherrn 
und des Hauptquartiers (praetorium) erscheint bereits in den Heeren der 
Republik unter dem Namen der Praetor ia cohors. (Vergl. S. 234). 
Nachdem die Feldherrnwürde ein dauerndes Attribut des in Rom rosi- 
direnden Kaisers geworden war, musste auch da* Praetorium nach Rom 
verlegt werden, und die neue Organisation der Garde gehörte zu den ersten 
Regierungsmassregeln des Augustus. Den Befehl über dieselbe führen die 
Kaiser selbst und seit d. J. 752 im Namen der Kaiser die „praefeeti praetorio", 



♦) Krohl: De legionibus reipublieae Roinanae. Dorpati 1841. — Robert: Sur les 
MgiOM d'Auffustr. (Comptes rendus 18H8 p, 63- 107.) Babncke: Die Entwicklung 
clor röm. Heereserganiaation unter dem ersten Kaiser. Anrieh 1872. 
*♦) Marquardt a. a. O. S. 441. **♦) Veget. 2, 9. 

f) Hertel: De vexillariis. In der Ausgabe des „Agric«.la". Lpzg. 1827.1 Stauder: 
De vexilli et vexillariorum ep. Tac. vi atque usu. Progr. Köln 18Ö3. 
fi) Agriwla 86. 

fft) Hist. 4, 17. — Vergl.: Harster: Die Nationen des Römerreiches in den Heeren 
der Kaiser. Speyer 1877. 



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— 249 - 



der Regel zwei, zuweilen einer, seit Commodus auch wol drei. Die Truppe 
bestand aus 9 Cohorten, von welchen unter Augustus 3 in verschiedenen 
Theilen der Stadt einqunrtirt waren und die Wache in dem kaiserlichen 
Paläste stellten, die übrigen aber in Italien dislocirt wurden, namentlich an 
solche Orte , wo die Kaiser sich aufzuhalten pHegten. Erst unter Tiberius 
erhielten auf Sejan's Veranstaltung die Prätorianer eine befestigte Cascme 
(castra) in Rom und gewannen hier durch ihre Vereinigung jene verhängnis- 
volle Bedeutung, von der noch zu reden sein wird.*) 

Neben den Prätorianern stehen die dem „praefectus urbi" untergebenen 
C o h o r t e s u r b a n ae , **) deren vollendete Organisation wol von Tiberius 
herrührt, sowie dieCohortes vigilum, Schutzmannschaft und Feuer- 
wehr.***) Dies waren alles römische Truppen. Ausser ihnen lagen aber 
noch mehre Corps von Peregrinen in der Stadt: Germani, eine deutsche 
Garde, dann „Equites singulares Augusti" und „Peregrini milites".f) 

Der Kern des Heeres, die Legionen, wa,r seit Augustus in die Grenz- 
provinzen verlegt worden, so dass beim Tode dieses Kaisers von den damals 
vorhandenen 25 Legionen 8 in den beiden Germaniac , 3 in Spanien , 2 in 
Afrika, 2 in Aegypten, 4 in Syrien, 2 in Paunonien, 2 in Dalmatien, 2 in 
Moesien standen. Die übrigen Provinzen heissen bei Tacitus an mehren 
Stellen „iucrines provinciao". Es sind dies erstens die „Provinzen des 
Senates", zweitens solche ..kaiserliche" Provinzen, in denen zwar ein Legat 
regierte, aber Legionen nicht standen, wie Aquitania, Belgica, Lugdunensis 
und in Asien Galatia, drittens die procuratorischen Provinzen. Aber auch 
in diesen musste, wenn nicht für Kriegszwecke, so doch für die Aufrecht- 
erbaltung der Ordnung und Sicherheit ein militärischer Schutz vorhanden 
sein und dazu waren besondere Einrichtungen getroffen. — Unter den sena- 
torischen Provinzen nahm Afrika eine besondere Stellung ein, indem dessen 
Proconsul zur Zeit der ersten Kaiser eine Legion befehligte und auch später 
noch ein Kommando für seinen Gebrauch hatte. Ueber einige römische 
Offiziere und Soldaten verfügten übrigens alle Proconsuln, indes nur über 
wenige, da man die Truppen nicht zersplittern wollte. Etwas stärkere 
Garnisonen (einzelne Cohorten und Alen) lagen in denjenigen kaiser- 
lichen Provinzen, die nicht mit Legionen bedacht waren ; allein auch diese 
Truppen waren im Verhältnis zu dem Umfange der Provinzen so unbe- 

*) Die Geschichte der Pratorianer und die chronologische Zusammenstellung der 
Praefecti practorio ist eine noch ungelöste Aufgabe, welche die Schrift von Gronemann: 
Comment. de militum praetorianorum apud Romanos historia. Traj. ad Rhen. 1832. 8. 
nur oberflächlich behandelt. Die aus neu gefundenen Inschriften gewonnenen Ergebnisse 
findet man bei Henzen: Annali de Inst. 1864 p. 14 ff. und Bulletini» della Comraissione 
archeol. 1874 p. 62 ff. u. 1875 p. 83 ff. (Marquardt a. a. O. S. 462.) 

*♦) Eichhorst: De cohortibus urbanis imperatorum R«manorum. Danzifj 1865. 
**♦) Kellermann: Vigilum Romanorum latercula duo Coelimontaoa. Romae 1835. 

|) Frickius: De equitibu« Augusti i^ularibus. (Acta societatis Latinac Jenensis 
Vol. V 1756 p. 191—219.) — Henzen: Sugli Equiti Singolari degli imperatori Romani. 
Roma 1860. 8. (Estrntto dal Vol. XXII degli Annali dell' Instituto Arch.) Henzen: 
Sülle guardie Germauiche degli imperatori Romani. (Bull. 1856 p. 104.) 




— 250 — 



deutend an Zahl, das» sie weder für regelmässige Erhaltung der Ordnung und 
Sicherheit noch für ausserordentliche Fälle ausgereicht haben würden, wenn 
nicht für diese Zwecke in der Constitution der Provinzen selbst Sorge ge- 
tragen worden wäre. 

Die Provinzen zerfielen säramtlich in Communalbezirke, deren Be- 
hörden sehr weitreichende Vollmachten beBassen und denen für besondere 
Zwecke auch die Communalmilizen zur Verfügung standen. Ausserdem 
gab es in mehren Gebieten eine regelmässige Proviuzialmiliz. Diese 
wurde von den Provinzialen selbst besoldet, besetzte die Gränzfestungen und 
schützte die durch das Land führenden Militärstrassen. Im Falle der Noth 
organisirten die Statthalter auch einen eigenen Landsturm.*) 

Besonderen technischen Zwecken dienten die Fabri, welche alle auf 
das Geschützwesen und den Belagerungskrieg bezüglichen Maschinen her- 
stellten und bedienten, sowie die Classici, die Flottenmannschaft**) 

Die „constitutiones" des Augustus schon haben in Bezug auf Admini- 
stration und organisatorische Formation die Verhältnisse der Garden, 
Garnisonstruppcn , Grenzlegionen und Hilfscorps vollständig geordnet und 
sind auf lange Zeit maszgebend geblieben. — In taktischer Hinsicht 
blieb die Coli ort enlegi on im Laufe des L Jhrdts. wol noch reglemcn- 
tarisch, wenn auch nicht ohne Modifikationen. Die wichtigste derselben ist 
die Einführung der Cohors milliaria, d. h. die Steigerung der Stärke 
jeder ersten Legionscohorto auf 1100 bis 1200 Mann und ihre Zusammen- 
setzung aus besonders ausgewählten tüchtigen Leuten [VI]. Zweck dieser 
Anordnung, die wol schon auf Cäsar zurückzuführen ist (vgl. S. 238), war 
der, auf dem AngriffBflügel eine starke Elite und für Detachirungen eine 
in sich geschlossene, leistungsfähige Truppe zur Verfügung zu haben. Die 
übrigen Cohorten (cohortes quingenariae) behielten ihre bisherige Stärke 
von 500 bis 600 Köpfen. — Bei Aufstellung der Legion scheint mau, im 
Sinne des Marius , die „acies duplex'* mit verkürzten Intervallen der cüsa- 
rischeu Gliederung vorgezogen zu haben. 

Verhängnisvoll wurde die Einrichtung der Prätorianergarde und zumal 
ihre Vereinigung in Rom. — Je mehr die politische Kraft des römischen 
Bürgerthums zerbröckelt, um so rücksichtsloser und entschiedener drängt 
sich die Herrschaft der Soldaten , die Militärdespotie , brutal und raftinirt 
zugleich, an die Spitze des Staates. Die Prätorianergarde wird zur höchsten 
Machtquelle des Reichs; sie besetzt nach Willkür die Stelle des Kaisers, 
und, dem Saturnus gleich, verschlingt sie die eigenen Kinder : Wenn der feile 
Purpur zugeschlagen an den Meistbietenden, so ermorden ihn die Prätorianer 
zu Gunsten eines Höherbietenden. Nicht lange, so folgen die Provinzial- 
legionen dem Vorbilde der italischen Prätorianer, und endlich sind die 
Kaiser, der Mehrzahl nach, selbst Provinzialen. 

Es lässt sich denken, wie zerrüttend der Einfiuss einer solchen doppelten 
Abhängigkeit, der des Kaisers vom Heere und der des Heeres vom Kaiser, 



•) Marquardt a. a. O. S. 516 ff. »♦) Vergl. unten „Belagerungski i e g" u. „Seewesen". 



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261 - 



auf (Ins römische Kriegswesen wirken lnusste. Die Soldaten suchten die 
Gunst des Herrschers zu verdienen, wozu nicht immer tapfere Kricgsthaten 
der rechte Weg waren, und der Kaiser suchte sich die Gewogenheit der 
bewaffneten Macht durch immer reicher werdende Gaben zu erhalten. Diese 
Donationen wieder gestatteten den Soldaten ein luxuriöseres Leben, als sich 
mit freudiger Kriegslust verträgt, und das Gefühl ihrer politischen Geltung 
und Macht richtete zugleich ihre Gedanken auf andere Dinge als auf ihren 
eigentlichen edlen Beruf. Despotismus und doch auch Angst von oben, 
Kriecherei und Frechheit von unten mussten dahin wirken, dass der schöne 
Gedauke geordneten Zusammenwirkens zum Heile des Ganzen bei bewusster 
Selbsttätigkeit jedes Einzelnen seine Kraft verlor; die nackte Selbstsucht 
fing an , im Heere zu herrschen , und je mehr das Soldatenhandwerk auch 
für den gemeinen Mann Aufgabe des ganzen Lebens wurde, desto weniger 
Kampfesfreudigkeit war bei den Truppen zu finden, desto mehr sträubte 
man sich gegen die Strapazen des Dienstes. 

Aeussere Zeichen des Verfalls sind erstens die Vervielfältigung der 
Titel und Grade in den Legionen (lauter Kitzel und Köder der Eitelkeit) 
und dann die Abneigung gegen die Schutzwaffen, auf deren Gebrauch die 
römische Legionartaktik doch ganz wesentlich beruhte. — Wenn man sich 
klar macht, welche Bedeutung diese Schutzbewaffnung für die Fechtart 
der römischen Infanterie hatte , so liegt es auf der Hand, dass ihrer Be- 
seitigung eine Umgestaltung der Taktik auf dem Fusse folgen musste. Die 
Kampfesweise der Legion war ganz und gar auf das Handgemenge berech- 
net. Dazu gehört aber ausser dem persönlichen Muthe unbedingt die Schutz- 
rüstung. Einen Mann ohne diese mit Pilum und Kurzschwert in den Kampf 
zu schicken, wäre Unsinn gewesen. 

In Folge dessen änderte man denn auch thatsächlich die Trutzbewaff- 
nung; und zwar besteht diese Aenderung in zwei Massregeln: in dem Er- 
sätze des Pilums durch Wurf- und Schusswaffen für das Ferngefecht und 
in der Einführung des Spiesses in die Legion. Mit dieser Neubewaffnung 
kam natürlich nicht nur die Neigung, sondern auch das Bedürfnis, die 
Stellung in getrennten Cohorten, also die national-römischen Formen der 
Taktik, zu verlassen, und sich der Phalanx zuzuwenden, deren Massen- 
haftigkeit und passive Widerstandsfähigkeit jenem defensiven Charakter zu- 
sagte, zu welchem die Römische Weltmacht sich allmählig in demselben 
Masse herabstimmte, wie die Tapferkeit und Disciplin aus den römischen 
Schlachtreihen verschwanden und die persönliche Tüchtigkeit des einzelnen 
Kriegers abnahm. 

Onosandros, der in der Mitte des 1. Jahrhunderts schrieb, erwähnt 
allerdings noch (cap. 19) die Intervalle der Cohorten; aber schon unter 
Nero 60 n. Chr. scheint auf britannischem Boden in phalangitischer Ord- 
nung gekämpft worden zu sein.*) Dem entspricht es, dass man sich zu 



*) Lange: Historia mutationum rei militari» Romanorum. Gottingae 1846. p. 82. 
Diu Cassius 62, 8 beschreibt eine Schlacht dea Paulinus gegen die Britannier, in der 




— 252 — 



dieser Zeit eingehend mit der griechischen Militärliteratur zu beschäftigen 
begann, dass man. schon vor Trajan, für die Exerzirübungen M Graeci ma- 
gistri' 4 zu Hilfe nahm, ja dass man sich endlich davon überzeugte: das 
Prinzip der alten römischen Taktik sei überhaupt nicht länger haltbar und 
müsse mit einem anderen vertauscht werden, welches den neuen Zuständen 
und Bedürfnissen entspreche. Die maszgebenden Formen eines solchen 
neuen Systems scheinen sich praktisch unter Trajan (98—117 n. Chr.) 
herausgebildet zu haben, während sie theoretisch unter Hadrian (117— 138) 
festgestellt wurden. Der Trajanischen Entwicklung, wenn auch schon der 
Zeit Hadrian's gehört jener Ordre de bataille an, durch welchen der Histo- 
riker Ar ri an os im J. 13H als Legat von Kappadokien Marsch- und 
Schlachtordnung zum Zwecke eines gegen die Albaner zu unternehmenden 
Feldzuges vorschrieb.*) Diese Schlachtordnung ist eine Phalanx ohne 
Intervalle; sie hat 8 Mann Tiefe und besteht aus Legionaren. Die 4 ersten 
Glieder sind mit „pila" , die 4 letzten mit „lanceae" bwafluet; hinter 
ihnen reiht sich ein neuntes Glied von Auxiliartruppen an, welche Pfeile 
schiessen. Cavalleric und Artillerie stehen auf den Flügeln und im Rücken 
der Phalanx : weiter zurück ist noch eine Reserve auserlesener Truppen 
aufgestellt, um nach allen Seiten hin an bedrängten Stollen Hilfe zu leisten. 
(Arr. acies. § 15.) 

Trajan, der gefeierte Sieger über Daker und Parther, der sich so 
gern Alexander dem Grossen vergleichen Hess, vermochte nur auf kurze Zeit 
das moralische Element des Heeres wieder zu heben. Unter Hadrian folgte 
dann eine Periode des Friedens und mit ihr eine Reihe administrativer 
Einrichtungen, welche sich speziell auf den Garnisondienst bezogen, doch 
auch die Taktik betrafen und für die Folge in Geltung blieben. **) Aurelius 
Victor***) berichtet sogar, dass die Militärverhältnisse noch der constanti- 
nischen Zeit grossenthcils auf den Ordnungen des Hadrian beruhten: Aber 
es ist schwor zu sagen, welchen Charakter seine Constitutionen trugen; 
denn zu keiner Zeit scheint mehr experimentirt worden zu sein, als eben 
in den Tagen Hadrian's. Wird doch am Schlüsse einer Schrift des Arrianos 

Paulinus sein Heer in drei „Phalangen" aufstellte, welche eine ,, acies" bilden. Auch lässt 
es auf die phalangitische Ordnung schliessen, da«s in dieser Zeit neben den „pilis" mehr- 
mals „lanceae" erwähnt werden. (Tacit. : Hist. I, 79; 2, 29.) 

*) Es ist dies die i*T»$n mar 'Aknrüv (vergl. S. 18!»), welche aber, wie Mar- 
quardt erläutert, txxahi x«r' Alßavmr heiBsen sollte; detin nicht gegen die Alanen, son- 
dern gegen die Albani war der Feldzug projektirt. — Dio Cass. 89, 15: 'O fi'tv <nV rw»> 
'loiltnimv ^öfaftoi i< rofro hüitir^n-, irtpoi «V »'£ 'A't.ßnit'n-, tlo'i tM Mrwaayhai, Ixti'qth] 

foti <t>apaotidrov inttr ttür 'Aifktvöiv ta für AvfMg •'•"»<» toi Ovoloyaioov ^tmOiiran; 

tri de ml <Plnovtor 'Atytnröv rot- jiji KnTTXaSoxim np/oitfi ifaßrftirjtov, ixmoaio — Die 
Albaner waren ein kaukasisches Nomadenvolk, welches treffliche bogenschiit/en und Reiter 
hatte. Vergl. Kiepert: Lehrbuch der alten Geographie. Berlin 1878 S. 85. 

♦•) Ausführlich bespricht Hadrian's Festungsinspectionen , Exerciereinrichtungcn und 
disziplinarischen Maßregeln Dio ('ass. R9, 9. 

***) Ep. 14: „A regibus multis pace oreulti* muneribus inpetrata, iactabat palam, plus 
se otio adeptum. quam armis ceteros. Officia sane public* et palatina nec non militiae in 
eam formam statuit, quae paueis per Coustautinum inmutatis hodic perscYerat," 




— 253 — 



über die Paradeevolutionen der Reiterei*) als Anordnung Hadrians ge- 
rühmt, das» die römische Kavallerie gewöhnt wurde, die sämmtlichen tak- 
tischen Bewegungen der Armenier, Partlier, Sarmaten und Kelten nach- 
zuahmen und einzuüben. Der Periode dieser Experimente gehört vielleicht 
auch jene Aufstellungsweiso der Legion an, welche einige Miltärschrift- 
steller als Darstellung des, gerade in der Zeit der Tugendfürsten mehrfach 
erwähnten „quadratum agmen" construirt haben**) [VIII]. Wenn man 
übrigens die einseitige Voreingenommenheit Hadrian'« für das Hellonenthum 
in Anschlag bringt, so möchte man mit Rüstow vermuthen, dass eben er 
den Schematismus der nachalexandrinischen Phalanx reglementarisch auf die 
Legion verpflanzte. Indessen die innere Organisation der Legion scheint 
dabei nicht in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein. Denn dem Militär- 
schriftsteller Hyginus zufolge, der vermuthlich unter Septiinius Severus 
lebte***), besteht die Legion noch aus 10 Cohorten und die Cohorte aus 
6 Centurien. Auf die erste Cohorte kommen 960, auf die folgenden 480 
Mann. Befehlshaber der Legion ist ein Legatus; Reiterei gehört nicht zu 
ihr; die Zahl der Centurionen ist noch die alte: 60, so dass auch die erste 
Cohorte nur 6 Centurien und 6 Centurionen hat. — Septimius Severus 
(193—211) hob bei seinem Regierungsantritte mit rühmlicher Entschlossen- 
heit die alte Prätorianergarde auf; aber die Neuschöpfung, welche an ihre 
Stelle trat, verbreitete den anarchischen Geist der früheren Garde in noch 
weitere Kreise. Bisher hatten die Prätorischen Cohorten aus der schmucken 
Jugend Italiens bestanden und mehr zur Erhöhung der Kaiserpracht und 
zur Parade als zum Kriege gedient. Jetzt traf Severus die Einrichtung, 
dass die Kaisergarde aus denjenigen Soldaten der Grenzlegionen zusammen- 
gesetzt werden sollte, welche sich besonders hervorgethan hätten. •{•) Dies 
schwächte nun die Grenztruppen ; aber ein solcher Heerkörper von 50,000 
Mann auserlesener Krieger aus allen Ländern und Völkern war das dien- 
lichste Werkzeug zur Begründung des unumschränktesten Militärdespotis- 
mus. — Mit der Machtvergrösserung der Garde stieg auch das Ansehen ihrer 
Befehlshaber; daher von dieser Zeit an der erste Präfect der Prätorianer 
den nächsten Rang nach dem Kaiser und die erste Stimme im Staatsrathe 
hatte. Nicht nur das Heerwesen, sondern auch Justiz und Verwaltung 



*) Diese Schrift, welche im 20. Jahre des Hadrian (136) entbanden ist, wurde früher 
als Theil der Taktik de» Aelianos herausgegeben. Vergl. sie in Arrianus ed. Dübner et 
Müller. Paris 1846 p. 280- 286. 

**) Üarrion-Nisas: Allg. Gesch. der Kriegskunst. I'ebera. v. Rumpf I. Lpzg. 1826. 
***) Vergl. den Nachweis dafür bei Marquardt a. a. O. S. 585. 
f) Auf Septimius Severus ist vermuthlich auch die Einrichtung einer besonderen 
Schlossgarde . der „dornest ici protectores", zurückzuführen , ein Korps, in das nur 
ausgediente Centurionen aufgenommen wurden, welche man auf diese Weise ehrenvoll ver- 
sorgen wollte. Diese Truppe bestand also ganz aus Offizieren, wurde von einem „primiceriua" 
und 10 „decemprimi" senatorischen Kaiiges befehligt und zerfiel in eine „schola equitum" 
und eine ,,schoIa peditum". Die domestici protectores werden bis z. .). 310 erwähnt. Zu 
ihnen kommen noch die „scholares", 3500 M. unter einem „magister ofticioriim", deren 
Stärke unter Justinian bis auf 55U0 M. wuchs. 



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standen unter der Leitung dieses Präfecten. Damit war der militärische 
Charakter des römischen Staates zum schärfsten Ausdruck gekommen : An 
der Spitze der Kaiser, dessen Titel „Imperator* 4 ursprünglich nur ein Feld- 
herrnamt bedeutete; neben ihm der Gardepräfect; unter ihnen Militär- 
gouverneure als Statthalter der Provinzen. 

Wenn die Garde den Abkömmlingen aller Nationen geöffnet war, so 
verstand sich das für die Grenzlegionen von selbst, und diese Vermischung 
der Völker trug viel dazu bei. die letzten Reste römischer Kriegsart zu 
Grabe zu tragen. Immer mehr setzt man sein Zutrauen auf die rohen 
Massen, und wenn man sich ja mit taktischen Gedanken trägt, so hofft man 
das Heil in vermeintlicher Nachahmung der alexandrinischen Phalanx zu 
finden. Diese Richtung herrscht in der nächsten Folgezeit wenigstens durch- 
aus. Von Caracalla (211—217) wird sogar berichtet, dass er eine 
Phalanx von 16,000 Makedoniem errichtete*); Alexander Severus 
(222- 235) hatte ein Korps von Argyraspiden und Ohrysaspiden und führte 
in den Partherkrieg eine Phalanx von 30,000 Mann.**) Die Einfachheit 
der phalangitischen Form, die Aussicht auf raschen Erfolg durch das Ein- 
setzen aller Kräfte auf einmal sind ja verlockend ; aber die Phalanx der 
Theoretiker der Diadocheuzeit (und diese ist es, um deren Einführung in 
das römische Heer es sich handelte) ist gegen das taktische Werkzeug 
Cäsar's ein enormer Rückschritt: denn sie ist nur mechanisch, nicht orga- 
nisch gegliedert. — Wie ein Greis in die Kindheit, so sinkt die Legion in 
die Phalanx zurück, von der sie einst ja ausgegangen war. 

Hand in Hand mit dieser Einführung der Phalanx geht das Bestreben, 
die mangelnde Tüchtigkeit der Truppen durch massenhafte Zutei- 
lung von Schützen, Reitern und Artillerie zu ersetzen. Diesem 
Bestreben kam der Umstand entgegen, dass man sich bei der weiten Aus- 
dehnung der zu deckenden Grenzen genöthigt sah, vielfach die Gohorten 
ein und derselben Legion von einander zu trennen und sie bald einzeln, 
bald zu zweien und dreien mit starke/ Beigabe barbarischer Auxiliartruppen 
in besondere Standlager zu vertheilen. Solche einzelne Coli orten (nu- 
meri) oder Detachements (vexillationes) mussten innerhalb der überwiegen- 
den Masse der Hilfskorps naturgemäss ihre nationale Fechtart verlernen, 
um so mehr, als diese ja durchaus auf dem treffenweisen Ineinandergreifen 
der Theile der Legion beruht hatte. Mehr und mehr tritt das Femgefecht 
mit Bogen und Schleuder in den Vordergrund; das offensive Element — 
wo es sich überhaupt noch geltend macht — wird wesentlich durch den 
Schock barbarischer Reiterstämme vertreten, und mit stets zunehmendem 
Eifer arbeitet man daran, die Artillerie in permanente Verbindung mit den 
einzelnen Heerestheilen zu bringen. An Stelle der früher, nach Analogie 
unserer Rcserveartillerie lediglich zur Verfügung des Feldhcrrn gestandenen 
Geschützreserve scheint schon zu Vespnsian's Zeiten, also noch im 1. .Tahr- 



») Di« Cttds. 77. 17. 18. **) Lamprwl: AU-x. S^ver. 50. 




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hundert, das der Legion zugetheiltc Geschütz ganz den Charakter unserer 
Divisionsartillerie gehabt zu haben. 

Unter der Regierung des an und für sich tüchtigen Kaisers Alexander 
Severus zeigt sich die hellenisirendc Tendenz und zugleich der Verfall 
des Kriegswesens in schlimmster Weise. 

Antheil an dieser Entartung hatte der seltsame Schriftsteller J u 1 i us Africanus, 
dessen geistiger Standpunkt am kürzesten dadurch kennzeichnet wird, wenn man erwähnt, 
er hahe ebensowol über Magie wie über Kriegswesen geschrieben Die von ihm überbliebene 
militärische Schrift: „De caestis" <vgl. S. BW) ist äusserst unkritisch und besteht zum 
Theil aus frommen Wünschen. Nachdem er, wie alle Autoren der nachantoninischeu Zeit, 
den Widerwillen der Soldaten gegen die Schutzwaffen beklagt hat, sagt er u. A.: „Wenn 
man die römischen Soldaten mit griechischen Panzern und Helmen bewaffnete, wenn man 
ihnen lange Piken gäbe, wenn mau sie übte, den Wurfspiess mit grösserer Sicherheit zu 
werfen, wenn man sie gewöhnte, Mann gegen Mann zu kämpfen und sich zu rechter Zeit 
vollen Laufes in den Feind zu stürzen — dann könnte man gewiss sein, dass die Barbaren 
ihnen nicht widerstehen würden." — Ja, wenn! Julius Africanus weiss eben nicht, dass 
die Forderungen, welche er stellt, Männer, ganz andere Männer verlangen, wie diejenigen, 
welche dem damaligen Rom zur Verfügung standen, andere wie er selbst einer war. Denn 
gerade aus seinem Buche erhellt die ganze Erniedrigung und Schande der Römer jener 
Zeiten. Verwendet er doch einen grossen Theil desselben dazu, die niederträchtigsten, ab- 
scheulichsten und zugleich albernsten Mittel zu lehren , wie man den Feind tödteu könne, 
ohne mit ihm zu kämpfen. Diese Mittel wurden versucht, und daher die Wuth und Ver- 
achtung der Barbaren , die nun ihrerseits jede Grausamkeit gegen die Römer für erlaubt 
hielten. — Ebenso wenig bewährten sich die von Julius Africanus angeregten taktischen 
Neuerungen. Man gab in der That den Legionären eine Art Sarisa und bildete eine 
Phalanx, welche aus ß Legionen bestand und an Zahl somit die grösste Stärke übertraf, 
welche die griechischen Phalangen jo gehabt; aber die gehofften Wirkungen blieben aus - 
mau hatte eben den folgerechten Schritt gethan, dem Heere, das den römischen Geist 
verloren, auch die römische Form zu nehmen. 

Wenn die Entwicklung des römischen Kriegswesens in ununterbrochenem 
Niedergange geblieben wäre, so hätte das Reich nicht lange dem Andränge 
der Barbaren widerstehen können; aber die soldatische Tugend der illyrischen 
Kaiser richtete den sinkenden Thron auf, indem sie dem Heerwesen neuen 
Impuls gab. Claudius (268—270) siegt Uber Alemannen und Gothen; 
Aurelius (270-275) stellt die Kriegszucht wieder her; Probus (278-282) 
flüsst dem Westen wie dem Osten neue Ehrfurcht ein vor römischer Heeres- 
kraft, und seit Diocletianus (284 — 405) findet die einzig noch mögliche 
Regieruug8form des Reiches, der militärische Despotismus, wie er sich seit 
Septimius Seveius herausgebildet, seine festen verfassungsmässigen Formen. 

Der „magister officiorum", d. h. der Befehlshaber der Leibgarde (vergl. die 
letzte Note S. 253) war jetzt gleichzeitig Reichskanzler; die Befchlshatar der „domestici et 
proteetores" (s. ebd.) standen den Ministern an Rang gleich. Im l'ebrigen war die Civil- 
verwaltung von der militärischen streng geschieden. Die gesummte Heeresmacht wurde 
2 Kronfcldherren , dem „magister c<|iiitum" und dem „magister peditunt", an- 
vertraut; indessen stellte sich die Zweckwidrigkeit dieser Trennung der Waffengattungen 
bald heraus, und die Oberfeldherren wurden einfach Heermeister (magistri militum). 
Vier solcher Marschälle ernannte wol schon Constantin; jedenfalls findet sich diese Zahl 
unter Julian und Constantius. Nach Theilung des Reiches gab es 8, von denen 2 „in 
praesenti'', d. h. am Hoflager waren. Die Heeresabtheilungen . welche in einem Distrikte 
zusammenlagen, standen unter den Befehlen einen „dux'\ oder, falls sie bedeutendere 



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Massen bildeten, unter denen eines „com es". — Dio Truppen waren theils „palatinische", 
welche in grösseren Städten gamisonirten und als Gardekorps zu betrachten sind , theils 
„comitatensische", welchen die Grcnzl>ewachung oblag. So weit dieselben nicht Concentrin, 
sondern in einzelnen Detachements vertheilt waren , dem Befehle des „comes" also nur 
mittelbar unterstanden, hiessen sie „pseudocomitatensische". Aus diesen Heerestheilen, 
welche den schwierigsten Dienst hatten, wurde die Mannschaft in die angenehmeren und 
vornehmeren Verbände der comitatensischen und endlich der palatinischen Korps be- 
fördert. — An der Spitze der einzelnen Legionen standen „ praefecti legionum". — 
Einen sehr bedeutenden Theil der Kriegsmacht bildeten die Auxiliarii, theils gewor- 
bene, theils übergetretene, theils kriegsgefangenc Barbaren. Besonders bevorzugte Aleu 
derselben waren die Läten uud die Gentilcn, welche eine Stellung hatten, wie früher 
im französischen Dienste die Schweizer. 

Um diese Zeit scheint man auch wieder von der Phalanx zurückge- 
kommen zu sein uud altrömische Formen, wenn nicht wirklich aufgenommen, 
so doch angestrebt zu haben. Denn damals war es doch wol. dass die 
„antiqua ordinatio legionis' 4 in Geltung stand, von der Vegetius berichtet. *) 
Diese „ordinatio" ist aber die folgende: 

Auf die Legion werden 10 Cohorten gerechnet, von welchen die erste 
1105, jede der übrigen 555 Mann zählt. 

Die erste Cohorte zerfällt in 10, jede andere in 5 Ccnturien, jedo Centurie in 10 
.,contubernia", auf welche, damals der in seiner alten Bedeutung anti<|uirtc Name „mani- 
pulus*' überging, und die unter 10 „decani" standen.**) Es bat also 
1 contubernium 10 railites gregarii, 1 decanus 
1 centuria 100 „ „ 10 decani 1 centurio 

1 cohors 500 „ „ 50 decani 5 centuriones 

die prima cohors 1000 „ „ 100 decani 5 centuriones. 

Jode Cohorte hat ausser den Centurionen einen besondern Kommandeur, nämlich die 
erste einen „tribunus", die übrigen entweder einen „tribunus" oder einen „praepositus". l'nter 
diesen stehen in den 9 letzten Cohorten je 5. in der ersten aber 10 Centurionen, welche 
in 2 Kangklassen zerfallen. Fünf von ihnen sind nämlich Oberoftiziere und heisaen „ordiuarii". 

Die Legion zählt somit 6105 Mann in 55 Centurien. 

Inder Bewaffnung ist eine wesentliche Veränderung eingetreten.***! 
Die 5 ersten Cohorten führen ,,pila 4< , und zwar jeder Mann zwei, ein grösseres, 
welches Vegetius „spiculum'", und ein kleineres, das er „vericulum 1 " oder 
„verutum" nennt, beide von dem alten „pilum" wol verschieden; die fünf 
letzten Cohorten tragen „lanceae", d. h. mit dem ..amentuin" versehene 
Wurflanzen •{■), und lange Schwerter (spathae) , beides Waffen , die von den 
Auxiliaren an die Legionstruppen gekommen waren. •}••{-) Das Wieder- 
erscheinen des Pilum zeigt indessen doch, dass man die Tradition der Väter 
aufnahm, und im Gefolge des Pilum müssen naturgemäss auch die Schutz- 
waffen wieder zur Geltung gekommen sein. 

An Reiterei sind der Legion 22 Türmen = 726 Pferde beigegeben, 
von denen 132 der ersten, je 66 jeder andern Cohorte zukommen. Nur der 
Führer der Tu mm hiess „decurio", der zweite „duplicarius", der dritte 
„sesquiplicarius". 

*) Veget. 2, 6. 7. — Vergl. die Gründe der Datimng bei Marquardt a. a- Ü. S. 586. 
*♦) Veget. 2. 137. »♦*) Veget 2, 16. 

f) Isid. Orig. 18. 7, 5. ff) Nach Diodor 5, 30 sind beide Waffen gallischen Ursprung*. 



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Bei dem Aufmärsche ist die Legion in zwei Treffen formirt. Die 
„prima acies'' bilden ihre 5 ersten Cohorten , von denen die 1. auf dem 
rechten Flügel , die 3. im Centrum , die 5. auf dem linken Flügel steht ; in 
der „secunda acies' 1 nimmt die 6. den rechten Flügel, die 8. das Centrum. 
die 10. den linken Flügel ein.*) Die Reiterei hielt verrauthlich auf den 
Flügeln des Fuszvolkes. 

Die Neugestaltung des Reiches und die Verwickelung der Verhältnisse 
durch Errichtung der ostlichen Residenz hatten auch Aenderungen der 
Heeresorganisation zur Folge, welche Zosimus dem Constantin (324 — 337) 
zuschreibt, indem er berichtet, dass dieser Kaiser die bis zu seiner Zeit an 
den Grenzen des Reiches stationirten Truppen grösstentheils in das Innere 
der Provinzen verlegt habe. In der That ist aus Ammian ersichtlich, dass 
bei einem entstehenden Kriege die Truppen jedesmal an die Grenze ziehen 
und nach Beendigung desselben wieder in die Provinz zurückkehren. Die 
dauernde Besetzung der Grenze bilden ausschliesslich die „Ii mi tan ei" und 
„riparienses", d. h. fest angesiedelte, ackerbauende Soldaten, denen es 
nicht nur oblag, den r limes imperii" zu vertheidigen, sondern auch die Grenz- 
länder zu bebauen. **) Der Anfaug zu dieser letzteren Einrichtung, auf die 
bei Betrachtung der Grenzbefestigungen noch einmal zurückzukommen ist, 
war allerdings lange vor Constantin durch Alexander Severus gemacht 
worden. Dieser zuerst hatte angeordnet, dass das den Grenzern ange- 
wiesene Land nur in dem Falle von Vater auf Sohn vererben solle, wenn 
der Sohn wieder Soldat würde, dass es aber in Privatbesitz niemals Über- 
gehn dürfe;***) unter Alexander zuerst begegnen auch die später regel- 
mässig vorkommenden „duces liinitum". f) Erst seit Constantin jedoch 
erscheint die gesammte Streitmacht in zwei grundsätzlich verschiedene Theile 
zerlegt, nämlich in die „palatini" und „comitatenses" und in die „ri- 
pensos" und .,1 i m i ta ne i" zu welchen vielleicht nun auch die „pseudocomi- 
tatenses" zu rechnen sind. •}-}•) (Vergl. oben S. 256). 

Die Zahl der Legionen war ausserordentlich gewachsen, seitdem 
Barltaren aller Art in dieselben Aufnahme fanden. Während Septimius 
Severus über 33 Legionen verfügte, zählt die bald nach 400 verfasste „Notitia 
dignitatum" 25 legiones Palatinae . 70 legiones Comitatenses, 37 legiones 
Pseudocomitatenses und noch etwa 43 andere Legionen, im Ganzen also 175 
auf f f f ) : die S t ä r k e d e r L e g i o n dagegen ist sebr vermindert, was Vegetius 
allerdings nicht einem neuen Prin/.ipe, sondern dem mangelhaften Ersätze 
für die Entlassenen, Kranken und Descrtirten zuschreibt. *-{-) Gelegentlich 
hört man . da.ss 5 Legionen 6000 Mann ausmachten . dass in der kleineu 
Stadt Amida 7 Legionen eingeschlossen waren, uud dass zu einer ganz un- 
bedeutenden Expedition im Kaukasus 12 Legionen gebraucht wurden. *ff) 
— Nach Pauly lagen im Oriente 70 Legionen, die aber nur 70,000 Mann 

•) Veget. 2, 15. **i Vergl. Kuhn: Verf. d. Köm. Reiches. I. S. 135 ff. 
**») Lump rnl.: Alex. Scver. 58. f) ßnrghesi: Oeuvres V. p. 399. 492. 
f|) KoflimuS 2, 84. fff) Marquardt vertritt diese Zahl nur als annähernd richtig. 
*t> Veget. 2, 3. *tt) Marquardt a. a. O. 

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enthielten. Dazu kamen im Osten 41 Auxilia zu 100 M. und 59 Gehörten 
zu 500 Mann nebst einer Reiterei von 41 Vexillationen zu 200 und 06 Alac 
zu 100 Pferden. Zu den 62 abendländischen Legionen kamen 05 Auxilia. 
42 Vexillationcs und 269 Praesidia (Besatzungskommandos). — Diese Ver- 
mehrung der Cadres bei sinkendem Mannsehaftsbestaude ist ein Zeichen 
wieder zunehmender Zersetzung des römischen Heeres. — Wol vermochten 
einige geniale Fürsten, wie namentlich Julianus Apostata (301 — 303), 
dem hinsterbenden Reiche für kurze Augenblicke das Fluidum ihres Geistes 
einzuflössen; aufhalten aber liess sich die atomistische Auflösung des unge- 
heuren Körpers nicht mehr. Ein Buch wie die früher genannte „Notitia 
dignitatum" zeigt schon in ihrer seltsamen complicirten Nomenclatur, dass 
es sich hier nicht mehr um ein grosses organisches Ganzes, sondern um ein 
Conglomerat der verschiedenartigsten Elemente handelt. So erscheint 
denn auch das Heer in den Schilderungen und Klagen des Vegetius. 
der unter Theodosius d. Gr. (379—395) schrieb.*) — Da findet keine 
eigentliche Aushebung (dilectus) mehr statt, sondern eine ..indictio mi- 
litunr\ insofern die ..possessores", die besitzenden Klassen, Soldaten stellen 
und zwar durchweg Provinziale. Wie schon früher in den Zeiten Hadrian'» 
und Alexauder's weigern sich die Truppen, schwere Waffen zu tragen. — 
Die Reiterei ist nach dem Muster der Gothen, Alanen und Hunnen freilich 
besser gerüstet als früher; aber die „pedites" sind „nudati". Bis auf 
die Zeit Gratian's, also noch bis zu Vegetius' Tagen selbst, war, dank der 
Reformen Diocletian's. das Fuszvolk mit Panzern (cataphractae) und Helmen 
(galeae) versehen; allein als man aus Gleichmütigkeit und Bequemlichkeit 
die militärischen Exercitieu einstellt, da kommt den ungeübten Soldaten die 
Rüstung alsbald zu schwer vor; sie verlangen geradezu von dem Kaiser, 
zuerst den Panzer, dann auch den Helm ablegen zu dürfen. Die Folge 
davon ist, dass sie, mit den Gothen zusammentreffend, wiederholt durch die 
Masse der feindlichen Bogenschützen vernichtet werden, ja lieber fliehen 
oder sich gefangen nehmen lassen als fechten. 4 *) Es fehlt also jetzt das. 
was früher der Legion Wucht und Haltung gab , die ,. gravis armatura". 
Die alte Legion war eine „civitas munitissima", das Fussvolk ihrer drei 
Treffen wurde mit Recht ..murus" genannt. Die Ausrüstung der Legion zu 
Vegetius' Zeit ist dagegen ganz die der Leichtbewaffneten. Seihst das pilum, 
die römische Nationalwaffe, war wieder in Abgang gekommen.***) So ist 
denn eine vollständige Degeneration des Heerwesens eingetreten : der feste 
Mauerwall der alten Legion war gebrochen, das Fuszvolk. ungedeckt dem 
Feinde preisgegeben, vermochte nicht mehr den unerschütterlichen Kern der 
Heere zu bilden ; die Heiterei, der schon Hadrian besondere Sorge gewidmet, 
nahm den Vorrang. Man hatte also das aufgegeben, worin man früher 
überlegen gewesen , und sich der Kampfweise der Barbaren angeschlossen, 
in der man es doch diesen nicht gleich thun konnte. — Da sucht man nun 

♦) Plank: Der Vorfall des rinn. Kriegswesens zu Endo des 4. Jlirdts. Stuttjr. 1877. 
**) Vrjret. I, SW. KIkU. 



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Hilfe und Heil in massenhafter A